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sollte, so brachten die Jahre 1933 bis 1936 eine wachsende Nachfrage nach hochquali­fizierten Bauarbeitern. Auch die soge­nannten Vorindustrien, d. h. die Wirtschaftszweige, die sich mit der Herstellung von Baumaterialien be­fassen, hatten von der Zunahme der Bautätigkeit starken Nutzen. Dieser Mangel an Fachkräften, dem sich sehr bald auch ein Mangel an Baumaterialien zugesellte, wurde dadurch verstärkt, daß auch auf anderen Gebieten die Nachfrage nach Arbeitskräften und Materialien plötzlich und stark stieg. Hier ver­dienen zunächst die umfangreichen Arbeiten er­wähnt zu werden, die als Bodengewinnung und Bodenverbesserung bezeichnet werden. Nicht weniger als 1,9 Millionen Hektar Moore, Oedland und andere ungenutzte Flächen harrten der Erschließung. Die AusstellungGebt mir vier Jahre Zeit!" veranschaulicht in eindrucksvoller Weise, wie das deutsche Volk dem Meer und auch unregulierten Flußläufen Ackerland abgewonnen hat und wie un­ergiebiges Sumpfgelände in fruchtbare Felder und Weiden umgewandelt wurde. Der Arbeits­dienst, der aus der deutschen Erschließungsarbeit der letzten Jahre nicht fortzudenken ist, hat wesent­lich dazu beigetragen, solche nationalwirtschaftlich bedeutsamen Aufgaben, an die sich die private Initiative nicht herantraute, zu bewältigen.

Ein weiteres großes Gebiet, auf dem es auch jetzt noch unübersehbare Betätigungsmöglichkeiten gibt, ist das des Wegebaues. Die Ausstellung am Berliner Kaiserdamm zeigt die Planung des Reichs­autobahnnetzes, die in den einzelnen Jahren zum Bau freigegebenen Strecken und endlich von 1935 an die fertigen und dem Verkehr übergebenen Ab­schnitte dieses Netzes. Am 1. April 1937 waren nicht weniger als 1086 Kilometer, also etwa ein Siebentel des gesamten Autobahn­netzes, fertiggestellt. In diesen Tagen kam ein neuer Abschnitt auf der Strecke HamburgLübeck hinzu, nachdem schon kurz vorher eine Teilstrecke der Linie DresdenChemnitz dem Verkehr über­geben werden konnte. Die Leistung auf dem Ge­biete des Wegebaues wäre jedoch einseitig gewesen, wenn man darüber die Instandsetzung der vorhandenen Straßen vernachlässigt hätte. Die Reichsautobahnen meiden bekanntlich die grö­ßeren Ortschaften und können auch nicht so dicht durch das Land gelegt werden, daß alle erhebliche­ren Siedlungen durch kurze Stichwege mit ihnen verbunden werden können. Es hätte auch die Er­nährungsschlacht erschwert und die Wiederherstellung der Rentabilität in der Landwirtschaft verzögert, wenn dieser Ausbau der Straßen zweiter und drit­ter Ordnung unterblieben wäre. Auch auf diesem Gebiet liefert die AusstellungGebt mir vier Jahre Zeit" reiches Anschauungsmaterial.

Man hat es in Deutschland als eine besondere Gunst des Schicksals hingestellt, daß wir mehrere Jahre hindurch eine zufriedenstellende, vielfach so­gar eine gute Ernte gehabt haben. Wenigstens zum Teil ist diese Ertragssicherung auf eine plan­mäßige Kulturarbeit am deutschen Boden zurückzuführen. Während in den Jahren 1929 bis 1932 nicht einmal bei einer halben Million Hektar Ertragssteigerungen durch Kulturbau erzielt wurden, ist dies in den folgenden vier Jahren, 1933 bis-1936, bei über IV2 Millionen Hektar mög­lich gewesen. Rechnet man diese Ertragssteigerung auf Neulandflächen um, so ergibt sich eine Er­

höhung von etwa 156 000 auf 383 000 Hektar. Selbstverständlich hat diese große Kultivierungs- arbeit einer erheblichen Zahl von Volksgenossen Beschäftigungsmöglichkeit gebracht und dadurch den Nutzen verdoppelt. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß es in der Hauptsache die Dauerbeschäf­tigung, die im Hoch - und Tiefbau geleistet werden konnte, gewesen ist, welche den ersten vier Jahren deutscher Aufbauarbeit einen so gewaltigen Erfolg beschert hat. Wer die AusstellungGebt mir vier Jahre Zeit" hat auf sich wirken lassen, muß ein unerschütterliches Vertrauen auf den Erfolg auch des zweiten deutschen Vierjahresplanes mitnehmen.

Cr.

Kleine politische Nachrichten

Eine albanische Gendarmerietruppe erschoß bei der Verfolgung einiger Rebellen, die nach Golemas im Bezirk Kurveleschi geflohen waren, den Anführer der Insurgenten, den früheren Innenminister Et e m Toto.

Wie das amtliche bolschewistische Organ für die fernöstlichen Sowjetgebiete mitteilt, fand in Cha­barowsk vor demSonderkollegium" des Ober­sten Militärgerichtshofes der Sowjetunion ein zwei­ter Monftreprozeß gegen eine angeblichtrotz- kistisch-terroriftische Spionageorga­nisation" statt. Elf Personen wurden genau so wie die 44 Angeklagten des ersten Schauprozesses in Swobodnoje zum Tode verurteilt.

Kunst und Wissenschaft

14. Deutsche Tagung für Krüppelfürsorge in Frankfurt.

Der zweite Tag wurde eingeleitet von Professor Pitzen (Gießen) mit einem Vortrag über die Sofortbehandlung zur Verhütung des Krüppel- tums". Er zeigte, unterstützt von zahlreichen Licht­bildern und einem Film, daß die Sofortbehandlung der orthopädischen Leiden sowohl der angebore­nen als auch der erworbenen am sichersten, am schonendsten und am billigsten zu einer vollstän­digen Heilung führt. Direktor Köhler (Leipzig) sprach überSchulung und Leistung Handgelähmter in der Krüppelschule". Wort und Bild des Vortrags überzeugten die Zuhörer, daß man mit einfachsten Hilfsmitteln erstaunliche Leistungen bei Handge­lähmten erzielen kann. Dr. Winkler (Leipzig) berichtete über dieAuswirkung der Bewegungs- behinderung auf das Seelenleben". Den Abschluß der Tagung bildete ein Besuch der Frankfurter Orthopädischen Universitäts-Klinik, Friedrichsheim.

Internationaler Aerzkekongreß in Wien.

Auf dem in Wien stattfindenden internatio­nalen Aerztekongreß hielt als erster Red­ner Professor Pfaundler-München einen mit größtem Interesse aufgenommenen Vortrag über die Kindersterblichkeit. An Hand umfang­reichen statistischen Materials deckte er die Ursachen für die Tatfache auf, daß an der Kindersterblichkeit die Knaben den weitaus größeren Anteil haben. Als nächster Redner behandelte Professor Wes­sely- München das Problem der Kurzsichtig­keit. Schließlich sprach der berühmte österreichische Internist Professor Eppinger über die Erschei­nungen des Ermüdens und Alterns.

Aus aller Welt.

Dem Ehepaar Lindbergh ein Sohn geboren.

Die bisher streng geheimgehaltene Geburt eines Sohnes des Ehepaares Lindbergh am 12. Mai wird jetzt aus London bestätigt, nach­dem das englische Standesamt von der Geburt unterrichtet worden ist. Den Berichterstattern der englischen Blätter ist es aber trotz aller Bemühun­gen nicht gelungen, auszuforschen, wo sich Frau Lindbergh und ihr Sohn zur Zeit befinden. Das Ehepaar lebt seit zwei Jahren in der Nähe der Ortschaft Sevenoaks in der Provinz Kent, nachdem es Amerika wegen fortgesetzter Beunruhigung durch Gangster verlassen hatte.

Lynchjustiz in Amerika.

In der Stadt Bainbridge im Staate Georgia (USA.) bemächtigte sich eine nach Hunderten zäh­lende Menschenmenge der Leiche eines Ne-, g e r 5, der von Polizisten angeblich bei einem Fluchtversuch erschossen worden war. Der Neger war unter der Beschuldigung, zwei weiße Frauen vergewaltigt und ermordet zu haben, festgenommen worden. Die Menge band die Leiche des Negers an einen Kraftwagen und schleifte sie durch die Stadt und das Negeroiertel. An diesemUmzug" beteilig­ten sich ungefähr 50 Autos. Schließlich errichtete man in der Baseballarena einen Scheiterhaufen und verbrannte auf ihm die Leiche des Negers.

Ein Raubmörder fesigenommen.

Der feit dem 6. Mai d. I. wegen Raubmor­de s in Nienheim bei Kelheim in Oberbayern ge­suchte Albert Gruber wurde'von der Hamburger Kriminalpolizei im Stadtteil St. Georg festgenom­men. Er ist geständig, eine 61jährige Haushälterin in Nienheim ermordet zu haben, um die Gemeinde­kasse zu erbeuten. In der Kasse fand der Mörder 1100 Mark, die er mitnahm und auf der Fahrt und in Hamburg durchbrachte. Bei der Festnahme wurde nur ein geringer Geldbetrag bei dem Mörder ge­sunden. Das furchtbare Verbrechen wurde am Him­melfahrtstage verübt. Die Ermittelungen haben er­geben, daß die Frau mit einem scharfkantigen Gegenstand sieben Schläge auf den Hinterkopf er­halten hat, worauf sie bewußtlos zusammengebro­chen ist. Der Täter hat sie dann auf den Heuboden des Anwesens geschleppt und mit Heu zugedeckt und das Heu mit großen Steinen beschwert, wodurch der Erstickungstod eintrat.

Schwere Zuchthausstrafen für Devisenverbrecher.

Das Chemnitzer Landgericht beendete einen Pro­zeß, in dem sich elf Personen aus Chemnitz und Umgebung wegen Vergehens gegen das Deoisenbewirtschaftungsgesetz bzw. Begünstigung zu verantworten hatten. Die Ange­klagten haben u. a. Wertpapiere im Werte von rund einer Million Mark an Banken verkauft und den Erlös ins Ausland gebracht. Der Hauptange­klagte Werner Rothe, der flüchtig ist und gegen den in Abwesenheit verhandelt wurde, erhielt a ch t Jahre Zuchthaus, 50000 Mark Geldstrafe oder weitere 250 Tage Zuchthaus sowie acht Jahre Ehrenrechtsverlust. Der Angeklagte Kurt Meiß­ner wurde zu sieben Jahren Zuchthaus, 50 000 Mark Geldstrafe und sieben Jahren Ehrenrechts­verlust, und der Angeklagte Erich M ü k k e r zu fünf Jahren Zuchthaus, 25 000 Myrk Geldstrafe so­wie fünf Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Zwei

weitere Angeklagte wurden wegen Begünstigung zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten bezw. einem Jahr drei Monaten verurteilt. Drei Angeklagte er­hielten Geldstrafen von 1200 bis 6000 Mark. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, gegen zwei wei­tere wurde das Verfahren eingestellt. Hinsichtlich der Hauptangeklagten wird außerdem auf Einzie­hung eines Geldbetrages in Höhe von 850 000 Mark als Wertersatz erkannt: ferner werden 128 000 Mark Wertpapiere eingezogen.

Schweres Unwetter über Budapest.

In und um Budapest ging ein furchtbares G e« witter nieder, begleitet von einem Wirbelsturm und Wolkenbruch. In den umliegenden Bergen er­gossen sich wahre Sturzbäche in die Stadt. Die meisten Bezirke waren während des Unwetters ohne Beleuchtung, da die Räume des Elektrizitäts­werkes unter Wasser standen. Auch der Straßen­verkehr war stundenlang lahmgelegt. In den Vor­städten mußten etwa 30 Häuser wegen Einsturz- gefahr geräumt werden. In Pomaz stürzten 14 von Zigeunern bewohnte Baracken ein. Ferner wurde ein Waisenhaus überschwemmt. Der Anstaltspfar­rer, der sich in die Fluten gestürzt hatte, um einen mit der Wiege fortgeschwemmten Säugling zu ret­ten, ist ertrunken. Auch aus der Provinz wer­den schwere Unwetterschäden gemeldet.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Von Westen her bringt unter kräftigem Druck­anstieg kühle Meeresluft auf das Festland vor. Der Höhepunkt der Schönwetterlage und der starken Er­wärmung dürfte daher bei uns heute erreicht wer­den. Und es kann für Westdeutschland schon im Laufe des Mittwochnachmittag mit dem Einsetzen verbreiterter Gewittertätigkeit gerechnet werden, die von dort aus rasch ostwärts weitertreibt. Damit wird die Witterung zunächst etwas unbeständig, doch ist eine durchgreifende Umgestaltung nicht wahr­scheinlich.

Aussichten für Donnerstag: Nach Der- breitetet Gewittertätigkeit zunächst meist wolkig und noch einzelne, teilweise gewittrige Nachregen, bei westlichen Winden kühler.

Aussichten für Freitag: Vielfach heiter und neue Wärmezunahme, doch nicht störungsfrei.

Lufttemperaturen am 25. Mai: mittags 28,1 Grab Celsius, abenbs 18,6 Grab: am 26. Mai: morgens 17,2 Grab. Maximum 28,7 Grab, Minimum heute nacht 13,6 Grab. Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Mai: abenbs 24,1 Grab: am 26. Mai: mor­gens 18,7 Grab. Sonnenfcheinbauer 12,2 Stunben.

Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik unb für bie Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. IV. 37: 9657. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei R. Lange, K.-G., jämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags

15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Neuausgabe 4937 erscheint Mitte Juni

Gießen (Seltersweg 75 III), Frankfurt/M., Marburg/L., 26. Mai 1937.

02664

Alphabetisches Einwohner- und Firmenverzeichnis

Nach längerer Krankheit entschlief sanft am 24. Mai unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

Zu jedermanns Einsichtnahme liegen am 27., 20. und 29. Mai im Adreßbuchverlag, Schulstraßei (II. Stock), Eingang Kaplaneigasse, täglich von s -42 und 14-43 Uhr, offen:.

Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 27. Mai, nachmittags 3 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt

Adreßbuch

der Stadt und des Kreises Gießen

Frau Lina Dörr Wwe., geb. Rühl

im 72. Lebensjahre.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hans Heuser und Frau Clara, geb. Dörr Philipp Hamm und Frau Marie, geb. Dörr Christine Rühl

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Aerzteverzeichnis (Unsallmeldestetten)

Abschnitt NSDAP., Deutsche Arbeitsfront, Kreishandwerlerschast, Verbände, Innungen, Vereine und Kassen

Handels- und Gewerbeverzeichnis

Oie zuständige Einwohnerschaft, Aerzte und Geschäftsleute Gießens, die beteiligten Behörden, Partei-Dienststellen und -Gliederungen und öffentlichen Körperschaften, Vereinsführer usw. werden um Prüfung der Einträge auf Dichtigkeit und Vollständigkeit hiermit dringend gebeten. 3m Hinblick auf die Schwierigkeiten in der Beschaffung der notwen­digen Unterlagen und der längeren Herstellungsdauer des Adreßbuches kann für Fehler und Unrichtigkeiten keinerlei Haftung übernommen werden. Es empfiehlt sich insbesondere die Einsichtnahme in die Ver« zeichniffe durch Hausbesitzer und Mieter, die seit der Hauslistenauf­nahme umgezogen sind.

Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen

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