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HrJZb Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 31. Zull 1957

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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Siurmsahlt aus der Ostsee

Am Strande bei bewegter See. (Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a.M.)

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W des Reisens Don Dr. Karl Aeurath.

oder an die norwegischen Fjorde, wenn man zu den Kanarischen Inseln reist oder ins Mittelmeer, dann kann solch eine Reise sogar ein Erlebnis werden , . denn und das ist das herrlichste beim Reisen schon am zweiten Tag ist man trotz aller steif bewahrten Würde ein wenig anders geworden, denkt man nicht mehr so ausgiebig an seine häus­lichen Sorgen, denkt man nicht mehr daran, daß man sonst um diese Zeit aus den Briefträger wartet oder auf das Mittagessen, oder daß es an der Zeit wäre, an den Stammtisch zu gehen oder seine Tabletten zu nehmen ...

Das liegt alles ganz plötzlich weit zurück ... das Reiseglück ist unversehens über einen gekommen, und man schert sich verteufelt nicht mehr darum, ob nicht heute vielleicht Skatabend ist oder Kränz­chen ...

Und dann ist die Welt noch einmal so schön ge­worden, fast eine neue Welt, und man sitzt mit den Holzknechten am Biertisch und lernt, denSchmalz­ler" richtig aufnehmen, oder man brütet mit dem Herrn Posthalter überm Tarock, oder wirft der Resl einen kühnen Blick zu, wenn sie die frische Maß auf den Tisch haut ... Vielleicht hockt man auch mit einem Fischer vor seiner Kate und schaut weltvergessen aufs Meer hinaus, oder man steht in der Abendsonne ergriffen auf einem Schwarzwald­berg und sieht die Sonne versinken über den freund­lichen Höhen ... oder man hört einen Bach übers Mühlrad rauschen, das sofreundlich" knarrt, wo man daheim doch schon über eine schlecht geölte Tür­angel aus dem Häuschen gerät ...

Und man genießt seine Freiheit, wo es eben ist, und freut sich, daß die Erde so schön und die Men­schen so nett und das Essen so gut ist, wenn es auch längst nicht an die Kochkunst der eigenen Frau her­anreicht, und ist beglückt vom Rauschen des Waldes oder der ewigen See, von der Wärme der Sonne oder der Kühlung des Windes und genießt einen jeden Tag mit voller Hingabe ...

Und dann beginnt es plötzlich anders zu werden und man weiß gar nicht, was eigentlich los ist ... Der Bademeister ist so höflich wie stets, aber etwas ist nicht in Ordnung ... irgend etwas stimmt nicht ... Und dann fällt einem plötzlich ein, daß man ein Heim hat, das eigentlich sehr gemütlich ist, viel ge­mütlicher jedenfalls als die niedrige Bauernstube oder das nüchterne Gasthofzimmer, ja selbst als die blitzende Schiffskabine ... Das Heimweh ist da, die Ferien haben genützt, man ist wieder auf der Höhe, die Arbeit kann also neu beginnen; man ist ge­rüstet auf das Werktagsleben mit feinen Anforde­rungen ...

Glück des Reisens! Hin sowohl als zurück ... Und man freut sich, daß dann wieder alles feinen gewohnten Gang geht ... Manchmal denkt man noch an die fesche Resl, und das ist ganz in der Ordnung, man denkt, daß jetzt, so gegen sieben Uhr, der Postmeister am Tarocktisch erscheint, man fragt sich, mit wem die hübsche Blonde heute wohl am Strande liegt, was Jan, der Fischer, heute wohl gefangen hat, ob die Mühle immer noch so knarrt ...

Man ist noch eingesponnen in einen ganz ande­ren Lebensablauf ... wie man es vor drei oder vier Wochen auch war ... man ist noch zwischen draußen und daheim, man ist nicht ganz zufrieden ... aber auch das geht allgemach vorüber und es bleibt eine schöne, eine beglückende Erinnerung, es bleibt das Grück des Reisens, wohin wir auch immer unsereSchritte gelenkt hatten, und es bleibt die Sehnsucht nach der nächsten, denn Reisen, rich­tig Reisen, ist vervielfältigtes Leben ...

Der letzte schwedische Hafen, den wir auf unserer wochenlangen Segelfahrt anliefen, war V i s b y , Stadt der von Rosen überwucherten Ruinen, wo die Geister einer stolzen Vergangenheit lebendiger scheinen als die paar tausend friedlicher Burger, die heute zwischen den Trümmern kriegerischer Wachttürme und frühgotischer Kathedralen ihrem Gewerbe nachgehen.

18 Uhr, wir nähern uns schon der Sudspltze der Insel, da kommt eine frische Ostbrise durch. Viel­leicht nur ein Landwind, der bei Sonnenuntergang wieder schlafen geht. Darum rasch die Stunden nützen und den Motor abgestellt. Beim Abendgrog werden die Nachtwachen verteilt, zweistündig, mich trifft es von 23 bis 1. Aber ich kann mich nicht entschließen, vorher zur Koje zu gehen. Es ist zu schön an Deck bei zunehmender Dunkelheit und zu­nehmendem Wind. Um 23 Uhr löse ich ab. Nun bin ich ganz allein beim Schein der Kompaßlaterne in Meer, Nacht und Wind. Es ist bezogen und sehr finster. Wo sind die geisterhellen Nächte von Stock­holm? Die See rauscht in schwarzen Wogen, Masten und Stangen ächzen unterm Druck der vollen Segel, der Wind pfeift und heult im Tauwerk.

Kurz vor 1 Uhr, ohne daß ich zu wecken brauche, kommt der Kapitän zur Ablösung. Wir fieren alle Schooten auf, damit der Druck auf dem Ruder nachläßt. Ich bleibe oben, rolle mich feft in Mantel und Decke. Nach kurzem Schlummer wache ich aus steif von Kälte und dem harten Lager. Es wird chon H. Di- See tost in graugrünen Wellen- bergen, die jetzt von achtern kommen. Ich begreife endlich: das ist kein kurzer Sommersturm, das ist einer von den ausgewachsenen Nordoststurmen, wie sie in der Ostsee gewohnt sind und drei Tage dauern.

Der Kavitän sagt:Wird die Großschoot halten?" Der Bootsmann zuckt die Achseln. ''$$enn sie reißt", sagt der Kapitän,verlieren wir den Grotz- baum und dann auch den ^Raft. Der Boots­mann holt eine neue starke Troß, um den Groß- baum zu stützen. Wir zurren die Troß fest und fieren die Großschoot so weit auf, daß sie ent- ^^DasPfahle Morgenlicht erwärmt sich allmählich, die gurgelnde See füllt sich mit rosigen Lichtern. Endlich die Sonne! Gottlob, denn es ist grausam kalt Aber noch bevor sie Kraft gewinnt, wird sie von schwarzer Wolkenwand verschlungen. Wir haben das Manöver gerade noch zur rechten Zeit ausaeführt, der Sturm wird immer noch harter, schwillt zum Orkan. Die See türmt sich haushoch achtern stürzt in schweren Brechern über uns weg. Alle paar Minuten ist das ganze Deck in einen reißenden Sturzbach verwandelt. Jeder muß sich mit aller Kraft festhalten, um nicht über Bord ge- spült zu werden. Der Orkan schwillt bis Mittag. Gegen 15 Uhr fängt es an, in Strömen zu regnen, t Das schlägt den Sturm etwas nieder. Es wird so­weit ruhiger, daß man daran denken kann, her- --- .e..- Unten ein

Spektakel, als sollte die Welt untergehen. Die paar Schritt bis zu meiner Koje eine Ewigkeit lang.

Abends schickt der Kapitän zu mir herunter, die deutsche Küste sei in Sicht. Ich gehe hinauf. Es ist stiller geworden, aber die Dünung rollt noch sehr hoch, und es regnet. Ein paar Seemeilen vor­aus blinkt durch die Abenddämmerung und Regen tröstlich das Hafenfeuer des Heimatstädtchens. In etwa einer Stunde müssen wir da sein. Ich gehe wieder hinunter, um etwas zu essen. Mittag gab es heute nicht, und das Vesperbrot habe ich ver­schlafen. Mit meiner einsamen kalten Mahlzeit sitze ich am Kajütentisch. Plötzlich prasselt es gegen Skylicht und Bullaugen: Regen, Hagel, Regen. Wasser strömt durch alle Ritzen in die Kajüte. Zu­gleich fängt das Schiff von neuem an, wie wahn­sinnig zu schlingern und zu stampfen. An Deck Rennen und Rufen.

Ich verstaue rasch, ziehe wieder Oelzeug an und gehe nach oben. Verschwunden die Küste, alle Lichter ertrunken, Nachtschwärze, unter uns toben­des Wasser, strömendes Wasser über uns, undurch­dringliche Wasserwand zwischen uns und der Welt. Nur nach dem Kompaß noch Orientierung möglich. Der Sturm brüllt. Wir jagen der Küste zu, wie nah sind wir schon? Der Bootsmann steht mit dem Lot am Bug: 20 Meter, 15 Meter, 8 Meter, 6 Meter! Hart dreht Der Kapitän nach Steuerbord. Nun geht es westlich, die Küste entlang, nur nach Kompaß und Lot. In dieser Nähe müssen doch die Hafen­feuer wieder austauchen! Ab und zu ein Schrei: Licht an Backbord!" Aber schon ist es wieder ver­schwunden. Acht Augen bringen in die Finsternis.

Wir wenden und wenden wieder, hin und her an der Küste und können den Hafen nicht sinden. Einmal brüllt der Bootsmann:Drei Meter Wasser!" Und dicht vor uns rollt gespenstisch weiß die Strandbrandung. Das war knapp.

Es ist ganz plötzlich, daß es heller wird. Back­bord voraus die Molenfeuer. Aber die Einfahrt ist schmal, sehr schmal. Wird der Kapitän sie wagen bei Nacht und Sturm?Nur mit voller Beseglung und mit Motor", sagt er. Der Motor springt nicht an. Der Bootsmann kommt nach einer halben Stunde schweißbedeckt aus dem Maschinenraum. Nichts zu wollen, der Sturm muß ihm zu sehr zu­gesetzt haben. Der Kapitän will die Einfahrt trotz­dem wagen. Lieber als noch länger bei dem Wetter hier draußen bleiben.

Ich muß das Ruder nehmen und das Schiff in den Wind drehen, während die Männer mit fast übermenschlicher Anstrengung Besan und Fock setz­ten. Dann Oelzeug aus und Schwimmwesten an! Wir schießen auf Die Molen zu, dicht vor unseren Augen tanzen das rote und das grüne Licht. Ret­tung oder Untergang? Jetzt: eine mächtige See hebt uns achtern, wirft uns voraus. Ruhiges Wasser, weit achtern die Molenköpfe.

Wir sind im Hafen. I.C.

das Bild spiegelt, die im Abendschein so leicht wir­kende Brücke, auf der, wie seit Jahrhunderten, tief verschleierte Mohammedanerinnen hin und herwo­gen, alles löst die Beklemmung, die die Fahrt durch die kahlen Berge schiU.

Europa und doch Orient. Ich bin zu müde, an die­sem Abend noch einen Bummel durch Die Stadt zu machen. Ich schaue mir mein Unterkommen für die Nacht an, lasse Bettzeug abnehmen, obwohl mir ver­sichert wird,es haben doch erst acht Mann in den letzten zehn Tagen Darauf geschlafen", und kann nun mit einiger Beruhigung an eine erträgliche Nacht denken.

Immer wieder interessant war das Abendessen. Was es eigentlich war außer dem Fisch wußte ich nicht und habe es während meines Aufenthaltes in Jugoslawien, Albanien, dem OrDmt auch nie genau sagen können. Scharf gewürzt na­türlich, mit viel Zwiebeln und Hammelfett und Hammelfleisch, aber es war immer schmackhaft, trotz des ewigen Hammelfettes, dessen Geruch einem im ganzen Lande begegnet.

Von dem Fisch aber muß ich noch etwas sagen. Die Kalksteinflüsse Jugoslawiens, besonders die von Bosnien und der Herzegowina, sind ein wahres Anglerparadies. Riesige. Exemplare finden ihren Weg aus den nördlichen Flüssen des Landes bis hierhin, darunter Störe von oft 500 bis 600 Pfund Gewicht. Mein Wirt bereitete mir am ersten Abend ein herrliches Fischgericht von den berühmten jugo­slawischen Forellen, die der Staat in einer eigenen Zuchtanstalt zu Jlidza bei Sarajewo züchtet.

Am gleichen Abendkostete" ich übrigens auch von dem herrlichen Mostarwein. Selten habe ich eine so traumlose Nacht gehabt.

Durch den Karst.

Jugoslawische Reisebilder.

Don Olav Eölmund

Don Dubrovnik ober Ragusa aus wollte ich meinen Vorstoß ins Land beginnen. Aus meinen Gedanken rief mich die Stimme des Autoführers. Der Wagen stand schon bereit. Ich warf noch einen Blick auf die sommerlich ruhende Adria, einen Blick hinauf auf die Berge in denen bald der Motor fein Lied hämmern würde, zahlte, packte meine we­nigen Habseligkeiten, und bald versank Dubrovnik unter mir, während der Wagen im Zick-Zack die Steilwände erkletterte. Montenegro, das Land der Schwarzen Berge, nahm mich auf. Noch blinkte mir hin und wieder die blaue Adria zu, glitt der Wagen unter schattigen Bäumen empor zum Gipfel, von wo die Stadt unter mir mit ihren festen Wal­len wie aus einer Spielzeugschachtel gefertigt aus­sah. Das Meer lag da wie ein leuchtender Teppich, Darin gelbgraue Tupfen, grüne Farbkleckse gewebt waren. Es war wie ein letzter Gruß, Denn schnell war Der Wechsel Des BilDes, als fei plötzlich em Vor­hang gefallen

Jetzt ging es in steilen Windungen auf und ab durch Herzegowinas Karstlandschaft, die mit ihren dunklen Felsen, die abgelöst wurden von grellde- schienenen Steilwänden, bis zum Gewoge des la­stenden Himmels aufstrebten. Eine Landschaft von erdrückender Trostlosigkeit und beängstigender Wild­heit. Aus den seewärts gelegenen Abhängen quel­lende, südländische Fruchtbarkeit Wr nacktes, unfruchtbares, felsenbedecktes Tafelland.

Stunden um Stunden ging es durch diese Ein­öde, eine Bratpfanne der Hölle. Das Donnern des Motors machte die Ohren für andere Geräusche taub. Gluthitze strahlte von den Felsen wider zit­ternde Luft tanzte über dem Gestein. Hoch im Blau des Aethers kreisten verloren einige Raubvogel Hin und wieder ein ungefüges Mauerwerk aus gebro­chenen Steinen, ohne Dach, dann in der Ferne em Hirte mit weitwehendem Umhang, wo und wie mochte die Herde hier leben?

Plötzlich erscheint hinter einer bleichen Felswand eine grüne Fläche, Gestrüpp auf kärglichem Gras- dodem Dann fällt der Blick auf eine Oeffnung im Felsen. Auf dem Boden breitet sich em grüner -Eep- pich. Es ist eineKarsthöhle" die vermutlich über einem der zahllosen, unterirdischen Nußlause liegt, die dieses schwammartige Saltftemgebiet durchbre- chen und irgendwo im Meer verlausen.

Wieder taucht vor uns Grün aus. Es ist eine polse" ein langgestrecktes Feld von etwa 20 Kilo­meter Länge, aus dem emsige Bauern ihre Sense schwingen. Einwohner bei der Heumahd. Ich steige aus. Will mich etwas vertreten und von der Fahrt ^Ein"fröhlicher alter Bauer in seinem !"rbenprä- tigen Gewand gibt mir Auskunft. Ich radebreche italienisch er auch, aber wir verstehen uns. Ich erfahre, daß diespolse" im hinter durch Regen und aussteigende Quellen einen See bildet von 20 Meter Tiefe. Die Wasser aberfictern WnJI. m durchlässigen, ausgehöhlten Kalkboden Ss bleib ober genügend Feuchtigkeit da um >m Sommer einer großen, saftigen Wiese f\u

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Zwei Tage an Lahn, Rheni und Mosel.

1. Tag: Bad Ems Ober-Lahnsleiner Forsthaus Braubach bzw. Boppard.

Mit dem Frühzuge fahren wir durch das schöne Lahntal nach Bad Ems. Nach Besichtigung der reiz­vollen Badestadt, insbesondere der Trink- unb Kur­anlagen, wandern wir durch das anmutige Braune­bachtal zum Ober-Lahnsteiner Forsthaus, einer hübsch gelegenen Waldschenke. Von hier auf der Landstraße, roten Vierecken nach zum Rhein, der bei Braubach erreicht wird. Auf der Höhe vor Brau­bach bieten sich herrliche Blicke auf die Stadt mit der Silberhütte, auf zahllose Weinberge und unseren deutschen Strom. Nachdem wir noch auf der auf stolzer Höhe thronenden Marksburg, der einzigen unzerstört gebliebenen Rheinfeste, einen Besuch ab- gestattet haben, fahren wir mit einem Dampfer nach dem am anderen Rheinufer liegenden Boppard, wo wir Unterkunft für die Nacht suchen. Wanderzeit knapp 3 Stunden.

2. Tag: Boppard Buchholz Ehrenbachklamm Brodenbach Löf.

Nach einer Besichtigung der Stadt benutzen wir am frühen Morgen des anderen Tages die inter­essante Strecke der Hunsrückbahn zur Auffahrt. Auf der etwa 6 Kilometer langen Strecke Boppard Buchholz hat die Bahn 326 Meter Steigung zu Überwinden. Dabei fährt der Zug über hohe Dämme und Stützmauern, durch Felseinschnitte und Tunnels hindurch, prächtige Ausblicke nach allen Seiten ge­während. In Buchholz beginnt die Wanderung durch hübschen Fichtenwald auf einsamen Waldwegen dem Ehrbach entlang in das gleichnamige Tal, eines der schönsten Seitentäler an Rhein und Mosel. An Burg Schöneck und vielen Mühlen vorbei führt der Weg. Immer enger wird das Tal, hohe Felswände treten dicht an den Bach heran, über den verschiedene Stege führen. Ueber mächtige Felsen tost das Wasser, in das sich mehrere Seitenbäche, hübsche Wasserfälle bildend, ergießen. Etwa % Stunden dauert die Wanderung durch das wildromantische Tal, die sog. Ehrenbachklamm, dann geht der Weg durch ein lieb­liches, von Waldbergen umsäumtes Wiesental an der malerisch gelegenen Ehrenburg vorbei nach Broden­bach an der Mosel. Hier lassen wir uns an das jen­seitige Flußufer übersetzen, um nach Einnahme eines guten Tropfen Moselweines von Löf die Heimfahrt über Koblenz anzutreten. Wanderzeit 4 Stunden.

Heute wollen wir einmal ins Blaue reifen, hin uns der Zufall gerade treibt, denn wenn nicht ein besonderer Grund veranlaßt, oder unsere Gesundheit etwas anderes erfordert, dann ist ja nicht das Ziel der Reise das wichtige, das beson­dere und beglückende, sondern die Reise selbst, ja schon der Entschluß zur Reise ... Einmal heraus wollen aus dem Alltag, aus dem Amt mit seinem strengen Stundenschlag, aus dem Dienst mit seinem ewig gleichen Betrieb, aus dem Geschäft mit seiner unaufhörlichen Hast, aus der Küche und ihrer rast­losen, ständig drängenden Hetze . .. Einmal etwas ganz anderes tun, einmal ein völlig anderer Mensch fein ... das ist es, worauf es beim, Reifen vor allem ankommt ... Wer auf die Reffe geht und sich vorher nicht schon gründlich umgestellt hat, der hat sich des reinsten Genusses der Fahrt schon be­geben, und vom Glück des Reisens wird er nicht allzuviel zu künden wissen ...

Aber warum nicht? Auch das kann Erholung fein, denn nicht jeder beherrscht die Kunst des Rei­sens ... Dafür gibt es heute herrliche Einrichtun­gen, die Reisebüros, die alle Mühen übernehmen, alles besorgen und erledigen, was zu solch einer Reise gehört, und ihrenAuftraggeber" fix und fertig erholt wieder zuhause abliefern ... Wenn es gewünscht wird, bekommt man auch noch alle Se­henswürdigkeiten ausgeschrieben, die man angeblich gesehen haben muß ... Schöne Reisen können das sein, gewiß, ersprießliche Reisen, und wenn es mit einem unserer großen Seeschiffe ans Nordkap geht

Surgensahrt im Mnsterland.

Don Ediiha von Moers-Koenig.

Wen die Sommerreife in das schöne Rheinland bringt, der versäume nicht, M ü n ft e r und feine herrlichen Wasserburgen aufzusuchen, die Vergan­genheit lebendig werden au lassen. Bei der Einfahrt in das Dorf Lüdighausen biegen wir links ein zum Wasserschloß des Grafen Droste von V i s ch e r i n g. Die Burg wird bewohnt. Zwei breite Gräben umschließen Vorburg und innere Burg, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. We- nige der fremden Besucher, die die Burgen auf­suchen, werden wissen, daß diemalerischen" Erker über den Burggräben einem durchaus prosaischen und notwendigen Zweck dienten: eingeschnittene Herzen in den kleinen Erkern lassen keinen Zweifel über ihre einstige Bestimmung!

30 Kilometer sind es noch bis Münster. Mit dem Auto natürlich feine Entfernung. Aber vor hun­dert und mehr Jahren war es schon eine gute Ta- gesreise, und da die Droste gelegentlich nach Mün­ster fahren mußten, so ist die Entstehung der schö- nen Stadthäuser der westfälischen Grundbesitzer in Münster erklärlich. Diese Häuser heißen Hofe und sind eine Sehenswürdigkeit. Der Erbdrostenhof, Der TlerfelDer, Ramberger (jetzt Theater) .Bevervörder Hof unD manche anDere sinD in ihrer Barockarchi­tektur eine Zierde der Stadt.

Das nächste Ziel war Haus Havixbeck, ein Re­naissancebau mit einer Kirche aus dem 14. Jahr­hundert. Sonntägliche Stille liegt über Schloß, Gräben und Park, die Gepflegtheit zeigt ebenso wie in Vischering, daß der Besitz bewirtschaftet, das Haus bewohnt wird. Ueber Coesfeld geht es weiter nach Westen, dem holländischen Grenzbezirk zu. Während wir um Münster herum noch viel Sandstein als Baustoff der Schlösser aber auch als Schmuck an Bauernhäusern und in den kleinen Städten und Dörfern fanden, tritt jetzt der Back­stein in den Vordergrund. Ein prachtvoller Bau zeigt sich in herrlichem Park in Schloß Velen der Grafen von Landsberg-Velen; auch hier fehlt Der Wassergraben nicht, obgleich Dieses Schloß ihn sicher nicht mehr zur Sicherung vor FeinDen ge­braucht hat.

Gemen soll Die schönste Wasserburg Westfalens sein. Es ist müßig, Darüber zu streiten, welche Die schönste ist, jeDe ist in ihrer Art anöers, reizvoll, interessant oDer künstlerisch schön. Wie von großem Besitz mancherlei abbröckelte im Laufe Der Jahr- hunDerte, so bröckelt hier Der Putz vom Backstein* bau, die Hauptburg steht leer, nur Die Seitenflügel Dienen als Wohnungen. Eine richtige Zugbrücke führt über Die breiten Gräben, Die zur Zeit Der Erbauung sicher einen guten Schutz gegen feind- liche Angriffe boten. Das 17 JahrhunDert, in Dem sie erbaut wurde, war unruhig, und Die Horden

durch bebautes Land. rönnen nicht

mWSSÄÄS: tausströmenden Felswände, bis tt ^llt

.Plötzlich auf rote Dächer Zierliche Mmar^et Das Rot

unterzugehem Ich krirchr zur Luke.