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Zunge deutsche Nation.

Volk.

Wenn du des Glaubens bist, das Reich wird leben, weit über Wolken ragt sein stolzer Dom, wenn du des Glaubens bist, die Sterne beben, durchflutet von des ewigen Lichtes Strom.

Sie spenden noch im letzten Dunkel Helle, daß du nicht zauderst, wenn der Tag verlischt, und strahlen über Wolken dir die Schwelle wie leichter Brandung aufgeworfener Gischt. Nur schreiten mußt du, Traum zu deinen Füßen, ein warmer Atem, der dem Land entsteigt, und kämpfen mußt du, statt verdangt zu büßen, und glauben, wenn die Stimme wartend schweigt. Nicht innehalten, wenn das große Lauschen um dich sich breitet, Fahne sei und Schwert, wenn du des Glaubens bist, die Wälder rauschen, und deines Namens hält der Gott sich wert.

Herbert Böhme.

und wird hundemüde aber Befehl ist eben Be­fehl! Und am Nachmittag marschiert Heinz mit seiner Führerschaft zum Führerdienst.

Und am Sonntagmorgen? Da steht er natürlich in der Führermannschaft des Stammes zum Reichs­sportwettkampf. Und auch hier wollen sie nicht nur somitmachen", sondern etwas Besonderes leisten. Die Knochen sind noch steif vom gestrigen Führer­dienst, aber was heißt das? Müdigkeit ist keine Ent­schuldigung für mangelhaften Einsatz. Und so siegt ihre Führermannschaft mit der höchsten Durch­schnittspunktzahl. Am Abend ist Heinz hundemude, ; aber auch so froh wie selten!

Dann schaut er sich noch einmal seinen Dienst­plan für die nächste Woche durch. Da stehen auf dem Dienstplan unter anderem vier Heimabende

der Jungzüge, die er selbst besuchen will. Kurz, er hat alle Hände voll zu tun.

Da liegt aber in der Post noch ein anderes I Schreiben, das er noch gar nicht geöffnet hat. Ein Schreiben des Stammes: Er soll sich darauf vor­bereiten, daß in kürzester Zeit eine Einsatzübung des Stammes steigen wird, bei der sein Fähnlein auf Alarmbenachrichtigung schnellstens anzutreten hat. Heinz ist platt. An das hatte er bisher noch nicht gedacht. Alarm? Das Fähnlein mußte eigentlich in einer halben Stunde fertig dastehen können. Die Vorbereitungen dazu will er jetzt so bald wie rnög- lich mit seinen Jungzugführern besprechen.

Also, Karre raus, drauf und ab!

Es wird eine klotzige Sache geben!

Gert Mohr.

Erlebnis aus der Hundewache.

Wir blättern in der Lagerchronik.

Arbeit.

Wir formen das Eisen, wir pflügen die Erde, daß Frucht unserer Arbeit uns wachse und werde.

Arbeit ist Saat, ist helles Sonnenlicht, und ist das Korn, das aus der Scholle bricht.

Arbeit ist Rauch, der aus den Essen weht und kündet, daß ein Volk vorm Amboß steht.

Drum formen wir Eisen und pflügen die Erde, daß Frucht unsrer Arbeit uns wachse und werde.

Heinz W. Krause.

Der Fähnlemsührer.

Was bedeutet es eigentlich, eine Formation von 100 bis 150 Jungen zu führen? Außen­stehende sehen oft nur das marschierende Fähnlein und an seiner Spitze den Fähn­leinführer. Eltern bekommen hin und wie­der einen Befehl mit seiner Unterschrift zu Gesicht. Von der eigentlichen Arbeit und den größeren Aufgaben eines Fähnleinfüh­rers aber können sich nur die einen Begriff machen, die ihn täglich im Dienst beobachten können. Ein Fähnlein ordentlich zu führen, das verlangt von dem damit Beauftragten innerste Bereitschaft und Anspannung aller Kräfte. Der folgende Bericht gibt einen klei­nen Einblick in den vielseitigen Amtsbe­reich, ohne ihn ausschöpfen zu wollen oder zu können.

Heinz war so zufrieden wie noch nie. Eine Pfundslaune hatte er, und das war auch kein Wunder, denn sein Fähnlein war heute morgen mit 160 Pimpfen angetreten. 162 ist es stark. Dann die Kämpfe.Kerls!" hatte er vorher zu seinen Pimpfen gesagt,daß ihr unserm Fähnlein Ehre macht! Alles wird rausgeholt, bis zum letzten! Wir reden davon, daß wir hart sein wollen, ganze Kerls sein wollen! Jetzt haben wir es zu be­weisen!"

Heinz sagt nie zuviel vor der Front, aber was er lagt, gilt! Das weiß jeder im Fähnlein.

So ging jeder Pimpf an die Sprunggrube oder an die'Startlöcher. Mut und Wille leuchteten ihnen aus den Augen. Kampf! Der ist es, der die Herzen stärker klopfen läßt. Es gibt einige, die bei dielem Wort aufgeregt werden. Die meisten aber reißen sich zusammen und holen das Letzte aus sich heraus. Ganz wenige nur haben Angst davor, so ein wenig Lampenfieber.

Die Leistungen im Fähnlein waren gut. Der Reichssportwettkampf war für sie überhaupt ein ganz großer Tag! Hier sah man erst, wer ein rich­tiger Kerl war! Heinz hatte immer geglaubt, er kenne sein Fähnlein ganz genau, und doch merkte er viel Neues. Da waren Pimpfe, die er bisher immer nur als schüchtern oder vielleicht sogar ängst­lich kannte, und die auf einmal wie gewandelt wa­ren, als sie für ihre Jungenschaft zu kämpfen hat­ten. Gerade auf sie paßte die Jungenschaft natür­lich auch am meisten auf und verfolgte gespannt ihre Leistungen. Denn was nützt es schon, wenn die Jungenschaft im allgemeinen gute Leistungen erzielt, ein einzelner aber durch sein schlechtes Ab­schneiden die ganze Durchschnittspunktzahl herunter­schraubt? Doch auch die Schwächsten rissen sich zu­sammen, als sie merkten, daß alle Augen auf sie gerichtet waren und sie oft sogar Sieg oder Nie­derlage ihrer Jungenschaft entscheiden mußten.

Der ganze Tag war groß! Auch als es nachher galt, welches Fähnlein am ehesten fertig war. Als gemeldet wurde, konnte Heinz mit seinem Fähnlein zufrieden sein. Wie die Blitze fuhren sie in die Uniformen und standen als erstes Fähnlein, sauber ausgerichtet, vor dem Jungbannführer.

Nachmittags: Befehl zum Führerdienst vom Jungbann. Morgens schon der Reichssportwett­kampf die liebe, heiße Sonne, man schwitzt

Endlich haben wir den vorgesehenen Lagerplatz erreicht. Das Vorkommando hat schon schwer ge­schuftet das muß man zugeben. Da steht das Eingangstor mit einem gewaltigen Schlagbaum. Links brennt ein Wachfeuer. Die Wache, an der unser Fähnlein vorbeimarschiert, stochert in der Glut herum.Ihr seid die ersten!" rufen sie uns zu. Und wenn man das hört, wird der Affe gleich um einige Pfund leichter. Lange genug hat der Marsch gedauert. Aber jetzt sind wir im Lager. Und auch dasBlasorchester" unter meinem linken Fuß ist vergessen. Ebenso wie der Spaten, der dauernd gegen mein Bein schlug. Ruck zuck! Wir singen! Wer sieht uns noch unsere Anstrengungen an? Vorhin haben wir die Landsknechtstrommel in die siebente Hölle gewünscht, jetzt hat sie wieder ihren mitrei- ßenden Klang.

Hallo! Das ist recht, daß du zrx unserer Begrü­ßung aufgefahren bist, du alte Gulaschkanone! So sieht also das Ding aus, das tausend Jungen den Magen stopfen soll. Oh, und wie sie fluchend schwitzen. Ha ha! Diel Vergnügen bei der Arbeit an der Schwengelpumpe. Ja, ja, zu Haus braucht man nur den Hahn aufzudrehen, um frisches Was­ser zu bekommen. Das ist das Lager! Hat eben seine Eigenarten, gibt harte Nüsse zu knacken und hat wie sagt man doch in gebildeten Kreisen seineerzieherischen Werte". Mag schon sein. Will's ja erst ausprobieren.

Affen ab! Zeltbahnen ab! Bau des Zwölfer- zeltes. Bitte beeilen, meine Herren, der Himmel beginnt sich zu verfinstern! Das wäre ein Ding jetzt ein Gewitter. Unser Küken schaut bedenklich nach oben. Als ob sich der Blitz gerade ihn aus­suchen würde.

Was steht ihr herum und glotzt? Schafft lieber eine Taschenlampe herbei, ihr Trandrüsen, Ete, Stand: Jungzugführer, ist ja gut aufgelegt. Wir richten das Zwölfer auf. Wie ein altes graues Ge­spenst sieht es noch aus, voller Runzeln, Beulen und Falten. Jeder an eine Ecke. Und bald haben wir's geschafft. Unser Zelt steht.

Ete zeigt mir höchstpersönlich, wie ein Wasser­graben auszuheben ist. Vielleicht mache ich es ge­rade deshalb falsch. Ich werfe nämlich die Gras­narben auf die untere Kante der Zeltbahn. Ete geht hoch. Wo soll das Wasser denn ablaufen? Denkst du, ich habe Lust, bei Regen elendig im Zelt zu ersaufen? Bloß, weil du Säugling nicht mal einen Wassergraben richtig ausheben kannst?

Ich bekomme gleich in der ersten Nacht die Hundewache".

Während die anderen überlegen, wie die letzten drei in die Heringstonne hineinpassen, bereite ich mich auf die Wache vor. Den Schlafsack schlinge ich mir wie ein alter Römer um die Schultern, und den Speer nehme ich zur Sicherheit in die Hand. Am Koppel befestige ich den Lichtdolch. Denn im Dunkel ...

Uebrigens, soo übel ist die Sache nun wieder nicht! Zum Beispiel die vielen Geräusche, auf die man am Tage gar nicht achtet! Abgesehen natürlich von den Schnarchtönen in Moll und Dur, die meine Kameraden von sich geben. Hin und wieder wälzt sich einer hörbar aus die andere Seite, was die mühsam aufgebaute Schlafordnung ins Wanken bringt.

Hinter mir ein Knacken wie von einem nieder­getretenen Zweig. Ich fahre herum. Mit zitternden Händen es ist ja fooo kalt leuchte ich die Ge­gend ab. Da ein nein, kein Mensch, nur eine verkrüppelte Kiefer. Aber da, bestimmt keine Täu­schung ein Lebewesen schwankt mit schauerlichen Bewegungen auf mich zu. Scheußlich. Wo ist denn meine Trillerpfeife? Ich muß Alarm schlagen, die Kameraden, Ete wecken.

Halt! Warte, du Säugling. Willst du dir nicht erst Gewißheit verschaffen, bevor du von deinen eigenen Leuten fürchterliche Senge beziehst?

Welch ein Glück. Der Liästdolch entlarvt das Schreckgespenst als harmlosen Wacholderhusch. Die Wacholder scheinen in den Wald gesetzt worden zu sein nur deshalb, um wachhabende Pimpfe auf ihren Mut zu prüfen. Ha, Mut! Jetzt gehe ich ein­mal genau fünfzig Schritt vom Zelt weg in den Wald hinein. Also los! Ein, zwei, drei, vier ... Hm, ziemlich duster hier. Zwanzig,, einundzwan­zig ... halt, wer leuchtet dort? Keine Antwort. So ein Feigling. Wart, Bursche, gleich hab' ich dich. Hier im Busch versteckst du dich? Pech, daß es nur ein Glühwürmchen ist.

Ruft da nicht jemand vom Zelt her? Schnell zurück. Ein Keuchen und Stöhnen ist das wie bei einem Ertrinkenden. Vorsichtig gehe ich um das Zelt und habe gleich darauf einen Anblick, einen Anblick, sage ich euch! Unbezahlbar. Bimbo, unser guter, dicker Bimbo, kein Schimpanse, Orang-Utan oder sonst ein Glied der weitverzweigten Affen­familie, sondern der Pimpf Bimbo ist die Ursache des Lärms. Wovon er träumt ich weiß es nicht. Es muß jedenfalls etwas Schreckliches fein, denn er hat seinen Kopf soeben mit einem letzten Ruck ins Freie gebracht. Zwischen Erdboden und straff gespannter Zeltbahn hindurch. Aber wenn du nun meinst, er sei dabei wach geworden, so hast du keine Ahnung davon, was ein tiefer Schlaf ist. Man muß in jeder Lage schlafen können. Bimbo kann das. Selbst wenn er einen Hering herausreißt.

Ich tue meine Pflicht und schiebe ihn in das Zelt zurück. Etwa wie ein Bäcker fein Brot in den Back­ofen befördert. Ihr könnt mir glauben, daß das nicht einfach ist. Wie immer in solchen Fällen, wollte mir der dickfellige Sünder am anderen Mor­gen nichts glauben, bis ich ihm den ausgerissenen Hering zeigte.

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, daß die Zeit meiner Wache vorbei ist. Siegesgewiß blicke ich in die Runde. Es ist nichts passiert, ich habe fabel- hast aufgepaßt!

Du, Wache, Ablösung! He, aufitehen!" Flüsternd versuche ich, meinen Nachfolger auf Wache, den Seppl, wachzukriegen. Ich rüttele an seinen Schul­tern, seinen Kopf finde ich nicht, obwohl er doch darauf sitzen müßte (der Kopf auf den Schultern), trete irgendeinem auf die Pfote und beziehe dafür einen ekligen Rippentriller.

Schließlich packe ich seine Füße und ziehe ihn so ins Freie. Der ist aber nicht merklich davon be­rührt und pennt weiter. Aber ich kenne meinen Freund Seppl, ich kenne ihn sehr gut. Ein Stück Schokolade finde ich noch in meiner Tasche und frage ihn nun mit verlockender Stimme:

Seppl, willst du auch ein Stück?"

Seppl war sofort wach! Er ist eben verfressen.

Stockdunkel ist es noch, da beginnen im Hof schon die Milchkannen zu klappern.Ich wollte doch heute in den Kuhstall, um melken zu lernen , ist mein erster Gedanke, als ich von den Geräuschen wach werde. Eine kurze Ueberlegung es ist erst 3 Uhr, und ich bin ja noch so müde, doch nein, ich habe dem Schweizer bestimmt zugesagt. Also flink in die Sachen und hinüber in den warmen Stall.

Die Schweizer sind schon bei ihrer Arbeit. Rau­schend fließt die Milch unter ihren geübten Händen in die Eimer, dicker Schaum bildet sich auf der Ober­fläche. Das kann doch nicht so schwer sein! Ich hole mir einen Melkschemel die Schweizer haben ihr einbeiniges Stühlchen umgeschnallt, es sieht komisch aus, ist aber praktisch. Dann sitze ich selbst plötzlich ganz dicht an einer Kuh. Das Euter wird vom Schweizer schnell gereinigt und massiert und schon schießt die Milch mit vollem Strahl in den Melkeimer.

So, nun können Sie anfangen! So müssen Sie es machen, immer von oben nach unten drücken." Ich schaue krampfhaft auf seine Hände.Man nennt dies Fäusteln im Gegensatz zum Knebeln, was man nur bei sehr kurzen Strichen anwen­det ..." Damit wendet er sich zur nächsten Kuh: denn die Zeit, bis die Milchkannen abgeholt werden, ist nicht sehr lang bemessen.

Wie komisch ist das aber jetzt mit meiner Kuh! Ich drücke und ziehe vergeblich, kein Tröpfchen Milch ist zu sehen. Die Kuh hört mit Fressen auf und sieht sich nach mir um. Ich tätschele ihren Hals und rede ihr gut zu. Wenn das Vieh nur ruhig stehenbleiben wollte! Nach einigen weiteren Ver­suchen mit viel Mut und Kräfteaufwand kommt endlich ein lächerlich dünner Strahl Milch gelaufen. Immerhin bin ich darüber sehr glücklich jetzt muß es ungefähr richtig sein! Es dauert lange, bis ich einen halben Eimer voll Milch habe.Na, für den Kaffee langt's schon", sagt der Schweizer trö­stend zu mir, als er die Kuh vollends ausmelfi.

Ich sitze nun schon an der zweiten Kuh. Aber nre ich mich auch mühe, ausgeschlossen, es geht nicht! Und ich konnte es doch schon beinahe das kann gar keine Milchkuh fein! Der Schweizer lacht und sagt:Probieren Sie mal bei dieser hier!" Ich pro­biere, drücke ziehe nichts! Mir wird ganz heiß! Bin ich denn wirklich so ungeschickt! Diese Melkerei muß doch zu erlernen sein!

Voller Unmut bin ich. Jetzt ist mir schon alles gleich ich fange einfach an, im Rhythmus zu melken: Links rechts, links rechts und wirklich: ftrap stroll, ftrap ftroll hurra, es geht! Es geht sogar ganz ordentlich laut, so saß der Schweizer ganz erstaunt guckt, ob ich das wirk­lich bin. Jetzt bin ich zufrieden, den Trick habe ich nun raus auch die Kuh ist ganz ruhig und steht wie ein Baum. Ich lehne den Kopf an ihren Leib, wir verstehen uns auf einmal sehr gut.

Für heute ist es genug, ich muß meine Hände ganz tüchtig ausschütteln. Aber nun heißt es feste weiter üben, Tag für Tag. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. T. R.

vimpsemache.

Wir hatten Mittag gegessen und saßen nun noch am Tisch bei einem Glas Milch. An der Längsseite des Tisches saß derDberpimpf", ihm zur Rechten Moses", der Bauernreferent, dem gegenüber der Archivar" undErnst-Andreas", der Kulturrefe­rent.Ernst-Andreas" hatte seine richtigen Vor­namen als Spitznamen erhalten, da er sie pünkt­lich und gewissenhaft unter jeden kleinsten Zeitungs­artikel setzte, der seiner Feder entquoll.

Wir kamen nur zu einer abgerissenen Unter­haltung, und dann war es Ernst-Andreas, der sie ganz an sich riß, um uns ein Erlebnis zu erzählen.

Ich hatte meine Volontärzeit am städtischen Schauspielhaus hinter mir und wurde demzufolge auf die Straße gesetzt. Am nächsten Tag verhandelte ich mit Herrn Direktor Riesel. Es kam ein Vertrag zustande. Ich verpflichtete mich, die Helden und jugendlichen Liebhaberrollen zu spielen, mitzusingen, wenn es verlangt werden sollte, und auch als Tänzer mit aufzutreten. Das war an und für sich allerhand, was ich da zu leisten hatte, aber es war ja eine kleine Bühne und dann mein erster Ver­trag --!

Zur selben Zeit führte ich in derselben Kleinstadt das Fähnlein ,5orcabe. Wir pflegten unterein­ander eine tadellose Kameradschaft. Freud und Leid unter Führer und Jungen wurde brüderlich geteilt und gemeinsam getragen. Fünf Tage nachdem mein Vertragsabschluß zustandegekommen war, hatte ich Geburtstag. Mein erstes Gehalt würde ich erst in einem Monat erhalten. Einen Monat lang war ich also ohne--." Ernst-Andreas machte die Finger­

bewegungen des Geldzählens. DerDberpimpf" nickte verständnisvoll.Ich verschwieg also meiner Meute meinen Geburtstag. Ich hätte es nicht tun sollen. Nachdem vierzehn Tage ins Land gezogen waren, bereute ich bereits meinen Entschluß. Und das kam so: Vatl, einer aus dem Fähnlein, hatte schon nach einer Woche heraus, daß ich meinen Ge­burtstag gehabt hatte. Er teilte das aber nicht etwa mir mit, sondern nur dem Fähnlein und legte ihm gleichzeitig mir gegenüber strengste Verschwiegen­heit auf. Dann sannen alle auf Rache."

Ernst-Andreas schwieg an dieser Stelle und sah uns alle reihum an. Er verstand es, Spannung

zu erzeugen und weidete sich nun sichtlich an seinem Erfolg.Weiter", forderteMoses".

In der Weltbühne sollte ,Kabale und Siebe' von Schiller gegeben werden. Ich hatte die Rolle des Ferdinand zu spielen. Bis jetzt wußten allerdings meine Pimpfe von meinem Auftreten in der Welt­bühne überhaupt noch nichts. Das war es auch, was mich Abend für Abend beruhigte."

Uns, den Zuhörern, ging an dieser Stelle ein Licht auf, und wir rückten wie auf Befehl näher an Ernst-Andreas heran.

Der Abend der Erstaufführung war da. Lampen­fieber hatte sich meiner bemächtigt. Gut, daß mich meine Pimpfe nicht in dieser Verfassung sehen würden, fuhr es mir immer wieder durch den Sinn. Ich wagte fast nicht, einen Blick in die Zuschauer­reihen zu werfen. Nur einen ganz kurzen Blick und, Gott sei Dank, die zwei ersten Reihen waren ganz leer. Mir fiel es bis dahin noch nicht auf, daß hier etwas nicht stimmen tonnte. Das Lampen­fieber hatte sich wie ein Schleier über mein klares Denken gelegt, und ich konnte eben nur mit Genug­tuung feststellen, daß die zwei ersten Reihen leer waren. Ich bemerkte dann auch nicht, daß nach dem 5. Akt sämtliche vorderen Plätze besetzt waren.--

Voll besetzt mit jugendlichen Gestalten." Der Dberpimpf" schlug sich in Erwartung der kommen­den Dinge auf die Schenkel, daß es klatschte. Moses" und derArchivar" lachten Vorrat. Es war das Lachen der Genugtuung. Ernst-Andreas aber sah sich wieder langsam im Kreis um und freute sich sichtlich.

Nun, ich mache es kurz. Die fünfte Szene des 5. Aktes ging wie alle anderen glatt ab. Dann aber die sechste. Ich mußte das Gift für die Luise in das Glas werfen. Diese Stelle war mir auch bei der Probe schon immer die liebste gewesen, weil ich mir vorstellen konnte, daß während dieser Hand­lung alle Zuschauer den Atem anhalten und ge­spannt jede meiner Bewegungen verfolgen würden. Ich deklamierte: ,Ja, sie soll dran! Sie soll!' Hier hatte ich vor, eine längere, unheilgeschwängerte Schweige pause einzuschieben, um dann dumpf- grollend zu beginnen: ,Die oberen Mächte' na und so weiter. Aus der Schweigepause wurde nicht viel. Kaum, daß es ruhig war und alles spannte, drang aus den ersten Zuschauerreihen eine Stimme zu mir: ,Na, der Ernst!, hätte man denn das ge­

dacht?' Mir wurde es heiß unter der engen Uni­form. Sehr heiß. Das war ,Vatl', fuhr es mir durch den Sinn, der der--. Das muß eine Rache­

maßnahme sein, dämmerte es nun in mir auf. Für den Geburtstag? Mir als Frischling auf den Bret­tern war der Rest des Abends mit Gewitterschwüle geladen. Enger und enger wurde mir die Uniform. Wieder begann ich: ,Die oberen Mächte nicken mir ihr schreckliches Ja herunter, die Rache des Himmels unterschreibt, ihr guter Engel läßt sie fahren.'--

,Ernstl Grufti, überleg dir solche Sachen!' drang es wieder mahnend zu mir herauf, und gleich dar­auf ein anderer: .Wenn das der Fafü erfährtt. ,Fafü', das war unser Stammführer. Na, was soll ich das alles noch schildern, was mir der Rest des Abends noch an Ratschlägen aus den zwei ersten Reihen mitgab", schloß Ernst-Andreas und sah uns erst alle noch einmal langsam reihum an.Wir standen am Ende des Spieles, der Schweiß stand mir auf der Stirn, und als ich sterben mußte, war ich tatsächlich dem Sterben nah.--Ich schwur

mir, nie wieder einen Geburtstag zu verschweigen."

Wir trunken unsere Milch aus und gingen an die Arbeit. Ich aber schrieb -demErnst-Andreas" seine Geburtstagsgeschichte nieder und nannte sie Pimpfenrache". Der Archivar.

Bein Affe.

Er hat wirklich viel erlebt, mein Affe! Aus den Tagen des großen Weltenbrandes, dort, wo der Tod das Visier abnahm, um offen zu holen, was ihm doch gehörte, hatte er sich gerettet und landete auf einer Bodenkammer. Dort machte er den No­vember 1918 mit. Nachdem er längere Zeit in der Dunkelheit gelegen, befreite ihn ein frecher kleiner Pimpf.

Das war ich.

Suchend fällt mein Blick auf jene mit Blech be­nagelte Stelle. Ja, das war damals im Hunsrück Kanakenhitze. Aber auch eine feine Fahrten­bande, die da zusammen war. Wir hatten in der Nähe bei Monsingen gebadet, wollten jetzt noch manchen Kilometerstein hinter uns bringen und sangen drum zur Klampfe ein flottes Lied. Zuerst gings gut, dann langsamer, auf einmal konnte ich überhaupt nicht mehr. Mein Aste schien mir heute

am letzten Tag schwerer als beim Abmarsch, da er doch vollgepackt war. Schwitzend legte ich ab, um nachzusehen, was mich da so drückte. Ich merke ge­rade noch, wie derFips" so hämisch grinst, da packe ich auch schon etwa 20 Pfund schwere Pflaster« steine in wirklich schönen Musterexemplaren aus. Komisch, alle haben damals gelacht nur ich nicht. Aber zwei Stunden später war ich es, der sich freute. Da hat er nämlich die Steine geschleppt und es erst zu Hause im Hauptbahnhof gemerkt. Wie derFips" gestaunt hat!

Da fällt mir auch ein, woher diese sonderbaren Ränder stammen, die aussehen, als ob über bie Rückwand einige Portionen Kaffee geflossen wären.

Da ist tatsächlich was passiert, und zwar auch im Hunsrück, nur an einer anderen Ecke und zu einer anderen Zeit.

Wir hatten geradeunfern Fraß gemixt". Grüner Salat und Fettkartoffel. Die Leberwurst war in der Sonnenhitze zerlaufen wie flüssiges Fett. Da wurde mir schlecht, ich richtete mich darauf ein, um­zufallen. Sonnenstich! Der kleine behendeKulle" das sehen, mich mit der einen Hand stützen, mit der andern denAss" in den Brunnen und mir das Wasser über Den Kopf träufeln das war eins.

Rechts die lange Rahmenseite, platzte die nicht oben in der Holsteinischen Seenplatte? Als mir drei Stunden Skat kloppten, selbstverständlich stets auf der Längsseite des geschlossenenAffen" sitzend. Natürlich. Ich weiß das noch, als wär's gestern, wie wir fluchten, als nach drei Stunden langem Kochen das Wasser noch nicht braun war, weil das Kaffeesäckchen, das wir hineinhängten, wasserdicht war!

Und jetzt?

Da liegt er nun in sich gesunken, schmutzig, fettig schillernd wie fünfzehn Regenbogen, zermürbt von Hitze und Kälte. Im Norden Deutschlands ließ er ein Stück, im Westen . . .

Während ich ganz in diesen Betrachtungen und Gedanken versunken bin, schellt's. Herein kommt der langePeiske", ein alter Fahrtengenosse, haut mir freundschaftlich ins Ge.ick und fragt:Was hast'n vor?" Ich mache ihm klar, daß ich' mir mal, wenn ich Geld hätte, einen neuenAffen" kaufen müßte. Na, dann schieb' schon los! Ich hab' noch einen zu Haus, hol' den, dann sparste Geld!"

Sagt's und zieht mit mir los e, H. B.