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187. Zahrgang

Sam$fag,2Q.mai 1937

Gietzener Anzeiger

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Dr. Goebbels antwortet dem Kardinal Mundelein.

Der Reichspropagandamimster stellt sich schützend vor die deutsche Rechtspflege.

Notwendige Klärung.

Das deutsche Volk war am Radio Zeuge der Ab­rechnung, die Reichsminister Dr. Goebbels mit einer gefährlichen Gruppe oon Volks- und Staats­schädlingen gehalten hat. Es ist gewiß niemand im Lande, der an den traurigen Vorfällen in Insti­tutionen der römisch-katholischen Kirche seine Scha­denfreude hätte oder gar denken wollte, daran sein Süppchen kochen zu können. Gerade der ehren­werten Diener der Kirche wegen beklagen sie das Unheil, sind sie empört über die Tatsache, daß leitende Stellen der Kirche es an strenger Aufsicht oder auch nur am ernsten Willen der Ahndung all dieser Scheußlichkeiten fehlen ließen. Damit ver­breitete sich das Hebel weiter und weiter und nahm den schrecklichen Umfang an, der jeden Menschen mit tiefster Empörung, jeden Gläubigen mit unnenn­barem Schmerz erfüllen muß.

Es ist mit aller Sorgfalt und mit großer Geduld vorgegangen worden. Reichsminister Dr. Goeb­bels hat dafür aus der gewaltigen Fülle des Materials neue Beweise gehäuft. Man hat die Rich­ter sprechen lassen, ernste und verantwortungsvolle Männer, davon nicht wenige treue Anhänger der römisch-katholischen Kirche, die erschüttert sein muß­ten über die Häufung von Schmutz und Erniedri­gung, die sich vor ihren Augen auftat. Grundsätzlich ist d i e Oeffentlichkeit bei gerichtlichen Ver­handlungen ausgeschlossen, die das sittliche Emp­finden stören. Hier aber machte die Prozeßführung überall eine tiefeingreifende Ausnahme, indem sie Lehrer und Erzieher katholischen Glaubens der Verhandlung beiwohnen ließ. Es sollte auch der geringste Einwand genommen fein, als hätte das gerichtliche Verfahren irgendwelche Mängel auf­zuweisen, die sich zu Lasten der Beschuldigten aus­wirkten. Es konnte nicht objektiver und gewissen­hafter verfahren werden, als es hier geschah. Dis Presse hat mit Zurückhaltung berichtet, aber doch so weit mit Namen und Daten, daß sie dem Leser jederzeit nachprüfbar bleiben. Gleichzeitig aber wurde damit eine Warnung an diejenigen aus­gesprochen, die der Meinung sein könnten, als dürf­ten sie sich frnerhin an der deutschen Jugend, dem höchsten Gute der Nation, vergreifen.

Diese Zurückhaltung des Staates hat leider nichts genützt. Im Gegenteil, böse Zungen haben darin eine Schwäche sehen wollen, sie haben nicht auf­gehört, die Vorgänge als Ausnahmefälle zu bagatel­lisieren oder gar die Richtigkeit der Beweisführung zu bezweifeln. Nur so war es möglich, daß sich der Kardinal-Erzbischof Mundelein in Chi- kago verleiten ließ, unglaubliche Beschimpfungen gegen das Deutsche Reich und seine führenden Männer auszusprechen. Man hat noch immer nichts davon gehört, daß vom Vatikan hiergegen auch nur das geringste getan worden wäre.

Kein Wunder, daß sich im Lande selbst die Frage erhob, was der nationalsozialistische Staat gegen­über der Verhöhnung seiner Gerichte, zu den un­erhörten Beleidigungen durch ausländische Stellen und zu der Verdächtigung seiner Motive zu sagen haben werde. Diese Frage ist durch die Rede des Reichsminisbers Dr. Goebbels klar und scharf beantwortet. Niemand wird gegen den National­sozialismus den Vorwurf erheben können, daß er kirchenfeindlich" handele, wenn er etwas tut, was die katholische Kirche selbst leider nicht getan bat, nämlich einen Augias-Stall auszuräumen und un­sere Jugend vor Schädlingen und Wüstlingen zu schützen. Die Rede oon Dr. Goebbels war wohl­abgewogen an jedem Punkt, prägnant in der Fas­sung, würdig in ihrer Haltung, erfüllt von dem Bewußtsein, vor der Nation und vor der Welt eine Rechenschaft abzulegen, wie sie in solchen Fragen noch niemals ein deutscher Staatsmann ablegen wußte. Der Staat' und die Bewegung haben nun gesprochen, die Nation sieht, daß ihre Belange in guter und fester Hand sind. Die katholische Kirche wird erkennen müssen, daß der fernere Lauf der Dinge in der Hauvtsache von ihrer eiaen"n H""'Mg abhängt. Wir hoffen alle im Interesse des Volkes und Vaterlandes, daß der tiefe Sinn der gestrigen Ministerrede voll verstanden wird von denen, die He zuerst betrifft. D.

Dr Goebbels svrichf

Berlin, 28. Mai. (DNB.) Die Ankündigung, daß der Berliner Gauleiter Reichsminister Dr. Goebbels auf die verleumderischen Anwürfe des katholischen Kardinals Mundelein in Amerika anroorten werde, brachte der Deutschlandhalle am Freitagabend einen Massenbesuch. Die riesige Halle vermochte schließlich die Schar der Besucher nicht mehr aufzunehmen. Die Rede des Ministers wurde durch Lautsprecher in den großen Terrassengarten der Deuffchlandhalle übertragen, der ebenfalls über­füllt war. Nach dem Einmarsch der Fahnen eröffnet der stellvertretende Gauleiter Görlitzer die Massen­kundgebung und gibt das Wort dem B e r 11 n e r Gauleiter, der mit minutenlangen Heilrufen und Händeklatschen begrüßt wird, das sich immer wiederholt, bis er durch eine Handbewegung um Ruhe bittet.

Ehe sich Dr. Goebbels dem Hauptteil seiner Rede Zuwandte, legte er eingangs die Grunde Dar, Die die Führung des nationalsozialistischen Staates immer wieder veranlassen, vor das V o l k zu treten und mit ihm alle lebenswichtigen Probleme zu erörtern. Es fei die Aufgabe einer wahrhaft volksverbundenen und revolutionären Bewegung,

Die ganze Nation, Die lebende und Die fommenDe, fortDauernD im Geiste ihrer Weltanfchau- ung zu erziehen und sich ihrer Hilfe und ihrer Mitarbeit zu versichern. Die NSDAP, müsse immer und immer wieder ins Volk gehen, genau so wie die katholische Kirche unaufhörlich zu ihrer Gemeinde spreche und ständig auf die Eroberung Der Men­schen und Der Seelen ausgehe. Das fei Der Begriff derkämpfenden Kirche".Das ist einer der haupt­sächlichsten Gründe, warum die katholische Kirche 2000 Jahre alt geworden sei. Und mir haben auch d i e Absicht", so erklärte der Minister un­ter stürmischem Beifall,2 000 Jahre, wenn

nicht noch älter z u werden. Es genügt uns nicht, das Volk zu besitzen, sondern wir wollen alle kommenden Generationen für uns erobern und sie lehren, nicht nur unverbindlich nationalsozialistisch zu denken, sondern verbindlich und verpflichtend na­tionalsozialistisch zu handeln. Darum predigen auch wir in regelmäßigen Abständen vor unserer poli­tischen Gemeinde, d. h. vor unserem deut­schem Volk. Wir beDürfen seiner Mit­arbeit zur Lösung Dringender Probleme, die un­serer harren, und anderseits hat das Volk auch einen Anspruch darauf, zu erfahren, was Die Regierung will."

Das deutsche Volk eine große Kameradschaft.

So sei die Nationalsozialistische Partei in bestem Sinne des Wortes eineVolksparte i, und unser Staat fei darum d i e demokra­tischste Regierungsform, die es überhaupt gebe, hinter uns stehe die ganze Nation. Wit Diktatur habe sie nicht das geringste zu tun, und die das sagten, hätten von wahrer Demo­kratie nicht einen Hauch verspürt.Demokra­tisch ist ein Regime, in dem nach einem ehernen Grundsatz immer bie beften und tüch- tigsten Sühne des Volkes an bie Führung gestellt werben. Das ist bei uns ohne Zweifel ber Fall. Bei uns ist wirklich bie Kraft unb bie Intelligenz ber Nation an bie Wacht gekommen, unb unser ganzesVolk i st eine große Kamerabschaft gewor­ben, von einem einheitlichen Willen bes Auf­baues beseelt, nicht nur bei, Wahlen, fonbern jeberzeit hinter feiner Regierung stehend."

Verdienten wir vielleicht deshalb die Verachtung der Welt, weil wir S o r g en hätten? Unsere Sor­gen, das dürfe man doch nicht vergessen, seien nicht auf mangelnden Fleiß oder mangelnde Intelligenz, sondern darauf zurückzuführen, daß zu der u n -

günstigen geographischen Lage ein fühl­barer und erheblicher Mangel an Rohstoffen komme. Das ist nichts Unehrenhaftes!Die Welt täte besser", so erklärte Dr. Goebbels,wenn sie nicht aus solchen Erwägungen heraus mit Steinen nach uns würfe. Wenn fie sich ihrer eigenen Sünden erinnerte, die uns in diese Lage gebracht haben; wenn sie sich im Gegenteil dar­über freute, daß eine Führung der Ordnung, der Kraft und der Disziplin in Deutschland am Ruder ist; daß unser Volk nicht, eine Brücke zur Anarchi- fierung des alten Europas bildend, dem Bolsche­wismus anheim fällt. Wir haben vor unserem Volk und vor Der ganzen Welt nichts zu verbergen, aber wir sind zu stolz dazu, mit diesen Sorgen in der Welt hausieren zu gehen. Wir handeln nach dem Grundsatz:Hilf d ir felbft, dann hilft dir Gott!" Unter immer neuem stürmischem Beifall führte der Minister weiter aus, daß das ganze deutsche Volk zum Führer ein unerschüt­terliches Vertrauen besitze, daß der ununter­brochene Kampf des Führers mit den täglichen Sor­gen nur dazu beitrage, Den Führer Der Nation um so liebenswerter zu machen, weil sie daraus sehe, daß Der Führer auch mit seinen Sorgen mitten unter Dem Volk stehe.

Der deutsche Sozialismus.

Dr. Goebbels sprach Dann von Dem Ziel, Das Der Führer mit seiner Politik verfolge: Er wolle D i e Befreiung Der deutschen Nation nach innen und nach außen, lieber das Ziel des S o - zialismus, erklärte der Minister, find wir'uns alle einig. Der Sozialismus will in weitestgehendem Maße das Volk an den Gütern der N a - tion teilnehmen lassen. Der Führer und seine Regierung lehnen es aber ab, durch eine mecha­nische Lohnerhöhung eine automatische Preiserhöhung herbeizuführen und damit einen neuen inflationistischen Kreislauf zu beginnen. Die 350 dis 400 Millionen Mark, die in jedem Winterhilfswerk umgefetzt wurden, erhöhten den Verbrauch gerade der ärmsten Schich­ten unseres Volkes. Das i st Sozialismus, der auf friedlichem Wege verwirklicht worden ist.

Der Minister wies weiter nach, daß trotz der ge­spannten Lebenslage unseres Volkes der L e - bensstandard des schaffenden deutschen Arbei­ters im allgemeinen höher sei als in Ländern, Die große Rohstoffgebiete besitzen. Der Lebensstandard in Deutschland werde aber ständig noch weiter er­höht. Das sei auch die Aufgabe des neuen Vier­jahresplanes. Mit diesem Vierjahresplan wolle Deutschland sich keineswegs von der Welt abschlie­ßen; es wolle sich nur nicht für alle Zukunft oon der Willkür anderer Länder abhängig machen. Da­mit erfülle der Führer einen tausendjährigen Traum unseres Volkes, den Traum von einer wahren na­

tionalen Souveränität. (Neuer stürmischer Beifall.) Diese Lebensprobleme könnten nur von dem ganzen Volk gelöft werden in hingebungs­voller Einigkeit aller Berufs- und Bevölkerungs- fchichten.

Die nationalsozialistische Regierung fjabe die ehrliche Absicht, auch mit den Kirchen Frieden zu halten.Wir werden", so führte der Minister aus,die Konfessionen nicht religiös, sondern nur politisch einigen. Die christlichen Theorien werden von den Kir­chen, aber die christlichen Handlungen vom Staat und von der Partei betrieben. (Neuer minutenlanger Beifall.) Es ist empörend, fest­zustellen, daß sich die Kirchen der deutsch- feindlichenZeiküngen im Auslände für ihre Sabotagezwecke bedienen. Von uns kann jeder nach seiner Fasson selig werden. Der Protestant mag Protestant, der Katholik Katholik bleiben, und wenn einer bei­des nicht ist und trotzdem Christ zu sein erklärt, so soll auch er bleiben, was er ist. Die Kirche soll sich aber nicht in Die Angelegen­heiten des Staates h i n e i n m i f ch e n. Wir sorgen für unser Volk, und die anderen sorgen für die ewige Seligkeit. Wan sollte meinen, daß sie damit genug zu tun hätten."

Der nalionalWaMche Staat und die Kirchen.

Der Minister wandte sich alsdann gegen die ge­radezu infame Unterstellung, daß Deutschland den Religionsunterricht aus ber Schule beseitigen wolle.Es gibt nun einmal", so erklärte er unter heiterer Zustimmung,keine protestantische Erdkunde und keine katholische Naturkunde. Die Kinder sollen inder deutschen Auffas s u n g erzogen werden, sie sollen sich im späteren Leben nicht in erster Reihe als Protestanten oder als Katholiken, sondern zuerst und zumeist als Deutsche fühlen!" Immer wieder erfüllte tosen­der Beifall die Deutschlandhalle, als Der Minister diese Gedankengänge mit feiner Satire und scharfem Witz weiter ausspann und unter Hinweis auf eine geharnischte Erklärung Napoleons gegen klösterliche Anmaßungen und klerikale Einmischungen in die Staatsangelegenheiten ironisch feststellte, daß Deutsch­land durchaus nicht den Anspruch auf Originalität erhebe, wenn es sich heute mit Den kirchlichen Auto­ritäten auseinandersetze.

Auf einem ganz anderen Blatt allerdings stehen die Sexualprozesse geschrieben. Die in diesen Wochen und Monaten in vielen Städten des Reiches gegen eine Unzahl von Mitgliedern bes katholischen Klerus burchgesiihrt wer­den und fast ausnahmslos für bie Angeklagten zu schweren Gefängnis- unb Zuchthausstrafen geführt haben. Diese Sache geht im Augenblick nicht s o sehr den Staat als vielmehr den Staatsanwalt an. Es hanbelt sich dabei auch

nicht, wie von kirchlichen Kreisen durch Ausstreuung unkontrollierbarer Gerüchte glauben zu machen versucht wirb, um bebauerliche Einzelerscheinungen, sondern um einen allgemeinen Si11enver­füll, wie er in biesem erschreckenden und empören- ben Ausmaß kaum noch einmal in Der gesamten Kulturgeschichte ber Menschheit festzustellen ist. Wenn bemgegenüber behauptet wird, bas seien alles nur Scheinprozesse, bie dazu dienen sollten, die heilige katholische Kirche zu kompromittieren, so muß ich Darauf folgen Des zur Antwort geben:

Ich bin in Den letzten Wochen beruflich ver­pflichtet gewesen, einen wenn auch nur ge­ringen Bruchteil Des einschlägigen Waterials in Den amtlichen Prozeßakten selbst DurchzustuDieren. Ich kann nur sagen, Daß Das, was Darüber in Den Zeitungen steht, geraDezu winzig anmutet Der haarsträubenDen Sittenverwilberung gegenüber, Die hier tatsächlich zutage tritt. Wenn also von kirchlichen Kreisen erklärt roirD, Die veröffent­lichten Prozeßberichte gefährDeten Die Sittlich­keit Der IugenD, so muh ich Demgegenüber be­tonen, Daß nicht Die Zeitungen, Die Diese Berichte bringen, fonbern Die verbreche­rischen sexuellen Verirrungen Des katholischen Klerus Das leibliche unD

seelische Wohl Der Deutschen Jugend auf Das ernsteste zu beDrohen geeignet sinD. UnD ich kann mit allem Nachdruck vor Dem Deutschen Volk, Das in Dieser SfunDe mein Zuhörer ist, betonen. Daß Diese Sexualpest mit Stumpf unb Stiel ausgeroltet roerDen muß unD roirD; unD roenn Die Kirche sich Dazu als zu schwach erwiesen hat, so roirD Das Der

Staat besorgen.

Eine interessante Erinnerung.

DieGermania"

zum Harden-Moltke-Prozeß 1907.

Er befindet sich dabei in einer in diesem Falle merkwürdig anmutenden Gesellschaft. Auch im Jahre 1907 hat es im monarchischen Deutsch­land in ganz kleinem Umfange gegen drei oder vier Mitglieder des hohen Adels ähnliche Prozesse gegeben. Das Blatt des Zentrums, dieGermania", das damals bekanntlich Wort­führer und Sprachrohr der katholischen Kirche und des hohen katholischen Klerus in Deutschland war, schrieb bei dieser Gelegenheit unter dem 27. und 29. Oktober 1907:

Es handelt sich hier um mehr als lediglich um Vorwürfe sittlicher Perversität gegen beliebige Einzelpersonen, an Denen die Oeffentlichkeit kein besonderes Interesse hat. Die Dinge, welche in die­sem Prozeß der Oeffentlichkeit enthüllt worden sind, beanspruchen vielmehr eine besondere Beachtung, weil sie in kulturhistorischer wie in politischer Be- Ziehung einen zeitgeschichtlichen Hinter­grund von außergewöhnlicher Bedeutung haben. Es war freilich längst kein Geheimnis mehr, daß die sittliche Perversität namentlich irr hochgestellten Kreisen in den letzten Jahren eine unheimliche Ver­breitung gefunden hat. Der Prozeß hat mehrere Personen vor den Richterstuhl der Oeffentlichkeit ge­bracht, jene Mitglieder unserer ältesten Adels- geschlechter und Herrscherhäuser, die ihre bevor­zugten Stellungen zu den schamlosesten Orgien, zur niedrigsten Völlerei, zur verächtlichsten Befriedigung ihrer widernatürlichen Sinneslust mißbraucht haben. Die sittengeschichtlichen und politischen Enthüllungen haben die Notwendigkeit und Dringlichkeit offenbart, daß hier Wandel geschaffen werden muß bezüglich der Ver­breitung der widernatürlichen Unzucht. Man wird nun entschiedener den Weg zur sittlichen und poli­tischen Gesundung einschlagen und mit eiserner Strenge verfolgen, damit das deutsche Volk nicht dem Niedergang verfällt und an seiner Zu­kunft irre wird.

Trotz alles Schmutzes, der in dem Prozeß Moltke-Harden aufgewühlt worden ist, ist doch nur ganz oberflächlich in dem sittlichen Sumpf gerührt worden. Nur ein ganz kleines Zipfelchen ist oon der in weiten Kreisen der vornehmen Gesellschaft herrschenden Unsittlichkeit ein wenig gelüftet Hor­den."Wer stärkt den von der Seuche ergriffenen und bedrohten Kreisen das Gewissen, wer weist sie darauf hin, wie sie durch ihr schändliches Gebaren nicht nur sich selbst und ihre Familien zu Grunde richten, sondern auch die in den weitesten Kreisen des Bürgertums vorhandene Abneigung gegen den Adel stärken, den Thron bloßstellen, dem sie näher* stehen als andere Sterbliche, ja, unsere Feinde durch die Zeichen des Verfalls ermutigen, die sie als Kainsmal geschlechtlicher Entartung an sich tragen? Wo alles aufs Aeußerliche gestellt ist, wo in allen Schichten rücksichtsloseste Erwerbs- und Genußsucht herrscht, Ewigkeitsmomente völlig zurücktreten, Re­ligion, Kirchlichkeit und Sitte ganz abgetan, im besten Falle ein Produkt der Erziehung und Ge­wöhnung sind, da ist der Boden für alle Laster ge­ebnet."

Es ist also nicht mehr als recht und billig, daß Der nationalsozialistische Staat, heute in einer ähnlichen Lage, nur gegen Tau­fen De oon kirchlichen Sexualverbrechern nach Demselben Rezept vorgehk. Das im Jahre 1907 DieGermania" gegen eine ganz kleine oDelige Clique vorschlug. UnD Der katholische Klerus kann Davon überzeugt sein, Daß heule, wie DieGermania" im Jahre 1907 schon ver­langte,entschieDen Der Weg zur sittlichen und politischen GesunDung eingeschlagen unD mit eiserner Strenge verfolgt roirD, Damit Das Deut­sche Volk nicht Dem Niedergang verfällt und an seiner Zukunft irre roirD.

Die deutsche Reichsregierung hatte eigentlich die Absicht, zu diesen Vorgängen in der Oeffentlichkeit Zu schweigen und d i e Tatsachen s e l b st reden Zu lassen. Ich sehe mich nunmehr gezwungen, die­ses Schweigen zu brechen. Denn eine deutliche und klare Antwort ist nötig geworden. Ein katholi­scher Kardinal in Amerika, mit Namen Mundelein, hat in einer öffentlichen Rede, in der er den Führer in der unqualifizierbarsten Weise beleidigte, mich denunehrlichen Propaganda­minister von Deutschland" genannt, der diese Pro­zesse nur aufziehen lasse, um der verfolgten katho­lischen Kirche Schaden zuzufüqen. Er zweifelt da­bei in Bausch und Bogen die Richtigkeit dieser Pro­zesse an und hat die Stirne, sie mit der Greuel- propaganda zu vergleichen, die während des Krieges gegen Deutschland betrieben wurde.

Hier bin i ch persönlich angegriffen. Unser Regime wird des furchtbarsten Verbrechens angeklagt, dessen sich eine Regierung schuldig machen kann: der offenen Beugung oon Recht und Gesetz zu egoistischen Zwecken.

Ich sehe mich deshalb veranlaßt, aus der Sphäre des Schweigens herauszutreten und Antwort z u geben. Ich spreche hier als deutscher National­sozialist, als Familienvater, dessen kostbarstes per-