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Nr. 202 Erstes Matt

187. Jahrgang

Dienstag, 81. August 1937

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Der kleine Kinger oder die ganze Hand?

Eine sehr auffallende Erscheinung ist für die Be­wertung des Abkommens zwischen Nanking und Moskau ein roid)tiger, ja fast ausschlaggebender Richtweiser: die gleichen Staaten, die auch heute noch von einem sowjetrussischen Krieg in Spanien ab­solut nichts hören und sehen wollen, zeigen bei Be­kanntwerden des chinesisch-sowjetrussischen Paktes eine höchst bemerkenswerte Erregung. Soviel scheint also der bisherige Ablauf des Krieges in Spanien Loch schon bewirkt zu haben, daß man für China und für bie eigenen macht- und wirtschafts­politischen Interessen in Fernostl in dengro­ßen westlichen Demokratien" unter Umständen ein ähnliches Schicksal befürchtet, wie es Moskau dem vom Bolschewismus bisher noch beherrschten Teil Spaniens bereitet hat. In der Tat, diese plötzliche Aufregung im europäischen Westen ist so auffallend wie bezeichnend, nachdem es ja schließlich gerade jene westlichen Herrschaften waren, die den Bolsche­wismus unter ihren Schutz nach Genf gebracht ha­ben, und man bisher die deutschen Warnungen vor der bolschewistischen Weltgefahr allzu gern als über­trieben abgetan hat.

So ergibt jene Aufregung zugleich einen Grad­messer für die sehr ernste Gefahr, in der man China angesichts des neuen Abkommens sieht. Es hätte nicht erst des spanischen Krieges bedurft, um die Größe dieser Gefahr zu erkennen. Um so erstaun­licher ist her Schritt der Nanking-Regierung, die die beiden Kriege gegen die Kommunisten-Heere von 1927 und 1930 genau so wenig vergessen haben kann, wie das kommunistische Blutbad in Kanton oder die heute im Innern Chinas noch existierenden kommunistischen Heerhaufen oder das Attentat des mit Moskau in ständiger Verbindung stehenden früheren Marschalls Tschangsueliang auf den Gene­ralissimus Tschiangkaischek im Dezember vergange­nen Jahres ober bie Lostrennung ber Aeußeren Mongolei von China burch Sowjetrußlanb ober bas 23orbränaen bes bolschewistischen Einflusses in ber Inneren Mongolei ober bie völlige Bolschewisierung ber westchinesischen Provinzen Es ist aber ange­sichts ber neuen Lage noch ernster baran zu erin­nern bah derselbe sowjetrussische General Galen (Blücher"), ber nach englischen Berichten in Wladi­wostok direkte Kriegsvorbereitungen trifft, von 1923 bis April 1927 Organisator und Leiter ber Kommunistischen Partei in China gewesen ist, von bem auch ber Befehl des massenhaften Eintritts chi­nesischer Kommunisten in bie chinesische National- organiiafion stammt. \

Die Erklärung ber Nanking-Regierung von ber Notwendigkeit einerRückendeckung" muß nach alleb 'n einem fatalen Licht erscheinen hinsichtlich einer Macht, bie in ber Geschichte ber nationalpoli tischen rsetzung Chinas eine nicht nur gefährliche sondern leider vielfach auch erfolgreiche Rolle ge­spielt bat Wenn dabei in ber Weltpresse eine Ver- ftärfuna der sowietrussischen Waffenlieferungen nach China 'm Zusammenhang mit dem neuen Pakt als selbstverständlich angenommen wirb so bedeutet das nicht so sehr eine Verdächtigung ber Nanking-Regie- runa. als vielmehr eine einfache Feststellung ber Tatsache, baß Sowjetrußlanb ben Augenblick zum direkten Eingreifen in China als gegeben ansieht

Wir befürchten ernstlich, daß Nanking einen bloßen Papierpakt gegen seine politische Handlungs­freiheit eingetauscht hat, daß ferner für Nankina eine tatsächliche Abwehr des Bolschewismus jetzt noch weniger möglich wird, als bisher und daß drittens die Entfesselung eines Meltbrandes im Fernen Ollen burch bie loaischerweise jetzt einaetre- tene Verschärfung Tokio-Moskau in noch arößere Nähe gerückt ist, als bisher Denn währenb Japan wie wir das hier schon auseinanberfehten, die bol­schewistische Umzingeluna seines Verbündeten Man dschukuo im Wellen und Südwellen aus lebens­notwendigen Gründen verhindern muß, wird Mos­kau jetzt mit aller Wahrscheinlichkeit die günstige Gelegenheit der direkten Einmischung in China baw benutzen um den chinesisch-japanischen Krieo solange hinzuziehen, bis es hoffen kann, daß Ia- pan llch dabei finanziell verblutet Daraus ergibt sich wiederum für Japan die Notwendigkeit sehr schneller und vernichtender Schläge Niemand ver­mag heute zu faaen wer in diesem Kampf der schnellere sein wird Niemand aber auch wird glau­ben wollen daß Moskau nicht die ganze chinesische Hand nimmt oder vielleicht schon aenommen hat. wenn ihm nur ein Finger hingestreckt wurde, wie man es in Nankina gern sehen möchte.

Die chinesische Zentralregiemng hat einen Schritt getan her für den chinesischen Staat verhängnisvoll werden kann Sie gab dem Bolschewismus die glei­chen Chancen, die ihm non ben führenden Mächten des Völkerbundes beispielsweise *n Genf und, in Montreur gegeben wurden Moskau^ wird feine Möglichkeiten in Fernost mit um so größerer Ener­gie zu nutzen wissen, als die erste große Unter- nehmuna des Bolschewismus in Westeuropa (Spg- nien) allen, Anschein nach für Moskau mit einem schweren<-kfck>laa enden dürste. B. R-

Der iiwtimM-enMsche Zwischenfall.

London 31 Aug. (DNB. Funkspruch.) Der englisch-japanische Zwischenfall wird heute nur von wenigen Blättern ermähnt.Daily Mail" meldet aus Tokkv, der einzige Punkt, der nach japanischer Ansicht wahrscheinlich Schwierigkeiten bereiten werde, sei eine angemessene Bestrafung für d i e Flieger, die für den Angriff auf den britischen Botschafter verantwortlich sind Man sei ber Ansicht, daß ein s ch a r f e s V o r g e h e n gegen

Japanischer Lustangriff aus Kanton.

Tokio, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung der Agentur Domei haben japa­nische Bomber einen Luftangriff auf den Flug­platz und die militärischen Anlagen der großen südchinesischen Hafenstadt Kanton durchgeführt. Die in der Stadt lebenden japani­schen Staatsangehörigen einschließlich der Beamten des Generalkonsulats waren vor dem Angriff auf Veranlassung der japanischen Regierung Abtrans­port i e r, worden. Politische Kreise messen der Bombardierung Kantons erhebliche Bedeutung bei, da auf diese Weise eine Ausdehnung des japanisch­chinesischen Konfliktes auf das britische Ein­st u h g e b i e t in Südchina zu befürchten sei.

Chinesischer Rückzug im Norden.

Bewaffnete Banden plündern europäifche Missionen.

P e i p i n g, 30. Aug. (DNB.) Nach ber Besetzung der Kalgan-Peiping-Bahn burch bie Japaner be- finben sich bie chinesischen Truppen fast überall in ungeordnetem Rückzüge in südwestlicher Richtung burch bie Berge unb bie Ebene westlich von Peiping, um bie bei Lianghsianghsien stehende chinesische Armee zu erreichen. Äon den zu- rückflutenden Abteilungen sind viele Orte, darunter auch Paomachana, geplündert worden. Das bekannte katholische Seminar La Cuvette, wenige Kilometer nördlich des Sommerpalastes, in bem 5000 chinesische Flüchtlinge von französischen Priestern betreut werben, fiel ebenfalls einem An­griff zum Opfer. Ein Pater wurde schwer ver­

wundet, mehrere andere sollen verschleppt worden sein. Die Japaner entsandten daraufhin eine Strafexpedition.

Die PariserEpoque" berichtet ebenfalls aus Peiping, daß eine bewaffnete Bande ein f r a n z ö - sisches Seminar in der Nähe von Peiping geplündert hätte. Der Prior des Seminars sei durch mehrere Brustschüsse schwer verletzt worden. Geld und Wertsachen zahlreicher Flüchtlinge von der Missionsstatton seien geraubt worden. Acht französische, drei ungarische, zwei holländische, ein spanischer und ein italienischer Pater seien a l s Gefangene unter Lösegeldforderungen mitgeführt worden. Wie verlautet, hat daraufhin eine japa­nische Truppenabteilung die Sorge für Ordnung und Sicherheit der Weißen in dieser Gegend übernommen.

Chinesische Note an den Völkerbund.

Genf, 30. Aua. (DNB.) Der chinesische Ver- treter beim Völkerbund hat dem Völkerbundssekre­tariat eine ckmfangreiche Note seiner Regierung übergeben, in der die Aufmerksamkeit der Mitgliedstaaten sowie der Vereinigten Staaten von Amerika (in ihrer Eigenschaft als Mitglied des feit 1933 bestehenden beratenden Ausschusses für den chinesisch-japanischen Konflikt) auf die in Asien ent­standene neue Lage gelenkt wird.

Heuler meldet:China macht mobil".

London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Schanghai meldet, hat die chinesische Regierung die Mobilmachung aller Waffenfähigen angeordnet.

Chinesische Bomben aus einen amerikanischen pasiagierdampser.

L o n d o n , 30. Aug. (DNB.) Der 22 000 Tonnen große amerikanische PassaaierdampferPresi­dent Hoover", der am Pangtse vor Schanghai liegt, wurde am Montag von vier Flugzeu­gen mit Bomben belegt Das Schiff erbat ärztliche Hilfe von den umliegenden Schiffen Der englische KreuzerCumberland" der nur etwa ünf Seemeilen entfernt lag, eilte dem Schiff zu Hilfe. Wie Admiral Yarnell, der Befehlshaber der Asienflotte der Vereinigten Staaten, dem Marine­amt in Washington mitteilte, wurden auf dem Dampfer sieben B e s a tz u n g s m i t g l i e d e r i ch w e r unb zwei Fahrgäste leicht ver­letzt. Im Schiffsrumpf seien über der Wasserlinie größere Löcher entstanden.President Hoover" lich­tete sofort die Anker und fuhr in Richtung Kobe ab.

Der Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in den chinesischen Gewässern hat den amerikanischen DampferPresident Mae Kinley" angewie­sen, nicht Schanghai anzulaufen, sondern sich nach Japan zu begeben Ferner hat er allen amerika­nischen Schiffen Weisung gegeben, bis auf weiteres nicht in die Gefahrenzone von Wusung und des Pangtse-Feuerschiffes einzulaufen.President Hoo­ver" hatte den Auftrag, amerikanische Flüchtlinge aus Schanghai nach Manila zu bringen An Bord befanden sich 257 Fahrgäste und 320 Mann Besatzung Eine amtliche Mitteilung aus Washington besagt, daß alle amerikani­schen Frachtdampfer vor dem Anlau- fen Schanghais gewarnt worden sind Die rund 300 amerikanischen Flüchtlinge, die von dem DampferPresident Hoover" ausgenommen werden

sollten, werden nun von einem amerikani­schen Kriegsschiff abtransportiert Die be­schleunigte Räumung der Stadt von den noch in Schanghai weilenden 2000 amerikani­schen Zivilpersonen ist geplant Das Oberkommando der Flotte glaubt, daß sich in den ostasiatischen Gewässern zur Zeit genügend Schiffe aufhalten, um den Abtransport bewerkstelligen zu können.

AmenkanischerproteftinRanking

China sagt Wiedergutmachung zu.

Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Nanking sprach im chinesischen Außenamt vor, um die Aufmerksamkeit der Regierung auf den Zwi­schenfall zu lenken. Die chinesischen Stellen haben amtlich mitgeteilt, daß chinesische Bomben­flugzeuge für den Angriff auf denPresident Hoover" verantwortlich sind. Nach der chinesischen Darstellung hatte ein chinesisches Aufklärungsflug­zeug gemeldet, daß 10 japanische Trans p o r t s ch i f f e 50 Meilen vor Schanghai gesichtet worden seien. Daraufhin wollten chinesische Flug­zeuge die Transportschiffe mit Bomben belegen, bodj sei eine von den sieben abgeworfenen Bomben zufällig auf den in der Nähe der japanischen Transportschiffe liegenden amerikanischen Dampfer gefallen Die Nanking-Regierung hat unverzüglich den chinesischen Botschafter in Washington ange­wiesen, i h r Bedauern über den Zwischenfall auszusprechen und Wiedergutmachung zu­zusagen.

einen Offizier der Luftstreitkraft auf Wunsch einer anderen Macht bie japanische 0e ff e ntli ch - feit beleidigen würde, die der Auffassung fei, daß Armee und Flotte nur dem Kaiser ver­antwortlich seien.

Dr. von Siohrer Botschafter von Salamanca.

Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Botschafter z. D Dr. von StohrerzumBotschafterinSalamanca ernannt

Der neue Botschafter wurde 1883 in Stuttgart als Sohn eines württernbergischen Generals gebo­ren Jrn diplomatischen Dienst des Reiches war er seit 1909 in Sofia, London Brüssel unb im Aus­wärtigen Amt beschäftigt. Während der Kriegszeit war er zweiter Sekretär bei der Deutschen Botschaft i n Madrid 1919 wurde er Legationsrat im Aus­wärtigen Amt, 1923 Dirigent der Vereinigten Presseabteilung der Reichsregierung und 1924 als Ministerialdirektor Leiter der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes. Seit November 1926 vertrat er das Reich in Kairo Im April 1936 verun­glückte er bei einem Ausflug mit dem Auto in der Wüste und wurde erst nach viertägigem Suchen durch ein britisches Fliegerkommando wieder auf­gefunden. Im Juli 1936 war er zum Botschafter in Madrid ernannt, hatte aber damals sein Amt in­folge des beginnenden Bürgerkrieges nicht antreten können.

Das Lufthansa-FlugzeugNordwind" in Neuyork.

Das zweite Lufthansa - Nordatlantik - Flugzeug Nordwind", das in letzter Zeit von Trave­münde nach Horta (Azoren) aus dem Luft­wege übergeführt wurde, hat in 16stündigem Fluge den Nordatlanttk überquert. Das Flugzeug wurde um 3.30 Uhr früh vom FlugstützpunktFriesen­land" bei Horta abgeschleudert und ging nach stö­rungsfrei verlaufenem Fluge um 19.35 Uhr im Wasserflughafen von Neuyork nieder. Mit diesem Fluge wurde von der Deutschen Lufthansa der zehnte durchgehende Nordatlantikflug beendet Auch bas FlugzeugNordwind" wurde, wieNord­meer", von der Hamburger Flugzeugbau-G. m. b. H. (Blohm & Voß) für bie Lufthansa gebaut.

Bodenreform.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Die beiden Jahrzehnte feit dem Weltkrieg haben von der politischen, von der wirtschaftlichen und von der Seite des Naturgeschehens mehr Agrar­probleme gezeitigt, als es vorher in Jahrhunderten der Fall war. Eben haben wir die Ansprache Mussolinis über die landwirtschaftliche Erneue­rung Siziliens vernommen. Auf die scharfe politische These: Kein Bolschewismus im Mittel­meer! ist die national-wirtschaftliche gefolgt: Sizi­lien soll für das italienische Volk wieder werden, was es im Altertum für das römische war, eine Kornkammer. Die meisten kennen Sizilien nur von den berühmten Orten an seinen Küsten her: Palermo, Taormina, Syrakus, Agrigent. Wer im Innern der Insel reist, hat das seltsame Bild zahl­loser Felder und Feldstücke; die einen mit Weizen bestellt, die andern mit Bohnen, aber kein Dorf, kein Bauernhaus steht dazwischen. Der sizilianische Bauer ist immer noch zum großen Teil Pächter eines kleinen Stückchen Land, das zu einem Lati­fundium gehört Der Besitzer sitzt irgendwo in Pa­lermo, Rom oder Neapel und zieht die Pacht ein. Der Pächter raubt den Boden aus und wandert zur Saat- und Erntezeit jeden Morgen und jeden Abend stundenlang von irgendeinem eng gebauten, winkligen Bergnest, wo sich zehntausend und mehr Menschen zusammendrängen, mit seinem Maultier auf sein Ackerstückchen. Das schreibt sich noch von der Zeit her, wo bewaffnete Feinde ins Land fielen und Räuberbanden es unsicher machten. Zum Schutz vor ihnen drängte sich das Landvolk in be­festigten Plätzen zusammen. Jetzt sollen die Lati­fundien aufhören, der Bauer soll lernen, auf dem Lande zu wohnen und das Land, sein Land, zu pflegen. Dann, hofft man, wird diebattaglia del grano, die Kornschlacht, auf Sizilien den dop­pelten Ertrag gegen heute bringen.

Latifundia perdidere Italiam, der Großgrund- besitzt hat Italien zugrunde gerichtet, hieß es schon im alten Rom. Dies Wort hat in unseren Tagen eine verhängnisvolle Bekräftigung in Spanien gefunden. Spanien wäre nicht das unglückliche Land, das es heute ist, wenn vor dreißig Jahren "ine spanische Regierung den Willen unb die Kraft gehabt hätte, ein gehöriges Stück von dem uner­meßlichen Landbesitz der alten Granden-Familien und der modernen Bodenaufkäufer mit Staats­mitteln zu enteignen und durch eine staatlich geför­derte Organisation an die Heimat- und besitzlosen, nomadisierenden Landarbeiter aufzuteilen. die in allen mittel- und westspanischen Provinzen unb darüber hinaus die bauernlose Scholle bearbeiten mußten und vom Verwalter oder Pächter geringen Lohn und Behandlung wie Hunde empfinaen. Franco hat mit seiner Zusage einer Agrarreform gezeigt, daß er die Wunde kennt, an der Spanien im Innern krankt nur daß inzwischen das halb­wilde Hirten- und Landarbeiter-Proletariat sich schon eigenmächtig den Besitz der geflüchteten ober non den Roten ermordeten Grundaristokratie an­geeignet hat. Ordnung in diese Verhältnisse zu bringen, wird keine leichte Aufgabe sein.

Bodenreform will verstanden werden. Als nach bem Weltkriege die rumänischen Bauernmas- sen, die bis dahin auch nur ein halb höriges D"^in auf den Ländereien abwesender Großgrundbesitzer geführt hatten, von bolschewistischen Agenten aus- gereizt, mit der Agrarrevolution drohten, griff man auch zur Bodenreform unb befretierte, neun Zehn­tel des landwirtschaftlich bebauten Großorund- hesitzes seien zu enteianen und den bisher b-fitz- fofen, auf sehr niedriger Kulturstufe ftehm^n Kleinbauern als Eiaentum zu übertragen. Die da­für geleistete Entschädigung geschah unordentlich unb willkürlich, den Bauern gab man weder Kre­dit, noch Anweisung zur verbesserten Bodenh"stel- Jung; das Inventar der aufgeteiUen Güter verkam, jede intensivere Bodenkultur hörte auf, bie frühe­ren Besitzer zogen jeden erhältlichen Groschen aus der Landwirtschaft heraus, um ihn lieber in ae- lchäftliche Unternehmungen zu stecken, unb da« Er­gebnis war Verrinoeruna statt Vermeh»-"ng der jährlichen Ernten Das aefchah auf einem Bo­den, der bei halbwegs intensiver B"arbeituna Ernte- menaen liefern kann, die für rnitteleuroväische Ver­hältnisse fast unataubrourbia erscheinen. In Ru­mänien unb in den andern Balkanländern ist es auch nicht damit aetan, daß die Getreideernte ver­größert wird (Betreibe wird auf dem Weltmarkt, auch wenn Hunderte non Millionen Menschen in China, Indien und anderswo hunaern, soviel und fo billig anaeboten, daß es darauf ankommt den Körnerbau durch besser verwertbare Gewächse, O e l f r ü ch t e vor allem, zu ersetzen Das gilt für die Länder, die bisher von ihrem Aarorervort ge­lebt haben- es gilt nicht für ein Land wie Italien, wo die Bodenreform den Zweck hat. bie Nation von ihrem eignen Grund und Boden zu ernähren.

Bodenreform" kann auch nationalistische Ziele vergolden. In der Tschechoslowakei wurde der Umfang der Graßaüter scharf beschränkt, massenhaft nrioater Waldbefitz wurde enteignet, um vor allen Dingen das Tfrhechentum zu stärken. Tschechische Bauern und Arbeiter wurden reich be­dacht, die Sudetendeutschen ginaen feer gus. In Bolen werden fast nur deutsche Güter von ber Enteianung unb Aufteilung betroffen, am volni- schen Güterbesitz wirb wenig gerührt Als bie Let- ten und Esten ihren nationalen Staat bekamen, boten ihnen die baltischen Gutsbesitzer freiwillig bie Hälfte ihres Landeiaentums zur Aufteilung an let­tische und estnische Bauern an. Dies Zugeständnis war unter den veränderten Verhältnissen fair und notwendig, aber es wurde nicht aheotiert. sondern man nahm denbaltischen Baronen" das Ganze fort (die belassenen minimalen Restgüter und die