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M. 24 Drittes Blatt
Cteßener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Zreitag, 29. Zanuar M7
Haubitzendonner um den Gleiberg.
(Scharfschießen der III. Abteilung Artillerie-Regiment 9 Gießen.
Schöner Gesang von Soldatenliedern marschierender feldgrauer Kolonnen hallte am Donnerstag zwischen 6 und 7 Uhr durch die Straßen von Gießen. In gewohnter guter Marschordnung rückten unsere Gießener Artilleristen batterieweise zu Fuß hinaus in die Gegend des Gleibergs, während die Geschütze, die Munitionswagen und die Beobachtungsfahrzeuge ihren Marschweg gesondert zurücklegten. Die Hebung galt dem ersten Scharfschießen des ersten Ausbildungshalbjahres des Jahrgangs 1936, für das wiederum die Gegend zwischen Gleiberg — Kinzenbach — Atzbacher Wald — Rodheim an der Bieber bestimmt worden war, ein zweites Scharfschießen der Abteilung wird im Laufe der nächsten Woche in einer anderen Gegend unserer engeren Heimat stattfinden.
Die gestrige Hebung hatte nicht etwa den Zweck, einen kriegsmäßigen Einsatz und dementsprechend kriegsmäßiges Schießen der Batterie zu zeigen. Der Zweck der Hebung war vielmehr der, ein Schul- und Ausbildungsschießen durchzuführen, bei dem sowohl die Feuerleitung auf der Beobachtungsstelle, wie auch die Männer in der Feuerstellung an den Geschützen ihre Kenntnisse der Waffe noch weiter vervollkommnen und vor allem die Rekruten das in der bisherigen Ausbildungszeit Gelernte praktisch anwenden konnten. Die Durchführung der Hebung stellte starke Anforderungen an die Soldaten. Es
war nicht nur der Dienst an den Geschützen, der volle Hingabe des einzelnen Mannes erforderte, sondern vor allem die starke Kälte und der eisige Wind, die den stundenlangen Aufenthalt an den Geschützen und vor allem auf der exponiert, an einer sehr „scharfen" Ecke des Gleibergs liegenden Beobachtungsstelle nicht gerade zu einer besonders erfreulichen Angelegenheit machte. Schon nach kur- Zer Zeit gab es ganz empfindlich kalte Füße, und die Kälte kroch bei dem schneidenden Wind immer mehr den Körper hinan, so daß die Männer oft einmal eine innere Erwärmung durch den ausgegebenen heißen Tee der Feldküche vornehmen mußten. Aber trotz der Witterungsunbilden sah man allenthalben bei den Artilleristen nur vorbildliche und straffe Pflichterfüllung. Auf der Beobachtungsstelle wurde der Dienst der Feuerleitung, in den sich die älteren und erfahreneren Offiziere der Abteilung mit den jungen Kameraden des Führernachwuchses teilten, wobei die Erfahrungen des alten Soldaten in reicher Weise den jungen Männern zu- gewandt wurden, mit ebenso strammer Exaktheit und militärischer Genauigkeit durchgeführt, wie die Ausführung der Befehle von der Beobachtungsstelle in der Batteriestellung. Dabei zeigte sich in dem Zusammenwirken von Feuerleitung und Batterie — im Gegensatz zur Infanterie, bei der das gemeinsame Feuer einer Bielzahl von Männern die Regel
ist, schießt ja bei der Artillerie eigentlich immer nur einer, nämlich der Feuerleitende auf der Beobachtungsstelle, der das Ziel ermittelt, die Geschütze auf die Entfernungen einschießt und dann das Wirkungsfeuer folgen läßt, während an den Geschützen selbst nur die mechanische Arbeit nach den Befehlen der Beobachtungsstelle zu leisten ist — ein gutes Ergebnis der bisherigen Ausbildungsarbeit in der Abteilung, das in den Schußresultaten auf die Ziele seinen sichtbaren Ausdruck fand. Wiederholt hörte man denn auch von den Offizieren Worte der Anerkennung über die präzise Arbeit der Männer an allen Dienststellen der Batterien und vor allem an den Geschützeü.
Die gewaltige Sprache der Haubitzen ertönte von vormittags etwa 9 Hhr ab bis gegen 13.30 Hhr, wo die Hebung zum Abschluß kam. Der Haubitzendonner rollte zwar nicht ununterbrochen von der Gegend des Gleibergs, wo die Batteriestellung südöstlich des Dorfes in der Nähe des Bahneinschnitts im offenen Gelände lag, hinüber in die Gegend des Randes des Atzbacher Waldes, der das Zielfeld bot. Der Natur der Hebung nach gab es vielmehr bald kürzere, bald längere Pausen, aber stets ging die Ausbildung der Männer ununterbrochen in eifriger Weise vor sich, sei es nun am Beobachtungsgerät, oder an den Geschützen selbst. Der Abteilungskommandeur, Oberstleutnant Döring,
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In der Feuerstellung. — (Aufnahmen [4J: Pfaff, Gießen?
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Scharfer Ausguck nach dem Zielfeld.
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Guter Appetit in der Feuerpause.
Der Abteilungskommandeur, Oberstleutnant Döring, auf der 8-Stelle.
hatte dabei von der Beobachtungsstelle aus die Oberleitung und war bei allen Hebungen der Batterien ein sorgsamer Beobachter, dessen Feststellungen für die weitere Ausbildung seiner Leute bei der Arbeit in den kommenden Wochen ihren fruchtbaren Niederschlag finden werden. Etwa von 13.30 Uhr ab rückten die Batterien nach dem Standort Gießen zurück. Die Feldküche hatte vorher an die Zuschauer kostenlos erst noch eine Reissuppe mit Fleischeinlage ausgegeben.
Eine große Zuschauermenge folgte sowohl vom Gleiberg, wie auch von der Feuerstellung der Batterie aus in unmittelbarer Nähe der Haubitzen, mit großem Interesse den militärischen Vorgängen. Dabei hielten die Besucher trotz der strengen Kälte unfr des eisigen Windes stramm bis zum Schluß bef Hebung aus. In dieser Standhaftigkeit sowohl, wis in der Tatsache des sehr starken Besuches überhaupt kann man die erfreuliche tiefe Verbundenheit unserer Gießener Artilleristen mit der Bevölkerung do» Stadt und Land erblicken, die dem Gemeinschaftsgeist beider Teile das beste Zeugnis ausspricht. Dis Gleiberger Bevölkerung, soweit sie dem Berufe des Landwirtschaft angehört, hatte ihre Verbundenheit und ihre Opferfreudigkeit für die Truppe in anerkennenswerter Weise noch dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie den Pferden der Abteilung, und zwar den Reit- und Bespannungspferden, während der ganzen Dauer der Hebung gute und warme Hnterkunft in den Ställen des Dorfes gab, so daß die Tiere vor den Unbiiben bes strengen Winterwetters geschützt waren. Diese Hilfsbereitschaft ber Gleiberger Lanbwirte zugunsten ber vierbeinigen Kameraden unserer Artilleristen fand die besondere warme Anerkennung des Abteilungskommandeurs. Erwähnt sei noch, baß unter ber großen Zuschauermenge auch zahlreiche Kameraben bes Artillerievereins Gießen waren, bie bei bieser Gelegenheit ihre enge Waffen- kameradschaftliche Verbunbenheit mit ben aktive» Jüngern ber heiligen Barbara erneut befunben.
Aus ber Provinzialhauptstadt.
Oer Erde pelz.
Von M A v. Lütgendorff
„Der Schnee ist der Erden Peltz" heißt ein altes Bauernwort, und ein anberes sagt: „Der Schnee ist ber Dünger bes armen Mannes". Sie haben alle beibe recht. Aber wie recht sie haben, hat erst bie Forschung ber neuesten Zeit erkannt.
Liegt ber Schnee als Decke auf ber (Erbe, schützt er sie wirklich wie ein roärmenber Pelz. Jebe einzelne Flocke enthält Luft, unb zwar soviel, baß man wenn man zehn Liter Schnee schmilzt, nur ein bis zwei Liter Wasser enthält. Dieser hohe Luftgehalt ober wirkt sich bahin aus, baß ber Schnee bie Wärmeausstrahlung bes Bobens verhinbert unb ba- mit zugleich auch seine Durchkältung, wie auch Wolle unb Pelz, bie oft bis zu 90 v. H. lufthaltig finb, ben Menschen- unb Tierkörper am besten wärmen. Als man bei einer Lufttemperatur von 21 Kältegraben die Bobentemperatur unterhalb ber Schneelage untersuchte, zeigte sich, daß es unten um rund zwanzig Grad wärmer war. Eine fünfzehn bis achtzehn Zentimeter hohe Schneedecke schützt die junge Saat auf den Feldern vor der unheilvollen Einwirkung jäher Kälteeinfälle und vor dem gefährlichen Ostwmd. Wenn Schnee liegt, keimt auch verspätete Saat gut und rechtzeitig, weil die Bodenwärme, dank der Schneedecke, das Auskeimen fördert.
So wichtig der Schnee als Pelz der Erde ist, so wichtig und wertvoll ist er nun auch als „Dünger des armen Mannes" und als Luftreiniger. Beweis hierfür find Hntersuchungen. die feststellten, daß zum Beispiel in der Nähe von Groß- und Industriestädten die Luft so staubreich ist, daß sich in einem einzigen Kubikzentimeter freier Luft 130 000 Staubteilchen finden — unmittelbar über London, Paris und Neuyork sogar mehr als die doppelte Menge
Das fremde Gesichl.
Roman von Caren.
29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Zitternd wie ein Tier auf dem Ansprung stand sie vor ihm. Etwas Gefährliches war in ihrer Haltung, eine äußerste, tödliche Entschlossenheit. Der Mann im blaugrauen Hlster wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Seine fischig-trüben Augen starrten sekundenlang wie gebannt in die des Mädchens. Automatisch hob er ein roenig die Arme, mit einer vagen, fast flehenden Gebärde, als ob ihm jemand den Befehl „Hände hoch!" zugeschrien hätte. Sein entstelltes Gesicht verzerrte sich zu einer hilflosen Grimasse.
..Geh! Laß mich — geh!" fließ er zwischen den Zähnen hervor. Es war nur ein Zischen, ein rasches, gesenktes Flüstern. Aber Ina fuhr beim ersten Laut wie getroffen zusammen. Mit einer blitzschnellen Bewegung fiel sie ihn plötzlich an, verkrallte sich in seinen Aermel.
„Bleib — du! Diesmal entkommst du mir nicht wie damals auf der Brücke! Jetzt — jetzt hab' ich dich endlich. Jetzt wirst du mir Rede stehen..
Inas Stimme bekam etwas Schrilles, wie eine ganz hohe, zum Reißen gespannte Saite. Vorübergehende drehten neugierig die Köpfe nach dem feite lamen Paar. Ein Mann von der Straßenreinigung drängte sie mürrisch beiseite, um eine Schaufel Sand auf den schlüpfrigen Gehsteig zu werfen.
Diesen Augenblick wollte der Mann im Hlster benützen, um seine Verfolgerin loszuwerden. Er packte mit brutalem Griff ihre Hände und schleuderte sie von sich, so heftig, daß Ina auf dem glatten Asphalt das Gleichgewicht verlor und rücklings Zu Boden stürzte. Ihr Kopf schlug hart gegen ben eisernen Fuß eines Kanbelabers, baß ihr sekunben- lang bie Sinne in einem schwärzlichen Nebel vergingen ...
Im nächsten Augenblick schon fühlte sie sich aufgehoben, von helfenben Hänben gestützt. Frembe Gesichter umringten sie, wohl ein Dutzenb frember Gesichter, bie sie neugierig unb teilnahmsvoll an- ftierten. Sie fühlte plötzlich, baß sie keinen Hut aus hatte, unb baß es irgenbroo weh tat. Mechanisch
faßte sie sich hinters Ohr unb starrte bann mit einem törichten Lächeln auf ihren Hanbschuh, ber voll Blut war.
„Jesus --- bas Fräulein blutet ja! So ein gemeiner Kerl!" hörte sie jemanb sagen. Unb bann — aus einem jähen Erschrecken, bas ihr bie Sprache roi eher gab unb bie Erinnerung, schrie sie plötzlich auf: „Festhalten! Laßt ihn nicht baoonlaufen! Ich bin — ich habe ..." Aber man war ihrem Wunsche schon zuvorgekommen. Ein bichter Menschenknäuel hatte sich bereits um ben Mann im Hlster gebilbet, eine brohenbe Phalanx von Augenzeugen unb Zugelaufenen, bie ihn umzingelte, ihn einteilte, gegen bie Häuserreihe brängte
„So ein Löli! — So ein Chaibe, so ein! — Aufhalten! — Schutzmann ...!" schwirrte es ihm um bie Ohren
Vergebens setzte er sich zur Wehr. Umsonst zerrte er mütenb an seinem Ulster, um sich zu befreien. Der immer noch wachsenbe Menschenhause stieß ihn unerbittlich vorwärts unb öffnete sich nur, um Ina Lenk Platz zu machen, bie blutenb, mit zerrauftem Haar, wie ein Rachegespenst auf ihn zukam. Unwillkürlich zog er bas Genick ein. wie in Erwartung eines löblichen Schlages.
„Was wollen Sie eigentlich von mir?" brüllte er plötzlich los, mit einer Stimme, bie sich vor Angst überschlug. „Ich kenne Sie ja gar nicht, ich hab' Sie überhaupt noch nie gesehen ..."
„Lügner — elenber Lügner!" Ina brach m ein irres Gelächter aus. „Mich nie gesehen! Wo wir anberthalb Jahre tagaus, tagein zusammen waren! Wo ich noch heute beinen Ring am Finger trage, beinen Verlobungsring — ba " Sie riß sich ben linken Hanbschuh ab unb streckte mit einer brama- tisch-anklägerischen Gebärbe ben Finger mit bem kleinen Amethystring in bie Höhe „Unb jetzt auf einmal kennt er mich nicht mehr. Aus einmal bin ich Luft für ihn. Nie gesehen — haha, nie gesehen ..."
Ihr krankes Lachen erstarb in einem langgezogenen Jammerlaut, ber wie bas Winseln eines getretenen Hunbes klang.
Im selben Augenblick, noch ehe ber anbere ben Munb zu einer Erwiberung auftun konnte, zwängte sich ein Schutzmann burch bie Menge unb fragte nach einem flüchtig rekognoszierenben Blick über ben Schauplatz ber Hanblung:
„Was hat es benn hier gegeben?"
Ein halbes Dutzenb Komparsen antwortet ihm im Chor an Stelle ber Hauptbarsteller. Ein halbes Dutzenb Hänbe weisen mit burchbohrenbem Zeigefinger auf ben Uedeltäter Der — bieser Herr ba, bieser sogenannte, ber auf offener Straße ein Mädchen verprügelt — eine wehrlose Frauensperson! — Nein, schlimmer noch — gestoßen, niedergestoßen hat er sie — so eine schwache Person — und bei dem Glatteis ...! — An den Laternenpfahl hingeschmettert, baß sie blutet unb ohnmächtig liegenbleibt. — Der Rohling — pfui Teufel! Unb bann auch noch auskneifen wollen. Auch noch so tun, als ob man's gar nicht gewesen ist ...
Der Polizist macht eine energisch abschneibenbe Hanbbewegung, bie ben Chor zum Schweigen bringt, unb roenbet sich ben Solisten zu.
„Stimmt bas, Fräulein, hat ber Herr Sie angepackt?"
Ina steht mit schlaff hängenben Armen, ben Blick immer noch uiwerroanbt auf ben Mann im Hlster geheftet, ber beim Auftritt bes Schutzmanns noch um einen Schein bleicher geworben ist. Die Frage bes Polizisten streift nur bie Peripherie ihres Bewußtseins. Wie eine Automatenfigur bewegt sie ben Kopf zu einem zuftimmenben Nicken Aber ber Be- schulbigte läßt sie erst gar nicht zu Worte kommen.
„Ist ja nicht wahr", kräht er zornig bazwischen. „Umgekehrt war es: bie verrückte Person hat mich angeparft, jawohl' Ich gehe ganz harmlos meines Weges — da fährt sie plötzlich wie eine Furie auf mich los, hängt sich an mich, will mich nicht weiterlassen. Na, und da hab' ich sie eben beiseitegeschoben, bloß ein bißchen — damit ich den Weg frei bekomme. Von „Niederstoßen" gar keine Rede."
Der Hüter des Gesetzes ließ den Blick aufmerksam prüfend zwischen den beiden feindlichen Parteien hin und her gehen.
„Ist Ihnen der Herr bekannt, Fräulein?" wandte er sich wieder an das Mädchen Aber auch diesmal kam der Fremde ihrer Antwort zuvor „Keine Spur, Herr Wachtmeister", ereiferte er sich. „Das ist eine optische Täuschung von dem Fräulein. Eine Verwechslung wahrscheinlich. Ich bin ja ganz fremd hier, bin zum ersten Male in meinem Leben in Zürich. Wie soll ich da ..."
„Lüge — alles Lüge ..." Inas Kopf zitterte hilflos wie der eines alten Weibes, und ihr tränen
verschleierter Blick suchte beschwörend den des Polizisten. „Glauben Sie ihm nicht, Herr Schutzmann", sagte sie fast flüsternd, „cs ist der Dämon, der aus ihm spricht, der ihn so verändert hat — sein Gesicht und sein Herz ... Aber ich hab' ihn trotzdem erkannt — trotz der Maske .." Der Mann im Ulster hob plötzlich mit einer wilden Bewegung den rechten Arm. Es sah aus, als wolle er sich auf das Mädchen stürzen und ihr mit einem Faustschlag den Mund verschließen. Sein heiseres Organ bekam etwas Bellendes.
„Schweigen Sie!" schrie er auf Ina ein, „Sie gehören ja ins Irrenhaus — Sie! Merkt denn das keiner hier, daß das Frauenzimmer verrückt ist? Das kann man der doch auf hundert Schritt (Entfernung ansehen."
Er hatte sich dabei immer mehr nach rechts gespielt, wo der dichtgedrängte Zuschauerring eine schmale Seitenkulisse frei ließ. Auf einmal machte er eine jähe Kehrtwendung, murrte etwas von „ben Blöbsinn satt haben" unb strebte hastig auf bie ret- tenbe Bresche zu. Aber ber Schutzmann bonnerte ihm ein gebieterisches „Halt" nach. „Sie können noch nicht fortgehen, Herr. Die Sache ist noch nicht gehört. Ich muß Sie mit auf bie Wache nehmen, Sie unb bas Fräulein."
„Das — bas ist ..." Aus dem Gesicht bes Fremben wich jeder Blutstropfen. Einen Augenblick schien er zu überlegen, was klüger sei: Gehorsam ober Flucht. Dann entschieb er sich für bas erste.
„Meinetwegen", murrte er mit einem bösen Achselzucken. „Auf Ihre Verantwortung! Ich bin Ausländer, ich laß mich hier nicht anpöbeln."
Der Polizeibeamte ließ sich burch biese Drohung keineswegs aus bem Gleichgewicht bringen. Er notierte sich in Ruhe bie Abressen ber Zeugen, schob sein Buch zwischen bie derben obersten Knöpfe seines Uniformrorfs unb machte bann ben feinblichen Parteien ein kurz aufmunternbes Zeichen, ihm zu folgen.
Hnerfchütterlich, ein Wachtturm im roilben Ozean ber Gefühle, schritt er trennenb zwischen bw beiben Wibersachem bahin, gefolgt von einem Schwarm oon Neugierigen, die auf den Ausgang dieses seltsamen Dramas gespannt waren...
(Fortsetzung folgt!)


