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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hr.77 Drittes Blatt

Zreitag.l. April M8

Wir alle gehören dem Führer

Aus der Stadt Gießen.

Gießener Straßennamen.

Der Bürger, der durch Gießens Straßen wandelt, spürte bisher nicht am leisesten Anzeichen, daß er eine deutsche Universität am Ort hat. Berlin, Leip­zig und andere Hochschulstädte haben Unioersitäts- straßen warum soll sich der Gießener zu un­würdiger Nachahmung bereitfinden, da es doch auch keinen Schlammbeißerplatz und keine Mißgeburt­plantage gibt? Die Liebigstraße gilt wohl der Er­findung des Fleischextratts, und Gaffky mag im polnischen Freiheitskrieg eine Rolle gespielt haben. Die Träger weltberühmter Namen, Behaghel, Bo­ström, Hirt und wie sie alle heißen, suche man auf den Friedhöfen. Unsere Straßen nennen wir nach Hund und Teufel, Bruch und Zozel. Schulstraße heißt eine der wenigen Straßen Gießens, in denen keine Schule steht. Wir üben den Scharfsinn unse­res begabten Nachwuchses daran, daß er Neuenweg

und Neustadt mit der noch älteren Neuen Bäue verwechseln lernt. Die Stephanstraße heißt so wenig nach dem Erfinder der Postkarte, wie die Ritter­gasse und die Hammstraße nach unseren verehrten Bürgermeistern.

Heute ist die Zeit gründlich anders geworden. Ein frischer Wind weht auch durch unsre Namen­gebung. Der Tag ist gekommen, an dem mitgeteilt werden darf, was Gießen von der Zukunft zu er­warten hat. Mit Fug verliert die Ludwigstraße ihren überalterten Namen und heißt fortan Aka­demische Laufbahn. Sie führt zum Leihgesterner Weg, dessen Anwohner es längst müde sind, mit den Leichen von gestern zusammengeworfen zu wer­den. In Zukunft führt er, der dem Himmel näher ist, als andere Straßen Gießens, den erhabenen Namen Milchstraße, zugleich mit sinniger Anspie­lung an die bevorzugte Nahrung der Bewohner des benachbarten Studentenheims. Der Weg von der Friedrichstraße zur Ohrenklistik wird Gehörgang genannt, das Ende der Liebigstraße beim Zoologi­schen Institut Seeigelplatz. Der Löberstraße soll der einzig zutreffende Name Professorenschlucht nicht länger vorenthalten werden. Das Stück Goethe- straße, das von da zum Vorlesungsgebäude führt, ift mit der Rückwand des Kunstwissenschaftlichen Hörsaals geziert, die so lebhaft an eine Zichorien­kiste erinnert, daß der neue Name Zichorienstraße des freudigsten Verständnisses gewiß sein darf.

Ist das der Fall und finden auch die übrigen Wandlungen Anklang, so werden wir nicht ver­fehlen, nächstes Jahr über weitere Bestrebungen auf diesem Gebiet zu berichten.

Vornoiizerr.

Tageskalender für Areilag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr,Das Land des Lächelns". Gloria-Palast (Seltersweg):Sascha Guitry. Roman eines Schwindlers". Lichtspiel­haus (Bahnhofstraße):Der Mann, der nicht nein sagen kann". Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18^Uhr, Ausstellung im Turmhaus am Brand. > Frühjahrsmesse auf Oswaldsgarten.

Stadttheater Gießen.

He-ute, 20 Uhr, findet eine Wiederholuna des großen OperettenerfolgesDas Land des Lächelns" von Franz Lehar statt. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt, Tänze Irmgard Zenner, Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 26. Vorstellung der Freitag- Miete statt. Ende 22.30 Uhr.

Zirkus Althoff kommt nach Gießen.

In der nächsten Woche wird der Zirkus Althoff unsere Stadt Gießen besuchen. Die Eröffnungsvor­stellung soll am 6. April stattfinden.

Anteil an der

6 195 630,63 1 582 503,64 7 778 134,27

5 459 745,14

5 424 449,01

5 618 704,86

Vermögen 468 412,31 462 906,33 904 181,93 1511931,13

Insgesamt 5 942 624,16 5 922 651,47 6 328 630,94 7 130 635,99

1934:

1935:

1936:

1937:

Rj. Betrieb

1933: RM. 5 474 211,85

I.

Arbeit der öffentlichen Verwaltungen voll-

Fünf Lahre Aufbau in Gießen.

Oie Entwicklung unserer Stadt im Spiegel der Haushaltspläne.

beftimmung aus, so haben sich am gestrigen 31. März 1938 auch die ersten fünf Jahre des nationalsozialistischen Aufbaues in Gießen vollendet. Dieser Abschnitt rechtfertigt einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung unserer Stadt.

Den besten Standpunkt für diese Rückschau findet man in den Haushaltsvoranschlägen. Lassen wir deren Abschlußsummen hier vor uns erscheinen:

Aus dieser Uebersicht erkennt man, daß die Stadt­verwaltung ihre Aufbauarbeit aus einer starken steuerlichen Grundlage durchführen kann. Das ist für das Gesamtinteresse unseres Gemeinwesens ein sehr wichtiger Faktor, wenn auch dem einzelnen das Steuerzahlen nicht immer in den Kram paßt. Aber es ist nun einmal so, daß das Steuerzahlen zum reibungslosen Gang der öffentlichen Verwaltung ge­nau so notwendig ist, wie gutes Schmieröl zu einer lebenwichtigen Maschine, von deren Gang viele an­dere Arbeitsplätze abhängig sind. Diese leistungsfähige steuerliche Grundlage ist übrigens auch die Voraus­setzung für alle weiteren Unternehmungen der Ver­waltung, deren Arbeitsziel doch immer nur die Auf­wärtsentwicklung des Gemeinwesens und damit die Förderung des einzelnen Volksgenossen ist. B.

Die

zieht sich auf der Grundlage der Haushaltspläne für das Rechnungsjahr. Dieser Zeitraum erstreckt sich, in Uebereinstimmung mit dem Reichshaushalts­plan, auf die Zeit vom 1. April bis 31. März des nachfolgenden Jahres. Geht man von dieser Zeit-

Jahren schon dringend nötigen Altstadtsanierung, an die finanzielle Vorsorge für die Anlage neuer Sportplätze mit modernen Einrichtungen und an die Bereitstellung eines Zuschusses für die Errich­tung einer Universitäts-Turnhalle, an die Bewilli­gung großer Mittel für den Neubau eines Frei­bades, an die Förderung des Ernährungshilfswerks (EHW.) usw. Das find sämtlich Leistungen, die für den gedeihlichen Aufstieg unseres Gemeinwesens von großer Bedeutung find und die nur möglich waren auf der Grundlage der ständig erfreulich an­wachsenden Wiedererstarkung unserer Gesamtwirt- schast.

Don diesem Blickpunkt aus sei auch einmal Rück­schau gehalten auf die Entwicklung der Hauptstützen der städtischen Finanzen, nämlich die Erträge aus den wichtig st en Steuerarten. Diese sind in den Voranschlägen'mit folgenden Brutto- Beträgen veranschlagt:

Zum Voranschlag 1937 kommt für die Vermögens­rechnung noch ein Nachtragshaushalt in Höhe von 209 145, RM. hinzu, der am 10. März 1938 in Kraft gesetzt wurde, und durch den sich die Ver­mögensrechnung von 1 582 503,64 auf 1 791 648,64 Reichsmark erhöht. Mithin beläuft sich die Gesamt­summe des Haushalts für 1937 auf 7 987 279,27 RM.

Diese Zahlen reden eine deutliche und eindrucks­volle Sprache von dem Aufstieg unserer Stadt durch die großzügigen nationalsozialistischen Aufbaumaß­nahmen. Daß dabei das Schwergewicht der zahlen­mäßigen Steigerung auf der Vermögensrechnung liegt, bedeutet die Schaffung neuer Ver­mögenswerte, während die fast vier Jahre lang nahezu gleichbleibende Entwicklung der Be­triebsausgaben zeigt, daß in der Verwaltung spar­sam verfahren wurde und nur d i e Aufwendungen zustandekamen, die angesichts des ganzen Aufstiegs und der dadurch bedingten Mehrarbeit in der Ver­waltung unabweisbar notwendig waren. Man muß sich bei der Betrachtung dieser Aufwendungen auch vergegenwärtigen, daß dieses Mehr an Ausgaben zum weitaus größten Teile wieder der heimischen Wirtschaft zugute kam, also belebend und stärkend wirkte, Arbeit und Brot schuf.

Den Gegenwert der gegenüber 1933 mehr als dreifach höheren Ausgaben in der Dermögensrech- nung sehen wir qllenthalben bei einem Gang durch die Stadt. Stichwortartig möchten wir hier nur er­innern an den Aufbau ganz neuer Wohnviertel mit Hunderten von neuen Wohnungen, an neue Betriebsgebäude und Einrichtungen in unseren städtischen Werken, an den großzügigen Ausbau Unseres Straßennetzes, an die Schaffung des Dieh- marktgebäudes mit feinen mannigfachen Einrich­tungen, an den Ausbau der städtischen Feuerschutz­anlagen, an die Inangriffnahme der seit vielen

Bier- fteuer

Einkommen- f.". ;'erfd)aftsft

und Umsatz-

euer steuer

1933:

RM. 100 000

250000

100 000

1934:

100 000

250 000

100 000

1935:

110 000

317 520

95 220

1936:

125 000

405 410

95 220

1937:

125 000 410 410 95 220

Grunderwerb- Veranügungs- Hunde­steuer steuer steuer

1933:

RM. 25 000

35 000

18 500

1934:

25 000

25 000

16 000

1935:

25 000

28 000

16 000

1936:

37 000

30 000

15 000

1937:

45 000

Bürger­steuer

35 000 14 000

Getränke- Grund-, Gewerbe­steuer u.si'idt. Sondersteuer

1933:

RM. 230000

30 000

1 296 336

1934:

200 000

25 000

1 238 800

1935:

250000

25 000

1 122 260

1936:

275 000

25 000

1 130 650

1937:

360 000

25 000

1 702 852

250 Arbeitskameraden unseres Gaues fahren nach Deutsch-Oesterreich.

NSG. Zum ersten Mal führt in diesen Tagen die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" eine Ur­lauberfahrt aus unserem Gau nach Deutsch-Oester- reich durch. Der Zug verläßt Frankfurt am Main am 3. April und hat als Ziel das schöne Tirol. An der Fahrt nehmen 1000 Arbeitskameraden aus den Gauen Hessen-Nassau, Saarpfalz, Baden und Würt- temberg-Hohenzollern teil. Aus dem Gau Hessen- Nassau beteiligen sich 250 Volksgenossen, die in den Oetztaler Alpen, in St. Anton und Landeck unter­gebracht werden, lieber StuttgartUlm werden die Fahrtteilnehmer Deutsch-Oesterreich erreichen. Sämt­liche Dienststellen von KdF. nehmen, soweit Plätze verfügbar, noch Anmeldungen für diese Reise ent­

gegen, die am 9. April in Frankfurt am Main zu Giitbe gehen wird.

Nachdem den österreichischen Dolksgenosten Ge­legenheit gegeben worden ist, durch KdF.-Fahrten das Reich, zu dem sie jetzt gehören, aus eigener Anschauung kennen zu lernen, können sich nun auch die Arbeitskameraden aus dem alten Deutschland davon überzeugen, welches herrliche Stück Land mit wertvollen kerndeutschen Menschen dem Reich an­gegliedert wurde. Wir sind gewiß, daß der Aufent­halt in Oesterreich ihnen unvergeßliche Erlebnisse vermitteln wird. Da der Zug aus unserem Gau am Sonntag erstmalig Volksgenossen des alten Reichs­gebietes in die Ostmark bringt, werden die Teilneh­mer von der dortigen Bevölkerung mit großem Ju­bel empfangen werden. Die erste Reise wird viel­leicht eine der begeistertsten Fahrten werden, die die

,,Homon eines Schwindlers."

Gloria-Palast.

Von Zeit zu Zeit ist es lehrreich und interessant zu sehen, wie die anderen es machen. Dies hier ist ein französischer Film eminent französisch im Thema wie in der Darstellung; ganz einheitlich im Eindruck, vor allem um deswillen, weil sich die Hauptfunktionen in einer Hand vereinigen: Sascha Guitry schrieb das Drehbuch, führte Regie, spielte die Hauptrolle.In knapp anderthalb Stunden wollte ich das Leben eines Menschen skizzieren, dem das Schicksal verteufelt mitspielt. 40 Jahre vom Le­ben eines Mannes, dem seine schlechten Taten Glück bringen und den dos Glück verläßt, sobald er sich bessern will. Ein verführerisches Thema ..." Das Merkwürdigste daran ist vielleicht die Art, wie das gemacht wird, wie hier eine Erzählung und ein Film nebeneinander herlaufen und ineinander übergehen: zwei ganz verschiedene Dinge wir bemühen uns seit langem sehr, sie in ihren Vor­aussetzungen und Funktionen gründlich und reinlich voneinander zu scheiden; der Franzose gibt, ganz unbekümmert, beides zugleich, und das Sonderbare ist, daß beides zwanglos zusammengeht und eine Einheit bildet. Das Sonderbarste: man fühlt sich manchmal um Jahrzehnte zurückversetzt, in die An­fänge der Kinematographie, man sieht einen fast stummen Film und hört den Text dazu. Trotzdem wirkt das gar nicht altmodisch oder rückständig, son­dern durchaus modern und technisch sehr gekonnt; was man sieht, ist ganz filmisch empfunden, nicht etwa nachträglich draufphotographiert. Es wirkt aber das Ganze wiederum auch als Roman: nicht nur, weil man Guitry im Cafe fitzen und an feinem Manuskript arbeiten sieht (er schreibt da das Drehbuch oder ein Expose oder seine Memoiren; einerlei) sondern weil die Fabel in der Tat wie ein auf das äußerste Maß verkürzter und zugleich ins Bild aufgelöster Roman anmutet, wie eine richtige Erzählung, Lebensgeschichte eines Menschen von der Jugend bis über das reife Mannesalter hinaus, mit Entwicklung, innerer und äußerer, und Verwicklungen, mit Steigerungen, Spannungen, Ueberrafchungen, Verwandlungen ... die Zeit läuft mit, blättert sich ab im Kalender, ein junger Mensch wird erwachsen, tritt ins Leben, findet eine Chance, einen Beruf, der kein Beruf ist, verfällt einem Schicksal, dem er nicht entgehen kann, denn seine Lebensbahn scheint vorgezeichnet und vorausbe­stimmt. Die Schauplätze wechseln schnell, verwirrend und doch folgerichtig: ein kleiner Provinzladen, ein

bürgerliches Haus, ein großes Hotel, eine franzö­sische Garnisonstadt, ein Lazarett im Kriege, der Spielsaal von Monte Carlo. Durch alle diese Schau­plätze geht der fragwürdige Held des Romans hin­durch, entwickelt und verwandelt sich, erlebt eine Familienkatastrophe, eine anarchistische Verschwö­rung, den Krieg, die Liebe, das große Abenteuer und das große Spiel ums Glück, das ihm zum Ver­hängnis wird ... man kann das alles nur an­deuten, nur einzelnes herausgreifen aus der ge­drängten Fülle der Fabel, die Guitry mit ebenso leichter Hand in Szene gesetzt hat, wie er sie nie­derschreibt und erzählt: in einem typisch franzö­sischen Stil, elegant, etwas ironisch, mit sehr be­wußter Beherrschung seines Stoffes. Ebenso fran­zösisch wirkt auch die unmittelbare, lebendige, an Mienenspiel und Akzenten reiche Art der Darstel­lung; Guitry gibt sich als Schauspieler ebenso sicher und geschmeidig wie als Regisseur und als Autor: man spürt die Freude am Stoff, am Spiel mit der Maske, am ursprünglich komödiantischen Reiz der Verwandlung, die hier unmittelbar zum Thema gehört. Es ist ein belehrendes Vergnügen, diesen Film auf sich wirken zu lassenund zwar weniger seines Themas als feiner künstlerischen Machart wegen. Auch abgesehen von Guitry ist die Besetzung vorzüglich; die Darsteller sind hier alle unbekannt. Besondere Hervorhebung verdienen die drei wichtigsten, überaus geschickt gegeneinander abgesetzten Frauengestalten und der kleine Dar­steller des Jungen im ersten Teil. An der Kamera: Marcell Lucien; Musik: Adolphe Borchard; deutscher Text: Werner Finck und Dr. A. Sten- z e l; deutscher Sprecher: Fritz O d e m a r. (Cineas, Paris.)

Im Beiprogramm: ein Marionettenfilm, ein Vor­spann zurVerklungenen Melodie" mit Brigitte Horney und Willy Birgel, die Wochenschau mit Bildern aus Oesterreich und eine politisch sehr auf­schlußreiche GegenüberstellungWort und Tat".

Hans Thyriot.

Hochschulnachrichten

Auf den neuerrichteten Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Universität ln wurde der ordent­liche Professor Dr. Gustav Adolf Walz an der Universität Breslau berufen. Prof. Walz, der sich in Marburg habilitierte und seit 1933 in Breslau wirkt, ist Herausgeber des Handbuches des Völker­rechts und der Zeitschrift für Völkerrecht.

Fohlen.

Von Angela v Britzen.

Es ist noch etwas struppig im Fell und keines­wegs ansehnlich. Der Schweif sieht auch noch aus, wie ein geflochtener Kuchen aus Hefeteig, so kind­lich gelockt ist er! Die Mähne ist ganz seidig und fällt nach beiden Seiten ein bißchen über gar nicht wie der sture, majestätische Halsputz von regelrechten Pferden, der, schön gestriegelt, tief nach einer Seite herabhängt.

Es ift manchmal etwas langweilig, so bei Mut­tern in der Box zu stehen, am Stroh zu nibbeln und sich den Tag in die zwei Rubriken Trinken und Schlafen einzuteilen. Nebenan in den Boxen toben die älteren Fohlen und rufen andauernd nach den Müttern, die schon wieder mit auf Arbeit sind. Wenn sie dann zur Mittagszeit und abends wiehernd hereinkommen, dann wird es still neben­an, und nur das zärtliche Schnauben der Alten und ein ganz leises Schmatzen verrät, daß jetzt Mahlzeit gehalten wird.

Der Sonntag ist daran zu erkennen, daß mor­gens nach dem Futterschütten und Putzen kein Lederzeug klatscht und keine Pferde aufgeschirrt werden. Alles bleibt ruhig in den Ständen, und auch die älteren Fohlen behalten ihre Mütter den ganzen Tag. Dann kommen die Knechte herein und haben keine blauen Blusen, sondern das gute Zeug an. Sie legen den Stuten, welche Fohlen haben, die Halfter über, die immer zu weit sind, und führen sie heraus auf den Hof.

Da ist es betäubend! Die Sonne scheint, sehr viel Grün ist da, und vor allem: Raum! Man kann rennen, und dann dauert es trotzdem eine ganze Weile, bis man mit der flaumigen Nase an eine Mauer stößt. Aber das tut man unweigerlich!

Nicht zu verstehen, wie die Mütter so ruhig gehen können und so gleichgültig den Kops kies vor sich her tragen! Höchstens das Grün interessiert sie. Die Fohlen versuchen es auch damit. Aber die Beinchen mit den dicken Knoten in der Mitte sind ein biß­chen zu lang geraten, man muß sie schräg stellen, wenn man mit der Nase nach unten reichen will. Und dann kippelt es verräterisch in den Knoten. Auch ist das Fressen eine langwierige Sache, und auf dem Hof gibt es so viel zu erleben.

Ganz ohne Grund rast ein Fohlen plötzlich los. Es bleibt nicht eher stehen gespreizt, verdutzt und gutherzig, bis es mitten zwischen den gelben Gösseln steht, deren Mütter mit echt gänserischer

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" in Zukunft durchführt.

Das ist praktische Hilfe!

Lpd. Die Kreditbewilligungspolitik der Sp!ar- kassen ist von lebenswichtiger Bedeutung für Han­del und Gewerbe. Wie im nationalsozialistischen Staat durch die Kreditgebarung der Sparkassen eine zielbewußte und sorgfältige Förderung dieser Berufsgruppen getrieben wird, dafür sind die nach­stehenden Zahlen ein schlagkräftiger Beweis.

Nach den Erhebungen des Sparkassen- und Giro- oerbandes für Hessen-Nassau wurden im Jahre 1937 an Krediten insgesamt bewilligt: 36 515 Posten mit 69 791079 RM. Hiervon entfallen auf Wechsel 12 583 Posten mit 6 429 873 RM.; Kontokorrent- Kredite 6159 Posten mit 12 328 962 RM.; Feste Darlehen 8729 Posten mit 7 291 040 RM.; Hypo­theken 9044 Posten mit 43 741204 Reichsmark.

*

** Arbeits-Jubiläum. Am heutigen Tage kann der beim Städtischen Volksbad beschäftigte Masseur Adam Nickel auf eine Dienstzeit von 30 Jahren zurückblicken. Herr Nickel trat am 1. 4.1908 in die damalige Gießener Volksbad-AG. ein und ist seit dieser Zeit ununterbrochen beim Volksbad tätig. Der Jubilar, der durch lauteren Charakter und Fleiß bei allen Arbeitskameraden, Vorgesetzten und Badegästen sich größter Beliebtheit erfreut, wurde im Kreise der Arbeitskameraden geehrt und

das heißt vor dem Einseifen.

Nivea-Creme gibt geschmei­dige, gut rasierfähige Haut, die weder spannt noch aufspringt

erhielt gleichzeitig ein Glückwunschschreiben des Herrn Oberbürgermeisters. Am heutigen 1. April sind es 25 Jahre, daß Herr Ernst R e u s ch l i n g aus Heuchelheim im Hause der Fa. Emil Pistor Nachf., Gießen, tätig ist. Der Jubilar begann seine Tätigkeit am 1.4.1913 als Lehrling, kam in den Jahren 1917/18 seiner Dienstpflicht nach, um nach Beendigung des Krieges zu feiner Leyrfirma zu­rückzukehren. In einem Betriebsappell würdigte der Betriebsführer die Verdienste des Jubilars, der sich sowohl im Kreise seiner Arbeitskameraden, als auch bei der Kundschaft großer Beliebtheit erfreut.

** Sterb efälle in Gießen. Es verstarben in unserer Stadt: 15. März: Louis Marfchek, For­mer, 40 Jahre, Sonnenstraße 6.. 16.: Karoline Schmidt, geb. Seipel, o. B., 78 I., Frankfurter Straße 1; Fritz Grützmacher, Waffenmeister a. D., 67 I., Alicenstraße 43. 17.: Elisabeth Schmidt, geb. Huber, 65 I., Wilhelmstraße 76; Agnes Brück, geb. Kappes, 90 I., Rqonstraße 29. 18.: Karl Braun, Lokomotivführer i. R., 83 I., Am Riegelpfad 76. 20.: Jakob Koch, Hausverwalter i. 9L, 74 I., Aster- weg 71. 21.: Karl Geitz, Reichsbahn-Assistent i. R., 65 I., Mittelweg 16. 22.: Elisabethe Dierlamm, geb. Rein, 52 I., Krofdorfer Straße 5. 23: Jakob Schneller, o. B., 69 I., Steinstraße 41; Hans Dib- bern, Assistenzarzt, Doktor, 34 I., Wartweg 50; Wilhelm Jakob, Fuhrmann, 57 I., Schottstraße 2. 24.: Margarete Kolbe, geb. Lauer, 68 I., Aster­weg 44; Katharina Will, geb. Schneider, 67 I., Seltersweg 52. 25.: Anna Grein, geb. Fink, 78 I., Dammstraße 12. 27.: Karoline Zimmermann, geb. Trank, o. B., 54 I., Steinstraße 21; Wilhelm Cre- ter, Jnstitutsgehilfe, 38 I., Gaffkystraße 38; Hilde­gard Katharine Roth, 13 I., Neuen Bäue 16. 29.: Marie Dechert, geb. Leinweber, 76 I., Lahnstr. 3.

Fwd. Aufbrauchfristen fürPfund- tüten" verlängert. In einer neuen Ausfüh­rungsverordnung zum Maß- und Gewichtsgesetz hat der Reichswirtschaftsminister genehmigt, daß Drucksachen, Plakate, Blechdosen mit Aufdruck usw., die die nicht mehr zulässigen Gewichtsbezeichnungen Zentner, Pfund, halb Pfund und andere tragen,

Uebertreibung flügelschlagend Alarm rufen. Die Gössel könnte man für Butterblumen halten, die ganz rechtmäßig im Gras unter den Kastanien wachsen, wenn sie nicht so komisch heiser und wichtig wisperten. Sie flüchten zur alten Gans und scheinen nicht zu begreifen, daß sie und die Fohlen und die jungen Kuhhunde am Stall drüben und die Küken, die auf dem anderen Rasenstück hinter der gravi­tätisch aufgerichteten Glucke hertrippeln, daß sie alle eigentlich zusammengehören. Diel eher als zu den Alten!

Das Fohlen wartet noch eine Weile mit vor ge­recktem, tiefem Kopf, ob sie dieses nicht einsehen werden, die jungen Kameraden vom Hof, dann wirst es sich blindlings herum, knickt mit dem einen Hinterbein ein und rennt, stolz auf das verursachte Getöse, über den Damm zu dem braunen Polk zurück, der aus Stuten und Fohlen besteht.

Aber nun ist es sehr schwer, aus all den vielen Gerüchen die Mutter herauszufinden, vor allem, wenn man keine Lust hat, irgend etwas ernsthaft zu betreiben. Das Fohlen hat Hunger, fragt nicht viel nach falscher oder richtiger Adresse und fängt an zu saugen. Da quiekt die Alte laut auf, legt dre Ohren an, daß das Gesicht giftig und gemein aus» sieht, und keilt dem fremden Kind mit dem Hinter­bein einen mächtigen Reißer über den kleinen Bauch. Recht hohl klingt das. Das Fohlen steht etwas betäubt. Es ist gut, daß der Schmied den Mutterstuten die Eisen von den Hinterhufen ab­nahm ihr Gerechtigkeitssinn nimmt immer gleich so tätliche Formen an.

Da sind noch andere Fohlen, mit denen rennt es sich ganz gut, aber eigentlich nur aus Versehen. Fünf Sprünge nebeneinander her, dann biegt man auseinander oder besieht sich auf eigene Faust die Pumpe ober klettert Einmal über die Dungschleife, die immer so hohl klingt, wenn die großen Pferde sie morgens um 4 Uhr aus dem Stall zum Dung- hof ziehen. Schließlich ist alles nur noch Hitze, Atemlosigkeit, Grün und Sonne!--

Der Schwanz der Mutter verschwindet grade in der Stalltür und ein halbes, tiefes Wiehern mahnt. Rasch und taumelig stolpert das Fohlen über die Schwelle und der Mutter gegen die Brust, daß sie stillstehen und warten muß, bis das Kind von ihren Vorderbeinen fort ist.

In dem kühlen, heimischen Schatten vorn Stall gibt es nur noch die Mutter und die gute Milch, und das Fohlen, in Müdigkeit und Durst ver­sunken, hört bei seiner eifrigen Tätigkeit nicht mehr, wie die Tür der Box zuschlägt und die Knechte mit ihren Holzpantoffeln über das Steinpflaster klap­pern, um zu ihrem Mittagessen zu gehen.