Einzelbild herunterladen

Nr.152 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

2./3.3UH 1958

Amerikas neue Flotte.

Von unserem E.A.H-Verichterstatier.

Nachdruck verboten!

Neuyork, im Juni 1938.

»emnächst zur Abstimmung gelangen;

ligungen sollen

Zeträge von 4V2 Milliarden Dollar

angeforderten

wird voraussic lich ebenfalls den Kriegs- und Ma-

ianuar dieses Jahres hat der ameri- zwei Vorlagen, den regulären und die Aufrüstungsbill, in Höhe 1,72 Milliarden Dollars angenom-

von insgesamt .

men; zwei meiere Vorlagen über zusätzliche Bewll-

dazu"kommt ntch das Rooseveltsche Programm zur Bekämpfung dt Wirtschaftskrise. Ein Teil der darin

Angesichts der Ausdehnung des amerikanischen Aufrüstungsprogramms und der gewaltigen damit verbundenen Ausgaben muß es als auffallend be­zeichnet werdin, daß die amerikanische Presse seit Wochen vermeidet, dieses Programm ihren Lesern einmal in feint Gesamtheit anschaulich auseinander- zusetzen. Seit kanische Kong Marinehansha

n en Teile n dieses Aufrüstungsprogramms. Ob sich dahinter ehe gewisse Absicht verbirgt, entzieht sich unserer Kgntnis.

Vielleicht gehieht dies mit Rücksicht aus die im­mer noch vörandenen, aber bereits stark in den Hintergrund c drängten isolationistischen Hemmun­gen, oder mai will vermeiden, daß sich der ameri­kanische Stein Zahler, der ohnehin schon 13 Millio­nen Arbeitsl^ durchzufüttern hat, unnötige Ge­danken über te Richtigkeit des im Kongreß so häu­fig vorgebraaen Arguments von der Bedro­hung der peinigten Staaten durcheine fremde Macht" oder i,eine Kombination fremder Mächte" macht. Denn )er einen kleinen Blick in die Zukunft tut und sich le Auswirkungen des plötzlichen Rü­stungsfiebers vergegenwärtigt, muß klar erkennen, daß es bei ?n vorgeschlagenen Ausgaben nicht bleiben ntd. Das hat ja bereits die 1,56 Mil­liarden Flotnbill bewiesen, die von dem Tage ihrer Einrei^ng an bis zu ihrer Annahme, einer Zeitspanne )n etwa drei Monaten, infolge Er­höhung des hnnengehalts der Flugzeugmutterschiffe, der Schlachtsiffe, zusätzlicher Bewilligung für Flug­zeuge, zunebender Teuerung der Baukosten usw., um einige 3« Millionen gewachsen ist. In Washing-

rineministeriennur Errichtung von Armeeflugstatio­nen, zum Aus au der Küstenverteidigung usw. zu­fließen. Aber iir hören nur immer von e i n z e l -

toner Mariikreisen gibt man auch ganz offen zu,

jedoch voraussichtlich noch erhöht

mehr zwisch

zehn Jahre Zwei Fr

Flugzeugen planten Sch tenbestand Kreuzer (in

Kongreß bereits bewilligte Flotten- von 1,56 Milliarden Dollar sieht den rieasschilfen, ?8 Hilfsschiffen und 950

662/s v. H., 3. Eine 1

r. Ein Vergleich der in 1. und 2. ge­bauten mit dem gegenwärtigen Flot-

esetzt hat.

en drängen sich uns auf: Wie stark

: Unterseeboote^ um 30 v. H. den Marineausschüssen des Senats

angesetzt, n» werden.

2. Die vl aufvüstungs Bau von 4Qi

;ibt eine Erhöhung der schweren Flottenbill wird zum erstenmal nicht leichten und schweren Kreuzern un- 90 v. H., der Schlachtschiffe (35 000

1. Zur Ä liegen auf amerikanischen Werften 60 im Bauiefindliche Kriegsschiffe; der Bau von 22 weiteren^riegsschisfen soll demnächst in Anariff genommen tben. Ihre Baukosten sind in den Ma­rineetats de-ahre 1938 und 1939 einbegriffen. Der Marinehauslt 1939 ist auf 549 Millionen Dollar

Aus der Batwortung der ersten Frage ergibt sich ziemlich klasder Sinn des ganzen Aufrüstungs- Programms^

verschieden) , . .....

bis 45 000 !men) um 33 v. H., der Zerstörer um

daß die birr genannten Zahlen nur einen Bruchte i!des Programms bilden, das die ame­rikanische 2 rine sich als Ziel für die nächsten

und Unterhds bereits gutgeheißenen Zusatzbill von 28 Millionepollar zum Ausbau von Kriegshäfen, Flugplätzen d Munitionsdepots schließt unter cm- derem 12 6S00 Dollar für den Bau eines

wird die ncf Flotte und ihre strategische Stellung tatsächlich sr, und welchem Zweck fall sie dienen?

großen Trockendocks in Pearl Har­bour-Honolulu auf Hawai und die Erweite­rung des dortigen Flughafens ein. Das Trockendock wird groß genug fein, um die neuen 45 000-Ton- nen-Schlachtschiffe aufzunehmen; weiterhin 75 000 Dollar für eine Marine st ation auf der I n - s e l Guam, sowie 720 000 Dollar zum Bau neuer Flughäfen imVierzehnten Seedistrikt" im Stillen Ozean, in dem sich u. a. die Hawai- Jnselgruppe, die Midway-Jnfel und die Wake-Insel befindet. Daß Midway- und Wake-Inseln strategisch ausgebaut werden sollen, ist . bekannt. Eine Kom­mission von Armeeingenieuren befindet sich bereits nach der Midway-Jnsel unterwegs und hat den Auftrag, dort Vorbereitungen zur Aushebung eines zwei bis drei Millionen Dollar kostenden Kanals und eines Flughafens zu treffen. Ein ebenso großer Flughafen ist für die Wake-Insel geplant. Im Juni soll das erste Geschwader der modernsten Lang­strecken-Bombenflugzeuge nach Guam abfliegen, um dort für eine Zeitdauer von vorläuflg zwei Jah­ren stationiert zu bleiben.

4. Eine von Präsident Roosevelt am 28. April unterzeichnete Sonderbokschaft an den Kongreß for­dert die Bewilligung zusätzlicher 25 597 000 Dollar für den Marinehaushalt des laufenden Rechnungs­jahres 1938. Davon sind 5 000 000 Dollar für sofor­tige Kiellegung der ersten beiden 45 000-Tonnen- Schlachtschiffe und die Erweiterung mehrerer Werf­ten vorgesehen.

Damit ist das Aufrüstungsprogramm jedoch keineswegs erschöpft. Eine sonderbarerweise wenig beachtete Klausel in der Flottenbill bestimmt, daß das Dien st alter der Kriegsschiffe er­höht werden kann, daß sie also nicht mehr, wie bisher, nach -2 5 Jahren abgewrackt wer­den. Dahinter verbirgt sich, wie wir aus zuver­lässiger Quelle erfahren, folgendes Programm: Während der nächsten zehn Jahre wird eine ganz neue Flotte moderner Kriegs­schiffe geschaffen. Gegen Ende dieser zehnjährigen Bauperiode wird der größte Teil der gegenwärtigen Flotte die Altersgrenze erreicht haben. Das Marineministerium beabsichtigt nun, in dieser Zeit alle veralteten Schiffe durch neue zu er» setzen, so daß die Flottenstärke nach zehn Jahren genau so groß ist wie die jetzige l Flotten­stärke zuzüglich aller in der Flottenbill ge­planten Schiffsbauten. Die veralteten Schiffe wer­den unter der neuen Bestimmung jedoch nicht ab­gewrackt, säubern zu einer zweiten Flotte zusammengestellt. Rach zehn Jahren wird Amerika also eine neue Flotte für dieerste Verteidigungs­linie" besitzen, die sich ans 18 Schlachtschiffen, 7 Flugzeugmutterschiffen, 18 schweren Kreuzern, 28 leichten Kreuzern, 56» Unterseebooten und 114 Zerstörern zusammensetzt. Die voraussichtliche Stärke der zweiten Flotte für diezweite Verteidigungs­linie" aus allen veralteten, aber noch in einiger­maßen gutem Zustande befindlichen Schiffe schätzt man auf etwa 15 Schlachtschiffe, 2 Flugzeugmutter­schiffe, 9 schwere Kreuzer, 10 leichte Kreuzer, 50 Unterseeboote und zwischen 50 und 75 Zerstörer.

Da's bedeutet, daß die amerikanische Flotte in zehn Jahren über bas Doppelte der jetzigen Stärke betragen wird. Dabei ist natürlich zu bemerken, daß ihre relative Stärke in Anbetracht der überholten Schiffe bis zu,einem gewissen Grade von den Neubauten anderer Natio­nen abhängen wird. Tatsächlich umfaßt das Auf­rüstungsprogramm aber nicht 46 neue Kriegsschiffe, wie in der Flottenbill zum Ausdruck gebracht wird, sondern 170 bis 185 neue Einheiten, was einer Erhöhung der Kampfstärke um 50 bis 75 v. H. ent­spricht. Ganz offen wird zugegeben, daß Amerika unter allen Umständen das 5:3-Verhältnis zu Japan aufrechterhalten will, auch wenn Japan seine Bau­pläne so geheimhält, daß man zur Zeit hier völlig im Dunkeln tappt. Jrn Vergleich zur englischen Flotte dürfte das amerikanische Bauprogramm aller­dings nach einigen Jahren zurückbleiben, da Ame­rika über eine geringere Zahl von Wersten verfügt.

Ist die Aufrüstung der amerikanischen Flotte an sich schon recht beachtlich, so bildet der gleichzeitig geplante Ausbau ihrer strategischen

Stellung im Stillen Ozean den eigent­lichen Rahmen des Aufrüstungs-Programms. Das neue Trockendock in Hawai und die ungeheure Be­festigung dieser Insel schiebt die ganze amerikanische Flottenbasis um über $000 Kilometer in den Stillen Ozean hinaus. Außer den bereits genannten Inseln sind im äußersten Norden Befestigungen, Schiffs­und Flugzeughäfen in Dutch Harbour auf der Unalaska-Jnsel sowie auf den. Kodiak- und Amaknak-Jnfeln, alle zur A l e u t e n f e 11 e ge­hörig, und in Sitka (Alaska) geplant. Die Anlagen auf der Kodiak-Insel allein läßt sich das Marine­ministerium 5 Millionen Dollar kosten. Can ton und Enderbury, die beide zwischen Hawai

und dem ebenfalls befestigten Samoa gelegen sind, werden zur Zeit vom Innenministerium für Handels- und militärische Zwecke ausgebaut. Ver­handlungen zwischen England und Amerika über das endgültige Besitzrecht dieser Inseln haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Außerdem soll ein neuer Hafen auf der Insel Papopago gebaut werden. Beinahe jede Woche überrascht das Marine- minifterium mit neuen Inseln, von deren Existenz man vor wenigen Jahren kaum etwas wußte. Ver­binden wir diese Stützpunkte auf dem Atlas durch eine Linie, dann ergibt sich die neue etwa 8000 .Kilometer lange sogenannteVerteidigungslinie" der- amerikanischen Flotte im Stillen Ozean.

Aus neuen Wegen nach dem neuen Peking.

Von unterem H. Tr.-Berichtersiatier.

UM der neuen Eisenbahn nach dem alten Mol.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Ieh 0 l, im Juni 1938.

Vor fünf, sechs Jahren hat Sven Hedin ein­mal ein Buch geschrieben, in welchem er eine Ex­pedition nach Jehol,dem Sommersitz der chinesischen Kaiser in der gleichnamigen Provinz Jehol, nörd­lich derGroßen Mauer" schilderte. Diese Jehol- Provinz gehört heute zur Mandschurei und das erste, was die Japaner nach der Besitzergreifung getan haben, war der Bau einer eingleisigen Eisen­bahn nach dieser Tempelstadt Jehol, die kürz vor Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges fertig geworden ist. EineExpedition" nach diesem Jehol, mit Kamelen und anderen zum Aussterben verur­teilten fernöstlichen Transportmitteln kommt also heutenicht mehr in Frage". Man braucht sich lediglich in höchst unromantischer Art irgendwo in der Welt in irgend einem Reisebüro eine Karte zu kaufen, nach Mukden zu fahren und dort i n b e n richtigen Z u g" setzen zu lassen.

Dieser Jehol-Zug besteht wie alle Züge aus einer Lokomotive, einem Speisewagen und einem Dutzend Waggons 2. und 3. Klasse der ehemaligen Ostchine­sischen Eisenbahn, und kurz nach Mitternacht geht die Reise los. Weder fährt dem Zuge ein Pan­zerwagen voraus, noch ist in den einzelnen Waggons eine militärische Schutzwache wie sonst auf so manchen Strecken der banditenreichen Man­dschurei zugeteilt. Also liegt der Schluß nahe, daß Ueberfäüe nicht, zu befürchten sind, so daß man beruhigt ins enge Bettchen kriechen, den Vorhang herab- und sich selbst in die Arme des wohlbekann­ten Herrn Morpheus fallen lassen kann.

Erstes Bild am andern Morgen: Irgend eine kleine Station in der Wüste. Auf dem Bahnsteig fünf japanische Stabsof-fiziere. Zur Linie aufmarschiert. Sie"rühren" unter ,-Füße stehen lassen" und machen schrecklich gelangweilte Gesichter. Vor dieserFront" geht mit ebenso ge­langweilter Miene ein grimmiger, zigarettenrau- chender japanischer Oberst mit kurzen Schritten auf und ab, ohne seine Untergebenen auch nur eines Blickes zu würdigen. Also das übliche: ein Vorge­setzter fährt ab, und seine Untergebenen bringen ihn oder vielmehr müssen ihn zur Bahn bringen. Oberst und Majore warten verzweifelt auf die Ab­fahrt des Zuges, denn beiden ist dieser umständliche und höchst zeremonielle Höflichkeitsakt der na­mentlich dieviel kürzer angebundenen" Europäer oft zur Verzweiflung bringen kann sichtlich un­angenehm. Aber es ist nun eben mal Sitte und Brauch und dagegen kann auch ein Stabsoffizier nichts machen. Plötzlich pfeift die Maschine. Wie vom Blitz'getroffen fahren die sechs Offiziere zu­sammen. Stillgestanden! Die Hände fliegen an die Mützen, der Oberst flüchtet in den Zug, die Ma­schine zieht an und unter: Augen rechts? salu­tieren dieStabshengste", bis der Zug aus der Station ist. Aber auf allen Gesichtern steht deutlich geschrieben komisch, daß der Kommiß internatio­

nal gleichbleibende Ausdrucksformen hat Du bzw., Ihr mir auch ...

Frühstück im Speisewagen. Diesmal nur japanisch, weil auf dieser abgelegenen Strecke Europäer zu den Raritäten gehören. Jeder Rei­sende bekommt ein Lackbrett hingesetzt, darauf fünf Porzellanschüsselchen: die erste gefüllt mit Re^s, in der zweiten sieben saure Bohnen-Schoten, m der dritten fünf Scheibchen eingelegten gelben Rettichs, in der vierten so dünn wie Blattgold zwei ausgepreßte getrocknete Meeralgen und in der letzten heißes Wasser, in dem ein bißchen Seetang in Form dreier grüner Gräser herumschwunmen. Dazu gibt es ganz dünnen Tee Kostenpunkt dieses opulenten Frühstücks 3 5 Pfennige. Und alle wurden satt und soweit ich mich aus der Memoiren-Literatur erinnere, frühstückten auch dis Preußen der guten, aber ganz alten Zeit morgens auch nicht reichlicher. Haferbrei und' so. Aber dieser

Lauert nicht an jeder Straßenkreuzung für alle Menschen eine große Gefahr? Jeder kennt sie jeder fürchtet sie! Klares Sehen schützt Dich vof Unfall. Sprechen Sie wegen einerguten Brille* mit

Geller dem Optiker am Bahnhof Lieferant auch Ihrer Krankenkasse

Haferbrei hat unsere Ur-Ur-Urgroßväter dick und stark gemacht, genau wie die Japaner durch die sauren Rettiche und die Wassersuppe zäh geworden sind. Immerhin auch dieses bescheidene japanische Frühstück liefert den Beweis, daß dieLeute" den Krieg Noch lange aushalten können. Denn sehr viel mehr bekommt ja auch der Soldat nicht zu essen...

Und ansonsten die Fahrt, selbst? DieGegend"? Eintönig und öde wie im ödesten Anato­lien! Die eingleisige Bahn läuft durch.eine äugen* scheinlich unendlich fruchtbare, aber kaum besie­delte, rechts und links von kahlen, zackigen, blau* schimmernden Gebilden eingefaßte Ebene. Nur dort, wo die ersten chinesischen Siedler ihre Lehmhütten erbaut haben, üppigste Vegetation, aber sonst so­weit der Blick reicht, kein Haus, kein Dorf, keine Siedlung rätselhaft, wie in dieser grandiosen Einsamkeit eine Armee, noch dazu im Winter, marschieren oder aus dem Lande leben soll! Einzigster Lebensnerv einer solchen, ein­mal gegen die Mongolei vorrückenden Armee ist diese eingleisige und offenbar in der Eile recht flüchtig erbaute Eisenbahn, deren Weiterfüh­rung bis K a l g an geplant ober vielleicht schon in Angriff genommen ist. Denn Tausende und Abertausende von chinesischen Kulis arbeiten unter Aufsicht japanischer Ingenieure fortgesetzt an der Ausbesserung der Strecke, Hunderte und Aber­hunderte schleppen Erde und Schotter in winzigen, kleinen Körbchen heran es sieht aus, alsmar­kierten" sie nur die Arbeit, aber dies jeweils »We­nige* geschleppt von unendlich »Vielen* ergibt und das ist das Geheimnis der chinesischen Riesen­bauten, die ^infolge einer genial ausgeflügel*

5ommerat>enb.

von Hermann Hesse.

Nach Glund Dürre ist ein Regen gefallen, Don­ner hat dekpnzen Nachmittag gekracht, ein paar Hagelkörnewben geknallt, nach dem ersten er­stickend schwn Kampf hat sanfte Kühle sich ver­breitet, weil riecht es nach Erde, Steinen und bitterem La es ist Abend geworden.

Im Walchn der Schattenseite des Berges, lie­gen die Gro die Weinkeller des Dorfes, ein klei­nes zwerghahantastisches Märchendorf im Walde, lauter Stirnfn kleiner steinerner Giebelhäuser, die keine Rücksechaben, denn Dach und Haus ver­lieren sich inoden, und tief in den Berg hinein sind Felsenkc gebohrt. Da liegt der Wein in grauen Fässl Wein vom vorigen Herbst, auch noch etwas B vom vorigen, älteren gibt es nicht. Es ist ein ter, sehr leichter, traubiger Wein, voy roter Fl, er schmeckt kühl und sauer nach Fruchtsaft ur^ach dicken Traubenschalen.

einem Grotto, am steilen Wald-

Tische hat. Ungeheuer steigen die

einen ober 31

Tassen, weiß unb blau gestreift.

Wir sitzen ________

hang auf klei schwebenber Terrasse, bie man auf ungefügen Sn erklimmt, unb welche Raum für

Stämme ber kirne empor, alte, riesige Bäume: Kastanie, Plc , Akazie, Esche. Sie ftrebert hoch hinan, burch Gezweige blickt wenig Himmel; oft bin ich bei falem Regen hier gesessen, im Freien im Walbe, simlang, unb bin kaum von ben Tropfen berü worben. Wir sitzen im Dunkel, schweigend, ei aar Künstler, bie hier wohnen. In kleinen ira Tassen, weiß unb blau gestreift.

klug, wohl wi

Rührung, unb

vollkommen fii

selben Art wie

steht ber Weil Unter unfrei

nen Terrasseninsel, senkrecht unter liches Licht in ber Vorhalle bes

halle sitzen unb tes Spiel ist

bie Baßtrompete, unb wie sie i, klingt auch schon eine dritte

UNS, schimmer liches Licht in ber Vorhalle bes Kellers, durch-sie Laubgitter alter Buchsbäume blicken wir hi Messing blinkt bort freubig am Lampenlicht: ()orn liegt auf ben Knien eines Mannes, ber kleine Weintasse vor sich stehen hat. Er setzt b)orn an. Einer neben ihm, nur halb sichtbar, 1 ,t bie Baßtrompete, unb wie sie zu spielen anfn, ......., Stimme mit, e ries Holzinstrument, lin^bas^ Fa­gott erinnernb

. spielen sachte, zurückhaltenb, baß sie in kleiner, enger Vor­ig Zuhörer haben. Ihr gedampf- ), frohmütig, herzlich, nicht ohne ) ) nicht ohne Humor, im Takt ................idjQ beschwingt, die Stimmung aber nicht völlig. Diese Musik ist von eben ber- ~ ' Wein, den wir trinken: flid, un­

schuldig, ländlich, zuverlässig, ohne heftige Reize und ohne Tücken.

Kaum haben die Klänge uns erreicht, kaum haben wirb auf unserem schmalen Bankbrett uns umge- roenbet, um alle hinabzuschauen, so sind schon Tän­zer da. In dem Rest von Tageslicht, der auf dem Plätzchen vor dem Kellereiwgang noch zögert, in dem Rest von Lampenlicht, der aus der Vorhalle sickert, tanzen drei Paare. Wir sehen sie durch das dichte Gitter der Buchsbäume, das sie oft ganz verdeckt.

Das erste Paar find zwei kleine Mädchen, eine Zwölfjährige, eine Siebenjährige. Die Größere ist ganz schwarz^ schwarze Strümpfe, schwarze Schürze, schwarze Schuhe. Die Kleine ist ganz hell, weiße Schürze, bloße Beine, bloße Füße. Die Zwölfjährige tanzt sehr richtig, taktstreng und gewissenhaft, sie kann es gut, unfehlbar schreitet sie im Takt, eilt und zögert am rechten Ort, ernst ist ihr Gesicht, ganz ernst, wie ein bleiches Blumenblatt schwimmt es, kaum kenntlich, in der feuchten, lauen Dunkelheit von Abend und Wald. Die Siebenjährige kann noch nicht richtig tanzen, sie will es erst lernen, ihre Schritte sind feierlich lang, sie blickt unverwandt auf die Füße ihrer Partnerin, die sie leise unterweist, die volle Unterlippe hält sie leicht mit ben Zähnen emporgezogen. Beide Mädchen sind von Ernst unb Glück erfüllt, kindliche Würbe atmet ihr Tanz.

Das zweite Paar besteht aus zwei Jünglingen, Zwanzigjährigen. Einer, ber Größere, ist barhaupt unb hat kurze, krause Locken, der anbere trägt ben Filzhut schiefgerückt auf bem Kopse. Beibe lächeln ein wenig, beibe geben sich bem Tanz mit etwas an­gestrengtem Willen hin unb finb sehr bemüht, jebe Bewegung nicht nur richtig zu machen, fonbern sie auch mit bem irqenb Möglichen an Ausbruck unb Verziehrung zu schmücken. Sie strecken bie verein­ten Hänbe weit von sich ab, sie legen bie Köpfe weit in ben Nacken, sie gehen zuwejlen tief in bie Knie, unb beibe machen ben Rücken hohl und versuchen bas Aeußerste im Schweben unb in ber Feinheit. Ihr eifriger Tanz befeuert ben Bläser bes Holz- inftruments, er spielt zarter, bläst fchroellenber, fchmachtenber. Beibe Tänzer lächeln: ber Große hin- gegeben, selig, in sich selbst und seinen Tanz ver­liebt, hoch über ber Welt; b£r anbere halb schelmisch, auch leicht verlegen, ebenso bereit, sich belächeln zu lassen wie Lob zu ernten. Der Große wirb glatter burchs Leben gehen.

Die zwei Mäbchen. bie bas dritte Paar bilden, sind ßuigina und Maria, ich habe sie beide vor zwei Jahren noch in bie Schule gehen sehen. Lui- gina ist von südlichem Typ, leicht, sehr schlank, sehr mager, ihre hohen, zarten Beine und der lange, dünne Hals find voll herber Lieblichkett. Anders,

weicher und viel schöner ist Maria, die ich vor kur­zem noch geduzt habe unb jetzt nicht mehr recht zu düzen wage. Sie hat ein kräftiges Gesicht von fri­scher Farbe, mit vollem Wangenrot, hellblaue, stäh­lerne Augen, braunes, Odiles Haar, unb ist schon voll unb 'jungfrauenhaft in Formen unb Bewegun­gen, scheint etwas träge, hat aber ben Blick voll Kraft unb Rasse. Wenn ich ein junger Bursch aus bem Dorf wäre, ich würbe keine anbre nehmen als sie. Sie trägt ein rotes Kleib, immer trägt sie Rar ober Rosa. Maria tanzt mit ßuigina, ihr rotes Kleid erscheint ba unb bort unb verschwinbet roieber im Buchsbaumlaub. Diese beiben tanzen sehr schön, sie sind voll von Glück, nicht mehr oom.tiefen Ernst ber Kinblichkeit gebannt wie bie Kleinen, noch nicht los- gebunben und eitel wie bie beiben Burschen. Zu bie- fen beiben, zu Maria unb ßuigina, paßt am besten ber halbe, zärtliche Ton bes Bläsers, bie frohe, an Vorschlägen unb Kapriolen reiche Musik. Heber ihre Scheitel fpielt bie grüne Walbdämmerung, an ihren Stirnen glänzt ein kleiner Wiberschein vom ßam= penlicht ber Halle, ihre Beine schreiten taktfest, eng unb elastisch.

Dort unten, hintermffchwarzen Gewölk ber Buchs­bäume, fließt noch ßicht, bort fließt Musik, bort tanzen bie jungen Menschen, unb anbre lehnen am Pfeiler ber Halle ober am Baumstamm, sehen zu, loben, nicken, lachen. Hier oben im Dunkel aber sitzen wir, wir Frembe und Künstler, in einem am beren ßicht, in einer anderen ßuft, von einer anbe- ren Musik umflossen. Uns entzückt unb begeistert, was jene bort nicht achten: ein Blattschatten auf einem Stein, ein verschossenes Blau an einer Bluse, ber kleine, ernste Knick im Knie ber Siebenjährigen. Wir ersehen unb beneiben, was benen bort brüben wertlos unb selbstverstänblich ist. Sie aber sehen bei uns kuriose Dinge und Sitten, bie sie ebenso benei­ben, unb beren wir längst überbrüssig sinb. Wir kön­nen, mann wir ßuft haben, zu jenen hinübergehen, burch ben Buchsbaumschatten bie fünf Schritte; es steht unA frei, es ist uns nicht verboten, uns unter sie zu mischen, uns zu Ihrer Musik zu setzen, mit ihnen zu tanzen. Wir bleiben jeboch in unserem Dunkel unter ben alten Platanen sitzen, hören bie Melobien der brei Bläser, beobachten bas süße/ ster- benbe ßicht auf ben hellen Gesichtern, lauschen bem Rot Marias, wie es noch im einfinfenben Dunkel klingt unb kämpft, atmen bankbar ben Zauberhauch ber Dämmerung unb ben halben Frieden einer kleinen länblichen Welt, beren Spiel nur unser Auge berührt, beren Not nicht unsere ist, beren Glück nicht unsres.ist.

Wir schenken rosigen Wein in bie blauen Ton- jchalen, während unten die tanzenden Figuren mehr

und mehr zu Schatten werben. Auch dein rotes Kleid, Maria, geht nun unter, ertrinkt in ber Fin­sternis. Auch bie hellen, blumenblassen Gesichter ber Kinber löschen aus unb sinken bahin. Nur das warme rote ßicht in ber Vorhalle atmet stärker, unb wir gehen bavon, ehe auch biefes zerrinyt.

Heiterer Abend mit Gustav Jacoby.

Der Humorist Gustav Jacoby, ber schon ein­mal bei uns zu Gast war, unb ben viele auch aus bem Runbfunk kennen werben, gab einen heiteren Abenb im Stabttheater. Jacoby verfügt über ein beneibenswertes Rebnertalent unb ein nahezu un­erschöpfliches Programm; wenn wir gelegentlich alten Bekannten barin begegnet finb, wollen wir ihm nicht gram sein, benn es waren allermeist gute Bekannte, bie man mit Vergnügen aufs neue be­grüßt. Er blätterte im bunten Bllberbuche bes abgelaufenen Jahres unb versetzte uns viele schöne Geschichten: von ber Weinstraße unb von ber gro­ßen Mobe, von ber ßiebe unb von ber Ehe (manch­malhart art ber Grenze ber Bevölkerungspolitik"), von ber Politik im allgemeinen unb vom Tempo unserer Zeit. Hochaktuell: ber Verkehrsunfall in München; ba kommt feine mimische Begabung zum Vorschein. Unb sein Gefühl für bialektische Differen­zierung: biefer Mann beherrscht bie beutschen Munbarten mit einer liebensroürbigen Sicherheit^ unb er gibt bie ergötzlichsten Proben bavon, etwa eine ßiebeserflärungin brei Sprachen" auf brei Bänken ober bie hübsche, charakteristisch pointierte Geschichte von ber (Babelsberger Straße. Er singt auch bazwischen, unbUnsen Hermann" fanb w.e- ber mal rauschenben Beifall. Auch üerfteljt. er sich auf alte unb neue Tänze, unb eines ber nettesten Stücke war bie Geschichte von Großpapa unb Groß­mama, >m Stile bes Vorkriegs-Brettls, von Wol- zogen. München ist ihm Wahlheimat, unb im Hof* bräuhaus weiß er so gut Bescheib wie in ber- besheimer Drosselgaß' ober im ßeivziger Warte­saal. Den ßeuten gefiel es ausnehmenb: sie be« bankten sich herzlich unb gingen vergnügt nach Hause. Hans Thyriot.

Hochscimlnachrickten

Das Preußische Staatsministerium hat bie von ber Preußischen Akabemie ber Wissenschaften in Berlin vollzogene Wahl bes Direktors am Kai- ser-Wilhelm-Jnstitut für Biologie in Berlin- Dahlem, Professor Dr. Alfreb Kühn zum or- bentlichen Mitglied der physikalisch-mathematischen Klasse bestätigt, \.....-' * v * - .