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Ur. 129 viertes Blat

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

4./5.3utii 1938

Pfingstspaztergang zu schönen Zielen.

Fellingshausen und Dünsberg.

Nachdem das Osterfest mit Regenschauern und Schnee eine herbe Enttäuschung bereitet hat und Qlle Ausflugspläne buchstäblich ins Wasser fallen ließ, setzen die Optimisten unter uns nun alle Hoff­nungen auf die Psingstfeiertage. Mehr als je lockt gerade jetzt die Natur, die in unserer engsten Heimat genug des Schönen bietet, viel Schönes so nahe, daß es mit guter Fußwanderung bald zu er- reichen ist. Die Ziele sind es aber nicht allein, die zum Pfingstausflug herausfordern können, sondern schon der Weg zu ihnen ist schön, unterhaltsam und beruhigend nach Tagen der Arbeit und mancher Hast. Es ist schon im Geiste vergnüglich, eine Wanderung rings um Gießen, sagen wir einmal in einem Radius von 5 bis 20 Kilometer, zu unter­nehmen. Und jeder einzelne der Punkte, die wir in den folgenden Zeilen nennen, darf als Ziel gelten, das zu erreichen sich lohnt.

Es ließe sich unser geistiger Ausflug schon an der Wieseck beginnen. Und wahrhaftig: es ist das Schlechteste nicht! Da liegt bald zur linken Hand Wieseck mit dem dunklen Hangelstein im Hinter­grund, da liegt ganz nahe am Bach die Gäns- mühle, kaum einen Kilometer weiter die alte Struppmühle, und wenn man weiter geht und Glück hat, kann man in den Wiesen den Fischreiher stehen sehen. Und wieder zur linken Hand liegt dann auf halber Höhe am Hangelstein das Dorf Alten-Buseck. Reichlich lohnt der H a n g e l st e > n den Besuch, wenn man, verständnisvoll für die Notwendigkeit des Naturschutzes, auf dem Wege bleibt. Einzigartig ist schon die Kammwanderung aus der Höhe des Berges, über den Daubringer Paß hinweg.

Einiges Interesse wird man im Geiste wan­dern wir weiter und etwas rascher ausschrettend, als es mit den Füßen allein möglich wäre dem Bau der Reichsautobahn und den neuen Brücken an der Straße GießenFulda nicht ver­sagen können. Winnerod und sein altes Kirch­lein im verwilderten Gottesacker wird dann rasch wieder an anderes denken lassen.

Dankbar ist auch ein Pfingstausflug nach dem W i r b e r g. Von der steilen Bergeshöhe, auf der nur das Kirchlein, das Pfarrhaus und einige Wirtschaftsgebäude stehen, schweift der Blick weit in das oberhessische Land. Das ganze Busecker Tal ist zu Übersehen. Einige mächtige Föhren breiten ihre Aeste aus, und die Bäume stehen in schwung­vollem Linienspiel vor dem hellen Himmel lieber

Blick in das Biebertal.

dem Wirberg herrscht während Der meisten Zeit des Jahres tiefe Stille. Wie weltentrückt fühlt man sich dort oben. Nur hin und wieder hört man den Zuruf eines Bauern an fein Zugtier, hört man von Saasen herauf den Pfiff einer Lokomotive und das Rauschen des Windes in Busch und Baum. Und an manchen Sonntagen klingt das Glöcklein der Kirche in die grenzenlose Weite

Das Wehr an der Badenburg

" f.

Noch eine andere Stätte der Stille und der Be­sinnlichkeit ist das bescheidene Kirchlein auf dem Veitsberg, auf kurzem steilen Anstieg von Saasen aus leicht zu erreichen. Noch manches reiz­voll gelegene Dörfchen zwischen dem Wirberg und dem reizenden Städtchen Lich wäre zu nennen. Mancher Waldweg durch Laub- und Nadelwald wäre zu gehen. Mancher Feldweg führt über das leicht gewellte Land in stetem Wechsel von

Hügeln und von sanften Tälern. Aber es harrt noch mancher bemerkens­werte Punkt unserer kur­

zen Betrachtung *

Blick vom Dünsberg nach Königsberg.

kaum jemand zu entziehen vermag, der Kapitel­saal, der allen Adel, der in gottschen Formen ver­einigt sein kann, bewußt werden läßt! Dann ist noch das gepflegte Schloß da, der murmelnde Bach, die Klostermühle, das stilvolle Gartenhaus mit seiner Freitreppe, der große Portikus und das alles ist üppig umgrünt und umblüht!

Unweit von Lich locken die schonen, von Bäumen wie von einem Kranz umgebenen Albacher Teiche, in deren einem ein idyllisches Wald­schwimmbad entstanden ist. Etwas versteckt liegen zwischen Garbenteich und Lich die M e n g e l s - Häuser Teiche, viel­leicht abgründig tief und unbewegt, rings umstan­den von Büschen und Bäumen. Kaum ein Luft­zug trifft die dunklen Wasser, leise nur bewegt sich das Schilf. Doch viel Kleinlebewesen sind in den Teichen enthalten, und mancherlei Vögel

haben dort versteckte Heimstatt. Hin und wieder zieht der Bussard über Wald und Feld seine Kreise, der jetzt fast überall in unserer heimischen Land­schaft zu sehen ist. Wir erinnern uns aus dem Vor­jahre des prächtigen Flugbildes des Roten Milans über der Umgebung von Lich.

Unweit von Lich liegt, prächtig eingebettet in das Bild der Landschaft, der Kollnhäuser Hof mit seinem schönen Torbogen und dem schmucken Herrenhaus. Oft und fast immer an schönen Tagen sieht man auf der nahe dem Hofe gelegenen Weide, die sich einen leichten Hügel hin­anzieht, Pferde in völliger Freiheit sich tymmeln. Oft kann man sie von der Straße aus wie edle Bildwerke vor Himmel und Wolken sehen.

Und die Stadt L i ch selbst bietet eine Fülle des Schönen. Der Kunstfreund wird vieles finden, wenn er die Kirche betritt. Schmucke Fachwerkhäuser da und dort, enge heimelige Gassen, der mächtige

Wer sich entschließen kann, die kleine Talsohle von Kloster Arnsburg zu verlassen, den grüßen bald die Türme der Burg Münzenberg. Wer dort in der Landschaft Bescheid weiß, wird aber, bevor er der Burg zustrebt, den Weg über die Höhe bei Trais-Münzenberg nicht scheuen. Auf windumwehtem steilem Hügel findet man ein ur­altes Hünengrab aus mächtigen Steinen gebaut, umwogt von vielen blühenden Gräsern.

Und die Burg Münzenberg lohnt dann den Anstteg zu Pallas und Türmen. Dom ösllichen

Kapitelsaal im Kloster Arnsburg.

Der Vetzberg. (Aufn. sllj: Neuner, Gieß. Anz.)

Stadtturm das alles ist wohl des Ansehens wert! An der Brauerei Jhring-Melchior vorbei führt der Weg über die Bergeshöhe und durch schönen Wald in das Gottesackertal, die Wetter entlang, in einen schönen Wiesengrund und Nach Kloster Arnsburg. Es ist nicht schwer zu sagen, was Kloster Arnsburg so reizvoll und immer wieder anziehend macht: die mächtige Ruine des Kirchenschiffes, dessen Raumgestalt sich wohl

Turm aus, der befliegen werden kann, bieten sich die Wetterau und die Dörfer (wie Perlen zu ihr) in all ihrer gesegneten Pracht dar. Bei gutem Wetter kann man das Blenden der Sonne in den Fenstern des Klubhauses auf dem Hoherodskopf sehen... Wie ein weißes Band kann man von hier oben aus die Reichsautobahn erblicken, und wie Spielzeug nehmen sich auf ihr und aus solcher Entfernung gesehen die Autos aus.

Schloß und Schloßteich in Lich. 3m Lahntal an der Badenburg.

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Die Häusermühle bei Hausen,

Die Rehmühle im Liebertal,

Machen wir einen größeren Sprung: Butzbach! Immer wieder sollte man einige Minuten dem Marktplatz und seinen schönen Häusern widmen! Der Schrenzer lohnt den Weg zur Höhe durch einen herrlichen Ausblick, und wer sich der beut- schen Geschichte verbunden fühlt, besucht die Hünen­gräberstätten und die getreue Nachbildung des schönen Wachtturmes.

In Niederkleen, auch in einigen anderen Gemeinden, begegnen wir am Sonntagmorgen den Frauen erfreulicherweise in alten angestammten Trachten, die zum Kirchgang angelegt werden. Und von Dutenhofen aus gesehen liegt dann das Lahntal uns in ganzer Breite und'Ausdehnung zu Füßen. Eine Brücke führt über den Fluß in die Ebene der Wiesen und Felder. Lassen wir uns bei Kinzenbach auf Straße oder Feldweg in das Biebertal führen. Lange behalten wir hier die vertrauten Burgen Gleiberg und Vetzberg im Blickpunkt. Bald nimmt uns das immer enger werdende Biebertal auf, Rodheim grüßt mit vielen Hellen roten Dächern. Und wer kennt nicht die Mühlen im Tale? Bieber liegt schon ganz beengt im Tal. Wer noch weiter wandern will, hinauf nadj» Königsberg und Hohen- olms, findet eine Fülle landschaftlicher Schön­heit. Da bestimmt nun auch der Dünsberg bas Gesamtbilb ber Lanbschaft. Vom Turme auf stolzer Höhe des Dünsberges aus gesehen, bietet sich ein Ausblick von einer Großartigkeit, bie ben Menschen litte werben läßt.

Allmählich mag sich ber Ring schließen. Noch sei erinnert an bas schön gelegene Forsthaus Walbhaus bei Krofborf an bas liebliche F o b n- bachtal, an bie feinen Reize ber Kirchverser Oegenb unb an bie Unergrünblichkeit bes Krof- borfer Forstes. Da finb auch noch bas freunbliche Salzböbetal unb bieSchmelz", über bie sich vom Altenberg (über Obenhausen) ein umfaffenber Ueberblicf gewinnen läßt Dann rückt ber Staufenberg in unser Blickfelb, wir lauschen bem Geräusche ber Wasser ber Lahn an ber Babenburg unb wenn bann für unser Auge ber uns allen so vertraute Schiftenberg sichtbar wirb, bann scheint uns, bürfen wir biefcn geistigen Streiszug burch unsere schöne Heimat abschließen.

Zu noch manch anberem Ziel kann ber Pnngst- ausflug führen Doch mag biefe Blütenlese ber lanbschaftlichen Schönheit unserer Heimat genügen. Iebermann wirb sein Ziel finben, unb wer seiner nicht sicher ist, ber mag sich gerne ber Markierung des LHE. anoertrauen und chr folgen. N.