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Sandschak Alexandrette, die Verhängung des B e l a g e r u n g s z u st a n d e s im Sandschak- Gebiet stelle eine Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung während der kommenden Wahlen dar. Der Minister hat dem türkischen Botschafter den Wunsch der französischen Regierung ausgedrückt, die Sandschak- Frage möge nicht die Ursache einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten werden. Die infolge der letzten Zusammenstöße unterbrochene Einschreibung in die Wähler- listen wird laut Beschluß des Liga-Ausschusses
Montag fortgesetzt.
Aus aller Wett.
Kameraden des Weltkrieges im Sroßdeutschen Reich.
Berlin, 3. Juni. (DNB.) Auf einem von der Kameradschaft österreichischer Soldaten abgehaltenen Generalappell gab General der Infanterie a. D. Alfre d Krauß soldatisch,'schlicht und klar ein Bild des Opferganges im Weltkrieg und der Auswirkungen in der Nachkriegszeit. Die österreichische Monarchie, so führte er aus, ein Ideal, für das Zahllose geblutet und ihr Leben gegeben haben, sei nach dem unglücklichen Kriegsausgang zerfallen. Sollten wir nun trauern und beten? Nein. Als .lebensstarke Menschen suchten wir nach einem neuen Ideal: der Gemeinschaft, dem d e u t - !s ch e n Volk. Heute stehe wieder das geeinte Großdeutschland da als ein Block, den kein «Gegner jemals sprengen werde. 20 Jahre nach Schluß des Völkerringens habe Adolf Hitler ohne Blutopfer den Weltkrieg gewonnen. Zum Schluß der Feier marschierte dann eine Fahnenkompa- n i e unter Führung eines Hauptmanns mit der ruhmreichen Fahne des 5 9. österreichischen Infanterie-Regimentes Erzherzog Rainer aus Salzburg auf. Mit der Uebergabe der Bundesfahne an den Kameradschaftsführer vollzog Generalmajor a. D. Müller die Uebernahme der ehemaligen Kameradschaft österreichischer Soldaten in den nationalsozialistischen Reichskriegerbund.
Ausländische Derkehrsfachleule auf deutschen Autobahnen.
Die Besichtigungsreise der Alliance Internationale de Tourisme durch Deutschland ging von München aus auf der Reichsautobahn Munchen- Landesgrenze bis Siegsdorf. Auf dieser Strecke wurde besonders das Werk der Mangfallbrücke bewundert. Konnten hier die Teilnehmer die Jungen einer Jugendherberge bei Sport und Spiel beobachten, so erregte in noch stärkerem Maße ihr Interesse eine Abteilung des Reichsarbeits- d i e n st e s , die kurz vor Rosenheim in der Nähe der Reichsautobahn eine Flußregulierung vornimmt. Aus ihren Reihen gaben junge Arbeitsmänner auf die französischen und englischen Fragen in der gleichen Sprache Antwort. Auf ihrer weiteren Fahrt lernten die ausländischen Gäste die Alpen- straße nach Berchtesgaden kennen. Don hier aus ging dann die Fahrt weiter nach Salzburg, wo zum Abschied ein gemeinsames Abendessen im Grand-Hotel de l'Europe stattfand. Der Bürgermeister von Salzburg sprach dabei Begrüßungsworte. Ihm dankte der Generalsekretär der AJT., A u d i g i e r, in einer herzlich gehaltenen Rede und erhob sein Glas auf das Wohl des Führers und Reichskanzlers und der AJT.
Neue Unruhen
an der indischen Nordwetzgrenze.
London, 3. Juni. (DNB.) Nach den neuesten Meldungen aus Simla ist die Lage im Gebiet von Daziristan wieder sehr gespannt, nachdem es dem aufrührerischen Fakir von Jpi anscheinend gelungen ist, unter den eingeborenen Stämmen an der indischen Nordwestgrenze neue Unruhen zu stiften. Am Donnerstag haben 200 aufständische Eingeborene einen Wachposten in der Nähe von Ra- zani angegriffen. Es kam zu einem Gefecht, bei dem fünf indische Soldaten getötet sowie zwei indische Offiziere und 14 Soldaten schwer verletzt wurden. Schließlich gelang es jedoch, die Aufständischen unter schweren Verlusten zurückzuschlagen.
Deutscher Studententag in Heidelberg.
Der Deutsche Studententag wird vom 21. bis 25. Juni in Heidelberg abgehalten. Den Auftakt bildet ein Empfang durch den Reichsstudentenführer im Schloß. Flaggenhissunq und Appell auf dem Langemarck-Platz werden sich an- fchließen. Abends wird auf der Feierstätte, Heiliger Berg, eine politische Kundgebung mit Sonnwendfeier veranstaltet. Den 22. Juni leitet eine Totenehrung am Mahnmal der Universität ein. Die Feier bringt weiter Empfänge, Fackelzug und Schloßbeleuchtung. Am 23. Juni finden Einzeltagungen der Aemter der Reichsstudentenführung und abends eine Kundgebung der NS. - Studentenkampfhilfe statt. Ferner sind eine volksdeutsche Kundgebung unb die Schlußkundgebung in der Stadthalle vorgesehen. Am Samstagnachmittag sind in Mannheim die Sportfchluhwettkämpfe mit Siegerehrung. Ein abendliches Schloßfest in Heidelberg läßt die Tagung ausklingen.
Bedarf an Bibliokhekaren.
Der Ausbau des öffentlichen Büchereiwesens ruft einen wachsenden Bedarf an fachlich vorgebildeten Bibliothekaren und Bibliothekarinnen hervor, die die staatliche Prüfung für den Dienst an volkstümlichen Bücyereien abgelegt haben. Am 1.10. d. I. beginnen an den Büchereien in Berlin, Köln und Leipzig neue zweijährige Ausbildungslehrgänge, die mit «der genannten Prüfung ihren Abschluß finden. Bewerber und Bewerberinnen sollen in der Regel das 25. Lebensjahr glicht überschritten haben, falls nicht ein abgeschlossenes akademisches Studium nachgewiesen wird.
ster Gefahr befand, nicht gesehen hatten, wurde nachts der deutsche Dampfer auf die Lichtsignale aufmerksam. Bei dem sofort eingeleiteten Rettungswerk fiel der Oberst über Bord, so daß der Dampfer ein Rettungsboot aussetzen mußte. Trotz des hohen Seeganges gelang es, den Obersten zu retten. Inzwischen war die Jacht, in der sich noch sein Sohn befand, in die Dunkelheit abgetrieben worden. Der Sohn konnte nicht mehr gefunden werden, lieber sein Schicksal ist bisher nichts bekannt. Die Jacht trieb in völlig zertrümmertem Zustande an der Südküste an.
Todesstrafe für Mord an einem ^-Dachlposten.
Das Sondergericht für den Oberlandesgerichts- bezirk Jena verurteilte den 36jährigen Emil B a r - gatzky aus Essen wegen Mordes und zugleich wegen Verbrechens nach § 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens zum Tode. Bar- gatzky hat am 13. Mai d. I. bei Weimar den ^-Wachtposten Kallweit mit einem Spaten erschlagen und ist darauf mit einem anderen Häftling, Peter Forster, mit dem er die Tat verabredet und vorbereitet hatte, geflohen. Während Bargatzky in Stendal festgenommen werden konnte, ist der Mittäter Forster noch nicht ergriffen worden. B. ist bereits 13mal vorde st raft, darunter mehrfach mit Zuchthaus.
Brandkalaslrophe
In einem mexikanischen Industriewerk.
Eine Brandkatastrophe, die wahrscheinlich 2 3 Todesopfer gefordert hat, ereignete sich in einem Jndustriewerk in der Nähe von Veracruz. Nach stundenlangen Arbeiten großer Feuerlöschaufgebote gelang es, die L e i ch e'n von fünf Arbeitern aus den Trümmern zu bergen. Von 18 weiteren Arbeitern fehlte bis in die frühen Abendstunden jede Spur, so daß auch mit ihrem Tod zu rechnen ist.
Wertvoller Goldfund in Paris.
Beim Abreißen eines der Stadt Paris gehörenden Hauses entdeckten die Arbeiter einen wertvollen Schatz. Es handelt sich um das Vermögen eines am Hofe Ludwigs XV. lebenden Adligen, das aus 5000 Goldstücken, sogenannten Louisdors, bestand und heute einen Wert von 2,5 Millionen Franken hat. Die Goldstücke waren in Leinensäcken unter Mauerwerk vergraben.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer hat den Leiter seiner Privatkanzlei Reichsamtsleiter Albert Bormann zum Hauptamtsleiter befördert und als Adjutanten in feinen persönlichen Stab berufen. Die „Privatkanzlei Adolf Hitler" wird gleichzeitig als eigenes Amt in die Kanzlei des Führers der NSDAP, eingegliedert und mit einer Reihe neuer Aufgaben betraut. Hauptamtsleiter Bormann behält die Leitung dieses Amtes bei.
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Der Führer und Reichskanzler empfing den früheren Botschafter in Washington Dr. Luther, der ihm aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Reichsdienst feinen Abschiedsbesuch abftattete. Ferner empfing der Führer den in Deutschland weilenden Botschafter in Tokio, Generalmajor a. D. Ott, zur Meldung vor seiner Wiederausreise.
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Der nationalspanische Heeresbericht teilt mit, daß die nationalen Truppen an der Castellon-Front den strategisch wichtigen Ort D i st a b e l l a besetzt haben. Auch im Abschnitt von Ares wurden mehrere Ortschaften eingenommen.
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Auf Jamaika ist es zu neuenZusammen- stoßen gekommen. Als in Islington der Pöbel Geschäfte zu plündern versuchte, kam es zu einem Feuergefecht mit der Polizei, bei dem zwei Personen getötet und drei verletzt wurden.
Bei einer Nachwahl im englischen Wahlkreis Westderbyshire konnte der konservative Kandidat 16 740 Stimmen auf sich vereinigen. Auf den Ar- beiterparteiler entfielen 11200 Stimmen, während der Liberale nur 6500 Snmwen erhielt. Gegenüber den letzten Wahlen ist die Zahl der konservativen Stimmen unverändert geblieben, während die Liberalen erheblich verloren haben. Die Arbeiterpartei hat verhältnismäßig stark zugenommen.
Wetterbericht
Wenn auch die Gesamtlage noch kein ungestörtes Schönwetter über längeren Zeitraum hinweg erwarten läßt, so wird doch der Witterungsablauf vorerst ein wesentlich freundlicherer sein, als bisher.
Vorhersage für Sonntag: Vielfach heiter und tagsüber warm, Schwache Neigung zu gewittrigen Störungen, Winde um West.
Vorhersage für Montag: Heiter bis wolkig, verstärkte Neigung zu gewittrigen Störungen.
Lufttemperaturen am 3. Juni: mittags 16,5 Grad Celsius, abends 10,7 Grad; am 4. Juni: morgens 8 Grad. Maximum 18,7 Grad, Minimum heute nacht 3,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juni: -abends 16 Grad; am 4. Juni: morgens 11.5 Grad, — Niederschläge 0,5 mm. — Sonnenschein- dauer 5,6 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der
Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
(Eine internationale Akademie für Textilchemie und kolorlstlk.
In Konstanz hatten sich die Vertreter von 30 Nationen zürn 21. Kongreß des Internationalen Vereins der Chemiker und Koloristen zufammengefunden. Die wissenschaftlichen Verhandlungen standen unter der Leitung des Präsidenten des Vereins, Professors Dr.-Jng. Tie« cheels (München-Gladbach). Der Vorstand des Vereins beschloß, eine Internationale Akademie für Textilchemie und Koloristik zu gründen. Ablenkungsmanöver des Mörders von Lappersdorf.
Auf Grund der Angaben des Mörders von Lappersdorf bei Regensburg, des Max Söllner, der am 1. Juni die Pfarrersköchin Ida Ker scher erstochen hat, wurde in Regensburg und Umgebung eine umfassende Fahndungsaktion nach dem angeblich in Begleitung des Söllner gewesenen flüchtigen zweiten Mörders des ^-Wachtpostens Kallweit in Weimar, Peter Forster, eingeleitet. Nach den bisherigen Feststellungen ist die Behauptung des Söllner, daß er auf Betreiben und in Begleitung Forsters den Mord in Lappersdorf begangen habe, nicht zutreffend. Es war nicht festzustellen, daß sich Forster überhaupt in oder bei Regensburg aufgehalten hat. Die Angaben Söllners entpuppten sich also als Schwindel und als ein Ablenkungsmanöver.
Der Tod im Steinbruch.
In einem Steinbrech bei Mödling in der Nähe von Wien ereignete sich ein schweres Einsturz- Unglück, das drei Todesopfer forderte. Am Osthang des Anniger, in einem St.einbruch, der jahrelang in vorschriftswidriger Weise abgebaut worden ist, war eine Gruppe von Arbeitern mit der«Gewinnung von Betonsand beschäftigt. Plötzlich lösten sich mehrere Gesteinsplatten im Gewicht von
50 Tonnen ab und begruben drei Arbeiter unter sich, die auf der Stelle getötet wurden. Feuerwehr und Steinbrucharbeiter sind damit beschäftigt, die Gesteinsmassen wegzuräumen und die Toten zu bergen.
Zehn Tote bei einem Vergwerksunglück in Pennfylvanien.
In Scranton (Pennsylvanien) hat sich in einem Kohlenbergwerk in 700 Meter Tiefe eine folgenschwere Gasexplosion ereignet. Zehn Bergarbeiter sind getötet und weitere fünf schwer verletzt worden.
Zehn Todesopfer eines Brandunglücks in Polen.
Das Dorf Dzwonowicze in der polnischen Woj- wodschaft Kielce wurde von einem schweren Brandunglück heimgesucht. Zehn Einwohner kamen in den Flammen um.
Fischerboot an der französischen Küste gescheitert.
An der französischen Atlantikküste in der Nähe der Inselgruppe Molena vor Brest ist ein anscheinend mit 10 bis 15 Fischern besetzt gewesenes Fischerboot gescheitert. — Als die ersten Rettungsschiffe eintrafen, wurden fünf Fischer in den Kajüten ertrunken aufgefunden. Von den übrigen Besatzungsmitgliedern fehlt jede Spur. Man vermutet, daß sie ebenfalls den Tod in den Wellen gesunden Haven.
Deutscher Tankdampfer rettet englischen Offizier.
Die Besatzung des deutschen Tankdampfers „Marie Leonhardt", der in Falmouth einlief, konnte unter dramatischen Umständen den englischen Obersten H a n a f i n vor dem Tode des Ertrinkens retten. Der Oberst, der sich mit seinem Sohn auf einer Segeltour im englischen Kanal befand, war in einen schweren Nordweststurm geraten. Nachdem mehrere Dampfer die Notsignale der Jacht, die sich in äutzer-
Unfere Karte veranschaulicht die Lage des Großen Sterns an der Ost-West-Achse Berlins, der im Rahmen der großen Neugestaltung Berlins zum Forum des Zweiten Reichs werden wird. Die Zahlen bezeichnen: 1 = Siegessäule; 2 = Bismarckdenkmal; 3 = Roon- denkmal; 4 = Moltkedenkmal. Ferner erkennt man den Verlauf der Große-Stern-Allee, die als neue Siegesallee die 32 Marmorgruppen der bisherigen Siegesallee in sich aufnehmen wird. — (DNB. — Scherl-M.)
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DerSwßeSlem in Serlm das Zorum des Zweiten Reiches
Fünf Mnn, ein Voot, Kartoffeln und HaferWen.
Erinnerung an eine fröhliche pfiigstsahrt 1919.
Als ich mich der Mole näherte, die sich im Früh- sonnenschein wie ein weißer Gischtstreifen gegen die blaue Bucht abhob, sah ich schon von weitern ein Segel flattern. Eigentlich war ich ja nur rasch zum Baden hinausgeradelt, denn um 9 Uhr begann mein Kolleg über römisches Recht. Aber würde es mir irgend jemand verdenken können, wenn ich eine unverhoffte Seefahrt bei Hellem Maienwetter den Pandekten vorzog? Zudem war morgen Pfingsten und zwei freie Taae winkten!
Da lag die olle ehrliche Küstenjolle unseres Seglervereins, der „Wikina", gerüstet zu einer zweitägigen Fahrt. Die Mannschaft war eigentlich voll- zähttg, vier Mann waren beim Segelsetzen.
„Wie wär's, wenn ihr mich mitnehmen würdet?" „Nicht uneben", brummte der lange Tigerström, „hast du Proviant?"
„Nee, aber ich koche euch dafür euer Essen und bin auch sonst als Schiffsjunge zu gebrauchen!"
„Reichlich viel für's Geld", war Die rauhe, aber herzliche Antwort. Die Sache mit dem Proviant war in der Tat ernst. Es war um die Zeit kurz nach dem Kriege, wo es fast nichts im freien Handel zu kaufen gab. Die Brotkarten bekam der gemeinsame Mittagstisch, Mehl- und Zucker- und Fleisch- und Kartosfelkarten meine Pensionswirtin, woher sollte ich also Proviant zaubern?
„Laß gut sein", brummte es wieder aus dem Boot herauf, „Wir haben einen halben Sack Kartoffeln, ein paar Pfund schwedische Haferflocken, etwas Marmelade und Kaffee, es wird schon gehen. Hauptsache, du verstehst was draus zu machen!"
So kam es, daß ich unverhofft auf eine zweitägige Pfingstbummelfahrt mit auf die Ostsee hinausgenommen wurde. Ich bekam das Vorluk als Salon eingerichtet, eine alte Matratze und ein darüber gebreitetes Segel diente als Bett, eine winzige Petroleumfunzel baumelte zehn Zentimeter über meiner Nase als schlemmerhafte Deckenbeleuchtung, wenn ich lag. An- und ausziehen mußte ich mich im Sitzen, mehr Platz ließen mir die Bordplanken nicht.
Irgendwoher kam eine Klampfe zum Vorschein, ich wurde in der tiefen weichen Mulde, die das Großsegel am Großbaum bildete, solange wir vor dem Winde dahintrieben, verstaut, und da saß ich nun im Sonnenschein und begleitete unseren eben jo lauten wie dauerhaften Seemannssang. Wir waren mit einer ganz anständigen Morgenbrise losgekommen, aber gegen Mittag machten wir kaum mehr Fahrt, als ein Strohhalm in einer windstillen Pfütze, und zwischen drei und vier lagen wir dann auch in einer Flaute, die so dauerhaft aussah,, daß wir den Petroleumkocher an Deck holten und uns an die Bereitung eines fürstlichen Mittagsmahles machten.
Zuerst wurden in stürmisch brodelndem Wasser Kartoffeln gekocht, die die Kameraden geschält hatten, bann wurden sie in Abwesenheit von Fett mit schwarzem Kaffee und Seewasser in der Pfanne „gebraten", hei, was mundete das uns jungen Kerlen! Während sie genießerisch um die Pfanne herumhockten, ließ ich Haferflocken im Topf quellen, und als die Pfanne leer war, strich ich einen fingerdicken Haferflockenkuchen hinein, bemalte ihn schön mit Marmelade und buk ihn, daß es zischte und rauchte. Dies war eine Erfindung des Augenblicks, aus Not und Uebermut geboren, und es wurde der Menüschlager unserer Fahrt. Alle paar Stunden mußte ich Haferflockenauflauf backen, so herrlich hatte der erste geschmeckt.
Gegen Abend machte sich doch noch ein Lüstchen auf und brachte uns unter Land. Vielmehr war ts ein kleines Eiland, auf das wir zuhielten, felsig hob es sich aus dem Wasser, wir erkannten grüne Weideflächen mit grasendem Vieh und einzelne Baumgruppen. Ob es besiedelt war? Hier gab es manche Inseln in der Nähe der Küste, auf Die die Fischer im Sommer ihr Vieh übersetzten, es dort weiden ließen und nur zum Melken täglich hinüberruderten. Wir umsegelten das Steilufer, um eine Stelle 3um Landen ausfindig zu machen, schließlich ankerten wir ein paar hundert Meter von Land und pullten im Dingi hinüber.
Wie ein Traumeiland empfing uns die Insel. Kein Mensch anscheinend weit und breit, felsiger Uferrand, zum Wasser steil abfallend, mußte erklettert werden. Dann stand man in einem grünen herrlichen Garten. Unter uralten Bäumen fanden wir eine winzige Fischerkneipe, aus der fröhlicher Lärm und Musik klangen. Lampions hingen in den knorrigen Aesten der windgekrümmten Eichen, Paare drehten sich auf dem ©ras. Grillen zirpten betäubend, die Soe sang eintönig rauschend herüber, silbern — selbst ein Lampion — schimmerte der Mond durch die Zweige. Wir setzten uns unter die Leute, einfache Fischer von der Küste, die hier ihr Pfingstverqnügen miteinander feierten. Nie waren wir so selbstvergessen fröhlich wie an diesem Abend. Wie trunken tanzten wir mit und machten uns erst spät davon zu unserer schaukelnden Dingi.
Mondüberglänzt empfing uns der alte „Wiking", das Wasser kluckerte an seinem Bug, es lockte zu einem nächtlichen Bad. Wir warfen die Kleider ab, kopfüber sprangen wir in die frische Kühle, schwammen weit hinaus in den breiten Nchtstreisen, den das Mondlicht auf die schwarzen Wellen goß. später schliefen wir tief und wunderbar, vom Meer gewiegt, vom Winde eingesungen und wurden früh von der Sonne geweckt.
Es war das schönste Pfingstfest unseres Lebens! Dr. Buresch.
BEVAULIN A/
KMt!


