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Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Donnerstag, 5. Mai M8

Zwei Oberheffen als Reichssieger beim Führer.

zu beweisen und damit d-arzutun, daß sie das Reichs- siegerabzeichen auch für die Zukunft mit Recht trat gen dürfen.

Frohe Heimkehr nach ereignisreichen Tagen.

Reichsleistungsschreiben auf der Schreibmaschine.

r Nach einer Reihe von erlebnisreichen Tagen sind am gestrigen Mittwoch unsere beiden oberhes­sischen Reichssieger im Reichsberufs­wettkampf von Berlin heimgekehrt. Wie wir schon kurz berichteten, wurden der 19jährige Hans Bauftian in Schotten in der Fachgruppe Molkerei und der etwa- 25jährige Martin Kaiser aus Ober-Widdersheim in der Fachgruppe Steine und Erden" Reichssieger. Da beide mit hervorragenden Punktzahlen abschnitten, wurden sie am 1. Mai zusammen mit 130 weiteren Siegern aus dem ganzen Reich dem Füchrer oorge- st ellt. Gestern, kamen sie nun zurück. Wir unter­hielten uns mit ihnen darüber, was ihnen die großen Tage *bon Hamburg und Berlin alles ge­bracht hatten.

Bei Hans Bauflian.

Hans Bauftian, den jungen Molkereigehilfen, trafen wir bei seinem Reichsfachjchaftsleiter Grieb in Gießen an. Bauftian ist ein frischer Schar-

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Hans Bauftian (Schotten), Reichssieger in der Fachschaft Molkerei.

(Aufnahmen 12]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

führer der Hitler-Jugend. Sein Vater ist der Molkereiverwalter Robert Bauftian in der Molke­rei Hoherodskopf in Schotten. Hans Bauftian hat aber nicht im Betrieb des Vaters gelernt, sondern in Eschwege. Seit einiger Zeit ist er in Schotten tätig. Schon im Kreiswettbewerb und im Gauwett- üewerb vermochte er wie er selbst sagt, dank seines eifrigen Studiums in der Fachliteratur und feiner guten Ausbildung an Maschinen und im Laboratorium den Anforderungen ohne weiteres gerecht zu werden.

In Hamburg wurde nun, so erzählt er weiter, außerordentlich viel verlangt. Er mußte sich als sehr universell erweisen. Nicht nur, daß eine Fülle von sehr speziellen fachlichen Fragen gestellt wur­den, er mußte auch in verwandten Gebieten Be­scheid wissen. So wurde vor allem auch das Wissen um die Beseitigung von Schäden an Maschinen und Leitungen verlangt, außerdem mußte er zeigen, daß

er weiß, was er zu tun hat, wenn einmal der Elektromotor nicht funktioniert. Und ständig stan­den dreiausgekochte" Fachleute hinter ihm, die unbewegten Gesichtes seine Antworten entgegen­nahmen, ohne ihn wissen zu lassen, ob er gut ober schlecht geantwortet hatte. Drei Stunden lang gab es in der praktischen und theoretischen Prüfung zu tun.

Gegen 36 Mitwettbewerber hatte er sich zu be­haupten. Aber der große Wurf gelang ihm! Der 19jährige vermochte in seinem Wissen und Können selbst über 40jährige zu übertreffen In der welt­anschaulichen Prüfung schnitt er nicht weniger gut ab, und im sportlichen Leistungskampf erzielte er 90 Punkte mehr, als er zu erzielen überhaupt nötig hatte, um Reichssieger zu werden.

Begeistert erzählt er von dem Empfang bei dem Führer in Berlin. Gestern um die Mittagsstunde holte ihn fein Vater von Gießen im Kraftwagen ab. In Schotten wurde dem jungen Reichssieger ein ehrender Empfang bereitet.

Bei Martin Kaiser im Steinbruch.

Auch Martin Kaiser, der junge Steinhauer, stand noch ganz im Banne seiner großen Erlebnisse der jüngsten Tage. Wir fanden ihn im Basalt- Werk Ober-Widdersheim bei Nidda in der Steinrichterhalle und am Arbeitsplatz seines Vaters, dem er von Hamburg und Berlin erzählte. Heute morgen wird er wieder an seinem Arbeitsplatz in der Steinrichterhalle neben seinem Vater sitzen. Dann begleiteten wir den Reichssieger in der Gruppe Steine und Erden" durch den Betrieb in den Steinbruch. Ueberall wurde er oqn seinen Arbeits­kameraden herzlich begrüßt, alle kamen sie herbei, um ihm die Hand zu . schütteln und ihn zu beglück­wünschen. Ihnen allen leuchtete die Freude darüber aus den Augen, daß es einem aus ihrem Werke gelungen war, diesen großen Erfolg zu erringen.

Martin Kaiser hatte die Möglichkeit, seine un­mittelbar praktische Prüfung unter strenger Bewer­tung seiner Arbeit im Basaltwerk von Nickel in Ober-Widdersheim abzulegen, da es zu umständlich gewesen wäre, einen Viertel-Kubikmeter des Basalt­materials nach Hamburg zu schaffen. Die theore­tische, die weltanschauliche und die sportliche Prüfung hatte er in Hamburg abzulegen. Im theoretischen Teil der Prüfung hatte er ein sicheres Allgemein­wissen über den Bau der Erde und über die Ent­stehungsgeschichte der verschiedenartigen Gesteine zu beweisen. Auch manche Rechenaufgabe galt es zu losen.

Don der Preisverteilung erzählte er ein inter­essantes Zwischenspiel. Der Preisverteilunq wurde, als viele Namen verlesen wurden, sein Name zu­nächst nicht genannt. Er glaubte schon, resignieren zu müssen. Auf einmal hieß es dann, daß nun die Na­men derer verlesen werden sollten, die dem Füh­rer vorge stellt würden. Da fiel nun auch sein Name! Aber: der Vortragende brach plötzlich ab. So als schiene er sich geirrt zu haben. Seine Kame­raden wollten ihn schon nach vorne schubsen. Er ging aber nicht! Denn er wollte genauer wissen, ob er es auch wirklich sei. Bald stellte sich heraus, daß der Preisverteiler. nur deshalb im Fluß der Na­menverlesung abgebrochen hatte, weil man neben ihm mit der Verteilung der Ehrenzeichen nicht rasch genug nachkommen konnte. Dann aber fuhr der Red­ner fort, und da hieß es denn:Martin Kai­ser, Steine und Erden, Ober-Widdersheim, Ober­hessen ..." Also er war es doch! Seine Kame­raden rissen ihm fast die Arme aus.

Auch er erzählte seinen Arbeitskameraden und uns von der herrlichen Helgoland-Fahrt, von der Hafenrundfahrt in Hamburg, von den Empfängen in Berlin, von dem Händedruck und dem Blick des Führers, der eine halbstündige Ansprache eigens für die Reichssieger hielt.

Martin Kaiser (Ober-Widdersheim) wird vom Betriebsobmann beglückwünscht.

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Heute sind beide, Hans Bauftian und Martin Kaiser, wieder im alltäglichen Dienst. Beide lie­ßen sie wissen, daß der Erfolg für sie keinen An­spruch auf Selbstzufriedenheit bedeute, sondern eine ständige Mahnung daran, diese Leistung immer neu

Nach dem erfolgreichen Abschluß des 1 Reichs­leistungsschreibens in Deutjcher Kurzschrift Ende des vergangenen Jahres ruft die Deutsche Arbeits­front, unter Mitwirkung der Deutschen Steno­graphenschaft, erneut alle Volksgenossen, denen dis Schreibmaschine tägliches Handwerkszeug geworden ist, zum 1. Reichsleistungsschreiben auf dek Schreib­maschine auf. Für den Gau Hessen-Nassau wird der Wettkampf am Sonntag, 8. Mai, durchgeführt. Je­der Volksgenosse und jede Volksgenossin, ob An­fänger, Durchschnitts- oder Spitzenschreiber, ob Tip­per oder Blindschreiber, ist zur kostenlosen Teil­nahme berechtigt. Für jede brauchbare Leistung wird wieder eine Leistungsbescheinigung ausgestellt; außerdem werden Gau- und Reichspreise ausgesetzt. In dem ^Wettbewerb werden folgende zwei Auf­gaben gestellt: a) 10 Minuten Äbschreiben eines Drucktextes, b) formgerechtes Darstellen eines Brie­fes nach Drucktext. Anmeldung und Auskunft: DAF.-Kreiswaltung Wetterau, Abteilung für Be­rufserziehung und Betriebsführung, Gießen. Schrift­liche Anmeldungen können auf einer Postkarte vor­genommen werden und müssen genaue Anschrift, Alter, Beruf und Mitteilung, ob zum Wettschreiben eigene Schreibmaschine mitgebracht werden kann, enthalten. Das Wettschreiben wird in allen Orten der Kreise Wetterau und Alsfeld/Lauterbach durch­geführt, sofern genügend Wettschreiber und Maschi­nen zusammenkommen oder die letzteren ander- | roeitig zur Verfügung stehen.

Aus der Stadt Gießen.

Verwandlungskünstler Salzhering.

ZdR. In den letzten Wochen ist uns der Hering immer wieder ins Gedächtnis gerufen worden; denn man hatte ihn in den hinter uns liegenden Jahren zu sehr vernachlässigt. Der Grund dafür ist nicht etwa darin zu suchen, daß der deutsche Salz­hering hinsichtlich seiner Güte nicht alle Erwartun­gen erfüllt, nein, die Qualität des deutschen Salz­herings stand und steht außer jedem Zweifel. Un­glück des Herings war feine Preiswürdigkeit. Als Fleisch des kleinen Mannes" war er inVerruf" gekommen; denn man .glaubte ja geradezu auch durch die Einteilung der Kochkunst in einfache, bür­gerliche und feine Küche eine ArtKlassenkampf" des Kochtopfes führen zu müssen.

Durch die Einrichtung des Eintopfgerichtes ist in Deutschland die Volksgemeinschaft der Küche wieder hergestellt worden. Dadurch hat man auch erreicht, daß so manches gute alte Gericht, das früher nicht mehr alsstandesgemäß" galt, wieder zu - Ehren kam. Dazu gehört auch der Salzhering. Aber noch etwas anderes hat bewirkt, daß man ihm wieder in der Küche und auf dem Speisezettel den Platz einräumt, der ihm seines Wohlgeschmacks und sei­nes hoben Nährwertes wegen zukommt, nämlich die schier unerschöpfliche Möglichkeit, ihn in seiner Zubereitungsart zu verändern. Welches andere Nahrungsmittel läßt sich in über 30 verschiedenen Zubereitungsarten auf den Tisch bringen? Das kann man kaum mit irgend einer unserer Fleisch­sorten fertigbringen.

Dor allem ist erfreulich, daß auch das warme Heringsgericht wieder aus der Vergessenheit her­vorgeholt worden ist. Man soll nämlich durchaus nicht glauben, daß die warmen Heringsgerichte, wie sie zum Beispiel das neue RezeptheftSalz­hering einmal anders" der Reichsfischwerbung zur Nachahmung empfiehlt, so unerhört neu sind. Nein, warme Heringsgerichte haben ihre Tradition. Da gibt es ein jetzt allerdings schon rechttseltenes Koch­buch mit dem schönen Titel:Wie man in Berlin zur Zeit der Königin Luise kochte", das auch inso­

fern kulturhistorisch und literarisch bemerkenswert ist, als es von der Urgroßmutter des märkischen Dichters Theodor Fontane, Frau Auguste Wilhel­mine Friederike Charlotte Fontane, geb. Werner, verfaßt worden ist. In diesem altberliner Kochbuch findet man bereits ein recht schmackhaftes warmes Heringsgericht mit Kartoffeln. Es soll nachstehend (mit einigen geringen zeitgemäßen Aenderungen) Platz finden:Die' Kartoffeln werden geschält, in Scheiben geschnitten, sodann in einen Topf, wo sie gewöhnlich kochen, getan und gesalzen. Wenn sie gut gar, wird das Wasser rein abgegossen und recht fein gerührt. Nun hat man in ein wenig Fett fein-

Srischer, reiner

gründliche; schonende Reinigung,

verhindert den Ansatz von Zahnstein.

Sro/Je Tube 40 T/., kleine Tube 25 T?f.

gehackte Zwiebel getan und läßt sie gelblich braten, welche man dazu gießet. Alsdann nimmt man eine Mehlspeisenform (mir haben heute eine feuerfeste Form), schmieret sie mit Fett aus und macht die erlie Lage von Kartoffeln, dann kommt eine Lage Speck, welcher recht mürbe gekocht und in feine Scheiben geschnitten sein muß. Wenn es nun lagen­weise eingelegt worden ist, macht man es oben glatt und gießt ein wenig Sahne (wir nehmen Dosen­milch) mit einem Lössel darüber und tut immer, als will man die Kartoffeln ein wenig heben, und läßt sie gelblich backen. Will man es recht fein haben, nimmt man einen Hering, läßt ihn wässern und schneidet ihn in feine längliche Stücke, diese legt man auf ein Blatt Papier gegeneinander, tut sie" in einen flachen Tiegel und läßt sie mit mit einem Stückchen Butter anbraten. Alsdann legt man die Heringsstreifen darüber."

Man braucht also nur in alten Kochbüchern nach- zuftöbern und die Gerichte mit den Erfordernissen

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Marga, tja, wo wird die stecken? In welchem gottverlassenen Gasthaus wird die sitzen? Aber viel­leicht, wer weiß, vielleicht sitzt sie äußerst mondän in irgendeinem mondänen Hotel in Dresden. Auch fo was könnte ihr mal einfallen. Na, wenn sie das getan hat, wenn sie in ein großes Hotel gegangen ist, dann wird sie ja auch bestimmt nicht allein fitzen. Marga Montwill sitzt nie allein; die zieht die Män­ner an wie das Licht die Motten, obgleich sie es manchmal gar nicht will. Aber es ist so. Ja. Lei­der ...

Hach, das verfluchte Radio! Mal leiser stellen. Man kann ja gar nicht nachdenken ...

Oder soll man's vielleicht lieber lauter stellen und das Nachdenken über Marga Montwill fein lassen? .

Joseph Breda hockt noch unschlüssig vor dem Ra­dioapparat und bummelt durch den Aether öa läutet das Telephon.

Erschrocken schaut Breda auf die Uhr: Wer kann denn das sein? Jetzt, halb zehn?

Er dreht das Radio ab und horcht und rührt sich nicht. Das Telephon läutet hartnäckig weiter. Dann schießt's ihm plötzlich durch den Kopf: So laut »schellt's nur, wenn es sich um ein Ferngespräch han­delt. Ferngespräch! Um diese Zeit? Das ist Marga Montwill!

Und mit einem Satz ist er am Apparat.

Eine singende Stimme meldet ein Gespräch aus Eigelstein in Thüringen. Gespräch für Herrn Joseph Breda, Berlin.

Eigelstein in Thüringen? Nie gehört. Na, wenn schon.

Halloo? Haaallloooo?

Der Apparat sing.

Joseph Breda sitzt auf der Schreibtischkante und drückt die Zigarette so heftig auf der Schale des Tintenfasses aus, daß er sich die ganze Fingerspitze mit verbrennt Teufel ...

Hallo?

Und heiß ist es hier. Daß er'das vorher noch nicht gemerkt hat! Vorsichtig zieht er sich den Rock aus.

Hallloooo! Haaaaaallo!

O je! Und die Nase müßte er sich noch rasch putzen

man spricht dann deutlicher. Aber natürlich hat er fein Taschentuch in der Tasche. .

Hallo! Hallo-hallo!

Da endlich! Jawohl, hier Breda, Berlin. Marga? Hallo, Marga? Na, altes Mädchen, wie geht's denn draußen in der Fremde? Gut? Das freut einen denn ja auch, das ist recht. Ja, mir geht's auch gut, ausgezeichnet sogar. Wie? Nein, ich bin allein. Ich sitze hier in "meiner Bude und hab's mir sau­gemütlich gemacht. Ja, sapgemütlich, hab' ich ge­sagt. Wie? O natürlich, wunderbar hab' ich gegessen, direkt gespeist gespeist, jawohl! Und jetzt bin ich schon bei der ... bei der dritten Flasche, ja. Wie? Du, noch mal, bitte! Das Letzte hab' ich nicht ver­standen. Wie war das?"

Ich bleiben bißchen länger aus, als ich' dachte', wiederholt Margas Stimme.Hast du verstanden, Jupp? Aber da es dir so gut geht, kann ich es ja mit gutem Gewissen tun. Meinst du nicht auch?

Na ja", sagt Joseph Breda, und er hört deutlich, wie durch die Drähte eine sehr feine leise und zärt­liche Melodie mitkommt, als ob jemand in der Nähe von Marga Klavier spiele oder auch Geige oder beides.

Wo sie denn eigentlich stecke, ruft er darum plötz­lich in verstärktem Ton, was sie denn ausgerechnet in Eigelstein mache, ob es da so nett sei. Und dann noch lauter:Und die Musik? Wer macht denn da in deiner Nähe so raffinierte Musik? Ist das Radio?"

Da lacht Marga Montwill am anderen Ende der Leitung leise auf, und Breda wird es noch wärmer bei diesem Lachen. Am liebsten zöge er sich noch rasch den Kragen aus, aber der ist am Hemd fest- genäht; das hat man davon, wenn man sportliche Kleidung trägt, jawohl.

Nein, lacht Marga Montwill, das fei fein Radio, sondern im Nebenzimmer säße eine hübsche junge Dame und eine alte Jugendliebe von ihr nicht von der jungen Dame, sondern von ihr selber, von Marga, ja und die beiden spielen jetzt gerade dieGartenszene" aus demFaust".Kannst du s hören, Jupp? Paß mal auf, hör mal..."

Aber Joseph Breda pfeift auf die Gartenszene; Breda will wissen, wieso Marga zu diesem jungen Mädchen und zu ihrer Jugendliebe kommt. Jugend­liebe, hm ein blödes Wort eigentlich.

Tja", ruft Marga,das ist eine ulkige Ge­schichte, aber zu lang fürs Telephon, lieber Jupp. Die erzähl' ich dir mal, wenn ich wieder nach Haufe komme. Ader vorläufig, wie gesagt, bleibe ich noch hier, bei Hammerbachers, bei Ham mer bad) chers in Eigelstein, und es ist ent­zückend. Wie ein Traum ist's, Jupp. Wirklich. So

idyllisch und so reizende Menschen und die ganze Atmosphäre ich wußte ja gar nicht, daß es das noch gibt... Aber du bist ja so still, Jupp! Was ist denn? Hallo! Bist du noch da?" ^Ja, Jupp ist noch da.

Ob also die Jugendliebe Hammerbacher heißt?

Nein, sondern die Jugendliebe... Nun hört Joseph Breda doch alles durch das Telephon. Wie Marga zu Hammerbachers geraten ist, wie fabel­haft gut ihr der rauhbautzige Doktor Hammerbacher gefällt, der übrigens viel jünger ist, als sie sich ge­dacht hatte, viiiel jünger... und wie sie dann zu allem Uebersluß auch noch auf Walter Lenzsch ge­stoßen ist, und daß sie nun alle miteinander ein entzückendes Wochenende verbringen wollen und Marga vielleicht, vielleicht sogar noch länger bleibt. Vorausgesetzt natürlich, daß Jupp in Berlin allein fertig wird.

Ja, ja, ich werde schon fertig", brummt Breda und hat eine steile Falte zwischen den Brauen. Ver­dammt noch mal, Walter Lenzsch den Namen kennt er doch, mit einem dieses Namens war Marga doch mal verlobt! Und ausgerechnet mit dem trifft sie nun wieder zusammen, verdammt noch mal. Uebrigens scheint in diesem Hause Hammer­bacher gar feine Frau mehr zu sein. Ist das nun nötig, daß sich Marga ausgerechnet in so ein so ein Männernest setzt? Und schickt sich das? Schließlich sagt sie ja selbst, daß der Doftor viel jünger ist, als sie angenommen hat.

Gott, ist das heiß hier in der Bude...

Indessen hat Marga Montwill vergnügt weiter­geschwatzt: von dem gemütlichen Kaffee und dem Spaziergang, und wie süß das Eigelstein ist, und daß Tapsy sich inzwischen mit des Doktors Seppi angefreundet hat.

Auch das noch!" sagt Breda.

Wie, bitte?" fragt Marga zurück.Wie, bitte?" Auch das noch!" brüllt Breda und fügt dann nach einem tiefen Schnaufer dazu:Ich meine nur, das scheint ja in diesem Eigelstein eine ganze Der- brüderungsszene gewesen zu fein."

Ja, wirklich. Und ich muß sagen, ich war lange nicht mehr so glücklich!" ruft Marga, und ihre Stimme liegt das nun am Draht oder nicht? ihre Stimme klingt wirklich äußerst beschwingt.

Breda hätte größte Lust, einzuhängen. Hat man das nötig, sich so anpöbeln zu lassen? Wo man hier ganz allein sitzt? Und warum sitzt man hier allein? Weil man sein Herz auf ganz alberne Weise an diese Marga Montwill, an diese unberechenbare Person gehängt hat. Hach, wie könnte man sich heute abend amüsieren und unterhalten, hätte man nicht Marga zuliebe darauf verzichtet! Hach, wie

hätten sich die Leute darum griffen, mit einem zu­sammen zu fein! Und was war alles los in Berlin! Hach!

Na schön", sagt Breda grob und macht sein bösestes Gesicht,na schön, also dann sei weiter recht glücklich, und falls du dich mit dem Alten etwa verlobst, schick mirne Depesche. Und sonst..

Der Draht singt; es ist auf einmal merkwürdig still auf der anderen Seite.

-Marga! Hallo!" schreit Breda und springt vom Schreibtisch und stellt sich breitbeinig auf, die Faust in die Tasche gestopft:Hallo! Marga, bist du noch da?"

Hallo, das Amt, sprechen Sie noch, mein Herr?"

Jawoll", brüllt Breda und zerrt die Faust aus der Tasche und schlägt dröhnend auf den Tisch,ja­wohl, Himmeldonnerwetter, ich spreche noch. Sie hören doch, daß ich noch spreche!"

Und er lauscht atemlps.

Und will schon abhängen.

Da ist plötzlich wieder Margas Stimme da, aber sehr leise, sehr langsam, sehr gelassen. So spricht Marga Montwill, wenn sie über irgend etwas be­troffen ist; Breda weiß es genau.*

Ja, ich bin noch da, guter Jupp", sagt Marga, aber ich glaube, wir hängen jetzt ab. Und wenn im Geschäft etwas los ist, Jupp, meine Adresse und Telephonnummer kriegst du morgen auf einer Post­karte. Aber ich hoffe, du kommst eine Weile ohne mich aus. Und alles Gute inzwischen, lieber Jupp, und amüsiere dich gut und grüß Mama. jtll|o, Jupp.. "

Also, Marga..."

Gute Nacht, Jupp!"

Gute Nacht, Marga gute Nacht."

So. Schluß.

Der Hörer fällt knackend auf tue Gabel. Der Rocr kann wieder angezogen werden. Und her mit den Zigaretten. Und angedreht das Radio. Egal, was, egal, welche Station, nurn bißchen Krach muß sein, Militärmusik oder Kabarett oder Schrumm- tatta, ganz wurscht. Und noch eine neue Pulle her und schrumm auf den Sessel gehauen die ganze lärme Latte und wieder die Beine ins Zimmer. Hach, rutscht mir doch alle den Buckel lang, alle!

Ich Esel! Ich dreihöckriger Esel!" sagt Breda dann plötzlich laut und voll tiefster Uederzeugung. Und niemand widerspricht ihm.

Und zehn Minuten später steht er auf der Straße.

Es muß ja nicht unbedingt Marga Montwill sein, mit der man den Samstagabend verbringt, nicht wahr?

(Fortsetzung folgt.)