tr. 254 Zweites Blatt
Samstag, 3tt. Oktober |Q3Z
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
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Der Werberhos
Von Eberhard Meckel.
Älter der homerischen Liebes- e zu untersuchen. Indem er den Homer der unvorsichtig genug war, andeutungsweise r etwas verlauten zu lassen, beim Worte
9e!)ci)*2 er sich die Sache mit den preußischen Werbet son denen er hörte, nutzbar zu machen.
J IN verschwand aus seinem Dienst und ließ sich ku^r'.and im nächsten ,.Ausland", nachdem er es fickh (jiii einem ausgedehnten Werbe-Gelage hatte
Fricka in Hamburg nicht mehr ohne das altgermanische Haarnetz auf der Bühne erscheinen wird. Man möchte nur wünschen, daß sich das neue Kostüm, das nicht nur kleidsamer, sondern auch leichter zu beschaffen und billiger ist als die alte unechte Zot- telbärenvermummung, auch auf anderen Bühnen Deutschlands einbürgert. Als Vorlagen können die wissenschaftlich fundierten Bilder von Wilhelm Petersen dienen, die ja auf ihrer Rundreise durch fast alle deutschen Großstädte einer zeitgemäßen Germanenauffassung so erfolgreich Bahn gebrochen haben. Freilich sollte man in diesen sehr ernst zu nehmenden Bemühungen nicht zu weit gehen. Denn wenn vor kurzem der Schauspieler Heinrich G e - o r g e bei einer Filmaufnahme der Ufa mit einem dreitausendjährigen Rasiermesser vom Jnnungs- meister des Bartschergewerbes persönlich rasiert worden ist und das als ein weltgeschichtliches Ereignis urbi et orbi verkündigt wird, so scheint uns hier denn doch die bekannte Grenze erreicht zu sein, wo das Erhabene erhaben zu sein aufhört.
Dabei ist der Aufbau folgerichtig und übersichtlich: der erste Akt leitet die Verwirrung vor Augen und Ohren des Zuschauers ein, der zweite entfaltet und steigert sie auf dem Maskenfest im Herzogspalast, der dritte entwirrt den Knoten, stellt den Frieden wieder her und entläßt jedermann beglückt und besänftigt. Das geschieht alles in einer vollkommen illusionistischen Sphäre, unernst, nur aus Freude am Spiel, an Verwandlung, Vertauschung und Täuschung, an Kostüm und Maske und musikalischer Auflösung an sich schon lockerer Tatbestände. Alles, was sich ereignet, geschieht mit einer gewichtlosen und unverbindlichen Heiterkeit, improvisatorisch gleichsam, aus der Karnevalsstimmung, der unbekümmerten Lebensfreude und Verliebtheit eines Festes der italienischen Renaissance.
*
Die Musik, weich und volltönig instrumentiert, ist dazu geschaffen, jede Szene, noch ehe sie sich ernstlich zu komplizieren vermag, tänzerisch zu entspannen l und zu. zerstreuen, und darauf gestimmt, das
Nachdem vor zwei Jahren schon die Stuttgarter Intendanz eine szenische Revision der Wagner-Opern durchgeführt hat, ist nunmehr auch die Staatsoper in Hamburg dazu übergegangen, den „Theatergermanen" den Dernichtungs- kriea zu erklären. Sie haben dieses Schicksal auch wirklich verdient, all diese gehörnten, in abgelegte Bettvorleger gehüllten Rauschebärte, die da unter den angenommenen Ramen von Wotan und Hunding zu den unerläßlichen Requisiten einer traditionellen „Ring"-Ausstattung gehörten und in dieser ihrer Kostümierung so viel dazu beitrugen, die Legende von den Halbbarbaren, die zu beiden Seiten des Rheines „immer noch eins tranken", zu verewigen. Um nicht neue Fehler zu begehen, hat man sich in Hamburg auch gleich einen Vorgeschichtler verschrieben, unter dessen sachkundiger Beratung man das romantische Zerrbild endgültig beseitigt zu haben hoffen kann. Wotan wird also künftig in einer Tracht erscheinen, die einem prähistorischen Funde aus dem Torsberger Moor bei Schleswig bis in alle Einzelheiten nachgebildet ist, während
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Die Spielleitung hatte Herr Lindt; von den Operettenausführungen, die wir bisher gesehen und gehört haben, wirkte diese bei weitem am einheitlichsten in Spiel und Stimmung, am lebendigsten und farbenreichsten. Herr Löffler hatte malerisch- romantische Schauplätze entworfen, die uns mit Brücke, Kanal und Gondel, von bunten Laternen und Lampions überspielt, ein heiteres Venedig vorzauberten. (Auch der verdienstlichen Tätigkeit des Beleuchters Remigius Konen darf in diesem Zusammenhang gedacht werden.)
Mit Vergnügen kann man die Entwicklung der kleinen Tanzgruppe verfolgen, die, von Ballettmeisterin Irmgard Z e n n e r mit Temperament ge- führt, ausgezeichnet arbeitet; die Tarantella im ersten Akt und auch die übrigen Tänze kamen mit einem Schwung und einer rhythmischen Prägnanz heraus, daß man seine Freude daran hatte. —
dieses wundervolle Hotel gepachtet. Monsieur Sternbecker war aber auch einmal deutscher Soldat. Er wurde als Artillerist in Rastenburg ausgebildet, hat im Osten gekämpft und ist später im Westen mehrfach verwundet worden, um jchließlich noch in französische Gefangenschaft zu geraten. Für Deutschland. Heute ist er Franzose. Elsässer-Schicksal. Er spricht nach wie vor ausgezeichnet deutsch, ist der liebenswürdigste Wirt, aber über Politik sprechen, wir möglichst wenig.
Seine Frau ist eine reizende Südfranzösin aus Menton, also unmittelbar von der italienischen Grenze, beweglich und lebhaft. Sie hat fast ein Jahr in einer norddeutschen Stadt gelebt, dort viel von Deutschland gesehen und auch wohl die Menschen gut verstehen, wenn nicht gar lieben gelernt. Unser Wirtsehepaar, beide jung und schaffensfroh, kennen also Deutschland — oder sagen wir ruhig Mitteleuropa — recht gut. Frau Sternbecker nun hat einen Bruder, eine sympathische, gar nicht einmal typisch südfranzösische Erscheinung. Er ist Techniker in Nizza, smart und wendig, frisch und elegant. Und nun das Unfaßbare: Dieser Schwäre unseres einstigen deutschen Feldartilleristen ist mit einer Negerin verheiratet, einer Negerin, deren Wiege im dunkelsten Afrika gestanden hat. Sie ist eine Schönheit (joweit wir Weißen das überhaupt beurteilen können), schlank wie eine Gerte, mit blitzenden Augen, hat ein intelligentes, feingeschnittenes Gesicht und ist nach der neuesten französischen Mode gekleidet.
Hier stehen wir Deutschen — und sicherlich nicht nur wir, sondern auch die meisten anderen europäischen Völker — vor einem Rätsel. Und das um so mehr, als ja dieser Fall gar keine Einzelerscheinung ist. Auf der Kurpromenade in Nizza, auf der Rue (Kannebiere in Marseille — ja überall in Südfrankreich das gleiche Bild. In einem Pariser Nachtlokal erlebten wir es, daß ein großer, stattlicher Neger mit einem intelligenten Gesicht den ganzen Abend hindurch mit einer weißen Französin tanzte, die vielleicht eine Studentin mar.
Dem komischen Senatorenterzett der Herren Paschen, Forstner und F r l ck h o e f f e r (der für den erkrankten Herrn Bley eingesprungen war) stand in Jupp Müller ein sehr jugendlicher Herzog gegenüber, den man sich darstellerisch ein wenig lockerer hätte denken können, während die lyrisch weiche Sage des Organs dem verliebten Abenteuer des unternehmungslustigen Fürsten nicht übel anstand. Elfriede Grell sang die Annina, beschwingt und kokett, den Verführungen der Karne- oalslaune willig hingegeben, von Margarete M e - rian im Doppelspiel des nächtlichen Mummenschanzes geschickt und beweglich unterstützt und begleitet.
Herr Waltz sang den Caramello mit schmelzender Fülle und brachte auch die darstellerischen Mag- lichkeiten der Partie mit behendem Witz zur Gel- tung. Ein sehr munteres Pärchen stellten Frl. For- nallaz und Herr Greif, der eine gesanglich ausgezeichnete, im Spiel humorvoll gerundete Leistung bot. Das Duett der beiden, Koch und Köchin, fand ebenso wie die Matrone Agricola, mit der sich Frl. I a ch n o w von einer ganz neuen, grotesk heiteren Seite zeigte, verdienten Sonderapplaus.
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Das Haus war stark besucht; großer Beifall und zahlreiche Wiederholungen. Hans Thyriot
(Nachdruck verboten.) II.
Schwarze Schatten Über strahlendem Land.
Villefranche sur Mer, im Oktober 1937.
Unvorstellbar für die, die wir aus deutschen Breiten kommen, daß man im Oktober kaum die brütende Sonne ertragen, in leichtester Sommerkleidung am Ufer wandeln oder in blauen Fluten des Meeres baden kann. Unvorstellbar diese ganze südliche Landschaft mit ihrer üppigen Vegetation, mit dem ewig heiteren Himmel und der liebenswürdigen Beweglichkeit ihrer Bewohner. Wir sitzen unter Pinien und Palmen, rings um uns wachsen Zitronen und Oliven, Drangen, Feigen und tiefblauer Wein. Die ganze Fülle von Schönheit und lebensprühender Heiterkeit, die überhaupt möglich sind, scheint über diesem gesegneten Küstenstrich der Riviera ausgegofsen, der (£ote d'Azur, die keinen kalten Winter und keine rauhen Winde kennt, Zufluchtsort aller Schönheitsdurstigen.
Und doch ist es notwendig, auch hier einmal ein wenig unter die Oberfläche zu sehen und dann zu erkennen, daß die Heiterkeit und der Glanz des Lichts und der Farben wohl das äußere Bild bestimmen, und dem Gast aus aller Herren Länder Ruhe und Erholung spenden, daß sich aber für den Franzosen selbst hinter dieser glänzenden Fassade sehr ernste Probleme auftun, auch hier an der Riviera, die letztlich sogar nicht einmal nur den Franzosen, sondern auch weite Teile Europas angehen. Wir haben in einem ganz kleinen Bezirk ein lebendiges Bild davon erhalten.
Villefranche für Mer ist ein liebreizender kleiner Kurort an einer entzückenden Bucht ganz in der Nähe von Nizza. Vorn Fenster unseres hochgelegenen Hotels geht der Blick weit hinaus auf das Meer, links liegt das weit in das Meer hinein vorspringende sonnige Cap Ferrat. Vor uns, im Hafen, hat ein amerikanisches Torpedoboot Anker geworfen; denn Villefranche ist, wenigstens im Kriegsfall, Kriegshafen. Es hat auch eine größere Garnison; am Abend tummeln sich in den Straßen am Hafen, an dem die nach unseren Begriffen unmöglichen Kasernen liegen, weiße und Kolonialsoldaten.
Der Wirt unseres weit und breit angesehenen Hotels, Monsieur Sternbecker, ist ein gerader tüchtiger Elsässer. Er hat, wie er stolz erzählt, 21 Nationen kennengelernt, er ist als Kellner in Mitteleuropa und in'Osteuropa, in England und Amerika gewesen, dazwischen immer wieder an der ganzen Riviera. Seit einem Jahr nun hat er
wett, als sie, nach der Restauration gut badisch geworden. mit französischen Truppen nach Rußland ziehen sollten, sich aber freiwillig (vom Großvater, der für die gute Sache nur gern selber noch zu den Preußen gegangen wäre, bestimmt) auf die Seite der Verbündeten schlugen und mit Tapferkeit und Blut die damaligen Friedrichsdore in Zins und Zinseszins ehrlich zurückzählten.
Blutopfer gebracht hat, so daß heute in manchen Orten eine ganze Generation fehlt — nicht minder stark macht sich ganz allgemein der Geburtenrückgang bemerkbar. Die Provinz, besonders im Süden, verödet, stirbt immer mehr a u s. Es gibt hier tatsächlich schon völlig verlassene Dörfer.
Auf diese zunehmende Leere stößt nun, hereinströmend über Marseille, das nichteuropäische Element. Man darf dabei nicht meinen, daß die schwarze Rasse stupide und unintelligent sei. Man ist immer wieder erstaunt darüber, wie viele schön geformte, ausdrucksvolle Gesichter man unter den schwarzen oder auch braunen Völkerschaften findet. Sie haben ihre Geschäfte landauf und landab, mögen auch schon in manche geistigen Berufe eingedrungen sein. Natürlich heute noch überall in kleinen Minderheiten. Aber sie sind da, und sie werden kaum wieder weichen. Denn Frankreich braucht ja Arbeitskräfte, um den natürlichen Reichtum seines Landes auszuwerten.
Dieses Frankreich trägt vor Europa zweifellos eine große Verantwortung. Vorläufig ist in keinem Punkte zu erkennen, daß es sich ihrer bewußt ist. Alles, was dieses Land der Liberalität und der Egalite an Idealen predigt, steht sogar, besieht mans bei Licht, dieser europäischen Verantwortung entgegen. Wieviel klarer und weitblickender denken gerade in diesem Punkte die nordischen Völker. In England wäre eine derartige Vermischung genau so undenkbar wie in Deutschland. Gewiß gibt es auch in der Mitte, im Westen und Norden Frankreichs
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im. kommt er zu dem ungälanten Schluß, daß l n a bei ihrer Entführung durch Paris gut ra Lenze gezählt habe und Kassandra, als Dir Klytaemnestra Grund zur Eifersucht gab, jeurtflig Jahre alt gewesen sein müsse! Den ig i Heroinen der Ilias ergeht es bei diesem
Dielenfugen sind gesundheitsschädliche SammelTäger für Staub und Schmutz. Balatum der Bodenbelag unserer Zeit bietet Ihnen auf Jahre hinaus für wenig Geld eine geschlossene Bo- x<or>x denfläche. die einfach sauber zu halten ist und Ejyjä Ihre Räume gemüili- eher macht
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_____ ________ die noch völlig unberührt von der fremden Invasion sind und deren rassische Reinheit unumstößlich feststeht. Aber das Bevöl'kerungspro- blem ist in fast allen Gebieten akut. Und das ist eine offene Wunde, die nur heilen wird, wenn Frankreich andere Hebel ansetzt als bisher.
Im Süden aber begegnet einem das doppelte Antlitz der Gefahr (Beoölkerungsfchwund und fremdraffige Invasion) auf Schritt und Tritt. Und wenn es auch nicht unsere Not ist, die sich hier auf den Straßen der Städte und Dörfer breitmacht, so gibt es doch Probleme, die über den Einzelstaat hinaus alle Völker berühren, die Europas
Tagebuchblätter von einer Riviera-Fahrt
Von unserem Dr. 3- ^.-Sonderberichterstatter.
wohl sein lassen, UM schönes blankes Handgeld anwerben. Aber nicht für lange — denn so sehr auch die Werbeoffiziere hinter ihm her schimpften, am andern Tag war der Sixt spurlos verschwunden. Nun war zwar so ein Verschwinden neu Angeworbener ein Geschehnis, das sich oft genug ereignete, und die Geprellten hatten schon ein genau aus- gedachtes System, wie sie ihre wertvollen Schäflein wieder einfingen (und fast immer fingen sie sie wieder!) aber an Sixts hotzenwäldlerischer Schlauheit scheiterte alle preußische. Er wußte sich, wege- und stegkundig wie keiner, allen Verfolgungen zu entziehen und wechselte einfach nach Dorderöfter- reich, wo ihm nicht viel anzuhaben war.
Aber weil es ihm das eine Mal so erfolgreich ausgelaufen war, versuchte er es bei andern Werbern kurz danach ein zweites, drittes, viertes, fünftes Mal, faß geschickt verkleidet und unkenntlich gemacht, und oft die Maske wechselnd, schließlich nochmals mit den gleichen Werbern am Tisch, die er schon einmal hochgenommen, und ward ihm im Schaffhausischen der Boden unter den Füßen zu heiß, hinterließ er kurze Zeit später an einem Ort, wo man ihn nicht vermuten durfte, die vor allem mit kräftig hinter dem Flüchtigen hergeschickten Flüchen gekennzeichneten Spuren. Es dauerte nicht lange, so war er, der feinen wahren Namen füglich immer verheimlicht hatte, vom Oberrhein bis zum Neckar, von Straßburg bis Stuttgart als Teufelskerl bekannt wie ein bunter Hund — nur kam in feiner Gegenwart nie jemand darauf, daß er es fein könnte —, und liefen die einen blau an vor Aerger, wenn sie von seinen Streichen hörten, taten es die andern vor Spaß und Lachen.
Bis nach einem Jahr etwa der Spuk plötzlich aufhörte, und sich nach einer Weile ein mit einer ordentlichen Geldkatze versehener junger Mann oben im Hotzenwald Grund zu erwerben und einen Hos zu bauen begann. Es sickerte natürlich durch, daß es teure Werbetaler waren, die hinter dem Kaus und Bau steckten, aber was half es, man war im österreichischen Hoheitsgebiet, und preußisches Silber und Gold standen nicht schlechter im Kurs als die mariatheresischen Stücke mit dem ausgeprägten Doppeladler, ja, sie galten nach Liegnitz und Torgau sogar noch beim Wechseln ein wenig mehr. Und so kam es denn, daß, auch durch besonderen Fleiß gehoben, nach geraumer Zeit ein stattlicher Hof sein Dach über eine geräumige Einfahrt streckte und em paar Jahre darauf ein paar Kinder auf der Tenne
Und war der ganze Handel, wie man sich zu- munfelte, auch gerade kein ehrlicher gewesen, so war er doch schlau getan, und im übrigen machten ihn vierzig Jahre später die Enkel Sixts wieder
Kulturgüter zu wahren haben.
Ungezählte reiche Ausländer, Engländer und Arne- rikaner, Holländer und Belgier, haben an dieser herrlichen südfranzösischen Küste ausgedehnte Besitzungen, nicht etwa nur einzelne Häuser ober große Gärten, sondern ganze weite Landkomplexe. Oft verbringen sie nur ein paar Tage oder Wochen im Jahr auf diesen Besitzungen. Diese Invasion ist, vom europäischen Standpunkt, völlig belanglos. Sie ist eine rein französische Angelegenheit. Daß aber das schwarze Element derart stark nach Südfrankreich hineinzwängt — sollte das nicht auch die Aufmerksamkeit derer auf sich ziehen, die so oft vor- geben, sich für die europäischen Interessen einsetzen zu müssen? Es liegen in der Tat schwarze Schatten über dem strahlenden Land dieser wundersamen Riviera, der Cvte d<Azur.
Don der Universität.
Der Reichs- und preußische Minister für Wissen^ schäft, Erziehung und Volksbildung hat Profesfor Dr. Walther Rehm in München beauftragt, vom 1. November 1937 ab die durch das Ausscheiden des Professors Vietor in der Philosophischen Fakultät, I. Abteilung, der Universität Gießen frei- gewordene Professur für Deutsche Philologie, insbesondere neuere Literaturgeschichte, vertretungsweise zu übernehmen.
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Was in Paris vielleicht auf bestimmte Kreise beschränkt bleibt, verbreitert sich zusehends im Süden. Marseille ist das Einfallstar. Von hier strahlt die negroide Invasion auf die ganze Küste aus. Mag die Zahl der Mischehen auch heute nach zu übersehen sein — wer bürgt dafür, daß sie es auch in zehn oder zwanzig Jahren noch ist; denn diese farbige Jnfasion stößt auf eine sehr empfindliche Achillesferse, besonders empfindlich in weiten Gebieten gerade Südfrankreich. Und das ist der Bevölkerungsschwund. Nicht allein das Frankreich, gemessen an seiner Beoölkerungszahl, von allen am Krieg beteiligten Völkern die größten
Unwirklich-Unverbindliche der Vorgänge auf der Bühne zu betonen. Die Wiedergabe unter der Stabführung van Kapellmeister Joachim P o p e l k a zeichnete sich durch fülligen Klang und ausgeglichene Tempoverteilung aus; auch der Chor wirkte, von Heinz Markwardt dirigiert, kräftig stnd frisch.
Randglossen kleinen Zeitgeschichte Von Ernst von Aiebelschirtz.
Ilxg^renü, in Europa der Unfug der Schön- Mfg Wettbewerbe sich langsam zu überleben Hitvt, hält das republikenreiche Amerika hartnäckig Kan fest, als einer Art monarchischer Ersatzinsti- ,Fan die es dem freien Bürger erlaubt, die mit Seburtstönigtum verbundene „hohe Wonne | QJ1r auf mehr demokratische Weise, aber nicht “ELr intensiv zu empfinden. Solche Schönheits- » Kaolinen, die noch immer alljährlich durch ver- t iMSwürdige Kommissionen gewählt werden und rchtfttten aus der Hefe des Volkes stammen, er- keine lästigen Ansprüche, es sei denn den, L-nan ihnen gehörig den Kopf verdreht und i-M Weihrauch streut, als eine wirkliche Majestät Jo-.gen würde. Diesmal hat man die siebzehn- :,jpj2 Betty Cooper auf den Thron gehoben, afeir — es geschehen Zeichen und Wunder — i h r Miap wi11' s nicht leiden. Er besteht dar- M, ('aß seine Tochter alle Titel und Würden nie- bdfL't: und in das normale bürgerliche Leben zu- ffiftbrt. Interessant ist die Begründung. Die kleine Wß Cooper sei schon in den ersten acht Tagen __ El) die ständigen Empfänge, Einladungen, Be- )on Tcheaterdirektoren u-sw. so geschwächt wor- M, !aß sie fünf Pfund an Gewicht ver - ([Iren habe und er ernstlich für ihre Gesundheit Hiid)!n müsse. Don der mindestens ebenso gefähr- «teil seelischen Gesundheit dagegen ist mit kei- [111(1 iim ÄJort öic Rede. Entscheidend sind für den sonst '^ 8MZ vernünftigen Vater, der aber doch eben Ame- tiinr ist, die fünf Pfund Gewichtsabnahme, wäh- 142% Ad -- doch wahrhaftig eine ganze Reihe anderer, Mlih innerer Gründe gibt, die man .nicht außer iwt sisen sollte, wenn man daran denkt, den Un- dünaer r Schönheitswettbewerbe mit der Wurzel aus- 9 WOirn.
PROSPEKT 61
’ii hnn, ohne dadurch vor Torheit geschützt zu
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cxempel Nicht besser. Aber anstatt uns da- desillusionieren zu lassen, erlauben wir uns, c)wedischen Gelehrten darauf aufmerksam zu |L daß sein Scharfsinn nur so viel beweist, ran in seinem Fach ein sehr gescheiter Kopf
68984 Eir schwedischer Mathematiker, der viel Zeit zu icfce scheint, hat sich kürzlich die Mühe gemacht,
Gießener Gtadttheaier.
Johann Strantz: „Eine Nacht in Venedig."
Johann Straußens „Nacht in Venedig" präsentierte sich in verjüngter Gestalt: das Buch van F. Z e 11 und R. G e n e e wurde van G.Queden- jeldt und dem Schauspieler Eugen R e x einer Neubearbeitung unterzogen, die Partitur von K. T u t e i n durchgesehen und überholt. Trotz der auch für Operettenoerhältnisse bemerkenswerten Zahl von textlich und musikalisch Beteiligten entstand eine Fassung von erfreulicher Einheitlichkeit.
Die drei Akte versetzen den Beschauer in eine venetianische Karnevalsnacht mit der Beschwingtheit, die wir an den italienischen Stegreifspielen lieben, mit einer Freude an Musik und Tanz, an Vermummung und Entführung, an Verwechslung, Vertauschung, Irreführung und komödiantischem Maskenspiel, die an Boccaccio und seine leichtsinnig-heitere Welt erinnern mag, zumal auch Kostüm und Schauplatz die Erinnerung an die Abenteuer des Decamerone bestärken
L „Ö an: eigen ift’s mit mythologischer Frau; QvW Sc Lichter bringt sie, wie er's braucht, zur u der ' tvird sie mündig, wird nicht alt, übern SHs appetitlicher Gestalt,
Tin. Uä Mrd jung entführt, im Alter noch umfreit; WaidkLüÄ Günu , den Poeten bindet keine Zeit", lebendigen *
. ■ luf dem Hotzenwald, hinter mächtigen Tannen
jebiättet! an «einer Halde versteckt, liegt ein alter strohgedeck- .anbiung! tm Ztzwarzwaldhos, einer der schönsten ringsum Nsi-Ina uuc) bisher gottlob von allen „Hotzenblitzen ver- jdM im Dolksmund lange „Der Werberhof ge- hchti Er wurde in der Zeit des Siebenjährigen 'Steges mit guten harten preußischen Silbertalern |unJ geföenen Friedrichsdors auf dem damals vor- deväslc'reichischen Grund errichtet, und wieso das gej Hel-, ist eine besondere Geschichte, wert, erzählt — JBTfeben.
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i-. Denn Mythologie i st nicht tii6 t e ; beide Haden ihre eigenen Gesetze mhhre eigenen Zeitmaßstäbe, so daß es sich nicht Äd lohnt, darüber nachzudenken, was in solch irwm Professorengehirn vorgeht, wenn es den dichte' durch den Dichter widerlegen zu können tiibl Um wieviel klüger war da Goethe, als ■IlDlocn philologischen Ungereimtheiten gegenüber lltncg erklärte, daß alle wahre Poesie in A n a - jiiofismen lebt und atmet. Und was die an- Hilf vierzigjährige Helena anbetrifft, so hat es ®JI mMnend schon damals gelehrte Herren vom Sc-tao? unseres ungalanten Mathematikers gegeben. Wien ruft Goethe in der „klassischen Walpurgis-
off iw Werbern des großen Königs, die vornehm- -nkr lidt M Schaffhauser Gebiet, im Klettgau, in der r ©rhfidmft Baden im Ergau, im Württembergischen
UM zürstenbergischen, bis hinauf zu der Herrschaft Dulrlac) und weiter ihr Wesen trieben. Nur im V^msterreichischen, das Freiburg und den Breis- gam, em gutes Stück vom Hochschwarzwald, Villm- geir, Güdingen und Waldshut umfaßte und über berr schein ins Fricktal reichte, sollten sie nichts zu fuaqen haben, obzwar sie es taten, wenn keiner getrau hinschaute (und wer von den „feindlichen ost Griechischen Beamten schaute genau hin?).
t Einim jungen Manne namens Sixt ging es m dem Dohren nicht gerade üppig. Er wollte leine M3uc heiraten, aber weder er noch sie besahen chats worauf sich ein Hausstand gründen kunnte. Udb h Sixt, der zwölfte Sohn eines in St. Blasi- schü'U ^Klosterdiensten schaffenden Holzfällers, als lei/ütt«Knecht bei einem Großbauern in Arbeit ftohl, gab es kaum viel Aussicht, daß er es bald zu einen eigenen Grund, einem Paar Betten und einen Tisch bringen würde. Der Gedanke daran bei'irjcile ihn sehr, und da man ihn außerdem seiner Arbmi wegen gering achtete, und er neben Öen anytlen Burschen nichts galt, ja man ihn sogar des- wetgtn hänselte und meinte, er scharre im Leben nit'bk gufammen, beschloß er, „es ihnen zu zeigen . Uhddv er ein echter Hotzenwälder war, einer von bet': Btf, die es faustdick hinter den Ohren hat und be^er richtig angewandte Knitzigkeit seit jeher Kapital liedeutete, es zudem für einen nach Wien zu- ftbilligen Wäldler damals (und auch späterhin noch) M ii ehrenwertes Geschäft hieß, einen Menschen ainisbtfi Landen nördlich des Maines hereinzulegen,


