4 Meter Höhe 2 bis 4 Mark. Die angeführten Preise dürfen nicht über- und nicht unterschritten werden. Weihnachtsbäume über 4 Meter dürfen die cnrge- messenen Preise des Vorjahres nicht überschreiten.
Bitte des Sauarchivs der NSDAP, an alle Volksgenossen.
Auf der Gaukulturausstellung in der Feschalle in Frankfurt übte die Schau des Gau-Archivs mit seinen vielen Kampferinnerungen eine besondere Anziehungskraft aus. In geschlossener Form wurden in Vitrinen aus den Jahren 1920 bis 1933 einzigartige Dokumente des nationalsozialistischen Freiheitskampfes gezeigt, die Zeugnis ablegen von einer Zeit unsäglich harten Ringens um die Macht, vom Aufstieg Deutschlands aus seiner politischen Zerrissenheit zum geeinten, stolzen, freien Dritten Reich durch nichts als die Wahrheit, Kraft und Reinheit der nationalsozialistischen 3b ee.
In jahrelanger Kleinarbeit ist es dem Gauarchio der NSDAP, gelungen, manch' stolzes Dokument aus den Anfängen und den späteren Kampfjahren der Bewegung im Gau und im Reich zu erfassen und wertvolle, für die Parteigeschichte unersetzbare Dinge vor der Vernichtung zu retten. Das Archiv umfaßt bereits umfangreiches Material, doch gitt es, diese Sammlung unablässig weiter auszubauen unb zu vervollständigen, um einst ben nachfolgenden Generationen so vollständig als möglich ein Bild von dem Einsatz ihrer Väter für ihr deutsches Vaterland zu übermitteln. Darum ergeht erneut an alle Volksgenossen der Ruf:
Stellt das noch vorhandene Material aus der Kampfzeit der NSDAP, und auch das der einstigen Gegner, z. B. Flugblätter, Wahlplakate, Zeitungen, • Zeitschriften, Bilder, Broschüren, Karikaturen, Abzeichen, Uniformen usw. dem Gauarchiv, Frankfurt, Gutleutstraße 8/12, Telephon 30 381, zur Verfügung.
In der Hand des einzelnen Volksgenossen bedeuten diese Dinge nichts, im Archiv der Gauleitung Hessen-Nassau der NSDAP, bilden sie aber ein wertvolles Steinchen zu dem Mosaikbild eines unerhört harten und zähen Kampfes, der in Treue zum Führer verschworenen Männer um ein Deutschland der Ehre und Freiheit.
Gießener Stuoentenschast gratuliert.
Am gestrigen Montag konnte Reichsstudenten-- führer ^/-Standartenführer Dr. Scheel seinen 30. Geburtstag begehen. Die Gießener Studentenschaft richtete aus diesem Anlaß an den Reichs- studentenfuhrer folgendes Glückwunschtelegramm:
„Reichsstudentenführer Dr. Scheel! Ihnen, der Sie bas deutsche Studentenum zu einem starken Ast am Baume der deutschen Zukunft gemacht, durch die 10 Gesetze dem Studenten- tum Sinn und Inhalt gegeben und in so kurzer Zeit das Altherrentum zur Mitarbeit gewonnen haben, spreche ich zum 30. Geburtstag meine und der Gießener Studentenschaft herzlichsten Glückwünsche aus. Wir geloben stets treue Gefolgschaft. Heil Hiller! Fran ck."
Die Gießener Studentenführung hat ferner als kleines Geschenk dem Reichsstudentenführer Dr. Scheel ein Album mit Bildern aus der Tätigkeit und dem Leben der Gießener Studentenschaft, des Schulungslagers Gleiberg und mit Aufnahmen der Universitätsstadt Gießen gesandt. Wie uns noch mitgeteilt wird, wird Reichsstudentenführer Dr. Scheel zum Winterfest der Gießener Studentenschaft in der Dolkshalle am 4. Dezember erwartet.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 23. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, V» kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse D 10^, Wirsing, kg 8 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, V* kg 5 bis 6 Pf., 50 kg 5 bis 6 Mark, Rotkraut, kg 7 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, kg 15 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 8 bis 9, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffelm % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 20 Pf., 50 kg 10 bis 20 Mark, Birnen, Vi kg 10 bis 15 Pf., Nüsse 40 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Stück 8 bis 10 Pf.
Lufischuh und Schule
Deutschen die Forderung: „Arbeitet mit im Reichs-
Besonders auch auf dem Lande würde man den Krieg als furchtbar wütendes Schrecknis kennenlernen, denn der Feind würde bemüht fein, den Vieh- stand, die Ernte, die gefüllten Scheunen, kurz, die notwendigsten Lebensnerven des Volkes zu zerstören und dadurch das Volk kriegsmüde und moralisch zum Kriege unfähig zu machen. Besonders die fruchtbare Wetterau z. B. würde feindlichen Angriffen stark ausgesetzt sein können, da dieser reich gesegnete Landstrich nicht allzuweit der Reichsgrenze liegt.
Ein Volk nun, daß diese Gefahren kennt und seine Zukunft sicher stellen will, muß alle Kräfte anspannen, um ßanb und Leben, Herd und Scholle vor diesen drohenden Gefahren zu schützen. Es kann aber nur diesen Gefahren trotzen, wenn es von einem unbeugsamen, starken Wehrwillen beseelt ist. Jeder deutsche Mann, jede deutsche Frau, besonders über die deutsche Jugend, sie alle müssen
Achtet das Vorfahrtsrecht!
Oer Standpunkt des Reichsgerichts.
luftfchutzbund."
Unb gerade für die deutschen Erzieher hat dieser Rui erhöhte Bedeutung, und ihre Mitarbeit ist besonders nötig.
Zweifach kann diese Mitarbeit sein. Schon außerhalb der Schule, im RLB. muß sie einsetzen, denn die Behandlung des Luftschutzes im Unterrichte erfordert, daß der Lehrer selbst im Luftschutz ausgebildet ist und über alles genau Bescheid weiß. Es ist also eine enge Zusammenarbeit des NSLB. mit dem RLB. unbedingt erforderlich.
Der Luftschutzgedanke selbst aber muß auch im Lehrplan und in allen Fächern des Unterrichts die nötige Beachtung finden und eine ständige, eindringliche Aufklärung aller Schüler über Luftschutzfragen bringen. Denn gerade die Schüler sind es, die dann aufklärend und mahnend im Elternhause wirken und dadurch den Luftschutz zum Allgemeingut unseres Volkes werden lassen. Am guten Gelingen der seitherigen Derdunkelungsübungen hat die Schuljugend wesentlichen Anteil.
Elternabende geben Gelegenheit durch Vorträge unb Vorführungen aufklärend wirken zu können. Es ist die wichtigste Aufgabe für den Lehrer auf dem flachen Lande, durch seine Mitarbeit im Luftschutz, jeden Volksgenossen einsatzberett zum Luftschutz zu machen.
Dieser nationalen Aufgabe wird sich kein deutscher Erzieher verschließen , da es ja um die Zukunftgestaltung des deutschen Volkes geht.
Daß die Schule am Problem des Luftschutzes mit» arbeitet und daß die Schularbeit voll unb ganz in den Dienst am Daterlande gestellt ist, das beweist die Auswertung des Luftschutzgedankens im Unter- richt, wie sie bei der Leistungsschau der Volksschulen des Kreises zur Geltung kommt.
„Ein Volk, das sich untätig unb willenlos feinb-, Träger dieses Wehrwillens fein. Die Organisation, lieber Willkür preisgibt, hat seine Existenz ver- die michelfen will, diesen Wehrwillen hmein^utra- wirkt. Ein Volk aber, das ben eisernen Willen gen ins beutsche Volk, in jede Familie, ist der zur Selbsterhaltunq in sich trägt, wird auch den! Reichsluftschutzbund. Darum ergeht auch an jeden Gefahren aus der Luft erfolgreich trotzen." Diese s------- Wa,rha'
Worte unseres Reichsministers, Generaloberst der Flieger Hermann Göring, sollen Leitstern fein für die Luftschutzarbeit in der Schule.
Daß Luftschutz eine Lebensnotwendigkeit für unter Volk ist, wird schon jedem denken Menschen klar, wenn er die luftgefährdete Lage unseres Vaterlandes überschaut. Durch die gewaltige Entwicklung der Luftwaffe in ben letzten Jahren ist im Kriegsfälle jeber beutsche Ort in kurzer Zeit von feinb- lichen Flugzeugen erreichbar unb baburch bedroht. Wenn auch jeder Angrift in erster Linie gegen militärische Ziele gerichtet sein wird, so muß man „trotzdem auch auf dem flachen Lande mit der Möglichkeit derartiger Angriffe rechnen. Dadurch würde aber die räumliche Ausdehnung des Kriegsschauplatzes derart erweitert, daß unser ganzes Vaterland zur Front gehörte und es ben Schrecken fort« roäbrenber Luftangriffe ausgesetzt fein wirb.
Der Presfedezernent des Amtsgerichts Gießen teilt uns folgendes mit:
Die Bestimmungen über das Dorfahrtsrecht gelten grundsätzlich für jeden Verkehrsteilnehmer, also nicht nur für die Kraftfahrer. Die für das Vorfahrtsrecht wesentlichste Bestimmung des Absatzes 1 des § 27 der Reichs-Straßen-Derkehrsordnung sagt:
„An Kreuzungen und Einmündungen von Straßen ist bevorrechtigt, wer von rechts kommt; jedoch haben Kraftfahrzeuge unb durch Maschinenkraft angeiriebene Schienenfahrzeuge die Vorfahrt vor anberen Verkehrsteilnehmern; diese Regeln gelten nicht, wenn durch amtliche Verkehrszeichen eine anbere Regelung getroffen wirb."
Darüber, was dies bedeutet, herrscht nicht nur in der weiteren Oefsentlichkeit, sondern ganz besonders in ben Kreisen der Kraftfahrer unb Rab- fahrer selbst noch eine erhebliche Unwissenheit, die oft zu schweren Unfällen Anlaß gibt. Es ist daher angebracht, auf eine Entscheidung hinzuweisen, die in der „Juristischen Wochenschrift" Nr. 46 des Jahrganges 1937 abgedruckt ist und in der das Reichsgericht feine bisherige diesbezügliche Rechtsprechung nochmals zusammenfafsend u. a. das Folgende sagt:
Das Dorfahrtsrecht wird dann praktisch, wenn anzunehmen ist, daß sich zwei Kraftfahrzeuge etwa gleichzeittg im Schnittpunkt ihrer Fahrbahn treffen würden, wobei die Schnelligkeit beider Fahrzeuge, ihre Länge und ihre Entfernung vom Schnittpunkt zu berücksichtigen sind. In solchen Fällen muh der Dorfahrtspflichtige ben Dorfahrtsberechtigten grunbfätzlich vor sich vorbeilafsen. Nur bann darf er eine Kreuzung noch vor dem Vor- fahrtsberechttgten befahren, wenn er mit Sicherheit damit rechnen kann, daß er mit feinem Kraftfahrzeug ohne jede Gefährdung anderer noch vor dem Vorfahrtsberechtigten über die Kreuzung Hinwegkommen werde. Dabei muß der Vorfahrtspflichtige berücksichtigen, daß er dem Dor- fahrtsberechtigten freie Weiterfahrt ermöglichen muß; er muß also dessen Fahrbahn so frühzeitig
überschritten haben, daß dieser nicht etwa einen Zusammenstoß befürchten und aus Vorsicht bremsen muß, weil der Vorfahrtspflichtige zu knapp an ihm vorbeifährt. Der Vorfahrtspflichtige darf nicht in der Erwartung in die Kreuzung einfahren, daß der Dorfahrtsberechtigte ihn noch vorbeilafsen, also ab« stoppen werde, um ihm die Vorfahrt zu ermöglichen. Insbesondere darf der Vorfahrtspflichttge, der früher an die Kreuzung gelangt, sich aber mit geringerer Geschwindigkeit als der Vorfahrtsberechtigte bewegt, nicht deswegen das Vorfahrtsrecht des anderen schmälern, weil er früher als der Vorfahrtsberechtigte an die Einfahrt der Kreuzung gelangt ist.
Also Grundsatz: Nur mit gr,ößter Vorsicht an jede Straßenkreuzung, insbesondere an solche Straßen heranfahren, die als nach beiden Richtungen vorfahrtsberechtigt durch die weiß-roten Dreiecke in den einmünbenben Nebenstraßen befon- bers gekennzeichnet sinb. Bedenkt man, daß in dem angeblich fortschrittlicheren Amerika vor der Einfahrt in eine derartige Dorsahrtsstraße (im engeren Sinne) jedes einfahrende oder kreuzende Fahrzeug völlig anhalten muß und erst bann weiter- unb einfahren darf, so ist das, was die Reichs-Straßen- Verkehrsordnung und mit ihr das Reichsgericht vorstehend als Mindestmaß der anzuwendenden Sorgfalt verlangt, ebenso selbstverständlich, wie im Interesse eines jeden Derkehrsteilnehmers geboten.
Dies alles gilt also grundsätzlich nicht nur gegenüber Straßen, die als vorfahrtsberechtigt besonders gekennzeichnet sind, sondern an jeder Straßenkreuzung gegenüber jedem DorfahrtsberechtiAen. Dem Vorfahrtspflichtigen steht nach ständiger Rechtsprechung des Reichsgerichts kein Recht zu, das Vorfahrtsrecht dessen, der von rechts kommt, etwa deshalb zu schmälern, weil er, der Pflichtige, früher an die Einfahrt in die Kreuzung gelangt ist, als der von rechts kommende Dorfahrtsberechtigte. Er muß warten, bis dieser vorbei ist.
*
Auch die neue, ab 1. Januar 1938 geltende Straßenverkehrsordnung ändert an den vorstehenden Grundsätzen nichts.
Vlandine seht sich durch
Vornan von
Hans-Joachim Freiherr» von Reihenstein
Copyright by Carl Ouncker
30 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Um was handelt es sich?" Sie versuchte, sachlich zu werden.
„Ein Wechsel Ihres Herrn Gemahls. Er ist nach seinem Tode fällig geworden. Sie haben inzwischen seine Erbschaft nicht ausgeschlagen?"
„Nein", sagte Lucienne erstaunt. „Weshalb sollte ich bas getan haben?"
„Dann haben Sie sie also mit Aktiven unb Passiven angetreten", konstatierte er und hielt ihr das Papier zur Ansicht hin.
„Erkennen Sie die Schrift?"
„Gewiß." Sie mußte sie doch erkennen. Es war die gleiche Handschrift, in der das Liebeslied an sie geschrieben war.
Was ich dir danke, wissen die Sterne — —
Nun, er sollte auch droben über den Sternen sich nicht in ihr getäuscht haben. Sie würde keinen Flecken auf sein Andenken kommen lassen.
Sie beugte sich über das Papier und las „Dier- zehntausend".
Sie schellte und ließ Ida die Schmuckkassette bringen. Mit zitternden Fingern entnahm sie ihr das Scheckbuch.
Dann schrieb sie einen Scheck über vierzehntau- send Mark aus.
Lucienne ging zurück an den Flügel. Sie nahm das Notenblatt wieder vor unb spielte noch einmal ihr Lieb. Unb roieber flössen Tränen.
Da kam eine neue Unterbrechung. Durch Iba ließ Frau Hertel fragen, ob ihr Besuch recht wäre.
„Führen Sie Frau Hertel in mein rotes Bouboir!" sagte Lucienne.
Es war das verschwiegene Zimmer am Ende ber Flucht, in bem ihr Harry sie in der ersten Zeit ihrer Ehe so oft besucht unb geliebkost hatte. In ben letzten Jahren war es fast unbenutzt geblieben. Es lockte sie, in biesem Raum über sein Liebeslied nachzusinnen, davon zu sprechen.
Sie nahm es mit hinüber. Dabei entdeckte sie auf der Rückseite des Notenblattes Zahlen, die sie nicht verstand. Harry mußte ba irgenb etwas ausgerechnet haben. Aber es gehörte offenbar nicht zu der Musik.
„Ich wollte mal nach Ihnen sehen, liebe jnäbje Frau", sagte Frau Hertel. Sie war in gut geschneidertem blauem Besuchskostüm unb überreichte Lucienne ein paar Rosen.
„Willkommen zu Hause. Ich mußte doch gucken, wie's Ihnen seht."
„Das ist lieb von Ihnen, Frau Hertel. Sie haben wirklich Interesse für mich. Nehmen Sie Platz. Haben Sie schon Kaffee getrunken?"
„Danke. Ich trinke immer um vier."
„Dann nehmen Sie aber ein Gläschen Wein. Warten Sie mal, bas ist überhaupt eine Idee. Können Sie nicht den Abend über bei mir bleiben? Meine Abende sind so bodenlos einsam. Sie würden mir eine große Freude machen."
„Wenn es Ihnen wirklich recht is, jnä' Frau? Ich habe nichts vor."
Ein Weilchen später saßen die beiden in tiefen, weichen Damastsesseln.
Lucienne trank Frau Hertel zu. „Auf all das, was wir geliebt haben!" sagte sie weich, mit einem traurigen versonnenen Lächeln.
Der ungewohnte Wein machte Lucienne warm.
„Und denken Sie doch", plauschte sie, „er war noch immer so in mich verliebt, baß er ein Lied komponiert hat, ein Liebeslied. Es ist an mich gerichtet. Ich spiele es Ihnen nachher einmal vor.
Sie schenkte die Glaser wieder voll.
Es war spät geworden. Lucienne hatte in der Ecke des Boudoirs decken lassen. Der elektrische Kamin glühte unb verbreitete Wärme unb Behaglichkeit. Ida hatte sie mit Delikatessen unb frischem Wein versorgt unb sich bann zurückgezogen.
„Wenn man zwölf Jahre strengste Diät gehalten hat, schmeckt es einem großartig", sagte Frau Molny und füllte bie Gläser. „Wir wollen nicht klagen, Frau Hertel. Wir sind zwar beide jetzt Witwen. Aber wir haben dock die Liebe tennengelernt, nicht wahr? Wir sino zwei alte Landsknechte des Lebens, liebe Frau Hertel. Darauf müssen wir anstoßen. — Ja, ja, wir kennen bas Leben, was? Uns macht man nichts mehr vor."
„Sie wollten mir noch bas Lied vorspielen. Ist es ein richtiges Lied zum Singen?"
„Ja", sagte Lucienne unb füllte von neuem die Gläser. „Aber einen Augenblick noch."
Sie ging in das Nebenzimmer und tarn wieder mit einer gerahmten Photographie von Harry. Sie hängte das Bild an die Wand und bekränzte es mit Blumen, die sie aus der Tischvase nahm.
„So, du sollst zuhören", sagte sie, „wenn dein Lied gelungen wird. Aber diese Feierstunde muß richtig begangen werden."
Sie läutete unb bestellte bei Ida Sekt.
„Inzwischen muß ich noch erzählen, was ich heute entdeckt habe. Denken Sie, der arme Junge hat Schulden gehabt. Er hat sie mir nicht zu beichten gewagt. Wahrscheinlich waren es Spielschulden. Denn ich hatte ihm ein für allemal verboten, mir damit zu kommen, nachdem ich ihm zweimal aus der Patsche geholfen hatte. Denken Sie nur, Frau Hertel, er hat feinen Ausweg mehr gesehen. Ein großer Wechsel war fällig. Und ba muß er beschlossen haben, in den Tod zu gehen! Und weil er wußte, wie sehr ich ihn liebte, da hat er mich nicht auf der Welt alleinlassen wollen."
Der Sekt wurde gebracht.
Als Ida eingeschenkt und sich entfernt hatte, sagte Lucienne:
„Das erste Glas dem teuren Verblichenen!"
Und sie erhoben sich beide und tranken im Stehen. Lucienne hatte Tränen in den Augen.
„Liebe Frau Hertel", sagte sie, „Sie sind der einziae Mensch, der mir geblieben ist. Und in diesem Augenblick", fuhr sie fort und setzte sich wieder, „in diesem Augenblick drängt es mich, Ihnen ein kleines Geständnis zu machen: ich heiße gar nicht Lucienne Molny. Ich heiße Lucie Müller unb bin in ber Gartenstraße geboren."
„Unb ich in ber Chausseestraße", entgegnete Frau Hertel gerührt, „janz dicht dabei."
*
Am nächsten Morgen erwachte Frau Molny mit einem schrecklichen Kater. Der ungewohnte Alkohol- genuß hatte nicht nur Kopfschmerzen erzeugt, son- bern auch äußerst schlechte Laune und eine trübe Weltanschauung.
Ihr Hauptgedanke, der sie belästigte, war: wovon hat eigentlich die Bank den Scheck bezahlt? Denn
*♦ Einbruch. Am Samstag kurz nach 22.30 Uhr wurde in der Filiale von Schade & Full« g r a b e in ber Bleichstraße 20 ein Einbruch verübt. Der Täter hob mit einem 55 Zentimeter langen Brecheisen ben Rolladen hoch unb gelangte nach Herausdrücken der Türfüllung in den Ladenraum. Entwendet wurden, soweit bis jetzt festgestellt wer- ben konnte, aus ber unverschlossenen Ladenkasse 20 Mark Wechselgeld, eine kleine Flasche Wein- brand-Derschnitt, mehrere Packungen Keks und Zigaretten. Am Tatort vorgefundene Spuren xei. gen, baß sich der Täter beim Herausbrechen der Türfüllung an der Hand verletzt hat Personen, die Wahrnehmungen über den Einbruch unb den Täter gemacht haben, werden gebeten, ber Kriminalabteilung Mitteilung zu machen. Die Angaben werden auf Wunsch vertraulich behandelt.
Aus der engeren Heimat.
Kreis-Geflügelschau in Sroßen-Bukeck.
wg. Großen-Buseck, 20. Nov. In diesen Tagen fand hier, veranstaltet vom Geflügelzucktverein Großen-Buseck, die 5.Kreis- geflugel-Ausstellung der Kreisfachgruppe Gießen in der hiesigen Turnhalle statt. Die Schau diente dem Zweck, Aufschluß zu geben über den Stand ber Geflügelzucht in ber Kreisfachgruppe. Am Freitag fanb die Prämiierung statt, am Samstag und Sonntag stand die Ausstellung der allgemeinen Besichtigung offen. Als Preisrichter waren Ludwig M o g k (Echzell), Wilhelm Seipp (Rüsselsheimund Robert Peil (Heskem) gewonnen worden. Es wurde ausgezeichnetes Zuchtmaterial zur Schau gebracht, so daß die Preisrichter eine schwere Aufgabe hatten. Der Sonntag brachte im Saale des Gasthauses „Zum kühlen Grund" eine Versammlung ber Geflügelzüchter der Kreisfachgruppe Gießen, an der Vertreter aller Vereine der Fachgruppe teilnahmen. Landesfachgruppenvorsitzender Georg Ackermann hielt im Rahmen dieser Versammlung einen Vortrag über bie Bedeutung ber Geflügelzucht. Er betonte die Notwendigkeit einer zielbewußten Geflügelzucht und wies darauf hin, daß es die Aufgabe der Züchter sei, die Zucht auf breitere Grundlage zu stellen und eine Mehrerzeugung an Eiern zu erstreben. Den einzelnen Vereinen sei bie Pflege befonberer Wirtschaftsrassen anempfohlen. Rassengeflügelzucht sei nicht als Spielerei an- zusehen, vielmehr komme es wesentlich auf eine tatsächliche Leistung an. Bis jetzt sei eine durchschnittliche Eiererzeugung je Henne und Jahr von 145 Stück erreicht worden; diese Leistung müsse aber noch bedeutend erhöht werden. In seinen weiteren Darlegungen sprach der Redner über die Gesunderhaltung der Tiere, über die Formen einer vorbildlichen Stallhaltung und über zweckmäßige Fütterung.
Im Anschluß an den Vortrag wurde gemeinsam die Ausstellung besichtigt. Die Schau war von 7 8 Züchtern des Kreises mit insgesamt 311 Tieren ber verschiebensten Arten unb Rassen beschickt. Für bie Aussteller war eine stattliche Anzahl von Ehrenpreisen gestiftet worben. Die nächste Kreisgeflügelschau wurde dem Geflügelzuchtoerei n Lollar übertragen.
Die Prämiierungs-Ergebnisse.
(RFE. = Reichsfachgruppen-Ehrenpreis, LBE. = Ehrenpreis der Landesbauernschaft, LFE. = Landes- fachgruppen--Ehrenpreis, E. — Ehrenpreis, Z. = Zuschlagsehrenpreis.)
Rhodeländer - Stamm, LBE. Friedrich Bauer, Gießen; Leghomstamm, LBE. Ludwig Jung, Großen-Buseck; Cayuga-Enten, E. Otto Heß, Lang- Göns.
E i n 3 e 11 i e r e. Hühner: Sussex, E. Otto May, Lang-Göns; Orloff rotbunt, E. Heinrich Becker, Allendorf a. d. L.; Wyandotten filber, Z. Alfred Jung, Großen-Linden; Rhodeländer, E. Friedrich Bauer, Gießen; RFE. Karl Stoll, Lang-Göns; E. Friedrich Bauer, Gießen; Kraienköppe silberh., Z. Heinrich Reufchling, Lich; Italiener silberh., Z. Wilhelm Schlosser, Klein-Linden; Italiener schwarz, Z. Georg Beimborn, Gießen; E. Karl Arnold, Großen-Buseck; Italiener rebhuhnfarbig, E. und Z. Willy Dechert, Lang-Göns; Italiener gestreift, E. Eduard Dietrick, Hartenrod; Z. Heinrich Dünfelder, Reiskirchen; Rneinländer schwarz, E. und Z. Wilh. Hankel, Lang-Göns; Z. Heinrich Reinhard, Allendorf a. d. Lba.; Hamburger Silberlack, Z. Georg Jung, Steinberg; Hamburger Goldsprenkel, E. Karl Espich, Lollar; Reichshühner weiß, Z. Heinrich Volk IL, Großen-Buseck.
Zwerghühner. Zwerg-Brahma, LFE. Heinrich Ruhl IV., Garbenteich; Zwerg-Langshan schwarz.
baß er schon vor ihrem späten Erwachen eingelöst sein würbe, das war ihr klar. Besaß sie überhaupt noch so viel Wertpapiere, daß ihre sonstigen Bankschulden gedeckt waren?
Sie tat einen alten warmen Morgenrock um unb ging an das antike Betpult. Sie mußte sowieso in ihren Bankabrechnungen Ordnung schaffen.
Was besaß sie eigentlich noch? Was war sie schuldig? Mußte sie Der Bank am Ende schon ihr Haus überlassen? Die besaß eine große Hypothek Darauf. Oder war es schon so weit, daß sie ihren Schmuck verkaufen mußte?
Sie verstand sich selbst nicht mehr! Wie hatte sie solchen Riesenblödsinn machen und, ohne bis aufs äußerste zu handeln und zu akkordieren, vierzehntausend Mark hergeben können. Der Gläubiger hätte sicher sehr viel weniger auch genommen. Jetzt hatte sie sich um ihr letztes Geld gebracht. Und womöglich nahm man ihr das Dach überm Kopf fort
Mürrisch schloß sie Das Dokumentenputt auf. Darin sah es unordentlich aus. Sonst hielt sie hier Ordnung.
Und mit der scharfen Witterung Der schlechten Laune, Die ein Opfer sucht, erahnte sie, daß jemand hier gekramt hatte.
Die Unfallpolice lag obenauf.
Wieso denn?
Sie wußte ganz genau, daß das kostbare Ding, das jeden Augenblick Bargeld für sie bedeuten konnte, und es ja nun auch tat, seinen Platz in der rechten unteren Ecke hatte.
Da stimmte etwas nicht.
Aergerlich stand sie auf und ging an Die Klingel.
„Else, Sie sind doch ein vernünftiger Mensch. Wissen Sie, ob in meiner Abwesenheit irgend jemand hier an dem Pult war?"
„3n anä' Fraus Abwesenheit in der Klinik sicher nicht", sagte Else bestimmt. „Denn ba hatte ich die Zimmer ^geschlossen, wie gnä* Frau mir hatten sagen lassen. Die Schlüssel hatte ich selbst eingeschlossen."
„Es hat aber jemand in meinen Sachen gekramt."
„Sonst noch wo, gnä* Frau? Oder nur hier?" ,Zck glaube, nur hier. Alles andere scheint mir in Ordnung zu sein."
. _ Fortsetzung folgt


