Donnerstag, 28.OttoberM7
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 252 Zweites Blatt
General
ben Golda,- Anuschka, di-
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raten aller Art.
Hierzu kam die sowohl in Italien als auch in Oesterreich-Ungarn schwieriger gewordene inner- politische Lage. Die gesamten Kriegsverluste der an so vielen Fronten fechtenden österreichisch- unaarischen Armeen zählten schon nach Millionen. Mehr noch begann der würgende Marmel an Lebensmitteln an den Grundlagen des alten Donaureichs zu rütteln. Sollte die k. und k. Südwestfront schließlich nicht doch dem Zermürbungsoerfabren der nach Zahl und Hilfsmitteln überlegenen Italiener erliegen, so mußte durch großangelegten Gegenangriff Luft geschaffen werden.
So sehr auch das neue österreichisch-ungarische Oberkommando bestrebt war, mit den eigenen Kräften das Auslangen zu finden, so war dies für den geplanten Angriff ausgeschlossen. Gr konnte nur mit deutscher Hilfe durchgeführt werden. Das glänzende Zweigestirn der deutschen Obersten Heeresleitung — Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff — hatte fick zur Mitwirkung bereiterklärt. Sieben deutsche Divisionen mit reichlicher technischer Ausrüstung und zahlreicher schwerer Artillerie, Minenwerfern und Fliegern versehen, sollten im Verein mit acht k. und k. von der russischen Front und aus Tirol heranzuziehenden Divisionen die 14. Armee unter General der Infanterie Otto von B e- l o w, dem Eroberer Riaas, bilden, dem als Generalstabs-
Das dramatische Werk Richard Billingers kreist in verschiedenen Verkleidungen um ein Problem: in eine ursprüngliche, unberührte Gemeinschaft bringt eine fremde Macht, schicksalsbestimmend, aufrührend, zerstörend. So war es in der „Rauh- nacht", so in den „Roßen", so in dem im Staatstheater uraufgeführten neuen Schauspiel „D e r Gigant".
Der Großbauer Dub hat sich seine Frau einst aus Prag geholt und aufs mährische Land entführt, hat aber Sorge getragen, daß sie niemals wieder die Stadt besuchte. Was sich im Herzen der Mutter an ungestillter Sehnsucht nach dem glänzenden großen Prag gesammelt haben mag, was bei ihr vielleicht geheimer Wunsch blieb, vererbt sich auf ihre Tochter Anuschka als eine immerwährende, fast gierige Leidenschaft: Prag wird ihr Traum, Prag gilt ihr als das ferne großartige Geben, als die große Stadt. Prag wird im Schauspiel zu einem Dämon, zu dem Giganten, der die Unerfahrenen, Unberührten verführt. Was die Mutter nicht wagte, vollbringt die Tochter, sie verläßt Land, Hof und Vater. Aber in Prag erwacht sie aus ihren Träumereien recht bald: sie findet sich betrogen, sie begegnet gemeinen, ordinären Menschen, deren wahre Art sie noch nicht erkennt; sie
wird von ihrem Vetter Tony getäuscht und verlassen, und trägt doch ein Kind von ihm unter dem Herzen. Aus dieser Rot gibt es nur den Weg zurück, zurück zum väterlichen Hof und zur Heimat. Aber auch dort ist das Leben indessen weiter gegangen und hat die Stelle ausgefüllt, die Anuschka verließ. Der Vater heiratet seine Wirtschafterin Maruschka, er verstößt die Tochter, und die Verzweifelnde endet ihr Dasein in dem großen Sumpf, der als das Wahrzeichen der Landschaft erscheint, und dieser Sumpf ist der andere Gigant des Schauspiels. Der Sumpfgeist, der sagenhafte Wassermann, gilt als der Dämon, der alle Menschen zu sich her- abzieht; die das Land verrieten Auch Anuschka wird eins seiner Opfer.
Für einen Svielleiter von der eigenwilligen Größe Jürgen Fehlings ist ein solches Drama der Anlaß, alle Künste einer eigenartigen und überragenden Regiekunst zu entfalten. Denn Dillinger arbeitet, ohne den dramatischen Vorgang zu vernachlässigen, mit dem Mittel der atmosphärischen Stimmungen. Er gibt epische, novellistische Szenen, die die Lust, ben Dunst, ben vitalen Geruch spürbar machen sollen, ber um seine Gestalten wittert, und die Bühnenbilber Rochus Gl i es es unterstreichen biete Stimmungen, sie strömen Atmosphäre aus, sie umhüllen sie gleichsam: bort die Hellen, reinen Kammern und Räume des Bauernhofs, hinter denen mnn Weite, Bäume und Wind ahnt, hier die düsteren Gewölbe der großen Stadt, ihren klein-
tober bis 10. November) von 1400 000 Mann int Operationsraum, 650 000 Mann; hiervon 40 000 Tote und Verwundete, 260 000 Gefangene und 350 000 im Land Verstreute. Außerdem blieben mehr als 3000 Kanonen, das sind zwei Drittel der an den Fronten gestandenen Geschütze, in den Händen der Sieger. Don der ungeheuren Masse der Heeresvorräte aller Art zu schweigen! (Bericht dec 1918 eingesetzten italienischen Untersuchungskommission.) Die nicht genau erfaßten Verluste der Verbündeten dürften sich insgesamt auf etwa 70 000 Mann beziffern.
Die große Schlacht in Venetien, die als „Wunder von Karfreit" in die Geschichte eingegangen ist, wird für alle Zeiten ein Musterbeispiel initiativsten Zusammenwirkens durch gewaltige Gebirgszüge getrennter, jedoch nach festem, einheitlichem Plan geführter Streitkräfte gelten. Der große Sieg gewinnt । auch dadurch die richtige Beleuchtung, daß er über einen so starken Gegner errungen wurde, wie es bas italienische Heer ist, bas roieber in Abessinien l davon rühmlichste Proben ablegen konnte.
bürgerlichen falschen Prunk, die ewige Unruhe des Gebens. Wundervoll aber ist es, wie Fehling die jeweilige Atmosphäre aus den Zeilen des Buches auf die Bühne hebt, wie er diese Stimmungen ent- wickelt und verdichtet, wie er die Menschen aus diesen Verhältnissen heraus bewegt, wie er sie gehen und reden läßt. Gewiß, die Aufführung bewegt sich, dem Zeitmaß des Dramas entsprechend, oft in schleppendem Zeitmaß, bisweilen erstarren die Gestalten zu bildhaften Gruppen, aber welche schicksalsvolle Bedeutung liegt dann in diesen Augenblicken! Bisweilen legt Fehling Pausen ein. in denen jedes Wort verstummt, aber wie bedrückend, wie gehaltvoll können solche Unterbrechungen werden! Fehling gibt an diesem Abend wieder ein Vorbild seiner einsamen, einheitlichen Regiekunst, die sich niemals in Künsteleien verliert, weil sie sich aus dem Wesen, aus der Substanz des Schauspiels nährt.
Daß diese Uraufführung zu einem großartigen Triumph des Theaters wurde, ist freilich nur mit dem unvergleichlichen Ensemble des Staatstheaters möglich. Eugen Klöpfer hat als Dub die aufrechte, große Form des unbeirrbaren Menschen. Maria Koppenhöser die herbe Sinnlichkeit einer starken, gesunden Frau; wundervoll Käthe
voll-lüstern zwischen zwei Welten steht. Auch sonst ist bas Schauspiel eine Fundgrube für darstellerische Aufgaben, ein Panoptikum ber seltsamsten Figuren, der oerbogenften und verschrobensten Charaktere. Auf dem Bauernhof leben die Magd Julie (Dorie Krüger), die Tagelöhnerin, die Fürbitterin, der Bauer Pelikan, der schnurrige Dorflehrer. Und in der Stadt gehen sie gar gespenstert)ast um, die Frau Opferkuch '(Annemarie Holtz), die bucklige Frau Amend (Helene Wagenbreth), der Konditor (Clemens Hasse), der Zuhältertyp Kurt Meise l 5, aber das sind nur wenige aus dem großen Chor der Stimmen, die Fehling mit höchster Mei-
Piave, die in der nördlichen Flanke ein mächtiges Bollwerk im Massiv des Monte Grappa findet. Der Versuch der Gruppe Krauß, dort die ita- liecksche Flanke zu durchstoßen, gelingt nicht. Auch mußte die Offensive der Heeresgruppe Feldmarschall Conrad von Hötzendorf mangels erforderlicher Verstärkungen auf der Hochfläche der „Sieben Gemeinden" Halt machen. Damit war die strategische Auswertung des „Wunders von Karfreit" vorerst beendet.
Nichts setzt die ungeheure Katastrophe von Karfreit und den durch diese ermöglichten Siegeszug zum Piave in klareres Licht, als die Größe der italienischen V e r l u st z i f f e r n. Während d i e Russen bei Tannenberg von 230 000 Mann 90 000 Gefangene und die ganze Artillerie ein- büßten, bei G o r I i c e ungefähr 250 000 Gefangene und 400 Kanonen verloren, d i e En gländer an der Somme, März 1918, gleichfalls rund 260 000 Mann, dazu 1000 Geschütze, ein- büßen sollten, verloren die italienischen Armeen innerhalb der skizzierten 18 Tage (24. Ok-
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Das Wunder von Karfreit
Der deutsch-österreichische Siegeszug vom Zsonzo zum Piave.
Von Generalmajor a. O. Michael von Dörner, Wien.
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chef der im Gebirgskrieg oft bewährte Krafft von Delrnensingen an die Seite zu treten hatte. Die 14. Armee sollte die Waage des Sieges zum Sinken bringen ...
Am 24. Oktober brach das Ungewitter, das zum „Wunder von Karfreit" führen sollte, los. Tobender Schneesturm auf den Höhen, Schneetreiben und dichter Nebel in ben Tälern! Von zwei Uhr früh an donnerten im Angriffsraum der 14. Armee ungefähr 2000 Geschütze und Minenwerfer gegen die überraschten italienischen Batterien, Stellungen und Annäherungen. Bis etwa 9 Uhr vormittags waren gegenüber vom Tolmeiner Vrücken- ko p f die ersten italienischen Stellungen vollkommen zerstört, die Gräben eingeebnet, die Verteidigungsanlagen lahmgelegt ober vernichtet, breite Breschen für den folgenden unwiderstehlichen Ansturm der Infanterie eröffnet. Im Flit scher Becken hatten besonders die Giftgasgranaten der Angreifer verheerend gewirkt. In den Hochgebirgsftellungen war die Wirkung des Artillerieangriffs wohl eine geringere. Immerhin gelang es, die Mehrzahl der italienischen Kommandopasten zu isolieren und Versuche der italienischen Batterien, Sperrfeuer vor die losstürmenden Angriffskolonnen zu legen, zu ver-
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Ausflüchte, aber es ist charakteristisch, daß die hier entscheidende Szene ganz unfilmisch wirkt, nämlich als eine photographierte Erzählung. Zugleich schwenkt aber auch von dieser Szene aus der Film vom ursprünglichen Thema zusehends zum Seitenthema ab, zur Liebesgeschichte, und der eigentliche Konflikt ergibt sich hier nicht mehr aus.einer künstlerischen, sondern aus einer allgemein menschlichen Problemstellung: für welchen von zwei Männern, die ihr beide nicht gleichgültig sind, sich die junge Tänzerin entscheiden soll. (Daß sie mit der aus allem Zweifel und Zwiespalt erlösenden „Entscheidung in der Liebe zugleich auch ihre tänzerische Entwicklung entscheidend vortreibt, ist psychologisch und künstlerisch richtig empfunden, aber nicht mehr für den Tanz als solchen charakteristisch; für eine Bildhauerin oder Dichterin würde unter gleichen Umständen dasselbe gelten.) — Das Drehbuch schrieben Otto Bernhard Wendler und Rodert A Stemmle, der auch Regie führt: mit leichter Hand, sicherem Blick für Wirkung und Möglichkeiten der Kamera, mit verständnisvoller Em- iühlung in den eiaentümlichen Lebenskreis, auch mit Gefühl für individuelle Besetzung. Gerda M a u- r u s, die man lange nicht im Film gesehen hat, aibt die Maria Arni, Meisterin und Leiterin der Schule. Ob ihr eine der wenigen bedeutenden Gestalten aus der zeitgenössischen Welt des Tanzes oorgeschwebt hat, ist kaum zu sagen; in„Pial}; chen Augenblicken legt der Ausdruck der Maske diese Vermutung nahe. Im ganzen eine beherrschte und r«»ife Leistung, die menschlich und künstlerisch dem Bilde entspricht, das hier zu erwarten war. Das Gegenbild: Karin Hardt als Daphne, junge Tänzerin, jugendliche Liebhaberin, zart und fein, aufgeschlossen und bewegt ... nicht nur außeruch- rbnthmisch. Ein neues Gesicht: Hans Nielsen lAchim Hell), dessen symvathisches und persönliches Spiel eine überdurchschnittliche Begabung verrat; wir hoffen, ihm wieder zu begegnen. Schönbock gibt den Diplomaten, gepflegt und reserviert; die Vermutung, daß er ein wenig einseitig aus den Forster-Typ feftgelegt wird, scheint nicht ganz unbegründet. Vom großen Ensemble sind noch Elsa W a g n e r und vor allem Paul D a h l k e als Impresario hervoruiheben. Lisa C z o b e l tanzte die Solotänze. Theo M a ck e b e n schrieb die Musik. — (Ufa.)
?m ^Beiprogramm aibt es einen hübschen Kulturfilm und die Ufa-Wochenschau. Hans Thynot.
Gegenwärtiges und klassisches Schauspiel
Theaterbericht aus der Neichehaupistadt.
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Aufst eg zum Kilimandscharo.
Polare Pracht unter dem Aequator.
Als die deutschen Missionare Rebmann und K r a p f im Jahre 1848 den Vulkanriesen Kilimandscharo, den „Weißen Berg" oder „Geisterberg", wie der gewaltige Schneeberg unter dem Aequator von den Negern genannt wird, entdeckten, lachte man sie in Europa aus, als sie von einem schneebedeckten Berg in der afrikanischen Tropenzone sprachen. Unerwartet taucht der Berg in der Landschaft auf, der fast immer von einem Wolkenkranz umgeben ist und nur morgens und abends fein gewaltiges eisgekröntes Haupt zeigt. Bis zu 6010 Meter erhebt sich, der Kibo, der höchste Gipfel. Ein Aufstieg zu ihm ist mit außerordentlichen Schwierigkeiten und Mühsalen verknüpft, bringt aber dem wagemutigen Bergsteiger Eindrücke von unvergeßlicher Schönheit. H. I. Schließen hat dieses Wagnis unternommen und entwirft von seinem Erlebnis in der Leipziger „Jlluftrirten Zeitung" eine fesselnde Schilderung.
Der Marsch führt zunächst über einen breiten Kulturgürtel, der vom Steppenrand in etwa 1000 Meter Höhe bis zur Urwaldgrenze in fast 1800 Meter Höhe reicht und in dessen außerordentlich fruchtbarem Lavaboden schwarze Bergvölker eine sehr ertragreiche Landwirtschaft betreiben. Rings um den Berg läuft dann ein oft undurchdringlicher Urwaldgürtel, der jetzt Waldreservat ist, das als Wasserreservoir die Fruchtbarkeit des Berglandes erhält. Hier muß sich der Wanderer den Weg durch grünes Dämmerlicht zwischen umgestürzten altersschwachen Urwaldriesen, an denen dichte Lianen hängen, bahnen, und je höher er steigt, um so düsterer wird der Wald, da die meist über dem oberen Wald lagernde Wolkenbank ein kaltnässendes Tropfen von Blättern und Zweigen verursacht Erlöst atmet man auf, wenn man in etwa 2900 Meter Höhe den Urwald überwunden hat und auf wette Alpenmatten mit Graspolstern und dazwi chenge- ftreuten Blumen gelangt. Ist diese Alpenwiese überquert, beginnt wieder die Krarelei über o^lsgeroll und verkrüppelte Erikabüsche. Am Ende des Gurtel- waldes lieät die erste Schutzhütte^ die -Wsmarck- hütte" in 2700 Meter Höhe. 1000 Meter hoher bietet die Petershütte" inmitten einer merkwürdigen Pflanzenwelt Schutz. Diese wird mm immer armer Lavageröll und Felsbrocken säumen den Weg und in verhältnismäßig kurzer Zeit sind 1000 Meter Steigung zu überwinden, bis man das Sattel- plaleau, bas die beiden Gipfel, den Kibo und den
ochchreit- !tter.
littags 1 B. Dftob , Minim in in 10: am 28. l> "scheint
„Daphne und der Diplomat".
Gloria-Palast.
Auch dieser Film ist wie viele andere nach einer literarischen Vorlage gemacht (dem gleichnamigen Roman von Fritz von W o e d t k e), versucht aber, abseits des üblichen Spielhandlungsschemas, einen neuen Stoff, einen bisher noch nicht, jedenfalls nicht so einläßlich, als Hauptmotiv behandelten Lebensbezirk für den Film, zu erschließen: die Welt des künsllerischen Tanzes und der Tänzerinnen, die Arbeit in einer modernen Tanzschule. Tanz an sich ist in mancherlei Formen und Weisen nichts Neues oder Besonderes für den Film, und Tänzerinnen gibt es häufig und in allen möglichen Spielarten . zu sehen; es handelt sich aber hier nicht um Girls und nicht um Revuebetrieb, sondern um_ben ernsthaften Tanz, um eine Meisterin, ihre Schule und ihre Zöglinge. Das unterscheidet diesen Film grundsätzlich von vielen anderen (besonders amerikanischen), wo auch getanzt wird; hier wird aber zugleich die Problematik eines folchen Füms erkenn- bar< bas Problem bes reinen Tanzes im Mm: die Hersteller werben vermutlich von ber Einsicht bestochen gewesen sein, baß Tanz als körperliche A - tion und belegter Vorgang -in ung-m-m dankbares Objekt für die Kamera darstellen muffe, das ist richtig! und einig- der besten und -b-nd'gst-n Eindrücke gehen auch zweifellos von solchen Tanz- Ausnahmen aus. Da es sich aber nun eben nicht um Gesellschafts- ober Revue-Tanz Ijanbelt Jom bern um ben Tanz als selbständige und ernsthafte Kunstübung, so tauchen bei jeher nicht nur epi= sobischen unb beiläufigen Abwandlung diests Motivs zugleich auch Probleme auf, bie sich nicht mehr auf ben Film beziehen, sondern die sich aus dem Tanz als solchem unb aus bern Beruf bes Tänzers ober ber Tänzerin ergeben, unb bie sich ber filmt schen Wiebergabe zu entziehen scheinen: zum nun- beften können sie durch ben Film Nicht ^uw^r unb greifbarer gemacht werben, als burch ir9etlb= ein anberes künstlerisches Mebium. ®s ergeben sich natürlich eine ganze Menge von ernsthaften un zum Nachdenken reizenben Problemen aus bern künstlerischen Tanz, unb es scheint kein Zufall zu sein, baß ber Film sich eines einzelnen im zSefom beren bemächtigt hat: ber Frage nämlich, vb eine Tänzerin neben ihrem Berus ihrem Privatleben unb ihren Privcttgefühlen nachgehen bürfe, ob sie al o, um es beutlich zu sagen, außer der ftunji auch einen Menschen lieben dürfe. Der Film beantwortet zwar die Frage ohne Umschweife und
hindern.
Gemäß dem Schlachtplan des Generals v. Below hatte die aus dem Flitscher Becken vordringende nördlichste Gruppe General Krauß (drei Divisionen) den Mont Stol jenseits der Enge von Saga zu erreichen, gleichzeitig durch das oberste Isonzo- tal und dessen'östliche Begleithöhen in Richtung auf Karfreit anzugreifen. Von 9 Uhr vormittags an rollt ein förmlicher Wettlauf der angreifenden deutschen und österreichisch-ungarischen Bataillone vor den Augen der überraschten Italiener ab. Nur ein paar Skizzen ans dem sich entrollenden Drama: Am nördlichen Flügel bringen bie 11 Bataillone ber österreichisch-ungarischen 22. Division im Schnee- sturm bis Sgga vor. Bei ber Gruppe Stein überrennt bie 12. schlesische Division, General L e g u i s, rechts von ber gleichfalls vorbringenden k. unb k. 50. Division, links burch bas vielbewährte bayrische Alpenkorps begleitet, im Jsonzotal unaufhaltsam die italienischen Verteidigungslinien. Sie langt gegen 15 Uhr vor Karfreit an und dringt nach kurzem Kampf am Ortsrande ein. Sperrversuche der Italiener bleiben vergeblich. Lequis bringt von Karfreit kämpfenb noch ungefähr 5 Kilometer westlich bis Robic im Ncttisonetal vor, welcher Ort im Bajonettkampf genommen wird, Korps Berrer stürmt abends den M. Ieza. Der vorbildlich tapfere Korpskommandant fällt! Korps Scotti hat stärkeren italienischen Widerstand zu Überwinden, bemächtigt sich jedoch abends des Globocack.
Unbeschreibliche Verwirrung und vollkommene Verstopfung der wenigen, den Italienern zur Verfügung stehenden Gebirgsstraßen und Wege tritt alsbald ein. Der Einsatz der italienischen Reserven aller Abstufungen erfolgt im allgemeinen Wirrwarr teils zu spät, teils an unrichtiger Stelle. So wirkt sich der unaufhaltsame Angriff der 14. Armes, dem sich am südlichen Flügel die k. und k. Jsonzoarmeen, nördlich die 10. Armee anschließen, am 25. und 26. Oktober zur Katastrophe der II. italienischen Armee aus. Wohl versucht Cadorna, seine Armeen hinter der befestigten Linie des angeschwollenen Tagliamento zum Halten zu bringen. Vergeblich! Vom 28. Oktober bis zum 2. November erzwingen die siegenden Deutschen, Oesterreicher und Ungarn in der Zone Codroipo-Latisana den Uehergang. Das mehr unb mehr geschlossene Massenvorrücken ber Verbünbeten zwingt bie Gegner zur Ausgabe ber Livenzalinie unb gelangt schließlich am 10. November an ben Piave.
Cadorna hat am 9. November sein Kommando an General Diaz abaeben müssen. Je vier französische und englische Divisionen sind im Antransport zur neuen italienischen Stellung hinter dem
In der schier endlosen Folge der amtlichen und persönlichen Schilderungen der großen Geschehnisse des Weltkriegs nehmen jene über den unerhörten überraschenden deutsch-österreichischen Siegeszug vom Jsonzo zum Piave im Spätherbst 1917, gemeinhin bas „Wunber von Karfreit" genannt, einen Ehrenplatz ein. „Infolge ber strategischen Lage, ber Bobenglieberung unb ber hierburch gegebenen taktischen Bebingungen lassen sich aus bie- jem Felbzug unter allen Kriegshanblungen ber Jahre 1914 bis 1918 bie meisten Lehren ziehen." So kettet Marschall Petain bas kürzlich erschienene Buch bes französischen Generalstabsobersten Conquet ein. Vorweg sei erwähnt, baß bieser IStägige Felbzug wie kaum ein anderer die überragende Bedeutung der moralischen Kräfte, besonders in so schwierigen Lagen, wie sie sich in der Karsreiter Gebirgszone ergaben, erkennen läßt.
Der vorn 23. Juni bis 7. Juli 1915 tobenden „e r ft e n Jsonzoschlacht" folgten noch zehn weitere, von grauenvollen Blutopfern begleitete Angriffe Cadornas, ehe es zum „Wunder von Karfreit" kommen sollte. Zwischendurch war im Mai- Juni 1916 ein großangelegter österreichisch-unga- «Hcber Angriff über bas Hochland der „Sieben — einden" (Asiago-Arsiero) unternommen worden, der nach Herausbrechen in die venetianische Ebene die italienischen Hauptkräfte in Flanke und Rücken fassen sollte. Infolge ber russischen Ent- lastungsoffensioe von Luck mußte ber gut fort- schreitenbe Angriff eingestellt werben. Immerhin verloren die Italiener 150 000 Mann, darunter 50 000 Gefangene.
Mai 1917 hatten Cadornas zähe Angriffe — die „zehnte Jsonzoschlacht" — nördlich vom eroberten Görz Raum gewonnen. Die vom 15. August begonnene, einen Monat später endende „elfte Jsonzoschlacht" hatte mit der Eroberung der Hochfläche von Bainsizza am linken Jsonzoufer geendet. Das erbitterte Ringen hatte die Italiener rund 170 000 Mann gekostet, sie jedoch einerseits den Knotenpunkt Tolmein, anderseits dem österreichischen Haupthafen Triest bedrohlich näher gebracht. Auch die k. und k. Truppen hatten rund 90 000 Mann (15 000 Tote, 45 000 Verwundete, 30 000 Gefangene) verloren. Beiden Gegnern hatte diese Zermürbungsschlacht eine wesentliche Schwächung ihres „Kriegspotentials" gebracht: beiderseitiger Massenverbrauch an Artilleriemunition und -material, an technischen Mitteln und Vor-
sterschaft beherrscht.
Die Zuschauer bereiteten, von solcher Aufführung begeistert, dem Autor und allen Mitwirkenden lang anhaltende Ovationen.
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Im Klelnen Haus des Staatstheaters wurde Lessings „Emilia G a I o 11 i" unter ber Leitung von Gustaf ©rünbgens in einer Weise aufgeführt, die beinahe einer Neuentbeckunq ber Tragödie gleichkam. Nicht, daß eine „Auffassung" des Intendanten und Spielleiters bemerkbar geworden wäre; im Gegenteil, die Aufführung vermeidet alle Ueberraschungen und ist dennoch eine lieber- raschung geworden. Hier steht alles im Dienste des Dichters, seiner hellen, charaktervollen Persönlichkeit, seines Werkes und seines Wortes. Alles ist hierauf abgestimmt; schon die lichten Bühnenbilder Mawensi, in etwa 4800 Meter Höhe verbindet, er- reicht. Majestätisch steigt aus der trostlosen Wüste bie Gletscherhaube bes eisgefrönten Kibo noch über 1300 Meter steil empor. Jetzt beginnt ein müh- seliger Anstieg über die enblos scheinende, monotone Schutthalde, über die ein unangenehmer kalter Wind fegt. Die letzte Schutzhütte, die „Kibohütte", bietet Gelegenheit, mit heißem Tee aus geschmolze- nem Schneewasser den Körper wieder zu beleben, während draußen an der einsamen Blechhütte der Sturm rütteü und Schneegestöber die Wüste ein- hüllen. Die Bergkrankheit zwingt Weiße und Schwarze, dem Berggeist Ufcbjaro gleich wie dem Meeresgott Neptun Tribut zu zahlen.
Den nächtlichen Kampf um ben Gipfel beginnen die Bergsteiger vermummt, mit eingefettetem Gesicht. Langsam geht es vorwärts über bie letzten 1000 Meter, bie Eiskante ber Gletscherhaube glänzt steil über ihnen in weiter Ferne. Alle hundert Schritt, dann alle fünfzig, alle zwanzig und zuletzt nur noch alle zehn Schritt muß eine Pause gemacht werden, um das Herz, das schier aus dem Halse springen will, zu beruhigen, oft verzweifeln bie Bergsteiger an dem Gelingen und müssen bei jeder Pause wieder mit dem Entschluß kämpfen, lieber umzukehren. Aber dann wird ihr Ausharren belohnt. „Unvergeßlich schön", schreibt Schlieben, „ist ein Sonnenaufgang in dieser gewaltigen Höhe von fast 6000 Meter. Tief unter uns liegt bie einsame verschneite Lavawüste, aus der sich ber Mawensi erhebt, hinter besten schwarzen Zacken bas schwefelgelbe Dämmerlicht bes Morgenhimmels zusehends bas ganze weite Firmament färbt unb bie Sonne langsam als bunkelglühenber Feuerball, golbgelbe Feuer- strahlen hoch in ben Aether schießenb, emporsteigt."
In ber sauerstoffarmen, immer bünneren Luft werben die letzten 200 Meter nur mit größter Mühe überwunden, saft im Schlaf, mit torkelnden Schritten wird endlich das Ziel, der Kraterrand, erreicht. „Ist es Wirklichkeit, ist es ein Traum ober bie Phantasie des Bergkranken? Hier unter dem Aequator diese polare Pracht! Unbeschreiblich überwältigend ist der Anblick dieses Wunderreichs der blauweißen Gletscherwelt des Kibokraters! Fortgeweht ist alle Müdigkeit, vergessen sind alle Strapazen der letzten Stunden! Ein unendliches Glücksgefühl, diese Gletscherpracht zu schauen, erfüllt das Herz."
Die über 200 Meter tiefen Eiswände des gewaltigen Kraters, dessen Durchmesser etwa 2 Kilometer beträgt, fallen fast senkrecht zu dem von Schnee und Eis bedeckten Kratersee hinab. Den Kibok'-ater hat noch keines Menschen Fuß entweiht, nur Mi11elholzer hat ihn überflogen. G K.
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