Montag, 28. ZUM 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Hr.H7 Zweites Blatt
gramm liegen.
*
H.D.
Aus der Stadt Gießen
je Tag um je 0,10 Mark je 50 Kilogramm, so daß sie am 3. Juli für weiße, rote und blaue Sorten auf mindestens 5 Mark, höchstens 5,50 Mark, sur runde gelbe Sorten auf mindestens 5,40, höchstens 5,90 Mark und für lange gelbe Sorten auf mindestens 5,80 Mark, höchstens 6,30 Mark je 50 Kilo-
stand, bekamen sie keinerlei Witterung von uns. Ich wählte mein Tier, zielte und feuerte. Beim ersten Schuß brach ein Höllenspektakel los. Die Kühe und Kälber nahmen geradenwegs Reißaus, die Bullen rotteten sich zusammen und blickten unsicher, zuerst auf den großen Bullen, der 40 Meter weit getaumelt und dann zusammengebrochen war, dann in unsere Richtung. Vorsichtig marschierten sie in majestätischem Zuge über unseren Weg, die Luft mit den Rüsseln prüfend. Als ein zweiter großer Bulle vorüberkam, schoß ich wieder und versetzte die Herde in neue Panik. Zwei prachtvolle Tiere waren zur Strecke, und ich konnte mit der Morgenarbeit zufrieden sein, als unerwartet der Wind umsprang. Fünfzig Bullen wandten sich in unsere Richtung, die Rüssel emporgeworfen, die riesigen Ohren vorgestellt. Wie würden sie sich benehmen? Wenn sie uns ungriffen, würde es unmöglich sein, das Kanu rechtzeitig aus ihrem Weg zu bringen, und es gäbe keine andere Rettung für uns, als die Leitbullen niederzuschießen — keine leichte Aufgabe! Zu unserem Glück erstarb die Brise so plötzlich, wie sie sich erhoben hatte, und dann drehte sie wieder auf ihre vorherige Richtung. Wir atmeten auf, und die Elefanten, unfähig uns festzustellen, zogen ab, eine breite Spur niedergetrampelten Schilfes hinter sich zurücklassend. Das ganze Dorf aber tanzte die Nacht hindurch, um mein Geschenk von Elefantenfleisch, das sie auf Monate hinaus versorgte, zu feiern.
rats einige Ergebnisse erzielt, die besagen, daß die Lagertemperatu'r in den meisten Fällen höher sein muß als minus neun Grad. Interessant ist, daß Salat sich überhaupt nicht für die Gefrierlagerung eignet. Pfirsiche brauchen eine Lagertemperatur von minus 24 Grad, Gurken dagegen nur von minus 9 Grad.
Im Schiffsbetrieb ist die Kältetechnik in größerem Umfang zur Anwendung gekommen. Das gilt besonders für die Schiffskälteanlagen für Lebensmitteltransporte. Die hauptsächlichsten Kühlgüter, deren Beförderung über weite Strecken in Frage kommt, sind Früchte und Eier. In diesem Zusammenhang wird auch über Erfahrungen mit Trockeneiskühlung bei Schiffstransporten berichtet werden. Es hat sich herausgestellt, daß die Trockeneiskühlung für gelegentliche kurzfeittge Kuhl- lagerung brauchbare Ergebnisse zeitigt, während bei dauernder Kühllagerung die Kosten zu hoch sind und deshalb die Kältemaschine vorgezogen wird.
Gold auf dem Schweinerücken.
V. A. Im wahrsten Sinne des Wortes kann man davon sprechen, daß die Schweine auf ihrem Rücken Gold tragen. Die Schweineborsten, die zur Herstellung von Bürsten und Pinseln und im Schuhmachergewerbe eine ausgedehnte Verwendung finden, zählen zu den wertvollsten Nebenprodukten des Schweines. So kosten 3% kg Schweineborsten, wie sie vom Schuhmacher gebraucht werden, genau soviel wie Vi kg Feingold, nämlich 1400 RM. Für allerbeste Borsten wird sogar über 200.— RM. je Vi kg bezahlt. Es handelt sich aber dabei allerdings um Rückenborsten erster Güte von chinesischen und sibirischen Schweinen. Aber auch der Anfall von Borsten aus der eigenen Schweinezucht ist wirtschaftlich außerordentlich bedeutsam. Noch werden für fast 5 Mill. RM. jährlich Borsten aus dem Auslande eingeführt Allerdings ist in den letzten Jahren schon ein starker Rückgang zu verzeichnen. Von einer Einfuhr von 15 650 di im Werte von 23,4 Mill. RM. im Jahre 1925 ift die Einfuhr auf 9066 dz im Werte von 4,9 Mill. RM. im Jahre 1936 gefallen.
Elefantenjaqd im Kanu.
Abenteuer am Tschadsee.
Daß Elefanten zu Wasser gejagt und vom Boot aus geschossen werden, dürfte eine große Seltenheit fein und ist nur unter den besonderen Bedingungen möglich, die der Tschadsee in Jnnerafrika bietet, der in Wahrheit ein riesiges, flaches, stagnierend es Wasserbecken darstellt, nirgends über fünf Meter tief und auf weite Strecken so seicht, daß man ihn zu Fuß durchwaten könnte, wenn nicht dichtes Schilf und Schlingpflanzen einen daran hindern würden Dieses Becken ist der natürliche Tummelplatz einer Unzahl von Klein- und Großtieren und somit ein ideales Jagdgelände. Diese günstigen Bedingungen machte sich der englische Reise- und Jagd- schriftsteller Geoffrey D. Hett zunutze, der von einem aufregenden Abenteuer in der „Daily Mail erzählt. , c .
Eine große Elefantenherde, die bei Tage m dem Schilfdickicht des Tschadsees hauste, bei Nacht aber an Land kam und die Felder der Eingeborenen zertrampelten, verbreitete in den kleinen Dörfern am Ufer des Sees Furcht und Entsetzen, so daß die Jäger als Befreier begrüßt wurden. „Wir erreichten", schreibt G. V. Hett, „auf einem beschwer-
** Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Dienstag, 29. Juni, kann Herr Gustav Finger, Am Nahrungsberg 18, in geistiger und körperlicher Frische seinen 7 0. Geburtstag feiern. Der Jubilar gehört zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers.
** Silberhochzeit. Am morgigen Dienstag können die Eheleute Karl B a l f e r und Frau Dina, geborene Günther, Lonystraße 18, das Fest der Silbernen Hochzeit feiern.
** Heimatvereinigung Schiffenberg gratuliert der Familie Lyncker. Der Vorstand der Heimatvereinigung Schiffenberg fand sich am Sonntagvormittag auf dem Schiffenberg zur Gratulation und Ueberreichung eines Geschenkes auf dem Schiffenberg ein. Oberforstmeister Nicolaus überreichte dem Jubilar ein in Silber getriebenes Taufbecken mit einer eingravierten Widmung als Familienerbstück und schilderte dann in großen Zügen die Geschichte des Schiffenbergs und der Familie Lyncker, die nun seit 100 Jahren als Pächter auf dem Schiffenberg wohnt. Die Namen Lyncker und Schiffenberg feien durch all die Jahre hindurch so eng verbunden, daß sie aus der Geschichte des Schiffenbergs nicht mehr wegzudenken feien. Eine ganz besondere Freude bereite es ihm, diese Glückwünsche übermitteln zu können, da auch einer seiner Vorfahren um 1700 schon als Förster auf dem Schiffenberg tätig war. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß es der Familie vergönnt fein möge, die von der Heimatvereinigung überreichte Taufschüssel noch recht oft in den kommenden Jahrhunderten benutzen zu können.
** Arbeitsdienst besucht das Oberhessische Museum Es ist bereits eine schöne Gepflogenheit geworden, daß die Kameraden des hiesigen Arbeitsdienstlagers „Justus von Liebig" bald nach ihrem Einzug in ihre Unterkunft an den Sonntagvormittagen truppweise das Oberhessische Museum besuchen. Dieser Besuch trägt sicherlich dazu bei, den Arbeitsdienstkameraden das oberhessische Land, die Bevölkerung und die angestammte völkische Kultur näher zu bringen und ihnen schneller eine Verbindung zu der Landschaft gewinnen zu lassen, als es vielleicht sonst der Fall wäre. So sah man auch am gestrigen Sonntag wieder die Kameraden des Arbeitsdienstes in den Sälen des Museums. Aufmerksam folgten sie den kurzen gedrängten Darlegungen des sachverständigen Führers durch die reichen Sammlungen.
** Abänderungen auf Schlachtscheinen unzulässig! Die Tatsache, daß esp Metzgermeister, der einen Schlachtschein für zwei Schweine beantragt hatte, dem aber nur ein Schwein zur Schlachtung bewilligt wurde, den Schlachtschein eigenmächtig auf zwei Schweine ab= aeänöert hatte, gibt der Hauptvereinigung der deutschen Diehwirtschaft Veranlassung, darauf hinzu- weisen, daß ein Schlachtschein eine öffentliche Urkunde ist. Die eigenmächtige Abänderung eines Schlachtscheines zieht daher Bestrafung nach sich, da dadurch der Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllt ist.
** Ein reger Durchgangsverkehr herrscht in diesen Tagen auf dem hiesigen Bahnhof. Die Bahnhofswirtschaft hat sich auf Großbetrieb einstellen müssen, da bereits am Freitag die ersten Sonderzüge zum Reichstreffen des Kyffhäuserbundes nach Kassel Gießen passierten. Am Freitag und Samstag fuhren Sonderzüge aus Neustadt a. d. Hardt, Trier, Saarbrücken und von Köln durch. In den Mittagsstunden des Samstags fuhren die alten Soldaten aus Gießen und Oberhessen ab, die in der Nacht zum Montag dann wieder zurückkamen. Weitere Sonderzüge passieren am Montag und Dienstag auf der Rückfahrt unseren Bahnhof. Zu
Vom Gegen -er Kälte.
Zur Hauptversammlung des deutschen Kältevereins.
geführten frischen Heringen, über die Bakterienbekämpfung in der Fischkonseroenindustrie, über die Verwendbarkeit von norwegischem Natureis für die Kaltlagerung von Seefischen sowie über die zusätzliche Anwendung von festem Kohlendioxyd in der Kühlkette von Fischen. Dazu kommen noch interessante Untersuchungen über „Vitamingehalt in Seefischen" und „Fischeiweiß in der Ernährung". Eine Fachgruppe „Kühlindustrie" hat Untersuchungen angestellt, um den Kältebedarf von Lebensrnitteln festzustellen und um dadurch Unterlagen über die Berechnung der Kühlkosten zu erhalten. Messungen an Nahrungsmitteln sind inzwischen bei Rind- und Schweinefleisch, Schellfisch, Quark, Eiern, Zwiebeln und Butter durchgeführt. lieber den Kältebedarf bei Fleisch lagen schon frühere Untersuchungen vor, deren Ergebnis neuerdings eine Bestätigung erfahren hat. lieber das Gefrieren von Obst und Gemüse sind Versuche angestellt worden, die den Zweck hatten, festzustellen, ob Verfahren mit rasch bewegter gekühlter Luft oder mit sogenannter stiller' Kühlung Qualitätsunterschiede in Bezug auf Farbe, Aroma und Geschmack Hervorrufen. Als Versuchsmaterial haben dabei gebient: Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Pfirsiche, Zwetschgen, Trauben, Sauerkirschen, Bohnen, Gurken und Salat. Dabei sind be=
Auf diesen und vielen anderen Gebieten ist die deutsche Kältetechnik eingesetzt worden, um die vorhandenen verderblichen Lebensrnittel vor dem Verderben durch Kälteanwendung zu schützen. Daneben verlangt die chemische Industrie die stärkste Mitarbeit der Kältetechnik zur Durchführung ihrer Verfahren. In Zusammenarbeit mit dem Verein Deut- cher Ingenieure und dem deutschen Kalteverem ist auch ein Kulturfilm „Segen der Kälte" hergestellt. Der Film zeigt, wie durch die Anwendung der Kühlkette bedeutende volkswirtschaftliche Werte entstehen ober erhalten werben.
Scherze nach dem Urlaub.
Die Stocks hatten sich mit ben Steins in den Strandburgen an der See angefreundet, und da ihr Urlaub nun zur gleichen Zeit ablief, fuhren sie im selben Abteil nach Hause. Es war warm und dauerte lange. Herr Stock erzählte Witze, und Herr Stein hörte zu. Frau Stock und Frau Stein hörten auch zu. Manchmal taten sie so, als ob sie weder hörten noch verstanden. Manchmal wieder äußerten sie ihre Meinung.
„Kennen Sie die Sache mit der Lichtrechnung? Also, da waren Frau Müller und die Kinder an die See gefahren, und Herr Müller war vierzehn Tage lang Strohwitwer. Als Frau Müller heimkam, beteuerte der Gatte, jeden Abend zu Hause gewesen zu sein und gelesen zu haben. Frau Müller tat so, als ob sie es glaubte, und dann ging sie zum Lichtzähler. Komisch, meinte sie, entweder du hast im Dunkeln gelesen oder bei Kerzenlicht. Dem Lichtzähler nach hast du höchstens zwei Stunden Licht verbraucht!"
Sie lachten ein bißchen. Dann meinten die Frauen, daß sie ja diesmal vor solcher Ueber- raschung sicher seien: sie hätten ihre Männer mit im Bad gehabt.
Nach der Ankunft hatten die beiden Familien noch einen kurzen Heimweg, den sie zu Fuß zurücklegten, zumal der beiderseitige Geldbeutel nunmehr energisch Sparsamkeit heischte. Var Stocks Wohnung nahmen sie Abschied.
„Also hier wohntzn Sie?" meinte Frau Stein und blickte empor. „Sehen Sie, bei Ihnen brennt ja Licht!"
„Einbrecher!" schrie Frau Stock.
Nach einigem Ueberlegen meinte Herr Stock: „Ach was! Daran bin ich schuld!"
„Du?"
Tja, ich. Ich bin bei der Abreise früher zur Bahn gegangen, um das Gepäck aufzugeben. Also habe ich aufzupassen versäumt, ob überall das Licht ... na, die Lichtrechnung wird es ja verraten."
Frau Stock schwieg sehr lange. Für sich rechnete sie aus, was vierundzwanzig Stunden Licht im Schlafzimmer mal vierzehn Tage wohl kosten durften. Herr Stein wußte am anderen Tage im Büro einen neuen Witz, bar bezahlt von Herrn Stock. R.
kein einsteigt und Nonny davon überzeugt, daß dieser aufregende Herr Mariani in der Tat ein Herr Niemand ift; damit ist der Zweck des träumerischen Spiels erreicht, und der Vorhang fällt über einem aufs neue beglückten Paar.
*
Carl Heinz Klubertanz führte sauber und wohlpointiert Regie. Der geheimnisvolle Schatten am Fenster schuf eine fast kriminalistische Spannung, doch überwogen die freundlich-heiteren Ueberraschun- gen des Dialogs bei weitem.
Ada Tschechowa, schlank, elegant und geschmeidig, der Mutter in Gesichtsschnitt und Tonfall stellenweise verblüffend ähnlich, spielte die Nonny mit einem kleinen Theaterfeuerwerk weiblicher Launen und Listen, schmollend, erwartungsvoll, nervös, beglückt, empört, enttäuscht. Das Publikum hatte offensichtlich feinen Spaß dabei.
Herr Klubertanz gab den erfindungsreichen und sichtlich schwer geprüften Ehemann Peter mit trockenem Humor und händeringender Ironie, Herr Pitt sch au den Freund Hugo: unbekümmert, ungeschickt, hilfsbereit und ahnungslos.
*
Freundlicher Beifall dankte den Berliner Gästen.
Hans Thyriot
Wesermünd« und Bremen sind die diesjährigen Tagungsorte des deutschen Kältevereins. Im Rahmen der Veranstaltungen des Vereins Deutscher Ingenieure steht der Hauptversammlung des deutschen Kältevereins eine besondere Aufgabe bevor, die durch den Beitrag gekennzeichnet wird, den die deutsche Kältewirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage des deutschen Volkes beizusteuern hat. Die notwendige Erweiterung des deutschen Nahrungsraumes ist eine der großen Aufgabe, die durch den Vierjahresplan erfüllt werden soll. Wenn man bedenkt, daß in Deutschland jährlich leicht verdedliche Lebensrnittel im Werte von 15 Milliarden Mark verbraucht werden und daß davon 10 v. H., also für rund 1,5 Milliarden Mark, verderben, also ebensoviel wie die ganze deutsche Eisenerzeugung wert ist, so kann man ermessen, wie bedeutsam die Kältetechnik heute geworden ist. In Bremen und Wesermünde werden deshalb wichtige Fragen der Frischhaltung und Konservierung durch Forscher und Gelehrte von Rang behandelt werden. Auch die Reichsarbeitsgemeinschaft „Landwirtschaftliche Gewerbeforschung" ist an den Veranstaltungen beteiligt.
Das praktische Ziel, an dem alle arbeiten, die in der Kältewirtschaft tätig sind, geht darauf hinaus, eine Verbesserung und verstärkte Anwendung der Lebensmittelfrischhalte- und Konservierungsverfahren zu erreichen. Nur auf diesem Wege wird es möglich sein, die Verluste an Nahrungsmitteln weitgehend zu verringern. Die deutsche Wissenschaft hat auf dem beschrittenen Wege bereits Erfolge aufzuweisen. Als Beispiel braucht man nur auf das neueste Verfahren hinzuweisen, das auf eine verstärkte Ausnutzung der deutschen Obst- ernte abzielt. Die deutsche Kältetechnik hat ein Ausfrierverfahren erdacht, das in weit größerem Umfange als früher gestattet, Essenzen aus Flüssigkeiten verschiedenster Art durch Ausfrieren zu erzeugen. Das ist zwar früher auch schon möglich gewesen, aber mit vielen Unzulänglichkeiten, die nunmehr ausgeschaltet worden sind. Das Verfahren hat sowohl für die Lebensmittelindustrie als auch für die chemische Industrie große Bedeutung erhalten. Eingehende Untersuchungen ergaben nämlich, daß die Eiskristalle beim Gefrieren von Flüssigkeiten ganz gesetzmäßig genau in der Richtung der Kälteeinwirkung wachsen, und daß sie deshalb gleichlaufend liegen, wenn die Kälteeinwirkung nur tn einer Richtung erfolgt. Bei dem neuen Verfahren läßt man daher die zu konzentrierenden Flüssigkeiten in ringförmige Zellen gefrieren, wobei die entstehenden Eiskristallnadeln nach dem Mittelpunkt des Kreises ausgerichtet sind. Der gefrorene Saftring wird dann aus der Form herausgehoben und der Extrakt in Zentrifugen abgeschleudert. Je nach Bedarf kann die Anreicherung durch ein- oder zweimalige Wiederholung des Verfahrens gesteigert werden, denn die günstige Anordnung der Eiskri- ftäte ermöglicht das Abschleudern auch hochkonzentrierter Säfte, so daß ohne Schwierigkeiten Eindickungen mit 60 v. H. Trockensubstanz und darüber zu erreichen sind. Durch dieses Verfahren werden neue Möglichkeiten für die deutsche Fruchteverwertung erschlossen. Schmackhafte Obstdicksäfte werden in dieser Weise hergestellt, die haltbar, naturrein und gesund sind. Ein Nebenerzeugnis ist das beim Ausfrieren von Obstsäften anfallende Fruchtwasser. Schließlich wird das Gefrierverfahren zum An- reichern leichter Weine für die Herstellung von Essig und Weinbrand sowie zur Erzeugung von Essigessenz angewandt.
Die Frischhaltetechnik hat natürlich für das F i - schereiwesen eine ganz besondere 23eöeutung. Darum ist es zu begrüßen daß die diesjährige Tagung in dem größten Fischereihafen, m Wesermünde, stattfindet. Man wird dort interessante Dinge hören über die Qualitätserhaltung^bei^ein^
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
NS.-Frauenschast und Frauenwerk, Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr, Studentenheim, Leihgefter- ner Weg 16. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Verräter."
NSDAP., Gießen-Nord.
Am heutigen Montag, dem 28. Juni, findet wegen Abschlußarbeiten keine Sprechstunde für Aufnahmesuchende statt.
AS -Irauenschast und Frauenwerk.
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Der Ortsgruppenabend der Ortsgruppe Gießen- Süd findet am heutigen Montag, 28. Juni, 20.30 Uhr pünktlich im Studentenheim, Leihgesterner Weg 16, statt.
Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.
Stelle presse und Propaganda.
Betr.: S ch a u k a ft e n : Entsprechend der großen Sommeraufgaben der Hitler-Jugend haben auch die Schaukasten der Gefolgschaften ausschließlich im Dienst der Aufklärung und Propaganda für die Zeltlager, die Hesfen-Nassau-Fahrt, die Wilhelm- Gustloff-Fahrten und die Sportarbeit zu stehen. Ich mache die Gefolgschaftsführer auf die Befolgung dieser Notwendigkeit aufmerksam.
Der Bannpressenstellenleiter: Gefolgschaftsführer Hanke.
Die neuen preise
für Speise Frühkartoffeln.
Die Hauptvereinigung der deutschen Kartvffel- wirtschaft hat mit einer Anordnung Nr. 2 die ab 28. Juni gültigen Preise für deutsche Speise-Frühkartoffeln festgesetzt. Danach liegen die Preise am 28. Juni für weiße, rote und blaue Sorten auf mindestens 5,50 Mark, höchstens 6 Mark, für runde gelbe Sorten auf mindestens 5,90 Mark, höchstens 6,40 Mark und für lange gelbe Sorten auf mindestens 6,30 Mark, höchstens 6,80 Mark je 50 Kilogramm. Ab 29. Juni ermäßigen sich diese Preise lichen Sandpfad die Südwestecke des Sees und zogen mit Pferden und Karren nordwärts, nur bei Nacht marschierend, um die schlimmste Hitze zu Vermeiden.' Am vierten Morgen sahen wir bei Tagesanbruch große runde Abdrücke im Sand — die Spuren der Herde, die wir suchten. Ihre Frische bewies, daß die Tiere erst vor ein paar Stunden hier vorübergezogen sein konnten. Wir rasteten im nächsten Dorf, wo die Eingeborenen überglücklich waren, uns zi» sehen.
In der Nacht hörten mir die Elefanten trompeten, und um 10 Uhr zogen sie 150 Meter vom Dorf vorüber. Um 3.30 Uhr morgens kam der Jäger, der die Wache hatte, und winkte mir schweigend. Ich nahm Gewehr und Patronen und folgte ihm mit zwei anderen Eingeborenen, und durch die Dunkelheit suchten wir uns unseren Weg zu einer Stelle, wo wir hofften, die Herde auf ihrem Rückweg in ihr Asyl abzufangen. Wir fingen sie ab, aber sie überlisteten uns, indem sie kamen, bevor wir Büchsenlicht hatten. Es war ein eigenartiges Erlebnis, das Nahen der Herde zu hören. Erst kam das Trompeten, dann das Krachen von Bäumen. Endlich, als sie nur noch 40 Meter entfernt waren, ergriffen wir die Flucht und ließen sie unbelästigt vorüberziehen. Wir folgten ihnen, aber noch ehe das erste schwache Licht im Osten erschien, konnten wir hören, wie das schilfige Wasser des Sees unter ihnen aufplatschte. Meine Eingeborenen begrüßten den Sonnenaufgang auf mohammedanische Weise, indem sie sich niederwarfen und Allah priesen, und dann entschlossen wir uns nach eiliger Beratung, den Elefanten in ihre Wasser- zuftucht zu folgen, eine Art der Jagd, die bisher noch nicht erprobt war.
Wir begaben uns zu dem Ort, wo die Kanus der Eingeborenen festgemacht waren. Diese Kanus sind sonderbare Erfindungen, ganz und gar aus Schilf gebaut und mit Schlingpflanzen zusammengehalten, in der Form Gondeln ähnlich. Ich nahm im Bug eines Bootes Platz, und die Eingeborenen statten das Kanu vorwärts oder wateten im Wasser und schoben es. So bahnten wir uns unseren Weg durch das Schilfdickicht. Wir kamen nur langsam vorwärts, aber um 9.30 Uhr konnten wir wieder das gelegentliche Trompeten der Elefanten hören. Bald war es deutlich, daß wir ihnen nah fein mußten, doch noch immer konnten wir durch das dichte Schilf nichts sehen. Auf einmal tarnen wir an einen offenen Platz und erblickten die Herde im Halbkreis rings um uns. Es war ein Anblick, wie ein (Elefantenjäger ihn sich nur träumen kann...
Obwohl wir kaum 50 Meter entfernt waren, wußte ich, daß sie mit ihrer schlechten Sicht uns nicht sehen konnten, und da der Wind auf uns zu
Gießener Gtadttheater.
Berliner Ensemble-Gastspiel: „Laß uns träumen ...!"
Ada, die junge Tochter der sehr bekannten Filrn- barftellerin Olga Tschechowa, bereist gegenwärtig mit zwei Kollegen, die uns von früheren Gast, fpien'n her bekannt sind, die deutsche Theater-P- vinz. Das leichte literarische Gepäck, das sie mit sich führen, erscheint unter dem romantischen Tttet „Laß uns träumen ...!" und ift weiterhin dekoriert als ein Spiel in drei Akten von Heinz K t i m- mer.
*
Drei Akte, das ist das Uebliche, und die drei Personen, die im voraus angetünöigt waren jmo für ein Rundreisegastspiel gerade das Richtige Statt der drei entdeckt der leicht überraschte Zuschauer indessen auf dem Personenzettel vier Namen: Nonny und Peter, das ist das Ehepaar, und Hugo, das ift der Freund; viertens erscheint aber em Baron Mariani, gespielt van Nemo Keiner. Nomen est omen dieser Mariani ist tatsächlich keiner, er existiert gar nicht.
*
Das verhalt sich fo: wenn ein Gemahl, der offenbar nicht allzuviel zu tun hat, eines Tages entdeckt daß feine Frau innerlich an Form und Haltung verliert, nervös und zerstreut ist und sich zu ver- nachlässigen beginnt, dann i|t das,em ^larnrzeuhen E- muß etwas geschehen. Es geschieht Fo gendes^ Peter erfindet einen Baron einen Kaval er der Nonny anonym Blumen fdjitft, der ste anbetet, der abends wie ein mittelalterlicher Troubadour vor ihrem ftenfter steht ... Alles gar nicht wahr, es gibt keinen Mariani, Mariani ist der besorgte Mer selbst, aber Nonny fällt auf den Schwindel prompt rein und merkt nicht einmal, daß der ftemde Mann, der bei Nackt unter träumerischer Grammophon Musik durchs Fenster steigt und die erwartungsvolle Nonny in die Arme nimm , gar nicht fremd, °n dem Peter ist, den sie gewissermaßen mit ihm selber hintergeht. Ein starkes Stück.
Immerhin reicht es mit allerlei Variationen und Verwicklungen über drei schlan e Akte aus^Es geht so weit daß Nonny ihrerseits den Gemahl der Untreue beschuldigt, was dieser sogar lügnerisch ( pu- gibt, und wer weiß, wie alles endete wenn mch tattäcklick ein gewisser Mariani auftauchte, em Rennsah?er aus Italien, der allerdings ganz unschuldig ist nur leider mit dem erfundenen Baron den Namen gemein hat. Das Phantom wird erst aus der Welt geschafft, als Peter abermals im Dun-


