wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterschrift der Kohlen- Händler auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 4. Februar eingereichte Scheine sind wertlos.
BOM- u. ZM.-Llniergau 116, Gießen.
Dienstbefehl!
B e t r.: Arbeitsgemeinschaft.
Am Freitag, 4. Februar, findet um 20.15 Uhr im M.-HJ.-Gefolgschaftsheim in der Roonstraße eine Arbeitsgemeinschaft mit den Gefolgschaftsführern und Gruppenführerinnen, sowie Stabsmitgliedern statt. Es läuft ein Film vom Rassepolitischen Amt.
Betr.: Tagung der Großfahrten- führerrnnen am 5. Februar.
Am Samstag, 5. Februar, um 13 Uhr, findet eine Tagung der Großfahrtenführerinnen statt, die um 18 Uhr beendet ist. Es werden hiermit einberufen (auf die Dienststelle des Untergaues, Neuen Bäue 22): alle Mädel- und Jungmädel-Gruppen- und Scharführerinnen des Standortes Gießen. Es spricht hie W.-Abteilungsleiterin des Obergaues 13 und die Bezirksjugendwartin von Schneidemühl.
Betr.: Besprechung der IM. - Schulungsmädel.
Die Besprechung der DM.-Schulungsmädel findet anstatt am 5. d. M. am 4. d. M. anschließend an die Tagupg der Großfahrtenführerinnen statt.
Betr. Freiwillige Sportdien st gruppe: Rollschuhlauf.
Unsere Uebungsstunden finden jetzt in den Win- termonaten jeden Dienstag von 16 bis 17 Uhr in der Turnhalle des DfB.-Reichsbahn statt. Damit wir pünktlich anfangen können, sind alle Mädel schon um 15.45 Uhr dort. Natürlich kann niemand unentschuldigt fehlen. Am kommenden Dienstag, 8.2., treten alle Mädel, die der freiwilligen Sportdienstgruppe Rollschuhlauf angehören, dort an, auch die mit Eisenrollen an den Rollschuhen. Wem es unmöglich ist zu kommen wegen der Schule, meldet dies im Laufe dieser Woche noch bei der Untergau- sportwartin auf dem Untergau.
HI., Bann und Zungbann 116.
Betr.: Arbeitsgemeinschaft der h Z.-Führer und -Führerinnen des BD7N.
'Zur HI.-Arbeitsgemeinschaft am kommenden Freitag, 4. Februar, haben alle Unterbannführer, Stamm- führer, Gefolgschaftsführer, Fähnleinführer, Stellenleiter und Mitarbeiter des Bannes und Junabannes 116 anzutreten. Es läuft ein Film des Rassenpolitischen Amtes.
Betr.: Uniformbeschaffung.
Die Gefolgschaften und Fähnlein melden bis zum 5.2. die wirklich bedürftigen Jgg. bzw. Pimpfe, die Uniformteile benötigen. Letztere sind einzeln aufzuführen. Für die Gefolgschaften des Bannes 116 trifft dies nur zu, sofern sie in den letzten acht Wochen keine solche Meldung abgegeben haben.
7!S.-Lehrerbund,Kreis Wetterau.
INadchenerziehung. Hauswirtschaft und Handarbeit.
Samstag, 5. Februar, 15 Uhr, in der Mädchen-Berufsschule in Gießen: 1. Leistungsschau im Handarbeitsunterricht. 2. Lehrfilme.
Verbesserte Kündigungsfristen für alte Kämpfer.
NSG. Der Reichsfinanzminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß vom 1. April 1937 ab für Angestellte im öffentlichen Dienst, die bis zum 14. September 1930 der NSDAP, beigetreten sind, oder Mitglied der NSDAP, oder ihrer Gliederungen oder des Stahlhelms bis zum 30. Januar 1933 geworden sind und nachweisbar vor der Machtübernahme aktiv tätig waren, bei der Bemessung der Krankenbezüge und der Kündigungsfristen die Zeiten dieser Mitgliedschaft bis zu fünf Jahren den auf Grund der Tarifordnung zu berücksichtigenden Dienstzeiten hinzugerechnet werden. Voraussetzung
Die Mädchen aus der Burgstraße.
JRomon von Hilde X Lest.
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Lisbeth sah ihm das erstemal in all diesen Tagen ins Gesicht, aber er war so überrascht von der (Empörung, die aus ihren Blicken loderte, daß er betroffen den Kopf senken mußte. Nun hörte er ihre triumphierende Stimme: ,Lch bin allen Menschen, mit denen ich zu tun hatte, immer ein guter Ka- merad gewesen. Ihnen kann ich es nicht sein, und will es auch nicht sein!"
Stelling war durch diesen Ausbruch aufs höchste überrascht. Das hatte er nicht verdient. Er stand auf und maß sie mit einem erstaunten Blick, und diesmal war sie es, die den Kopf senkte. Eine Blutwelle schoß in ihr Gesicht, sie drehte sich um, nahm Hut und Tasche und knallte die Tür hinter sich du-. Auf den Lärm hin kam Frau Macher ins Büro, sie übersah die Bescherung mit einem Blick.
„Ich habe das kommen sehen", sagte sie, „und wenn Sie jetzt ein Mann sind, werden Sie ihr nachgehen müssen. Wir können unsere Lüge nicht mehr aufrechterhalten. Aerger allein bringt unsere Lisbech nicht aus der Ruhe. Da steckt mehr da- hmter..."
Lisbeth war die Treppen hinabgelaufen und durch die verschachtelten Höfe. Im Haustor rannte sie beinahe die Portiersfrau Über den Haufen,'hörte auf der Straße noch lautes Schimpfen und wurde erst ruhiger, als sie in der Burgstraße am Geländer des Spreeufers stand. Unter ihr heulte die Sirene eines prustenden Schleppdampfers, dem ein Paddler in die Quere gekommen war, zwei Möven kamen dicht an sie herangeschossen und heischten Futter nut lauten Schreien. Sie mußte lächeln und kam darüber zur Besinnung. „Pfui Teufel!" sagte sie, „sich so gehen zu lassen!"
Sie holte ihr Desperbrot aus der Handtasche und warf es in kleinen Stücken den Möven zu, die es geschickt im Fluge erhaschten. Der Paddler war indessen unter ihrem Standort angelanat, hielt sich an einem Pfahl fest und sah ihr zu.
„Hallo!" rief er lachend, „mir auch ein Stück!" Lisbeth beugte sich über das Geländer, sah in das sonnengebräunte Gesicht des Fremden und warf fcherzhaft ein Stück Brot zu ihm hinab. Aber eine Möve haschte es sich, kaum daß es ihre Hand ver- lassen hatte. „Hat nicht sollen sein!" sagte der Paddler. „Wenn Sie aber nun selber kämen? So
Oie politischen Soldaten des Führers sammeln für das WHW.
Zur 4. Reichs st raßensammlung für das Winterhilfswerk werden am kommenden Sgmstag und Sonntag, 5. und 6. Februar, die politischen Soldaten des Führers, SA., fj, NSKK. und zum ersten Male auch das NSFK. (Nationalsozialistisches Fliegerkorps), antreten. Sie werden dabei den Spendern ein Abzeichen überreden, das diesmal wieder von besonderer Art sein wird: nämlich schöne Soldatenbilder aus aller Zeit, aus den Jahren vor dem Weltkrieg und aus den Kriegsjahren. Diese Soldatenbilder sind kunstvoll aus Seidenfäden gewebt, und sie zeigen Trachten und Uniformen deutscher Soldaten seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts.
Man darf wohl sagen, daß diese Sammel-Abzeichen des WHW. zu den schönsten und wertvollsten Stücken gehören werden, die vom WHW. den Volksgenossen bisher zugänglich gemacht wurden. Daher dürfte denn auch wohl kein Zweifel dar
über bestehen, daß der^ Verkauf der Abzeichen sehr flott vor sich gehen wird, so daß die bei der Kreisamtsleitung der NSV. zum Absatz innerhalb der Stadt Gießen bereitliegenden 21 8 00 Abzeichen wohl verhältnismäßig schnell Käufer gefunden haben werden. Für die übrigen Orte des Kreises Wetterau hat die Kreisamtsleitung der NSV. 38 200 Stück dieser Abzeichen vorrätig, so daß also im gesamten Kreis Wetterau 60 000 Soldatenbilder-Abzeichen ihrer Käufer' har- ren.
Unsere SA.-, NSKK.- und NSFK.-Männer werden es an der oft bewährten Einsotzfreudigkeit und an dem unermüdlichen Bereithalten der Perkaufsstücke wiederum nicht fehlen lassen, um dadurch der Sammlung am nächsten Samstag und Sonntag einen Erfolg zu sichern, der sich in seinem (Ertrag würdig den bisherigen hervorragenden Sammelergebnissen anreihen wird.
Wehrmacht Hilst dem Winterhilfswerk.
Seit Jahren hat unsere Gießener Garnison es immer als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, in dem winterlichen Kampf gegen Hunger und Kälte mit in der vordersten Front aller Helfer zu marschieren. In vielfältiger Weise haben unsere Soldaten dieser Aufgabe gedient. Sie traten mit eigenen großen Veranstaltungen hervor, deren Ertrag dem WHW. für seine dringlichen Aufgaben zufloß: oder sie standen mit vielen Fahrzeugen bei den Sammlungen für das Hilfswerk zur Verfügung: oder sie speisten aus dem Ertrag von Geld- sammlungen innerhalb der Truppeneinheiten solche hilfsbedürftige Kinder, die von der Kreisamtsleitung der NSV. namhaft gemacht worden waren. Kurzum: auf alle mögliche Weise halfen unsere Soldaten in vorbildlicher Art den wirtschaftlich schwer ringenden Volksgenossen. Nunmehr wird unsere Gießener Garnison wieder mit einer großen Hilfsaktion für das Winter- Hilfswerk an die Oeffentlichkeit treten. Hierfür find der 19. und der 2 0. Februar vorgesehen.
Als Auftakt wird am Samstag, 19. F e - b r u a r, in der Volkshalle ein großes Wehrmachts- Konzert gegeben, bei dem mehrere Musikkorps und Spielmannszüge mitwirken werden. Zu der Hauptprobe am Nachmittag dieses Tages wird die in der HI. und im BDM., sowie im Jungvolk zusammengefaßte Jugend kostenfreien Zuttitt haben, damit auch die jungen Volksgenossen im Rahmen dieser Veranstaltung eine Freude erleben können. Der Nachmittag des 19. Februar wird weiterhin einen Werbemarsch eines Bataillons durch die Stadt bringen, um auch dadurch alle Volksgenossen für diesen Einsatz unserer Wehrmacht zu interessieren.
Der folgende Sonntag, 2 0. Februar, wird den Gießener Volksgenossen und hoffentlich auch vielen Besuchern von auswärts mancherlei Veranstaltungen unserer Soldaten bringen. Selbstverständlich werden an diesem Tage die Kasernen in gewohnter Weise zur Besichtigung für jedermann offen stehen. Mittags wird man sowohl in den Kasernen, als auch durch eine große Reihe von Feldküchen, die in der Stadt an den verschiedensten Stellen mit gutem Eintopf-Mittagessen auffahren werden, Gelegenheit haben, sich einen oder auch zwei „Schläge" der guten Soldatenkost zu sichern. Unsere Hausfrauen werden dadurch wieder einmal von dem Mittagkochen befreit werden, eine Annehmlichkeit, die bei ihnen sicherlich Anklang finden wird. Nach den Erfahrungen vom Vorjahre wird bei der kommenden Veranstaltung, neben den festen Kochkesseln in den Kasernen, eine weit größere Zahl von Feldküchen als im vorigen Jahre eingesetzt werden, damit der voraussichtlich wieder sehr großen Nachfrage in vollem Ausmaß entsprochen werden kann. Allerdings ist es dringend erforderlich, daß unsere Hausfrauen die demnächst zur öffentlichen Kenntnis kommende Frist für die Anmeldung zum (Effenempfang genau einhalten. Die Nachmittags- ftunben des 20. Februar werden sportliche Wettkämpfe bringen. Den Beschluß des Tages wird am Abend frohgestimmtes Volksfest in der Volkshalle bilden.
In diesem Rahmen wird sich der kommende Einsatz unserer Soldaten für das WHW. am 19. und 20. Februar abwickeln. Einzelheiten darüber werden in der nächsten Zeit den Volksgenossen noch zur Kenntnis gebracht werden
hierfür ist, daß diese Zeiten auf Grund der tarif- lichen Bestimmungen nidjt angerechnet werden können und der Angestellte ein Jahr bei einer öffentlichen Verwaltung, oder in einem öffentlichen Betriebe beschäftigt und Mitglied der /Partei ober einer Gliederung ist. Der Erlaß ist grundsätzlich auf Angestellte beschränkt, die gegenwärtig noch Mit- gliet) der NSDAP., ober einer ihrer Gliederungen finb. Die früher, auch vor der Machtübernahme, bei ber NSBO. abgeleistete Zeit gilt als bei einer Glie- berung der NSDAP, zurückgelegt.
Anträge für das Ehrenbuch für die kinderreiche Familie.
NSG. Verschiebentlich besteben noch Unklarheiten barüber, wohin sich die Antragsteller für das „Ehrenbuch für die deutsche kinderreiche Familie" wenden können. Wir geben deshalb nochmals bekannt, daß Anträge für das Ehrenbuch bei den Kreiswarten des Reichsbundes ber Kinberreichen gestellt werden müssen. Die An-
ein bißchen Spreebummel? Sie wissen gar nicht, wie schön Berlin von da unten ist! Remspaziert, meine Dame, das ist eine einmalige, nie wieder- kehrende Gelegenheit! Ich will Sie auch unversehrt wieder ausbooten, wo Sie wollen!" bettelte er.
Lisbech hätte nicht übel Lust gehabt, aber sie bezwang sich und wies auf ihr Kostüm. „So — in diesem Aufzug — geht es nicht."
Der Paddler schien das einzusehen. „Dann ein andermal", sagte er.
„Ja, ein andermal."
„Wirklich? Wann und wo?" drängte er.
„Samstag", sagte Lisbeth aufs Geratewohl.
»Das nenne ich schnell entschlossen. Also Sams- tag um zwei hier am Einstieg..."
Lisbech sagte nichts, sie winkte ihm nur zu, als er jetzt abstieß und mit kräftigen Stößen auf die Flußmitte zuhielt. Sie sah ihm lächelnd nach. Plötzlich sagte ihr ein Gefühl, daß sie beobachtet würde. Sie» drehte sich um, Stelling lehnte neben ihr am Geländer und sah aufmerksam auf die glitzernde Wasserfläche ber Spree, aber fein kaum unterdrücktes Lächeln verriet, baß er bis Szene mitangehört hatte, die so gar nicht zu ihrem sonstigen Verhalten paßte.
Ihre gute Laune war verflogen, auf ihrer Stirn ftanb eine Zornesfalte.
»Es ist eine Unverschämtheit von Ihnen, mir nachzuschleichen!" sagte sie. „Doppelt unverschämt, weil Sie erst vorhin den Gekränkten spielten!" Sie wandte sich zum Gehen.
Stellina packte sie seelenruhig am Arm und sagte: „Sie dürfen jetzt nicht davonlaufen, Ihre Nachbarn gucken allesamt aus den Fenstern, wir wollen ihnen keinen Auftritt vorspielen."
„Lassen Sie los!" zischte Lisbech, vermied es aber, ihren Arm gewaltsam zu befreien, denn die Burgstraße sah wirklich aus einem Dutzend Augen- paaren herüber.
„Sofort", sagte Stelling mit ernster Stimme, »ich muß Ihnen nur erst sagen, baß Frau Macher Sie angeschwindelt hat, als sie Ihnen erzählte, ich sei mit Ihrer Schwester Carla — bekannt. Ich kenne Ihre Schwester nur vom Ansehen."
»Was geht bas — mich an!" wollte Lisbeth Jagen, aber er ließ sie nicht ausreben.
»Sie haben mir andauernd unb vorhin besonders deutlich Ihren Unwillen gezeigt. Es wäre unrecht von Ihnen, wenn Sie mich hindern wollten, Sie aufzuklären."
„Gut, ich nehme Ihre Erklärung zur Kenntnis." „Dann müssen Sie aber auch die volle Wahrheit zur Kenntnis nehmen, denn den Anlaß zum ganzen Mißverständnis gab schließlich der Stein, den ich
schriften der Kreiswarte des RdK. in unserer engeren Heimat lauten:
Kreis Alsfeld ° Lauterbach: Valentin Bully, Lauterbach, Obergaffe 9.
Kreis Büdingen - Schotten: Wilhelm Zeschky, Schotten (Amtswart: Jakob Vierheller, Schotten).
Kreis W e 11 e r a u: Heinrich Schrsitz, Friedberg, Augustinerstraße 14.
Kreis Wetzlar: Heinrich Krauskopf, Lehrer, Wetzlar, Johanneshof 61.
Festvortraq von Professor Or. Bechtel.
Bei der Reichsgründungsfeier ber Münchener Hochschulen hielt der frühere Gießener Prof. Dr. Bechtel, der hier das Jnftttut für Wirtschaftswissenschaft ber Universität Gießen leitete unb jetzt an der Technischen Hochschule in München wirkt, bie großangelegte Festrede über das Thema „Die Forderung unserer Zeit an die Wirtschaftsgeschichte". Die Festansprache fand, wie wir in der Münchener Presse lesen, bei der großen Festversammlung lebhaften Beifall.
an jenes Fenster geworfen habe. Wollen Sie mich jetzt endlich anhören?"
„Gut, gehen wir weiter, aber lassen Sie endlich meinen Arm los!"
Sie schritten zum Lustgarten hinab unb entzogen sich so den Blicken der Burgstraße.
,Hch mag dieses Theaterspielen nicht mehr. Ich will reinen Tisch haben. Wenn Sie bann immer noch böse finb, ist es wenigstens nicht meine Schulb."
»Ich bin gar nicht mehr döse", sagte Lisbeth leise unb roanbte den Kopf zur Seite.
lieber die Brücke kam eine Pferdebroschke angerollt. Stellina hielt sie an. „Das ist Vater Brandenburg", sagte er, „er weiß die schönsten Wege durch den Tiergarten, und Sie fahren, wie ich vorhin hörte, gerne spazieren. Darf ich bitten?"
»Sie haben eine seltsame Art, Erklärungen abzugeben."
„Für die rechte Erklärung braucht man die rechte Stimmung. Zu meiner paßt Frühling, Sonne und Vogelgezwitscher. Fahren Sie los, Vater Brandenburg!"
Als die Sonne sank, setzte Vater Brandenburg sie im „Trompeterschlößchen" ab, einem beschaulichen Wirtshäuschen an den Zelten. (Er tat bas mit großer Selbstverständlichkeit unb schien es gewohnt zu sein.
„Auch das noch?" fragte Lisbeth.
»Vater Brandenburg weiß besser als mir, was nottut. Ich habe mir einen Durst angerebet, unb Sie müssen sich stärken für die Vorhaltungen, die Sie mir machen wollen. — Nun?" sagte er ermunternd, als sie im kleinen Vorgarten unter dem blühenden Flieder saßen.
Lisbech hatte ihn auf ber Fahrt durch den Tiergarten reden lassen. Ihr Gesicht war unburchdring- sich, jetzt erwartete er den Ausbruch ihrer Entrüstung. Aber er hatte sich ganz vergeblich bie schönsten Einwänbe unb Bitten zurechtgeleat. Sie lehnte den Kopf zurück und sah geistesabwesend in bas Laubbach ber Sträucher, in dem noch bie letzten Bienen summten. Um ihren Mund spielte ein weicher Zua, ben er nie zuvor an ihr gesehen hatte, und es schien ihm, als stände in chren Augen ein feuchter Schimmer.
Schließlich sprach sie, langsam unb leise, wie von fernen Dingen, bie sie nicht berührten. „Ursel ist achtzehn Jahre alt. Was Sie mir erzählten, überrascht mich nicht, es wäre sinnlos, bagegen anzukämpfen. Im übrigen" — sie sah ihn aus halb- geschlossenen Augenlibern an — „ist Ursels Wahl nicht bie schlechteste."
„Wenn bas ein Kompliment ist", lachte Stelling, „darf ich auch annehmen, daß Sie mir endgültig verziehen haben?"
Die Deutle JMWront
NSG. „Kraft durch Freude", Kreis Gießen.
Theatervorstellung.
Sonntag, den 6. Februar, nachmittags 14.45 Uhr, auf vielfachen Wunsch Wiederholung der Operette:
„(Eine Nacht in Venedig".
Preise —,60, 1,—, 1,20 RM. 677V
Oer Urlaub für Heimarbeiter in der Zigarrenindustrie.
Fwd. Der Reichssondertreuhänder für die Zigarren industrie Dr. Kirn rnich (Karlsruhe) hat im Reichsarbeitsblatt Nr. 3 eine Tarifordnung betr. Urlaubsregelung für die in ber Heimarbeit beschäftigten Gefolaschaftsangehörigen in der Zigarrenherstellung erlassen. Währenb vorbem die Heimarbeiter in ber Zigarreninbustrie einen Urlaubsanspruch von 6 Tagen, gleich welche Beschäftiaunas- zeit in der Zigarreninoustrie, hatten, erhöht sich nach der Neuregelung ber Urlaub für bie Heimarbeiter bis auf 12 Tage. Der Urlaub ist genau so angesetzt wie für bie in ben Betrieben beschäftigten Arbeiter ber Zigarrenherstellung, und zwar ebenfalls gestaffelt nach Beschäfttgungsjahren. Die (Entgeltregelung geschieht nach den vor dem Urlaub unmittelbar vorangegangenen Durchschnittswochenverdiensten unb ist vor Dem Urlaubsantritt zu be< zahlen.
Gesangverein „Heiterkeit- rüstet zur 60-Zahrfeier.
In feiner ordentlichen Jahreshauptversammlung konnte der Gesangverein „Heiterkeit" — wie man uns berichtet — auf ein arbeits- unb erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Unter bewährter Leitung von Musiklehrer Schüttler konnte u. a. die Stunde des Chorgesangs im Reichssender Frankfurt bestritten unb ein wohlgelunqenes Konzert in der Neuen; Aula der Lubwigs-Üniversität abgehalten werben. Die Zahl der aktiven sowohl als auch der passiven Mitglieder hat eine erfreuliche Steigerung erfahren. Die wirtschaftlichen Grundlagen des Vereins sind durchaus geordnet. So konnte denn auch dem Vereinsführer U h r h a n unb feinem Vorstand einmütig der Dank ber Versammlung ausgesprochen werben. Das im Sommer dieses Jahres in Gießen stattfindenbe große Gau-Sängerfest wirb seitens der „Heiterkeit" tatkräftige Unterstützung finden. Ein breiter Rahmen in der Beratung war der Ausgestaltung der Feier des 60jährigen Bestehens der „Heiterkeit" gewidmet. Alter Tradition gemäß soll im Herbst dieses Jahres ein großes Chorkonzert veranstaltet und eine würdige Jubiläumsfeier damit verbunden werden. Dem Vorstand bleibt die weitere Ausgestaltung und zeitliche Festlegung überlassen. Mit dem Treuegelöbnis zum Führer, der gelegentlich der großen Tage von Breslau ber völkischen Mission ber deutschen Sängerbewegung und ihrer volksverbunbenen Wurzeln Cyarakter und Bebeutung verliehen hat, würbe bie Tagung beendet.
Arbeitstagung des Bezirksvereins Gießen-Land vom 7KSLB.
Am gesttigen Mittwoch hielt ber Bezirks-Verein „Gießen-Land" feine erste Versammlung in biesem Jahre ^irn „Burghof" ab. Rektor Siegfried (Großen-Linben) begrüßte bie erschienenen Mitglieder unb gab ber Hoffnung Ausbruck, baß die Arbeiten im neuen Jahre zum Segen ber Lehrerschaft unb ber Schule sein möchten. In erster Linie hätten bie Bezirks-Vereine bie Kamerabschaft zu pflegen. Für die berufliche Weiterbilbung seien brei Arbeitsgemeinschaften innerhalb des Bezirkes gebilbet. Diese Arbeitsgemeinschaften tagen jeweils am zweiten Mittwoch im Monat, währenb ber Bezirksverein immer am letzten Mittwoch im Monat zu einer Versammlung Zusammentritt. Im übrigen wurden auf dieser Tagung nur noch geschäftliche Sachen erledigt.
„Nicht ich habe Ihnen zu verzeihen, sondern Sie mir. Ich habe mich wie eine dumme ©ans benommen."
Stelling faßte nach ihrer Hand. „Das ist Unsinn, was Sie da sagen!"
„Unsinn?" erwiderte sie, „es ist mein voller Emst. Wäre es wirklich so schrecklich gewesen, wenn Ihr Stein damals meinem Fenster gegolten hätte? Sie haben es felbft erlebt, daß ich mich heute mit einem wildfremden Paddler verabreden wollte. Was dem recht war, hätte auch Ihnen billig sein können. Unb was hätte es mich angegangen, wenn Ihr Steinchen damals meiner Schwester Carla gegolten hätte? Nichts! Wie es mich nichts angeht, gar nichts angeht, daß es Ursel galt. Es bleibt dabei: ich bin eine unausstehliche Person. Sie müssen eine schöne Meinung von mir haben."
„Meine Meinung, Lisbech", er stockte, unb sie bemerkte plötzlich, daß er immer noch ihre J)anb hielt. Sie zog sie schnell zurück unb wurde rot Stelling zündete sich taktvoll eine Zigarette an. »2ch glaube Sie zu verstehen", sagte er nach einer Weile, „Sie sind die Aelteste unter Den drei Mädels, die einzige, die im Beruf steht, Sie müssen an Strenge unb Lebensart ersetzen, was Ihrer guten, lieben Mutter vielleicht fehlen mag, man vergißt, baß Sie mit Ihren vierundzwanzig Jahren selbst ein junges Geschöpf finb ..."
„Sie sind ein guter Kerl, Stelling", unterbrach sie ihn, unb ihre Stimme war seltsam heiser, „Sie brauchen mich aber nicht zu trösten. Sv schlimm steht es* nun boch nicht um mich, wenn man mich auch" — sie lachte gezwungen — „oft als moralische alte Jungfer einschätzt. Schweigen Sie, Sie haben es auch getan. Schwamm brüber. Und jetzt werben Sie mich wohl nach Hause bringen müssen. Mich friert..."
VI.
„Nun sieh mal einer ben Balg an!" sagte Mutter Lenz, als ihr Lisbech auseinandersetzte, baß Ursel offenbar nicht mehr bas „Kinb" fei, wofür sie bisher gegolten hatte. „Ich meine gar nicht ihre Heimlichkeit mit diesem Herrn Stelling, mein Gott, so ober so haben wir alle einmal angefangen. Aber mir vergnügten uns bann auch mit biesem einen, ber für uns ber Herrlichste ber Welt war. Wenn ich aber unsere Ursel nun sehe, wie sie mit unserem Assessor tut, wie sie sich um ihn kümmert...ich hätte schon beinahe gebacht, ba liege ber Hase im Pfeffer. Nein, nun macht sie dem auch noch was vor! Kinber, Kinder, ihr wachst mir über ben Kopf! Welch ein Durcheinander von Mannsqeschichten!"
„Anwesende hoffentlich ausgeschlossen!"
(Fortsetzung folgt)


