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Gießener Anzeiger (General-Ameiaer für Oberhessen)

Samstag, 27.5ebruar <957

Gtne Unterredung mit dem Direktor des Gießener Arbeitsamtes

Berufsberater im Beratungsgespräch mit Mutter und Sohn.

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Blick in die Arbeitsamt-Nebenstelle in Grünberg.

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aud) den Bedarf an Nachwuchs des jeweiligen Fachgebiets erkennen. Das Arbeitsamt hat selbst­verständlich alle seine Maßnahmen immer nur unter dem Gesichtspunkt der großen Wirtschaftszusammen­hänge und des Gemeinwohls zu treffen.

1933. Denn der geringeren Zahl von Arbeitsuchen­den steht jetzt die größere Zahl von Arbeitsplätzen gegenüber; im Jahre 1936 z. B. im Monat Sep­tember bei 3400 Arbeitsuchenden 5760 Arbeitsplätze. Bei solcher Lage ist die Bedeutung der Vermittler- tätigkeit zwischen dem Bedarf der Wirtschaft und den vorhandenen Arbeitskräften, als der eigent­lichen Aufgabe des Arbeitsamtes, auch jedem Laien verständlich. Dadurch ist das Arbeitsamt gewisser­maßen zum Treuhänder aller schaffenden Menschen geworden, der neben den voll einsatzfähigen Kräf­ten auch noch für die Bereitstellung von Arbeits­plätzen für nicht voll oerwendungsfähige Personen, oder für die nur in beschränktem Ausmaße arbeits­fähigen Volksgenossen zu sorgen hat. Um auch den letzten verwendungsfähigen Menschen unterzubrin­gen, bedarf es überall des sozialen Verständnisses, der N ä ch st e n l i e b e d e r T a t! Es darf darauf hingewiesen werden, daß die außerordentlich gün­stige Lage dem Arbeitsamt auch bessere Möglich­keiten gibt, sich für solche Volksgenossen einzusetzen, die zwar beschäftigt sind, aber aus irgendwelchen Gründen einen Stellungswechsel anstreben.

Mußte 1933 die Massenarbeitslosigkeit durch den Einsatz von Massenmitteln angepackt werden, so hat sich allmählich immer mehr das Erfordernis

Manche meinen, daß nach den großen Erfolgen des Kampfes gegen die Ar­beitslosigkeit die Arbeits­ämter ja eigentlich über­flüssig seien. Das ist ein großer Irrtum. Denn eine vollbeschäftigte Wirtschaft stellt dem Arbeitsamt weit größere Aufgaben, als eine im Gang behinderte. Der Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften und der täglich immer neue wechselnde Einsatz von Arbeitern ist gegenüber früher so erheblich größer geworden, daß die Ar­beitsuchenden im Bereich des Arbeitsamtes Gießen zur Besetzung aller Ar­beitsplätze nicht mehr ausreichen, sondern von weither noch Arbeitskräfte herangeholt werden müs­sen. Jetzt erhält der beim Arbeitsamt vorsprechende Arbeiter nicht mehr die Anweisungen auf Unter­stützungszahlung, sondern

Hier ruhen fast 50 000tote" Akten der Arbeitslosenversicherung. Die damaligen Empfänger der Unterstützung sind heute wieder als Schaffende am Werk.

Probearbeit bei der Eignungsprüfung.

(Aufnahmen [7]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

herausgestellt, eine strengere Spezialisierung und systematische Gliederung der Maßnahmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit durchzuführen. An Stelle der ParoleJedem Menschen einen Arbeitsplatz" trat die Losung:Jedem Menschen seinen Arbeits­platz", d. h. jeder mußte an die Stelle gebracht wer­den, an der er nach Maßgabe seiner Ausbildung und seiner Fähigkeiten die fruchtbarste Arbeit leisten kann. Dieses Aufgabengebiet der Wirtschaftsführung hat natürlich auch dem Arbeitsamt eine große Fülle von Arbeiten und Aufgaben gebracht. Dabei ist die Arbeitsbuch-Kartei das starke Fundament, auf dem sich diese Arbeit aufbaut und abwickelt Mit Hilfe des Arbeitsbuches kann das Arbeitsamt jeder- zeit den Bestand an Arbeitskräften eines bestimm­ten Fachgebietes feststellen, die Einsatzmöglichkeiten

An Stelle der früheren MassenAbfertigung" wird heute jeder Arbeitslose einzeln beraten; Blick in die Arbeitsvermittlung.

Die Rettung unseres Volkes ist nicht ein Problem der Finanzen, sondern ausschließ­lich ein Problem der Verwendung und des Einsatzes unserer vorhandenen Arbeitskraft einerseits und der Ausnützung des vorhan­denen Bodens und der Bodenschätze anderer­seits." (Aus der Rede des Führers vom 30. Januar 1937.)

Anfang 1933 konnte man in einer Zeitung ein ilb sehen, das die Tore eines Arbeitsamtes ge­flossen zeigte und nur noch drei Männer beim >katspiel alsdie letzten Männer des Arbeitsamtes" hen ließ. Wenn dies Bild dartun sollte, daß die

Winterarbeitslosigkeit überhaupt Arbeitslose ge­zählt werden. Die großen Gelegenheiten für werte­schaffende Arbeitslosenfür­sorge (Meliorationen,

Feldbereinigung) wurden für den Einsatz von Ar­beitslosen aus Offenbach, Worms und Mainz zur Verfügung gestellt. Bei den Notstandsarbeiten, die von 1933 bis 1936 ein­schließlich im Bezirk des Arbeitsamtes Gießen durchgeführt wurden, ka­men 1 416 661 Tagewerke bei einer gezahlen Grund­förderung in Höhe von 4 263 593 Mark zur Aus­führung; davon entfielen allein auf Meliorationen 677 708 Tagewerke bei einer gezahlten Grund­förderung in Höhe von 2 081 471 Mark.

Mit der Wiederbeschaf­fung von Arbeitsplätzen wurde den Arbeitern aber nicht nur Verdienst ge­boten, sondern ihnen auch eine seelische Entspan­nung bereitet, durch die sie Lebensfreude und fro­hen Sinn wiedergewon­nen haben. Auch hierfür ein Beispiel: Anfang 1934 in Friedberg. Die wirt­schaftliche Not drückt sehr auf die Stadt und auf alle Volksgenossen, die ohne Arbeit waren. Mittel für einen großzügigen Plan zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit waren nur in ganz beschränktem Um­fange vorhanden.Es wurde das Projekt der Ufa - Re­gulierung in Angriff ge­nommen. Anfangs gab es bei den Arbeitern man­cherlei Schwierigkeiten. Meist wurden körperliche Beschwerden allerArt gel­tend gemacht. Dann kamen Klagen über mangelnde

Um unseren Lesern einen Ueberblick über den Wan­del der Dinge von der früheren Stempelstelle, die das Arbeitsamt zur Zeit der Massenarbeitslosigkeit zwangsläufig sein müßte, bis zu seiner heutigen bedeutsamen Aufgabe als Treuhänder der Arbeits­kraft des schaffenden Vol­kes zu geben, haben wir den Direktor des Arbeits­amtes Gjeßen, Oberregie­rungsrat Dr. Lift, um eine Unterredung gebeten, deren wichtigste Ergebnisse hier berichtet seien.

Im Verlaufe des bishe­rigen Kampfes gegen Die Arbeitslosigkeit ist, wie überall im Reiche, auch bei uns in Oberhessen ein ge­waltiges Sinken der Zahl worden. Wenn man von

Schließlich ist noch das wichtige Gebiet der Nach- 1 muchslenkung eine der Hauptaufgaben des Arbeits­amtes. Hier hat die Berufsberatung eine außer­ordentlich verantwortungsvolle und in ihren Fol­gen weittragende Arbeit zu leisten. Sie muß die jungen Menschen prüfen, inwieweit sie für den in Aussicht genommenen Beruf geeignet sind; sie muß festzustellen versuchen, ob der junge Mensch voraus­sichtlich die erforderlichen Leistungen in diesem Be- rufe vollbringen kann; sie muß auch vorausschauend möglichst erkennen können, ob der Bedarf auf irgendeinem Fachgebiet den Einsatz neuer Kräfte und fein Ausmaß im jeweiligen Jahre erforderlich macht. Dabei gilt es insbesondere manchen Wunsch der Eltern und der Kinder daraufhin zu prüfen, ob er in Einklang gebracht werden kann mit dem, was später das Berufsleben von den jungen Men­schen fordern wird; d. h. die Berufsberatung muß bestrebt sein, die jungen Menschen von Berufen fernzuhalten, für die sie nicht geeignet und denen sie körperlich, geistig, und charakterlich nicht ge- wachsen sind, die ihnen deshalb später auch keine Fortkommensmöglichkeiten geben und sie nur zu unzufriedenen Menschen werden lassen. Aber auch das Volksganze kann verfehlte Berufswah' nicht tragen, da naturgemäß niedrigere Arbeitsleistunoen nicht den Höchstforderungen entsprechen, die im Interesse der Gesamtheit gestellt werden müssen Es gilt bei dieser Beratung manchen Vorurteilen der Eltern entgegenzuwirken, um von der neutra'en Stelle des Berufsberaters aus den hpftmnnf'-^en Beitrag für das spätere Glück und Wohlergehen des jungen Menschen zu leisten Der weiße Steh- kragen spielt leider immer noch bei manchen El­tern nicht bei den Jugendlichen eine große Rolle. In diesem Jahre wollten z B. 500 Schüler eine kaufmännische Lehrstelle nachgewiesen haben während nur ein Bedarf von etwa 100 Lehrlinaen besteht. Die Eltern sollten sich mehr den Ratschlä­gen der Berufsberater zugänglich zeigen und aus einem solchen Zahlenmißverhältnis die notwendigen Schlüsse ziehen. Es ist besser für die Jungen und die Eltern, eine Ausbildung für einen Beruf zu roählen, der einen befriediaenden Inhalt gibt und nam dem Abschluß', her Lrhr^it iuch hip ^in- reihung in die große Gemeinschaft der Schaffenden sichert, denn alsbesserer Herr" arbeitslos zu sein.

Es ist besonders zu beachten, daß die Berufs- Beratung sich völlig auf Freiwilligkeit aufbaut, ein

Arbeitsbekleidung oder dergl. Kurz und gut, man merkte, daß durch die jahrelange zwangsmaßige Un­tätigkeit den Arbeitern der innere Schwung für die Arbeit fehlte. Da fetzte das Arbeitsamt Gießen in Zusammenarbeit mit der Stadt Friedberg mit einer auf große Gesichtspunkte eingestellten Erzie­hung ein. Es wurde geholfen oder zum Guten ge­raten, je nachdem; wenn es nicht anders ging, mußte auch mit Strenge verfahren werden, das war aber immer nur das letzte Mittel. Dank dieser systematischen Erziehung bekamen die Arbeiter im­mer mehr Freude am Schaffen, und schließlich konnte der schöne Gewinn verzeichnet werden, daß durch die wiedererschlossenen Arbeitsplätze nicht nur eine materielle Besserung in der Lage der Familien erreicht war, sondern auch die seelische Elastizität,

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die geistige Haltung überhaupt sich grundlegend zum Bessern gewandelt hatte. Männer, die man nach öen anfänglichen Erfahrungen fast schon als ver­loren für die deutsche Arbeitsaufgabe ansah, waren dafür vollkommen wiedergewonnen worden. Manche tfirma, die Anfang 1934 Arbeiter von vornherein ablehnen wollte, oder sie bald nach der Einstellung am liebsten wieder entlassen hätte, hat diese Män­ner später als wertvolle Kräfte in ihren Arbeiter­stamm ausgenommen und mochte sie um keinen Preis wieder hergeben. Gewiß ein schöner Erfolg der arbeitserzieherischen Maßnahmen nach der Seite der Arbeiter hin. Der gleiche Weg wurde auch gegenüber den Unternehmern emgeschlagen. Sie er­kannten, daß auch sie erzieherische Aufgaben und -Verpflichtungen zu erfüllen hatten und ihren Mit­arbeitern gegenüber nicht nur Betriebsführer sein Durften, sondern auch als Mensch zum Menschen handeln mußten. Daraus ergab sich dann die schöne Betriebsgemeinschaft und das anerkennenswerte gegenseitige Treuverhältnis, das wir jetzt allenthal­ben m den oberhessischen Arbeitsstätten sehen.

Im Laufe der wenigen Jahre von 1933 ab hat sich denn auch die Tätigkeit des Arbeitsamtes sehr entscheidend gewandelt. Früher kamen Tausende von Menschen zum Arbeitsamt, das meistens auf den Ausweisen dieser Männer nur den Kontroll­stempel anbringen konnte, weil es an Arbeitsmög- lichkeiten fehlte. Wie anders heute! Der Mangel an Facharbeitern, vor allem des Baugewerbes und der Landwirtschaft, wird immer größer und er­faßt immer weitere Berufe. Das Arbeitsamt hat heute die Aufgabe, durch geeignete arbeitspädago- gifche Maßnahmen und vorsorgliche Betreuung auch den letzten noch erwerbsfähigen Volksgenossen in die rastlose Arbeit des Volkes einzugliedern. Durch diese Betätigung des Arbeitsamtes ist sowohl bei den Arbeitern, wie auch bei den Unternehmern die Erkenntnis ihrer nationalen Pflichten und ihrer Verbundenheit mit der Volksgesamtheit überall ge­stärkt worden. Ein äußeres Kennzeichen für den Wandel der inneren Einstellung ist die räumliche Unterbringung und die Ausstattung der Dienststel­len des Arbeitsamtes. Einige Anhaltspunkte für diese Verbesserung gegenüber den früheren Zustän­den geben die hier abgedruckten Bilder.

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überaus schlechte Wetter der letzten Tage, absieht, kann man die Erwerbslosigkeit der einsatzfähigen Arbeitskräfte bei uns als nahezu beseitigt ansehen. Es ist also immer mehr an die Stelle der Arbeitslosen-Unterstützung die Ar­beit selb st getreten und damit der Segen der Arbeit den früher beschäftigungslosen Volks­genossen zuteil geworden. Dafür nur ein Beispiel: Im Frühjahr 1934 waren in ganz Oberhessen rund 4800 Notstandsarbeiter vorhanden; es waren also damals erheblich mehr Notstandsarbeiter, als heute am tiefsten Punkt der

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er wird mit Arbeit versorgt. Diese fort-Ian irgendeiner Stelle beurteilen, den durchschnitt- laufende Betreuung mit Arbeitsplätzen bringt natur- lichen jährlichen Abgang errechnen und infolgedessen gemäß eine weit größere Beanspruchung des Ar- '""t~ «»-*« - «*> »

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Aufgaben des Arbeitsamtes nach einem erfolgreichen e legen die Arbeitslosigkeit beendet sein wür- ... .jatte der Zeichner sich geirrt. Denn mit den «roßen Erfolgen, die unter der Führung Adolf Hitlers im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit er- I'ielt wurden, hat das Arbeitsamt an Bedeutung Wirkungsmöglichkeit und Aufgabenweite außer­ordentlich zugenommen. Unter den Reichsbehörden das Arbeitsamt trotz der verhältnismäßigen Kürze seines Bestehens eine der wichtigsten, sicherlich über eine Behörde geworden, die in lebendigster Achtung mit dem Volke steht. Für das Leben und Wirken der Wirtschaft ist das Arbeitsamt unent­behrlich, weil es Aufgaben erfüllt, ohne deren- ung eine Wirtschaftsführung durch die Regierung uicht möglich wäre.

lr.49 viertes Blatt

Richt mehr Arbeitsmarkt, sondern Arbeitseinsatz

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