Bäder, Sommerfrischen,
Sezaubernde Heffenlandschaff.
Eindrücke und Bilder von einerPressefahrt.
Einen Tag früher, und wir hätten das himmlischste Wetter gehabt... aber wer kann das vorher wissen. Am Hause der Arbeit in Frankfurt beginnt die Fahrt, in einem dünnen, dauerhaften Strichregen, der genau so ausfieht, als ob er heute nicht mehr aufhören wollte. Durch die öftliche Außenftadt, mainaufwärts über Mainkur, Bischofsheim, Hochstadt (unterwegs treffen wir Infanterie und Panzerabwehr mit roten Helmbändern während einer Hebung) — durch den Wilhelmsbader Wald und die Vorstadt von Hanau unserem ersten Ziel entgegen ... *
Die Fahrt wurde veranstaltet von der Gau- waltung Hessen-Nassau der Deutschen Arbeitsfront in Frankfurt am Main gemeinsam mit Kreisleiter G ö r n e r t vom Kreis Büdingen-Schotten Die Fahrt führt durch die bemerkenswertesten Teile des Kreises und soll den Vertretern der rhein-mainischen Zeitungen Gelegenheit geben, aus eigener Anschauung, soweit dies noch nicht der Fall war, einige der landschaftlich reizvollsten, mit alter Kultur gesättigten Gegenden unserer oberhessischen Heimat kennenzulernen und den Blick auf diese noch immer zu wenig bekannte und erschlossene Landschaft zu lenken; unterwegs war reichlich Gelegenheit, von den mancherlei Bemühungen der Kreisleitung wie der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" zu erfahren, dieses Gebiet dem Fremdenverkehr so gründlich zu erschließen, wie es das verdient.
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Noch immer ist der Himmel grau, hängen die Wolken tief, rieselt der Regen über die Windschutzscheibe, als hinter Hanau die seit früher Kindheit vertrauten, schönen und seltenen Namen auftauchen, die den Weg zur ersten Station der Fahrt weilen: .Rückingen, Langenselbold, Hüttengesäß, Alt-Wieoer- mus... Was zuvor flach und eben war, beginnt sich jetzt zu lockern, zu beleben, zu gliedern, in sanften Wellen schwingt die Landschaft weit um die Ronneburg, deren feste Konturen hinter einem zarten Regenschleier auftauchen und schnell näherrücken.
Das letzte Stück zu Fuß. Mit ansehnlichen Klumpen guter, fetter, hessischer Erde an den Sohlen kommen wir oben an, wo uns Gewerbelehrer N i e ß aus Büdingen, ein gründlicher Kenner der Ronneburg, alsbald eine Menge zu erzählen weiß aus ihrer alten und wechselvollen Geschichte und Bau- geschichte .. Zwinger, Wehrgang und Bandhaus, Küche, gotischer Pallas, Rittersaal, riesiger Turm ... seltene Steinmetzzeichen, alte Inschriften, rostig verwittertes Tor ... vieles ist uns bekannt, aber noch immer staunen wir wie als Kind, wie lange der Wasterguß braucht, ehe er klatschend im Grunde des 84 Meter tiefen Burgbrunnens ankommt Wir hören von zerstörenden Bränden, von dreifacher Erstürmung im Dreißig- jähriaen Kriege, von Hexenprozessen, Wassermangel und schauriger Kälte im Winter, aber auch von den „Inspirierten", von Zinzendorf, von den Glaubenskämpfen auf der Burg, von einer Druckerei sogar, die da oben schon im 16. Jahrhundert Musikalien druckte, von Spinnstuben und Webstühlen. Wir sehen auch eine riesige alte Uhr mit zerbröckeltem sandsteinernem Zifferblatt, Handwerkskunst, Väterhausrat aus der Lutherzeit... Noch ein letzter Blick von oben ringsherum, weit ins Tal hinein, der Regen regnet, aber noch hinter seinen feinen Schleiern, die alle Linien verwischen, ist diese Landschaft von einer bezwingenden Anmut.
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Hinüber nach Büdingen, wo wir vom Kreis- leitet Görnert empfangen und hernach bei Tisch vom Büraermeister D i e m e r willkommen geheißen werden. Büdingen gehört zu den Kostbarkeiten des
oberhessischen Landes. Wie oft ist das schon beschrieben worden, wie oft hat man es selber gesehen, durchwandert und durchstöbert bis in die heimlichsten Winkel hinein, aber man verfällt dem Zauber dieser Stadt immer aufs neue. Hier ist, wie kaum sonst in Deutschland, ein Stück Mittelalter lebendig und unberührt erhalten geblieben.
„Am Rosenkränzchen" heißt eine Straße, „Am Gebück" entlang geht (unter kundiger Führung) unser Wea vom Untertor rings um die alte Befestl- gung. Immer wieder wird man bezwungen von der Klarheit, mit der das Bild der Stadt sich dem Auge darbietet, vom Gesamteindruck dieser städtebaulichen Anlage, die ebenso schön wie zweckmäßig in die Landschaft eingelassen ist. Für Büdingen braucht man — es ist ja oft an dieser Stelle davon die Rede gewesen — nicht Stunden oder Tage sondern ein paar geruhsame Wochen, um es ganz zu erleben. Diese Stadt „stickt", wie Frankfurt, roller Merkwürdigkeiten. Auf dem immerhin flüchtigen Rundgang im Regen (der dem vertrauten Anblick sonderbarerweise einen neuen Reiz verleiht) erneuert man viele liebe alte Bekanntschaften. Eigentlich kann man vor jedem zweiten Haus im innersten Stadtkern stehen bleiben ... Wiedersehen mit dem Schloßhof, dem Park, dem Rathaussaal, dem Mühl-
tor, dem „Betzeloch", dem Hexenturm ... dann geht's weiter. Wir haben noch allerlei vor.
Prachtvoll erhebt sich der schwergefügte Torturm von Ortenberg, spitz dahinter die Kirche, und als wir aussteigen, siehe, da hat es wahrhaftig aufgehört zu regnen, was wir schon nicht mehr zu hoffen wagten. Herrlicher Bfick vom Schloßgarten hinunter aus die altersbraunen Dächer und ins Niddertal. Weiter — bei geöffneten Autobusfenstern im frischen Wind. Der dicke Turm von L i ß b e r g hebt sich schon von einem unwahrscheinlich frühlingsblauen Himmel ab. Dann kommt als nächster Haltepunkt das stille, gepflegte Strandbad Hille r s b a ch, ein idyllisches Sommerparadies im Grünen. Hier und unterwegs berichtet Kreisleiter G ö r n e r t über die mancherlei Aufbauarbeit im Kreise und über die tatkräftigen Bemühungert — Hand in Hand mit Arbeitsfront und KdF. —, dieser Gegend den Besucherstrom zuzuleiten, auf den sie Anspruch hat.
Weiter — durch Hirzenhain, am Buderus- Werk vorüber, nach Gedern, wo eine Kaffeepause eingelegt wird, und wo man uns im Namen der Stadt willkommen heißt ... Schloß und Schloß
Durch den lieblichen Taunus.
Von Konrad Haumann.
Zwischen Main, Rhein und Lahn steigt der waldreiche Taunus mit seinen Bergzügen empor, in seinen Heilbädern und Luftkurorten ein herrliches Gebiet zum Rasten, in seinen Bergpfaden ein erlebnisreiches Wandergebiet. Frankfurt, die alte Kaiser- und Krönungsstadt, liegt vor der Taunushöhe, wie zu Goethes Zeit noch heute voll Merkwürdigkeiten. Ein Stück deutsches Mittelalter und alter Bürgerkultur wird vor uns lebendig. An der Schirn sitzen noch Bäcker und Metzger wie in alten Zeiten und verkaufen leckere Wurst und Wecken. Stolz ragt der gotische Dom mit seinem mächtigen Turm über die Altstadtgassen. Der Römerberg — zur Freilichtbühne verwandelt — zeigt sein wundervolles Stadtbild mit den gotischen Staffelgiebelhäusern und seinen stimmungsvollen Höfchen. Hier rann zu Kaiserkrönungszeiten Wein aus den Brunnen. Im Großen Hirschgraben sucht man das Haus auf, da Johann Wolfgang Goethe geboren ward. Nach diesem unerhofften Erlebnis mittelalterlicher Staotschönheiten setzt man sich auf die Straßenbahn und fährt zwischen Obstbäumen, wellendem Korn und blühenden Rosen dem Gebirge zu, an dessen Höhe Bad Homburg liegt. Großzügig und vornehm ist der Kurpark mit seinen Quellenhäusern, Tempeln, Blumen, blühenden Büschen. Berückend duftet der Jasmin. Wir wandern durch ein altes Stadttor, zu dessen Füßen rotdächrig und zusammengezwängt das alte Homburg liegt, dem Taunus entgegen.
Zwischen Wiesen und Wald surrt eine Straßenbahn zur Saalburg hinauf (423 Meter), einem Römerkastell des 2. und 3. Jahrhunderts, oas zum Limes gehört. Das Kastell mit seinen Bauten,, Be- feftigungsroerfen, Brunnen, Mannschaftsbaracken, Heiligtümern ist 1897 wieder aufgebaut worden; das Saalbürgmuseum enthält mehr als 30 000 Fundstücke aus Römerzeiten. Dem Pfahlgraben oder Limes kann man von der Saalburg aus folgen. Wir folgert den bezeichneten Waldpfaden des Taunusklubs. Herrlich baut sich über uns der Hochwald auf mit Fichten, Lärchen, Buchen, mannshohem Fingerhut auf einer Blöße. Der Wander- ftock klirrt über Granittrümmern. Auf dem Taunuskamm steigen wir, ohne einem anderen Wanderer zu begegnen, in zweieinhalb Stunden zur höchsten Erhebung des Taunus hinauf, den Großen F e l d b e r g (880 Meter). Heiße Nachmittgssonne umfaßt uns auf der kahlen Gipfelfläche, wo sich um die drei Berghäuser eine ganze Anzahl Besucher, die mit Autobussen heraufgefahren sind, einge
funden haben. Mr klettern auf den mächtigen Quarzblock des Brunhildenfelsens, sicher ein Heiligtum altgermanischer Zeit (feit 1043 erwähnt) und erfreuen uns am weitreichenden Taunusblick. Dunkel zieht sich der Taunuswald über das Gebirge, von Wiesen und Aeckern unterbrochen. Don der Haardt bis zur Eifel, bis zum Thüringer Wald und Odenwald reicht an klaren Tagen der umfassende Gipfelblick. Und drunten in der Ebene blinkt der Main. Heber den Kleinen Feldberg steigen wir hinab ins Tal, auf steilem Waldpfad über den „Fuchstanz". Bald grüßen die Bauernhäuser unter der Ruine pon Falken st ein, und am Waldrand ist in wenigen Minuten Königstein erreicht.
Königstein, von mächttger Ruine bekrönt, ist einer der idyllischsten Orte des Taunus. Um 1180 wurde die erste Burg erbaut, 1796 wurde sie von den Franzosen gesprengt. Wir folgen einem Pfad und finden dann einen wundervollen Blick über das Städtchen da drunten mit feinen Steildächern, schieferblau und ziegelrot beieinander. Wir hocken in einer Straußwirtschast nieder und probieren immer noch einen selbstgekelterten „Aeppelwoi".
Am nächsten Morgen sind die Taunushöhesi nebelverhüllt, ein Gewitter löst die Gluthitze des oergangenen Tages. Im Regen wandern wir zwischen Rosengärten, Wiesen und Wald durch die liebliche Taunuslandschaft. Heber Fischbach blitzt die Sonne aus dem Gewölk, und dem Fischbach folgen wir zum nahen E p p ft e i n, wo sich vier Täler treffen. Hohe Waldberge umkränzen den Ort mit seinen gekrümmten Gassen, die von der malerischen Burgruine, der alten Pfarrkirche und dem Kaisertempel überragt werden.
Die Bahn bringt uns hinüber in das großstädtische Wiesbaden mit feinen prachtvollen Kuranlagen. Man hört alle Kultursprachen. Wieder bringt uns die Bahn über die Taunushöhen mit ihrem sonnigen Hochwald. Bad Schmalbach: Durch schlichte Kleinstadtgasfen wandern wir in das friedsame Kurviertel, das sich in einem Seitental aufbaut. Das rofenumblühte Kurhaus steht im Mittelpunkt der beiden Brunnentäler. Alles atmet Ruhe und Frieden und Schönheit. Heber die Berge führt der Weg hinüber in das benachbarte Schlangenbad, dem eine harmlose Art Aeskulapnattern den Namen gab. Paradiesisch ist die Lage dieses kleinen Frauenbades in dem von Waldbergen umkränzten Talkessel. Im friedlichen Waldaffatal mit feinen Mühlen, Wiesen, Wäldern bin ich rheinwärts und heimwärts gewandert.
park und in der Wegbiegung auf Schotten zu ein Blick zurück auf den Gederner See ... Die Landschaft zieht wie ein Panorama an uns vorüber, der eigentümliche Charakter des Vogelsberges prägt sich immer entschiedener aus: riesige Weideflächen, Gehölz dazwischen, hin und wieder grasendes^ Vieh, in einer Feldscheuer wird gemolken, ein Hütebub, ein Jäger auf dem Abendgang, ein paar Wanderer auf der Straße, und immer wieder der hohe, dichte Wald, der auf den fernen Höhenzügen in einem feinen blauen Dunst steht, mit fließenden Konturen gegen den wieder bewölkten Himmel abgegrenzt. Auf einmal bricht die Sonne durch, und schräg vor uns erhebt sich der schiefe Turm von Schotten im Grund.
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Ohne Aufenthalt durch die Stadt — schon sind wir auf der Rennstrecke „Rund um Schäften", etwa 620 Meter hoch, das Lüftchen ist dieser Höhenlage angemessen, und die Kollegen, die aus der weichen Frankfurter Luft hier heraufkommen, hören mit wachsendem Verständnis und würzigen Randbemerkungen einen kleinen belehrenden Vortrag über die vier Eiszeiten, welche hier oben ihre Spuren hinterlassen haben; einer der Herren Bildberichterstatter gibt sogar der Vermutung Ausdruck, die fünfte sei heute abend angebrochen. Unterroegs hat uns der Kollege Dambmann aus Schotten schon etliches über „Rund um Schotten" zum Besten gegeben und auch auf das Hochmoor aufmerksam gemacht, an dem wir wenig später, durch den Oberwald, vorüberfahren. Hier blühen seltene Pflanzen, hier fliegt der Apollofalter, hier zeigt der Vogelsberg sein charaktervollstes Gesicht.
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Dann stehen wir auf dem Hoherodskopf und tun einen entzückten Rundblick ins Tal, das in einem silbernen Abendlicht vor uns ausgebreitet liegt. Drinnen im Klubhaus erwärmen wir uns an Wacholder und Steinhäger und hören, was uns der Pressereferent der Motorgruppe Hessen, M e i n i g , Frankfurt a. M., über das große Rennen „Rund um Schotten" berichtet, das am 10. Juli d. I. ausgefahren wird, das einzige motor- sportliche Ereignis im Gau, das einzige in Deutschland, das nicht bei einer Großstadt durchgeführt wird: das begründet seinen Reiz wie die Schwierigkeiten der Organisation, die diesmal der Motor- gruppe Hessen übertrugen worden ist. Die Vorbereitungen sind seit Monaten im Gange. 50 000 Besucher waren im vorigen Jahre da. Diese Zahl soll diesmal womöglich überboten werden, und „Rund um Schotten" hat heuer eine besondere Chance, weil das Eifelrennen ausfällt. Es ist alles getan worden, um dem Rennen einen großen Erfolg zu sichern. Die Anfahrt ist verbessert worden, eine neue Straße für die Zuschauer wird gebaut. Start und Ziel sind nach Rudingshain zu verlegt, wodurch sich für die Zuschauer neue Möglichkeiten ergeben, das Rennen zu verfolgen. Die Absperrung wird Standartenführer Nagel von Gießen leiten; rund 1000 Mann vom NSKK. werden dafür eingesetzt. Die Reichsbahn fährt Sonderzüge, und KdF. wird allein 20 000 Karten abnehmen.
Bei der Abfahrt durch den Oberwald, die z. T. wieder über die Rennstrecke führt, haben wir, auch die Motorsportlaien unter uns, Gelegenheit, uns einen Begriff davon zu machen, welche Anforderungen das Rennen als Leistungsprüfung an die Fahrer stellt, wenn man Steigungen, Gefälle und Kurven aus eigener Anschauung kennen lernt und zuvor gehört hat, daß der Streckenrekord auf 120 km st steht. Wir haben Aussicht, dieses Jahr Spitzenfahrer auf dem „Kleinen Nürburgring" von Schotten zu sehen.
Heimwärts durch freundliche, abendliche Fachwerkdörfer. Letzter Haltepunkt ist Bad S a l z hausen; wir schwenken vorher ab, um inNidda den letzten Zug nach Gießen zu bekommen, müde und mit vielen Eindrücken eines langen Tages beladen. Die schlichten Linien der hessischen Ländschast verschwimmen im sternlosen Dunkel der Iuninacht.
Hans Thyriot.
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