Aur ein wehrhaftes Volk meistert seine Zukunst.
NSG. Noch liegt die Zeit papierener Proteste als ungehörte Notschreie eines geknechteten Volkes nicht allzu weit zurück, und warnend erinnert uns die Geschichte an alle dunklen, unrühmlichen Abschnitte deutscher Vergangenheit. Sie rütteln als eindringliche Mahner am deutschen Gewissen. Ein Volk, das unerbittliche Gegner in seiner Ohnmacht mit solch unerhörter Gewalttätigkeit in den Abgrund trieben, hat Grund genug, für seinen Bestand alles einzusetzen
Wenn wir heute unter dem Schutze einer starken Wehrmacht friedlich unserer Arbeit nachgehen können, so dürfen wir nie vergessen, daß die Erringung unserer Freiheit einzig und allein das Ergebnis eines jahrelangen, übermenschlichen und blutgezeichneten Opferganges bester deutscher Männer war. In Deutschlands dunkelsten Tagen, als der Bolschewismus und seine Handlanger unser Volk zerrissen, lehrte der Führer uns glauben. Ohne diesen Glauben hätten wir heute kein freies Deutschland, das wie eine friedliche Insel inmitten des brodelnden Völtermeeres liegt, gewappnet nach innen durch die NSDAP., nach außen durch eine starke Wehrmacht. Ohne die gewaltige Tat des Führers und seiner Kämpfer wäre Deutschland nur noch ein. rauchender Trümmerhaufen, zerstört durch den völkeroernichtenden Bolschewismus. Auch der übelste Meckerer muß die glückliche Wendung des deutschen Schicksals als eine einmalige überragende Leistung anerkennen.
Zn der Erkenntnis, daß nur ein wehrhaftes Volk
FWD. Die für Rinder nachgewiesene fortlaufend günstige Auftriebsentwicklung im Januar und Februar 1938 gilt nicht nur für diese, sondern auch für Kälber und Schafe und darüber hinaus noch für Schweine. Für diese werden auch noch in den nächten Wochen verhältnismäßig hohe Zahlen erwartet werden können. Erst im Sommer wird eine starke Rückläufigkeit der Schweinezufuhr in Erscheinung treten. Dann kann und wird zur Entlastung des Schweinefleischmarktes " zum vollen Einsatz von Rind-, Kalb- und Hammelfleisch geschritten werden müssen. Es wird jedoch außerdem der Mithilfe aller Kreise bedürfen, wenigstens vorübergehend die notwendige gewisse Aenderung der Fleischkonsumgewohnheiten eintreten zu lassen.
Praktisch bedeutet dies, wie es im Zeitungsdienst des Reichsnährstandes heißt, daß in dieser Zeit das Schweinefleisch weniger verlangt werden muß und stattdessen in dem gesamtwirtschaftlich angemessenen Ausmaß ein Ausweichen auf die übrigen reichlich vorhandenen ^leischsorten als erwünscht zu gelten hat. Schon jetzt geht jeder Einsichtige daran, statt des Schweinefleisches bei der Fleischkost Rindfleisch oder Hammelfleisch, welches seit dem 3. Januar 1938 übrigens bedeutend verbilligt worden ist, einzuschalten, um den marktordnen-
seine Zukunft meistern kann, hat der Führer das SA.-Sportabzeichen gestiftet und damit der körperlichen und geistigen Schulung unseres Volkes die Richtung gewiesen. Damit verpflichtet er uns zu den höchsten staatsnotwendigen Aufgaben. Mächtige Völker sind mangels besserer Einsicht durch inneren Zerfall und fehlende Selbstbehauptung zusammengebrochen oder durch fremdrassige Eindringlinge in ihrer geistigen und schöpferischen Kraft gelähmt worden. Deutschlands Lage im Herzen Europas zwingt uns zur vollen Entfaltung der gesamten Volkskraft.
Der Führer hat seinen Glaubensträgern die große Aufgabe gestellt, einen neuen deutschen Menschen zu formen, der frei von den Schlacken einer hinweggefegten Weltanschauung den Belangen eines großen Volkes gerecht wird. Durch den Erwerb des SA.-Sportabzeichens haben fast ein und eine halbe Million Deutscher ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis gestellt. Der große Kreis wird sich erst schießen, wenn sich auch der Letzte eingereiht hat. Als eine Schicksalsgemeinschaft, die aus fanatischem Glauben, Kampf und Opfer geboren, schaffen wir «in hartes, wehrhaftes, an Körper und Geist gesundes Geschlecht, wie es der Führer will. In den Wiederholungsübungen zum SA.- Sportabzeichen, deren erste am 27. März dieses Jahres stattfindet, führen wir unsere Aufgabe fort. Sie sind der sichtbare Ausdruck eines wachen, stählernen Willens und der steten Bereit- I schäft zum Opfer und Einsatz für unser Volk.
Unsere Fleischversorgung.
Kalb- und Hammelfleisch bevorzugen.
den Stellen die Herausnahme von Schweinen aus den derzeitig noch reichlich fließenden Schweine- zufuh^en zu erleichtern. Diese jetzt aus dem Markt genommenen Schlachtschweine werden der Vorratsbewirtschaftung zügewiesen und in den Monaten mit schwachen Schweineauftrieben, und zwar dank der fortgeschrittenen Einkühlungstechnik ohne jede Quafttätsschmälerung, wieder ausgegeben.
Jn-,gesamt kann angenommen werden, daß der Ausfall größerer inländischer Schweinemengen im laufenden Jahre von sehr viel geringerem Einfluß auft die Gesamtfleischversorgung sein wird, als es im Herbst vorigen Jahres auf Grund der damaligen Bestände noch angenommen werden mußte. Jeder einzelne wird sich aber beim Fleischeinkauf vergegenwärtigen müssen, daß eine Mahlzeit mehr inderWochemitRin'd - odevKalb - oder Hammelfleisch — statt wie gewohnt mit Schweinefleisch — schon den notwendigen Ausgleich innerhalb des Gesamtfleischverbrauchs schaffen kann. Niemand wird in den Monaten mit knappen Schweinezufuhren sein gewohntes Quantum Fleisch einzuschränken brauchen, wohl aber wird jeder die anderen Fleischarten zu bevorzugen haben. Dann werden Spannungen nirgends fühlbar werden können.
Zusammenarbeit der Justiz mit der HL.
Im Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt ausgenommen.
tags und Freitags von 20 bis 22 Uhr geöffnet ist. Die Meldung verpflichtet lediglich zur Teilnahme an den Hebungen, die Aufnahme in die SA. ist damit nicht verbunden.
Schützt unsere letzten Fischreiher!
Es gab Zeiten, in denen der Fischreiher sorgloser an den Seen und Flüssen leben konnte als heute. Es war die Zeit der Reiherbeize. Damals jagte man den edlen Vogel mit dem Jagdfalken, nahm dem zu Boden gejagten und festgehaltenen Reiher die Kopffedern als Jagdtrophäe, versah ihn am Fuß mit einem Ring, der das Datum und die Jahreszahl des Jagdtages enthielt, und gab ihm dann die Freiheit wieder. Es kam mitunter vor, daß ein und derselbe Vogel mehrmals in die Hände des Falkners gelangte und schließlich mehrere Ringe am Ständer trug. Die Reiherbeize des Mittelalters gehört längst der Vergangenheit an und mit ihr auch die Zeit, in der der Fischreiher als edles Flugwild gejagt und gehegt wurde.
Seit der Mensch alles nach dem Nützlichketts- prinzip bewertet und die Natur immer mehr entstellt und arm macht, ist für ihn auch der Fischreiher zum „schädlichen Feind" geworden! Eins wird dabei immer wieder vergessen: Der Fischreiher
fine Deinen Spenden schaffen wie Die Ooroue- (ehungen für dos,€®ige Deutschland"
Zi/Z/HW Ein .Sesundes Dolk!"
ernährt sich nicht allein von Fischen, sondern er vertilgt eine Unmenge Mäuse, Frösche, Käferlarven und anderes mehr und nützt somit dem Landwirt ganz erheblich. Sollten diese Tatsachen, die auf Grund vieler Magenuntersuchungen einwandftei feststehen, nicht zu denken geben?
Aber ganz abgesehen von Nützlichkeit und Schädlichkeit müßte es Pflicht eines jeden denkenden Menschen sein, für den Schutz eines Geschöpfes, das in unserer hessischen Heimat immer seltener wird, rechtzeitig einzutreten. Alle Naturfreunde der hessischen Heimat und besonders auch alle Weidmänner sollten endlich einmal mithelfen, aufklärenü zu wirken, um in letzter Stunde zu retten, was zu retten ist. Noch rudern vereinzelt mit schwerem Flügelschlag und rauhem Ruf Fischreiher abends von den Ufern der Lahn ihren Schlafbäumen zu. Doch wie lange noch?
Harald Graf von Schwerin, Friedelhausen.
6ine 90jährige
Ururgroßmutter geworden.
Die Pensionärin im Landes-Allers- und Pflegeheim in der Licher Straße Frau Marie E o r - vinus erhielt vor einigen Tagen eine sehr erfreuliche telegraphische Nachricht. Aus Bremen, von ihrer Urenkelin, ging ihr, der jetzt 90jährigen alten Frau, die Nachricht zu, daß sie Ururgroßmutter geworden sei. Die Freude darüber war sehr groß und mit ihr freuten sich viele alte Damen, die im Pavillon des Altersheimes zu Haufe sind. Frau Cor- vinus, die Witwe eines Lehrers, der in Bindsachsen im Amte war, heiratete sehr früh, schon mit 18 Jahren, mußte aber erleben, daß ihr Mann verstarb, als sie erst 31 Jahre alt war. Aus der Ehe waren zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter hervorgegangen, die aber beide nicht mehr unter den Lebenden weilen. Aus deren Nachkommenschaft nun, die zum Teil in Nürnberg, in Bremen, in Königsstätten usw. lebt, erreichte sie nun die er- wähnte freudige Nachricht.
Frau Corvinus selbst, — wir suchten sie in ihrem schönen Heim im Pavillon des Landes-Alters- und Pflegeheimes auf — ist noch außerordentlich rüstig, trotz ihrer 90 Jahre, und nimmt noch regsten Anteil an den Ereignissen unserer Tage. Sie versäumt keine Nachrichtenmeldung des Rundfunks und gerne läßt sie sich auch aus der Zeitung do riefen. Man kann sich übrigens ausgezeichnet mit ihr unterhalten, denn sie erinnert sich noch lebhaft und sehr genau mancher Ereignisse deutscher Geschichte, die sie bewußt miterlebt hat. Mit großer Dankbarkelt spricht sie von der freundlichen Pflege, die sie zu jeder Zeit im Landes-Alters- und Pflegeheim erfahren hat.
Lpd. Darmstadt, 2. März. Die vom Reichs- justizminister Dr. ©ürtner im Einvernehmen mit der Reichsjugendführung vorgesehene Zusammenarbeit der Iust iz b eh ö r d e n mit der HI. ist nunmehr /luch im Oberlandesgerichtsbe- zirk Darmstadt aufgenommen worben.
Der Einladung zur Teilnahme an diesem Werk waren Bannsührer Heim vom HJ.-Bann 115, der Gebietsbeauftragte des Gebiets 13 der HI., Gerichtsassessor Bischoff, Stadtamtmann Löschhorn vom Stadtjugendamt Darmstadt, der Kreisstellenleiter für Jugendhilfe der NSV. Kreisamtsleitung Darmstadt, 'Welker, sowie zahlreiche auf den Sondergebieten des Jugendrechts tätige Richter, Staatsanwälte und Rechtspfleger gefolgt.
Oberlandesgerichtspräsident Dr. Scriba eröff
nete die erste Tagung der Arbeitsgemeinschaft mit einer Begrüßungsansprache, in der er aus die Wichtigkeit eines vertrauensvollen Zusammenwirkens der Justiz mit der HI. hinwies und alle Behördenstellen der Rechtspflege und der Jugendwohlfahrt aufforderte, den der HI. vom Führer erteilten Erziehungs- auftrag zu fördern und zu unterstützen. Das gemeinsame Ziel sei die Erziehung der Jugend zu nationalsozialistischen Männern.
Landesgerichtspräsident B o h l m a n n übernahm den Vorsitz der Tagung mit der Erklärung, daß Reichsjustizminister Dr. Gärtner und Reichs- rechtsführer Dr. Frank den Gedanken dieser Arbeitsgemeinschaften in gleicher Weise förderten und daß durch die Anwesenheit des Oberlandesgerichtspräsidenten die besondere Bedeutung des Beginns
der Zusammenarbeit auch für den Oberlandesge« richtsbezirk Darmstadt betont werde. Sinn der Jugendarbeit fei für die Jungen, an sich selbst zu arbeiten, und für die Aelteren, die Jugend in der Durchführung der ihr zugewiesenen Aufgabenge« biete zu unterstützen.
Sodann wurden Ausbau, Ziel und Zweck der künftig regelmäßig wiederkehrenden Arbeitstagungen und die Möglichkeiten einer engeren Zusam« menarbeit der Justizbehörden mit der HI. auf den einzelnen, die Jugenderziehung un\ Jugendwohl- fahrt berührenden Rechtsgebieten erörtert.
Landgerichtspräsident Bohlmann bestimmte zum Abschluß dieser grundsätzlichen Erörterungen die großen Rechtsgruppen des Strafrechts und des Familienrechts als nächstliegenden und dringlichen Ausgangspunkt der nunmehr lebendigen, praktischen Einzelarbeit.
Der Anregung, zu den weiteren Tagungen als Vertreter der Schule den zuständigen Sachbearbeiter des NS.-Lehrerbundes zuzuziehen, wurde statt- gegeben.
Nach einer eingehenden Stellungnahme zu den einzelnen Fragen wurde die nächste Arbeitstagung für Ende Marz einberufen.
Giehener lvocheamorktprelie.
* Gießen, 3. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, ausländische, 12, Wirsing, % kg 12, Weißkraut 10, Rotkraut 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Tomaten, kg 40 bis 45, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, Yi kg 5 Pf., 5 kg 45, 50 kg 3,25 bis 3,75 Mark, Aepfel, XA kg 12 bis 25 Pf., Blumenkohl, das Stück 50 bis 60, Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10 Pf.
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** Arbeitsjubiläum. Am gestrigen 2. März konnte Herr Heinrich Weiß aus Großen-Linden als Vorarbeiter der Hofabteilung bei der Firma Bänninger G. m. b. H., Gießen, auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Um 11 Uhr vormittags versammelten sich die Leiter der Firma und die Ar- beitstameraben an dem festlich geschmückten Arbeitsplatz des Jubilars zu einer schlichten Feier. Es wurden hierbei Herrn Weiß durch den Betriebsführer, Herrn Karl Bänninger, besonderer Dank und Anerkennung für die in 25 Jahren dbr Firma geleisteten Dienste ausgesprochen. Ferner mürben noch von sechs Vertretern der Gefolgschaft in schönen und herzlichen Worten Glückwünsche dargebracht. Dem Jubilar wurden sowohl von der Firma, als auch von der Gefolgschaft wertvolle Geschenke überreicht.
** Die Bezahlung der Strom- und Gasgelder ist Gegenstand einer Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe. Die wichtige Mitteilung sei zur allgemeinen Beachtung dringend empfohlen.
*♦ Städtischer Brenn Holzverkauf. Bei der jüngsten Zuweisung von Brennholz aus den Waldungen der Stadt Gießen ergaben sich folgende Preise: Buchenscheiter A 11.— RM., B 9.— RM., Eichenscheiter A 7.— RM., Buchenknüppel A 8.— bis 9.— RM., B 6.— RM, Eichenknüppel A 6.— RM, je Raummeter: Buchenreiser 2. Klasse 18.— RM, 3. Klasse 14 — RM. je 100 Wellen. Das Holz wurde restlos zugewiesen.
*♦ Ausstellung des Handarbeits- Seminars. Der Alicefchulverein Gießen veranstaltet vom 5. bis 7. März im Schulgebäude an der Steinstraße eine Ausstellung der Arbeiten des Handarbeits-Seminars.
** Die Bismarckfeier auf dem Hohe- rodskopf, di« vom DHC. alljährlich veranstaltet wird, findet in diesem Jahre am Samstag, 2 April, statt. Redner des Abends ist Veterinärrat Dr. Ohly, Lauterbach. Der DHC. hat zu dieser Feier aller Wanderfteunde, auch Nichtmitglieder, eingeladen.
Oie Mädchen aus der Burgfiraße.
JRoman von Hilde K Lest.
31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
18.
Die Mansfeldsche Villa strahlte in einem ungewöhnlichen Lichterglanz. Vor dem Eingang stand ein livrierter Lohndiener/ der die Türen der Automobile öffnen sollte. Er hatte allerdings nicht viel zu tun, denn die Mehrzahl der Gäste kam mit der Elektrischen. Hatten sie die Haustür durchschritten, so nahm ihnen das Stubenmädchen die Heberkleider ab. Sodann bot ein zweiter Lohndiener dem Gast das silberne Tablett an, worauf dieser seine Besuchskarte legen sollte. Auf dieser Station geschahen freilid) schon die ersten Malheurs, denn Herr Macher besaß beispielsweise keine solche Karte und bediente sich in seiner Not einer Geschäftskarte, worauf bann zu lesen stand:
Gunter Macher, Maschinenfabrik Dampfkessel Turbogebläse, und Frau.
Dann wurden die Gäste in den Salon komplimentiert, wo Herr Assessor Dr. Mansfeld sie begrüßte. Er unterzog sich dieser Aufgabe mit Anstand und Würde. 2In der Schmalseite des Salons stand ein lebensgroßer Gipsengel, auf dessen Schulter ein Schmetterling saß.' Darunter stand ein längliches Tischchen, und auf diesem Tischchen lagen Blumensträuße. Dor jedem Blumenstrauß lag eine Karte. Auf dieser Karte war zu lesen: Herr... führt Frl.... zu Tisch.
Das las sich wie ein Kommando und war auch eines. Man las also, daß Herr Justizrat Mansfeld Frau Lenz zu Tisch führen sollte, und das war recht und billig. Professor Hauschild sollte Frau Justbzrat Mansfeld zu Tisch führen und das erschütterte ihn sehr, war aber gleichfalls recht und billig. Herr Stelling führte Frau Macher zu Tisch, Herr Macher Fräulein Lisbeth, Herr Viereck Fräulein Hrsel, Herr Assessor Dr. Mansfeld Fräulein Carla. Blieb Herr Professor Mollwitz. Aber auch für ihn war gesorgt. Er führte das ältliche Fräulein zu Tisch, das durch seine rege Anteilnahme an den Geschehnissen im Hause Lenz sich ein Anrecht au diesen Abend gewissermaßen erkauft hatte.
Die Gesichter der Herren, die diese Verteilung
studierten, sahen aus, als müßten sie ein Kreuzworträtsel lösen. Sie begaben sich kopfschüttelnd zur Hausbar, an der Professor Hauschild sich Hausherrenrechte angemaßt hatte.
Als alle Gäste versammelt waren, erschien Justizrat Mansfeld. Sein Sohn geleitete ihn zu Mutter Lenz, die der alte Herr mit Artigkeiten überhäufte. Dann sah er sich um, ging geradenwegs auf Hrsel zu und schloß sie in die Arme. Das war wider das Zeremoniell, aber erstens sah es ja die Justizrätin nicht, zweitens entschuldigte er sich mit den Worten: „Es geschieht ja nicht das erstemal, erinnerst du dich, mein Kind?"
Jetzt erinnerte sich Hrsel des alten Herrn, dem sie im „König von Spanien" in die Arme gefallen war. Sie lachte und sagte: „Dann war also Ihr Blumenstrauß für mich bestimmt?"
„Natürlich! Aber wenn ich gewußt hätte, daß du zwei so schöne Schwestern hast —" Er wpllte sich gerade mit strahlendem Gesicht Lisbeth und Carla nähern, als die Justizrätin in der Tür erschien. Da hielt er plötzlich inne und beschränkte sich auf artige Verbeugungen.
Die Justizrätin überblickte mit königlicher Würde den Raum, und nur Carla entging es nicht, daß ihr Auge suchend und unruhig herumblickte. Sie näherte sich ihr unauffällig, während die Herren sich verneigten und die Mädchen knixten, und flüsterte: „Die kleine Blonde neben dem Herrn Justizrat!"
Nun begrüßte die Justizrätin der Reihe nach die Anwesenden, und während ihr Gesicht den Schein der Hnnohbarkeit vor sich hertrug, ftrgften ihre Worte sie Lügen. Mutter Lenz flüsterte sie zu: „Wir hätten uns früher verbünden müssen, aber ich bin ein alter Drachen."
„Oh —" stotterte Mutter Lenz und wurde rot.
„Psst!" kommandierte die alte Dame. „Das bleibt unter uns!"
Zu Hrsel sagte sie: „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben! Meines Sohnes Glück wird auch mein Glück sein." Zu Lisbeth: „Am liebsten hätte ich euch beide zu Schwiegertöchtern!" Dann zu der danebenstehenden Carla: „Was sage ich — euch drei!"
„Viel hat ja nicht gefehlt!" wollte Carla lachend sagen, aber sie schluckte es gerade noch hinunter. Sie zog, während die Vorstellung weiterging, den alten Justizrat ins Gespräch, lachte und scherzte mit ihm, machte ihm Komplimente ob feines jugendlichen Aussehens und bewirkte es bald, daß der alte Herr einen richtigen roten Kopf bekam.
Er stand bewundernd vor ihrer strahlenden Schönheit. „Potztausend, da muß ich meinem Sohn
gratulieren, daß er sich für eine bestimmte unter euch entschließen konnte. Ich wäre nie damit fertig geworden."
„Bitte zu Tisch!" erklang die (Stimme der Justizrätin. Die Herren ergriffen ihre Blumensträuße und begaben sich mit den ihnen zugedachten Damen in langem Zuge ins Speisezimmer.
Da saß bann Herr Macker an der prunkvollen Tafel und dankte Gott dafür, daß Lisbeth neben ihm saß, die er ohne Scheu fragen konnte, was er denn um Himmels willen mit drei verschiedenen Bestecken und drei verschiedenen Tellern und Gläsern anfangen sollte. Nur Carlas silberhelles Lachen klang über die Tafel, sie scherzte mit dem Assessor, dem sie vorwarf, bereits unter einem gewissen Pantoffel zu stehen, sie warnte die Justizrätin vor Mollwitz, der ihr gewiß den Alabasterengel aus dem Salon entführen würde, und Mollwitz vor dem ältlichen Fräulein, die, wie Carla sagte, ein stilles Wasser sei...
Das ließ sich das ältliche Fräulein nicht zweimal sagen, und man hörte fortan ihre alles bewundernde, stets in Verzückung schwebende Stimme, während Mutter Lenz, Hrsel, Lisbeth und Biereck einander ängstliche Blicke zuwarfen, weil sie sich Carlas frohe Laune nicht erklären konnten.
Als der Braten aufgetragen worben war, klopfte die Justtzrätin an ihr Glas, und im Augenblick herrschte jene Ruhe, in der die berühmte Steck- nabel hörbar zu Boden fallen kann. Sie fiel denn auch tatsächlich aus dem Hosenträger des Herrn Macher, aber Lisbeth packte seine Hand, die das Unglück korrigieren wollte, und zwang ihn zum Stillsitzen.
„Meine lieben Gäste", begann die Justtzrätin ihre Rede, „ich bin glücklich, daß Sie mir durch Ihre frohgemute Anwesenheit den Schmerz erleichtern wollen, den eine Mutter empfindet, wenn sie sich von ihrem Kinde trennen soll. Diese Trennung ist gewiß keine räumliche Trennung, aber das macht den Schmerz nicht geringer. Ich.* " da aber traten ihr die Tränen in die Augen und erzwangen eine Pause. Sie suchte vergebens nach würdigen Worten, die sie sich zurechtgelegt hatte. Sie machte eine ftanbbewegung' als werfe sie ein Konzept ihrer Rede von sich, und sagte plötzlich in ergreifender Schlichtheit: „Ich bitte Sie alle, es zu verstehen, daß ich die Liebe meines Kindes mit niemand teilen wollte. Ich bitte alle um Verzeihung, denen ich wehe getan habe. Es geschah nur aus übergroßer Liebe, und es geschah auch, weil wir in unserem Alter einsame Menschen geworden sind, die die Jugend nicht mehr verstehen. Jetzt aber will ich bas zweite Kind, das mir das Schicksal trotz meines sinnlosen
Sträubens zugeführt hat, mit der nämlichen Liebe aufnehmen, die bisher meinem Sohne galt. Liebe Hrsel, ich sehe dich heute das erstemal, aber mir ist, als wärest du immer mein Kind gewesen. Ich bin glücklich, überaus glücklich, die Verlobung meines Sohnes mit dir verkünden zu können!"
Die Justtzrätin hatte bisher tapfer durchgehalten. Jetzt flössen ihre Tränen ungehemmt, und sie sank auf ihren Sessel, während alle sie umdrängten, Hrsel ihre Hand küßte und Mutter Lenz sie umarmte. Der Justtzrat aber wußte, was zu tun war, er bat Viereck, neben Carla Platz zu nehmen und seinen Platz neben Hrsel mit dem Assessor zu vertauschen. Dann hob er sein Glas, und man trank auf das Glück des Brautpaares.
Da klopfte die Justtzrätin von neuem an ihr Glas, sie hatte sich gefaßt, und in ihrem Gesicht stand ein beinahe pfiffiges Lächeln. Verwundert horchten die Gäste. „Ich bin noch nicht am Ende", sagte sie, „denn dieser Tag hat uns zweifaches Glück beschert, bas verkündet werden will. Sie wissen alle, daß mein Bemühen um das Glück meines Sohnes uns veranlaßte, in einem bescheidenen Rahmen mitzuhelfen an der genialen Arbeit unseres lieben Gastes, des Herrn Macher. Mein Mann und ich freuen uns sehr über seinen Erfolg. Aber mir verstehen wenig von Dampfkesseln und werden auch wohl nicht mehr in dieses Geheimnis einbringen können. Dafür hast du, meine liebe Lisbeth, wie ich dich jetzt wohl so nennen darf, selbstlos an dieser Arbeit mitgewirkt, und ich selbst habe eine Dankesschuld an dich abzutragen, für eine Sache, die uns nur beide allein angeht. Deshalb haben mein Mann und ich uns entschlossen, das Kapital, mit dem wir uns an dem Unternehmen unseres lieben Herrn Macher beteiligten, auf deinen Namen zu überschreiben und als Mitgift auszusetzen für den Mann, der dich zum Traualter führen wird."
„Ich bitte Sie, meine lieben Gäste" — die Justtzrätin hob beschwörend die Hand — „ich bin ja noch gar nicht fertig! Man gibt eine Mitgift nur bann, wenn der Mann bereits vorhanden ist. Ich kenne aber einen solchen Mann, wir haben uns von seiner Tüchtigkeit überzeugt, er liebt Lisbeth und Lisbeth liebt ihn. Und deshalb darf ich das Wort an Sie richten, meine liebe Frau Lenz: Im Namen unseres lieben Karl Viereck bitte ich Sie um die Hand Ihrer Tochter Lisbeth!"
Nach diesen Worten brach ein Stimmengewirr aus, das zum Orkan anschwoll. Die Justtzrätin war auf Mutter Lenz zugegangen und hatte sie umarmt Ursel und Carla umarmten und küßten Lisbeth, und Viereck durfte seine Schwägerinnen
1 auf die Wangen küssen. . _ _ (Schluß folgt)


