Nr. 151 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen)
Freitag, l.Zuli i<)58
Aus der Stad« Gießen. Hausbesitzer und Mieter in einer Front
Ein letzter Hinweis auf die Lerdunkelungsübuna.
nal'fefrctnr I. HL,
der Angriffe aus der
der des
wer andere rücksichtslos in Gefahr bringt, um ein paar TNinulen zu gewinnen, hat den Sinn der Volksgemeinschaft noch nicht begriffen.
Jahre alt. Wetzsteinstraße 4; 28.6, Karl Miller, Be- hordenangestellter, 31) Jahre alt. Rodheliner Str. 2; 28. 6. Heinrich Marx, Uhrmacherineisler, 69 Jahre alt, Selteromeg 84.
Schwurgericht Gießen.
Gestern wurde der Prozeß gegen den Karl W i ft aus Klippern iveg-en Rleinelbe^ zu Ende geführt. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, in einem Prozeß, der zwischen zwei in Streit geratens Brü- dern aus NodHelm v. d. 5). vor dem Amtsgericht Friedberg und sodann vor dein Landgericht Gießen schwebte, eine in mehreren Punkten unwahre Aussage beschworen zu haben.
Der Vertreter der Anklagebehorde folgte im wesentlichen der Darstellung des aus Westfalen zugereisten Bruders, der den Angeklagten stark be-
unterstrich die Ausführungen des Vorredners über die Notwendigkeit /der Aufklärunc des Aufrufes des "" 9
„Eifersucht."
Im Gießener Gloria-Palast.
lauter Vergnügen.
„Mehl!" sagte ich und sah (Hemens an.
„Jawohl, Mehl", bestätigte Clemens, „ich habe doch selbst vier Pfund getauft"
Schade um die guten Zutaten", antwortete die Nachbarin. Dann klatschte sie plötzlich in die Hande und rief: „Nein, das ist aber kaum zu glauben!
Da meine Geduld am Ende war, und da ich die Kekse aufgegessen hatte, raffte ich mich auf und begab mich zur Küchentür, wo ich auf Clemens ^.Was ist kaum zu glauben?" fragte ich ernst und machte ein sehr ehrbares Gesicht.
„Nein, diese Junggesellen" lachte die Nachbarin, die den Küchenraum ziemlich ausfüllte. Und jedes« mal, wenn sie lachte, kirrten die Töpfe auf dem
Zch lief davon und entdeckte auch das Gasthaus hinter einer hohen Hecke. Der Wirt betrachtete mich zuerst sehr mißtrauisch, deshalb vertraute ich ihm unser ganzes Vorhaben an. Nun lachte er schallend auf rannte gleich in die Küche und brachte ein fertiges Paket, das mit Zucker gefüllt war. Die Gäste sahen mich neugierig an, und als sie dann die ganze Sache begriffen hatten, braten auch sie in ein lautes Gelächter aus. „Hohoho . pachte cm dicker Herr, „warum heiraten Sie nicht?"
Ich muß gestehen, ich wurde sehr verlegen und bezahlte eilig und stürzte davon.
Als ich in der Funggesellen-Wohnung ankam, sand ich Clemens fest schlafend vor. Ich bereitete
Schutz den Vogelnestern.
In diesen Tagen sind die Bruten unserer Singvögel in vollem Gange. Wie mancher Meisen« Nistkasten am Baum wird aber von den Katzen ober Wieseln ausgeraubt. Hier läßt sich jedoch leicht Abhilfe schassen. Man bindet einfach dornenbewehrte Zweige, etwa von Stachelbeeren oder Weißdorn, in zwei Meter Höhe so um den Baum, daß sie den Stamm manschettenartig umgreifen und nach damenhafte Erscheinung, unschuldig-schuldbewußt und ein wenig kokett zu Anfang, später betäubt und verstört und ohne die Kraft, sich aus der unseligen Verstrickung zu lösen. Signoret als Sergrus und Georges Rigaud (mit etwas überbetonter Charakterisierung) als Bobinnine heben sich ferner im Ensemble hervor. — (Alliance-Film.)
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Im Beiprogramm sieht man Neben der Wochenschau interessante Bilder von der neuen deutschen Kriegsmarine. Hans Thyriot.
Abenteuer mit Eierkuchen.
Don Kurt Krüger.
„Das mag ja stimmen" kicherte die Nachbarin, „aber diese Tüte hier enthält Gips!"
Morgen feiern wir — Clemens und ich — unser« Doppelverlobung.
Die Frau und ihr Schmuck.
Rückkehr der hessischen Trachtengruppe.
Die Italienfahrt brachte unserer Hessischen Trach« tengruppe eine weitere Neihe der schönsten Erlebe nisse. Nach den Aufenthalten in Lissabon und aus Madeira, über die wir kurz berichteten, wurde die Fahrt nach Neapel fortgesetzt. Unsere Hessen he« kamen Gelegenheit, Pompeji zu sehen und Neapel auf einer Stadtrundfahrt kennenzulernen. Em herrlicher Ausblick bot sich dabei immer wieder auf den Vesuv. Am Abend dieses Reisetages wurde dann die Fahrt fortgesetzt. Nach unterhaltsamer Schifffahrt gelangte man schließlich in Genua, dem End ziel der Schiffsreise an. Auch diese Stadt und die Umgebung wurden besichtigt. Am anderen Morgen wurde dann vom Dampfer „Wilhelm Gusilofs Ab^ schied genommen, lieber Mailand und Verona und über den Brenner langte man mit der Eisenbahn in Innsbruck an. In großen Antoblissen wurden Fahrten auf die Vorhöhen bei der Stadt unternommen, von denen aus man einen herrlichen Ueberblicf genießen konnte. Schließlich kamen unsere hessischen Trachtenburschen und -mädchen über München und Stuttgart, über Franksurt und Gießen wieder in ihrer Heimat an. Die wahrend der Fahrt zurückgelegte Seestrecke betrug 3861 Seemeilen, das sind insgesamt 7151 Kilometer.
lastete. Er bezeichnete den Angeklagten als einen ganz gefährlichen Verbrecher, der es in jeglicher Hinsicht an der nötigen Achtung vor der Rechtspflege fehlen laße. Dabei bezog er sich insbesondere auf das noch nicht lange zurückliegende Verfahren gegen Wick, in dein dieser wegen Verleitung zum Meineid zu zwei Jahren zehn Monaten Zuchthaus verurteilt: worden war, die dieser zur Zeit verbüßte. Er beantragte, gegen den Angeklagten unter Einbeziehung dieser im 'Vorprozeß erkannten Strafe auf eine Gesamtzuchthausstrase von 4 Jahren zwei Monaten zu erkennen. Der Verteidiger hielt aus Grund der Beweisaufnahme nicht für erwiesen, ob die Kühe tatsächlich geschenkt worden seien ober nicht, und beantragte daher insoweit Freisprechung. Was die Behauptung des Schädeleinschlagens anlange, stellte er die Bestrafung ins Ermessen des Gerichtes, wobei er doch betonte, daß dem Angeklagten In diesem Punkte bte Mildet ung de ■ Eivesnotstanves zur Seite stehe, da er sich durch eine wahrheitsgetreiie Aussage selbst einer strafbaren Handlung bezichtigt haben würde. Nach längerer Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird wegen Meineides in drei Fällen unter Zusammenziehung mit der bereits erkannten Zuchthausstrafe von zwei Jahren 10 Monaten — zu einer Gesamtstrafe von 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von 1 0 I a h r e n und die F ä h > g k e i t z u r E i d e s l e I st u n g a u f Lebenszeit aberkannt. In der llrteilobe- gründung betonte der Vorsitzende, daß das Gericht im wesentlichen der Darstellung des Hauptbelastungv» zeugen gefolgt fei, da diese der menschlichen Lebenserfahrung am meisten entspreche und daher wahrscheinlicher sei: allerdings sei dieser nach Ansicht des Gerichts auch gerade fein klassischer Zeuge. Bezüglich der zwei letzten Meineide hielt das Gericht
können. ।
So wie diese Werkbank bleiben jeden Tag in 1 Deutschland eine ganze Anzahl leer. Nicht immer wird der Mann tot fein, dann ist er vielleicht em ] Krüppel geworden ober liegt zumindest eine Zeit ' im Krankenhaus. Achttausend Tote und 160 000 ; Verletzte nimmt uns in Deutschland jährlich der Verke'hrsunfall. Wieviel davon sind Radfahrer! Nicht immer, wenn ein Radfahrer verunglückt 'ft er der Schuldige, das ist selbstverständlich. Aber haben die Radfahrer Ursache, Weh und Ach über das Versagen der Autolenker oder der Fußgänger zu schreien? Halten die Radfahrer alle ihre Ge- führte so in Ordnung, daß sie verkehrssicher sind und bleiben? Fahren sie alle hübsch hintereinander und nicht nebeneinander? Winken sie alle vor« schriftsmähig ab? Wir brauchen das alles gar mcht zu fragen, jedem Radfahrer werden schon ferne Sünden einfallen. Und wenn sie ihm nicht einfallen, weil er gar nicht weih, wie er sich zu bewegen und zu benehmen hat, wenn er mit dem Rade unter- wegs ist, der kann sich diese Kenntnisse in der letzt stattfindenden Verkehrsunfallvechütungsaktion ver- schaffen, in der unter Verteilung von Merkblättern mit den wichtigsten Pflichten jedes Straßenbenutzers eindringlich an das Verantwortungsbewußtsem appelliert wird.
Ihr seid doch Kameraden im Betrieb, warum nicht auch auf der Straße? Zum Kamcradsein ge- hört aber in erster Linie, sich selber in Zucht zu hatten und anderen ein Beispiel zu geben, gerade in den kleinen Dingen des Alltags, im Verkehr.
F. Q. (RAS)
Dornoiizen.
Tageskalender für Freilag.
Stadttheater: 20.15 bis 22.15 Uhr Gastspiel Gustav Jacoby : „Großer heiterer Abend'. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Eifersucht".
Gustav Jacobi) heule im Sladllhealerl
Heute um 20.15 Uhr findet das einmalige Gast- spiel von Deutschlands größtem Humoristen Gustav Jacoby statt. Gustav Jacoby wird sprechen und singen, das Publikum wird zwei Stunden herzlich lachen! En de gegen 22.15 Uhr. ______
zeug vernichtet.
Die größte Geisel aller Vogelbruten sind aber die herumstrolchenden Katzen. Besonders des Nachts werden von ihnen die brütenden Weibchen voiy Nest weggefangen. Wenn die Vögel brüten, hat keine Katze etwas auf fremden Grundstücken zu suchen. Sie kann dort ohne weiteres gefangen werden. Nach der Naturschutzverordnung muß jede gefangene Katze binnen 24 Stunden der Polizei gemeldet werden. Sie ist vier Tage pfleglich auf- zu bewahren und kann von ihrem Besitzer gegen eine Gebühr ausgelöst werden. Nach vier Tagen ist sie der Polizei zur Tötung zu übergeben. Fängt sich die gleiche Katze in einem Jahr zum dritten Male, so fällt die Aufbewahrungsfrist fort. Herrenlose Katzen dürfen vom Fangoerechtigten selbst sofort getötet werden. Das Aussehen von Katzen ist nach dem Neichstierschutzgesetz verboten. — Wer also eine Katze behalten möchte, sperre sie bis zum August ein.
** Sierbefälle in der Stabt Gießen. In der Zeit vom 19. bis 28. Juni verstarben in unserer Stabt: 19.6., Wilhelm Werner, Werkmeister i.R., 73 Jahre alt, Wernerwall 29; 19.6. Clise König, geb. Läb, o. B., 59 Jahre alt, Weidengase 18; 19.6. Else Mahnkopp, geb. Rüter, Ge-
Vor der großen Verdunkelungsübung hielt der Haus- und Grundbejitzerverein unter dem neuen Vorsitzenden Adolf S ch m i d t gemeinsam mit dem Neichslustschutzbund, Orts-(Kreis-) Gkuppe Gießen, im Cafe Leib einen Vortragsabend ab, um im letzten Augenblick noch einmal Hausbesitzer und Mieter auf die a^enfeitipeii Pflichten und Vorarbeiten hinzuweisen. Zunächst sprach
Major a. D. Freiherr v. Maffenbach,
Berlin,
vom Reichsausschuß für Sachwertechaltung über die Bedeutung der Luftwaffe im Abnu-Hi kamch. Der Vortragende wies nach, wie es neben der Ablehnung nicht an der Befürwortung des Gas- krieges fehlte, und er führte sehr überzeugend an, wie in allen größeren Staaten die luft-chemische Waffe ausgebaut wurde. Vor dem Gesetz der Lebenserhaltung müßten alle anderen Gesetze wei- chen. Das. gilt auch für uns Deutsche! Der Vortragende ging dann noch auf die Anwendung auf den augenblicklichen Kriegsschauplätzen ein, um zu beweisen, daß eine gründliche Vorbereitung mit der Handhabung und der Abwehr auch dieser Waffe die letzte Schärfe nehme.
Revier-Gruppenführer des 2R£S., LS.-Führer Schmidt
unten abstehen. Besonders gefährdet sind die Nester in den Büschen. Gerady die Grasmücke, Zaunkönige, Girlitze, Hänflinge, Gelbspötter und Singdrosseln gehören zu den beliebtesten Sängern, die wir uns gern erhalten wollen. Da darf man bann nicht in den Sträuchern nach Nestern herumstöbern und gar die Zweige auseinanderbiegen, um die Eier ober Jungen recht genau mi betrachten. Nur zu leicht verlassen die Alten die Gehege, und die Jungen flattern erschreckt davon und werden vom Naud-
schweigend den Teig, fand ihn merkwürdig zäh, schüttete aber doch voller Vertrauen eine gute Portion in die fettriefende Pfanne — und schrak zu- jammen. Denn im selben Augenblick ging ein prasselndes Knattern lys, als hätte ein Maschinengewehr Salven abgefeuert... Und ein übler Dunst zog durch die Küche.
Die Salve hatte Clemens aufgeweckt. Ich horte ihn über Öen Flur tapsen, und dann stand er drohend vor mir und fragte böse nach dem Gründ der Explosion. Zu gleicher Zeit aber ertönte wieder ein heftiger Knall, heiße Fettspritzer stiegen zischend in die Luft und schienen meine Augen als Ziel- jdjebben zu benutzen. Eine graue Wolkenwand schob sich zwischen Clemens und mich, und ich erkannte nur undeutlich sein wütendes Gesicht. „Ich sehe, daß deine Fähigkeiten nichts mit Kochen tu tun haben", bemerkte er gehässig. „Auf diese Weise können niemals Eierkuchen zustande kommen ich werde die Nachbarin zu Hilfe rufen. Räume bitte die Küche!"
Ich räumte die Küche und tröstete mich im Wohn« zimmer mit einem Päckchen Keks.
Dann härte ich, wie der grobe Clemens die Nachbarin mit verführerischen Worten in die Küche lockte. Die Nachbarin riß erst das Fenster auf, bann stieß sie mehrere aufgeregte Schreie aus und da- zwischen fand sie noch Zeit, zu kichern. Clemens trug das Seine zur Unterhaltung bei, indem er auf mich schimpfte. „Dieser Kerl', sagte er „ist wirklich ganz unbegabt. Ich hätte ihm diesen Wunsch nicht erfüllen sollen — aber ich bin eben ein
fühle. Die Negierung lege besonderen Wert aus das । gute Zusammenarveiten von Hausbesitzern und Hauswarten. Der Hausbesitzer müsse die Hauswarte weitestgehend unterstützen. Viele Hausbesitzer stünden noch abseits. Das werde auf die Dauer nicht geduldet werden, weil es keine Lücke in der Abwehr geben dürfe; denn dadurch könne Im Ernstfall derjenige, der sich vorbereitet habe, geschädigt werden. Die Kurse und Hebungen hätten die lieber- zeugung gegeben, daß die Ausbildung notwendig sei, damit jeder wisse, wohin er im Notfall gehöre. Die Beschaffung der Geräte für das Haus und die Einrichtung des Schntzkellers müßten Hand in Hand von Hausbesitzer und Mietern geschehen. Der Redner wies besonders auf die nächste Hebung hin und ermahnte die Hausbesitzer und Mieter schon vorher, dafür zu sorgen, daß in ihren Häusern alles Ordnung sei. Durch gemeinsame Arbeit könne viel erreicht werden. Weiterhin betonte er ausdrücklich, daß die Anordnungen des Hauswartes grundsätzlich die maßgeblichen seien und unbedingt befolgt werden müßten, wenn die Hebung zu einem Erfolg werden solle.
Freiherr v. M a s s e n b a ch sprach bann noch über den volkswirtschaftlichen Wert der Haus-Jn- nuiiß, vor allem die notwendige Erneuerung ßenanstriches und der Reparaturen, wobei er daraus hinwieg, daß jede Erneuerung eine Sicherung des Besitzwertes und damit des Volksgutes be- heute Im Dritten Reich fei der Aflueetgentümei Verwalter von Volksvermögen und darum muß auch der Mieter pfleglich damit umgehen. Hausbe- jitzer und Mieter gehörten in eine Front zum Kampfe um die Erhaltung der Sachwerte des Vol- Feg. — Tonsilmaufnahmen unterstützten die Aus- jührungen des Redners und verbanden die einzelnen Vorträge zu einer anregenden Abendveranstaltung.
ig und ganzen Volkes zur Abwehr „ ... Luft. Er hob hervor, daß nur die geschlossene Abwehr eines ganzen Volkes jeden Angriff seiner Wirkung beraube. Dazu ist nötig, daß auch jeder Volksgenosse seelisch gefestigt und praktisch ausgebildet sich jeder Gefahr gewachsen
Mein Freund Clemens lebt in einer Junggesellen- Wohnung, zu der auch eine Küche gehört. Diese Küche ist so geräumig, daß ein schlanker Mensch bequem darin stehen kann. Zuweilen ladt mich Clemens zi m Abendessen ein — aber bann ist meist ein hinterlistiger Gedanke im Spiel. So war das auch mit den Eierkuchen. Clemens hatte Lust aus Eierkuchen und meinte, wenn ich dieselbe Lust hatte, könnte ich sie ja backen. Danach legte er sich hm und schlief sanft ein.
Ich trollte mich gutmütig in die Küche, grub eine Kasserolle aus dem eingebauten Schrank und begab mich wieder in das Wohnzimmer. Dann schleppte ich die Zutaten auf den Schreibtisch, und als ich ine Eier am Rand der Kasserolle Erschlug, wachte Clemens auf und erklärte, daß ich die Politur erneuern müsse, wenn der Teig sie zerfressen wurde.
Inzwischen hatte ich festgestellt, daß der Zucker fehlte und hielt die Backerei schon für beendet, weil Clemens in einer Gegend wohnt, in der noch Kiefern in ben Himmel ragen. Aber Clemens sagte gähnend, daß wenige Minuten entfernt ein Wirtshaus stünde. Da könnte man mehrere Zentner be-
Danach verlangte sie die Mehltüte zu sehen. Ich führte sie z"m Schreibtisch und ließ sie eine .Hand- voll herauslangen. „Wissen Sie, was dos eigentlich ist?" fragte sie, und ihre Wangen röteten sich vor
Ein Film mit französischen Schauspielern, in Inszenierung eines Franzosen, nach Motiven Schauspiels „Der lebende Leichnam' von T o l st o t. Der Regisseur Marcel L' Herbier und T. H Robert schrieben das Manuskript. Die Bezeichnung „nach Motiven" ist zutreffend; oon einer Verfilmung des Stückes schlechthin kann nicht die Rebe ein. Das war auch wohl kaum beabsichtigt Weniger befriedigend erscheint der Titel „Eifersucht : er bezeichnet nur ein Teilmotiv; aber die beiden entscheidenden Handlungen geschehen' aus Liebe und erweisen sich als Opfer und Verzicht, was beides mit Eifersucht kaum zu motivieren wäre. Der Untertitel „Mordprozeß Andrejew" daaegen wirkt. farbloser unb sensationeller zugleich. Er handelt sich um das alte, oft gestellte, nie gelöste Problem: eine Frau zwischen zwei Männern. Die Frau glaubt anfangs an ihre starke Neigung zu dem jüngeren; erst als der ältere sich aus ihrem Leben zurückgezogen hat, um dem Glück der beiden nicht im Wege zu stehen, fühlt sie, daß ihre wahre Liebe doch bem gehörte, den sie und alle andern nun für tot halten. Er ist aber nicht tot, sondern er lebt und kehrt zurück in dem entscheidenden Augenblick, als die beiden unter der Anklage vor Gericht stehen, einen Mord begangen zu haben. Aber kaum hat der Staatsanwalt beschwörend ausgerufen: Em Toter klagt an! — da tritt der Totgeglaubte in ben Saal und entkräftet die Anklage durch sein bloßes Erscheinen. Das ist theatralisch sehr wirksam kann allerdings an der Unlösbarkeit des eigentlichen „Falles" nichts ändern. Die Dramatik der Handlung wird durch den Umstanb unterstrichen, daß der Totgeglaubte früher selbst Staatsanwalt war, der andere dagegen Verteidiger, und daß sich beide zu Beginn in einem ähnlichen Prozeß gegenüber- stehen; zuletzt sind die Rollen vertauscht: der Verteidiger ist angeklagt, der Staatsanwalt tritt als Entlastungszeuge auf. — Der Svielleiter L Her- hier hat sowohl die natürliche Spannung des Falles auszunutzen verstanden, als auch gewisse Symbolwirkungen, wie sie sich etwa in der Schachspiel- szene ergeben; im übrigen beruht der künstlernme Eindruck auf ber geschickten Schilberung des rufft- scheu Vorkriegsmilieus unb auf bem suggestiven Spieltemperament ber französischen Darsteller. Die ledenbigste und innerlichste Leistung gibt wohl, vergleichsweise untheatralisch, mit kultivierten Mitteln, Victor Trancen als Staatsanwalt Fedor Andrejew. Gaby Morlay ist die Lisa, eine kleine, zarte,
An der Werkbank fehlt ein Mann ...
Die Tore öffnen sich wie immer, bie Maschinen kommen in Schwung, im Betrieb hat bie Arbeit einge etzt wie jeden Tag. Nur eine Werkbank bleibt leer, ber Mann, ber bort fein Werk vernch- tote gestern und vorgestern unb bie Tage vorher, der bort mit feiner Hänbe Arbeit die Existenz feiner Familie sicherte und darüber hinaus Werte schuf für das Volk, dieser Mann fehlt. Er kam sonst eden Tag pünktlich auf dem Fahrrade an und fuhr jeden Abend pünktlich wieder nach Haufe. Heute tut er das nicht und wird es auch morgen und niemals mehr tun können, denn es hat ihn „erwischt", wie der Meister in der Frühstückspause sagt.
„Es", das ist der Verkehrstod! Der Mann, der gestern hier noch stand, ist wie immer auch heute von zu Hause weggefahren, nun ist er tot. Tot durch eigene Schuld, wie sich bald herausftellt Cr war gewiß keiner von den Nervösen und Lieber- ängstlichen, die sich schon durch ihr unsicheres Gehabe täglich selber in Gefahr bringen. Er war ruhig und bedächtig, wie cs sich für einen Spezial- arbeiter gehört. Nur heute morgen vielleicht noch etwas müde, da hat er jo im Drufeln auf dem Rad das Abwinkcn vergeßen und der Lieferwagen hat ihn gefaßt.
Nun steht feine Werkbank leer, vielleicht nicht lange, aber der Mann, der an feine Stelle treten wird, wird dann an einem andern Platz fehlen, denn wir haben in Deutschland nicht so viel Facharbeiter, daß wir so leichthin einen entbehren
schäftsinhabei-in, 59 Jahre alt, Bahnhofstraße 33; 20.6. Earl Müller, Behördenangestellter, 62 Jahre alt, Frankfurter Straße 75; 20.6. Klara Singer, ohne Beruf, 73 Jahre alt, Heffenftraße 2; 20.6. So- pH le Nicolaus, geb. Bez, ohne Beruf, Stephanstr. 29; 22.6. Philipp Wilhelm Seitz, Kriinlnatfekretär I N., 64 Jahre alt, NodHeimer Straße 43; 22.6. Willi Bette, Kaufmann, 37 Jahre alt, Mänsburg 10; 23.6. Henriette Mühl, geb. Schwarz, ohne Beruf, 54 Jahrs alt, Bahnhofstraße 5; 24. 6. Anna Kiffen, geb. Graf, ohne Beruf, Jin Garlfeld 1; 26.6. Katharine Klotz, geb. Weller, ohne Beruf, 75 Jahre alt, Gnauthstr 26; 25.6. Karl Philipp Wilhelm Martin 91 enter, Schläfer, 56 Jahre alt, Doringftraße 1; 27.6. Engen Rudolf Eckel, Techniker, 34 Jahre all, Marktlonben- traße 2; 26.6. Konrad Lutz, ohne Beruf, 77 Jahre alt, Licher Straße 74; 26.6. Katharina Minke, geb. Lepper, ohne Beruf, 70 Jahre alt, Walllorftr. 73; 27.6. Anna Nom er. geb. Gilbert, ohne Beruf, 75
Zu allen Zeiten und bei allen Völkern hat die Frau Schmuck getragen. Auch bei der deutschen Frau, früher ber germanischen Frau, wurde ber Schmuck zu allen Jahrhunderten gepflegt, getragen unb vererbt. Selbst bei der Mitgift spielte ber Schmuck ber Frau eine große Nolle.
Den Ebelsteinen rühmte man In vergangenen Zeiten eine besondere Heilkraft nach. Sie sollten fähig sein, vor GM ft unb auch vor dem „bösen Blick" zu schützen. Noch im Jahre 1664 Jollen Perlen, Edelsteine und Gold in pulverisierter Form oon den damaligen Aerzten verschrieben worden sein. Es heißt, daß damals ein Mann namens Ranzau feinen Söhnen geraten habe. „Es ist nicht oon geringer Bedeutung für bie Gesundheit, aus goldenen und silbernen Bechern zu trinken, ebenso ist es nützlich, glühendes Gold ober Silber im Getränte zu loschen. An euren Händen solltet ihr immer Korallen, Bernstein, Achat oder kostbare Steine haben. Am Ringfinger der linken Hand solltet ihr Ringe mit Smaragden, Saphiren oder roten Edelsteinen tragen. Im Munde fälltet ihr zuweilen einen Amethyst halten, etwas Kristall, einen Granat oder etwas reines Gold ober Silber, lieber diesen Aberglauben müssen mir heute lächeln. Das Verlangen nach Schmuck entsprach also nicht nur der Eitelkeit. Die Freude am Besitz, ber Glaube an die Heilkraft waren mindestens ebenso beteiligt.
Aber nicht alle haben bie Mittel, sich mit Ebel- ober Halbedelsteinen zu schmücken. Darum kam ihnen bie Mobe entgegen: es entstaub eine Schmuck- inbuftrie, die es jeber Fran ermöglicht, sich mit wenigen Mitteln zu ihrer Kleidung bas paßende Schmuckstück zu kaufen. Wie schön ist Bernstein! Die deutsche Frau trägt nicht nur Bernsteinketten, ße bevorzugt auch Knöpfe, Giirtelschl'eßen, Ringe Armbänder und Ohrringe aus diesem Meergeschenk. Bernstein auf hell« ober dunkelbraun, hell- oder dunkelgrün, braunem ober auch weißem Kleid ge- tragen wirkt außerordentlich harmonisch und schön, Bernstein gibt es in dunkelbrauner, hellbrauner' unb gelber Farbe. Man wählt ihn zur Hauttonung am besten selbst aus. Blondinen fragen nrhr me dunklen und brünette Frauen die hellen steine. Auf ben Schliff soll man dabei aanz befonb<rs achten. Im übrigen wird es immer Sache des guten Gefchmacks fein, bas paßende Stück zu finden.


