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Tatarescu, der Mann des Königs.

Keine Kursänderung in Rumänien.

Von unserem ständigen K.Gch.-Äerichierstntier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

B u k a r e st, November 1937.

Acht Tage hat die rumänische Regierungskrise doch gedauert wenn man sie überhaupt eine Krise nennen will; denn während bereits Miha- l a ch e beauftragt war, eine Regierung der N a - tionalzaranisten zusammen mit Vaida- Voevod zustandezubringen, war die Regierung Tatarescu noch gar nicht zurückgetreten, und nach dem Scheitern Mihalaches trat Tatarescu nur zurück, um erneut betraut zu werden. Wer in diesem Lande an eineKrise" geglaubt, wer an Tatarescus Wiederkehr gezweifelt hat, muß sich über die Verteilung der politischen Kräfte nicht im klaren gewesen sein oder der Wunsch war der Vater des Gedankens, wie bei allen jüdischen Zeitungen, die ein kommendes Kabinett Mihalache alsInformation" weitergaben.

Nein, daß Tatarescu wiederkommen würde, war für jeden ohne Zweifel, der sich alle mög­lichen Lösungen ansah. Der Auftrag des Königs an Mihalache war eine Geste der Loyalität vor der Verfassung. Der Führer der größten Oppositions­partei sollte die Chance haben, die ihm zu­kommt. Aber dieser Auftrag war an eine uner­füllbare Bedingung geknüpft: die National- za ran ist en sollten mit derRumänischen Front" Vaida -Voevods Zusammengehen, desselben Vaido-Voevod, der sich vor mehr als zwei Jahren von ihnen unter erheblichen Auseinander­setzungen getrennt hatte. Vaida-Voevods program­matische Sonderheit ist derNumerus walachicus, die Forderung, dem Rumänentum im Wirtschafts­leben Schutz und Förderung zu gewähren. Das richtet sich zunächst einmal gegen die Juden, und von allen rumänischen Parteien sind die National- zaranisten diejenigen, die den Antisemitismus aus ihren Reihen verbannen und daher lieb Kind der rumänischen Judenheit sind. Sei es dieses, sei es der persönliche Zwist, die Nationalzaranisten haben jede Verhandlung mit Vaida-Voevods abgelehnt, und Mihalache gab seinen Auftrag zurück.

Was bezweckte der König mit diesem Inter­mezzo? Wir sagten schon: es war eine Geste. Man kann nicht behaupten, daß sie die Nationalzaranisten versöhnlicher gestimmt hätte. Im Gegenteil, hoch gehen die Wogen der Empörung über die Libera­len, die (so lautet der Hauptoorwurf) an den Re­gierungssesseln klebten, statt nach vier Jahren von der politischen Bildfläche zu verschwinden und die Opposition in den Genuß der Macht kommen zu lassen. Von dieser nationalzaranistischen Gärung wird auch der Parteipräsident Mihalache betrof­fen, dem man den Mißerfolg seiner Politik zum Vorwurf macht. M a n i u , der Grollende, der sich aus Siebenbürgen nicht mehr herausgerührt hatte, ist heute wieder der kommende Mann in der Par­tei. Gerade die Anhänger Manius, seines unver­söhnlichen Gegners, wollte der König ebenso von der Regierunqsbeteiligung ausgeschaltet sehen wie die äußerste Linke, die ganz unoerhüllt die Volks­front betreibt. Vielmehr sollte die wachsende Rechts st römung im rumänischen Volke da­durch berücksichtigt werden, daß die am ehesten regierungsfähige Gruppe der Rechten, eben die Rumänische Front Vaida-Voevods, an der Regie­rung beteiligt worden wäre.

Das alles kann nicht darüber Hinwegtäuschen, daß der König die Nationalzaranisten nicht gewollt hat, und daß sein Entschluß von Anfang an fest­stand, eine neue Regierung der Libera­len zu bilden. Der König verlangte damit ein Opfer von dieser Partei, deren hinter den Kulissen wirkender Präsident, der alte Dinu Bratianu, der Meinung war, daß es genug sei, vier Jahre zu regieren, und daß man sich nunmehr in den wohl­verdienten Ruhestand zurückziehen solle. Aber dem Appell des Herrschers, der Notwendigkeit weiter zu arbeiten, hat sich die Partei doch nicht versagt, hat sich vor allem Tatarescu nicht versagt, ohne dessen Zutun diese neue, alte Regierung nicht zu- standegekommen wäre. Die Persönlichkeit Tatares­cus erklärt vollends das Festhalten König Carols an der Liberalen Partei. Zu seinem Ministerpräsi­

denten hat der rumänische König ein Verhältnis gefunden, das am besten dadurch zu umschreiben ist; Tatarescu ist der Mann des Königs. Er verbürgt vor allem die Stetigkeit jener Politik, die der König wünscht, im Aeußeren mehr noch als im Innern.

Das Kabinett hat dann doch noch einige Aende- rungen erfahren; Dinu Bratianu drang mit seiner Forderung durch, V a l e r Pop hatte keine sehr glückliche Hand bei der Behandlung der Minder­heiten gezeigt. An seine Stelle ist der General­direktor der Pietroschani-Kohlenbergwerke, Bujoi, getreten, ein reiner Wirtschaftsmann, kein Politiker. Einige Minister haben ihre Sessel miteinander ver­tauscht. Wichtiger ist die Rückkehr Manulescu- Strungas in das Kabinett, des Mannes, der seinerzeit als Handelsminister den Handels vertrag mit Deutschland abgeschlossen hat. Er bekommt ein eigenes Ministerium errichtet mit dem vielsprechenden Namen: Ministerium zur V e r - wertung der nationalen Erzeugnisse. Der neue Landwirtschaftsminister, Prof. Jone- f c u - S i s e t s ch t i, ist ein Vertrauensmann der nationaldemokratischen Partei Prof. I o r g a s. Die verbreiterte politische Grundlage", die Tatarescu herstellen sollte, nimmt sich also nicht sehr imposant aus. Vaida-Voevod, mit dem lange verhandelt wurde, ist außerhalb der Regierung gebliebe/i. Mit ihm und mit Jorga ist lediglich ein Wahlkartell zu- standegekommen, und die Zahl der zugestandenen Sitze beweist, wie sicher sich die Lieberalen wieder fühlen; sie werden die relative Mehrheit erhalten und damit zwei Drittel aller Parlamentssitze.

Haussuchung im Außenkommissariat.

Littvinow-Krisis?

Von unserer Berliner Schristleitung.

Zum zweiten Mal innerhalb von vierzehn Tagen hat die GPU. direkt in den unmittelbaren Amts­bereich des sowjetrussischen Außenkommissars L i t - winow-Finkelstein einbegriffen. Nachdem kürzlich eine Anzahl höherer Beamter des Außen­kommissariats ohne Vorwissen Litwinows ver­haftet worden war, erfolgte jetzt eine Haus­suchung im Außenkommissariat selbst. Dabei waren nicht weniger als 40 GPU.-Beamte sechs Stunden lang tätig. Da sie mehrere Lastautos voller Dokumente und Urkunden weggeschleppt haben, bedeutet das naturgemäß einen sehr stören­den Eingriff in den dienstlichen Geschäftsgang des Außenkomissariats. Das Gebäude des sowjetrussi­schen Außenministeriums liegt in Moskau etwa eine halbe Gehstunde nordwestlich vom Kreml ent­fernt, an der Ecke Dschersinski- und Warssonowjew- straße, nicht weit von der Politischen Verwaltung und der Staatsbank. Es enthält außer den amt­lichen Büros auch einen großen Teil der Ge­heimarchive für dieses Ressort, ferner eine der Wohnungen Litwinows und einige Wohnungen für hohe Beamte des Kommissariats. Bei der Durch­suchung hatte die GPU. der Form halber einen höheren Beamten des Außenkommissariats zuge­lassen.

Schon bei der Verhaftung der oben erwähnten höheren Beamten hatte Litwinow-Finkelstein erfolg­los bei Stalin zu intervenieren versucht. Auch sein neuer Einspruch gegen die Haussuchung und dem Abtransport zahlreicher wichtiger Akten ist ohne jede Wirkung geblieben. Daß zwi­schen Litwinow und dem gegenwärtigen Chef der GPU. schon seit einiger Zeit ein sehr gespanntes Verhältnis besteht, ist bekannt. Wenn die GPU. jetzt zu derartig weitgehenden Maßnahmen im per­sönlichen Dienstbereich des Außenkommissars schrei­ten konnte, so liegt darin eine neue Bestätigung der schon seit Monaten anhaltenden Gerüchte, wo­nach die Tage Litwinows gezählt sein sollen. Das

Dierundzwanzig Stunden lang sah es so aus, als ob die alte liberale Partei wiederhergestellt würde, wie sie vor der Absplitterung Georg Bratianus be­standen hat. Tatarescu hatte den Auftrag, eine Versöhnung mit Georg Bratianu her­beizuführen. Das ist ihm nicht gelungen. Georg Bratianu selbst hat erklärt, daß man sich über die Grundsätze nicht einigen konnte. Dazu gehört die Aufhebung des Belagerungszustandes, mit dem seit vielen Jahren regiert wird und auf den Tatarescu nicht verzichten wollte.

Ein Jahr Antikominternabkommen Deutschland - Japan.

Tokio, 22. Noo. (DNB.) Am 25. November 1936 wurde in Berlin das deutsch-japanische Ab­kommen gegen die kommunistische Internationale unterzeichnet. Die Feier, mit denen Japan der ein­jährigen Wiederkehr dieses weltgeschichtlichen Augen­blicks gedenkt, begann mit einem Empfang beim japanischen Ministerpräsidenten Fürst Konoye, an dem neben den Mitgliedern der deutschen und der italienischen Botschaft der japanische Staatsrat, das gesamte Kabinett, der Staatsbeirat mit den Generälen Araki und Uaaki sowie der Präsident des japanisch-deutschen Vereins Pamamoto teil­nahmen. Nach einer Ehrung des Führers und des Duce führte Fürst Konoye aus, daß der Zusammen­schluß der drei Völker Deutschland, Japan und Italien im Antikomintern-Abkommen zum Schutze gegen den kulturzerstörenden Bolschewismus erfolgt sei und somit dem Weltfrieden diene. An Stelle des erkrankten deutschen Botschafters dankte Botschafts­rat N o e b e l dem Fürsten. Das deutsche Volk hoffe aufrichtig, daß das Abkommen zur Vertiefung der Freundschaft zwischen den drei Völkern beitragen möge. Abends fand bei dem Chef des japanischen Generalstabes Feldmarschall F ü r st Kanin ein Staatsbankett statt.

- Vergebliche Vorstellungen bei Stalin.

wäre um so bedeutsamer, als das Außenkommissa­riat das einzige Ressort war, das bisher von der StalinschenSäuberungs"-Psychose verschont geblieben war. Wenn nun auch der GPU.-Chef in Sowjetrußland eine fast unumschränkte Macht hat, so erscheint es doch als ausgeschlossen, daß er gegen den bisher unantastbaren Außenkommissar nur auf eigene Faust vorgegangen sein sollte. Zweifellos liegen direkte Anweisungen Stalins vor. Nachdem Stalin nicht gezögert hat, binnen 24 Stun­den die acht bedeutendsten Armeeführer Sow­jetrußlands im Zusammenhang mit demFall Tuchatschewski" kurzerhand zu liquidieren, wären selbst weitgehende Eingriffe in das Außenkomissa- riat nicht mehr verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die sowjetrussische Außenpolitik sich schon seit etwa anderthalb Monaten in einer ausgesprochen kritischen Lage befindet.

Am bedeutsamsten aber an den oben geschilderten Vorgängen in Moskau erscheint die Tatsache, daß zum ersten Mal, seitdem die ersten Gerüchte um einen bevorstehenden Fall Litwinows auftraten, die amtliche sowjetrussische Zensur die Meldungen eng­lischer Berichterstatter unbeanstandet durchge- lassen hat, wonach die Amtstätigkeit Litwinows schon sehr bald enden werde. Man darf gespannt sein, ob Stalin seinem Außenkommissar einen rve- niger stillen Abgang von der öffentlichen Bühne gestatten wird als den vielen Tausenden, die im Verlauf der bisherigen Stalinschen Razzien den Weg allerVerdächtigen" in Sowjetrußland ge­gangen sind.

IS neue Todesurteile in Sowjetrußland

Moskau, 22. Nov. (DNB.) In A st r a ch a n wurden zwei Funktionäre der Wolga-Schiffahrts- verwaltung wegenkonterrevolutionä­rer Schädlingsarbeit" hingerichtet. Im Leningrader Gebiet wurden sechs Angestellte einer Viehzuchtfarm alsSaboteure" zum Tode verurteilt. In Samara sind zwei Angestellte einer Petroleumoerkaufs st eile wegen Unterschlagung und sowjetfeindlicher Umtriebe er­schossen worden. Im Gebiet von Nischni-

Die GPU. besucht Litwinow-Finkelstein.

Nowgorod wurden drei Funktionäre eines Ge« treidekontors zum Tode verurteilt und im Swerdlowsker Gebiet zwei Arbeiter hin, gerichtet, die auf den Bevollmächtigten einer Wahl, kommission einen Mord anschlag unternommen haben sollen.

Großzügige Ausgestaltung des Betriebssports.

Berlin, 22. Nov. (DNB.) Reichsorganisations. leiter Dr. Ley und Reichssportführer v. Tschäm, mer und Osten sprechen auf einer Kundgebung am 26. November anläßlich des ersten Spatenstiche; zu einer Betriebssportanlage im Deutschen Verlag, Hochhaus Tempelhof. Parallelkundgebungen finden in den einzelnen Gauen statt. Insgesamt werden im Reich in weit über 100 Betrieben die ersten Spatenstiche zu Sportplätzen, Schwimm­bädern, Kegelbahnen, Schießständen, Grundstein, legungen von Turnhallen, Hallenbädern und bie Uebergabe bereits fertiggestellter Anlagen an di« Gefolgschaften durchgeführt. Die Anlagen entstehe in Gemeinschaftsarbeit, die Betriebsfüh, rung stellt das Gelände wenn möglich in un­mittelbarer Nähe des Werkes und die Ban. Materialien zur Verfügung, während die ©efofy schäft unter sachkundiger Leitung ;n freiwillig^ Ueberstunden ihre eigenen Anlagen baut.

SleigendeAuSgabeu fürRadwegebau

Berlin, 22. Nov. (DNB.) Während im Jahre 1935 in Deutschland 3,4 Millionen Reichsmark für den Radwegebau aufgewandt wurden, hat sich diese Ausgabe für 1936 um fast 100 v. H. auf 6,5 Mil­lionen Reichsmark erhöht. Hiervon wurden allein von d^n Gemeinden und den Gemeindeverbänden für laufende Unterhaltung und In. standsetzung bestehender Radwege 594 407 RA, für den Umbau unb Ausbau bestehender Rad! wege oder vorhandener anderer Wege für den Rad. verkehr 1 054 170 RM. und für den ausgesprochenen Neubau von Radwegen 2 040 198 RM., zusammen einschließlich der Ausgaben für Radwegebauzwecke an Reichsstraßen 6 529 685 RM. zur Verfügung ge. stellt. Man sieht daraus, in welch erfreulicher Weise der Neubau von Radwegen Fortschritte gemacht und gegenüber dem Umbau und Ausbau bestehender Ser- kehrswege für den Radverkehr zugenommen hat. An dieser Tatsache sind natürlich vornehmlich die Ge« m e i n b e n beteiligt, die sich seit einiger Heil beson­ders intensiv mit dem Radwegebau beschäftigen müssen, da der zunehmende innerstädtische Verkehr dazu zwingt.

Weitere Beileidstelegramme in Darmstadt.

Wie schon kurz gemeldet, sandte der Führer und Reichskanzler dem Prinzen Ludwig von Hessen aus Anlaß der Flugzeugkatastrophe ein Beileidstelegramm. Es hat folgenden Wortlaut: An den Prinzen Ludwig! Ew. Kgl. Hoheit spreche ich zu dem entsetzlichen Unglück, das Sie und das Großherzogliche Haus betroffen hat, mein herzlich, ftes Beileid aus. Adolf Hitler. Der Stell­vertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß telegraphierte: Tief erschüttert durch die Nachricht vom Tode fast Ihrer gesamten oäter« lichen Familie spreche ich Ihnen zu dem furcht- baren Schicksalsschlag mein wärmstes Mitgefühl aus. Reichspropagandaletter Dr. (3 o ebbe// telegraphierte: Zu dem furchtbaren Verlust, itn Ew. Hoheit durch das entsetzliche Flugzeugunglück in Ostende erlitten haben, spreche ich Ihnen uni Ihren Familienangehörigen meine herzlichste uni aufrichtigste Teilnahme aus. Mit Hitlerheil Dr., Goebbels. Ministerpräsident Hermann (3 ö ring telegraphierte: Tief erschüttert über das- grauenvolle Unglück, das über Ihre Familie her., eingebrochen ist und fast zur Vernichtung führte,, spreche ich Ihnen mein und der deutschen Luftfahrt: tiefstes Mitempfinden aus. Worte des Trostes firrtii sinnlos gegenüber solch grauenvollem Geschehen.

Weitere Beileidstelegramme und -briefe gingeni ein vom Kaiser, Prinzessin Marie Luise von: Preußen, Herzog Karl Eduard von Coburg, dem König von Norwegen, Herzog von Con> n a u g h t, Außenminister Eden, General dec

Kunst und Volk.

Von Wilhelm Koffer.

NSG. Während der vergangenen Gaukulturwoche ist wiederholt davon gesprochen worden, daß sich Volk und Kunst zu beiderseitigem Nutzen zusam­menfinden müssen. Um es gleich vorwegzunehmen die Verbindung zwischen Kunst und Volk bedeutet weder für die Kunst eine ungeziemende Herab­setzung, noch für das Volk eine ungerechtfertigte Wertschätzung. Dies sei allen denen gesagt, die un­ter dem Alpdruck einer vermeintlichen Kunstprofa­nierung glauben, der künftigen Entwicklung deut­scher Kunst mit ängstlicher Sorge entgegensetzen zu müssen. Ohne dabei auch hier die grundsätzlichen Verneiner und notorischen Nörgler zu übersetzen, soll nicht verkannt werden, daß diese Besorgnis in den weitaus meisten Fällen einer Unkenntnis und Verständnislosigkeit nationalsozialistischer Kunstpoli- tik gegenüber entspringt, einer Verständnislosigkeit, deren letzte Ursachen im Wesen eines vergangenen Bildungsideals liegen, mit dessen Begriffen und Wertungen der Nationalsozialismus in vielen Punk­ten nicht einverstanden fein konnte.

Wenn die Ausrichtung auf das Volk zu einer Benachteiligung der Kunst fuhren soll, so muß folgerichtig dort die Kunst ihre stärkste Entwicklung erfahren, wo sie sich am weitesten vom Volke ent­fernt hat. Um einen solchen Zustand zu vergegen­wärtigen, bedarf es keines allzu langen Nachsin­nens. Die Jahre 1918 bis 1923 bieten uns ein Bei­spiel, wie wir es in seiner grauenvollen Eindring­lichkeit nicht stärker wünschen können. Die Tatsache, daß in einer an lebendigen Persönlichkeiten armen Zeit auch noch die meinigen Vorhandenen mit den Mitteln parlamentarischer Jntriguen und jüdischer Börsenpiraterie ausgeschaltet wurden, hatte eine Clique verantwortungsflüchtigerFachmänner" das Schicksal des deutschen Volkes und damit auch feiner Kunst in die Hände gelegt. Das war um so gefähr­licher, als zur gleichen Zeit ein in allen Künsten der Zersetzung erfahrenes und geübtes weltver- schworenes Judentum zum entscheidenden Vemich- tungskampf gegen die völkischen Kulturen des Abendlandes vorging. Die Zeit stand im Zeichen eines unerhörten Großangriffs auf alle durch eine jahrtausendealte Kultur geheiligten Wertbegriffe des deutschen Volkes und der europäischen Menschheit. In der Kunst führte das zu einem Niedergang, wie

wir ihn in diesem Ausmaß und Tempo zu keiner anderen Zeit der Weltgeschichte feffftellen können.

Wenn es die Aufgabe der deutschen Kunst ist, die Sehnsucht unseres Volkes nach Schönem und Erhabenem vollendet gestalteten Ausdruck in Wort, Ton, Stein und Bild zu verleihen, so muß von jener Nachkriegskunst gesagt werden, daß sie dieser Aufgabe nicht gerecht wurde und auch nicht gerecht werden wollte. Abgesehen von der überkommenen, aber immer mehr zurückgehen­den Pflege alter Meisterkunst stand das damalige Kunstschaffen unter dem eindeutigen Zeichen zuneh­mender Volksentfremdung. Die elementar­sten Grundsätze unseres Volkscharakters wurden übersehen, verkannt und schließlich mißachtet und verhöhnt. Was sich damals Kunst nannte, wurde in zunehmendem Maße ein Betätigungsfeld deka­denter. Künstler, geistreichelnder Kunstschnüffler und protziger Kunstfreunde. Nicht der innere see­lische Gehalt des Kunstwerkes war das Entschei­dende, sondern die interessante, möglichst noch sen­sationelle Auffassung des Künstlers. Nicht die Kunst, sondern der Künstter stand im Mittelpunkt des Interesses. Der germanisch-deutsche Heroismus in Denken und Tat wurde als verächtliche Rückstän­digkeit, Schönheitssinn und Gestaltungskraft als tumbe teuffche Barbarei" hingestellt; in der Wert- gebung galt das Relative und in der Gestaltung das Ungeordnete, Unschöne und Uebertriebene für zeitgemäß und damit für richtig. Auf den Bühnen wurde nicht danach getrachtet, durch Freude und Erbauung den Menschen zu läutern und zu stärken; statt dessen waren jüdische Skribenten eifrig darum besorgt, einen gegen alle deutsche Wertbegriffe im Kampf stehenden unverfrorenen Zynismus möglichst um noch einige Grade zu steigern. Der gewaltigen und erhabenen Größe unserer einzigartigen Musik suchten sich eine laute und wichtigtuerische Atonali- tät und in ausgeklügelten Klangraffinessen machende Musikingenieure als berechtigte Zeitkunst frech an die Seite zu stellen. Gleichzeittg wurde in der Dicht­kunst unter dem Deckmantel angeblich wissenschaft­licher Forschungsmethoden der Ehebruch in allen Versionen behandelt und unter Betonung des Rechts auf den eigenen Körper rn den unglaublichsten Fäl­len gebilligt. Nicht ob ein Bild oder eine Plastik wahr und schön, sondern ob sie interessant war, bildete das Kriterium, wobei die Gründung eines neuen -ismus jedesmal als die Geburtsstunde einer bedeutenden Kunstepoche gefeiert und einer ver­blüfften Masse beigebracht wurde, toie wenig sie doch von Kunst verstehe.

Eine Weiterentwicklung in dieser Richtung hätte das deutsche Volk um seinen Ruf als eines der ersten Kulturvölker der Welt gebracht. Wollte man diese Entwicklung verhurdern, io mußte die Kunst auf eine völlig neue Grundlage gestellt wer­den; sie mußte wieder zu den Müttern zurückkeh­ren, zu den wahren Quellen deutscher Kunst, die nicht der glitzernden Verderbtheit jüdischen Sinnens und Trachtens, noch den dürren Gehirnen saft- und kraftloser Intellektueller entfließen, sondern nur von der tiefen Frömmigkeit des deutschen Menschen ihren Ursprung nehmen. Daß dieser Quell trotz aller Verfallserscheinungen noch nicht verschüttet war, hat die breite Masse unseres Volkes durch ihre Haltung klar und deutlich bewiesen. Während ein beschämend großer Teil unserer sogenannten Gebildeten sich von dieser Derfallskunst täuschen ließ und ängstlich zu verhindern suchte, daß das heiligste Vermächtnis unseres Volkes aus den schmutzigen Fingern einer jüdisch-perversen Kunstclique in die schlichten, aber sauberen Hände des deutschen Volkes gelegt wurde, hat die breite unverbildete Masse des deutschen Volkes dieser Art Kunst und Künstlern keine Ehren­bezeugungen erwiesen, sondern sich vielmehr von ihnen abgewandt. Der sichere Instinkt des Volkes läßt es allen zeitbedingten Schwankungen zum Trotz immer wieder wissen, was wahr und unwahr, was schön und häßlich, was rein und schmutzig, was gesund und krank ist. Mit diesen elementaren Wertbegriffen des Volkes muß aber eine deutsche Kunst üb er einstimmen. Aus religiöser Er­bauung und konstruktiver Genialität entstanden einstmals die herrlichen Dome des Mittelalters. Die gleichen seelischen und geistigen Kräfte gestalten heute die großen Bauten und Weihe st ät° ten d e s Dritten Reiches. Ein nie ersterben­des Ehrgefühl und eine ungebrochene Freiheitsliebe hat in beredten Zeugnissen durch zwei Jahrtausende gegen alle seelische, aeiftige und übrige Tyrannei in oft blutigem Abwehrkampf gestanden. Der Drang zur Wahrheit über den Weg des Verstandes hat uns die grandiosen Erkenntnischeorien der großen Denker geschenkt. Der Wille zum Guten und Edlen leuchtet uns aus den großen Charakteren der deut­schen Vergangenheit und Gegenwart in strahlender Reinheit entgegen. Die ewige Sehnsucht unseres Volkes nach Freiheit, Ehre, Gerechtigkeit und Höhe­rem ist durch alle Zetten zu verfolgen. In diesem Festhalten an bestimmten Wertmaßstäben zeigt sich die hohe Sittlichkeit unseres Volkes. Sie allein aber ist der Boden, aus dem eine hochentwickelte Volks­kunst erstehen und auf dem der Künstler den ihm

jefteüten großen Ausgaben mit gesunden Voraus« etzungen gegenübertreten kann. Er wird im Meu­chen weniger dem Tierischen als dem Odem Gotter nachspüren und Ausdruck verleihen. Er wird im Wirken der Natur nicht lächerliche Zufälligkeiten und blinde Willkür setzen, sondern über allem ein strenges und unerbittliches Gesetz erkennen, in dessen Grenzen allein dem Menfchen jenes Maß von Freiheit gegeben ist, an dem er sich beweisen kann. Der Dichter wird statt des Suchens im Zeitlich-Ver­gänglichen die großen Fragen nach dem Sinn des Lebens, die Frage, ob Willkür ober Gesetz, ob Chaos oder Ordnung stellen und nach der Tiefe unb Kraft seines künstlerischen Vermögens beantworten. Der Musiker wird in feinen Schöpfungen der Innigkeit und Kraft des deutschen Gemütes Aus­druck verleihen. Nicht mehr das kranke und schwache, sondern das gesunde und starke Leben wird im Vordergrund allen Kunstschaffens stehen.

Eines aber vor allem wird für den Künstler wie­der unumgängliche Notwendigkeit werden, die Wahrhaftigkeit und innere Ehrlichkeit feines Schaffens. Die Lüge ist der größte Feind der Kunst auch da, wo sie im Gewände hohen technischen Kön­nens erscheint. Die verantwortlichen Männer na­tionalsozialistischer Kunstpolittk haben deshalb neben dem Kunstbolschewismus ebenso entschlossen alle Konjunkturkunst bekämpft. Künstler, die glauben, durch eine möglich starke Braunsärbung Werke Wirkungen erzielen und Lorbeeren ernten 3U können, zeigen einen Charakter, der in seines Aengstlichkeit und Unwahrhafttgkeit allein schon fei­nen Träger als ungeeignet erscheinen läßt. Wo du Kunst aus unreinen Quellen fließt, kann sie sich nl< zu strahlender und überzeugender Klarheit entsal' ten. Sie entbehrt damit jeder Fruchtbarkeit um wird zum eitlen Geschwätz, das der starke Instinu unseres Volkes für alles Wahre und Unwahre übet kurz oder lang als solche entlarvt unb der «tv achtung preisgibt. Wo aber bas Schaffen aus der inneren Wahrhaftigkeit heraus dem Kunstwert echtes Leben verleiht, wird das Volk dem KünM feine Anteilnahme nicht vorenthalten. Eine Kiw"' bie von diesen Voraussetzungen ausgeht, wird dem Volk in einem unlöslich verbunden sein, " im Charakter. Sie wird damit Volkskunst sein um einer neuen Blüte entgegengehen. Im Dienste dieses Aufgabe bedeutet bie von der Gauleitung Hesftw' Nassau der NSDAP, veranstaltete Gaukulturwoch einen wesentlichen Beitrag.