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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zamrtag, 25. September (957
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Mit kritischem Auge wird der „Hohenastheimer" auf seine Klarheit geprüft.
einer Apfelweinkelterei
-■ wie die andere!" wiederholte er, als müßte das Wort für alle Zeiten in Hirn und Herz
Mit das
glaubte nicht recht zu hören.
— Gartensaal.. ?" stammelte er
...:t d. Birkhammer sah ihn verwundert meine — um diese Zeit — und bei .", riß er sich zusammen.
Das Faß mit unvergorenem Apfelsaft wird zur Flaschenabfüllung an ein modernes Filtergerät angeschlossen.
weniger denn 80 „Stück" Apfelwein bereitet, das sind 96 000 Liter oder 960 Hektoliter. Ein „Stück" bedeutet in der Sprache des Fachmanns jeweils 1200 Liter. Außerdem wird nicht nur in Gießen, sondern auch in Großen-Buseck, in Alten-Buseck, in Annerod, in Wallernhausen und noch in manchem anderen Orte unserer Heimat Apfelwein in größeren Mengen gekeltert, ganz abgesehen von jenen vielen Gartenbesitzern, die sich höchst privat seit Jahrzehnten aus den Früchten ihres eigenen Gartens
In vielen Säcken und Körben kommen die Aepfel aus weitem Umkreis an. Zunächst werden sie in großen Bottichen gründlich gewaschen. Heber ein Becherwerk (zeitgemäße Einrichtung der Kelterei vorausgesetzt) gelangen die Aepfel (eines unserer Bilder zeigt den Vorgang) in eine Stiftenwälze, in der sie in viele kleine Stücke geschnitten bzw. gerissen werden. Bottiche fangen die Apfelstückchen auf. Die weitere Arbeit übernehmen dann die Pressen. Am besten arbeiten die hydraulischen Pressen.
Da kennt man nun die Korbpressen, in die ziemlich große „Kuchen" (große Mengen der Aepfel) gepackt und bann ausgepreßt werden. Das Pressen geschieht meist über einen Hebel, mit dem ohne sonderliche Anstrengung das Oel in den Druckzylinder der hydraulischen Presse gedrückt wird, der nun seinerseits den Druck auf den „Kuchen" weitergibt. Und schon beginnt der Saft zu fließen! Eine Rinne, weiß emailliert, fängt den Saft auf, und in untergesetzten Holzkrügen sammelt sich der edle, nahrhafte Saft, um schließlich in die Fässer gebracht zu werden. Die Korbpresse, eine Vorrichtung, kreisrund aus festen Holzplatten gebaut, gestattet aber nicht die äußerste Ausnützung der Aepfel. Deshalb ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen, mit sogenannten „Packpressen" eine bessere Auswer-
Stefan spürte plötzlich einen sonderbaren Druck im Halse. Unmöglich war das wirklich nicht... Und wenn ihr Herz nicht gerade einem Manne gehörte, der böse Erfahrungen mit den Frauen gemacht hatte — man konnte es sich schon vorstellen, daß ein Mann in ihr das Glück seines Lebens sah... Man konnte sich das sehr gut vorstellen...!
Mit einem forschenden Blick umfaßte Stefan ihr Gesicht von der Seite. So eigenartig war dieser Blick und so lange dauerte er, daß Wolfgang v. Achenbach aufmerksam wurde.
Das Wahrzeichen der Aepfelwein-Gaststätten: Der Bembel.
«(Aufnahmen [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Rede sein — sondern diesmal wollen wir vom Apfelwein und A p f e l s a f t sprechen.
In mehreren „Preßbieten" kommen die zerstückten Aepfel unter die Packpresse.
etwas überstürztem „Gute Nacht" verließ er Zimmer.
Um eine regelrechte Apfelwein-Kelterei besuchen zu können, bedarf es nicht erst etwa einer Fahrt nad) Frankfurt a. M. Auch muß ein Mensch nicht unbedingt von Frankfurt sein, um etwas vom Apfelwein oder von der Apfelweinkelterei zu verstehen! Möchten die Frankfurter vor Neid erblassen, wenn sie hören, daß es z. B. in Gießen eine Firma Qmt, die zur Zeit der Apfelweinkelterei (also gerade jetzt im September und Anfang Oktober) nicht
Roman von Bernhard Lonzer.
Ucheberrechtsschutz:
' Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
(Nachdruck verboten.)
: einen häßlichen Geschmack im Munde. Wie hatte diese Annelore Hildach von ihm gesagt? Ein unangenehmer ,. J;: es nicht so?
unangenehmer Mensch! Und trotzdem...?
sie waren sich eben alle gleich. Eine war wie
und der Süßmostbereitung. Es sei hier versucht, in knappster Zusammenfassung den Weg der Aepfel zu verfolgen, die uns einmal als „flüssiges Obst" begegnen können.
Nach einem älteren Verfahren wird mit der Korbpresse Apfelsaft gewonnen.
immer stärker werdenden Druck fließt bald der Saft aus den „Bieten" und läuft in ein großes Aluminiumbecken unter der Presse. Von dort aus wird der Saft in die bereitgestellten Fässer gepumpt.
Bei all diesen Arbeitsvorgängen braucht die menschliche Hand kaum mit den Apfelstücken in Berührung zu kommen, geschweige denn gar mit dem Saft. Die Preßtücher werden allabendlich in kaltes Wasser gelegt und jeweils in der Woche einmal ausgekocht. Man wird also in einem zeitgemäßen Keltereibetrieb allen Anforderungen in hygienischer Hinsicht gerecht.
Nun aber ist der so gewonnene natürliche Apfelsaft noch lange nicht Apfelwein oder gar haltbarer Apfelmost. Saft oder Most, der zu Wein werden soll, wird dem normalen Gärprozeß unterworfen. Der Gärspund wird auf das Faß gesetzt, und der Saft wird nun seinem eigenen Temperament überlassen. Aus dem Gärspund entweicht während des
Aepfel werden gewaschen und gelangen dann durch ein Becherwerk auf die Schnittwälze.
wollte sein Zimmer aufsuchen, besann sich Wenn Annelore Hildach inzwischen nicht auf :gegangen war, dann saß sie jetzt wie- beim Großvater und spielte das Haus- . Spielte ihm eine Komödie vor. In der Harmlosigkeit. Es mußte interessant sein, Maske zu sehen. Es mußte noch interessanter diese Maske ein bißchen zu lüften!
t raschen, kurzen Schritten stieg Stefan die hinauf. Er traf Fräulein von Birkhammer im Wohnzimmer an. Sie hatte schlafmüde
ist denn mein Großvater?" forschte er.
i zu Bett?"
v er wollte Fräulein Hildach den Garten-
an. der
9.
Der mit Spannung erwartete Tag war gekommen. Wie eine rosige Wolke füllte das Rubinlicht der Lampe das verdunkelte Zimmer. Kein Wort wurde hörbar. Lautlos ging Annelore Stefan zur Hand.
Gloria saß auf einem Stuhl. Jetzt waren ihre Augen frei.
Stumm vor erregter Spannung stand Stefan vor ihr. Er wartete und wollte eben eine Frage stellen, als Gloria sich hören ließ:
„Was ist denn mit mir, Herr von Achenbach...? Was ist denn das für ein rotes Flimmern...?"
Stefans Stimme klang heiser.
„Flimmern? Ein Flimmern?"
„Nein — eine Wolke — ein Schleier — wie lichtes Blut... Was ist mit mir, Herr von Achenbach...?"
Ein tiefer, hörbarer Atemzug kam von Stefans Lippen.
„Einen Augenblick noch —"
Annelore war schon an das Fenster getreten. Vorsichtig schob sie das Tuch ein wenig zurück. Ein schmaler Streifen hellen Tageslichtes fiel in das Zimmer.
Glorias Augenlider wollten zufummenzucken, aber sie wehrte sich mit aller Kraft dagegen. Plötzlich stand sie auf.
„Ich — ich sehe Sie, Herr von Achenbach... Ich sehe wieder...!"
Sie schwankte. Mit raschem Griff drückte Stefan sie wieder in den Stuhl zurück. Da hatte Annelore das Tuch schon wieder fallen lassen.
Die Augen von Großvater und Enkel begegneten sich sekundenlang. Stefan erhob sich plötzlich.
Der Apfel bietet flüssige Nahrungsmittel Zn den Kellern einer Gießener Apfelweinkelterei.
tung zu erstreben. Auch die Packpresse ist eine hydraulische Presse, aber das Preßgut wird anders eingelegt als in der Korbpresse. Die gemahlenen Aepfel werden in verhältnismäßig dünnen Sagen (in dünnen „Preßbieten") in sehr porös gewebte Packtücher aus italienischem Langhanf eingeschlagen und dann zwischen kräftige Lattenroste gebracht. Es können dabei oft bis zu 12 solcher „Preßbiete" unter die Preß-Säule gebracht werden. Unter dem
rascht zu fühlen. Aber man wollte auch niemandem absichtlich unrecht tun. Und es war immerhin eine Genugtuung, daß man ein Mädchen wie Annelore Hildach, der man doch wenigstens einen gewissen Geschmack zutrauen konnte, nicht ausgerechnet mit diesem Wolfersdorfs in Zusammenhang bringen mußte. Im übrigen konnte sie ja tun und lassen, was sie wollte. Aber wie gesagt...!
Gleich darauf kam auch der Großvater mit Annelore zurück. Stefan streifte Annelore mit einem raschen Blick und griff nach einer Zigarre.
„Na, da sind ja die Gespenster!"
„Gespenster?" lächelte Wolfgang von Achenbach.
„Jawohl. Schade, daß sie sich keine roten Nasenspitzen geholt haben! Es wäre ihnen nur recht geschehen."
„Na, na!"
„Ich sah nämlich, Licht im Gartensaal und habe mich herangeschlichen wie ein zünftiger Detektiv, konnte aber nicht feststellen, wer da drinnen herumspukte. Ich hatte mir schon die tollsten Geschichten eingebildet."
„Tja —", hob der Großvater die Schultern, „da siehst du, daß man sich nicht unnötige Geschichten einbilden soll Es kommt manchmal nichts Gutes dabei heraus."
„Diesmal doch —!" entfuhr es Stefan.
„Ja? Und wieso?"
„Darüber schweigt des Sängers bekannte Höf- lichkett!"
Stefan blieb noch. Er fand, daß es feit langer Zeit hier oben nicht so behaglich gewesen war wie heute. Lag das wirklich an dem „Haustöchterchen"?
Dabei war Annelore Hildach gar nicht einmal sonderlich lebhaft. Manchmal lag für einen Augenblick ein so eigenartig versonnener Zug auf ihrem Gesicht. Ueberhaupt, wenn man es sich überlegt, sie hatte sich in letzter Zeit irgendwie verändert. Irgend etwas bedrückte sie offenbar. Ob sie vielleicht Sorgen hatte? War zu Hause etwas nicht in Ordnung? Oder — sie war sehr feinfühlig — empfand sie es als Herabsetzung, daß der „Chef" sie außerhalb des Dienstes nicht so behandelte, wie sie als Mensch es vielleicht erwartete? Wie sie — zugegeben! — es eigentlich auch erwarten konnte, da sie ja nun einmal zur „Familie" gerechnet wurde?
Blieb schließlich noch eine Möglichkeit: Herzenskummer!
Jetzt über Land zu fahren und überall an den Sraßen die Apfelbäume zu sehen, deren Aeste sich irter der Last ihrer Früchte beugen — das ist ein xÄästiger Anblick! Auch dann, wenn die Bäume aderen Volksgenossen gehören. Und eine Freude isi es auch, irgendwo ein Kind zu sehen, paus- b-ckig und drall, das in einen rotwangigen Apfel b ßt. Schade, wenn auch nur ein Apfel umkommt! LEder aber wird es nicht möglich fein, jeden Apfel 31 „retten". So manche Frucht, verborgen im tiefen (Shas ober hineingerollt in den Straßengraben, tttrb sich ihrer sinnvollen Verwertung entziehen. J^och haben wir alle gelernt, insbesondere in den feden Jahren, nichts umkommen zu lassen. Da tccnte es nicht ausbleiben, daß auch der schönsten deutschen Frucht, dem Apfel, mehr Aufmerksamkeit schenkt wird, als je zuvor. Es gibt ja auch genug Diglichkeiten der Verwertung! Für frühes Fallobst bisreffieren sich die Marmeladefabriken, für Aepfel, Don Baum geschüttelt, die Apfelwein-Keltereien und feg kleineren und größeren Unternehmen, die den Asel zu dem bekannt und beliebt gewordenen „süffigen Obst" machen, zu unoergorenem Apfel- fa umwandeln, schließlich läßt sich der Apfel dc geeigneten Sorte, rechtzeitig, nicht zu früh und Ni.it zu fpät gepflückt, bei einiger Sachkenntnis so au aufheben, daß er noch im Februar so in die Sprit) zu nehmen ist, als sei er gestern vom Baum gekommen worden. Hiervon soll aber weniger die
spritzige, blumige, zarte oder kräftige (je nach dem Geschmack) Weine zu bereiten wissen. Mancher Gastwirt in unserer Stadt oder in den Dörfern setzt seinen Gästen Weine von „eigenem Gewächs" vor und nimmt mit Aufmerksamkeit das Urteil entgegen.
Schön und fast idyllisch, wenn die Apfelweinkelterei in weitläufigen Kellern geschieht, wie sie unter manchem alten Gießener Bürgerhaus zu finden sind. So z. B. in den Kellern unter dem „Aquarium". Gemeinsam mit dem Wirt, Herrn Heyne, unternahmen wir jetzt einen Streifzug durch die Keller feines Hauses, gleichzeitig bewaffnet mit der Kamera, um den Lesern einen Einblick zu geben in den für unsre Volksernährung nicht unwichtigen Betrieb
hob die eckigen Schultern ■ Geschmack ist eben verschieden."
• Mußte sich setzen. Er hatte sich beinahe gefühlt, diese seelenlose menschliche Hülle den Namen Erika von Birkhammer trug, Dazu lag natürlich kein Grund vor. hatte durchaus keinen Grund, sich durch diese
-2 Wendung gewissermaßen freudig über
„Ja, Sie sehen wieder, Frau Konsul", sagte Stefan. „Ein paar Tage noch, bis wir Sie an das volle Tageslicht gewöhnt haben, dann ist alles gut."
Gloria schwieg. Nur ein unbestimmter Ton kam von ihren Sippen. Ein Schluchzen schien sie zu erschüttern.
Dann wandte sie sich mit zitternder Hand zur Seite.
„Mir — mir ist gar nicht gut... Ein Glas Wasser, bitte, Fräulein Hildach!"
Stumm begab Annelore sich hinaus. Ihre Schritte verhallten draußen.
Unwillkürlich trat Stefan einen Schritt von Gloria zurück.
Aber ihre Augen suchten ihn in dem matten roten Schein, der das Zimmer füllte. Ihre Rechte hob sich ihm entgegen.
„Stefan...!"
Er rührte sich nicht.
„Gnädige Frau...?"
„Daß ich wieder sehen kann, Stefan? Und daß ich dir das zu danken habe...!"
„Mir oder einem anderen — das bleibt sich gleich."
„Nein, Stefan. Dir, dem ich — so wehgetan habe...!"
Noch immer stand Stefan unbeweglich. Seine Stimme war ganz klar. Klar und hart.
„Es ist jetzt nicht der »Augenblick, an vergangene Dinge zu denken. Und — ich wünsche nicht daran erinnert zu werden."
Einen Augenblick war es still. Dann kam Glorias Stimme wieder aus dem roten Dämmern:
„Ich habe tausendmal bereut, Stefan — und tausendfach gebüßt..."
„Wenn ich Ihnen glauben wollte, würde ich sagen: das ist ebenso bedauerlich wie wohlverdient. Aber es interessiert den Arzt Stefan von Achenbach nicht.
„Aber den Menschen Stefan von Achenbach!"
Stefan reckte sich auf.
„Der ist tot für Sie, Frau Konsul!"
Ein Augenblick dumpfer Stille. Dann richtet« Gloria sich wieder auf.
„Stefan...!"
Fortjetzung folgt.


