5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8
bis
10 Pf.
sich
Schule und volksdenische Erziehung
Bier gestern
ander
Amtsgericht Gießen.
junge Männer aus Gießen hatten
Blondes Haar k darf wegen sein, Empfind lichkelt besonderer Pflege,
Man wäscht es daher nur mit Mitteln, die kein Alkali und keine Kalkseife im Haar zurücklassen und dafür sorgen, daß es nicht nachdunkelt, also rrft
Tatbestand lag zugrunde: Im April 1937 gesellte sich der Angeklagte in Gießen zu einer Gruppe sich unterhaltender Personen. Diesen schwindelte
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Praktisch existiert das so verstandene deutsche Volk noch nicht, es muß erst noch geschaffen werden.
auf ihn eingeschlagen wurde. Der Verletzte vermutete, daß es alle vier waren, konnte es jedoch nicht genau beweisen. Einer der Angeklagten, der von dem Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, hatte sofort zugegeben, auf den Verletzten eingeschlagen zu haben. Einem zweiten konnte nicht nachgewiesen werden, daß er sich an der Schlägerei beteiligt hatte, weshalb er mangels Beweises freigesprochen wurde. Bei den zwei anderen steht es zwqr nicht fest, ob sie auf den Verletzten eingeschlagen haben, jedenfalls ging aus ihrer ganzen Haltung hervor, daß sie den Willen zur Mittäterschaft hatten. Dieser Umstand genügte nach der Rechtsprechung zur Verurteilung, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich aktiv beteiligten. Das Urteil lautete gegen zwei Angeklagte auf 5 0 Mark bzw. 30 Mark Geldstrafe, während der Dritte mit Rücksicht darauf, daß er schon einschlägig vorbestraft ist, eine Gefängnis st rafe von drei Wochen erhielt. Dieser konnte es sich nach der Urteilsbegründung nicht verkneifen, im Gerichtssaal ungebührlich laut zu maulen, so daß er sofort in eine Ordnungsstrafe von 10 Mark genommen wurde. Damit hatte er anscheinend noch nicht genug, sondern er setzte ebenfalls noch im Gerichtssaal ostentativ seine Mütze auf, ging zur Tür und knallte diese so laut zu, daß man es auf allen Fluren des Gerichtsgebäudes hörte. Er wurde daraufhin nochmals zurückbemüht und erhielt wegen ungebührlichen Benehmens eine weitere Ordnungsstrafe in Gestalt von einem Tage Haft, die er sofort antreten mußte.
rabl 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 15 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Zwiebeln 8 bis 9, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, S kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, Vi kg 10 bis 20 Pf., 50 kg 10 bis 20 Mark, Birnen, XA kg 10 bis 18 Pf., Nüsse 40 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1,10 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., En-
Burschen einen Volksgenossen sehen und darf derseits nicht die von sich stoßen, die außerhalb schwarz-weiß-roten Grenzpfähle geboren sind und leben, weil die Enge des Raumes, politische und soziale Nöte ihre Vorfahren zum Verlassen der Heimat geführt haben. Der Begriff deutsches Volk darf ihrer Auffassung nach nicht gleichzusetzen sein mit der Masse der deutschen Menschen, die zufällig auf dem Deutschland genannten Stück der Oberfläche unseres Planeten wohnen. Er muß alle umfassen, die 100 Millionen. Er darf sich aber wieder auch nicht darin erschöpfen, daß man nun zwar vom 100-Millionen-Volk der Deutschen spricht, sich diesen 100 Millionen gegenüber aber nicht verpflichtet fühlt. Diese 100 Millionen Menschen deutschen Blutes machen noch kein Volk aus, wenn ihnen noch die innere Bindung, die Gleichheit der weltanschaulichen Einstellung, des Willens zur Behauptung im Kampfe dieser Welt, die Verpflichtung des einen für den andern ermangelt.
„ . unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung zu verantworten. Die Angeklagten hatten am 1. Pfingstfeiertag d. I. zusammen gezecht und waren dann gegen 20.30 Uhr auf dem Lmden- platz gelandet. Dort zog der eine, ein Stück Brot aus der Tasche und hielt es einem Zweiten hin, der sich ein Stück davon abbrach. Mit den Brotstücken bombardierten sie dann einen des Wegs kommenden Passanten, der die Stücke mitten ins Gesicht bekam. Dieser ließ sich dies natürlich nicht gefallen und stellte die vier zur Rede. Er hatte jedoch kaum den Mund aufgetan, als sich der eine der Angeklagten schon auf ihn stürzte und ihn verdrosch. Daraufhin duckte sich der Verletzte etwas, um sein Gesicht zu schützen, worauf von allen Seiten
Deutschland führend im Tierschutz
Feier des Geburtstages des Reichstierschuh-Gesetzes.
divien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich
Laufe der Unterhaltung vor, er sei nach einer schweren Operation soeben aus der Klinik entlassen und wisse nun in feiner Not nicht, wo er sich hinwenden solle, da er vollkommen mittellos dastehe. Er verstand es tatsächlich, das Mitleid eines Volksgenossen zu erwecken, der ihn drei Tage vollkommen kostenlos in seiner Wohnung beherbergte. Hier benutzte der Angeklagte einen unbewachten Augenblick und stahl aus dem Küchenschrank den Betrag von 1,80 Mark, den die Töchter des Wohltäters mühsam als Spende für den VDA. gesammelt halten. Der Angeklagte wußte genau, wofür das Geld bestimmt war, und hotte auch noch die Frechheit, kurz vorher sich in „großzügiger Weise" mit 0,20 Mark in der Spendenliste einzuzeichnen. Danach logierte er sich bei einem Gastwirt ein. Dort schloß er, als er sich allein in der Gaststube befand, mit dem an der Theke hängenden Schlüssel die Kasse aus und entwendete hieraus einen Betrag von 5 bis 6 Mark. Der Angeklagte war geständig. Er gab zu seiner Entschuldigung an, aus wirtschaftlicher Not gehandelt zu haben. Mit Rücksicht aus die Geringfügigkeit der Beträge ließ das Gericht trotz der vielen Vorstrafen noch einmal Milde walten
Die nächste Anklage richtete sich gegen den H. H. .aus Bingen. Sie lautete auf Diebstahl und Hehlerei. Der Angeklagte, der schon erheblich, auch einschlägig, vorbestraft ist, war eine Zeitlang in Gießen beschäftigt. Er machte eines Tages mit einem Bekannten eine ausgedehnte Bierreise, die in einer Wirtschaft in Wieseck ihren Abschluß fand. Als die beiden das Lokal betraten, befand sich niemand dort. Bis zum Erscheinen des Wirtes benutzten sie die günstige Gelegenheit und stahlen hinter der Theke alles, was nicht niet- und nagelfest war. So entwendete der Angeklagte eine Flasche Schnaps und eine Kiste Zigarren, während sein sauberer Freund, der sich der Strafverfolgung durch die Flucht entzogen hat, sich ausgiebig mit Zigaretten versorgte. Als der Wirt kam, bemerkte er sofort das Fehlen der einen Schnapsflasche. Der Angeklagte behauptete zunächst, er habe sie mitgebracht, bequemte sich jedoch schließlich dazu, sie zurückzugeben. Darauf suchten die beiden gemeinschaftlich die Toilette auf, wo man das Diebesgut teilte. Nachdem sie das Lokal verlassen hatten, stellte der Wirt fest, daß ihm auch Rauchwaren fehlten. Er fuhr ihnen nach und brachte sie zur zuständigen Gendarmeriestation. Eine körperliche Durchsuchung brachte die gestohlenen Sachen zutage. Außer diesen Gegenständen konnten bei dem Freund des Angeklagten noch zwei Damenschirme sichergestellt werden, die er in anderen Wirtschaften mitgenommen und in seinen Beinkleidern versteckt hatte. In der gestrigen Hauptverhandlung war der Angeklagte
Hier erwachsen den Jugendorganisation^ der Bewegung und der Schule hohe Aufgabe denn um das Ziel zu erreichen, muß schon mit b<r Fugend begonnen werden. Der Schule bieten im täglichen Unterricht reichlich Möglichkeiten, in Sinne dieses Gedankens zu wirken. Kein Lehr<r wird im Geographieunterricht bei der Behai^. lung der verschiedenen Länder versäumen, über bcs dort lebende Deutschtum, seine Geschichte und seins Bedeutung für das Gesamtvolk in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zu sprechen. Proben au;« landsdeutscher Dichtkunst und auslandsdeutschei, Schrifttums im allgemeinen wecken in den Schülern die Erkenntnis der geistigen Einheit mit uns. Da verhältnismäßig viele Lehrer früher an aus.' landsdeutschen Schulen gewirkt haben, ist dieMög« lichkeit gegeben, in anschaulicher und lebendiger Weise ein Bild vom Leben unserer Volksgenosse draußen in den auslandsdeutschen Siedlungsgebie. ten zu vermitteln. Einen recht wertvollen Beitrag zu Volksdeutscher Erziehung liefert der von viele Schulen im Reiche eingeleitete Briefwechsel mit deutschen Schulen im Ausland. Si| auf diese Weife angeknüpsten Beziehungen ertDei- tern sich ständig. Photos werden ausgetauscht. Mil,
Der Begriff Volk hat durch die aufklärende Tätigkeit der nationalsozialistischen Bewegung eine völlige Wandlung erfahren. Während des Zeitalters rein formalstaatlichen Denkens setzte man Volk mit der Summe der im Reiche lebenden Bürger gleich. Man sah in jedem in Deutschland lebenden Juden einen Angehörigen des deutschen Volkes und in jedem im Ausland lebenden Deutschen, wenn er Angehöriger eines fremden Staates war und infolgedessen keinen deutschen Paß hatte, einen Ausländer. Der Paß, das Papier, bestimmte die Volkszugehörigkeit und nicht das Blut. Diese vielfach auch heute noch sich findende Vorstellung von Volk tragen wir in uns als Ergebnis unserer Erziehung während des liberalen Zeitalters, und die Schwierigkeit, weite Kreise für das Schicksal und die Bedeutung der 30 Millionen im Auslande lebenden Volksgenossen zu interessieren, hat ihre HaUpt- wurzel in der früheren falschen Darstellung des Wesens eines Volkes. Vielen Erwachsenen ist diese falsche Vorstellung nicht mehr auszureißen.
Das Heranwachsende Geschlecht muß einmal an» ders denken. Es darf nicht in jedem zugelaufenen
|ia) und erkannte auf eine G e f a m t g e f ä n g n i s- er im I ft rafe von sieben Monaten.
unter werden auch sippenverwandtschaftliche Beziehungen festgestellt, die dann die Bande noch fester knüpfen. Diese stille Erziehung zu gesamtdeutscher Einstellung im täglichen Unterricht erhält ihre Krä- nung und besondere Unterstreichung durch die jährliche Feier des Tages der deutschen Schule.
Darüber hinaus werden die Schüler aber auch zu aktivem Einsatz für unsere Volksgenossen in bei Fremde herangezogen. Die in der Schule geleistete Erziehungsarbeit muß sich in der Praxis bewöh- ren. Fast jedes Kind kauft sich monatlich eine VDA. -Plakette mit dem Wappen einer auslanddeutschen Siedlung. Mögen die dabei aufkommenden Beträge auch nicht sehr groß sein, ihre erziehe, rische Wirkung darf man nicht unterschätzen. Weiterhin werden jährlich von den Schülern für deir VDA. die Sammlungen mit dem Sammel- Heftchen durchgeführt. Dabei begegnen sie selbst immer wieder dem geringen Interesse, das noch viel« Volksgenossen der Arbeit des VDA. entgegenbrin- gen. Es ist die Hoffnung berechtigt, daß die Freuden, aber auch Enttäuschungen, die die jungen Menschen bei ihrer Sammeltätigkeit vielfach erleben, ihre erzieherische Wirkung nicht verfehlen, so daß diese einst als Erwachsene sich stets opferbereit zeigen.
So arbeitet die Schicke in vielfältiger Weife an ber Erziehung der Heranwachsenden Jugend zu volksdeutschem Denken und Handeln und an ber Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft ber 100 Millionen. Einen Ausschnitt ihrer Tätigkeit aus dem Gebiete volksdeutscher Erziehung wird die am. 28. d. M. in der Neuen Pestalozzischule zur Eroff. nun kommende Leistungsschau der Volksschule« zeigen.
Xunbfunfprogramm
Freitag, 26. November.
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkon- zert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.4-5: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 12: Zum Jahrestag der Reichskulturkammer und der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude". 13.45: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 14: Dem Opernfreund. 15: Volk und Wirtschaft. 16: Bunter Herbst und weise Zecher. 16.45: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Lockende Geigen und flehende Lieder. 21.15: Rufendes Land. Eine Funkfolge über das Land zwischen Weichsel und MeMel. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.15: Worüber man in Amerika spricht. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtmusik.
Das Reichstierschutzgesetz hat den Tierschutz durch die Vereine nicht überflüssig gemacht, sondern es hat ihnen die rechtliche und gesicherte Grundlage gegeben. Der Erlaß des Gesetzes ist, wie der Leiter des Reichstierschutzbundes, Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs, sagte, eine kulturelle Tat des Führers, die anläßlich ihres gestrigen Jahrestages durch eine gemeinsame Kundgebung aller Tierschutzvereme und Tierfreunde feierlich begangen werden sollte.
Aus diesem Anlaß fand sich auch der Tierschutzverein Gießen am gestrigen Mittwochabend zu einer Geburtstagsfeier zusammen, bei der der Leiter, Schlachthofdirektor Stadtveterinärrat Dr. Keller, anschließend an die Begrüßungsworte die entsprechenden Anordnungen des Leiters des Reichstierschutzbundes zur Kenntnis gab. Aus diesen Anordnungen waren u. a. die Bemühungen zu ersehen, die darauf hinausgehen, in weitesten Volkskreisen für den Gedanken des Tierschutzes zu werben. In der Weckung des Verständnisses für das Tier und der Liebe zur stummen Kreatur ist den Vereinen über den Gesetzesparagraphen hinaus die größte Aufgabe gestellt; denn nur beides zusammen, Gesetz und Belehrung, vermögen zu einem ausreichenden Schutz der Tiere zu führen. Dr. Keller gab bann einen Rückblick auf die Entstehung des Gesetzes und führte den Unterschied zwischen dem früheren Schutz des Tieres gegenüber dem jetzigen Gesetz an, das solche Uebertretungen als Vergehen ahndet. Mit diesem Gesetz ist Deutschland führend im Tierschutz in der Welt geworden. Dadurch ist das Tier nicht mehr Sache, sondern es wird geschützt um seiner selbst willen. Dabei wird nicht mehr Rücksicht genommen auf die menschlichen Ge
fühle, sondern auf das Tier. Das Gesetz brachte auch das Schächtoerbot mit sich. So steht Deutschland auch mit diesem Gesetz auf einer hohen Kulturstufe und hat den andern Völkern ein gutes Beispiel gegeben. Polen und Finnland sind diesem Beispiel bereits gefolgt.
Nach einem Ausspruch des Reichsjägermeisters Hermann Göring ist wichtiger als das Tierschutzgesetz die Erziehung des deutschen Menschen zum Tierschutz. Dafür einzutreten ist die Aufgabe ber Tierschutzvereine. An dieser guten Sache mitzuarbeiten sind nicht nur die Mitglieder, sondern alle Tierfreunde aufgerufen; denn ein Volk, das Tierschutz betreibt, steht sittlich auf großer Höhe. Mit einem Hinweis auf den Führer, der als Tierfreund bekannt ist, schloß Dr. Keller seinen Appell an die Tierfreunde.
Anschließend wurde die vom Reichssender Frank- furt a. M. übertragene Sendung anläßlich des Geburtstages des Tierschutzgesetzes' angehört.
In der Aussprache wurden aus dem Mitglieder- kreise zahlreiche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz namentlich in dieser Jahreszet vorgebracht. Ü. a. wurden die Behausungen verschiedener Tierrassen bemängelt, z. B. von Hunden und von Kaninchen. Die Kaninchenställe in den Schrebergärten wurden vielfach als unzureichend bezeichnet, da die Tiere stark eingepfercht sind und in dieser Verfassung nicht den Zuchtabsichten entsprechen. Für die Katzen wurden Halsbänder empfohlen, wie sie in vielen Bezirken des Reiches, namentlich in Sachsen, schon eingeführt sind. Es wurde angeregt, die Felb- schutzen mit der Kontrolle der Tierbehausungen zu beauftragen, weil diese Respektspersonen 'bessere Gelegenheit zur Kontrolle haben.
l bezüglich des Diebstahls im wesentlichen geständig. Die Hehlerei bestritt er mit der Behauptung, er habe nicht gewußt, daß der andere gleichfalls die Ziaaretten Dort gestohlen hätte. Mit dieser Einlassung fand er bei Gericht kein Verständnis. Trotzdem kam das Gericht zu ber Ueberzeugung, baß es sich in der Hauptsache um einen allerdings sehr üblen Saufstreich handelte, zu dem der flüchtig gegangene Mitangeklagte die Haupttriebfeder gewesen fei. Mit Rücksicht darauf beließ es das Gericht bei einer verhältnismäßig geringen Strafe und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, von denen drei durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Der Angeklagte nahm bas Urteil sofort an.
Ebenfalls wegen Diebstahls, und zwar im Rückfälle, hatte sich der A. K. aus Solingen, ber aus ber Strafhaft vorgeführt wurde, zu verantworten. Der Angeklagte versuchte in ber gestrigen Hauptverhandlung zunächst den kranken Mann zu spielen, obwohl er, wie eine Auskunft des Staatlichen Gesundheitsamtes ergab, kerngesund ist. Folgender
Vlandme setzt sich durch
Vornan von Hans-Joachim Frecheren von Reihenstein
Copyright by Carl Duncker
82 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Lucienne steigerte sich in große Erregtheit. „Die hat ihn wahrscheinlich angestiftet. Und dann hätte diese Person meine Perlen getragen oder verkauft. Wirklich, Sie haben ganz recht. Ich kann froh sein, daß es anders gekommen ist. Legen Sie doch mal die Karten! Am Ende erfahren wir etwas über die Frau."
Jetzt ließ sich Frau Hertel eher darauf ein. Es wurde Lucienne indessen fast ein bißchen zuviel, was ihre neue Freundin da alles den Karten ablauschen wollte. Und als diese immer wieder die Vergangenheit auskramte, ohne die im Augenblick am meisten interessierende Frage zu beantworten, rief sie ungeduldig:
„Tun Sie mir den einzigen Gefallen, Frau Hertel, und prophezeien Sie nicht rückwärts!"
„Ach so, ja — Sie wollten wissen", erwiderte tfrau Hertel willig, „wer bet Sticke war, bie’s so jut mit Ihnen vorjehabt hat. Da liegt se." Und ihr Zeigefinger fuhr auf die Pikdame herunter. „Ja, ja, das is so ne Ollsche, die will Ihnen nid) wohl. Aung is se übrijens aud) nid) mehr. Aber nu mal meiter! Recht haben Sie, jar nicht zurücksehen! Hier M e5rx vorwärts! Hier liegt die Jugend. Det is Ihre Zukunft. Jeld und Jedeihen. Lauter janz y^6115- Ein großes Haus, ein großer Eßtisch.
„Meinen Sie wirklich, Frau Hertel?"
„Jewiß. Damit kann nur Ihre Filmschule geweint sind. Schlafen Sie mal darüber. Mehr kann ich nicht sagen."
Aber Lucienne Molny hätte keine Frau sein müssen, wenn sie jetzt nicht mehr hätte wissen wollen.
„Wenn Sie durchaus darüber sprechen wollen — gut! Aber nicht von mir aus."
Und bann sprachen sie die Möglichkeit durch, eine
Filmschule aufzuziehen. Und alle Chancen, die Frau Molny hatte.
Luciennes Haushalt wahrte jetzt so wenig mehr die Formen wie ihr Körper. Gutwillig spielte Lüdtke das Mädchen für alles. Er hing sehr an Frau Molny, und so lange er noch da war, nahm er ihr ab, was möglich war.
So kam es, daß er sie eines Tages in der unteren Zimmerflucht suchte, um ein junges Mädchen anzumelden, das sich wegen des Filmunterrichts erkundigen wollte. Er fand sie auf einer Couch eingeschlafen. Sie lag da, und ihr entstelltes Gesicht sah \o jämmerlich aus, daß es ihn rührte. Er sah die Schrammen und Narben, — und — die Gedankenverbindung lag ja nahe — er mußte an den -öaum mit seinen Schrammen und Schrunden denken, den er damals untersucht hatte. Und wie er Damals hmausgefahren war, weil ihm etwas an ber Sache mulmig vorkam. Es war auch etwas mulmig daran. Darauf wollte er wetten. Es war jetzt nichts mehr zu beweisen. Denn Harry Engemann lebte nicht mehr. Aber es lebte noch eine die genau soviel von der Sache wußte Dieses Biest' die Blandine, um derentwillen die arme Molny jetzt so aussah. Und seine gute Stellung kostete es ihn auch.
Aber einmal würde er seine freundliche Herrin aufklaren. Jetzt, wo es ihr wieder besser ging sollte fie die Person nicht mehr zu sich hereinlassen' Oder höchstens noch einmal, um ihr alles ins Gesicht zu schreien. Franz Lüdtke schwelgte in Racheplänen.
Und eines Tages, als Frau Molny auf einer Fahrt der herbstlichen Kühle wegen vorn neben ihm faß und die Füße vom Moto wärmen ließ begann er: D'
„®nä’ Frau, was ich schon immer aufklären wollte, ich weiß da nämlich eene janze Menge, die Sache mit den Autounfall. So ist das nämlich jar nid) jemefen —"
Lucienne bekam einen furchtbaren Schreck. „Reh- men Sie es mir nicht übel, Lüdtke", unterbrach sie ihn erregt. „Ich möchte von der ganzen Sache nichts mehr hören. Mag das nun so oder so gewesen sein, schließlich ändert es an den Tatsachen nichts."
„Aber bie Person —", versuchte Lüdtke noch einmal fein Heil.
Lucienne glaubte den Fall restlos geklärt zu haben. Frau Hertel wußte außer ihr darum. Das mochte hingehen. Aber ein anderer, Lüdtke, der jetzt von ihr fort und in die Lambertzsche Klinik ging — nein, sie hatte feine Lust, sich von fremden Leuten auslachen zu lassen. Mochte er mutmaßen, was er wollte. Auf die wahnsinnige Wahrheit würde er doch nicht kommen. Sie fragte mit ihrer warmen Stimme:
„Sie werden mich verstehen, nicht wahr, Lüdkke? Ich habe so viel unter der ganzen Sache gelitten, daß ich aus Selbsterhaltungstrieb nicht mehr davon sprechen darf. Und nur so wenig wie irgend möglich daran denken."
Dann lenkte sie ab und fragte, freundlich und gütig wie immer, nach seinen Zukunftsaussichten.
So war Franz Lüdtke feine Waffe aus der Hand geschlagen worden. Aber es rumorte mächtig in ihm weiter. Und gerade weil feine Herrin so gütig gegen ihn war, empfand er das ritterliche Bedürfnis, sie zu rächen, wenn sie vielleicht selbst zu an» ständig oder zu gutmütig ober zu bequem dazu war.
Ein paar Tage später verließ Lüdtke das Hous Lucienne Molnys und trat seinen Dienst bei Professor Lambertz an. Aber die Sache mit Blondine ließ ihm keine Ruhe.
Er mußte mit einem gebildeten Menschen davon reden. Das waren doch keine alltäglichen Sachen Das konnte schließlich jeden interessieren. Und einen Rat mußte er bekommen. Denn auf sich beruhen lassen konnte man doch diese Sache nicht.
Er fuhr noch an diesem Abend zu Lange.
Der war nicht zu Hause. Aber es konnte nicht schwer fallen, ihn im Spielklub ober in einer Bar zu finden.
Und Franz Lüdtke fand ihn.
Lange war nicht mehr ganz nückstern. Aber er freute sich, „einen Freund aus schönen Tagen" zu sehen. Er lud Lüdtke zum Trinken ein.
Und Franz Lüdtke erzählte ihm, was er wahr- genommen, und was er sich dazugedacht hatte.
„Sechzig Mille haben Sie gesagt?" fraate Lange mißtrauisch geworden. „Mann, sind Sie sicher, daß Sie sechzig Mille meinen?"
„Jawoll", sagte Lüdtke.
Lange sprang auf. „Dunnerkiel! Natürlich. Jetzt, wo Sie das sagen, geht mir ein Licht auf. Für Zohlen habe lch ein sonderbares Gedächtnis. Be
sonders für große. Ich weiß doch, was ich-gehöri habe! Und bie Worte meines toten Freundes Harry werde ich dock) behalten haben: Mensch, Lange', hat er sich mir anvertraUt, «wenn ich sechzig Mille hätte, bann ließe ich alle Puppen tanzen! Da roürix ich zuerst mal die kleine Blondine nehmen und ab« hauen'."
Lüdtkes Ohren röteten sich vor Aufregung. Seine Augen sahen scharf auf den entnüchterten Kumpan feines früheren Herrn.
„Können Sie sich dessen so beftimmt erinnern, Herr Longe? Wann könnte bas denn so etwa je- wesen sein?"
„Na, bas war doch, wie bie Wechselgeschichte schwebte. Laß mal benten — nee, lange ist das gar nicht her. Das ist sicher wenige Tage vor dem Schlamassel gewesen."
Jetzt sprang auch Lüdtke in höchster Aufregung hoch.
„Und was sollen wir nu tun, Herr Lange? Wo wir'S doch beide janz jenau wissen! Uff bie Polizei jehn oder *ur Versicherung?"
„Mensch", sagte Lange entsetzt bei dem Wort Polizei. „Verbrennen Sie sich bloß nicht die Finger! Um bie Molny lohnt es doch gar nicht. Dar ist doch 'ne alte Ziege."
*
Eines Tages läutete Greta bei Doktor Schrader an. Er war schon gereizt, weil sie ihm hatte sagen lassen, daß es etwas Wichtiges märe, und ihn damit aus der Arbeit hatte aufstöbern lassen. Ihre Wichtigkeiten kannte er. Er konnte das aber dem Telephonfräulein nicht sagen.
Heute war es nun wieder ein vollendeter Blödsinn. Schon öfter hatte Greta ihm gesagt, sie habe keine Lust, in ihrem schweren Beruf weiter zu arbeiten; ihre Eltern verlangten aber, daß sie nicht ohne Tätigkeit in Berlin herumsaß. Und verdienen wollte sie auch, denn ihr Taschengeld reichte für ihren Aufwand nicht aus. Irgend jemand hatte ihr erzählt, wie viel man in einer Bar verdienen könne. Und nun hatte sie ihm immer damit in den Ohren gelegen. Im guten und im bösen hatte Schrader ihr das jedesmal auszureden versucht. Er war deshalb sehr erstaunt, als sie am Telephon flötete:
„Schatzi, du wirst dich mit mir freuen: ich hobt eine glänzende Stellung in einer Bar."
Fortsetzung folgt


