Ausgabe 
24.3.1937
 
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to.ZO Zweiter Blatt Metzen« Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Mittwoch, Zg.^ IM

Mr den Büchertisch.

Autobahn von Mer zu Meer

Sas wir vom Weltkrieg nicht wiffen

Werkes geben können. Frontkämpfer und junge

Friedrich W. Lange.

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Goethe und Christiane.

Goethes Ehe in Briefen. Neue Aus­gabe, ungekürzt in einem Band. Herausgegeben von Hans Gerhard Gräf. Mit einer Darstellung der Ehegeschichte von Dr. W. v. W a f i e l e w f k i. Mit 12 Bildtafeln und einem Brief-Faksimile. LXXIII und 789 Seiten. Bütten und Loening Ver­lag, Potsdam 1937. (600) Dieses Buch ist nicht nur von vielfältiger literarischer und bio­graphischer Bedeutung, sondern wird vor allem als menschliches Dokument von unerschöpflicher An­ziehungskraft seinen Wert immer behalten; in dem Briefwechsel zwischen Goethe und Christiane vor und während ihrerlegitimen" Verbindung spiegelt sich das Wesen beider/ vor allem Christianes Bild mit einer erfrischenden Natürlichkeit und Unmittel­barkeit. Ihre Gestalt und GoethesGewissensehe" mit ihr sind von Anfang an bis in unsere Zeit hin­ein zahlreichen Mißverständnissen und sehr übel­wollender Kritik ausgesetzt gewesen. Die Zeitgenos-

Wörterbücher.

Trübners Deutsches Wörterbuch. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wortforschung herausgegeben von A l f r e d G ö tz e. Dritte Lieferung: S bis schicklich. Preis 1 Mark. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leip­zig 1937. (36.) Wir haben Ende vorigen Jah­res die beiden ersten Lieferungen des Werkes an­gezeigt, das unter der verantwortlichen Oberleitung des Gießener Germanisten Alfred Götze erscheint; die dort aufgestellten Grundsätze gelten auch für den vorliegenden Teilabschnitt, dereine gefürch­tete Stelle des Alphabets" entschlossen in Angriff nimmt. Aus dem Vorwort des Herausgebers scheint uns auch der Hinweis auf Verbreitung und Kultur­aufgabe des Lexikons unter den Deutschen im Auslandevon Kalifornien im Westen bis Ja­pan im Osten" grundsätzlich wichtig. Unter den Wortaeschichten der dritten Lieferung fanden wir besonders lehrreich und lesenswert die Artikel sackerlot, Salamander, Sammelsurium, Sau, Sauer­kraut, Schabernack, Schäferstunde, schaffen, Schalk, scharwenzeln, Schatten, Scheibe, Schelm, Schemen, schenken, Scherz und Scheusal.

Hans Thyriot.

Der große Duden, Rechtschreibung, Stilwörterbuch und Grammatik in einem Band in Ganzleinen gebunden 12,50 Mk., Bibliographisches Institut, Leipzig C 1. (51.) Die durch zehn Auflagen von einem Menschenalter erprobte Arbeit Konrad Dudens, hat ihre Berech- tigung erwiesen. Die Sprache als lebendiger Kör­per, als wertvolles und sorgsam zu hütendes Gut unseres Volkes, unterliegt geistigem Wandel ebenso wie sie ihn heraufzuführen hilft. So galt es, in jeder Auflage neue Strömungen zu fassen und alte nicht mehr gebrauchte Fahrtrinnen zuzuschütten. Sprachliche Neuschöpfung verlangte gebieterisch Auf­nahme. Aber nicht jede vielleicht einmalige und rasch wieder vergessene Prägung brauchte verzeich­net zu werden. Frenckiwörter wurden erklärt, aber auch Verdeutschungen sind in reichem Maße aus­genommen worden. Gibt die Rechtschreibung an wie das einzelne Wort richtig geschrieben wird, so bringt das Stilwörterbuch eine Samm­lung der richtigen und gebräuchlichen Verbindungen, Redensarten, Wandlungen oder Wortgruppen von volkstümlichen Ausdrücken bis zum Satzgebilde des Sprachgelehrten und den Worten der Dichter. Pro­fessor Geißler (Erlangen) hat ihm eine lebendig geschriebene Einleitung vorangestellt. Der dritte Teil des umfangreichen Werkes enthält eine Gram­matik der deutschen Sprache als Anleitung zum Verständnis des Aufbaues unserer Muttersprack)e von Dr. Otto Basler bearbeitet, der auch die bei­den anderen Teile neu herausgegeben hat. Hier wird die Sprache der Gegenwart nach Laut, Wort, Wortformen und Satzbildunq in ihrer vielfältigen Formung und in starker Wandlungsfähigkeit be­handelt, ohne daß die Darstellung mit sprach­geschichtlichem Wissen über Gebühr beschwert wäre. Die drei Teile des umfangreichen Merkes sind nicht nur Lehrer und Schüler ein nützliches Handbuch, sondern werden jedem, dem es um seinen eigenen guten Stil wie um die Erhaltung unserer Mutter­sprache geht, willkommen fein.

Autostraße vom Stillen zum Atlantischen Ozean, wie sie Hedin vorschwebt, würde wirtschaftspolitisch von ungeheurer Bedeutung sein, sie würde aber, was der Regierung in Nanking natürlich besonders einleuchtete und sie zur Ausrüstung dieser Expedi­tion bestimmte, in ihrem ersten Teil den sehr viel näherliegenden Zweck erfüllen, das von der Zen­tralregierung kaum noch beeinflußte Sinkiang wie­der fester mit China zu verbinden und es vor dem Schicksal der Mandschurei, Tibets, Jehols und der Inneren Mongolei bewahren. Diese amtliche Mis­sion hat der Reise Hedins ungeheure Schwierig­keiten bereitet. Denn nicht nur mußte der For­scher überall mit der Unsicherheit der Straßen durch mongolische Räuber rechnen, seine Hauptgegner waren die rivalisierenden Generale, die in ihm un­berechtigterweise den Spion der Zentralregierung witterten. Von seinem Zusammenstoß mit dem Großen Pferd" dem General Ma Chung-yin, hat Hedin schon berichtet, hier erzählt er von seinem sich über Monate hinstreckenden unfreiwilligen Aufenthalt in Urumtschi, der jämmerlichen Residenz des siegreichen Rivalen und Beherrschers Sinkiangs Shengtupan. Hier geraten wir mit der Expedition Sven Hedins in das politische Kraftfeld Sowjet­rußlands, das sich in Shengtupan einen gehorsamen Degen gegen Japan und China zu sichern suchte. Nachdem Hedin dem mißtrauischen General endlich entwichen ist, beginnt die Rückfahrt entlang der alten Kaiserftraße, die häufig die berühmte Große Mauer kreuzt. Herrliche Landschaftsbilder, inter­essante Bauten, aber auch ein Volksleben voll tiefer Armut, politischer Unsicherheit, Unbildung und Ver­kommenheit sind die Eindrücke dieser letzten Reise­etappe. Das Buch, das wieder eine Fülle interes­santer Bilder und Zeichnungen enthält, ist nicht nur der ungemein fesselnde Fahrtenbericht unseres bedeutendsten Asienforschers, sondern auch eine sehr aufschlußreiche Schilderung der politischen Verhält­nisse an einem der Brennpunkte der Großen Po­litik der asiatischen Mächte.

Friedrich W. Lange.

sen teilten keineswegs alle das Urteil der guten Frau Rat in Frankfurt, die einmal an ihren Sohn 1 schreibt:Du kannst Gott danken; so ein liebes herrliches unverdorbenes Gottes Geschöpf findet man sehr selten." Kein besseres Motto, bemerkt der Der- lag mit Recht, könnte man diesem Briefwechsel voranstellen; ihn veröffentlichen hieß, wie der Her­ausgeber es formuliert,nichts anderes als endlich die Akten vorlegen, die Urkunden aufdecken, aus denen jedermann mit eigenen Augen ersehen kann, wie es denn eigentliä) ist; war also weder eine Taktlosigkeit, noch eine Befriedigung gemeiner Neu­gier, sondern im Gegenteil lediglich eine Pflicht des Anstandes und der Dankbarkeit." Wer diesen Band nur durchblättert, wird das bald bestätigen; doch lohnt es sick) sehr, nicht bloß zu blättern, sondern aufmerksam zu lesen, denn von hier aus gewinnt man nicht nur ganz persönliche und wesentliche Ergän­zungen zum Bilde Christianes und Goethes selbst: auch ein wahres und ungeschminktes Bild ihres Ver­hältnisses zueinander und ihrer Ehe, die, wie sie sich in den Briefen malt, weder unglücklich noch un­würdig gewesen sein kann. Es wird zwar niemand nach der Lektüre ins andere Extrem fallen und sagen wollen, Christiane seidie einzig passende Lebensgefährtin für Goethe gewesen". Wer das hätte sein können, darüber wird man sich wohl niemals einigen können, und jede Erörterung dar­über ist im Grunde müßig und unfruchtbar; daß Goethe Christiane nicht nur respektiert und geachtet, sondern wirklich geliebt hat, kann nach diesen Zeug­nissen jedenfalls nicht zweifelhaft sein. Schade nur, daß sie nicht vollständig erhalten sind; insbesondere von Christianes Briefen fehlen viele; immerhin be­läuft sich die Zahl der vorhandenen insgesamt auf 601; davon stammen 354 von Goethe, 247 von Christiane; auch der kleine August ist, meist in rüh­rend kindlicher Weise, daran beteiligt. Im übrigen und aufs Ganze gesehen, sind diese Briefe richtige Ehe-Briefe; es ist viel Alltag und Haushaltswesen darin enthalten, man wirft einen Blick in das täg­liche häusliche Leben eines großen Menschen, und niemand kann behaupten, daß sein Bild dadurch in etwa beeinträchtigt würde, denn immer wieder wird der Blick über das Tägliche hinaus auf die bedeu­tende Persönlichkeit, auf das Werk, auf die Um­welt und den bewegten Hintergrund der Zeit ge­lenkt; und oft genug spiegeln sich auch darin schwere Schicksale und seelische Erschütterungen, wie der frühe Tod der Kinder, der unersetzliche Verlust Schillers und die Kriegswirren des Jahres 1806. Der Briefwechsel ist durch Ueberleitungen und kurz zusammenfassende Einschaltungen des Herausgebers verbunden und in den gehörigen Zusammenhang gerückt. Der allgemeinen Einführung und dem Ver­ständnis im Ganzen wie im Einzelnen dienen das Vorwort des Herausgebers und die maßvoll ab­wägende und überschauende Darstellung der Goethe- schen Ehe von W. v. Wasielewski. Die Erläuterungen am Schluß erhalten eine Fülle von Stoff und an­regenden Hinweisen. Ein schöner und wertvoller Schmuck des stattlichen, gut ausgestatteten Bandes sind die in den Text eingestreuten Bilder.

Hans Thyriot.

Fritz Reuter mit Silbern.

_Fritz Reuters Werke, neubearbeitet von Dr. W. Seelmann und H. Brömse, mit Federzeich. nungen von Fritz Koch-Gotha und einem Vorwort von Friedrich Griese. 12 Bände. Preis je Band in Leinen gebunden 1,90 Mk. Verlag des Bibliographi- schen Instituts in Leipzig. (49) Nicht neu ist die Feststellung, daß das Lesen mancher Bucher aus Kranke geradezu eine heilsame Wirkung habe. Wenn man eine Liste solcherheilender" Bücher aufstellt, wird man an erster Stelle die Werke Fritz Reuters nennen müssen. Man braucht nur eine halbe Stunde Reuter zu lesen, dann sind alle Sorgen und alle Nöte verflogen. Sein Humor, fein gütiges Ver­ständnis für die Schwächen und Sonderbarkeiten der Menschen, sein tiefer Lebensernst gehören zu den wertvollsten Schätzen unseres Volkstums.Er hat durch seine Poesie das Herz erfreut, das Leben ver­schönt", rühmte ihm Gustav Freytag nach.Hundert­tausende haben durck) ihn das Bewußtsein erhalten, wieviel Wärme, Liebe und Poesie auch in ihrem mühevollen Leben zutage kommt. Sie sind alle durch ihn freier, reicher und glücklicher geworden!" Die plattdeutsche Mundart, die auch der Süddeutsche beim Lesen rasch verstehen lernt, gibt der im Volks­leben verwurzelten Erzählerkunst Reuters ihren eigentlichen Reiz, den keineUebersetzung" wieder­zugeben vermöchte. Die besonderen Vorzüge der neuen Reuter-Ausgabe bestehen hauptsächlich in ihrer äußeren Aufmachung: Man bekommt nicht dicke Klassikerbände" in der üblichen Ausstattung mit engem, schwer leserlichem Druck, sondern schlanke, modern ausgestattete Bände in sandfarbenem Leinen, der Text in schöner großer neuzeitlicher Fraktur- schrift, auf blütenweißem Papier gedruckt, so daß es an sich schon ein Genuß ist, ein solches Buch in die Hand zu nehmen. Der Herausgeber, Professor Dr. W. Seelmann ist einer der besten Kenner Reuters und der niederdeutschen Literatur. Als Mitarbeiter für diese Ausgabe wurde Professor Dr. H. Brömse gewonnen. Die Urfaffung der plattdeutschen Sprache Reuters ist mit allen Besonderheiten beibehalten worden, um seine dichterische Eigenart nicht zu ver­fälschen. Die schwierigsten Ausdrücke sind in kurzen Fußnoten erläutert, alle wissenschaftlichen Anmer­kungen jedoch im letzten Band vereinigt, damit der Genuß beim Lesen durch sie nicht beeinträchtigt wird. Besonderen Wert erhält die Ausgabe durch die Vor­rede Friedrich Grieses, des bedeutendsten meck­lenburgischen Romandichters der Gegenwart. Eine besondere Ueberraschung dieser neuen Reuter-Aus­gabe sind die Illustrationen FritzKoch-Gothas. Hier ist der Meister des Zeichenstifts, den man ge­meinhin nur als Karikaturisten in Witzblättern u. ä. kannte, vor eine dankbare Aufgabe gestellt worden, und der große Humorist Fritz Reuter hat endlich seinen kongenialen Illustrator gefunden. Das Zeit­kolorit, die Eigenart der niederdeutschen Landschaft hat Koch-Gothas Kunst ebenso feinsinnig erfaßt wie die ganz besondere Art des Reuterschen Humors. Schon um dieser Illustrationen willen verdient diese neueKlassiker"-Ausgabe Beachtung.

Deutsche Erzähler.

Theodor Bohner: Das Licht und se.in Schatten. Roman. 238 Seiten. Brosch. 3,50 Mark, Ganzleinen 5 Mark. Im Propyläen- Verlag, Berlin. (73) Was dieses Buch be­merkenswert macht, scheint uns zunächst der Um­stand zu sein, daß es wirklich und mit Recht ein Roman genannt werden darf was man nicht von allen Erzählungen sagen kann, die unter diesem Namen erscheinen und zwar nicht so sehr wegen der Breite des Lebensausschnittes oder der Fülle der Handelnden; der Lebensausschnitt ist gar nicht so besonders breit, und die Zahl der Gestalten im Vordergründe gering. Romanhaft im gültigen Sinne wirkt aber die Verknüpfung und Ueberschneidung der Schicksale, romanhaft auch, wie in eine kleine, umgrenzte, vermeintlich gesicherte und unangreif­bare Welt das Abenteuer mit aller Verlockung ein­bricht aus jener größeren und ferneren Welt, die etwa mit den Namen von Bohners früheren Büchern umschrieben werden könnte. Was uns an diesem Buche gefällt und uns anregt, ist ein stiller Humor und jene einfache Wirklichkeit oder Lebens­nähe vieler Szenen, bei deren Lektüre man emp­findet: so geht es wahrhaftig oft unter uns zu, das könnten deine Kinder oder deine Frau auch gesagt und getan haben. Mann und Frau das sind die beiden Elementarkräfte, aus denen die äußere und die innere Spannung des Romans sich entwickeln, einer Ehegeschichte, ja einer Liebesgeschichte sogar mit vielen alten, nie veraltenden Gegenständen und Motiven des Lebens und der Erzähler. Zwischen Licht und Schatten, zwischen Tod und Geburt, zwischen heimlicher Sehnsucht und selbstverständlicher Erfüllung, zwischen Wunschbild und Wirklichkeit vollzieht sich alles, was hier geschieht. W»r etwa betroffen sein sollte, daß es am Ende nichtaut ausgeht, in der üblichen Romanweise, wird doch den guten, bejahenden und bleibenden Sinn des Geschehens nicht zu leugnen vermögen.

Hans Thyriot.

Georg Elert: Lege! über Haß und Liebe. Roman. PapM 4 Mk.; Leinen 4,80 Mk. Universitas Deutsche Verlags-AG. (65) Georg Elert läßt hier mit mit feinem psychologischen Ver­ständnis das Schicksal des SeglersPauled und seiner Mannschaft vor dem Leser erstehen. Schlicht und unsentimental erzählt er von dem Konflikt der

Parolen, sondern natürlich und sinnvoll gelöst. Ein­fach und kräftig ist dieses Thema gestaltet, ohne ge­dankliche Blässe, doch mit tiefer Einsicht in Menschen und Dinge.

Alfons von Czibulka: Der Hen­ker von Bernau. 145 Seiten. Ganzleinen 3,50 Mark. Cotta Verlag, Stuttgart 1937. (58) Czibulka ist unseren Lesern seit Jahren aus vielen Beiträgen im Feuilleton als vortrefflicher, tempe­ramentvoller Erzähler bekannt; feine Stärke ist die dichterische Formung historischer Stoffe. Hier haben wir die volkstümliche Fabel vom Grafen von Bernau, der ein unschuldiges Mädchen vom Schei­terhaufen rettet, indem er es vom Henker zum Weibe begehrt und mit ihr flieht. Die Freunde des Dichters werden auch in dieser Geschichte die früher oft bewährten und gerühmten Wesenszüge Czibul- kas wiederfinden: Humor und Spannung und eine kräftige, belebte und gesteigerte Schilderung.

Martin Luserke: Logbuch des gu­ten SchiffsKrake" D G I C. 78 Seiten mit 4 Bildern, einem Schiffsplan und einer Fahrten­karte. Zeltbücherei Band 24, gebunden 90 Pf. Lud­wig Voggenreiter Verlag, Potsdam. (56) Den größten Teil des Jahres lebt Luferke an Bord feinerKrake", der schwimmenden Dichterwerkstatt. Mit ihr befährt und erkundet er die Schauplätze feiner großen Romane und Erzählungen; hier er­halten sie Form und Gestalt. ImLogbuch" läßt der Dichter uns an einer Fahrt nach den Wikinger- inseln zwischen Jütland und Schweden teilnehmen. Die lockeren Aufzeichnungen erzählen von der aben­teuerlichen Fahrt und dem fröhlichen Leben mit feinen Gästen. Einige Aufnahmen sind dem Büch­lein zur Illustration beigegeben.

Sven Hedin: Die Seiden st raße. Mit 78 Abbildungen, 13 Zeichnungen und zwei Karten. Preis in Ganzleinen geb. 8 Mark. Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig. (55) Ein Sieb­zigjähriger ist es, der hier von seiner neuesten For­schungsreise in die Innere Mongolei erzählt. Die erstaunlichen Leistungen Sven Hedins, der, seitdem er 1885 als junger Student Asiens Boden zum ersten Male betreten hat, dem Erdteil der unend­lichen Weite bis zum heutigen Tage verhaftet ge­blieben ist, verdienen auch einmal unter diesem per­sönlichen Aspekt betrachtet zu werden. Denn wer kann ermesfen, was es bedeutet, länger als an­derthalb Jahre, davon zwei Winter hindurch mit durchschnittlichen Nachtfrösten von 20 Grad und weniger im Auto durch die oft weglose Wüste, die schluchtenreichen Gebirge, die an der Grenze Chinas bis zu 2700 Meter ansteigen, durch reißende Bäche, den ärgsten Feind des asiatischen Wanderers, zu fahren, als Obdach für die Nacht meist das Zelt, selten eine fragwürdige Unterkunft in einer der hier weit verstreuten kleinen mongolischen Siedlun­gen. Besonders erschwerend fiel ins Gewicht, daß zur Zeit der Reise Sven Hedings die Provinz Sin­kiang, das Hauptgebiet seiner Forschungen, Schau­platz heftiger Bürgerkriege war, in die die Expedi­tion Hedins sehr gegen ihren Willen hineingezogen wurde. Hedin hat hierüber schon in einem ersten, hier ebenfalls besprochenen BandDie Flucht des Großen Pferdes" berichtet. Dies neue Buch gibt gleichsam das Gerippe der ganzen Reise, ein drittes wird die Forschungen am Lop-nor zum Gegenstand haben. Sven Hedin hatte von der chine­sischen Nationalregierung den Auftrag erhalten, zu­jammen mit chinesischen Ingenieuren die Möglich­keiten einer Autostraße im Zuge der uralten Sei­denstraße zu erforschen, auf der vor vielen Jahr­hunderten die Kamelkarawanen mit der im We­sten so begehrten chinesischen Seide von der Küste des Stillen Ozeans durch die Wüsten Jnnerasiens den Handelsverkehr über Kaschgar, Samarkand und Stambul in die Mittelmeerländer herstellten. Eine

beiden Brüder, von den wartenden Frauen in der Heimat. Wir erleben eine durchaus männliche Welt, die den Einsatz aller Kräfte, Mut und Pflichterfül­lung bis zur Selbstaufgabe fordert. In dieser harten Welt von Abenteuer und Gefahr, Eintönigkeit und Preisgabe an die Elemente dient jeder dem Schiff und feiner Bestimmung. Wie das Auftauchen einer Frau für eine Weile die strenge Ordnung an Bord zu durchbrechen droht, den Haß zwischen den bei­den Brüdern zum äußersten entflammt, und die Mannschaft sich auflehnen läßt gegen die Launen­haftigkeit eines Weiberregiments, schildert Elert Überzeugend in diesem zu dramatischer Höhe anstei­genden Roman des SeglersPauled".

Georg Leitenberger: Der Lehrer. 291 Seiten. Ganzl. 4,80 RM. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. (57.) Die Welt der Schule, in der die unbekümmerte Frische jeder Jugend mit

dem ihr noch unverständlichen Anspruch des ver­antwortlichen Lebens zusammentrifft, ist der Ge­genstand, dieses Buches. Der Figur eines eigen­willigen, ganz untypischen und zunächst durchaus befremdlichen Lehrers sind die Schüler der Ober- klasse des Gymnasiums in einer kleinen süddeutschen Stadt gegenübergestellt. Zwei dieser Schüler sind in die Mitte der Handlung gerückt und deutlich herausgehoben; doch alle sind in ihrer Art einmalig und darum einprägsam charakterisiert. Zwischen Lehrer und Schüler nun wandelt sich die anfäng­liche Fremdheit zum Wissen umeinander, das, ohne die Altersunterschiede zu verwischen oder die Preis­gabe des eigenen Lebensstandpunktes zu verlangen, die kleinen Fährnisse privater Schicksale ebenso wie schließlich das große Erleben des Krieges als eine innere Kraft übersteht. Das ewige Problem der Väter und Söhne, des Seienden und des Wollenden erscheint so nicht in der Verkrampfung streitbarer'

allen Ecken und Enden die deutsche Rüstungsindu­strie lahmzulegen versuchten? Major von Roeder, der Leiter des Abwehrdienstes im stellv. General­stab, gibt hierüber ungemein aufschlußreiche Zu- jammenstellungen und Bilder. Besonders interessante Kapitel berichten über Entstehung und Entwicklung einer Reihe von technischen Neuerungen, von denen manche, wie der Kampfwagen, der Panzerzug, der Minenwerfer, der Flammenwerfer, die Flieger­bombe, das Gas u. a., heute selbstverständliches Rüstzeug der modernen Heere sind, die aber vor zwanzig Jahren noch vielfach in den Kinderschuhen steckten und erst zu den brauchbaren Waffen ent­wickelt werden mußten, wie sie uns im letzten Kriegsjahr zur Verfügung standen. Der sagenhafte 42-Zentimeter-Mörser uno die riesigen Langrohr­geschütze Professor Raufenbergers, Die seit März 1918 mit einer Schußweite von 120 Kilometer und einer Flugbahn, deren Scheitelpunkt 40 Kilometer über der Erde lag, die Festung Paris belegten, waren Meisterstücke deutscher Jngenieurkunst, denen unsere Feinde Gleichwertiges nicht an die Seite zu setzen hatten. Wenig genug wissen auch die meisten von uns Frontsoldaten vom Umfang des Einsatzes der Luftschiffe im Weltkriege und ihren tatsächlichen Leistungen, worüber Freiherr von Buttlar, der Kommandant des Luftschiffhafens Rhein-Main, interessante Angaben zu machen weiß. Nicht viel besser sieht es mit unserer Kenntnis vom tatsächlichen Einsatz der U-Bootwasfe aus, über Deren Entwicklung Konteradmiral Gayer berichtet. Ein sehr wichtiges, aber in seiner Bedeutung erst spät erkanntes Kapitel ist die Propaganda, die psy­chologische Einwirkung auf die eigene Truppe, die Heimatfront und den Feind. Strategisch aufschluß­reich sind die Beiträge der Generäle Kabisch und von Eisenhart Rothe über Schicksalsstunden im Weltkrieg, Krisen und Katastrophen im Feindlager und Friedensfühler. Wir haben in dieser knappen Uebersicht nicht ein annähernd vollständiges Bild von der Reiä)haltigkeit und Vielseitigkeit dieses

Was wir vom Weltkrieg nicht wif- f e n. Heraus gegeben von Walter Jost, Major und Leiter der Pressegruppe im Reichskriegsmini­sterium, und Friedrich Feiger, Direktor der Weltkriegsbücherei i. R. Mit 234 Abbildungen, Zeichnungen, Tabellen und Karten. Preis in Ganz­leinen geb. 22,50 Mark. Verlag H. Fikentscher, Leip­zig 0 5. (43) In den zwei Dezennien, die uns vom Weltkriege trennen, hat eine so unübersehbare Fülle von Veröffentlichungen alle auch nur ent­fernt mit der Geschichte des Krieges zusammenhän­gende Gebiete, sei es nach der strategischen, der volkswirtschaftlichen, der technischen, der psycholo­gischen Seite hin durchleuchtet, daß man daran zweifeln möchte, ob es noch etwas gibt,was wir vom Weltkrieg nicht wissen". Aber ein Blick in dieses umfangreiche Werk, zu dessen schöner und preiswerter Neuausgabe der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg das Ge­leitwort geschrieben hat, belehrt uns eines Besseren. Selbst der militärische Fachmann wird sich aus dem einen oder andern Beitrag über ein Sondergebiet der Kriegführung mit Nutzen unterrichten können. Für den Laien und besonders auch den ehemaligen Frontkämpfer, und für ihn ist dies Buch wohl in erster Linie gedacht, ist es geradezu eine Fundgrube des Neuen und Interessanten. Da für jedes hier be­handelte Sondergebiet selbstverständlich nur beste Sachkenner als Mitarbeiter gewonnen wurden, räumt das Buch mit vielen Legenden und falschen Vorstellungen auf, die sich namentlich in militär- technischen Fragen eingeschlichen und hartnäckig am Leben erhalten haben. Es setzt an ihre Stelle authentisches Material, Berichte von an leitender Stelle beteiligten Persönlichkeiten und eine Fülle für weite Kreise gewiß noch ganz unbekannter Bilder. Wer weiß z. B. etwas von der Arbeit der Ge­heimen Feldpolizei? Wer hat sich ein annähernd zutreffendes Bild vom deutschen und feindlichen Nachrichtendienst machen können, wie es hier von Oberst Nicolai, dem Chef des Nachrichtendienstes der Obersten Heeresleitung, und der berühmten -........ -------- v-

Mademoiselle docteur Dr. Elsbeth Schragrnüller Mannschaft werden es in gleichem Maße immer entwickelt wird? Wer namentlich von den alten wieder in die Hand nehmen, um mit seiner Hilfe Frontsoldaten hat einen Begriff von dem Umfang das innere Bild des großen Krieges zu klären und der Sabotageakte, die während des Krieges an zu erhellen. Friedrich W. Lange.