Nr. 74 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 31. März 1937
Aus dem Reiche der Krau.
Die ArbettsdienWhrm'n.
Ein neuer Frauenberuf.
3n dem jährlichen Schulungslager der Obergau- Führerinnen des BDM. wurden auf der Grundlage des neuen Erlasses über die Staatsjugend auch die Fragen der Mädchenerziehung im nationalsozialistischen Staat eingehend besprochen. Besonders wertvoll waren im Rahmen dieser Besprechungen biß Ausführungen des Reichsarbeitsführers Hier! über den Sinn des weiblichen Arbeitsdienstes. Er erklärte die Arbeitsdienstpflicht für die Mädchen für ebenso notwendig wie für die Knaben und wies auf den Fortschritt hin, der in der Bereitstellung von 25 000 Dienstplätzen in diesem Jahr gegenüber 10 000 im vergangenen liege. Mit großer Befriedigung wurde vor allem die Mitteilung ausgenommen, daß aus der „Führerin im Arbeitsdienst" ein eigentlicher Beruf gemacht werden solle auf Grund staatlicher Ausbildung und Besoldung und vor allem auch der Möglichkeit eines Uebergangs in einen anderen Beruf bei entsprechendem Alter. Inzwischen haben auch die vom Reichsarbeitsführer ausgestellten Richtlinien über die Laufbahn der Arbeitsdienstführerin Gestalt angenommen und sollen demnächst verwirklicht werden. Die staatlichen Bestimmungen über Anstellung und Versorgung werden noch vorbereitet.
Die Führerinnentätlgkeit im Arbeitsdienst kann künftig nur ausgeübt werden, wenn zu einer vorbildlichen, nationalsozialistischen charakterlichen Haltung auch Führersähigkeiten, gute Allgemeinbildung, ausreichende landwirtschaftliche, hauswirtschaftliche und sozialpäd'agogische Fachkenntnisse kommen. Der Ausbildungsgang nimmt seinen Anfang mit dem Diensthalbjahr als Arbeitsmaid. Dann folgt eine halbjährige Dienstleistung als Kameradschaftsälteste. Bei Eignung zur Führerinnenlauf- bohn schließt sich eine zweijährige Beurlaubung zur Erlangung einer Berufsausbildung in einer haus- wirtschaftlichen, landwirschaftlichen oder sozialen Bildungsanstalt an, deren Kosten > aus eigenem zu bestreiten ist. (Als Praktikum gilt auch die Ausbildung als Volkspflegerin, Krankenschwester ober Fachlehrerin.) Hierauf erfolgt der Besuch eines sechsmonatigen Führerinnenlehrgangs, nach dessen erfolrgeichem Abschluß die Führeranwärterin zur Gehilfin ernannt werden und weiter aufsteigen kann.
Mit der Wertung der Tätigkeit als Führerin im Arbeitsdienst als eines auf fachliche Kenntnisse sich gründenden Frauenberufes ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zur Frauenarbeitsdienstpflicht getan. Ebenso wie die Wohlfahrtspflegerin sieht sich auch die Arbeitsdienstführerin in ihrer Tätigkeit unabgrenzbaren Anforderungen an ihre Persönlichkeit und ihren Einsatz an fachlichen Kenntnissen, Organisationsfähigkeit, psychologische und pädagogische Leistungen gegenüber, die die Spannkraft bis aufs äußerste beanspruchen.
Erfreulich ist die volle Einsicht in das Wesen des schönen aber auch anstrengenden, die Kräfte sehr beanspruchenden Berufes durch die maßaebliche Stelle, wie sie in den zu erwartenden Bestimmungen über Besoldung, Berufsausbildung und Anstieg zum Ausdruck kommen soll. Wenn die Arbeits- dienstpflicht für die Mädchen durchgeführt wird, werden innerhalb der großen Organisation, die dadurch bedingt sein wird, gerade für diejenigen Führerinnen, die über jahrelange praktische Erfahrungen verfügen, deren Alter und Spannkraft aber den Anforderungen des Dienstes nicht mehr voll gewachsen ist, sehr wertvolle Wirkungsmöglichkeiten gegeben sein.
Gewiffensttagen an die Hausfrau Ein Wettbewerb der „Reicksarbeitsgemein- schast Schadenverhütung"
In dem großzügigen Kampf gegen Unfälle und Schäden kann natürlich auch die Hausfrau nicht übergangen werden, deren „Betrieb" ja nicht minder kleinen und großen Unfällen ausgesetzt ist, wie nur irgendein großes Werk. So ruft die „Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung" die Hausfrauen auf, ihre Erfahrungen und — ihr Wissen in bezug auf Unfall- und Schadenverhütung in ihrem Bereich der Allgemeinheit zu vermitteln. Zu diesem Zweck führt die RAS. einen Wettbewerb durch, in dem sieben Gewissensfragen gestellt werden, nach deren Beantwortung die Bewertung und Preisausteilung erfolgt. Die beste Antwort kann auf den ersten Preis von 300 Mark hoffen; insgesamt stehen 3000 Mark zur Verfügung der Preisrichter, die in 250 Geldpreisen zur Verteilung kommen.
Die sieben Fragen sind folgende:
1. Wie mußt du deine Gasanlage behandeln, um vor einem möglichen Unfall sicher zu sein?
2. Was mußt du bei Verwendung von Elektrizität immer beachten?
3. Wie schützest du deine Wohnung vor Feuers- gefahr?
4. Wie sicherst du am zweckmäßigsten deine Haushaltsgeräte, damit durch sie kein Unglück entsteht?
5. Wie verhinderst du sonstige Unfälle in deinem Haushalt, die nicht mit einem Werkzeug oder Elektrizität Zusammenhängen (Ausgleiten, Stürze, Quetschungen, Verbrühen)?
6. Was tust du, wenn durch unglückliche Umstände doch einmal ein Unfall in deinem Hause geschieht?
7. Wie beugst du am besten Krankheiten vor und was tust du, wenn du selbst oder deine Kinder erkranken?
Man sieht, diese Fragestellung umfaßt ein weites Gebiet und bezieht alle Möglichkeiten ein, auch die des trotz aller Vorsicht eingetretenen Unfalles. Aber gerade in einem solchen Augenblick hängt oft die Begrenzung des eingetretenen Schadens auf fein Mindestmaß von dem umsichtigen und zweckmäßigen Verhalten der Hausfrau ab. Gewünscht wird von der RAS., daß bei der Beantwortung aller sieben Fragen die Verhütung von Kinderunfällen, die in der Statistik der häuslichen Unfälle noch immer ein beträchtliches Maß aufweisen, gewissenhaft berücksichtigt wird.
Die Antworten sollen, wie Hansgeorg Trurnit von der RAS. besonders betont, keine langen Abhandlungen und keine dichterischen Ergüsse, keine technischen Betrachtungen, sondern klare, kurze Aeußerungen sein. Wert gelegt wird ferner auf die
Mitteilung schlechter Erfahrungen und der Mittel und Mechoden, mit denen man sich geholfen und die Sache gebessert hat.
Dieser Wettbewerb, dessen genaue Bedingungen durch das April-Heft der RAS.-Monatsblätter „Kampf der Gefahr!" veröffentlicht werden, kann einen sehr fruchtbaren Gedanken- und Erfahrungsaustausch unter den deutschen Hausfrauen einlerten.
Daß solche der gegenseitigen Aufklärung und Belehrung dienenden Wettbewerbe eine Fülle sonst verborgen bleibender Kenntnisse und kluge Ratschläge auslösen können, war z. B. auf der Ausstellung zu sehen, in denen die Reichsbetriebsgemein
schaft 6, Eisen und Metalle, die wertvollsten Einsendungen der Oeffentlichkeit zugänglich machte, die ihr auf chren Reichswettbewerb über Unfall- und Schabenverhütung im Betrieb aus allen Teilen des Reichs zugeaangen find. Wenn dabei der Leiter der Reichsbecriebsgemeinschaft Mitteilen konnte, daß es in Sachsen gelungen ist, durch eindringliche Aufklärung die 'Unfallziffer der einschlägigen Betriebe von 116 im Jahre 1935 auf 2 im Jahre 1936 herabzumindern, beweist dies, daß die Selbsterziehung, die eingesetzt werden muß, sehr bald sichtbare Erfolge zeitigen kann.
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
IM
MWL.
Hüte im Frühjahr 1937 zeigt unsere heutige Modeskizze.
Modell 1 ist ein strenger kleiner Hut a u s m a i s» gelbem Perkalstroh mit dunkelblauem Rips- band. Der Rand ist an der Kante scharf nach unten gebogen und mit blauem Ripsband eingefaßt.
Der zweite Hut in Boleroform ist aus weißem Panama st roh mit einer Garnitur aus schwarzem Ripsband und rot-weißen Feder- pompons.
Der mittelgroße schwarze Exoten st roh- h u t (Modell 3) hat unter dem ringsum aufgeschlagenen Rand eine große Schleife aus weißem Waffelpique. Sein Rand ist mit schmalem, schwarzen Ripsband eingefaßt.
Modell 4 ist ein sportlicher, cremefarbener Filzhut mit kupferroter Bandgarnitur.
Aus enggeftepptem, schwarzem Taft ist der große Hut mit dem schmalen, schwarzen Ripsband und derveilchenfarbenenRanke.
H.
Unsere alten Model.
V. A. Einfachheit und Sparen am richtigen Fleck hat nicht nur schon Familien zum Wohlstand erhoben, nein, auch schon ein ganzes Volk. Auch heute müssen wir wieder sparen, und zwar nicht nur Devisen. Unser Sparen heißt „nichts umkvmmen lassen", „alles verwerten", „zweckmäßig verwerten".
Da sind z. B. unsere alten Möbel! Meist stehen sie irgendwo in einer Rumpelkammer oder werden an einen Aufkäufer verschleudert. Unsere Kinder, die demnächst heiraten, wollen sie ja doch nicht haben, und verkleinern müssen wir uns, denn die Wohnung ist dann zu groß, und die Aussteuer der Tochter kostet Geld.
Gemacht! — Es ist natürlich sehr schön, wenn wir unserer Tochter eine neue Einrichtung an- schaffen können. Da, wo es in den Kräften der Eltern steht, soll es auch sein, denn mir tragen dadurch auch zur Arbeitsbeschaffung bei. Wo aber die Aussteuer den Eltern viel Sorge und Kopfzerbrechen macht oder eine Heirat deswegen immer wieder aufgeschoben werden muß, da sollte man doch nicht so töricht sein und unbedingt nur neue Möbel anschaffen wollen.
Da ist vielleicht das Bett der Tochter, welches wir noch sehr gut verwenden können. Natürlich ist der Muschelaufsatz, überhaupt die Umrahmung nicht geschmackvoll für eine Neubauwohnung. Aber hier können wir schon die Couch sparen. Wir nehmen die große Einsatzmatratze, lassen einen Tischler vier schwere kurze Holzfüße daruntersetzen, kaufen eine breite Decke und viel schöne Kissen und fertig ist bas moberne Möbel. Dvn einem alten Tisch lassen wir bie Beine etwas absägen, bamit er niebriger wirb, kaufen eine hübsche Tischlampe, eine Decke und ein paar Bücher, und schon haben wir eine gemütliche Ecke.
Ebenso lassen sich alte angestrichene Truhen sehr schön verwenden. Wir lassen sie kornblumenblau anstreichen und mit Bauernblumen bemalen. Solch ein Möbel wirkt in einer kleinen Diele sehr anheimelnd, und es läßt sich vieles darin aufheben.
Mit alten Kommoden soll man recht gut umgehen und sie ja nicht stiefmütterlich behandeln. Ein Möbeltischler kann daraus den schönsten Schreibschrank mit Klappe arbeiten, er zimmert nur den Aufsatz darauf.
Aus alten Sesseln, falls sie gutes Polster haben, werden noch sehr schöne, moderne Möbel, wenn wir das Schnitzwerk entfernen lassen. Bei allen neuen Polsterstoffen sollen wir daran denken, mög
lichst mottenechte Stoffe zu nehmen oder aber vorher alles eulanifieren zu lassen. Wir ersparen uns damit viel Zeit und Aerger. Auch Stühle können modernisiert werden, es kommt nur darauf an, daß sie noch gut erhalten sind, damit es sich auch lohnt.
Wir sehen also, daß wir mit Geschmack und Phantasie mancherlei sparen und verwerten können. Solche nach eigenen Ideen angefertigten Möbel machen oft ganz besondere Freude. Es kommt ja nicht darauf an, wieviel wir unserem Mädel mitgeben, sondern daß sie auch wirklich ein gemütliches Heim erhält. Darum denkt an die alten Möbel!
Kijchengewijrzkräuter nicht vergessen!
NSG. Es gibt bekanntlich noch andere Gewürze außer Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskatnuß, Piment und Lorbeerblättern. Ja, wir haben im Inland über 30 verschiedene einheimische Gewürze, die zwar unseren Vorfahren durch ihr „Gewürzgärtlein" nach bekannt, im Laufe der Zeit aber großenteils der Vergessenheit anheimgefallen waren. Im Gegensatz zu den ausländischen Gewürzen, mit ihren — besonders bei übertriebenem Gebrauch — manchmal schädlichen Reizwirkungen auf die empfindlichen Verdauungsorgane, sind unsere heimischen Gewürzkräuter außerdem Heilkräuter, deren günstige Wirkungen für unseren Körper unbedingt förderlich sind. Jede Landfrau sollte in ihrer Gartenecke eine Küchengewürzkräuterecke für den eigenen Hausbedarf anlegen. Je nach der Kopfzahl der Familie richtet man sich, möglichst in der Nähe des Hauses, eine größere ober kleinere Ecke mit ben pikanten unb feinen Kräutern ein, um tagtäglich, sek es zu Tunken, Suppen, Kartoffel-, Fleisch-, Fisch-, Eieroder Gemüsegerichten, von dem einen oder anderen der Kräuter, je nach persönlichem Geschmack, eine Prise zu verwenden. Viele Rezepte gibt es auf diesem Gebiete noch nicht, da die vorhandenen Kochbücher wenig ober nichts von ben einheimischen Kräutern behanbeln. Jebe rührige Hausfrau wirb aber allein burch bas vielseitige Aroma unserer Küchengewürzkräuter eine willkommene Anregung ihrer Kochkunst und eine Bereicherung ihres Küchenzettels erhalten. Das große Geheimnis der Kräuterwürzen ist, daß sie aus den Speisen nicht vorschmecken dürfen. Sie dürfen vom Feinschmecker erraten werden, sollen dem anderen aber eine rätselhafte Verfeinerung bedeuten.
Meder ins Landjahr.
Von Erika Schulemann
Bald ist es wieder so weit, daß die Jungen und Mädel vom L a n d j a h r Einzug halten in den Lagern. Die Jugendlichen, die aus den Städten kommen, kennen nicht das Wachsen in der Natur, nicht die Sorgfalt und Pflege, die dazu gehört, irgendeine Pflanze zum Reifen zu bringen. Sie kennen auch nicht den Bauer, der mit dieser Arbeit verwachsen ist, der nur ihr lebt und durch feine Arbeit mit für den Städter sorgt, der es ihm in früheren Jahren meist so gar nicht zu danken wußte.
Die Jungen und Mädel, die vierzehn- und fünfzehnjährig, gerade au? der Schule entlassen sind, sind oftmals ein wenig ängstlich vor dem kommenden Landjahr. Sie wissen nicht, wie sie die Landarbeit anpacken sollen, nicht, wie sie dem Bauern begegnen werden.
Aber schon nach kurzen Wochen hat sie ihre neue Arbeit so eingefangen, daß sie kaum mehr an die Stadt zurückdenken. Was gibt es aber auch alles in einem Dorf zu tun. Da ist erst einmal das Lager selbst. Morgens heißt es, zeitig aufstehen, Waldlauf und Gymnastik machen, Betten bauen und frühstücken. Danach geht es hinaus zu den Bauern. Immer nur ein Teil der Belegschaft des Lagers zieht zum Bauern zur Arbeit, der andere bleibt zurück zum Lagerdienst. Frische Mädchenstimmen klingen durch den kühlen Morgen, und schon von weitem wissen die Bauern, daß jetzt „ihr" Mädel kommt. Eins nach dem anderen löst sich aus dem Zug der Marschierenden, bis sie alle ihre Arbeitstätte erreicht haben und dort von Frau und Kindern fröhlich begrüßt werden. Jedes der Kinder möchte dem Mädel zuerst die Hand geben, jede Frau will ihm irgend etwas Liebes, erweisen, sogar der Hofhund kommt herbei und reibt seine Schnauze am Knie des Mädels. Aber viel Zeit zur Begrüßung bleibt nicht, denn die Arbeit ruft. Die Kinder müssen angezogen, gewaschen und gefüttert werden, das Kleintier wartet auf seine Versorgung, und auch das ganze Haus verlangt feine Pflege. Bäuerin unb Mäbel aus bem Lanbjahr schaffen um bie Wette, unb wenn bie Frau hinausgeht auf bas Felb, um bort ihrem Mann zu helfen, bleibt bem Mäbel allein bie Betreuung von Haushalt unb Kin- bern überlassen. Wie stolz ist es, wenn das Mittagbrot den Bauern schmeckt, wenn ein freundlicher Blick, ein Lob feiner wartet.
Mittags aber geht es heim ins Lager, um mit den Kameradinnen zu essen, unb am Nachmittag mit ihnen geschult zu werben. Alle Fragen, bie ihnen bei ihrer Arbeit kommen, alle Fragen bes Lebens überhaupt, werben an ben Nachmittagen besprochen und die Kenntnisse der Mädel erheblich erweitert. Durch Disziplin, Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit im Lager werden die Mädel erzogen, sie lernen sich einzuordnen in die Gemeinschaft. Die die Lagerdienst haben, lernen alle Arbeiten der hauswirtschaftlichen Tätigkeit, sie lernen kochen und backen, Heimgestal- tung und auch Kinderpflege, denn oft richtet das Landjahrlager Erntekindergärten ein unb betreut sie. Die Mäbel im Lanbjahr werben zu Frauen und Müttern herangebildet. Wie manches Mädel, das ungern ins Lanbjahr kam, kann sich nach den acht Monaten kaum trennen und möchte später wieder auf das Land zurückkehren, denn es lernte bie Arbeit am Boden kennen und lieben. Das Landjahr hilft die Brücke zu festigen zwischen Stadt und Land, hilft gegen die Verstädterung und schafft frohe, gesunde Menschen.
Marmelade-einfach kösisich.
V. A. „Was ich noch sagen wollte ..bie beiben Frauen stanben nun schon etliche Minuten auf ber Straße unb klagten sich gegenseitig ihre Haushaltssorgen. Die eine als erfahrene Hausfrau wollte von ber jungen mancherlei Rat wissen. Denn bie junge Frau war burch bie Kurse bes Reichsmütterbienstes gegangen unb Ijatte viel gelernt. „Ja, also ich sage Ihnen, was ich jetzt entbeckt habe", plauberte bis junge Frau, „eine phantastische Marmelabe." „Eins phantastische Marmelabe? Ach, wissen Sie, bei uns gibt es immer Butter unb Schmalz, Wurst und Käse. Ich wüßte, offen gesagt, gar nichts mit Marmelade anzufangen." „Aber Marmelade ist doch einfach köstlich. Denken Sie einmal, wenn Sie morgens auf den Frühstückstisch eine Schale mit Marmelade brächten. Sie ist bestimmt gesünder und leichter verdaulich als Wurst." „Ach nein. Mein Mann will immer nur Fett unb nochmals Fett." ,.Na wissen Sie, Frau Meier, ich würbe an Ihrer Stelle aber zusehen, baß ich ihm bas abgewöhnen könnte. Denn wie bas Fett anschlägt, bas sehen Sie ja auch. Ihr Mann wirb immer bicker. Wo soll denn bas hin, Überhaupt, wenn er älter wirb. Unb er ist sowieso nicht mehr einer ber Jüngsten. Verfettung ist bei Arterienverkalkung äußerst gefährlich/ „Das stimmt schon. Aber wenn er nun mal nichts anbe- res will?" „Sie als Hausfrau unb beste Kameradin Ihres Mannes müßten doch wissen, wie Sie ihm raten können. Machen Sie es ihm einmal mal eindringlich klar, wie er sich gegen seine Gesundheit versündigt, wenn er soviel Fett ißt."
„Sie haben schon recht. Ich habe auch immer Angst um ihn wegen seiner Verfettung. Aber sagen Sie mal, liebe Frau Kunze, was ist denn bas für Marmelabe, bie Sie meinen, unb wieviel kostet sie?" „Ich meine bie Reichsmarmelabe. Sie bekommen sie als „Gemischte Marmelabe" unb als Vierfruchtmarmelabe zu kaufen. Wie ber Name schon sagt, ist bie Vierfruchtmarmelabe aus vier verschiebe- nen Obstsorten hergestellt, bie gemischte bagegen nur aus zweien. Beiben Marmelaben liegen Aepfel zu- grunbe; denen Erdbeeren, Kirschen, Stachelbeeren oder anderes Beerenobst zugesetzt ft. Der Preis beträgt 32 Pfennig für ein Pfund." „Was, 32 Pfennig für solch eine gute Marmelade?" „Ja gewiß, bas ist billig! Ueberhaupt, wenn Sie bie Qualität beben- ken." „Wissen Sie, Frau Kunze, ich esse ja fogern etwas Schleckriges. Also, ich kaufe sie bestimmt heute noch." „Tun Sie bas. Uebrigens, Sie entziehen Ihrem Mann gar nichts, wenn Sie ihm an Stelle des Fettes Marmelabe vorsetzen. Denn Fett läßt sich leicht burch kohlehybrathaltige Lebens- mittel ersetzen. Unb ber kohlehybratbaltige Zucker ist reichlich in ber Marmelabe enthalten/ „Um so besser, Frau Kunze. Denn schließlich finb doch nun mal Aufbaustoffe für den Körper notwendig. Wenn Zucker Fett ersetzt, dann ist es ja gut. Marmelade ist noch gesünder und leichter verdaulich als Fett? Fortan bekommt er nur noch Marmelade. Da kann er sich auf ben Kopf stellen. Ich werbe einmal cnec* gisch sein?


