Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen
Wanderfahrten.
Gießen — Heuchelheimer Mühle — Kinzenbacher Mühle, Rodheim — Fellingshausen — Düns- berg — Bieber.
Ein schöner, aber wenig bekannter Anmarsch zum Dünsberg, der jedoch nur für die kühlere Jahreszeit geeignet ist, ist der folgende: Wir gehen auf bekannten Wegen zur Heuchelheimer Mühle. Kurz hinter dem Anwesen, auf der Straße nach Kinzenbach zu, zweigt nach rechts ein Feldweg ab, der an der Bieber entlang, später durch eine Bahnunterführung bis zur idyllisch gelegenen Kinzenbacher Mühle geht. Wir halten uns von da zunächst links, um uns beim nächsten Feldweg wieder rechts zu wenden. Späterhin eine Straße überschreitend, führt unser Weg über hügeliges Gelände, immer hübsche Ausblicke gewährend, kurz vor dem malerisch gelegenen 5)0fgut Schmitte auf die Landstraße und alsbald zur Rast nach Rodbeim. Wir verfolgen jetzt die Straße, die nach Vetzberg geht, biegen jedoch beim ersten Weg links ab und kommen nach kurzer Zeit durch das Vetzberger Wäldchen nach Fellingshausen. hier treffen wir rote Striche, die uns in mäßigem Anstieg hinauf zum Dünsberg führen. Nach einer Erholungspause, bei der wir auch die prachtvolle Aussicht vom Turm bewundern, steigen wir abwärts über drei Ringwälle, schwarzen Punkten nach, nach unserem Endziel Bieber. Wanderzeit: 5 Stunden.
Nassau — Adolfshöhe — Homberg — Dausenau — Bad Ems.
Mit dem Frühzuge fahren wir in dem schönen Lahntal abwärts bis Nassau (Sonntagskarte Ems), dem lieblichen Lahnstädtchen mit mehrere mittelalterlichen Bauten. Nach Besichtigung des Denkmals des Freiherrn vom Stein und der Burgruine Stein wandern wir gelben Strichen nach Über die Adolfs- Höhe mit hübscher Aussicht zu dem Dörfchen Hörn- berg. Von hier leiten uns rote Punkte immer durch Wald nach Dausenau, einem altertümlichen Dorf mit wohlerhaltenem, schiefem Befestigungsturm. Teils durch Feld, teils durch Wald führt uns jetzt der Lahnhöhenweg „L" nach dem 263 Meter hoch gelegenen Konkordiaturm, wo sich uns ein prachtvoller Blick in das Lahntal und auf Ems bietet. Bald erreichen wir über die Heinzelmännchenhöhlen und das Kriegerdenkmal, sowie an einigen Schutzhütten vorüber unser Endziel, das reizend gelegene Bad Ems, wo wir noch vor der Heimfahrt die vielen Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen. Wanderzeit vier Stunden.
Ehrenrettung der Nachsaison.
Bei allem sinnvollen Walten, das im Naturgeschehen vorhanden ist, wird immer jene Rechnung fehlgehen, die sich bei der Behandlung physikalischer Fragen an starre Formeln hält und die Gesetze der Erfahrungslehre anwenden will. Die Natur kennt keinen enggefaßten kalendarischen Verlauf ihrer einzelnen Stadien, wie ihn die Menschen in den Wochen, Monaten und Zeiten des Jahres eingeführt haben, sondern sie hält sich nur an die große Linie. Und daher ist es falsch, die Jahreszeit des Sömmers nach astronomischen Ueberlegungen aufzuteilen, indem man sie am 21. Juni beginnen und om 23. September enden läßt. Auch ist es nicht angebracht, die aus wissenschaftlich-statistischen Gründen gewählte meteorologische Jahreszeitenrechnung zur Richtlinie zu nehmen, nach der unser Sommer am 1. Juni einsetzt und bis zum 31. August währt. In keinem Jahre wird die sommerliche Natur, worunter besonders das atmosphärische und wetter- mäßige Geschehen um uns zu verstehen ist, sich in derartige zeitliche Fesseln legen lassen.
Wenn wir jetzt den Höhepunkt des Sommers verzeichnen und die ersten Blätter fallen sehen, wenn wir die früher dunkelnden Abende bemerken und mitunter kühle Winde registrieren, so ist das noch kein Abschied des Sommers und kein Ende der „Saison". Die warme Jahreszeit währt bei uns mindestens bis zum Oktoberanfang. Auch in dem Fall, daß das eine oder andere Jahr einen sogenannten frühen Herbst bringt, indem nach Septembermitte schon Regen, Abkühlung und Stürme vorwiegen, können wir nur eine Bestäti- aung der Regel vom langen Sommer erblicken. Außerdem gibt es auch in derartigen frühen Herbstperioden in Mitteleuropa noch zahlreiche klimatisch begünstigte Landstriche, die auf die herbstlichen Ungezogenheiten gar nicht reagieren.
So heißt es beispielsweise von der Saison an der See, daß sie spätestens am 10. September beendet sei. Diese Terminisierung könnte insofern zu Recht bestehen, als frühe Dunkelheit und regen- schwere Winde sich im Septemberanfang an der Nord- und Ostsee viel unfreundlicher auswirken als im Landinnern. Im übrigen bringt aber gerade die Nachsaison, die Zeit von Ende August bis über Septembermitte hinaus die schönsten Badegelegenheiten, da um diese Zeit namentlich das Nordseewasser seine höchst^ Wärme erreicht hat. Das Meerwasser verzeichnet in unseren Breiten Ende August — Anfang September erst die Auswirkungen der starken Sonnenstrahlen von Juni und Juli. Es kann im September vorkommen, daß die Lufttemperatur morgens an der Nordsee erheblich niedriger ist als die Wassertemperatur. Da nun der September der Nord- und Ostsee noch eine Tagesmitteltemperatur von rund 15 Grad aufweist, ergibt sich für die Hauptbadezeiten von 11 bis 16 Uhr eine normale Lufttemperatur im Schatten von 18 bis 22 Grad. Kann man sich eine idealere Temperatur denken, als dieses Verhältnis zur Wasserwärme, die sich um 14 bis 17 Grad je nach der Entfernung von der Küste bewegt? Da außerdem der September im wesentlichen em ausgesprochener Schönwettermonat in unserer mitteleuropäischen Klimazone darstellt, ergeben sich für die Nord- und Ostsee im September noch zahlreiche ideale Tage, die leider oft genug einen menschenleeren Strand und verödete Sommerfrischen vorfinden, da der Erholungsreisende im allgemeinen annimmt, daß mit dem Septemberbeginn die Saison an der See abgeschlossen sei.
Aehnlich falsche Anschauungen bestehen auch in sommerklimatischer Hinsicht vom Landinnern. Dorweggenommen sei, daß im mitteleuropäischen Landklima die sommerliche Temperatur und Wetterform in jedem Jahre bis zum 20. September währt. Bis zu diesem Datum ist, abgesehen von gelegentlichen Schlechtwettereinbrüchen mit Abkühlung, wie sie auch im Juni und Juli eintreten, im Landinnern mit absolut sommerlicher Durchschnittswärme zu rechnen. Diese steigert sich zu mittäglichen Hitze- werten von 25 bis 33 Grad, und es hat beispielsweise in diesem Jahrhundert schon vier Sommer gegeben, die erst im September die höchsten Tempera
turen brachten. Abgesehen von ausgesprochenen Gebirgslagen wie dem Oberharz, den Kammlinien des Thüringer Waldes, des Fichtelgebirges, des Riesengebirges, Schwarzwaldes und der oberbayerischen Alpen sind bis Mitte September auch die bekannten deutschen Höhenluftkurorte bedenkenlos als Nachsaisonaufenthalt zu empfehlen. Man wird bei einem Versuch die Feststellung machen, daß der Verlauf des äußeren Wetters m Verbindung mit der gemäßigten Wärme und den angenehm lauen, dämmerigen Abenden weit angenehmer ist, als die Guthitze des Mittsommers. Wer als Wanderfreund einen Späturlaub genießen will, kann sich gar keine günstigere Zeit aussuchen, als den September. Nicht zuletzt gilt es, zu berücksichtigen, daß der Spätsommer in seinem allmählichen Uebergang zur herbstlichen Vegetation und Flora ein Farbenspiel in der deutschen Wald natur erzeugt, das man viel zu wenig beachtet und das den meisten Menschen versagt bleibt, weil sie um diese Spätsommerperiode schon wieder an ihrer Arbeitsstelle weilen. Sie glaubten, der deutsche Sommer sei im August beendet und die Natur wüßte nichts mehr zu vergeben. Diele würden ihren Urlaub aus der Gluthitze des Juli in den September verlegen, wenn sie wüßten, welch herrliche Wahrheit unter dem Wort „Der Sommer stirbt in Schönheit" verborgen ist.
Aber auch Anfang Oktober verläßt der Sommer noch feinesroegs die deutschen Gaue. Sicherlich: auf den Bergen lösen ihn kalte Stürme ab, über die Ebene Norddeutschlands brausen immer häufiger kalte Regenschauer, aber in Mittel- und Südwestdeutschland behauptet der sterbende Sommer seine Hoheitsgebiete für sich. Der gesamte Rhein-Maingau und die schönen Täler des Rheinflußsystems, die langgestreckte Berg st raße wie überhaupt der größere Teil Südwestdeutschlands bis zum Bodensee hinauf bilden gewissermaßen den nordwärts vorgestreckten Ausläufer der italienischen und südfranzösischen Rivierazone, sofern man die klimatischen Verhältnisse in Anwendung bringen will. Der Ruhebedürftige, dem es auf linde Lüfte und milde Sonne ankommt, findet in diesen Gegenden Deutschlands wahre Paradiese spätsommerlich-frühherbstlicher Pracht. Nicht umsonst können die Weltbäder Südwestdeutschlands ihre Saison den ganzen September fortsetzen und beinahe auf Julihöhe halten. Drum, lieber Leser, laß dich nicht von den ersten fallenden Blättern, von den früher dunkelnden Abenden und manchmal kühl wehenden Winden täuschen. Noch längst nicht ist der Sommer vorbei, und wochenlang lockt die Nachsaison mit buntfarbigen Überraschungen.
Festlicher Herbst in Deutschland.
Jetzt kommt die Zeit der frohen Feste!
Von Or. Georg Böse.
RDV. Wenn die letzten Garben von den Feldern eingefahren werden, neigt sich der Hochsommer allmählich hinüber in den Herbst. Wo entfaltet er sich so schön wie an den Hängen der bayerischen Berge, in den Buchenwäldern Mecklenburgs, in Ostpreußen ober in den Tälern des Rheins und des Neckars, wenn die Trauben zur letzten Ernte reifen. Wir erleben den Segen der Erde, die Freude der Menschen über den Erfolg mühseliger Arbeit während langer Monate draußen auf den Feldern. Wenn die Winzer sich noch zur Lese rüsten, hat der Landmann seine Ernte meist schon unter Dach und Fach gebracht. Er darf ein wenig Atem holen. Saure Wochen — frohe Feste! Jetzt kommt die Zeit der Jahrmärkte, der Kirchweih und Kirmes, der Schützenfeste und Volksbelustigungen.
Wer Deutschland wirklich kennenlernen will, sollte sich auch einmal einen Tag, einen Abend Zeit nehmen für eins der alten Volksfeste, die es nicht nur auf dem Lande, sondern auch noch in manchen Städten gibt. Fangen wir einmal in Worms an. Die schöne Nibelungenstadt feiert vom 28. August bis aum 5. September ihr Backfischfest. Nun hat dieses große Volksfest nichts mit den jungen Mädchen zwischen 14 und 17 zu tun, (obwohl die tüchtig mitmachen!) sondern es gilt den wirklichen Fischen, die man in Worms besonders schmackhaft zuzubereiten versteht. Ursprünglich fand um diese Jahreszeit ein „Fischertag" statt, meistens am Bar- tholomäustag. Die Gewässer wurden bann zum Reinigen und zum Ausbessern der Ufer abgelassen. An dem damit verbundenen „Ausfischen" durfte sich jeder, auch ohne Fischereiberechtigung, beteiligen. Schon früh war dieses „Ausfischen" oder „Auflassen" mit Ulk und Spaß verbunden. Es ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem der schön ten Volksfeste geworden, an dem man sich gegen eitig Fische schenkt, zum Teil echte, zum Teil in Zuckerwerk ober Gebäck nachgebildete.
Wollen wir einmal erfahren, was ein Schäferlauf ist, so müssen wir uns rechtzeitig zum 12. September nach Heidenheim im Württem- bergischen begeben. Im Mittelpunkt des Festes, das an alte Zunftbräuche der Schäfer anknüpft, steht der Hammelsprung; denn die Sieger erhalten einen Hammel zum Geschenk. Schon einen Tag vorher, am 11. September, hat Bad Dürkheim in der Rheinpfalz seinen Wurst markt eröffnet, der bis zum 19. September dauert. Dieses größte Weinfest Deutschlands hat nahezu Weltberühmtheit erlangt, und es gibt viele Pfälzer, die allen Ernstes behaupten, das Leben ohne Dürkheimer Wurstmarkt fei ein Irrtum. Tag und Nacht herrscht hier Hochbetrieb an den charakteristischen Weinständen der kleinen Winzer, den sogenannten Schubkärchlern, in den Riesenweinzelten ober in bem großen Vergnügungspark. Eine befonbere Sehenswürbigkeit ist bas „größte Faß ber Welt", eine Naturweinschenke, bie fünfhunbert Personen faßt unb achtmal so groß ist wie bas bekannte Heibelberger Faß. — Jetzt roanbern wir weiter norbroärts zum schönen Münster, ber alten westfälischen Stabt. Am 17. September feiern bie Kinder bort bas Lambertus- f e ft, ursprünglich rooljl ein altgermanisches Sonnenkultfest. Abenbs entzünben bie Kinber ihre buntgeschmückten Lichterpyramiben auf ben Straßen unb umtanzen sie, währenb die alten Lambertus- lieber gesungen werben. Für viele Orte Deutsch- lanbs gehören Herbst unb „Laternengehen" zusammen, besonders im Norbwesten. Um bie Abend- bämmerung tauchen in ben Septembertagen auf ben Straßen Kinberzüge mit Laternen auf. „Laterne, Laterne! Sonne, Monb unb Sterne..." singen sie mit luftigen plattbeutschen Reimen von „be Olsch mit be Lücht" unb anberem. Im Württem- bergischen feiern bie Schwaben vom 18. bis 27. September bas Cannstatter Volksfest, bas so volkstümlich ist, baß es von schwäbischen Ausrvan- berern sogar in die neue Heimat jenseits ber Weltmeere verpflanzt worben ist. In ben Weinbau- gegenben ist ber September schon erfüllt von ber lärmenben Freube der Weinlesefeste unb bem bunten Farbenspiel ber Winzerfestzüge. Fast jeber Ort am Rhein, an ber Mosel, am Main unb an ber Nabe hat fein Winzerfest.
Wer Bayern kennenlernen will, bars natürlich nicht am O k t o b e r fest in München (25. September bis 10. Oktober) vorübergehen. Auf ber Oktoberwiese feiert bas Münchner Herz seine großen Triumphe. Die Wies'n hat für alle Temperamente etwas, für alle Geschmäcker vor allem. Wie schön buften bie Steckerifisch bei der Fischer-Vroni, und auch die Weißwürschk haben's in sich. Die Ochsenbraterei unb die Hühnerbraterei wetteifern um bie Gunst ber Lebenskünstler, bie sich hier wie im Schlaraffenlanb Vorkommen müssen. Es ist kein Wunber, daß die riesigen Bierzelte bis auf ben letzten Platz gefüllt finb.
Vom 11. bis 17. Oktober wollen wir an bem historischen ß u H u s f e ft in Bab Hersfeld teilnehmen. Lullus, ein Schüler bes Bonifatius, gilt als ber eigentliche Grünber Hersfelbs. Das Lullus- feuer, bas auch heute noch alljährlich am Montag ber Festwoche entzünbet wirb, geht wohl auf die
Wachtfeuer der mittelalterlichen Wallfahrer zurück, bie hier im Kloster zusammenströmten; unb in bem Ruf „Bruber Lolls" lebt ber alte Gruß ber Pilger fort. Drei Tage unb brei Nächte brennt bas Feuer; am Donnerstagabenb macht ber Feuermeister am glimmenben Holzstoß von feiner Lollsfreiheit ausgiebig Gebrauch, hechelt bie Ereignisse bes Jahres burch unb verschont auch bie roürbigen Stabtväter nicht mit seinem harmlosen Spott.
Am zünftigsten beschließen wir unsere Herbst- roanberung in ber fröhlichen Pfalz. In Billigheim ist am 19. Oktober ber weitbekannte Purzelmarkt. Die Bezeichnung stammt von den Purzel- baumvorführungen der Kinder auf ber Festwiese. Neben Sacklaufen, Wurstschnappen, Ringstechen, Stangenklettern unb Wettlauf mit vollen Wasser- fübeln spielt bie Vorführung alter Volkstänze eine Hauptrolle. Die Burschen tragen lange schwarze Hosen, Spenzer unb Kamisol sowie als Kopf- bebecfung ben Dreispitz („Nebelspalter"), bie Mäd- chen Röcke mit bunten Schürzen unb Busentuch, auf bem Kopf das „Nebelkäppchen". Wer jetzt burch Deutschland wandert, burch feinen festlichen Herbst, zu bem Natur unb Menschen sich fröhlich schmücken, ber wirb angesteckt von bieser Heiterkeit, wenn er nicht ein unverbesserlicher Griesgram ist!
Spätsommerfahrten in Südwestdeutschland.
Als Neuerung bringt ber Lanbesfrernbenverkehrs- oerbanb Baben Vorschläge für freizügige Einzelpauschalreisen, die ben Vorteil ber ermäßigten Runbreisekarten mit ben vielseitigen Vergünstigungen ber neu eingeführten MER.-Hotel- scheine verbinden. Das neue Reisesystem ermöglicht zum voraus einen Ueb erb lick über die Gesamt- kosten. Dabei bleibt die Freizügigkeit bes Reisenben voll erhalten. Innerhalb ber gewählten Runbreise- strecke ist bie Auswahl ber Orte und die Dauer des Aufenthaltes dem Reisenden überlassen; bas während ber Reise mitzuführenbe Bargeld wirb auf ein Minimum beschränkt. Auch bie Hotelauswahl wirb burch bie wahlfreie Benützung der verschiebe- nen Hotelpreisgruppen wesentlich erleichtert. Die Preise ber Hotelscheine beginnen mit 4,50 Mark täglich. Jeber Hotelschein umfaßt Uebernachtung mit Frühstück, ferner eine Hauptmahlzeit unb Bebie- nungsgelbablöfung. Das Motto „Sorglos reifen zu billigen Preisen" finbet baher feine Berechtigung. Die vorgeschlagenen Reisen führen burch die schönsten Teile Sübweftbeutschlanbs, bie bank ber klimatisch günstigen Verhältnisse gerabe im Spätsommer unb Herbst genußreiche Fahrten versprechen.
Ausbau der Straßen im Belchengebiet.
Der Ausbau der Belchenhochstraße als Verbin- bung zwischen Multen (Belchen) unb ber Paßstraße ^Siebener Eck ist nun sichergestellt. Zunächst wirb mit ber Teilstrecke Wiebener Eck—Lückle beaonnen, man hofft, baß auch bie zweite Hälfte Lückle— Multen bis zum Hochsommer nächsten Jahres voll- enbet werben kann. Die neue Autostraße liegt beim Lückle 1155 Meter hoch, also in Höhe ber Hornis- grinbe; burchschnittlich verläuft bie Linie in etwa 1100 Meter Höhe. Mit ber Dollenbung bieser Straße wird ber Autoverkehr im Belchengebiet, bas zu ben schönsten Teilen bes Schwarzwalbes gehört, eine große Erleichterung erfahren. Bisher konnte ber Belchen, mit 1416 Meter Höhe ber zweithöchste Berg bes Schwarzwalbes, im Kraftwagen nur von Schönau aus erreicht werben. Als weitere Verbesserung bes Frembenoerkehrs wirb bie Führung birefter Postkraftwagenlinien: Freiburg—Staufen —Münstertal—Wiebener Eck—Belchen unb Schönau, sowie von Runbfahrlinien: Schönau—Belchen- Multen—Wiebener Eck—Schönau unb umgekehrt angestrebt, ebenso eine Ausgestaltung ber Postkraft- wagenanschlüsse an bie nach bem Belchengebiet führende Nebenbahn Krozingen—Staufen—Unter» münstertal.
Das Museum im Bahnhof.
Bei Neu- unb Umbauten von Bahnhofs-Ernp- fangsgebäuben ist bie Reichsbahn neuerbings bestrebt, burch bilbnerischen Schmuck in ber Vorhalle ober ben Warteräumen ber Bahnhöfe bieten ,/Stabt» toren ber Neuzeit" eine geistig-künstlerische Verbindung mit ber lanbschaftlichen, geschichtlichen ober baulichen Eigenart bes Ortes ober ber Gegenb zu schaffen unb bamit zugleich für bie Heimat zu werben. Wie auch in einem alten Bahnhof ohne Umbau unb Aufwanb großer Mittel biesen Bestrebungen gebient werben kann, zeigt ein Beispiel von Alzey. Diese alte Stabt, bie Heimat bes ritterlichen Fieblers Volker aus bem Nibelungenlieb, besitzt ein Heimatmuseum mit reichen Schätzen aus ber frühgeschichtlichen unb römischen Zeit sowie gewerblichen Erzeugnissen ber Gegenwart. Um auf bie Sammlungen aufmerksam zu machen unb Interesse für bie alte Stadt überhaupt zu wecken, wurden im Wartesaal 2. Klasse in einem Ausstellungsschrank, der selbst ein Stück schöner heimischer .fianbroerFsarbeit ist, einige Sammelstücke aus bem Museum ausgestellt.
Geld richtig verwahren?
Die sommerliche Reiserei, die sich jetzt ihrem Ende zuneigt, hat mieber einmal gezeigt, baß zahlreiche Erholungssuchenbe bei ber Aufbewahrung von Gelb unb Gelbeswert unvorsichtig zu Werke gehen. Immer noch gibt es Volksgenossen, bie glauben, baß ihr Gelb währenb ber Reise ober sonstiger Abwesenheit im Schrank, im Bett, in alten Kleibungsstücken, ja sogar im Keller ober Stall am besten ausgehoben ist. Nur zu oft wirb berartiger Leichtsinn hart genug bestraft, wenn bie mühsam gesparten, aber falsch verwahrten Beträge nach ber Rückkehr von einer Reise spurlos verschwunben finb. Erfreulicherweise verbreitet sich bie Erkenntnis zunehmenb mehr, baß Ersparnisse in ein berufenes Gelbinstitut gehören. Auch auf bie Reise selbst braucht man bekanntlich Bargelb in größeren Beträgen nicht mehr mitzunehmen. Zweckmäßiger ist es, sich einen Reise- frebitbrief ausfteUen zu lassen. Wer sich berartiger Einrichtungen bebient, erspart sich unb ben Seinen manchen Kummer unb manche herbe Enttäuschung.
2. Rhem-Mainischer Winzertag.
Lpb. Mainz, 27. Aug. Der vom 4. bis 7. September in Mainz ftattfinbenbe 2. Rhein-Mar- nische Winzertag, cerbunben mit ber G a u- ausftellung „Rhein unb Wein" (4. bis 12. September), wirb am 4. September, 14 Uhr, durch ben Gauleiter ober besten Stellvertreter im Akabemiesaal bes Kurfürstlichen Schlosses eröffnet. Anschließend finbet ein Runbgang burch bie Ausstellung „Rhein unb Wein" statt.
Zuvor tagt ber ßanbesbauernrat, wobei Stabshauptabteilungsleiter SS. - Stanbartenführer Dr. Kinkelin über „Der Freiheitskampf des beutschen Bauerntums" sprechen wird.
Um 16 Uhr beginnt ber Weinwarkt in ber Stabthalle unb auf bem Adolf-Hitler-Platz, während der Beginn des „W e i n f e ft e s auf bem Liebfrauenplatz" auf 19 Uhr festgesetzt ist. Um 20.15 Uhr beschließt die Aufführung bes FestspieIs „Sprung aus bem Alltag" von H. Zerkauten die Veranstaltungsfolge. Für den 5. September ist für 11 Uhr eine große Qualitätsweinprobe im Rheingoldsaal ber Stabthalle vorgesehen. Um 18 Uhr finbet eine Wieberholung bes Weinfestes mit Darbietungen von Winzern und Winzerinnengruppen statt.
Rundsunkprogramm.
Sonntag, 29. August.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deutsche Scholle. 8.45: Morgenmusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Ehre ist raffegebunben. 10: Wer zuchtlos ist, wirb niemals auf bie Dauer Führer fein. 10.30: Chorgesang. 11.15: „Du, meine rote Heibe." Funkfolge aus Dichtungen von Hermann Löns, Felicitas Rose, Theobor Storm, Hermann Claubius, Lubwig Hebolb unb Liebern von Hermann Löns. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinber. 14.30: Vom tiefen bis zum 5’=C. 15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.15: Sportereignisse bes Sonntags. 18: Fünf vom Kabarett. 19.45: Sportspiegel bes Sonntags. 20: Orchesterkonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30: Wir bitten zum Tanz. 24 bis 1: Nachtkonzert.
Montag, 30. August.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten, auch offene Stellen. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von zwei bis brei. 15: Volk unb Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinber. 16: Fröhlicher Melobiereigen zum Nachmittag. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Stuttgart spielt auf. 20: Nachrichten. 20.10: Stuttgart spielt auf. 21.15: Brahms-Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Nachtmusik unb Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik.
Dienstag, 31. August.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Sportfunk für bie Jugenb. 11.40: Deutsche Scholle. 12: Aus ber Firma Schunk & Ebe, Gießen- Heuchelheim: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Zeitangabe, Nachrichten. 14.10: Herbst-Entrümpelung in ber Wunschkiste. 15: Volk unb Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Aufforderung zum Tanz. 20: Nachrichten. 20.10: Opernabend. Deutsche Romantiker. 22: Nachrichten (auch aus bem Sendebezirk). 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik. Musik ber Völker.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten finb ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung )
G. 100. Ist mit einem Zeitschriftenverlag ein Vertrag auf Lieferung einer Zeitschrift für eine bestimmte Dauer abgeschlossen worden, so kann der Zeitschriftenverlag auf Erfüllung der dem Besteller auf Grund der vertraglichen Abmachungen obliegenden Verpflichtungen klagen.
H. 0. Die Kündigung eines Mietverhältnisses auf den 1. Januar ist, falls entgegenstehende Vereinbarungen nicht getroffen sind, oder die Verkehrssitte ein anderes bestimmt, auch zum 1. Januar zulässig. Für Gießen wird im Regelfall eine Verkehrssitte dahin anzunehmen sein, daß auch ohne Vorliegen einer gegenteiligen vertraglichen Abmachuna die Kündigung zum 1. Januar ausgeschlossen sein soll.
Lollar. Ausländische Kraftfahrzeuge mit Internationalen Zulassungen müssen an der Rückseite außer ihrem heimischen Kennzeichen ein dem internationalen Abkommen entsprechendes Nationalitätszeichen führen. Kraftfahrzeuge mit ausländischen Zu- lassungsscheinen müssen ein deutsches Kennzeichen führen, das nach den Bestimmungen des § 6 ber Verordnung über internationalen Kraftfahrzeugverkehr von deutschen Zollstellen ausgegeben wird. Ihre heimischen Kennzeichen sind zu entfernen ober zu Überbecken. Auf Grunb einer Verfügung bes Reichs- verkehrsminifters vom 8.6.36 brauchen auch Kraftfahrzeuge mit auslänbischem Zulassungsschein ein beutsches Kennzeichen bann nicht zu führen, wenn bie Bestäube ber Zolleingangsstellen an ben vorgeschriebenen länglich-runben Kennzeichen aufgebraucht finb, ber Führer bes ausländischen Kraftwagens das für seinen Heimatstaat vorgesehene Nationalitätenzeichen führt und er im Besitze einer von ber Zolleingangsstelle ausgefertigten Bescheinigung ist. — Die zweite Frage kann von hier nicht beantwortet werben.
h. V. Unser juristischer Mitarbeiter erklärt zu Ihrem Schreiben, baß an seiner Auskunft nichts zu änbern fei, denn er habe ausdrücklich festgestellt, daß die in Frage stehenden Gebühren bei Fälligkeit zahlbar sind.


