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Die Tochter des Samurai."

Nr. Arnold Fanck über seinen Iapan-Zilm.

In Berlin ist, wie berichtet, in diesen Ta­gen der erste deutsch-japanische Gemeinschafts­film uraufgeführt worden. Unser Mitarbei­ter hatte vor einigen Wochen in Tokio mit dem Spielleiter Dr. Arnold Fanck eine Un­terredung, über die er hier berichtet.

Seit Jahren galt der Name Fanck beim japani­schen Filmpublikum als die Gewähr für hochwer­tige deutsche Filme. Japan kennt Dr. Fanck als den Lehrmeister von Leni R i e f e n st a h l, von T r e n - ter und vielen Kameraleuten. Japan hat Fancks Naturfilme mit Begeisterung ausgenommen; Japan verfolgte mit Interesse, wie der deutsche Meister in der Abgeschlossenheit des Ateliers in Kyoto, in den Hochgebirgen, den Vulkangebieten, an den kiefern- bestandenen Ufern der felsigen Jnlandsee und in den überschwemmten Reisfeldern der japanischen In­seln seine Naturaufnahmen sammelte, wie Fanck sich in die japanische Landschaft einlebte, wie er überall das Schönste zu finden wußte, wie genau er den japanischen Menschen von heute erfaßte und die Probleme verstand, mit denen sich die Jugend Japans im 20. Jahrhundert auseinanderzusetzen hat.

So schuf Fanck einen Film, in dem Deutsche und Japaner zusammen spielen, der die Eigenheiten Japans, wie es wirklich ist, mit den Augen eines deutschen Künstlers sieht. Unter Leitung Fancks ent­stand der erste echte, in Japan gedrehte und von Ja­panern gespielte Exportfilm.

Japanische Menschen spielen, die typisch für das heutige Japan sind, fest in uralter Tradition wur­zelnd wie der alte Bauernvater oder der welt­gewandtere Adoptivvater. Oder wie der durch west­liche Ideen verwirrte, in die Heimat zurückkehrende Student Teruo, eine für das heutige Japan typische Figur. In ihr ist der Zwiespalt der japanischen Seele meisterhaft dargestellt. Die unüberbrückbar scheinenden Gegensätze zwischen dem Menschen des Ostens und des Westens, an deren Verschmelzung zu einer Lebenseinheit das japanische Volk arbeitet, dieses Problem ist hier erkannt worden. Fanck hat Filmgeschichte gemacht: nach den Bildern dieses Films, der im Land und unter dem Volk gedreht wurde, wird all der gestellte Filmkitsch, alle übliche hohle und unwahre Darstellung des Landes aus­hören müssen.

Der Film ist wenigstens ,anständig^ geworden", sagt Dr. Fanck.Japanische Filme hatten bis heute nur einen beschränkten Auslandsmarkt, der nicht die nötigen Umsätze bringen konnte, um neuzeit­liche Filmateliers zu bauen unb vollwertige Weltpro­duktion herzustellen. Von der Filmproduktion des Auslandes bekam Japan alles zu sehen, aber das Ausland kennt japanische Filme nicht. Es war da­her meine Aufgabe, der Welt das wahre Ja­pan in einer für das nichtjapanische Ausland ver­ständlichen Form nahezubringen. In diesem deutsch­japanischen Film haben wir sogar die unüberwind­lich scheinenden Sprachschwierigkeiten ge­meistert. Es gibt keinen japanischen Filmschauspie­ler, der englisch, geschweige denn deutsch sprechen könnte. In unserem Film hat der aus dem Aus­land zurückkehrende Student natürlich etwas Deutsch gelernt, wie seine kleine japanische Braut, die, um dem zurückkehrenden Bräutigam Freude zu machen, sich über deutsche Bücher gesetzt hat. Die deutsche

Studienfreundin, die mit dem Studenten nach Ja­pan kommt, hat von ihm etwas Japanisch gelernt. So wurden wir mit diesem verzwickten Problem fertig. Es war auch nicht einfach, die sehr verschie­dene Ausdrucksweise der Gefühle der Japaner für das Ausland verständlich zu machen. Aber die Groß­aufnahmen unseres Films zeigen, daß allgemein menschliche Gefühle auch bei kulturell verschiedenen Völkern ähnlich zum Ausdruck kommen. Und die japanischen Schauspieler unseres Films sind große Klasse.

Die größten Schwierigkeiten technischer A r t sanden wir in japanischen Verhältnissen be­gründet. Die Polizeibehörden brachten uns übertrie­benes Mißtrauen entgegen. Ungeahnte und für uns Deutsche rätelhafte Hindernisse werden von den Be­hörden auch an harmlosesten Orten für Außenauf­nahmen in den Weg gelegt, und wenn einmal an einem Tag die Sonne für Naturaufnahmen be­sonders günstig schien, dauerte es zwei Tage, bis die behördliche Aufnahmegenehmigung da war. Aber das japanische Volk ist prächtig, ich habe es lieben gelernt.

Von vornherein war mir klar, daß ich in Japan keinen Film größten Formats drehen könne. Dieser Film ist eine deutsch-japdnische Gemeinschaftsarbeit, bei der auch der japanische Partner und die Auf­fassung des japanischen Publikums gelten mußten. Das Ideal, dem deutschen Volk und der Welt das Japan, wie es wirklich ist, nahezubringen, blieb in diesen aufreibenden Monaten bei den Atelier­aufnahmen im August, wenn es schon im Freien unerträglich schwül war und wir noch unter der Hitze der Bogenlampen drehen mußten der Leit­stern für meine Arbeit.

Bis heute weiß nur eine dünne Oberschicht über Japan Bescheid. Das deutsche Volk weiß herzlich wenig über dieses uralte Kulturvolk. Geisha, Poshi- wara, Fujisan, im besten Fall noch Samurai das ist alles. Durch unseren Film wird Deutschland, so hoffe ich, das währe Japan von heute ken­nen lernen, und der verfälschte Eindruck, den sich die Welt durch .gestellte' Japanfilme gebildet hat, wird verschwinden. Es galt, das Volkstum, die Landschaft und die Kultur Japans wiederzugeben. Ein reiner Kulturfilm wird aber immer auf die kulturellen Leistungen beschränkt bleiben, die ein Volk in seinem Land vollbringt. Viel wichtiger war es, den Träger der Kultur, den japanischen Men­schen, zu erfassen, und das kann wohl nur über den Spielfilm gelingen. Hier war eine schwierige Aufgabe zu lösen. Wenn vielleicht die Geschichte unseres Films nicht ganz .filmisch' ist und notge­zwungen mit den Elementen eines K rfilms ge­mischt werden mußte, so habe ich das ^anz bewußt so angeordnet. Es war für mich wichtiger, Japan zu zeigen und japanisches Denken wenigstens an kleinen Beispielen klarzumachen, als mich an alle dramaturgischen Regeln des normalen Spielfilms zu halten.

Die Japaner find sehr empfindlich dagegen, ir­gendwelche Schattenseiten ihres Volkes im Film zu zeigen. Dem Manuskript, das schließlich von den Behörden genehmigt wurde, fehlt es daher wohl etwas an Tiefe der gegensätzlichen Wirkungen. Die­ser Japanfilm war übrigens während meiner sieb­

zehnjährigen Filmschaffenszeit der erste, bei dem wir einmal nicht unsere Knochen riskieren mußten. Doch war die Arbeit mit den kleinen, unberechen­baren organisatorischen Schwierigkeiten eine Ner­venmühle. Hier konnte ich meinen Arbeitsgrundsatz mit dem Kopf durch die Wand" nicht anwenden. In Japan kann man nur etwas erreichen mit einer stillen Energie. Wie der Film heißt? In Japan Die neue Erde". In Deutschland, wo die Vor­führung schon in 2000 Lichtspieltheatern gesichert ist, Die Tochter des Samurai."

Der Film zeigt dem deutschen Volk die tief ein­gewurzelten Traditionen, die festgefügte Familien­ordnung, die völkische Bodenständigkeit der Japa­ner, die, wie wir Deutsche, ein .Volk ohne Raum' sind. Er zeigt auch den Abwehrwillen Japans gegen die zersetzenden Kräfte, die am Werk sind, alle Völ­ker der Welt zu unterhöhlen. In diesem Abwehr­kampf denkt Japan ebenso wie Deutschland. Es wird für das deutsche Volk von Wert sein, zum erstenmal das wahre Japan kennenzulernen."

Büchertisch.

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Frau Charlotte Handrich

ist von uns gegangen.

Gießen, den 26. März 1937.

Die Trauerfeier fand in der Stille statt.

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Annerod, den 30. März 1937.

Die Beerdigung findet Donnerstag. 1. April, nachmittags 3 Uhr statt.

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Die Beerdigung findet Mittwoch, 31.März, nachm.3.30 Uhr statt und bittet um zahl­reiche Beteiligung der Vorstand

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