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Samstag, 2./Sonntag,Z.)uli 1958

188. Zahrgang

Nr. 152 Erstes Blatt

Mr eine Atempause?

Deutschland W an der stabilen Währung fest!

I Kreditbasis, sondern nur in der P r o d u k t i o n s -, Preis- und Warenbasis bestehen.

Der Glaube an die Stabilität der Währungen

Deutsch-englische Finanz- und Wirt- schastsverhandlungen abgeschlossen.

Ich freue mich, feststellen zu können, daß zwi­schen Deutschland und England ge­rade jetzt wieder ein handelspolitisches Abkommen Zustandekommen wird, das ver­spricht. beiden Interessen voll gerecht zu wer­den, und das die Handelsbeziehungen beider Länder in gute und vernünftige Bahnen leitet.

Wir haben das Schwergewicht in den Verhand­lungen auf vermehrten Güteraustausch ge­legt und sind den Anschauungen der Vertreter der Anleihegläubiger, die vor allem auf eine weitgehende Transferierung von Zinsen und Amortisationen Wert legten, mit Argumenten entgegengetreten, die auch von den ausländischen Verhandlungspartnern chliehlich anerkannt werden mußten.

Die Zerstörung der internationalen Wäh- rungsstabilität und der Zusammenbruch des internationalen Kreditaustausches haben die alten Grundlagen der Weltwirtschaft so nachhaltig er­schüttert, daß neue Grundlagen für den internatio­nalen Warenaustausch gefunden werden müssen Diese können nicht mehr in der Geld-, Gold- und

österreichischen Bundesanleihen ge­wahrt worden. Die Garantieverpflichtung der eng­lischen Regierung wird aus zusätzlichen Export­erlösen erfüllt werden, hinsichtlich der Zinsen der Dawes- und Bounganleihe und der privaten Schul­den treten wesentliche Ermäßigungen ein.

Günstige Beurteilung in England.

London, 2. Juli. (DNB. Funksspruch.) Der Ab­schluß des deutsch-englischen Handels- und Wirtschaftsabkommens sowie die An­kündigung, daß weitere Verhandlungen zur Ver­besserung der deutsch-englischen Handelsbeziehungen stattfinden, wird von der Morgenpresse insbesondere in politischen Kreisen allgemein b e g r ü ß t. Die Zei­tungen widmen dem Abkommen zum Teil Leitartikel ihrer Wirtschaftsschriftleiter.Times" hebt hervor, daß eine gesetzliche Verantwortung Deutschlands für die österreichischen Anleihen nicht prä- judiziert werde, zollt jedoch der deutschen Haltung Anerkennung. An anderer Stelle des Blattes heißt es dann, daß am Freitagnachmittag in der City große Zufriedenheit zum Ausdruck gebracht worden sei.

ist überhaupt verloren gegangen, es ist gerade jetzt wieder eine allgemeine Beunruhigung durch die Furcht vor neuen Währungsmanipulationen der Weltwirtschaft hervorgerufen worden. Deutschland hält an der stabilen Währung fest, die durch eine sichere Pro­duktionsgrundlage und feste Preise untermauert wurde und unerschüttert dasteht. Wir bieten der Welt die große Ehance, auf der Basis dieser festen Grundlage die Weltwirtschaft neu auf­zubauen."

Auf die innerdeutschen Wirtschaftsverhält­nisse übergehend, unterstrich Reichsmimster Funk den Grundsatz, daß sie wirtschaftspolitisch, d H. nationalsozialistisch geführt werden muß, nach den gleichen Grundsätzen, die den Staat leiten: dem des allgemeinen Volkswohles, dem Staat und Wirtschaft diene. Voraussetzung dafür

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London, 1. Juli. (DRV.) Wie wir hören, sind die deutsch-englischen Finanz- und Wirtschaftsverhandlungen zum A b - schluß gekommen, hierbei ist der den

, u,, u yviv....v... ........ t s ch'e ein Vertrag, der Störungsursachen zwischen den

Standpunkt hinsichtlich der RaMolge in diel Nationen beseitige, sei von ungeheuerem Werte.

Stettin, 1. Juli. (DNB.) Reichswirtschafts­minister Funk sprach am Freitagnachmittag auf einer großen Kundgebung der pommerschen Wirt­schaft in Anwesenheit des gesamten Führerkorps des Gaues und der führenden Vertreter der Behör­den in Stettin. Der Reichswirtschaftsminister kam zunächst auf das Verhältnis zwischen Partei und. Staat in der Wirtschaftsführung zu spre­chen. Alle Kraftströme unseres nationalen Lebens kämen heute aus der Politik, wie sie die Partei ent­wickelt habe, und es gelte auch für die Wirtschaft und ihre Führung der Grundsatz, daß der unter­liegen werde und unterliegen müsse, der sich der Partei verschließe oder sich gar gegen sie zu stellen versuche.

An Hand beweiskräftiger Zahlen wies Reichs- minifter Funk darauf hin, daß alle bei der Macht­übernahme von den Gegnern des Nationalsozialis­mus gehegten Vermutungen, der Aufbau des Drit­ten Reiches werde an den W i r t s ch a f t s p ro­tz l e m e n scheitern, durch die Tatsachen restlos hin­fällig wurden. Genau das Gegenteil fei ein­getreten. Das nationalsozialistische Deutschland sei diesen Problemen nicht nur nicht erlegen, seine na­tionale Wirtschaft habe vielmehr eine Kraft ent­faltet, die geradezu einzigartig in der Welt dastehe. Vor allem sei unser Land dank straffer Staats- und Wirtschaftsführung in der Lage, allen kri­senhaften Zufälligkeiten der Welt­wirtschaft zu begegnen. Es müsse der Welt­öffentlichkeit immer wieder vor Augen geführt wer­den, daß die nationalsozialistische Staatsführung nicht nur einen gewaltigen Aufschwung der inneren deutschen Wirtschaftskräfte, sondern auch eine st ä r - kere Stellung Deutschlands im Welt­handel herbeigeführt habe.

Deutschland", fo erklärte der Minister,ist heute nach den Vereinigten Staaten von Ame rika und England das drittgrößte Well­

handelsland. hierbei ist die Tatsache von besonderer Bedeutung, daß es diese Stellung einnimmt, obschon ihm Kolonien nicht zur Verfügung stehen, Hinsichtlich der industriellen Produktion der Welt steht Deutsch­land hinter den Vereinigten Staaten von Amerika an zweiter Stelle.

Wir konnten bei sinkenden Weltproduktionen unsere Erzeugung weiter steigern und unseren Anteil an der Weltproduktion erhöhen. Wenn uns leichtfertige und unverantwortliche Kreise in den letzten Wochen bei den internationalen Wirt­schaftsverhandlungen, die Deutschland führen mußte, mit dem Schreckgespenst eines Wirt­schaftskrieges unter Druck zu setzen versuch­ten, so sollten sich diese Leute nur einmal vorstellen, welche unübersehbare Folgen für die Weltwirtschaft und die von ihr abhängigen Volkswirtschaften der Ausfall der Wirtschaftskraft eines 75-Millionen- Dolkes von der überragenden Wirtfchaftsleiftungs- fähigkeit Deutschlands zeitigen müßte! Die schon heute in der Weltwirtschaft herrschende schwere Krise würde durch solche Maßnahmen zu einer all­gemeinen Deroute ausarten. Und dabei ist Deutsch­land heute in der Lage, dem Niedergang in der Weltwirtschaft als einziges Land mit Erfolg zu begegnen! Schon feit Monaten fängt die deutsche Wirtschaft die Krise in der Weltwirtschaft mit seiner ungebrochenen und ständig weiter wachsenden Wirt­schaftskraft ab.

Die verantwortungsbewußten Staatsmänner und Wirtschaftspolitiker des Auslandes haben sich dieser Erkenntnis auch keineswegs verschlossen in den Verhandlungen, die von deutscher Seite zur Zeit mit 12 Staaten geführt werden. Ueberall ist der Wille zur Verständigung zum Ausdruck gekommen. Dabei wurde dem deut- j scheu Standpunkt weitestgehend Rechnung getragen.

Deutschlands Wirischastsaufstieg unter nationalsozialistischer Giaaisführung

Eine Rede des Reichswirischafisministers Funk in Stettin.

sei einmal die Einheit von Partei und Staat in der Wirtschaftsführung gewesen, durch die die Wirt- schaftspolitik in Partei und Staat nach den glei- chen Grundsätzen ausgerichtet und geleitet wird. Die straffe Führung der staatlichen Organisation dürfe allerdings niemals zu einer Bürokratisie­rung der Wirtschaft führen. In diesem Zusam­menhang erwähnte der Reichswirtschaftsminister, daß er kürzlich mitten im vollen Geschäftsbetrieb und unverhofft eine Exportfirma be- s i ch t i g t habe, um bei einem Einblick in die täg- liche Post feststellen zu müssen, daß diese zum größten Teil aus amtlichen Schreiben bestand, was keineswegs als erfreulich bezeichnet werden könne. Die staatliche Wirtschaftsführung fei allein politisch bedingt, niemals aber rein verwaltungsmäßig, weil sonst der Wirtschaftler zum Bürokraten ge­stempelt werde, von denen es in Deutschland noch mehr als genug gebe.

Reichsminister Funk streifte den von ihm schon seit Monaten in Angriff genommenen Plan einer Dezentralisierung der Aufgaben des Reichswirtschaftsministeriums, die zu einer engen Fühlung mit d e r praktischen Wirt- schäft führen soll. Man müsse sich hierbei selbst­verständlich hüten, etwa zusätzliche Verwaltungs- -körper zu schaffen, vielmehr mußten hierdurch Auf­gaben der Zentrale in die dezentralisierten Stellen hineingeleitet und so den Selbstverwaltungskörpern der Wirtschaft eine starke Verantwortung und Autorität gegeben werden. Er appelliere an die Männer der Wirtschaft, sich der Uebernahme dieser Verantwortung nicht zu entziehen und richtete schon heute den Ruf an die verantwortlichen Per­sönlichkeiten des Wirtschaftslebens, sich zur Verfü­gung zu stellen, um mitzühelfen bei diesen neuen Aufgaben.

Zum Schluß begrüßte Reichsminister Funk, daß die Voraussetzung für die gesunde Entwicklung und das Gedeihen der Wirtschaft in dem bedingungs­losen Vertrauen zur politischen Füh­rung liege. Wenn er verlange, daß die Wirtschaft volksnah sein müsse, dann bedeute dies für den Unternehmer nicht nur die kameradschaftliche Hal­tung zu seiner Gefolgschaft. Der Unternehmer müsse vielmehr darüber hinaus mitten i n s D o l k hin- eingehen und engste Fühlung mit ihm halten. Jedem muß klar werden, daß die Wirtschaftsfüh­rung keine geheimnisvolle Wissenschaft oder die Aufgabe einzelner Sachverständiger ist. Wirt­schaftsführung ist nichts anderes als D o l k s f ü h r u n g , an ber das Volk weitesten Anteil nehmen muß. Meine Arbeit als Wirtschafts­minister werde ich stets im Volk und mit dem Volke vollbringen im engsten Einvernehmen mit der Partei und ihren Männern in den Gauen. So hoffe und wünsche ich, daß für die Wirtschaft und ihr Verhältnis zur Partei durch meine Besuche in den deutschen Gauen das enge Vertrauensverhältnis fest verankert wird, das erforderlich ist, um den Erfolg = zu erringen. Jeder muß Mitarbeiten an den immer ! größer werdenden Aufgaben, die uns der Führer . stellt. Zu ihrer Lösung müssen alle zusammenstehen i in nationalsozialistischer Volksgemeinschaft und sich i mit rückhaltlosem Vertrauen gegenübertreten. Die- i ses Vertrauen in der Wirtschaft herzustellen, be- : trachte ich als meine vornehmste Pflicht."

übrigen unentwegt von deutschen Hegemonieabsich­ten in ganz Mittel- und Südosteuropa faseln. Man weiß natürlich sehr genau, daß das alles gelogen ist, aber es muß gelogen werden, um für den eige­nen Wirtschafte- und Finanzimperialismus, der sich jetzt Südosteuropa in verstärktem Maße zum Ob­jekt erkoren hat, den Boden zu präparieren und ausgesprochene Herrschafts- und Einkreisungsten­denzen am Ende noch als eineHilfeleistung gegen­über der deutschen ,Expansion'" und als große Friedenstat hinzustellen.

Das sind nur ein paar besonders hervorstechende Beispiele dieser antieuropäischen Offensive. Ihre Drahtzieher und Akteure haben ein festes Pro­gramm. Sie gehen davon aus, daß die gegenwär­tige Entwicklung nicht etwa den Sinn haben darf, das gesamteuropäische Gefahrenrisiko abzubauen und vorhandene Besserungsmöglichkeiten pfleglich und klug zu behandeln. Für sie hat die augenblick­liche Situation nur dell Wert einer Atempause, wie der einflußreiche französische Deputierte Pezet es kürzlich in einem vielbeachteten Artikel zur Lage auseinanderqesetzt hat. Pezet, Verfasser der deutsch­feindlichen EinkreisungsschriftDas Ende Oester- rcichs, das Ende Europas", hat in diesem Artikel mit aller Deutlichkeit die Ziele derer enthüllt die heute mehr denn je daran arbeiten, den Kurzschluß in Europa herbeizuführen. DiePflicht Europas in der gegenwärtigen Atempause sieht nach ihm so aus: fester denn je einen Ring zu schmieden, damit dem Reich nur die Wahl bleibe, sich.zu un­terwerfen oder abzutreten. Von dieserglücklichen Eventualität" sei Europa allerdings noch weit ent­fernt. Die Schuld gibt Pezet, genau wie Eden, Litwinow-Finkelstein und der ganze Volksfrontklüngel, jener Politik, die vor denAn­greifern" seit Jahren zurückweiche und den Frieden durchKonzessionen" erkaufen zu können glaube. Das zielt auf Herrn Chamberlain. Noch zym-

Daily Telegraph" schreibt, das Unterhaus habe das Abkommen gut aufgenommen, und in politischen Kreisen sei über eine evtl. Erweiterung des gegen­seitigen Handels-Volumens und einer Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen England und Deutschland begrüßt worden.Daily Expreß' sagt u. a., es sei die >beste Nachricht, die unseren Handel erreicht habe angesichts der allgemeinen po- Mischen Spannung. Das Abkommen beweise Deutsch­lands freundschaftliche Haltung.Daily Mail" hält in diesem Zusammenhang fest, das Abkommen sei ein weiterer Beweis für den Weg direkter Verhandlungen,

Deutscherseits ist bisher gegenüber den Natio­nalitätenverhandlungen in der Tsche- ch o - S l o w a k e i loyale Zurückhaltung gewahrt worden. Das geschah, um jedem Vorwand die Spitze abzubiegen, daß vom Reich her die fällige Neuord­nung erschwert und Herrn Hodza keine Chance und Zeit gelassen werde. Anderseits ist es klar, daß diese deutsche Zurückhaltung weder Interessenlostg- keit noch gar das Einverständnis mit einer Ver­schleppungstaktik bedeutet. So können wir nicht dar- über hinwegsehen, daß in Prag die Verhandlungen J noch immer nicht vorn Fleck kommen, daß sich je , länger je mehr ein wahres Labyrinth der Prozedur . auftut und daß zu allem Ueberfluh nun auch aus dem eigenen Regierungslager gegen dieallzu weit . gehenden Konzessionsabsichten" Herrn Hodzas J ' Sturm gelaufen wird. .

Ist das die Folge der Sünden der Vergangenheit, , die Folge jenes hemmungslosen Chauvinismus, der den meisten tschechischen Politikern jeden Sinn ; für die Wirklichkeit genommen hat, und den das j Prager System ruhig gewähren ließ? Oder wird , hier bereits der Boden für ein gefährliches Spiel vorbereitet, bei dem man sich achselzuckend auf die Volksmeinung" berufen zu können hofft? Schon werden in Prag bedenkliche Verlautbarungen ver­öffentlicht, die in diese Richtung zu weisen scheinen. Hinsichtlich der Nationalitätenprobleme, so heißt es da z.,B., müsse daran erinnert werden, daß in der Tschecho-Slowakei keine Diktatur herrscht und daß die Regierung die von ihr getroffenen Entscheidun­gen nicht einfach in Kraft setzen kann. Man kann vor fo plumpen Versuchen, sich der eigenen Ver­antwortung zu entziehen, nur warnen. Vielleicht denken auch die Westmächte, die ja stets bereit sind, die Tschecho-Slowakei als den Hort der demokrati­schen Freiheit in Mitteleuropa zu feiern, über diese Kehrseite des Pragerdemokratischen Systems" ein­mal nach. Dieses System ist schon innenpolitisch ge­nügend in Mißkredit geraten, weil es entgegen jeder wahren Demokratie lediglich eine brutale M a j v - risierungsmaschinerie darstellt. Nun scheint es auch in anderer Hinsicht ein Stein des Anstoßes werden zu wollen, indem man sich im Namen der demokratischen Freiheit" und unter Berufung auf die Spielregeln des parlamentarischen Systems vor der einzig natürlichen und notwendigen Entwicklung drücken möchte. Wieder einmal erleben mir es, daß gerade die angeblich so fortschrittlichen demokrati­schen Staaten im Grunde die größten Reaktionäre in der internationalen Politik sind.

Auch beim besten Willen wird man also nicht sagen können, daß Prag die Zeichen der Zeit ver­steht, und daß dort der Wille sehr ausgeprägt fei, nach den schweren Krisen der letzten Wochen nun die Voraussetzungen für eine radikale Neu­ordnung der Verhältnisse zu schaffen und damit den längst fälligen europäischen Beitrag zu leisten. Glaubt man, darum herumzukommen, setzt man au) Zeitgewinn? Auf die Verbündeten?

In einem gedankenreichen Vortrag hat kürzlich Lord Halifax über den steten Wandel allen Le­bens philosophiert. Für sein Land zog er aus dieser Einsicht die Schlußfolgerung, daß es sich legitimen Entwicklungen nicht in den Weg stellen dürfe. Das ist alles sehr richtig und sehr schätzenswert, aber leider die Stimme eines Rufers in der Wüste, wenn nicht überhaupt nur gefällige Rethorik. Der Gang der offiziellen Politik Englands und erst recht der französischen verläuft in weniger forftchrittlichen Bahnen, ganz zu schweigen von jenen Kräften der Volksfront, die hn Verein mit unbelehrbaren Macht­politikern alten Stils sich eine Lösung der drängen­den Probleme nur in der Form eines Kurzschlusses zwischenDemokratien" undDiktaturen vorstellen können. Es ist nicht mehr zu verkennen, daß alle diese Kräfte seit einiger Zeit zu einer Offensive anqesetzt Hatzen, deren Ziele ebenso eindeutig wie ihre Erscheinungsformen vielfältig und verschieden sind. Daß dabei die ideologische Besessenheit der Volksfronten mit dem Versailler Gewaltdenken von Leuten wie Winston Churchill oder gewissen Politikern der französischen Rechten einen traulichen Bund eingegangen ist, mag seltsam erscheinen, i|t aber ein um so beredteres Kennzeichen dieser Zeit.

Diesen, leider nicht einflußlosen Storungsfakto­ren des europäischen Lebens ist die ganze letzte Entwicklung erheblich auf die N?rven gegangen. Warum? Weil sie Ansatzpunkte für eine Beruhigung mancher gespannten, höchst kritischen Verhaltnisie wenn nicht schon deutlich erkennen, so doch nicht unmöglich erscheinen ließ. So hatte Chamber­lain mit Einsatz aller Energie den Nlchtelnml- fchungsapparat wieder flott bekommen. Sofort setzte hier der Gegenstoß über Moskau und Barcelona ein, um nicht nur die Schärfe der spanischen Frage unvermindert fortbestehen zu lassen, sondern auch jede Annäherung zwischen den vier europäischen Großmächten zu vereiteln. Da es die Clique um den ehemaligen Außenminister Eden war, die vor allem gegen eine frühere, unabhängig von der spa­nischen Klausel sich vollziehende Inkraftsetzung des englisch-italienischen Abkommens quer schoß, ist zwar interessant, weil hier nicht einmal vor dem eigenen Regierungschef Halt gemacht wurde, im übrigen aber nicht verwunderlich. Denn in diesen Bezirken ist man dem Dogma von der unversöhn­lichen GegnerschaMzwischen den demokratischen und den autoritären Mächten verschworen, und um die­ses Dogmas willen wird gegen jeden Ansatz zum Brückenschlag zwischen den beiden Großmachtachsen Sturm gelaufen und auch sonst in jeder Weise und wo es nur geht das Feuer geschürt. .

So ist es auch kein Zufall, sondern planmäßig^ große Politik", daß die EdenscheYorkshire Post auch in der tschechischen Frage in der vordersten Front derer zu finden ist, die den Tschechen zur Unverträglichkeit und Unvernunft raten und im

scher sind die positiven Vorschläge Pezets. Es reiche nämlich nicht aus, die alten Bündnisfronten von Versailles zu beleben. Die neue Einkreisung müsse umfassender gestaltet werden. Unabhängig von Ver­sailles müsse sie z. B. auch Länder wie Ungarn mitumfassen, um einen geschlossenen Ring aller Donau- und Balkanvölker zu schmieden, diebis­her durch allzu viele Fehler voneinander getrennt wurden". v

Herr Pezet ist modern. Um der Einkreisung Großdeutschlands willen möchte er sogar die vielge­lästerte Revision in Kauf nehmen, um Ungarn an- zulocken. Der Revisionsgedanke, ein unentbehrliches moralisches und politisches Prinzip des Völker­lebens wird für diese vor nichts zurückschreckenden Leuten zu einem niedrigen machtpolitischen Instru­ment. Wenn schon gar nicht anders, dann muß der Unfrieden eben mit dem Mittel der Revision er­kauft werden! .

Mau soll all diese Dings nicht überschätzen. Mtt ihrer Unnatur tragen sie den Keim des Todes in sich. Dauernde gestaltende Kraft kann von solchen Hirngespinsten nie und nimmer ausstrahlen. Aber sie gehören in das Bild dieser Zeit und sie machen es auch verständlich, warum der Weg zur Befrie­dung und neuen Völkerordnung so schwierig und mit'ständigen Rückschlägen belastet ist.

Dr. Hans von Malottki.

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