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nr. 200 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Samstag, 28. August 1957

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Eichener Anzeiger

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Britischer Kronrat in Balmoral.

Heute wird Uebergabe der britischen Protestnote in Tokio erwartet.

London, 27. Aug. (DNB.) Der japanische Bot­schafter in London, Ioshida, suchte den eng­lischen Außenminister im Zusammenhang mit der Verwundung des britischen Botschafters in China auf. Auch der chinesische Botschafter be­suchte heute nachmittag Außenminister Eden. Der deutsche Geschäftsträger, Gesandter Dr. Woer- mann, übermittelte dem englischen Außenminister die Anteilnahme der Reichsregierung. Auch die Vertreter der übrigen europäischen Mächte übermittelten der britischen Regierung ihre Anteil­nahme. König Georg hielt auf seinem schotti­schen Sommersitz, Schloß Balmoral, einen Kronrat ab, an dem insbesondere Ministerprä­sident Chamberlain und der britische Bot­schafter in Rom, Earl of Perth (Sir Eric Drum- m o n d), teilnahmen. Vor der Besprechung erstattete Chamberlain ausführlichen Bericht über die inter­nationale Lage.

Die Londoner Frühpresse führt auch heute wieder

zeitigen Krise im Fernen Osten offenbar nur einen Zwischenfall, der die auf weite Sicht berechneten Pläne der amerikanischen Außenpolitik nicht beeinflussen dürfe. Eine Zurückziehung Ame­rikas würde aber, die Rolle der Vereinigten Staa­ten als eines Förderers des Weltfriedens schwächen. Die USA.Regierung könne durch die Beibehaltung ihrer Stellung im Fernen Osten jene Bemühungen fortsetzen, die von Staatssekretär Hüll am 16. Juli dargelegt wurden.

Vor neuen Kämpfen um Schanghai.

Japanische Truppen auch auf dem rechten Wangpoo-Ufer.

Tokio, 28. Aug. (DNB. Funkspruch. Ostasien- dienst des DNB.) Aus dem Kampfabschnitt um

Schanghai wird gemeldet, daß die gegenüber den Wusungforts nordöstlich von Schanghai verlaufende japanische Front auch auf das rechte Wang­poo-Ufer ausgedehnt werden konnte. Am neuen Frontabschnitt vor Schanghai von den Wusungforts bis Liuhochen werden wichtige Entwicklungen erwartet. Durch erfolgreiche Landung von japanischen Verstärkungen wurde in diesem Abschnitt eine zusammenhängende Front gebildet. Wie die Agentur Domei meldet, ziehen die Chinesen erhebliche Verstärkungen, zu denen auch die besten Truppen der Nanking- Regierung gehören, heran, um die Eisenbahn NankingS changhai, die infolge der ja­panischen Truppenlandungen bedroht ist, zu ver­teidigen. Die japanische Luftwaffe belegte neuer­dings die militärischen Anlagen von Nanking und die chinesischen Verbindungen zur Front mit Bom­ben.

gegenüber Japan eine scharfe Sprache. Die Blätter betonen besonders, daß England sich nicht mit einem förmlichen Protest in Tokio und einer einfachen Entschuldigung Japans begnügen werde. Der Wortlaut des britischen Pro­testes wird, so berichtetMorning Post", noch am heutigen Samstag veröffentlicht, nachdem ihn der britische Geschäftsträger in Tokio der japanischen Regierung übermittelt habe.Daily Expreß" und Daily Mail" nehmen sogar an, daß es, wenn Japan nicht volle Genugtuung leiste, zu einer zeitweiligen Abberufung der diplomati­schen Vertreter Englands in Tokio kommen könne. Evening Standard" schreibt: Wenn es sich zeigen sollte, daß japanische Flieger für den Zwischenfall verantwortlich seien, dann werde die öffentliche Meinrmg Englands eine volle Entschuldi­gung und Wiedergutmachung erwarten. Welchen Weg werde man aber einschlagen, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden und wenn die japanische Regierung ihre Verantwortlich­keit in dieser Frage mißachten würde? Die schärfste Maßnahme würde darin bestehen, die Armee-, Flotten- und Luftstreitmacht und die englische Ju­gend aufzubieten, um diesen nicht herausgeforder­ten Angriff auf einen britischen Botschafter zu ra­chen. Sollte man aber diesen Kurs ablehnen, dann müsse die englische Regierung auf einen erhitzten Wortkrieg und wütende Forderungen verzichten, denn starke Worte brächten keinen Gewinn, wenn nicht auch starke Taten beabsichttgt seien. Bittere Rede und unerfüllte Drohungen könnten Risse in den Beziehungen Englands zu den anderen Län­dern verursachen, die erst in Jahren geheilt sein könnten. England dürfe seine Fehler in dieser Be­ziehung nicht wiederholen.

Oer Botschafter außer Lebensgefahr.

£ o n b o n, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Zu­stand des englischen Botschafters in China. Sir Hughes knatchbull, scheint sich nach den letz­ten Meldungen aus Schanghai so weit gebes­sert zu haben, daß er trotz seiner schweren Ver­letzungen nicht mehr in Lebensgefahr schwebt. Der Botschafter hat auch die zweite Nacht gut überstanden. Ein Arzt erklärte, man hoffe, daß der Botschafter in sechs bis sieben Wochen das Krankenhaus werde verlassen können. 3m Kranken­haus. in dem der Botschafter darnieder liegt, liefen den ganzen Tag über Bekundungen der Anteilnahme aus der ganzen Welt ein, u. a. vom König von Eng­land und vom Marschall Tschiangkaischek.

Schwere Bomber für China.

Neuyork, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Aus Baltimore wird gemeldet, daß der Dampfer Wichita" von derUnited Shipping Board Ame­rican Pioneer-Linie" am Samstag den Hafen mit 19 schweren Bombenflugzeugen an Bord verließ, in Richtung auf Schang­hai. Außerdem sollen sich unter der Ladung nicht näher bezeichnete Stahlerzeugnisse befinden, dar­unter verschiedene hundert Rollen schweren Sta­cheldrahts, der zur (Errichtung von Drahtver­hauen brauchbar erscheint. ^Zum Schutze gegen etwaige Fliegerangriffe soll das Deck mit schweren, durch Stahlkabel gehaltenen Panzerplatten geschützt sein. Vermutlich handelt es sich bei der Ladung um den schon vor einigen Tagen gemeldeten Trans­port von schweren Bellanca-Bombern für China, die ursprünglich für die Valencia-Bolschewisten be­stimmt waren.

Die Haltung Amerikas.

Washington, 27. Aug. (DNB.) Außenmini­ster Hüll erklärte, die Regierung der Vereinigten Staaten habe sowohl der japanischen als auch der chinesischen Regierung mitgeteilt, daß sie die Ach­tung aller ihrer Rechte und Inter­essen im augenblicklichen Konfliktsgebiet verlange. Beide Regierungen seien ersucht worden, die ame­rikanischen Rechte zu achten und die Tatsache in Rechnung zu stellen, daß sie für alle Schäden verantwortlich gemacht würden, die der Regierung der USA. oder ihren Staatsbürgern aus den militärischen Operationen entstehen könnten. Associated Preß meldet: Die Mitteilung der ame­rikanischen Regierung bedeutet, daß die Regierung anscheinend nicht die Absicht habe, sich aus dem Fernen Osten zurückzuziehen. Die Vereinigten Staaten sähen vielmehr in der der-

Die chinesische Koni an der Großen Maner durchbrochen. Japanisches Hauptquartier meldet bedeutsamen Waffenerfolg in Nordchina.

Tientsin, 27. Aug. (DNB.) Südöstlich der Stadt Huailai, auf halbem Wege an der Bahn­strecke zwischen dem Nankau-Paß und Kalgan, haben die japanischen Truppen laut Mitteilung des japanischen Oberkommandos in Tientsin d i e chinesische Haupt st ellung an der Gro­ßen Mauer durchbrochen und die feindliche Front iy einer Breite von 15 Kilometer einge­drückt. Die chinesische Schlüsselstellung befand sich auf der Höhe 1390, etwa 20 Kilometer südlich von Kantschung, wo die Große Mauer auf einem jäh abfallenden Bergkegel ihren höchsten Punkt erreicht, und von wo das ganze umliegende Gelände be­herrscht werden kann. Der erste japanische Angriff aus der Richtung von Nankau stieß auf ungeheure Geländeschwierigkeiten, die selbst ohne feindliche Gegenwirkung in fünf Stunden nur ein Vorrücken um 4 Kilometer ermöglichten. Die engen Gebirgs­schluchten waren durch tagelange Wolkenbrüche von

reißenden Wassermassen durchflutet, wodurch der Nachtransport und der Abtransport von Verwun­deten auf unüberwindliche Schwierigkeiten stieß. Die C h i n e f e n, die sich ihrer günstigen Stellung bewußt waren, leisteten zähesten Wider­stand. Erst neu herangeführte japanische Verstär­kungen ermöglichten nach siebentägigem erbittertem Ringen d i e Erstürmung der die Große Mauer weithin beherrschenden Höhe 1390, wodurch die von fünf chinesischen Divisionen verteidigte Stellung ourchbrochen und die Front des Gegners kurz darauf in einer Breite von 15 Kilometer einge­drückt werden konnte. Die chinesischen Truppen gingen in Richtung auf Huailai zurück. Das japa­nische Oberkommando mißt dem Durchbruch an der Großen Mauer größte strategische Bedeutung bei, da nunmehr d i e Innere Mongolei dem japanischen Vormarsch völlig offenstehe.

Tschechische Schulen ohne tschechische Kinder.

Wie Prag das Minderheitenabkommen hält.

Tschechischer Wortbruch.

Von unserer Berliner Schristieitung.

Vor wenigen Tagen hat der tschechische Staats­präsident Dr. B e n e s ch in Olmütz die übliche Be­schwichtigungsrede gehalten. Er hat das Abkommen zwischen den tschechischen und deutschen Regierungs­parteien vom 18. Februar 1937 über die Behand­lung der Minderheiten zum Staatsgrundgesetz der Tschechoslowakei erhoben. In Worten natürlich! Diese Worte verhalten sich zu den Tatsachen wie die berühmten Dörfer des Potemkin zur russi­schen Wirklichkeit unter Katharina II. Zwei Zei­tungen der deutschen Sozialdemokraten in ber Tschechoslowakei sehen sich nun angesichts des jähen Gegensatzes zwischen Worten und Taten zu der Feststellung gezwungen, daß in dem rein deutschen Städtchen Schönfeld in Böhmen mit Beginn des neuen Schuljahres eine tschechische Schule errichtet wird, obwohl es in Schön­feld nicht ein einziges schulpflichtiges Kind tschechischer Nationalität gibt.

Wir sagten eben, daß diese Zeitungen der deut­schen Sozialdemokraten sich zu dieser Feststellung gezwungen sehen. Denn darum handelt es sich. So­zialdemokraten sind ebenso wie Christlichsoziale und Agrarier in der Tschechoslowakei Regierungs­partei und durch ihre Pfründen hörig geworden. Diesedemokratischen" Parteien haben er ft letzthin ihr stilles Vergnügen an der Verschiebung der Wahlen zu den Gemeindevertretungen und Sozial­versicherungs-Anstalten gehabt; es fällt ihnen also schwer aufzumucken. Wenn sie es trotzdem tun so müssen sie es ganz einfach: nicht nur weil das nationale Gewissen auch des letzten deutschen Ar­beiters bei einem Fall Schönfeld erwacht, sondern weil auch das soziale Empfinden mächtig aufge­rührt wird, wenn in den Hungergebieten Deutsch- Böhmens Schulpaläste für tschechische Kin­der hinaestellt werden, die gar nicht existie­ren, die also erst unter wirtschaftlichem und poli­tischem Druck gepreßt werden müssen.

Vor einigen Monaten noch hat der deutsche So­zialdemokrat Jaksch eine Werbereise nach England gemacht um die dort aufkommenden Befürchtungen über die Ausflüsse des tschechischen Chauvinismus als Kronzeuge" deutscher Nationalität zu wider­legen" Aber es gibt eine Grenze, die auch die äußerste Hörigkeit nicht überschreiten kann. Und darum mußten jetzt die beiden sozialdemokratischen Blätter derWahrheitdie Ehre geben. Aller­dings reichlich spät, denn solche Auswüchse des tschechischen Chauvinismus sind massenhaft. Wir erinnern nur an den geradezu grotesken Fall, wo ein Schuldiener mit zahlreichen Kindern aufgettie- ben wurde, um in einer Ortschaft die Zahl der tschechischen bzw. gepreßten Kinder soweit zu ver­

vollständigen, daß die Tschechen eine Art Recht­fertigung für ihren Schulbau hatten. Damals wurde das hübsche Wort geprägt: Schuldiener nicht für die Schule, sondern Schule für den Schuldiener. Seither ist aber der tschechische Chauvinismus noch angriffsluftiger geworden. Das Schönfelder Bei­spiel zeigt es.

Revision im Prozeß gegen 22 junge Deutsche in Polen.

Pofen, 27. Aug. (DNB.) Wie erinnerlich, sind im Juli d. I. 22 Deutsche polnischer Staatsangehörigkeit, die angeklagt waren, eingeheimes Arbeitslager" organisiert oder an ihm teilgenommen zu haben, vom Konitzer Gericht zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt und zum Teil bis auf weiteres in Haft gefetzt worden. Die von den Verurteilten eingereichte Berufung führte zu einer neuer­lichen Verhandlung, in der außer einer wesent­lichen Strafherabsetzung den meisten An­geklagten Strafaufschub auf fünf Jahre und Haftentlassung zugebilligt wurde. Das Ur­teil gegen die restlichen Angeklagten, die in der ersten Instanz Gefängnisstrafen bis zu 8 Monaten erhalten hatten, wurde beftätigt. Die Verteidigung, die in sachlicher Weise die Anklage entkräfttgte und um Freispruch bat, fand beim Gericht taube Ohren. Aus dem Prozeßverlauf ist hervorzuheben, daß das Gericht, im Gegensatz zum Staatsanwalt, der von der geheimen Absicht der Angeklagten sprach, auf perfide Weise" die Abtrennung der ehemals deut­schen Gebiete vorzubereiten, die Betonung darauf legte, daß es sich nicht um die Klärung der mehr oder weniger gefährlichen Ziele der Angeklagten handele, sondern lediglich darum, ob sie dem Ge - setz über Geheimbündelei, das unter­schiedslos für alle Staatsbürger gelte, zuwider­gehandelt hätten. In diesem Sinne sei das Urteil gefällt worden.

Gtreikunruhen auf der Insel Mauritius

Auf Zuckerrohrpflanzungen der britischen Insel Mauritius im Indischen Ozean ist es zu Streik­unruhen gekommen. Bei blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Streikenden wurden mehrere Personen getötet und verwundet. Die Streikenden bringen in die südlichen Bezirke der Insel vor und setzen die im Besitz von Indern be­findlichen Zuckerrohrpflanzungen und H ä u s e r i n B r a n d. Die Pflanzer haben die Re­gierung aufgefordert, sofort energische Maßnahmen zu ergreifen.

Nach dem Fall Sanlanders.

Die Einnahme Santanders durch die Truppen der spanischen Nationalregierung ist ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zur Befreiung des Landes vom Bolschewismus. Nach der Besetzung Bilbaos, der größten Industrie- und Hafenstadt der drei baskischen Provinzen im Juni dieses Jahres ist mit Santander ein zweiter Hauptplatz der nordspani­schen Wirtschaft General Franco in die Hände ge­fallen. Santander ist mit seinen annähernd 90 000 Einwohnern Mittelpunkt des kantabrischen Erz­bergbaus. Hier befinden sich neben ausgedehnten Kohlenlagern auch Quecksilber-, Kupfer- und vor allem Eisengruben, letztere in der Nähe des in die­sen Tagen viel genannten Städtchens Torrelavega und in dem nach Bilbao zu gelegenen Küftenort Castro Urdiales. Da das Ausland, namentlich die britische Industrie infolge der Kapitalarmut der spanischen Wirtschaft an diesen nordspanischen Erz­bergwerken sehr erheblich beteiligt war, wurde Santander ebenso wie Bilbao ein bedeutender Hafenplatz für die Erzausfuhr, .die im Jahre 1929 noch 6 Millionen Tonnen von insgesamt 7 Millio­nen Tonnen geförderte Eisenerze ausmachte. Das war zwar nicht unerheblich weniger als die spa­nische Erzausfuhr vor dem Weltkriege betragen hatte (1913: 9 Millionen Tonnen von 10 Millionen Tonnen Gesamtförderung), aber die hier vorhande­nen Vorräte sind immerhin bedeutend genug, daß bei dem durch die allgemeine Aufrüstung heroor- gerufenen Erzhunger in aller Welt der Besitz dieser kantabrischen Bergwerke ein erhebliches wirtschaft­liches und politisches Pluszeichen ist. Das hat ja General Franco auch bereits sehr deutlich zu spüren bekommen. Seine militärischen Fortschritte in Nord­spanien, die Einnahme Bilbaos und nun auch noch der Fall Santanders haben die Engländer überaus hellhörig gemacht. Die britische Presse, soweit sie nicht hoffnungslos im marxistischen Fahrwasser schwimmt, ist geneigt, den bislang mit Vorliebe als Rebellen" gekennzeichneten spanischen National­truppen, denen man noch vor wenigen Monaten die größten Scheußlichkeiten nachgesagt hat, über ihre nicht mehr zu leugnenden Erfolge eiy gedämpf­tes Lob zu spenden. Und das britische Kabinett ventiliert ernsthaft den Gedanken, der spanischen Nationalregierung das Recht einer kriegführenden Macht zuzuerkennen. Ohne den heftigen Widerstand Moskaus und seines französischen Bundesgenossen wäre dieser von Deutschland und Italien ausge­gangene Anttag im Londoner Nichteinmischungs­ausschuß längst Wirklichkeit geworden. So verstärkt der Besitz Santanders unzweifelhaft auch die außen­politische Stellung der spanischen Nationalregierung.

Die Stadt, deren überaus lebhafte und rührige Bewohner in den letzten Wochen so schweres Leid haben über sich ergehen lassen müssen, streckt sich sehr anmutig an einer rings von Hügeln umkränz­ten Meeresbucht hin. Die schöne Lage machte San­tander auch zu einem bevorzugten Badeort, in dem auch der letzte König von Spanien, Alfons XIII., während der Sommermonate in seiner Villa gern weilte, um den Segelregatten beizuwohnen. Es ist ein erfreuliches Zeichen für den gesunden Instinkt der Bewohner Santanders, gleichzeitig aber auch der untrüglichste Beweis für die Brüchigkeit bol­schewistischen Äeengutes in der spanischen Bevölke­rung und das unwiederbringliche Dahinschwinden des Einflusses der Moskauer Komintern, daß San­tander selbst seinen Befreiern die Tore öffnete, in­dem der nationalgesinnte Teil der Einwohnerschaft mit Hilfe der Guardia Civil, einer Art Polizei- und Gendarmeriekorps, sich beim Nähern der Truppen General Davilas gegen ihre bolschewistischen Be­drücker erhob und sie in blutigen Straßenkämpfen zur Flucht oder zum Niederlegen der Waffen zwang. Man darf überzeugt sein, daß dieser Vor­gang Schule machen wird. Denn es ist ja keines­wegs so, daß in dem noch von den Roten besetzt gehaltenen, immer noch recht großen Teil des Lan­des nun auch das Gros der Bevölkerung mit dem Herzen im bolschewistischen Lager stände. Dreist vor allem dort nicht der Fall, wo den bolsch: M mi­schen Verführern keine separatistischen Strömungen zu Hilfe kamen, die sie vor ihren Karren spannen konnten, wie in Katalonien und in den baskischen Provinzen, zu denen übrigens das kastilische San­tander nicht mehr gehört. So ist der Fall Santan­ders auch eine schwere moralische Niederlage des Bolschewismus, dessen Anführer sich nicht einmal stark genug fühlten, dem mit dem Vorrücken der Nationaltruppen auf Santander ihnen und ihrer Sache drohenden Unheil durch eine Enlastungs- offenfioe auf einer der andern Fronten zu begeg­nen. Nach der Einnahme Bilbaos hatten die Bol­schewisten westlich von Madrid eine solche Ent­lastungsoffensive versucht, Brunete in ihren Besitz gebracht und damit den General Franco gezwun­gen, den bereits begonnenen Vormarsch auf San­tander von Südosten bei Balmaseda abzubrechen und alle vorhandenen Kräfte an die bedrohte Front von Madrid zu werfen, wo es ihm denn auch ge­lang, nach erbitterten Kämpfen Brunete zurück­zuerobern und die Lage wieder herzustellen.

Am 14. August konnte der Vormarsch auf San­tander wieder ausgenommen werden. Fünf Marsch­kolonnen rückten konzentrisch auf die Stadt vor, un­terstützt von der nationalen Flotte, die die Küsten­orte östlich von Santander beschoß und es der Bri­gade derSchwarzen Pfeile" erleichterte, sich des schon genannten Bergbau-Städtchens C a st r o Urdiales zu bemächtigen, während am linken Flügel schon zwei Tage nach Wiederaufnahme der Offensive die Stadt N e i n o \ a , nicht weit von der Quelle des Ebro und wichtiger Verkehrsknotenpunkt, besetzt werden konnte. Auf dem weiteren Vormarsch kam es dann hier zu besonders schweren Kämpfen, in denen als letzte Etappe vor Santander das Städtchen Torrelavega, als Mittelpunkt des