Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
3./4. Dezember 1938
Ur. 283 viertes Blatt
Reichsautobahn quer durch Oberhessen.
In eleganter Linie verläuft die Autobahn bei Bersrod im Hochwald. (Ausnahme: OBR. Frankfurt a. M.)
(er, Architekten und Landschaftsgestalter mitgoarbei- tet. In der Zusammenarbeit der Vielen, unter dem Einsatz der Arbeit des Geistes und der Hand, geriet das Ganze wie aus einem Guß. Wer am morgigen Sonntag über die Reichsautobahn fährt und dabei das jüngste Stück der Strecke kennenlernt, wird dies bestätigt finden.
Nun ist es so, daß durch die Eröffnung der Neichsautobahnstrecke von Reiskirchen bis Zell-Romrod, einer Strecke von etwa 25 Kilometer, eine ununterbrochene Reichsautobahn-Verbindung zwischen Karlsruhe und Göttingen besteht. Diese Tatsache verleiht dem Teilstück in unserer unmittelbaren Umgebung beson-
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Die Reichsautobahn in Oberhessen, die von Süden nach Norden bzw. nach Nordosten die Landschaft durchzieht, ist fertig! Davon konnten wir uns bet einer Pressevorbesichtigung am vorgestrigen Donnerstag überzeugen. Am morgigen Sonntag wird der letzte Abschnitt seiner Bestimmung übergeben.
Wer hätte diese großartige Straße in ihrer jetzigen Form innerhalb der Landschaft auch nur ahnen können, als vor ziemlich genau fünf Jahren die Landmesser durch novemberlichen Schnee und durch nasse Wiesen stapften, Täler und Hügel überquerten und auf Karten Linien schufen, die sich bald darauf in der Landschaft abzeichneten, als die Holzhauer den Spuren der Landmesser folgten und breite Schluchten in die Wälder schlüget. Und nun ist die Reichsautobahn quer durch unsere oberhessische Landschaft eine Tatsache aus Beton und Eisen, ein Teil der Landschaft, eingebettet in Wald und Feld, und so gar nichts Fremdes, weil die Reichsautobahn ein Werk des Geistes unserer Zeit ist. Und das Schöne und Eigenartige ist, daß ihr trotz der harten Materie von Beton und Eisen schon ein Hauch des Lieblichen anhaftet, ein genialer Schwung der Linien zu eigen ist und sich gar in den Bauwerken der Brücken eine Schönheit offenbart, der sich auch derjenige nicht entziehen kann, der vielleicht die Natur in urweltlicher Form um sich haben möchte.
Es läßt sich nicht leugnen, daß sich in der Reichsautobahn Zivilisation und Kultur in glücklichster Weise begegnen. Verwunderlich ist diese Tatsache nicht, denn es haben daran ja nicht nur Mathematiker, Statiker, Ingenieure und Techniker, sondern auch Künst-
bere Bedeutung.
Der Reichsautobahnabschnitt zwischen Reichskirchen und Zell-Romrod stellt einen der schönsten Teile der gesamten Strecke dar. Die Strecke ist ungemein abwechslungsreich in ihrem Erscheinungsbild. Wald und Feld wechseln stetig miteinander ab. Schöne Ausblicke sind gegeben auf Reiskirchen, auf Lumda, auf Burg- und Nieder-Gemünden, ganz- besonders auf Ehringshausen, das von stattlicher Höhe aus völlig zu übersehen ist, ferner auf Zell-Romrod, und von vielen Stellen aus wird an klaren Tagen der Hoherodskopf in ganzer Breite zu sehen sein. Die Reichsautobahn im Gebiet der OBR. (Oberste Bauleitung Reichsautobahn) Frankfurt am Main erreicht auf diesem Abschnitt bei Ehringshausen ihre größte Höhe mit 360 Meter. In ungemein schwungvollen Linien zieht sich das Band der Bahn durch die Landschaft. An einigen Stellen liegen die beiden Fahrbahnen bis zu 25 Meter Breite auseinander, und diese 25 Meter „Grünstreifen" wurden dazu benutzt, Teile des Waldes zu erhalten und damit dem Kraftfahrer eine schöne Abwechslung zu bieten. An mehreren Stellen liegen außerdem die Fahrbahnen unterschiedlich hoch nebeneinander. Da und dort wurden junge Buchen an gepflanzt, die in besonderer Weise in Kübeln mitsamt großen Erdbällen ausgehoben und nun mit den Kübeln wieder eingepflanzt wurden. Rasch werden sie sich entwickeln, und schon im Frühjahr werden sie im Schmuck hellgrünen Laubes prangen. Und um den Autofahrer immer wieder anzuregen, auch einmal eine halbe Stunde in unserer schönen oberhesstschen Heimat zu verweilen, wurden zahlreiche Parkplätze bzw. Rastplätze angelegt, für die die landschaftlich schönsten Punkte gewählt sind. Zwischen Gießen und Alsfeld wurden 37 solcher Rastpläste geschaffen, z. T. sogar etwas abseits der Fahrbahn in den Wald hineinverlegt, um so den Kraftfahrer einmal ganz hineinzuführen in die Stille des Waldes.
Der Verlauf der neu fertiggestellten Strecke ist folgender: Von der Anschlußstelle Gießen (Steinbach) verläuft die Bahn nach Norden: zwischen Oppenrod und Burkhardsfelden biegt sie bei Kilometer 67 nach Ollen ob, führt weiter zwischen Bersrod und Winnerod (Reiskirchen bleibt rechts liegen) an den Orten Reinhardshain, Lumda
Einer der reizvollen Felsdurchbrüche bei Reinhardshain.
(Kreuzung mit der Straße Grünberg—Londorf) und Atzenhain (die zu rechter Hand liegen), vorbei. Von hier biegt die Linie nach Norden ab, an Burg- und Nieder-Gemünden vorbei, und nimmt ab Kilometer 90 einen östlichen Verlauf an Ehringshausen und Romrod vorbei nach der Anschlußstelle Alsfeld. Trotz des hügeligen Geländes weist die Linienführung nur eine stärkste Steigung von 6,25 v. H. auf.
Im Zusammenhang mit der Fertigstellung des letzten Teilstückes läßt sich eine Reihe interessanter Zahlen nennen. Es war für diesen Streckenbau die Abholzung von 300 Hektar Wald notwendig. 700 000 Kubikmeter Mutterboden und Rasen wurden für Wiederandeckung und Begrünung der Böschungsflächen abgehoben, 4 500 0Ö0 Kubikmeter Boden- massen mußten für Dämme und Ueberführungs- rampen bewegt werden. Aus Seitenentnahmen war viel Sand und Kies herbeizuschaffen. Zwei Tonnen schwere Rammplatten der Baggerstampfer befestigten den Untergrund. 56,5 Kilometer Entwässerungsleitungen mußten verlegt werden. Ein großer Gerätepark und viele Maschinen wurden verwandt. Trotzdem waren ständig 3000 Arbeiter eingesetzt. Noch bis in diese Tage betrug die Zahl der beschäftigten Arbeiter 2500 Mann.
An Bauwerken wurden 50 Brücken, 14 größere Durchlässe und 61 Rohrdurchlässe geschaffen. Zu den größten Bauwerken zählt die Brücke bei Reiskirchen, die über die Straße (Gießen—Grünberg), Eisenbahn
Streckendezernent Negierungsbaumeister Naumann (Mitte) bei einer Besprechung mit den Bauleitern von Butzbach und Alsfeld.
(Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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135 000 Quadratmeter Seitenstreifen waren notwendig. Die Strecke zwischen Reiskirchen und Zell- Romrod ist etwa 25 Kilometer lang.
Außer den beiden Anschlußstellen Gießen und Alsfeld wurde eine weitere Anschlußstelle bei Atzenhain für die Straße Grünberg—Homberg geschaffen, die sich für das dortige Gebiet als sehr verkehrswichtig erweisen wird. Die Anschlußstelle nimmt sich mit ihren eleganten Linien sehr dekorativ in der Landschaft aus.
Die Gesamtzahl der geleisteten Tagewerke für Erdbau, Brückenbau, Dek- kenbau und sonstige Arbeiten belief sich auf rund 2 100000. In insgesamt sechs Lagern waren 1500 Arbeiter ständig und gut bei bester Verpflegung untergebracht.
Die Ausführung und Ueberwachung der Arbeiten erfolgte von Kilometer 59,5 bis 75,5 durch die Bauabteilung Butzbach (Bauleiter Dipll- Jng. Adelsgruber) und von Kilometer 75,5 bis
Das Kreuzungsbauwerk bei km 67,2, von dem die projektierte Ost-Weft-Verbindung Gießen—Montabaur ausgehen wird.
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und die Wieseck hinwegführt. Ein zweit mächtiges Bauwerk ist die Brücke unweit von B csrod, von heraus bie geplante O st - W e st - V e r b i n - bung von Gießen nach Montabaur ihren Ausgang nehmen wird (Kilometer 67,1). Weiter ist noch die Unterführung der Sttaße bei Reinhardshain zu nennen, über die eine schräge Stahlbrücke gebaut werden mußte. Ein besonders schwieriger Abschnitt war der Bau der Brücke über die Ohm und über die Eisenbahn Burg- und Nieder-Gemünden - Kirchhain. Um Eisenbahn und Bachlauf unter eine Brücke zu bekommen, mußte hier die Ohm um etwa 100 Meter verlegt werden. Ein hoher Damm durchschneidet an jener Stelle das Ohmtal, das dadurch dem Kraftfahrer in seiner ganzen Lieblichkeit er- fchlossen worden ist. Für die ganzen Bauwerke mußten 100 000 Kubikmeter Stampfbeton und 17 000 Kubikmeter Eisenbeton aufgebracht werden. An Stahl wurden 2900 Tonnen in die Bauwerke und 830 Tonnen in die Fahrbahndecken eingebaut. 775 000 Quadrat-
Kilometer 107,5 durch die Bauabteilung Alsfeld (Bauleiter Dipl.-Jng. Erban). Der Arbeit an der Reichsautobahn wurde von allen berufenen Seiten die denkbar größte Unterstützung zuteil. 'Die Partei und insbesondere der Gauleiter haben es an keiner Förderung fehlen lassen. Forstämter und staatliche Behörden waren sehr entgegenkommend. Eng wurde mit der Feldbereinigung zusammengearbeitet.
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meter Fahrbahndecke und
Die große Brücke im Ohmtal führt über Eisenbahn und verlegte Ohm.
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Roman von Kurt Riemann
Copyright bi) Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
47 Fortsetzung (Nachdruck verboten!/
Westerhausen grüßt verblüfft uni) schaut den beiden kopfschüttelnd nach. Nanu, was haben die denn? So jpät im Labor noch arbeiten? Das ist doch sonderbar, ja, es kommt ihm sogar verdächtig vor. Aber bann erinnert er sich der Anweisungen, die ihm Karajan gegeben hat. „Wernicke ist mein ständiger Vertreter!^ und „Die Dame ist meine Braut. Fräulein Westner ist der einzige Mensch, der außer den Angehörigen des Werks hier Zutritt hat — jederzeit!"
So hat es Dr. Karajan angeordnet. Na, er muß es ja wissen. Er, Westerhausen, hat keinen Grund, mißtrauisch gegen zwei Menschen einen Verdacht zu äußern, denen Dr. Karajan so großes Vertrauen schenkt. Mögen sie also um neun Uhr abends im Labor arbeiten!
Inzwischen ist oben eine Reihe von Fenstern hell geworden. Karola und Wernicke begeben sich an die Arbeit. Sie sprechen nichr viel dabei. Der schwere Tresor öffnet sich geräuschlos, er ist fast leer, wie sie mit Erstaunen sehen. Da liegt ein alter Sakko — den hat Karajan auch mit hinejn- gestopft — er muß in einer andern Welt gelebt haben, als er die Tür zum letzten Mal schloß — aber das hier — dieses sauber Zehestete Bündel in blauem Aktendeckel — das ist's! Das finh die Pläne
„Schwein gehabt! Er hat's mit der Schreibmaschine abgeschrieben. Wenn es handschriftliche Auszeichnungen gewesen wären, hätten wir die Sache aufgeben müssen", brummt Wernicke. „Warten Sie, ich suche die interessantesten Stellen heraus! Schauen Sie inzwischen, wo er seine Schreibmaschine stehen hat!"
Sorgfältig löst Wernicke die Drahtklammern und entfernt drei — vier Blätter.
> „Die müßten wir frisieren. Sie enthalten den Extrakt. Können Sie Maschine schreiben, Karola?"
Karola nickt und jetzt sich schon vor der kleinen
klapprigen Reiseschreibmaschine zurecht, die Karajan immer benutzt, wenn er für sich schreibt.
„Hauptsache, daß Sie mir etwas diktieren, was nicht auf den ersten Blick als Schwindel zu durchschauen ist. Meßdorff ist zwar kein Chemiker, sondern Jurist, aber er hat einen sehr scharfen Blick und im Laufe der Zeit doch allerhand Sachkenntnis gewonnen."
„Unbesorgt! Ich werde die Fehler unmerklich einfließen lassen. Auf alle Fälle müssen wir aber den Sinn so verdunkeln, daß man sich nachher keinen Vers mehr draus machen kann! Also los!"
Langsam beginnt fein Diktat. Er hat reichlich Zett, sich jede Formel, iede weiterführende Analyse und Synthese zu überlegen, denn Karola schreibt nicht sehr schnell und besonders Zahlen und Formeln machen ihr Mühe — So vergeht eine gute halbe Stunds^Dann haben sie es geschafft.
„Fertig!" seufzt Wernicke. „Nur noch das Ein- heften. Aufpassen dabei, daß wir genau dieselben Löcher wieder treffen."
„Geben Sie sich damit keine Mühe!" tönt da plötzlich eine wohlbekannte Stimme hinter ihnen, und wie sie entsetzt zurückfahren, steht höflich lächelnd Dr. Meßdorfs in der Tür, neben ihm zwei Männer, die ihre Schießeisen unzweideutig im An- fchlag liegen haben.
„Meßdorfs!" stammelt Karola entsetzt. „Was soll das heißen! Was tun Sie hier?"
„Ich wollte mich überzeugen, daß unser Geschäft ehrlich abgewickelt wird. Leider sehe ich zu meinem Erstaunen, daß das nicht der Fall ist." Und plötzlich verläßt ihn feine Beherrschung: „Sie wollten mich betrügen, Karola! Wissen Sie, was darauf steht?"
„Tun Sie, was Sie wollen", entgegnet sie eiskalt und richtet sich hoch auf. „Ich habe keine Veranlassung, mit Ihnen zu verhandeln."
Ein Wink Meßdorffs — die beiden Männer stürzen sich auf Wernicke. Der hott aus, will sich wehren, aber es ist ein ungleicher Kampf. Die zwei Kerle scheinen geübte Leute zu fein, mit wenigen Griffen haben sie ihn wehrlos gemacht — Wernicke fühlt etwas widerlich Süßes — Aether! denkt er noch, dann weiß er nichts mehr.
„Und Sie haben die Güte, mir zu folgen!" befiehlt Meßdorfs barsch. Mit verächtlichem Lächeln zerreißt er die frisch beschriebenen Bogen, ordnet
die richtigen wieder ein und läßt alles in Karolas Tasche verschwinden.
„Los!"
„Was wollen Sie von mir noch? Warum lassen Sie mich nicht ebenso niederschlagen wie Wernicke? Warum morden Sie mich nicht gleichfalls? Ist Ihnen der Mut ausgegangen?" höhnt Karola, aber Meßdorff nimmt gar fein Notiz von ihr.
„An einem Aetherrausch ist noch niemand gestorben", knurrt er unhöflich. Dann zu den beiden Burschen: „Eure Arbeit ist zu Ende. Ihr wißt ja Bescheid. Los! Fort!"
Sie gehen voran.
„Also los, Karola! Ich habe jetzt keine Zeit mehr!" herrscht Meßdorff sie an und stößt sie vor sich her. „Sie werden mich mit Ihrem Wagen noch ein wenig spazierenfahren!"
Halb betäubt geht Karola weiter.
Als sie am Pförtnerhaus vorbeikommen, sieht sie Licht. Eine letzte verzweifelte Hoffnung bemächtigt sich ihrer. Wenn Westerhausen — Ein Telephonanruf, ein einziger!
Aber Meßdorff lächelt nur, als hätte er ihre Gedanken erraten: „Keine Sorge, Fräulein Karola! Der Pförtner schläft genau so tief wie der Herr Wernicke dort oben. Für die nächsten drei Stunden sind sie außer Dienst, nun — und bis dahin —"
Einer der beiden Männer hat dem bewußtlosen Pförtner den Schlüssel abgenommen. Er öffnet und verschließt die Pforte auch wieder sorgfältig hinter ihnen.
„Schlüssel über den Zaun!" befiehlt Meßdorfs „Sie können sich noch ein Weilchen mit ihren eigenen Schlössern abmühen! Und nun los! Verduftet!"
In scharfem Schritt biegen die beiden Männer um die Ecke. Karola sieht sich um Die Straße ist menschenleer. Natürlich. Ist ja auch nicht anders zu erwarten um diese Zeit.
Ihr Gehirn arbeitet fieberhaft. Einen Ausweg! Irgendeinen Ausweg!
„Sie werden mich jetzt dahin fahren, wohin ich es Ihnen sage. Ich bin kein besond'rs tüchtiger Autofahrer, außerdem kennen Sie Ihren Wagen besser. Er ist schnell. Holen Sie her us, was er hergibt. Steigen Sie ein!"
Fast gleichzeitig nehmen Sie Platz.
„Eigenartig, daß wir beide noch ei mal (o dicht
nebeneinander in einem Auto sitzen!" ladjt Meßdorfs. „Hätte ich wirklich nicht gedacht! Hätte ich mir tatsächlich nicht träumen lassen. Und damit Sie Bescheid wissen, Karola, aus alter Anhänglichkeit verspreche ich. Ihnen kein Haar zu frümmen und auch Ihrem Karajan nicht, wenn Sie mich da abliefern, wohin ich Sie dirigieren werde. Das ist Diel Entgegenkommen nach Ihrem Verrat. Hoffentlich wissen Sie es zu schätzen! Im andern Falle — schieße ich Sie erbarmungslos über den Haufen. Die Waffe kommt nicht aus meiner Hand. Und nun los! Und keine Albernheiten, wenn Sie irgendwo einen Polizeibeamten sehen sollten! Geradeaus, erste Straße rechts, dann geradeaus und der Straßenbahn nach!"
Karola startet, schaltet, kuppelt, schaltet und läßt den Motor fingen.
Meßdorft hat die Tasche mit dem kostbaren Inhalt auf den Sitz gelegt und sich daraufgesetzt. In der Rechten hält er den Revolver. Manchmal in einer Kurve fühlt Karola den Druck des Laufes an ihrer linken Schulter. Meßdorff läßt sie keinen Moment aus den Augen.
Da ... ein Polizist ... gelassen steht er am Straßenrand ... Karola fühlt, wie sich der Lauf der Pistole fester gegen sie preßt ... einen kleinen Augenblick ist sie in Versuchung, einfach anzufahren und um Hilfe zu schreien. Aber dann wagt sie es doch nicht.
Der Polizist sieht den beiden nach und kneift neidisch die Augen zusammen. Junges Glück! denkt er. Wer's auch mal so schön haben könnte. Unsereiner steht dabei und muß zusehen.
Bald liegt die Stadt hinter ihnen. Der Wagen rollt, aber es ist Meßdorff noch lange nicht schnell genug.
.Können Sie nicht schneller fahren?" schreit er. Aber Karola hat gar kein Interesse daran, allzu schnell zu fahren. Jede Minute, die sie die Fahrt verzögert, kann eine Veränderung ihrer aussichtslosen Lage bringen. Eine überspannte, wahnwitzige Hoffnung, aber doch noch immer eine Hoffnung — An irgendeiner Tankstelle halten! Bescheid sagen! — durchzuckt es sie. Los! Versuchen!
„Ich muß tanken", ruft sie durch den Lärm des Motors. Was Meßdorff antwortet, ist nicht zu verstehen. Etwas Freundliches ist's nicht gerade.
(Fortsetzung folgt!)


