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Aus der Welt des Nlms.
Probe-Ausnahme.
Son Armin Kröhnte.
Wie einfach hört es sich an, wenn man sagt: Ich gehe zum Film — ich lasse mich „entdecken" und werde dann ein berühmter Filmstar. Gottseidank ist deru Anlauf viel schwieriger, als es sich wohl so mancher Film-Nachwüchsling gedacht Hal. Aller Anfang ist schwer — und wohl mit am schwersten beim Film. Wie lange ist schon der Weg bis zur ersten winzigen Sprechrolle und wie glücklich ist der junge Schauspieler, wenn er endlich das erste Mal etwas zu sagen hat im Film. Wieviel vergebliches Treppensteigen, welche Wartezeiten kostet es meistens schon, nur erst einmal heranzukommen an eine Filmfirma. Interesse zu erwecken und, wenn man ein wenig Glück hat, für eine Probeaufnahme vorgesehen zu werden. Ist das eines schönes Tages gelungen, so hat der oder die Betreffende auch nur erreicht, daß er zur Prüfung zugelassen wird. Bestehen soll er sie erst noch.
Für Probeaufnahmen wird meistens nur ein Tag angesetzt. Ein Tag Atelier, Licht und Personal kostet der unternehmenden Firma schon eine ziemliche Summe Geldes, und so ist es leicht verständlich (jedoch nicht gut), daß man, um diese Ausgabe auszunutzen, möglichst viel Nachwüchslinge „erledigen" will. Dabei kommt bann natürlich auf jeden einzelnen nur eine ganz kurze Zeitspanne, und es geschieht daher oft, daß ein Nachwüchsling den halben Tag in nervösem, ermüdendem Warten zu- bringen muß, um dann endlich fünf oder gar zehn Minuten vor der Kamera stehen zu dürfen. Das lange Warten macht einen weniger robusten Menschen nervös und ruft ein derartiges Lampenfieber hervor — vorausgesetzt, daß Anlagen dazu vorhanden sind — daß der Aermste bann im entschei- benben Moment erst schwer mit sich zu ringen hat, um auch nur einigermaßen frei zu werben. Auch langjährige Bühnenschauspieler unter ben Nach- wüchslingen bleiben von biesem Mißgeschick nicht verschont. Es ist ein himmelweiter Unterschieb, ob man auf ber Bühne ober vor ber Kamera steht. Auf ber Bühne ist zwischen bem Schauspieler unb dem Publikum immerhin noch eine ziemliche Entfernung, unb mancher kleine Fehler ober manche kleine Nachlässigkeit wirb dadurch gar nicht bemerkt. Anders ist es or ber Kamera. Hier mißt bie Entfernung zwischen bem Schauspieler unb bdm Auge des Zuschauers (bas bie Kamera barstellt) bei Großaufnahmen nur noch Zentimeter. Der Kamera entgeht nichts — weber bas geringste Zucken bes Augenlides, noch das winzigste Fleckchen in der Schminke —, sie bemerkt alles, und was sie einmal bemerkt hat, ist nicht mehr zu verbessern ober aus- mlöschen, es bleibt für alle Zeiten auf bem Bild- ftreifen haften. Genau fo ist es natürlich auch mit bem Ton. Ja, die Kamera geht sogar noch weiter, sie hat ihre eigenen, unbeeinflußbaren Ansichten. Wie oft geschieht es, daß Frauen, die im wirklichen Leben sehr gut aussehen, auf der Leinwand gar nicht wirken, und umgekehrt, daß Frauen, die im Alltag kaum aus dem Durchschnitt herausstechen, auf der Leinewand schön wirken. Auch langjährige Bühnenpraxis imponiert der Kamera nicht, denn es ist nicht selten der Fall gewesen, daß Schauspieler, die auf der Bühne berühmt wurden, auf ber Leinewanb überhaupt nicht „kamen".
Hat nun ber betreffend Nachwüchsling bie mehr ober weniger lange Wartezeit in ber Atelierkantine glücklich überftanben, bann kommt ber ersehnte Augenblick, in bem er das erstemal vor ber Kamera steht und „filmt". Er hat nun die Chance, sich (buchstäblich) „im besten Licht" zu zeigen. Meistens werden die Probeaufnahmen jetzt so durchgeführt, daß jeder „Filmstar-Anwärter" bringen kann, was er will. Er darf fingen, tanzen, sprechen, wie es ihm beliebt, und er darf sprechen, was er will. Leider machen viele Prüflinge bei der Auswahl ihrer Repertoires einen großen Fehler, denn — und um abermals mit einem alten Sprichwort zu reden:
„Uebereifer schadet nur". Besonders die Frauen uchen sich oft, um „ganz sicher zu gehen", recht chwere dramatische Szenen aus der Klassik zum Vortrag und tun damit gerade das Verkehrteste, was nur au tun ist. Wie soll eine hochdramatische Szene, und wenn sie noch so gut gesprochen wird, eine Wirkung ausüben, wenn sie — vollkommen aus dem Zusammenhang herausgerissen — ohne jede Einleitung bargeboten wirb. Damit verlangt man von bem Zuschauer, ber ja schon vorher eine ganze Reihe anberer Probeaufnahmen angesehen hat, baß er sich ruckartig in bie ganz befonbere Stimmung ber betreffenben Szene hineinversetzen oll, was jeboch einfach unmöglich ist. Unb um sich illmählich hineinzufinben, ist roieber bie zur Fertigung stehenbe Zeit, bie ja nur für verhältnismäßig wenige Sätze ausreicht, zu kurz.
Wenn es auch leicht verstänblich ist, baß ber be- treffenbe „Sünber" es nur gut gemeint hat — eben um nichts zu versäumen bei ber so seltenen Chance ber Probeaufnahmen — fo kann man ihm boch nur
Rund um die Erde i
Wochenschau, Kultur- und Kurztonfilm.
Wenn man abends ins Kino gehen will, bann geht man meist, um sich einen bestimmten Spielfilm anzufehen. Selten wird jemanb auf den Gedanken kommen, die Zeitungen daraufhin zu prüfen, was für ein Beiprogramm zu diesem ober jenem Film angefünbigt ist, geschweige denn bavon seine Wahl abhängig zu machen.
Aber biefe Einstellung ist heute nicht mehr berechtigt. Das Beiprogramm bes Filmtheaters haf entschei- benbe Wandlungen durchgemacht. Als man auf die früheren artistischen Darbietungen und die musikalischen Vorspiele verzichtete und die zwei Stunden Kino ganA der filmischen Unterhaltung widmete, erhob sich mit zwingender Notwendigkeit die Forderung, auch diese 30 Minuten Beiprogramm so auszugestalten, daß sie nicht mehr als etwas Nebensächliches nur ungeduldig ertragen würden, sondern daß diese Darbietungen neben den mit allen Mitteln der Kunst und ber Technik ausgestatteten großen Spielfilmen ihre Daseinsberechtigung bewiesen.
Heute soll nach ben Bestimmungen ber Reichsfilmkammer bas Beiprogramm aus einer Wochenschau, einem Kulturfilm unb einem Kurztonsilm bestehen. Nur bie Uraufftihrungstheater bilben eine Ausnahme.
lieber bie Berechtigung ber Wochenschau, über ihre Beliebtheit unb Bedeutung als zeitgeschichtliches Bilddokument braucht man kein Wort mehr zu verlieren. Der Kulturfilm macht den „lehrhaft erhobenen Zeigefinger" des unsichtbaren Sprechers durch feffelnbes Bildgeschehen überflüssig. Neben der Wochenschau und den natur- und völkerkundlichen Wundern, die uns bie Zeitdehner- unb Zeitrafferkamera sowie bas Teleobjektiv enthüllen, hatte ber Kurz10 nfilm von Anbeginn feinen leichten Stand. Aber woran lag es, daß in Deutschland bis nor gar nicht langer Zeit der kurze Spielfilm so stiefmütterlich behandelt wurde?
Bei ber Beurteilung bes gesamten KurAtonfilm- problems barf man nicht außer acht lassen, baß es sich gewissermaßen um filmktinstlerisches Neulanb hanbelt unb baß bie Herstellung derartiger eigengesetzlicher Filme sich zum Teil noch in einem Umstellungsprozeß befindet. Wenn trotzdem die Herrschaft des amerikanischen Kurzfilms mit seinem aus Groteske und Sensation gemischten „Publikumsgeschmack" heute so gut wie gebrochen sein dürfte, so liegt es daran, daß unsere führenden Filmgesellschaften ebenso wie die kleinen Kurzfilmhersteller aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Heute kann der Bedarf an Kurztonfilmen fast ausschließlich aus der heimischen Produktion gedeckt werden. In Voraussicht der Bedeu-
entgegenhalten, daß dies bie Sache nun roieber zu tragisch nehmen heißt.
Keiner erwartet in einer Probeaufnahme eine Starleistung zu sehen. Das ist schon rein rechnerisch vollkommen ausgeschlossen, ba man ja nicht bie Möglichkeit hat, jeben Nachwüchsling ganz inbioi- buell zu brehen, weil man bann pro Tag vielleicht 3 bis 5 Menschen aufnehmen könnte. Da man jeboch schätzungsweise 10 bis 15 Prüflinge zu „brehen hat, erwartet man von einer Probeaufnahme nichts weiter als nur einen ganz ungefähren Begriff von ben späteren filmschauspielerischen Fähigkeiten bes Betreffenben zu erhalten.
All bies müßte sich jeber junge Filmnachwüchs- ling vor Augen halten, ber einmal bie bumme Ab- sicht haben sollte, wegen einiger Schwierigkeiten bie Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen, benn wie überall im Leben heißt es auch gerabe beim Film: Schwierigkeiten unb Hinbernisse sind dazu da, überwunden zu werden.
1130 M-Mulen.
— Auch das Beiprogramm ist wichtig.
tung des Kurzfilms hat z. B. die Ufa vor längerer Zeit eine eigene Herstellungsgruppe für dieses Sondergebiet ihres Filmschaffens ins Leben gerufen. Der Dramaturg dieser Herstellungsgruppe ber Ufa konnte bem Besucher Aufschluß üoer eine Reihe von Fragen geben, bie im bramatischen Aufbau, in ber Spielleitung und bei der Rollenbesetzung liegen.
Zunächst sei es wichtig, bas Vorurteil der Kinobesucher zu zerstreuen, die befürchten, daß diese Filme nicht genau so ernst unb gewissenhaft behan- beit würben, wie bie großen Spielfilme, unb bie meinen, bas künstlerische und technische Niveau werbe aus Ersparnisgrtinben vernachlässigt. Gewiß bereite bie Auswahl ber Filmstoffe noch Schwierigkeiten. Denn man btirfe ja nicht vergessen, was von einem Kurztonfilm verlangt werbe. Idee müsse auf Jbee, Pointe auf Pointe folgen, unb für bie dramatische Entwicklung einer Hanblung sei eigentlich kaum Zeit vorhanden. Selbstverstänolich erwäge man u. a. auch rein literarische Stoffe. So habe man einigen Einaktern von Ludwig Thoma, wie u. a. „Lottchens Geburtstag", „Die kleinen Verwandten" unb „Mebaille" zu einer filmischen Gestaltung verhalfen. Ein besonbers dankbares Gebiet werbe burch ben Aufklärungsfilm neu erschlossen. Es sei wichtig, daß bei diesen Kurzfilmen die Belehrung nicht als Bevormundung, sondern wirklich als Unterhaltung sich auswirke. Von vier Polizei- Aufklärungsfilmen wurde einer sogar auf der letz- ten Internationalen Polizeikonferenz als vorbildliche Leistung anerkannt.
Früher betrug die Länge dieser Filme meist 600 Meter, nach der Umstellung auf die veränderten Bestimmungen des Beiprogramms bleiben jedoch nur noch 400 Meter übrig. Da gibt es dann wirklich einen Wettlauf mit jeder Sekunde, einen Kampf um jeden Filmmeter, besser jeden Filmzentimeter, um auf so knapp bemessenem Bild- und Tonstreifen in so kurzer Zeit ein packendes Film- erlebnis einfangen zu können. Die Arbeit fordert eine ungeheure Konzentration, Erfahrung und Umsicht vom Spielleiter, sie stellt hohe Anforderungen an die Darsteller unb alle Hilfskräfte. Eine weitere Frage ist bie Besetzung ber Rollen. Hier vor allem ist neben ben filmerfahrenen Hauptdarstellern die Hinzuziehung des Nachwuchses von großer Bedeutung. Hier können und sollen Junge Kräfte zeigen, was sie zu leisten vermögen. Hier können sie ihre besondere Eignung vor dem Mikrophon und der Kamera erweisen und jenes Maß von Filmsicherheit erwerben, das ihre Verwendung auch in großen Filmen erleichtert. S. Pfankucn.
Der volksbildende Film.
Don Max Ingolf.
Es ist wohl kaum zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß ber beutsche Film einen Weg be- glücfenber Aufwärtsbewegung genommen hat, daß er immer mehr sich entfaltet zu einem ber roejent- lichstcn Elemente beutscher Volksbilbung. Das liegt, neben bem Streben nach immer reineren technischen Methoben, vor allem an einer glücklichen Themenwahl für künstlerische Unterhaltungsfllme unb für ben wissenschaftlichen Kulturfilm. Selbe, oft mein« anbergreifenb unb einanber befruchtens, wirken zu- ammen am gleichen Ziel: Sie finb eines ber um« affenbften Mittel zur Formung deut eher Menschen, )eren Sehnen nach Freude uno Entspannung, aber auch deren Hunger nach Wissen sie in reichem Maße erfüllen. Hat der deutsche Film erst die Herzen ber Volksgenossen, bie millionenfach bie Lichtspielhäuser bevölkern, gewonnen unb ihr Wissen unb Wesen bereichert, so kommt, als zweite unerläßliche Aufgabe, die Wirkung auf bie Welt um uns her, bis uns kennenlernen soll am Bilb unseres Lebens unb an ben Gestalten unserer Phantasie.
Der beutsche Geist schweift in alle Höhen unb liefen, liebt bie Schönheit unb bie Erkenntnis, bis Heiterkeit unb ben tragischen Ernst. Dieser ewige faustische Geist lebt unb wirkt im ganzen Volke, nicht nur in bem Stanbe ber Künstler, ber Gelehrten, ber Intellektuellen. Darum, weil unser Volk so voll Wissensbrang ist, können wir uns Kulturfilme leisten aus allen möglichen Wissensgebieten, ohne befürchten au müssen, baß ber Großteil bes Publikums an biesem ober jenem Film ber ein- leitenben Spielfolge nur wenig Interesse zeige. Es bleibt nun einmal unbestreitbare Tatsache, baß ber beutsche Arbeiter, ber Bauer, ber Angestellte, daß ic alle, soweit ihr Beruf ihnen Zeit unb Kraft reiläßt, von einem Wissensbrang ohnegleichen be- eelt jinb, sei es auf technischem, sprachlichem, historischem, naturwissenschaftlichem ober welchem Gebiet sonst immer.
Daß ber Film — in erster Linie der Kulturfilm, oft aber auch, z. B. bei sorgfältig unb nach echten Quellen unb Kostümen gestalteten historischen Vorwürfen ber reine Spielfilm — ein unschätzbares Mittel ist zur Unterrichtung eines lernfreubigen Laienpublikums über iraenbem Wissensgebiet, muh unmittelbar einleuchten. Wie schlagkräftig, wie über- zeugenb vermag ber sinnliche Embruck von Bild unb Ton sich bem Gemüt einzuprägen, wo ber von ber Tagesarbeit tnübe Geworbene kaum ein Buch Aur Hanb nehmen würbe, um etwa eine Abhandlung über ben gleichen Gegenstanb zu lesen. Wie fein vermag bie Kamera bie rounberbarften Geheimnisse ber Natur zu belauschen, so baß ber Film auch im Unterrichtswesen von ber Volksschule bis Aur Universität seit langem eine wichtige Rolle spielt. Gerabe hier liegt auch eine ber Hauptaufgaben bes Farbenfilms, wie Filme von ben Wun- bem bes Meeres mit feinen phantastischen Lebewesen schon zur Genüge bewiesen haben
Aber nicht nur von ben Wesen ber Schöpfung um uns, von Tier unb Pflanze, wirb uns, wie bisher schon so oft, ber Kulturfilm fünben. Auch aus ber Welt, bie ber Mensch sich schuf, wirb bie Leinwanb manch buntes, fesselndes Bilb entrollen. Deutsche unb frembe Landschaften, Stammeseiaen- tümlicykeiten, Arbeit unb Wirtschaft werben sich dem Auge barbieten.
Den großen sozialen, hygienischen, rassepolitischen tmb allgemein nationalpolitischen Problemen bes Dritten Reiches wirb ein breiter Raum in biesem Teil unseres Probuktionsprogramms gewährt. Frauengymnastik, Schwimmsport, bann wieder eine Serie unter dem Leitwort „Deutschland hilft sich selbst" mit Filmen von den Bauten des Dritten Reiches, vom neuen Volksheer und seiner Arbeit, von ber Durchführung bes Vierjahresplanes, vom Arbeitsbienst u. v. a. werben aufflärenb wirken unb immer roieber neu ben Glauben stärken helfen an bas ewige Deutschlanb, das Abolf Hitler roieber ans Licht gebracht hat.
„Die Kreutzersonate."
Musik, Erzählung, Film.
Der Georg - Witt - Film ber Ufa „Die „Kreutzer-Sonate" erhielt bas Präbikat „künstlerisch wertvoll".
Die Verfilmung ber Tolstoischen Novelle „Die Kreutzersonate" burch bie Ufa ruft bie Erinnerung an bie Beethovensche Diolinsonate wach, bie ben Anlaß gab für bas Werk bes russischen Dichters. Beethoven schrieb biefe „Sonate per il Pianoforte ed un Violino obligato in A-dur im Jahre 1803.
1802 schuf er bie Zweite Symphonie, ein Fest ber Herrlichkeit unb Freube, bas Bild bes jugendlichen Mannes, ber in voller Energie seines Wollens unb Vollbringens im Leben steht, bas seine Schatze vor ihm ausbreitet. Es folgte die Sinfonia eroica, ber Triumph bes Heldischen, ein stolzer Höhepunkt seines Schaffens. Beethoven lebte in biesem Sommer 1803 im Dorfe Dberböbling. Hier, in ber stillen Ab- geschiebenheit bes Landes, umgeben von Weinbergen, Gärten und grüner Flur, ging das Werk seiner Vollendung entgegen, lieber diese Zeit der höchsten Schaffensfreude schreibt R. Rolland in feinem Buch über „Beethovens Meisterjahre": „Während der Titan an der Eroica hämmert, sprühen die Funkensterne nach allen Seiten Das ungestüme Kontrabaßthema für das .luftige Zusam- menseyn der Lanbleute« in der Pastoralsymphome, bas überselige Duett für bie .Leonore' nebst ben fünf ersten Gesangsstücken bes ersten Aktes. Die Walbsteinsonate op. 53, eine Menge vielfach überarbeiteter Skizzen für bie Eroica. Ebenso wie bort finb ber Schwimg unb bie Frische, die fo ursprünglich anmutende, erst in langer Arbeit aus zahllosen vorftihlenden Versuchen gewonnen. — Dazwischen ein Gewimmel von Skizzen aller Art. Kleinere Werke werden begonnen — Militärmärsche, em Zapfenstreich, Variationen, Bagatellen, Lieder, Kanons, Klavierübungen, Andantes, Allegrettos unb noch viele anbere —, große geplant, bie auszuführen Beethoven nie bie Zeit gefunben hat. Unb enblich steht ganz zum Schluß auf ber Innenseite bes Einbanbes bes Heftes, bas bie Entwürfe zur Eroica enthält, ber ausführliche Titel ber Kreutzer- fonate op. 47. Unb all bas vom Oktober 1802 bis. zum April 1804. Eine Feuergarbe! Ein Stern-
schnuppenregen am nächtlichen Firmament, ein Weltenausbruch aus bem Urherb bes Seins. Weich' eine Johannisnachtl"
Die Kreutzersonate ist bem berühmten Geiger Rudolphe Kreutzer gewidmet. Er wurde am 17. November 1766 zu Versailles von deutschen Eltern geboren und war seit 1796 Lehrer am Pariser Konservatorium. Seit 1817 war er Kapellmeister der Pariser Oper. Als Geigenvirtuose war er in allen Hauptstädten Europas bekannt unb komponierte selbst eine Reihe von Konzertstücken, barunter seine „40 Etudes ou Caprices", bie auch heute noch zur Ausbildung eines Violinisten als unentbehrlich gelten. Er gehörte auch zu den Künstlern, die den Sarg des toten Beethoven zur Bestattung brachten.
Die Sonate „scritta in un stilo molto concer- tante" ist für Geige und Klavier geschrieben, unb beibe Instrumente treten gleichsam wetteifern!) in ihr auf, wobei bie Virtuosität bes technischen Könnens ebenso eine Rolle spielte wie ber Reichtum an Ausbrucksformen, ber jebem Instrument vom Meister zugebacht würbe. Die Sonate beginnt mit einem Abagio, bas bie Geige allein eröffnet, bis bann bas Klavier in Moll folgt unb ein leidenschaftliches Ringen zweier Instrumente anhebt. Ein Presto in a-moll kämpft sich durch bis zum sieghaften C-dur, womit der erste Satz schließt
„Das Thema des Andante con Variazoni ist einer von jenen Andachtsgesängen, die nur Beethoven eingegeben wurden, in denen bie Seele ruht, erlöst von aller Mühe unb Spannung." Zum Schluß folgt ein Presto in A-dur, voller Mutwillen unb Heiterkeit, bei bem man unwillkürlich an zwei Wanberfreunbe benft, bie zusammen hinausziehen, um in fröhlicher Fahrt bie Welt, ihre Schönheit unb ihre Freuden zu entbeden.
Es gehört schon ber ganze Mystizismus einer slawischen Philosophenseele bazu, gerade bas Motto ber Kreutzersonate für eine weltanschauliche Ausein- aÜbersetzung in ben Beziehungen zwischen Mann unb Frau in ber Ehe zu wählen Tolstoi emp- finbet in bem Melobienspiel zwischen Geige unb Klavier bas Bestrickenbe zweier ineinander Der» chmolzenber Harmonien, er überträgt biefe Emp- finbung auf bas Verhältnis ber beiden Menschen, die im Ausdruck der Musik ihr eigenes Verhältnis zueinander aussprechen. Der Geiger Tuchatschewski und Frau Posdnyschew müssen sich lieben, denn sonst könnten sie nach der Meinung bes eifersüchtigen Gatten diese Sonate nicht so zum Vortrag bringen.
Der Georg-Witt-Film, ben Veit Harlan für bie Ufa brehte, sucht nach Möglichkeit bie Tolstoische Novelle auf allgemein-menschliche Beziehungen zu- rtickzuführen. Das Verbienst hieran hat in erster Linie die Autorin Eva Leid mann.
Die neue Weffely-Äolle.
Oer (Roman von den ganz großen Torheiten.
„Die neueste Wessely-Rolle" heißt es in Ankün- bigungen. Paula Wesselys Persönlichkeit interessiert so stark, daß man aufmerksam verfolgt, wie sie ihren Weg im Filmschaffen fortsetzt. Die Begleitmusik ihres erarbeiteten Ruhmes spielt und stellt die Bühne — immer nachhaltiger, immer eindringlicher wirkt ihre Leistung von den Brettern herab: eben erst reißt sie allabendlich auf den Brettern, bie bie Welt bes Wiener „Burgtheaters" bebeuten, Shaws „Heilige Johanna" zu stärkster Wirkung empor — mit ber gleichen Rolle hatte sie schon in Berlin Triumphe erzielt.
Unstreitig hat ber Film erst bie burch ihre Bühnenarbeit errungene Künstlerschaft ber Wessely popularisiert unb in bie Weite wie bie Breite getragen, babei brachte sie bem Tonfilm ein Gut besonderer Art mit: ihre Stimme.
Dem Film hatte sie nicht etwa nur geschlossene Rollenleistungen zu bieten, die aus ber Sphäre bes Theaters ftammenb, vom Film abzuphotographieren ober festzuhalten waren — sie gab mit ihrer Sprachkraft unb bem Formtalent ihrer Diktion bem Film ein im beutschen Sprachgebrauch unvergleichliches Material — mit bem Erscheinen ber Wessely auf ber Leinwanb erfolgte ber künstlerische Vorstoß des Films zur Sprache — ber Film bot „Sprache" nicht mehr als etwas mechanisch Festgehaltenes, als Konseroenersatz bes Sprechdra- mas.
Ihre neue Rolle soll nun von „ben ganz großen Torheiten" hanbeln. Dieser Superlativ über bas Törichte — bie Menschen nennen es Liebe — steht als Titel vor einem Roman. Die Autorin heißt Marianne von Angern.
Neugierig geht man an bas Buch heran, bas sein geschlossenes Eigenleben hat, bas aber boch neben einem Film stehen wirb — ber wiederum fein ganz eigenes Gesicht haben muß. Der Roman von ben großen Torheiten hat vielerlei, was zur Verfilmung drängt.
Die junge Therese Feuchtinger erlebt im ersten Rausch ber Freiheit unb einer tommenben Karriere, naiv unb ahnungslos über bie zweibeutigen Be- Eleitumstände, bie leidenschaftliche Hingabe an einen aszinierenden, auf ben ersten Blick geliebten Mann, er in biefer Begegnung bas flüchtige Abenteuer einer schnell vergessenen Nacht sieht. Im großen Leben geraten sie roieber zusammen — er wirb ihr Lehrer im Stubium für bie Bühne, obwohl er ihren Charakter völlig verkennt, während es ihr nicht gelingt, bie Torheit unb bie Täuschung ihrer ersten Liebe zu entwirren. Die Verwirrungen bes Herzens überwuchern bas Liebeslieb dieses Buches, bas Antlitz ber Wessely wirb sie widerstrahlen.
Ein lesenswertes Buch, ein verfilmenswerter Roman, eine echte Weffely-Rolle. Marianne v. A n - gern hat ein gutes Buch — unb einen guten Filmftoff geschrieben, das Buch wird man ergriffen und angeregt lesen, erfüllt von der Erwartung, seine Verwandlung in einer neuen Meisterleiftung der Wessely zu erleben. —r.
Immer mehr Iugendfilmstunden.
Jrn Rahmen ber Winterarbeit ber HI. gewinnen, wie ber Reichsjugenbpressedlenst ausfuhrt, auch bie Jugenbfilmstunben immer mehr Raum und Bedeutung. Die Filmstunben, die in regelmäßiger Folge der jungen Generation wertvolles deutsches Filmgut nahebringen sollen, sind in ihrer gemeinschaftsbildenden Form und durch die Darstellung mitreißender Vorbilder über bie bloße Unterhaltung hinaus ein wesentlicher Faktor ber HJ.-Erziehunas- arbeit geworben, unb sie werben burch bie Forderung unb ben Wunsch ber Jugenb nach bem gehatt- unb stilvollen Film auch nicht ohne Einfluß auf bas Filmschaffen überhaupt bleiben. In ben letz- ten Monaten ist in vielen größeren Städten ber ver- schiebenen Gebiete bie Filmarbeit bieses Winters mit einer Reihe von Morgenfeiern erfolgreich in Angriff genommen worben. Im Gebiet 13 (Heffen-Naffau) sollen bie ausgewählten guten Filme bis zum Frühjahr auch zur Jugenb auf bas flache Lanb unb in bie Dörfer hinausgetragen werben. In enger Zusammenarbeit mit ber Gaufilmstelle ist es der hessischen HI. möglich geworben, ben Jungen und Möbeln bes Gebietes regelmäßig künstlerisch und weltanschaulich einroanbfreie Filme vorzuführen.
sehnliche Erfolge unb großzügige Filmprogramme, bie zeigen, welchen regen Anteil bie Hit- ler-Jugend am heutigen Filmschaffen nimmt, wer« den auch aus anderen Gebieten gemeldet.


