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** Der Militärgottesdienst am morgi­gen Sonntag fällt wegen der 116er-Feier aus.

** Maienblasen. Am heutigen Samstag, ab 19 Uhr, findet auf dem Turm der I o - hanneskirche zum letzten Male in diesem Jahre das Maienblasen statt. An den Darbietungen hatte die gesamte Einwohnerschaft regen Anteil genom­men und dadurch ihre Dankbarkeit allen denen be­wiesen, die zur Erhaltung und Unterstützung dieser schönen Volkssitte beigetragen haben. Als Abschluß werden vorgetragen: 1. ChoralValet will ich dir geben", Melchior Teschner, 1613; 2.Preis und Anbetung", von Rink; 3. VolksliedVöglein im hohen Baum"; 4. Deutschlandlied und Horst-Wessel- Lied.

** Vom Botanischen Garten. Seit eini­gen Tagen sind die Bestände der Ueberwinterungs- häuser des Botanischen Gartens wieder an ihr Sommerquartier im Freien zurückgekehrt, die pflan­zengeographischen Gruppen sind wieder aufgestellt. Die Freunde des Botanischen Gartens finden die Schauhäuser wie im vorigen Jahre Mittwoch und Sonntag von 9 bis 12 Uhr geöffnet, ferner Diens­tag und Freitag 15 dis 17 Uhr. Im Ueberwinte- rungshaus ist zur Zeit das Leuchtmoos (Schisto- stega) zu sehen. Nächsten Sonntag wird in dem­selben Hause eine wertvolle Schausammlung von Käfern und Schmetterlingen aus Privatbesitz ge­zeigt werden (9 bis 12 Uhr).

Große Strafkammer Gießen.

Arn gestrigen Freitag verhandelte die Große Strafkammer bei dem Landgericht gegen die Zim­mervermieterin Hedwig Ruckes aus Gießen wegen Kuppelei.

Der Angeklagten wurde vorgeworfen, in Gießen in der Zeit von 1934 bis Ende 1936 einen bordell­artigen Betrieb unterhalten zu haben, was nach dem Gesetz vom Jahre 1927, betreffend die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, verboten ist. Dabei hat sie die Mädchen in der schlimmsten Weise über­vorteilt und sich über das reine Vermieten hinaus an der Leitung des bordellartigen Betriebs be­teiligt. v .

Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen der bis­herigen Unbestraftheit der Angeklagten unter Zu­billigung mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von acht Monaten, da nicht nur die Leitung eines bordellartigen Betriebs, sondern auch ein systema­tisches Ausbeuten der Mädchen vorlag.

Nach der den ganzen Tag über dauernden Beweis­aufnahme erkannte das Gericht die Angeklagte für schuldig und verurteilte sie zu einer Gefängnis- strafe von acht Monaten.

Radsternfahrer des Handwerks in Gießen.

Am gestrigen Fr-itag trafen planmäßig um 10 Uhr die Teilnehmer der Handwerker-Radstern­fahrt der norddeutschen Strecke auf derKarlsruh" ein. Von Schleswig-Holstein Über Hamburg, Celle, Einbeck und Kassel kommend, war in Marburg letzte Uebernachtung für sie. Nach einer Frühstückspause in Gießen, zu der die Radfahrer von dem Fan­farenzug des Jungvolks und den Kreisfachgruvpen- waltern empfangen wurden, ging die Fahrt' nach einem Marsch durch die Straßen der Stadt nach Friedberg weiter.

Auf derKarlsruh" hieß der Gaufachgruppen- walter Wilhelm Dienstbuch aus Frankfurt a. M. die Gäste in dem schönen Gau Hessen-Nassau will­kommen. Der Vertreter des Kreishandwerkmeisters, Amtswalter Zutt, entbot den Radfahrern den Willkommensgruß der Stadt Gießen. Bei dem Früh­stück kam auch der Humor der Radfahrer zum Aus­druck, der diese Handwerksmeister, -gesellen und -lehr- linge, unter denen sich der aus dem Vorjahre be­kannte 63jährige Mechanikermeister K u h r t aus Kiel befand, trotz der langen Fahrt auszeichnete. Die Kieler brachten auch den jüngsten Teilnehmer, einen Lehrling von 14 Jahren, mit. Die nette Pause auf derKarlsruh", zu der sich auch einige Jn- nungsobermeister und Meister eingefunden hatten, war zu kurz bemessen. Unter Vorantritt des Fan­farenzuges des Jungvolkes und einer Fahne der Gießener Kameraden formierte sich der lange Zug zum Marsch durch die Straßen der Stadt.

Abteilungsleiter Böhme (Kiel) brachte den Dank an die Stadt und an die Gießener Kameraden zum Ausdruck und gedachte in packenden Worten des Gaues Hessen-Nassau. Der Treugruß an den Führer, fand ein kräftiges Echo. Ueber die Mar­burger Straße, den Linden- und Marktplatz, die Schul- und Sonnenstraße zum Seltersweg führte der Marsch der Frankfurter Straße zu. In den Straßen fehlte es nicht an lustigen Zwischenrufen und witzigem Wortgeplänkel.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 29. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, J4 kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben 10, Spinat 10 bis 25, Römisch­kohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel, 1. Sorte 43 bis 52, 2. Sorte 37 bis 45, 3. Sorte 31 bis 37, 4. Sorte 13 bis 15, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln 14 bis 15, Schwarz­wurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, V» kg 15 bis 18 Pf., Aepfel 40 bis 80, Kirschen 90, Zwetschenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 60 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 50 bis 60, Ober- kohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

Sporttag des VM. am 29. und 30 Mai.

5m Mai und Juni finden im ganzen Reich die Relchsiugendwettkämpse der Hitlerjugend" statt.

Am 29. und 30. Mai, dem Tag des BDM., kom­men in allen M- und JM.-Gruppen unseres Unter­gaues die Mädel zusammen, um ihre sportlichen Leistungen unter Beweis zu stellen und einen Tag in fröhlicher Kameradschaft zu verleben. Am Sams­tagmorgen wird das Laufen, Springen und der Ballweitwurf der Jungmädel nach Punkten gewer­tet, und die beste Jungmädelschaft, die kleinste Ein­heit von 10 bis 15 Mädeln, erhält einen Preis.

Wir wollen nicht nur das beste Mädel finden, sondern die Leistung der besten Gemeinschaft, der Jungmädelschaft. Außerdem stellt die Gruppe 16 Mädel zusammen, die beim Junginädel-Mann- schaftsmehrkampf mitmachen, der aus Singewett­streit, Wettlauf mit Sprungseil und Handballweit­wurf besteht. Auch diese Wettkämpfe werden nach Punkten gewertet. Eine Jungmädelspielwiese mit Lauf-, Ball- und Parteispielen, schließt den Sport­tag der Jungmädel ab.

Am Sonntagmorgen treten alle BDM.-Mädel zu den Wettkämpfen an, bei denen sich ebenfalls im Laufen, Springen und Werfen die besten Mädel- schaften Herausstellen. Als Besonderes bringen die Mädel wieder, wie im Vorjahr, eine Körperschule nach Musik und zwei Mädeltänze.

Der Mannschaftsmehrkampf des BDM. wird von 20 Mädeln ausgeführt und zeigt: Weitsprung, Schlagballweitwurf, 12 X 50 Meter Rundstastel.

Die Mannschaftsmehrkämpfe der Mädel- und

Jungmädel sollen schon ein Vorentscheid zum Unter­gausportfest sein, bei dem sich die Lrei besten Mädel- und Jungmädel-Mannschaften den ersten Platz und den 1. Preis im ganzen Untergau erkämpfen sollen.

Dienstbefehl für alle Mädel und Jungmädel.

Am kommenden Samstag tritt jedes Jungmädel und am Sonntag jedes Mädel des Untergaues zu den Reichssportwettkämpfen der Hitlerjugend 1937 bei ihrer Einheit an. Die Wettkämpfe werden als Vorentscheid für das Untergausportfest in den ein­zelnen Gruppenstandorten durchgeführt. Unentschul­digtes Fehlen berechtigt die Gruppenführerin zur Ausweisung.

Standorlbefehl für Mädel.

Sämtliche Gießener Mädelgruppen sind am Sonntag, 30. Mai, um 7.30 Uhr, am Universitäts­sportplatz angetreten. Turnzeug und BDM.-Tanz­kleid sind mitzubringen. Ende der Wettkämpfe gegen 12 Uhr. Unentschuldigtes Fehlen berechtigt die Gruppenführerin zur Ausweisung.

Sozialslelle.

Für die Jugendherberge wird ein Mädel zum Helfen gesucht. Näheres erfahrt ihr bei der Sozial­stelle des Untergaues.

Mädelgruppe 1/116 Giehen-Süd.

Die Gruppe tritt am Sonntag, 30. Mai, pünktlich um 7 Uhr, zu den Reichssportwettkämpfen der HI. amHessischen Hof" an. Turnzeug ist auf jeden 1 Fall mitzubringen.

Reisen, Bäder und Sommerfrischen

Kleine Frühlingsfahrt.

Von Erich paetzmann.

Wir. wollen uns nicht lumpen lassen. Was, Hannibal? Uns soll keiner vorwerfen, wir wären mit halbwüchsigen Bartstoppeln in den blanken Morgen hinausgefahren.

Wenn ich jetzt den Spiegel hier an den Fenster­griff hänge, können wir uns beim Rasieren sogar ein bißchen ins Auge fassen. Denn sieh mal, Hanni­bal, wenn ich es sagen darf, mit meinem Schaum um die Lippen, so habe ich heute wieder ein ver­flucht zärtliches Gefühl für dich. Als müßte ich erst mal auf die Straße stiefeln und dir ein bißchen über die Haube streichen. Du brauchst nicht wegzu­gucken. Denn es ist wahrhaftig keine Schande für einen Kerl von vierunzwanzig Pferdestärken, wenn ihm ein fester Tritt auf die Zentralschmierung mehr behagt als so ein unnützes bißchen Dunst von Liebe und von

Jetzt wollen wir erst mal den Tank leerfahren. Macht dreihundert Kilometer, Hannibal! Was meinst du zu Frankfurt? Celle? Frühling in der Göhrde! Herrschaft, Hannibal, das Leben ist doch schön, und der ganze Tag gehört uns, wie er da- steht in Saft und Prangen.

Da kommt Fräulein Schnurbel aus dem Haus getrippelt. Schnurbel stammt gerade frisch aus der Waschschüssel und blinzelt noch ein wenig seifen­feucht und bläßlich in die Sonne. Hinten stehen ihr zwei kleine Zöpfe starr vom Kopf, als wäre ihnen mit etwas Reisstärke nachgeholfen. Denn Schnur- bels Mutter ist Waschfrau und versteht sich darauf. Sie wohnt im Hinterhaus links parterre.

Morgen, Schnurbel! Na, was sagst du zu dem Wetter? Gestern hat's noch geregnet und heute scheint schon wieder so ein Haufeii Sonne."

Ja, fein, daß sie wieder scheint."

Weiß der Kuckuck, daß das fein ist. Und wenn du Lust hast, kannst du ein bißchen mit vor die Stadt fahren. Hast du?"

Schnurbel ist auf einmal rosig angehaucht vor Er­regung, stellt einen Fuß auf das Trittbrett, rennt nochmal in das Haus zurück und kommt mit der Mutter wieder. Fünf Minuten dauert es, bis ich die Mutter überzeugt habe, daß ich vorsichtig fah­ren werde, daß die Türen richtig zu sind, und daß ich aufpassen werde, daß Schnurbel nicht aus dem Wagen fällt, und daß ich das Kind ihr wieder heil und gesund in ihrem Hinterhause abzuliefern be­absichtige.

Mit zwanzig Kilometer Geschwindigkeit fahren wir in das nächste Dorf ein. Ein rüstiger Sechziger könnte uns zu Fuß überholen, wenn er den Ehr­geiz hätte. Ich habe sonst auch meinen Ehrgeiz, Teufel ja, aber heute fahre ich mit zwanzig Kilo­meter durch die Dörfer und muß immer wieder mal nach rechts sehen, wo Schnurbel sitzt und auf den Polstern herumrutscht und manchmal vor lauter Vergnügen ein Bißchen fingen muß.

Hinter dem Dorf ist ein See mit grünen Weide­schlägen daran und etwas Wald dahinter. Aus Schnurbels Anstalten muß ich schließen, daß sie noch nie einen See mit Schilf und Fischerbooten und eine Weide voll Kühe gesehen hat. Schwere schwarz­weiße Kühe, die mit breitgesenkten Köpfen über die Koppel streifen und manchmal die Schädel schnau­fend in den hellen Morgen werfen.

Schnurbel darf mal auf das Boschhorn drücken, um den Kühen kurz anzumelden, daß wir da sind. Aber die sind gerade nicht für Besuch aufgelegt, sondern drehen uns die breiten Hintern zu und trollen sich davon. Schnurbel findet das nicht eben nett. Aber siehst du, Schnurbel, man muß das wiederum verstehen. Kühe sollen nun mal immer fressen und nur fressen und sich nicht stören lassen, damit das rechte fette Milch gibt

Da wir gerade von Milch reden, jetzt werden wir erst mal in das Dorf zurückfahren und eine kleine Frühstückspause dazwischenflechten. Wir begeben uns also in das Dorfwirtshaus, nehmen dicknäfig am Honoratiorentisch Platz und lassen uns den Tisch voll Landbrot und gelbe Butter und viel

Wurst stellen, der Ordnung halber auch zwei Töpfe Milch dazu.

Als wir dann endlich die Teller wegschieben und uns die Münder wischen, sind wir' so rundum satt, wir beide, daß wir schleunigst wieder vor das Dorf fahren und uns am Waldrand unter die Bäume legen und gar nichts tun, als in den Him­mel gucken. Und da es allmählich auf Mittag geht und die Luft so warm und still unter den Bäumen steht, schlummert Schnurbel sacht neben mir ein.

Da liegen wir nun und schlafen oder starren durch das Laub in den blauen Himmel. Und haben so unsere Gedanken. Zum Beispiel, daß es den einen mit zahlreichem Gepäck bis nach Heluan oder in die Oase Biskra treibt, ober sogar nach Bom- bafa beispielsweise, und wenn er nun am Ziel steht und das bißchen fremden Horizont genug betrachtet hat und er dann mal die Augen schließt und in sich hineinlauscht, dann spürt er, daß in dunklen Falten innen schon wieder die Sorge lauert, ob in den dreizehn neuen Koffern nicht die Messingkäfer sitzen, und ob auch wohl die Börsen noch alle fest ge­blieben sind inzwischen, und ob es überhaupt nicht gescheiter wäre, man säße bei der Hitze bei Kranz- ler am Kurfürstendamm in Berlin hinter einem kühlen Grönlandflip. Ja, so ist das in der Welt.

Und dann wächst zur gleichen Zeit in der Schlucht der Hinterhöfe ein kleines Fräulein heran mit Namen Schnurbel, das ist ein wenig dünn und blutarm und kennt von der Welt nichts als ein paar Vorderhäuser, in die man frischgestärkte Kra­gen tragen muß. Das wird dann bloß knapp fünf­undzwanzig Kilometer vor die Stadt gefahren und darf Kühe anhupen und lebendigen Schweinen zu­winken, darf mal in einem Fischerboot sitzen und ein bißchen schaukeln, und darf vor allen Dingen Bauernbrot und Landwurst essen, und kann dann an einem weltentrückten Waldrand liegen und ein wenig in der warmen Mittagsstille schlafen.

Du meine Güte, ich will gerne auf Celle und Frankfurt pfeifen sozusagen, wenn ich dafür mit­ansehen kann, wie so ein kleines, blasses Fräuleins­gesicht sich langsam rosig färbt und anfängt aufzu- blühen und richtig lustig und gesund aussieht auf einmal.

Zwölf Uhr, Schnurbel. Um ein Uhr müssen wir daheim sein, und ich brauche eine Stunde für die Fahrt. Hannibal möchte die Strecke natürlich wie­der in einer Viertelstunde herunterrasseln. Aber halt die Klappe, Hannibal! Auf dich kommt es heute nicht an.

Die Gießener Hütte wartet.

Seit vier Jahren sah das traute Bergsteigerheim der Sektion Gießen-Ober Hessen des Deut­schen und Oesterreichischen Alpenvereins nur ver­einzelte Gäste aus dem Reiche. Ein Verhängnis hatte es gehindert, daß alpin begeisterte deutsche Brüder und Schwestern nach dem Kärtner Göß- gr ab en zogen, wo die Königin der östlichen Tauern, die Hochalmspitze, über Gletschern thront, deren Wässer im Umkreise der Gießener Hütte zu Almen und Wäldern niederrauschen. Nun stehen die Tore des Reiseverkehrs nach Oesterreich wieder offen, und es ist zu erwarten, daß der heurige Sommer dem hessischen Schutzhause in Kärnten auch Besucher aus dem Hessenlande in größerer Zahl bringen wird.

Die erste Voraussetzung hierfür ist die Gewäh­rung der erforderlichen Devisen, deren Zuteilung bei der Sektion 6 bis 8 Wochen früher zu bean­tragen ist. Alpenvereinsmitglieder werden bei Reisen zu touristischen Zwecken bevorzugt. Sie erhalten neben Devisen auch Uebernachtungsscheine für die (Siebener Hütte und andere reichs­deutsche Schutzhäuser in Oesterreich. Alles Nähere über Reisegeldbeschaffung veröffentlichten dieMit­teilungen des D. u. Oe. AD." Nr. 1 (Januar) und Nr. 3 (März).

Wichtig ist auch die Versorgung mit Schrift- t u m und Karten. An erster Stelle steht, weil alles für Bergsteiger und Alpenwanderer über die Gießener Hütte Wissenswerte enthaltend, derFüh­

rer durch die Ankogelgruppe" von R. Hüttig und F. Kordon (Verlag Artaria, Wien). Eine gute Uebersicht gewährt die von der Sektion Gießen her­ausgegebene Karte:Umgebung und Zugänge der Gießener Hütte, 2230 Meter, in Kärnten, 1:100 000" (ohne Geländezeichnung). Die vorzügliche Alpen- Vereinskarte:Ankogel-Hochalmspitzgruppe, 1:50 000" schneidet leider südlich der Dössenerscharte ab, wes­halb auf ihr die Südumrahmung des Gößgrabens (Reißeckgruppe) fehlt. In dieser Hinsicht entspricht besser dieKarte der Goldberg- und Ankogelgruppe, 1:50 000" von G. Freytag und Berndt, Wien. Die Tauernbahn, mit der man von Norden her am raschesten zur Gießener Hütte kommt über Mallnitz Dössenerscharte oder über Spittal GmündGößgraden, teilt diese sehr anschauliche Karte in zwei Hälften. Auch die Touristenwander- karte von G. Freytag und Berndt, 1:100 000, Blatt 19:Goldberg - Ankogel - Hafnergruppe, Radstätter

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Tauern" zeigt die gesamte Umgebung der Gießener Hütte und ihre Zugänge.

Kein Besucher der östlichen Hohen Tauern soll versäumen, die neue Glöckner st raße, einen Verkehrsweg, der wenige seinesgleichen hat, kennen­zulernen, sei es auf der Hinreise ober auf der Heimfahrt. Dieses Wunderwerk moderner Technik überschreitet die Zentralalpenkette angesichts des Königs der österreichischen Bergwelt im Bereiche der Pasterze, des größten ostalpinen Gletschers. Fußwanderer und Radfahrer werden die Schönheit der gewaltigen Glocknerlandschaft noch eindrucks­reicher als die Fahrgäste eiliger Kraftwagen ge­nießen. Als bester Ratgeber dient dieAmtliche Karte der Großglockner-Hochalpenstraße, 1:25 000" von G. Freytag und Berndt, Wien.

Möge es im heurigen Sommer recht vielen Alpenfreunden aus dem Hessenlande gegönnt sein, bei klarem Wetter sich des herrlichen Berggebietes zu freuen, das der Alpenvereinszweig Gießen-Ober- heffen auch in Notzeiten umsorgt und betreut hat und wo biedere Kärnterherzen den Brüdern und Schwestern aus dem Deutschen Reiche voll froher Erwartung entgegenschlagen!

Mr. Frido Kordon, Graz.

Wanderfahrten.

Ems Frücht Ober-Lahnsteiner Forsthaus Becheln Rassau.

Wir fahren mit Sonntagskarte nach dem präch­tig an der Lahn gelegenen Bad Ems. Schon die Fahrt durch das an landschaftlichen Schönheiten reiche Lahntal bietet hohen Genuß. Nach Besichti­gung der schönen Badestadt benutzen wir für unsere Wanderung zunächst das L des Lahnhöhenwegs, das uns vom Bahnhof ab auf bequemen schattigen Wegen, am Schweizerhaus vorüber hinauf zum Malberg führt, von dessen Aussichtsturm sich eine entzückende Rundschau bietet. Sodann hinab zum Predigtstuhl, zur Rottmannhöhe (Wirtschaft) und weiter am Hang des Rittgesberges entlang nach Miellen, um von hier das überaus reizvolle Schweizertal aufwärts über Frücht, wo die Ge­beine des großen Staatsmannes Freiherrn vom Stein liegen, zum gastlichen Ober-Lahnsteiner Forst- Haus zu gelangen. In Frücht haben wir unser seitheriges Zeichen verlassen und wandern nunmehr ohne Markierung. Kurz hinter dem Forsthaus gehen wir ein großes Stück durch Wald über Becheln, dann dem Pfahlgraben entlang, hierauf durch Schweighausen und Oberwies über den Heidepütz, einen Tempel mit hübschem Blick in das Mühl­bach! al, hinab nach Nassau, von wo wir heim­fahren. Wanderzeit 5 Stunden.

Aßlar Adlerhorst Oberlemp Bellersdorf Rennweg Herborn.

Diese Wanderung, durchweg mit einem D (Dill­wanderung) bezeichnet, ist, da sie sehr viel durch Wald führt, namentlich für die heiße Jahreszeit zu empfehlen. Von unserem Ausgangspunkt Aßlar wandern wir an der stattlichen Kirche vorüber auf die Höhe, wo sich uns ein hübscher Blick über das Dilltal erschließt. Bald darauf nimmt uns der Wald auf. Nach etwa zweistündiger genußreicher Wande­rung kommen wir über den Adlerhorst (435 Meter), auf dem vor Jahren ein Holzturm stand, der jedoch eingestürzt ist, so daß sich leider keine Aussicht bietet, nach dem anmutig im Lemptale gelegenen Oberlemp und in weiteren dreiviertel Stunden nach Bellersdorf. Kurz hinter dem Ort treffen wir auf dem Rennweg noch die gelbe Kreuzmarkierung, die in Bieber beginnt und nun gemeinsam mit unserem seitherigen Zeichen weitergeht. Auf stillen Pfaden durch prächtige Waldungen, die sogenannte Hörre, am Hörrkopf und Stellbeutel vorbei, erreichen wir nach weiteren zweieinhalb Stunden unser Endziel Herborn. Beim Verlassen des Waldes bietet sich uns noch ein reizvoller Blick auf das Dilltal und Burg Greifenstein.

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