Einzelbild herunterladen

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Jugend".^ Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der nackte Spatz." Artilleristen-Gemeinschaft 1895 Gießen: 20.30 Uhr Hessischer Hof".

Tageskalender für Sonntag (1. Pfingstfeiertag).

Gloria-Palast, Seltersweg:Jugend." Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der nackte Spatz."

Tageskalender für Montag (2. Pfingstfeierlag).

Gloria-Palast, Seltersweg:Der Maulkorb." Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die unruhigen Mäd­chen." Sportplatz 1900: 15 Uhr Aufstiegsspiel 1900 Oberursel; 13.05 Uhr: 1900 II. Leih­gestern.

Gastspiel Otto Gebühr im Stadttheater Gießen.

Am Dienstag, 7. Juni, finket ein einmaliges Gast­spiel des bekannten Friedericus-Darstellers Otto Gebühr mit seinem Berliner Ensemble statt. Zur Aufführung kommt Franz und Paul v. Schönthans SchwankDer Raub der Sabinerinnen". Den Theaterdirektor Striese spielt Otto Gebühr. Beginn 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Am Mittwoch, 8. Juni, pünktlich um 20.30 Uhr, findet imBurghof" (Burggraben) ein Schulungs­abend für die Politischen Leiter, Walter, Warte, Frauenschaftsmitglieder sowie die Führer der HI. und des BDM. statt. Es spricht Kreisschulungsleiter Pg. Michel. Das Erscheinen ist Pflicht.

Hitler-Jugend Bann 116

Am kommenden Donnerstag, 9. Juni, 20.15 Uhr, spricht in der Aula der Universität der bekannte Ko­lonialschriftsteller und Farmer, der Gründer der Mbozi-Siedlung in Deutsch-Ostafrika, Pg. Hans Ernst Pfeiffer, Berlin, über das ThemaDeutschland braucht Kolonien". Wir weisen hiermit auf diese Veranstaltung hin und empfehlen den Besuch der­selben. Unkostenbeitrag,20 RM.

Von der Universität Gießen.

Bon der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gie­ßen wird uns mitgeteilt:

Der Führer und Reichskanzler hat dem nicht­beamteten außerordentlichen Professor Obermedizi­nalrat Dr. Heinrich B o e n i n g unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit zum ordent­lichen Professor und Direktor der Psychiatrischen und Neroenklinik der Universität Gießen ernannt.

Grundsteinlegung

zum HI.-Heim in Gießen.

Am kommenden Samstag, 11. Juni, wird auf dem vorgesehenen Baugelände für das HJ.-Heim in Gießen am Wartweg die feierliche Grundstein­legung zu diesem Bau stattfinden.

Baracken in der Kaiserallee verschwinden

Im Zuge der städtebauliche« Verbesserung und der Schaffung neuen Wohnraums an Stelle unzeit­gemäßer Bauwerke wird die Stadtverwaltung in naher Zeit auch die Baracken-Notwohnungen in der Kaiserallee beseitigen lassen. Diese behelfsmäßige Unterbringung von Familien stammt noch aus der Zeit von 1923/24, und sie wurde damals schon als ein Notbehelf angesehen, jedoch in den folgenden Jahren immer noch beibehalten. Nunmehr läßt die Stadt am Leimenkauterweg eine Anzahl Häuser erbauen, die schöne Wohnungen enthalten. Sobald diese Bauten ferttggestellt sind, was nicht mehr lange dauern wird, sollen die in den Baracken wohnenden Familien dorthin umziehen. Dann wird mit dem Abbruch der Baracken begonnen werden. Aus das Gelände an dieser Stelle sollen Wohn­hausbauten mit Drei- und Zweizimmerwohnungen kommen, die den zeitgemäßen. Erfordernissen ent­sprechen und zugleich dem Bedarf nach kleineren Wohnungen gerecht werden. Man kann es nur be­grüßen, daß die Stadtverwaltung nunmehr jenen trüben Rest von Barackenbauten aus den Jahren der schlimmsten wirtschaftlichen Notzeit beseitigen und durch ansprechende Neubauten ersetzen lasiert wird.

Das Fest der hessischen Gänger in Gießen

In weiten Kreisen der Volksgenossen in Stadt und Land rückt der 3. Hessische Gausänger- t a'g vom 8. bis 11. Juli immer mehr in den Vor­dergrund des öffentlichen Interesses. Aus allen Tei­len Hessens,- insbesondere aber aus Oberhessen und aus den benachbarten preußischen Kreisen, ist die Zahl der Anmeldungen zu diesem großen Sänger­treffen in ständigem Steigen begriffen.

Die musikalische Gestaltung dieses Sängerfestes kann man nunmehr als abgeschlossen ansehen. Es ist darüber zu berichten, daß bei einem Begrü­ßungsabend am 8. Juli unter Leitung des Kreischormeisters Blaß die Gießener, die Wetter­auer und die Wetzlarer Sänger mitwirken werden,, ferner das Musikkorps unseres Jnf.-Rgts. 116 unter Leitung von Musikmeister Wohlfahrt den Abend bereichern wird.

Am 9. Juli werden im Laufe des Nachmittags 20 Sonderkonzerte stattfinden, die von den besten Männergesangvereinen des Sängergaues Hessen bestritten werden sollen, also eine Art Schau über die gesangskünstlerische Leistung der Vereine des Sängergaues Hessen bieten dürften. Für diese Konzerte sind die besten Werke des deuffchen Chor­liedgutes vorgesehen.

Im Mittelpunkt der ganzen Veranstaltung wird die G a u f e i e r st u n d e in der Volkshalle unter Leitung des Gauchorleiters des Sängeraaues Hessen, Prof. Dr. Temesvary (Gießen), stehen. Diese Feierstunde wird unter dem MottoSingende Kolonnen Singendes Volk" eine Darbietung bringen, bei der auch Abteilungen der Gliederungen der Partei und der Wehrmacht unseres Standorts,

einerseits, die großen Massen des Sängeraufgebots anderseits beteiligt sein werden. Diese Gaufeier­stunden wirken in ihrer (Sinngebung und Gestal­tung ganz in der Richtung auf das zenttale Wollen der Partei und in ihrem Umkreis zentral auf alle Lebensoorgänge unseres Volkes hin. Das Lied ist kämpferisch, das Volk tritt als kämpferisches in Kolonnen auf, in dem Lied soll die Seele des mar­schierenden Volkes zum Erklingen kommen. Die Sänger fügen sich in diese Kolonnen des neuen Reiches bewußt ein, sie wollen teilnehmen an dem Rhythmus unserer Zeit und wollen selbst singende Kolonnen sein. Damit sind sie nicht eine Gruppe im Volk, die sich abgesondert für sich nur ihrem Lied hingibt, sondern sie wollen mit ihrer Arbeit und ihrem Dienst am deutschen Lied zugleich in vorderster Linie unserem Volke dienen und damit unserem ewigen deutschen Vaterland. Mit dieser Sinngebung soll die Gaufeierstunde ermahnend und sammelnd auf alle Volksgenossen einwirken und die Einheit zwischen Volk und Kultur zu erstreben und zu fördern bemüht sein, das Volk im Herzen erfassen und im Gemüt erheben.

Dieser hohen Aufgabe hofft man mit der Gau­feierstunde in Gießen gerecht werden zu können.

Am 10. Juli werden am Vormittag auf Straßen und Plätzen öffentliches Singen und in den Kirchen Konzerte stattfinden. Haydns Jahres­zeiten" sollen unter Mitwirkung von 400 Sängern und Sängerinnen zur Aufführung kommen. Am Nachmittag wird dann die große Sänger­kundgebung auf Oswaldsgarten einen weiteren Höhepunkt erleben.

Achtung! Waldbrandgefahr!

Was in vier Stunden verbrennt, braucht 40 Jahre, um wieder zu wachsen. Zeder Deutsche zu Aufmerksamkeit und Löschhilfe verpflichtet!

Der schlimmste Feind des Waldes ist der Mensch mit seiner Fahrlässigkeit und seinem Leichtsinn. Etwa 75 o. H. aller Waldbrände sind auf fahr­lässige Brandstiftung zurückzuführen. Bekämpfung des Waldbrandes ist also eine Angelegenheit der Aufklärung, der Erziehung und der Selbstzucht. Wie überall im Leben ist Vorbeugen besser als Heilen, Verhüten bester als Vergüten.

Das in vier Stunden abbrennt, braucht 40 Jahre, um wieder zu wachsen!

Deshalb soll jeder, der beim Walde zu Gast ist, sich wie ein Gast bei einem freundlichen Wirte be­nehmen. Für die Ausflügler muß es eine Ehren­pflicht (ein, den Wald zu achten und vor Verderben zu schützen.

Wenn auf irgend etwas der Begriff Volksgut Mit vollster Berechttgung angewendet werden kann, dann ist es der deuffche Wald. Er ist tatsächlich Gemeingut; Forstarbeit ist stets Schaffen für kommende Geschlechter. Der Wald ist die Lunge des Landes, er ist für das Klima von ausschlag- aebenber Bedeutung, er regelt Regen- und Nieder­schlagsmenge, fängt Wind und Sturm ab, ist also der Bürge für Fruchtbarkeit und Wachstum der landwirtschaftlichen Kultureu.

In den vergangenen Jahren ist schon ein Wandel Aur Besserung eingetreten. Der Aufruf des Reichs- sorstmeisters, der Streifendienst der SA., ff, des Arbeitsdienstes, die Aufklärung der Bevölkerung und die Erziehungsarbeit haben bereits ihre Früchte getragen, und 1936 und 1937 haben die Wald- orände, im allgemeinen betrachtet, schon im Ver­gleich zu den Jahren vor der Machtübernahme er­heblich abgenommen, wozu auch noch Witterungs- oerhältniste zum Teil beitrugen.

Aber es zeigt sich immer wieder, daß ein Streichholz, das man zu hunderttausenden aus einem einzigen Baumstamm Herstellen kann, leichtsinnig und fahrlässig im Walde angezündet, ganze Wälder vernichten kann, daß eine Ziga­rette oder Zigarre, lm Walde geraucht, Wald­brände verursachen können, deren Schaden das Millionenfache ihres wertes beträgt.

Nach § 310a des Reichsstrafgefetzbuches wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Geld­strafe bestraft, wer Wald-, Heide- oder Moorflächen durch verbotenes Rauchen oder Anzünden von Feuer, durch Fortwerfen brennender oder glim­mender Gegenstände oder in sonstiger Weise in Brandgefahr bringt. Jedem, der dem Verbot, im Walde oder am Waldrand zu rauchen, Feuer an­zumachen oder Feuer zu schlagen, zuwiderhandelt, droht sofortige Verhaftung, schärfste gerichtliche Be­strafung und Haftung für den angerich­teten Schaden!

Durch den Erlaß des Reichsforstmeisters vom Juni 1937 ist jeder einzelne deuffche Volksgenosse zum Hüter des deuffchen Waldes bestellt.

Jedermann ist verpflichtet, einen leid)(finnigen und fahrlässigen waldfrevler feslzunehmen oder anzuzeigen und so der verdienten Strafe zuzu­führen. Wer einen Brand bemerkt, hat dies auf dem schnellsten Wege der nächsten Polizei- oder Zorstdienststelle zu melden, und jeder ist auch verpflichtet, sich an den Löscharbeiten zu be­teiligen.

Kleine Waldbrände lassen sich ohne besondere Ausrüstung mit einem abgebrochenen Zweig durch Ausschlagen löschen. Es ist immer notwendig, sich genau über die Ausdehnung zu vergewissern. Damit man rechtzeitig Hilfe und Verstärkung her- beiholen kann, aber auch andererseits unnötigen Alarm vermeidet. Man muß sich auch genau über die Art des Feuers unterrichten.

Bei jedem Waldbrand ist die Windrichtung feft- zustellen, denn die »Bekämpfung muß am zweck­mäßigsten von der Seite erfolgen, von der der Wind in den Wald hineinbläst. Als Ausrüstung zur Bekämpfung größerer Brände sind Spaten und Hacken zur Herstellung von Wundstreifen sowie Beile und Aexte zum Abhauen von Aesten und Zweigen erforderlich. Der Leiter der Brandbekämp­fung muß ein Horn oder eine Hupe mit sich führen, um Signale geben, ebenso Streichhölzer, um im Falle größter Gefahr ein Gegenfeuer anzünden zu können. Bei bösartigen Bränden müssen Pferde

mit starken Pflügen zur Herstellung von Wund­streifen herbeigeholt werden. Hilfskräfte, sind stets in erster Linie aus dem A r b e i t s d i e n st zu nehmen, er ist diszipliniert und versteht mit dem wichtigsten Gerät bei der Waldbrandbekampfung, dem Spaten, umzugehen. Wer als einzelner zur Brandbekämpfung herangezogen wird, hat sich un- bedingt unter den Befehl des Leiters der Losch- attion zu stellen und alle Anweisungen roioer- spruchslos zu befolgen. Ebenso ist es selbstver­ständlich, daß den Anordnungen der Brandstreffen aus Angehörigen der NS.-Gliederungen Folge zu leisten ist.

Italienischer Opernabend

mit italienischen Sängern!

Ein besonderes künstlerisches Ereignis steht uns für die nächste Woche bevor, ein Ereignis, das alle Musik- und Theaterfreunde begrüßen werden. Die NSG.Kraft dukch Freude" veranstaltet am Frei­tag, 10. Juni, im hiesigen Stadttheater einen ita­lienischen Opernabend, zu dem erste italienische Künstler, die sich zur Zeit auf einer Deutschland- Turnee befinden, verpflichtet wurden. Italien, das

I. Äteinhiiqer s

Urquell WIM

würzig mild - mit dem bekannten Sch in k en'biid !

Land des Gesanges, schickt uns feine besten Ver­treter.

Wanda Sorgi, Koloratursopran vom Teatro S. Carlo di Napoli. Eine hervorragende italienische Sängerin, die auch in vielen Konzerten die Zuhörer mit ihrer wunderbaren Stimme bezaubert hat und die zusammen mit dem berühmten Tenor Gigli auf­getreten ist. Aldo Tamagni, Heldentenor der Mailänder Oper. Sein Heimatland schätzt ihn als einen seiner besten Sänger, die die Kunde italieni­scher Gesangskunst über den ganzen Erdball tragen. Die Mitwirkung des großen Tenors in diesem Kon­zert verspricht ein besonderes Erlebnis zu werden. Domenico Marabottini, Bariton vom Teatro S. Carlo di Napoli, Träger des Nationalpreises, Goldene Medaille der Singakademie Rom, gehört zu den. jüngsten und erfolgreichsten Baritonen Ita­liens. In Meisterarien und -duetten des italienischen Opernreportoirs kommen die Stimmen der Künst­ler zu ihrer vollsten Entfaltung. Prof. Renato Vir­gilio begleitet alle Künstler am Flügel. Prost Virgilio wurde im letzten Jahr gelegentlich eines Konzertes dem Führer vorgestellt. Er hat lange Jahre hindurch Caruso begleitet und ist jetzt stän­diger Begleiter von Gigli. Auch als Komponist ge­nießt Virgilio in Italien einen großen Namen.

Dieser Abend verspricht ein glanzvoller Punkt im Konzertleben unserer Stadt 3U werden. Der Kartenvorverkauf der NSG.Kraft durch Freude" hat bereits begonnen.

Kreis-Feuerwehrtag.

Der Verband Freiwilliger Feuerwehren (Feuer­löschpolizei) des Kreises Gießen hält seinen Kreis- feuerwehrtag am 2. und 3. Juli in Watzenborn- Steinberg ab. Die Tagung wird einen Gesomtauf- marsch der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen bringen, die dabei von ihrer Arbeit Zeug­nis ablegen und der Allgemeinheit zeigen wollen, daß sie als Feuerlöschpolizei im nationalsozialisti­schen Geiste marschieren und bereit sind, dem Füh­rer und dem neuen Reich zu dienen. Der 3. Juli als Haupttag des Aufmarsches wird u. a. eine Reihe von Vorführungen und Hebungen bringen.

Todesflurz vom Motorrad.

In der Nacht zum Samstag befand sich die 20 Jahre alte Hausangestellte Anna Jung aus Freienseen (Kreis Schotten) mit einem Bekannten auf der Heimfahrt mit dem Motorrad unterwegs. Dabei stürzte das Mädchen in der Nähe von Reis­kirchen so unglücklich von dem Motorrad ab, daß es mit einem schweren Schädelbruch der Chirurgi­schen Klinik in Gießen zugeführt werden mußte. Hier ist das bedauernswerte Mädchen am heuttgen

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

39 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)

Jetzt wirft Monika trotzig den Kopf nach hinten. Oh, bitte. Absolut nicht. Was ich gesagt habe, war lediglich einem gewissen Mitleid für Tante Martha entsprungen. Die ja dann ausrangiert werden müßte. Was aber mich betrifft, ich überließe Sie gern Ihrem Ihrem Glück und würde wohl ganz gewiß irgendwo draußen auch meins finden."

Das heißt, daß Sie unter bestimmten Umständen nicht im Hause blieben?"

Monika schüttelt den Kopf. Marga am Fenster rührt sich nicht. Sie preßt nur ihre Lippen ein klein wenig fester zusammen.

Lange Zeit hindurch ist es totenstill zwischen den beiden.

Aber plötzlich bricht Monika beinahe leidenschaft­lich aus:Ich verstehe Sie, ehrlich gesagt, nicht! Sie sind eine Frau, die bestimmt noch hundert Männer finden kann, sogar ohne große Mühe! Sie haben sich Ihr Leben aufgebaut, find selbständig und sagen sogar, daß Sie an Ihrem Beruf hängen und nun wollen Sie sich plötzlich lebendig be­graben! Wollen sich, nach Eigelstein setzen. Wollen sich neben einen alten Mann stellen, der fast Ihr Vater sein könnte. Ja, wehren Sie nicht so empört ab, es ist so, ich empfinde es so? Aber das ist es eben: Sie kennen ja Vater gar nicht. Er reiht sich so zusammen, seit Sie da sind. Er schlappst nicht mehr in Pantoffeln umher, er knurrt nicht mehr übers Essen, er verkneift sich feinen Mittagsschlaf und feinen Skat im Rathauskeller, Sie kennen nicht feine alten vertrottelten Freunde, die sonst hier aus und ein gehen. Er läuft immer tipptopp um­her in seinem neuesten und besten Anzug, er ist geistreich und unterhaltend, während er sonst manch­mal bei Tisch den Mund nur zum Essen aufmacht, und ach, wozu Papa schlecht machen! Das heißt, ich mache ihn ja nicht schleckt. Er lebt eben sonst wie jeder Mann in seinem Alter, und nur Ihnen zuliebe tut er sich einen ganz albernen Zwang an und spielt auf jugendlich/

Und der Waldlauf Sonntag früh?"

Na ja, dos ist das einzige, was wirklich noch jugendlich an ihm ist."

Glauben Sie nicht, daß diese, diese sagen wir: Dertrottelung, die Sie mir da schildern, ledig­

lich eine Folge seiner vermoderten Umgebung ist? Und daß man sein ganzes Leben ausfrischen konnte, wenn man es nur richtig anfaßte?"

Monika macht ein ungeheuer überlegenes Gesicht. No schön. Vielleicht. Aber für wie lange? Für ein Jahr oder für zwei für so lange wahr­scheinlich, wie die erste große Bewunderung für Sie vorhält. Aber dann? Ich habe noch nie gesehen, daß ein Mann feiner Frau zuliebe auf die Dauer aus seiner Haut kann!"

Margas Stimme klingt ein wenig gereizt.Aber wer sagt Ihnen Denn, daß Dies seine wirkliche Haut ist, Sie weise kleine Person mit Der großen Lebens­erfahrung!"

Monika antwortet nicht gleich.Das fühlt man", sagt sie Dann. UnD nach einem kurzen Zögern, mit Den HänDen schon wieDer in Die Tasten greifenD: AllerDings Darf man keine solche rosarote Brille aufhaben wie Sie."

UnD in rasenDem Tempo trommelt sie nun Den Minutenwalzer herunter, dessen Klänge eine Weiter­führung der Unterhaltung einfach unmöglich machen. Als er verrauscht ist, steht plötzlich Der Doktor im Rahmen Der Tür, Die ins Nebenzimmer führt Die 6eiben jungen Damen fahren erschreckt zusammen.

Wo kommst Du Denn her, Papa? Wir haben Dich ja gar nicht gehört?" fragt Monika, mit einem fast ängstlichen Blicke zu Marga. Der Doktor be­trachtet Die beiDen mit einem absolut undurchdrina- lichen Ausdruck im Gesicht.

Ich bin in diesem Augenblick , unter den Klängen deines Walzers, Monika heimgekom­men", sagt er dann.

Aber es ist nicht wahr. Auch der anständigste Mensch unterliegt manchmal der Versuchung, zu lauschen.

25. ar um Xante Martha nächtlicher­weile aus dem Bett hüpft.

Der Abend tröpfelt langsam, unter einem merk­würdigen Druck dahin. Tante Martha ist schon um zehn Uhr ins Bett gegangen. Sie hat verweinte Augen, und jedermann weiß, daß der Doktor ihr wieder einmal, wie schon hundertmal vorher, da­mit gedroht hat, sie in ein Damenstift zu stecken und ihr Die Herrschaft in seinem Hause Damit end- gülfig zu entziehen.

Aber niemanb außer Tante Martha selber weiß, wieviel Entschlossenheit Diesmal hinter seinen Worten gejtedt hat.

5fts nun ein Wunder, Daß sie weinend in ihrem Bett liegt. Das winzige Haarknötchen zu einem noch winzigeren Maust'chwänzch.n gelöst und das Taschentuch oors Gesicht gepreßt, daß niemanb

braußen auf dem Korridor hört, wie grenzenlos verzweifelt sie ist.

Und wie das so ist, Monikas flüchttg hingeworfene Bemerkung, entstanden aus Der eigenen plötzlich auftauchenden Sorge, der Vater könne sich noch einmal verheiraten diese vielen kleinen, im Laufe dieses an und für sich schonaufregenden" Tages gefallenen Bemerkungen wachsen nun vor der Wei­nenden zu inhaltsschweren Feststellungen, zu Hin­weisen auf nicht mehr umzustoßende Tatsachen auf. Gottfried Hammerbacher ist in Tante Marthas Augen nun schon mit Marga Montwill verlobt; Tante Martha ist nun schon ,chinausgeworfen", auf die Straße gesetzt"; Monika, das arme Kind, hat nun schon eine Stiefmutter. Ach, wenn man wenigstens auch gleich alles übrige erführe! Wann Die Hochzeit ist, wann manraus" muß, wo man hingesteckt wird, ob man die Möbel aus seinem Zimmer mitnehmen kann, und ob man wenigstens in Eigelstein bleiben Darf. Aber diese Unsicherheit noch auf Tage, womöglich noch auf Wochen hinaus! UnD tun, als wüßte man nichts!

Aber auch der Doktor hat sich heute ungewöhn­lich früh, unter dem Vorwand, Kopfweh zu haben, zurückgezogen. Nun geht er in feinem Schlafzimmer auf und ab und Denkt nach und findet kein Ende.

Die Unterhaltung zwischen Marga und Monika, Die er anfänglich unfreiwillig, nachher bewußt lau« schenb mit angehört hat, ist ihm Doch mehr in die Glieder gefahren, als er gedacht hat. Nein, rods Monika da vorgebracht hat, das war kein dummes, Jungmädchengeschwätz, sondern es war schon etwas Richtiges daran. Und überhaupt, es ist interessant, sehr interessant, wenn auch ein bißchen schmerz­haft, zu erfahren, wie man von Den Augen Der eigenen Tochter angesehen wird.Er wird eben langsam alt", hat sie gesagt. Und:Er macht auf jugendlich."

- So. Hm. Er macht auf jugendlich. Und Die innere Spannung, Der innere Auftrieb, in Dem er äugen» blirflid) lebt, wird nach Monikas Meinung roemgftens nicht lange vorhalten. Hm.

Und Monika wirD, falls ihr Vater heiratet '^oturlich" mcht im Hause bleiben. UnD Xante JJtartba wird ihres Lebenszwecks beraubt. Hm. aber daß er selbst gewinnt, Daran denkt keiner! -Cafe auch Marga Montwill nach Jahren des Her- keiner^ou^ierens ihr Glück sinden soll, das glaubt

t2Il?e^nun ^rade! Nun gerade! Und nur Marga soll über sein Schicksal entscheidet.

crr geht noch ein paarmal auf und ab, Dann onnet er Iei|e D.ie Tür und lau'ck hinunter. Ob die beiden jungen Damen noch immer, Das heißt;

schon wieder unten zusammenhocken und über den alten Mann Debattieren, Der Die lächerliche Idee gefaßt hat, eine junge Frau zu heiraten?

Er schaut den oberen Korridor entlang. Bei Tante Martha ist Das Licht schon ausgedreht. Na also, einen gesegneten Schlaf fyat sie Doch, unD wenn sie zuvor auch noch so unglücklich getan hat. Uebrigens, wer sagt Denn eigentlich, Daß Xante Martha ganz aus Dem Hause muß? Sie kriegt ihre zwei Zim­mer oben im Haus und Damit fertig. Da kann sie Dann leben wie Der liebe Gott in Frankreich. Und Daß er sie heute abenD ein bißchen gar zu heftig zur ReDe gestellt hat na, schließlich hat ja nicht sie allein einen aufregenden Xag hinter sich, fonDern auch er. Und einmal platzt Die Bombe.

Dann kommt ihm plötzlich die Lust an, noch ein­mal hinunterzugehen. An Den Gesichtern Der beiden Damen abzulesen ob sie wieder über ihn verhandelt haben. UnD oh ob sie gut oder schlecht für ihn abgelaufen ist, diese Verhandlung.

Wo sitzen sie denn eigentlich?

Auf Fußspitzen schleicht er sich bis zum Treppen- geländer und bückt sich tief hinunter, um zu sehen, aus welcher Türritze noch ein Lichtschein kommt. Aha, aus dem Wohnzimmer. Soso, im Wohnzim­mer findet 'Die Sitzung also statt.

Er hat sich gerade wieder mit einem kleinen Stöhnen aufgerichtet, um in sein Zimmer zurück- zugehen, da läutet das Telephon. Nanu, jetzt um halb elf? Wer kann denn das fein?

Er hort unten Die Tür gehen und Monika zum Telephon stürzen. Dann hort er, wie sie zu Marga hinüber mitteilt, Berlin melde sich.

Dann hort er Marga an den Apparat Heran­gehen.

Aha, der Freund aus Berlin! Die hm Konkurrenz. Na schon, auch das noch!

Aber auf einmal rufen sie ihn. Monika kommt die Treppe heraufgerannt (er hat gerade noch Zeit, in fein Zimmer zu flüchten), poltert mit beiden Händen gegen seine Tür und meldet, Das Westend­krankenhaus sei am Apparat im Auftrag von Herrn Geheimrat Koch.

Westendkrankenhaus, Geheimrat Koch? Nanu! Ach ja, richtig, der alte Herr ist vor ein paar Tagen Mach Berlin gefahren. Geschäftlich. Und jetzt...

Er fahrt hastig in seine Pantoffeln kein Ge- danke mehr daran, daß er Marga vielleicht in Pan- löffeln nicht sehr genehm sein könne und trabt die Treppe hinunter zum Telephon, Monika mit aufgeregtem Gesicht hinter ihm drein.

(Fortsetzung folgt.)