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Ur. 224 Lrstes Blatt

187. Jahrgang

Samstag, 25. September 1937

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Mussolini in München eingeiroffen.

Der Führer begrüßt an der Gpitze des Führerkorps der Partei den Duce herzlich in der Hauptstadt der Bewegung.

München, 25. Sept (DRV. Blinkspruch.) ittif einem Jubel ohnegleichen empfangen, traf der Sonderzug, der den Schöpfer des faschistischen Ita­liens, Benito Mussolini, in die Geburtsstadl des Nationalsozialismus brachte, um 10 Uhr a u f dem Münchener Hauptbahnhof ein. Um­geben von dem gesamten hohen Führerkorps der Partei hieß Adolf Hitler, der Führer des nationalsozialistischen Deutschland, seinen Gast auf dem geschichtlichen Boden der Hauptstadt der Bewegung willkommen, weltpolitische Tage haben damit ihren Anfang genommen.

Um 9.45 Uhr ist die E h r e n a u f st e l l u n g im Münchener Hauptbahnhof vollendet. Die große Halle bietet ein überaus farbenprächtiges Bild. Am Anfang des Bahnsteiges haben Ehrenabord­nungen der Schwarzhemden und der B a l i l l a Aufstellung genommen. Ihnen schließen sich die Ehrenspaliere des Jungvolks und der Hitler-Jugend an. hinter der Absperrkette drängt sich in vielen Tausenden die Bevölkerung Münchens. Wenige Minuten vor 10 Uhr trifft der Führer mit seiner Begleitung vor dem haupt- bahnhof ein. Langanhaltender Jubel braust vom Bahnhofsvorplatz in die Halle hinein fort, wo dem Führer vom Jungvolk, von der Hitler-Jugend und der Balilla ein stürmischer Empfang be­reitet wird. Nachdem Adolf Hitler die Front der Mitglieder des Führerkorps der NSDAP, ab­geschritten hat, nimmt er an ihrer Spitze Aufstellung.

Punkt 10 Uhr läuft der Sonderzug i n d i e h a l l e e i n. Die Musik spielt den Lieb­lingsmarsch Mussolinis, dieHymne auf Rom. In jugendlich frischer Haltung steigt Mus­solini aus dem Wagen. Der Führer tritt auf ihn zu. Er begrüßt ihn mit kräftigem Händedruck und herzlichen Dorten. Dann schrei­ten Mussolini und Adolf Hitler die Front des Führerkorps ab. Begleitet von nicht endenden Heil-Rufen der italienischen und der deutschen Jugend treten sie auf den Bahnhofsplah hin­aus.

Auf den Beifallsstürmen, von denen sie auch dort empfangen werden, klingen die Rufe der an­wesenden italienischen GästeDuce! Duce!" hervor. Unter den Klängen der Nationallieder bei­der Länder schreiten Mussolini und der Führer dann die Front der Ehrenformationen der Wehrmacht und der SS. sowie des Arbeits­dienstes ab.

Der Duce passiert Innsbruck.

Festlicher Empfang

durch die österreichischen Behörden.

Innsbruck, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Punkt 7 Uhr traf der Sonderzug des Duce in Innsbruck ein. Im Bahnhof waren zum Empfang je eine Ehrenkompanie der Tiroler Jä­ger, der Gendarmerie, der Miliz, der Polizei und eine Abordnung des österreichischen Jugendverban­des angetreten. Nach dem Eintreffen des Zuges er­tönten die Klängen der Giooinezza. Mussolini entstieg dem Zug und wurde vom Staats­sekretär für das Sicherheitswesen Dr. Skubl im Namen der österreichischen Bundesregierung und von Landeshauptmann Dr. Schumacher be­grüßt. Der Duce schritt die Front der Ehrenkom­panien ab. Nun begaben sich die Vertreter Oester­reichs in den Salonwagen des Duce, wo er sich eine Zeitlang mit ihnen in freundschaftlicher Weise unterhielt. Pünktlich 7.20 Uhr fuhr der Son­derzug wieder aus Innsbruck ab.

Auf deutschem Boden.

Der Stellvertreter des Führers geleitet den Duce von der Grenze nach München.

ü i e f e r s f e l d e n, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der italienische Regierungschef Mussolini traf heute früh um 8.52 Uhr in Kiefersfelden an Iber deutsch-österreichischen Grenze in der Nähe von Kufstein auf deutschem Boden ein. Der Duce «wurde von dem Stellvertreter des Führers R u - ö o l f Heß herzlich begrüßt. Beide setzten dann gemeinsam die Fahrt nach München fort.

Den Stellvertreter des Führers begleitete der deutsche Ehrendien st, der dem italienischen Regierungschef während seines Aufenthaltes in Deutschland beigegeben ist und dem Reichsminister Dr. Frank, der Kommandierende General des IV. Armeekorps Dresden, General der Infanterie Lift, der Chef des Protokolls, Gesandter v.B ü- Uow-Schwante, der deutsche Botschafter in Rom, v. Hassel, und der persönliche Adjutant des Stellvertreters des Führers, Amtsleiter L e i t - gen, angehören. Mit ihnen war der königlich- talienische Botschafter in Berlin, Attolico, ein­getroffen.

Das Bahnhofsgebäude ist mit Tannengrün und Dirlanden, von denen Schleifen in den italienischen Farben herabhängen, geschmückt. Don weiß schim­merndem Spruchband grüßen den hohen Gast die Worte:Deutschland heißt den Duce »illkommen". Die ganze Bahnstrecke ist zu

beiden Seiten mit den Fahnen des faschistischen Ita­liens und des nationalsozialistischen Deutschlands eingesäumt, die von hohen weißen Masten herunter­hängen. Auf dem Bahnhof sind die Ehrenforma­tionen der Bewegung, und zwar die I ä g e r st a n - darte 2 mit Spielmanns- und Musikzug, das NSKK., eine Abordnung der Politischen Leiter, der HI., des BDM. und Jungvolk angetreten, während der A r- beitsdienft zu beiden Seiten des Bahnhofs Kiefersfelden Ehrenspalier bildet. Das Spalier be­schließt frisch und voller freudiger Erwartung die Schuljugend von Kiefersfelden mit italienifchen und deutschen Fähnchen in den Händen.

Als der Sonderzug sichtbar wird, setzt die Musik mit der italienischen Königshymne und dem Siegeslied der faschistischen Bewegung, der Gko- o i n e z z a ein. Grenzenloser Jubel und Begeiste­rung erklingen auf, als der Sonderzug langsam in den Bahnhof einfährt. Die Menschenmenge läuft dem Zug entgegen. Nun zeigt sich im dtitten Wagen Mussolini in Faschistenuniform am F e n st e r. Er lacht und grüßt die ihm zujubelnde Menge. Der Stellvertreter des Führers, der Ehren­dienst, Botschafter v. Hassel und Botschafter Attolico besteigen den Salonwagen des Duce. Unter den Klängen der deutschen Nationalhymnen verläßt der Sonderzug Kiefersfelden, um den italienischen Re­gierungschef in die Hauptstadt der Bewegung zu führen.

Auf der ganzen Strecke von der Rezchsgrenze bis zu dem besonders festlich geschmückten Rosen­heimer Bahnhof ist kein Haus ohne Fahne, ohne Girlanden und Tannengrün. Tau­sendfach sieht man die Zeichen des Hakenkreuzes neben den italienischen Symbolen. Auch die an der Bahnstrecke gelegenen großen Fabrikanlagen haben sich zu dem bedeutungsvollen Tage geschmückt, und selbst von den hochgelegenen Höfen der Berg- bauern im Jnntal grüßen Fahnen herab.

Auf den Stationen, auf der ganzen Strecke ist die Bevölkerung an den Schienenweg geeilt. Üeberall steht die deutsche Jugend, Sie

mit Hellen Stimmen dem Freunde Deutschlands ihren Willkommengruß entbietet, in vorderster Reihe. Bon den Neubauten grüßen die A r b e i t s m ä n - ner mit erhobener Rechten, und die Bauern auf dem Felde winken herüber. Auf allen Wegen, die die Strecke kreuzen, stehen Wagen, überfüllt mit jubelnden und begeisterten Menschen. Immer wieder tritt Mussolini an das F e n st e r, um für diesen Willkommengruß zu dan­ken. Er winkt ihnen zu, lachend und sichtlich erfreut über die Herzlichkeit und Ursprünglichkeit dieser Huldigungen.

Mein Besuch in Deutschland ist Herzenssache!"

Eine Unterredung mit dem Duce.

Nürnberg, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Fränkische Tageszeitung" bringt eine Unterre­dung, die der Duce dem nach Rom entsandten Son­derberichterstatter des Blattes gewährte. Danach sagte der Duce:Mein Besuch ist eine betonte Demonstration für die gemeinsame Politik eines starken Friedens. Wir wünschen, daß dieser Besuch als ein Symbol für die Tatsache gewertet wird, daß die Großmächte Deutschland und Italien eine kompromißlose Auffassung über die Gestaltung eines dauerhaften Friedens haben eines Friedens, der es dem großen anständigen Teil der Menschheit gestattet, in sicherer Ruhe zu arbeiten und zu schaffen.

Weiter sagte Mussolini:Mein Besuch in Deutsch­land ist mir eine Herzenssache, ein sichtbares Zeichen für die herzliche Freundschaft zwischen zwei großen Kulturvölkern, die einander restloses Ver­trauet entgegenbringen. Zwei Völker werden ein­ander die Hände reichen, ihren Tornister und ihr Gewehr auf die Schulter nehmen und Seite an Seite in die Zukunft mar­schieren. Denn diese Zukunft gehört uns!"

Mönchen im Wschmuck.

Der Bahnhof.

München, 24. Sept. (DNB.) Die Hauptstadt der Bewegung, die die Ehre hat, als erste deutsche Stadt den Führer des Faschismus in ihren Mauern zu sehen, hat ein reichgeschmücktes und festliches Gewand angelegt. Erfreulicherweise setzte der Dauer­regen, der in München in den letzten Tagen nieder­ging, in den Mittagsstunden aus. Nun gingen die Münchener mit verdoppeltem Eifer daran, dem festlichen Gewand die letzten Nuancen zu geben. Am Nachmittag wurde die Ausschmückung des Hauptbahnhofes zur Besichtigung freigegeben. Die Bahnhofshalle ist nicht wiederzuerkennen. Die eiser­nen Tragpfeiler sind mit rotem Tuch verkleidet, die Aufbauten auf den Bahnsteigen unter frischem Tannengrün verschwunden und die eiserne Dach­konstruktion unter den Fahnen Italiens und des Dritten Reiches verdeckt. Auch die den Geleisanlagen zugekehrte Innenseite des Bahnhofsgebäudes ist bis zur Dachkonstruktion hinauf in Tannengrün ge­hüllt, nur die klassizistischen Portale sind freige­blieben. Ueber ihnen sind goldene Faszio-Bündel und zwischen den Pforten hohe goldene Standbilder antiker Heldengestalten aufgestellt. Das eine davon zeigt Aristides, in der Hand die Tonscherbe, auf die er einem schreibunkundigen Bauern seinen eigenen Namen schreibt, als eine von seinen Feinden angezettelte Volksabstimmung seine Verbannung verlangte eine feine Satire, die daran erinnert, daß auch im klassischen Altertum die Demokratie nicht die glücklichste Staatsform war.

Die Schalterhalle, durch die der Führer mit seinem Gast den Bahnhof verlassen wird, ist in drei Räume verwandelt worden, von denen der erste in zartem Mattlila und der große Mittelraum in Rostrot und Gold gehalten ist. Auch hier sind antike Skulpturen und auf schmalen Sockeln die Büsten römischer Cäsaren von Lorbeerbäumen flankiert aufgestellt. Wappentücher mit den nationalsozia­listischen und faschistischen Symbolen hängen von den Wänden. Die Vorhalle und auch das Bahn­hofsäußere ist wieder in Rostrot und Gold gehalten. Lorbeergirlanden ziehen die schlichten Linien des Baues nach. Ueberwältigend ist der Blick auf den Vorplatz, der von zwei 16 Meter hohen Ruten­bündeln beherrscht wird, die gewaltige Adler von 3,50 Meter höhe krönen. Am Eingang der Schützen­straße ist eine T r i u m p h p f o r te von Haushöhe aus Tannengrün errichtet, die auf der Vorderseite das Faszio-Symbol in Gold trägt. Rings um den Platz sind die Tribünenbauten errichtet. Am Ab­schluß der Schützenstraße leuchten vom Karlsplatz, dem Stachus, her vier große mit Herbstlaub ver­kleidete Säulen herunter, auf deren goldenen Kugeln ein großes M prangt. Zwischen diesen Säulen 11 Meter über der Straße ist ein gewaltiger Erntekranz von einem Durchmesser von sechs Meter an starken Drahtseilen angebracht.

Sowohl die Schützen-, als auch die Neuhau­ser- und Kaufunger Straße sind einheitlich mit den italienischen und den deutschen Fahnen an den Häuserfronten und über die Straße hin ge­

schmückt. Nur die Form der Fahnentücher wechselt auf diesem schnurgeraden Weg von Bahnhof b i s zum Marienplatz. Beherrschender Punkt ist hier das gotische Rathaus, das bis zur höhe des ersten Stockwerkes in Grün gehüllt und dessen Balkone mit frischen Blumen reich besetzt sind. In langen Bahnen hängen die Fahnen deutscher und italienischer Städte herab, deren Wappen in Gold an haushohen Masten angebracht sind. Der Cha­rakter der Feststraße verändert sich grundlegend auf dem Max-Josef-Platz, wo das National­theater mit seinem leuchtenden, bunten Mosaikfries geblieben ist, während alle umliegenden Bauten bis zur halben höhe mit rostbraunen Tüchern ver­hangen sind, die einen prächtigen Hintergrund für die Pylonen abgeben, die die Masken der tragischen und der heiteren Muse in Gold und Silber tragen. Der bisher heitere Ton der Feststraße wird auf uem Wege zum Mahnmal der Bewegung in der Residenzstraße und der Hälfte des Odeonsplatzes durch einen dunkelbraunen Farbton abgelöst, hohe Pylonen mit flammenden Opferschalen verstärken den würdigen Eindruck. Abschluß dieser ernst-feier­lichen Stimmung sind zur Ludwig st raße hin sechs gewaltige mit Tannengrün verkleidete Sockel, deren Aeußeres wiederum große Feuerschalen tra­gen, während die mittleren mit symbolischen Stand­bildern, Fackeln und Feldzeichenträgern gekrönt sind. Ganz in Rot leuchtet die Ludwig st raße, unter einem zweiten Säulendurchgang ganz in Weiß und Gold die v o n - d e r - T a n n st r a ß e, die zum Prinz-Carl-Palais, dem Wohnsitz des hohen Gastes während feines Münchener Aufent­haltes, führt. Der schlichte, in Hellem Ocker gehaltene Palast mit dem Säulenvorbau ist zu beiden Seiten von mächtigen viereckigen tannenverkleideten Blöcken flankiert, die den geflügelten Pegasus tragen.

Am Hais der Deutschen Kunst.

Die Fortsetzung der Feststraße zum Haus der Deutschen Kunst hin bilden schlanke goldene Masten, die, mit vergoldetem Herbstlaub umwunden, die faschistischen und nationalsozialistischen Symbole zeigen, während das Haus der Deutschen Kunst nur einen Sockel aus goldgelben Chrysanthemen erhalten hat. Die Prinzregentenbrücke zeigt als zusätzlichen Schmuck Fabelwesen aus der klassischen Sagenwelt, während die Prinzrege n- tenstraße, die zur Wohnung des Füh­rers am Prinzregentenplatz, einem schlichten Pri­vathaus, führt, im pompejanifchen Rot gehalten ist, das in Gold abwechseln die Buchstaben SPQR (Senatus populusque Romanus = Der Senat und das römische Volk), das Feldzeichen der römischen Legionen, den Buchstaben M und das Hakenkreuz trägt. Einen Höhepunkt der Ausschmückung wird das die ganze Straßenflucht beherrschende Monu­ment des Friedensengels bilden, das neben dem Tücher- und Fahnenschmuck bei der Vorbei­fahrt des hohen Gastes von einem Kranze Girlan­den tragender junger Mädchen anmutsvoll belebt fein wirt).

BerlinRom.

Mussolini ist heute früh zu seinem Staatsbesuch in Deutschland in München eingetroffen. Der Füh­rer hat an der Spitze seiner ersten Mitarbeiter aus den Reihen der nationalsozialistischen Partei den Duce in der Hauptstadt der Bewegung herzlich willkommen geheißen. So gilt der erste Gruß dem Begründer des neuen, im Schmelztiegel der faschisti­schen Revolution geläuterten, von der ungeheuren Kraft und dem großartigen Gedankenflug eines Mannes zu innerer Geschlossenheit und äußerer Machtstellung emporgeführten Italien, mit dem sich das deutsche Volk durch bedeutsame Parallelen der geschichtlichen Entwicklung wie durch wesensoer- wandte Züge in den weltanschaulichen Grundlagen, die in unseren Tagen dem Staatswesen beider Völ­ker ihr Gesicht gegeben haben, und nicht zuletzt aus der fast schwärmerischen Liebe heraus, die viele Generationen von Deutschen aller Stände und jeden Alters für das Land Italien, das Sonnenland, empfunden haben, in herzlicher Zuneigung und Freundschaft verbunden fühlt und in dessen leiten­dem Staatsmann und nationalem Heros es die geniale Persönlichkeit bewundert, die nicht nur mit eiserner Energie ihrem Land eine neue staatliche uni) soziale Ordnung schuf als Voraussetzung für ungeheure kulturelle und wirtschaftliche Leistungen, die in der Moderne nur im nationalsozialistischen Deutschland ihresgleichen gefunden haben und da­her auch in ihrer Größe von uns am besten ge­wertet werden können, sondern die auch schon ftüh mit klarem Blick die Notwendigkeit einer euro­päischen Neuordnung erkannt und als deren Voraussetzung die Beseitigung deraroßen Ungerechtigkeiten" des Versailler Diktats gefordert hat, weil sie der Aufrichtung eines wahren Frie­dens in Europa im Wege standen. Es ist selbstver­ständlich, daß aus dieser letzteren Perspektive her­aus der Staatsbesuch des Duce in Deutschland seine besondere Bedeutung erhält und daß nament­lich der Besuch des Chefs der italienischen Regie­rung in der Hauptstadt des befreundeten Deutschen Reiches der Befestigung und Weiterbildung der ge­meinsamen politischen Grundlinien für den Kampf dienen, den beide Nationen aus der ihnen gewor­denen Erkenntnis der Notwendigkeit einer «Soli­darität des Abendlandes gegen das kulturoernich- tenöe Gift des revolutionären Bolschewismus für eine neue europäische Ordnung zu führen ent­schlossen sind.

Es war nicht anders zu erwarten, daß der Staatsbesuch des Duce in der Presse des Auslandes einen lebhaften Widerhall finden und da er in eine Zeit reger diplomatischer Tätigkeit fällt, auch den Anlaß zu den phantasievollsten Kombinationen geben würde. Aber mit der bereits gemachten Fest­stellung, daß dieser, im übrigen schon seit langem vorgesehene Besuch der Interessengemeinschaft bei­der Völker an einer nach neuen, einer europäischen Solidarität im höheren Sinne dienenden Grundsätzen ausgerichteten politischen Ordnung dient, die in dem Nebeneinander in ihrer Weltanschauung konsoli­dierter Nationen und in dem jede Hegemonie eines einzelnen Volkes ausschließenden Gleichgewicht der großen Mächte das Fundament der europäischen Einheit sieht, mit dieser Feststellung eines sich über die Probleme der Tagespolitik erhebenden höheren Sinns der Zusammenkunft zwischen Mussolini und dem Führer wird all den phantasievollen Kombi­nationen oder den vielen namentlich von Paris ausgestreuten ebenso boshaften wie törichten Ge­rüchten der Boden entzogen, die fensationslüsterne Auslandsjournalisten an den Berliner Besuch des Duce zu knüpfen versuchen. Darüber kann es aller­dings wohl keinen Zweifel geben, daß allein schon die Ankündigung dieses Staatsbesuches Italiens diplomatische Stellung in der schwebenden Debatte über die Einrichtung einer Mittelmeerpa­trouille gegeft die U-Bootpiraterie im Mittel­meer und gleichsam als Ersatz für die nun auch von England und Frankreich aufgehobene Kontrolle in den spanischen Küstengewässern sehr erheblich gestärkt hat und daß gerade die Aussicht auf eine neue Bekräftigung der Achse BerlinRom die Diplomatie Englands und Frankreichs veranlaßt hat, einen angesichts der früher beliebten Zurück­haltung immerhin bemerkenswerten Eifer zu ent­wickeln, um das Mittelmeergespräch mit Italien trotz aller gefährlichen Querschüsse von Moskau her und trotz aller Rücksicht, die man aus verschiedener­lei Gründen auf die Empfindlichkeit des seinerseits hemdsärmelig brutalen bolschewistischen Freundes nehmen zu müssen glaubt, in Gang zu halten und Italien an den grünen Tisch und von da auch in das System der Mittelmeerpatrouille zu bekommen. Franzosen und Engländer haben mit ihren in Nyon gemachten Vorschlägen Schiffbruch erlitten. Erst als die diplomatische Fühlungnahme in Rom die An­erkennung Italiens als gleichberechtigte Mittelmeermacht zunächst wenigstens dem Grundsatz nach ergab, hat Italien seine Teilnahme an Besprechungen der Flottensachoerständigen der drei großen Mittelmeermächte in Paris zugesagt, die nun den italienischen Gleichberechtigungsanspruch auch in der Praxis der vorgesehenen Mittelmeer­patrouille durchsetzen soll. Das ist, ohne dem Er­gebnis dieser Pariser Besprechungen vorzugreifen, ein spürbarer Erfolg der italienischen Politik, die, ohne sich durch das dreiste Störungsfeuer aus Mos­kau zu einer schroffen Haltung reizen zu lassen, durch die Achse BerlinRom gedeckt dem Gespräch mit den Westmächten die Wendung zu geben ver­mochte, die die unumwundene Anerkennung des italienischen Gleichberechtigungsanspruchs im Mittel­meer bedeutete.

Die spürbare Entspannung der Atmosphäre um das Mittelmeerproblem, von Deutschland als nur in zweiter Linie Interessiertem, lebhaft begrüßt und durch seine klare Haltung der Solidarität mit Jta-