durchweg voll beschäftigt, d. h. die Feierschichten fallen aus. Dagegen war das Auslandsgeschäft nicht voll befriedigend, wenn sich auch mengenmäßig die Steinkohlen- und Koksaussuhr stark verbesserte. Die Sortenschwierigkeiten haben Zugenommen. Das Syndikat muß bestimmte Kohlensorten für die Hydrierung und Brikettierung und Verkokung bereitstellen, die dafür erforderlichen Sorten sind nicht immer in zureichender Menge zu beschaffen, so daß andere Sorten genommen werden müssen oder die Stückkohle und die groben Steinkohlennüsse in Feinkohle bzw. feine' Nüsse umgewandelt werden müssen. Mit Ausnahme von Fett- und Gasflammnüssen hat der Absatz von Bunkerkohle, Anthrazit- und Fndustrienüssen stark zugenommen. Auch auf den Ausfuhrmärkten ist die Stimmung lebhaft, so daß die Weltlage für Kohle als beständig angesehen werden kann, lieber den Bedarf der Rüstungsindustrie Hindus wirkt sich auch die günstige Lage der anderen Industrien auf den Kohlenmarkt aus.
♦
Die neue Verteidigungsabgabe, die der englische Schatzkanzler Chamberlain zur Deckung des Fehlbetrags des Staatshaushalts vorgeschlagen hat, hat keineswegs ein hundertprozentiges begeistertes Echo i n d e r e n g l i s ch e n Wirtschaft gefunden. Zunächst einmal hat dieser Plan an der Londoner Börse in den ersten Tagen große Ueberraschung ausgelöst und die Geschäftstätigkeit gelähmt. Die Kurse für Industrie- und vor allem für Rüstungspapiere gaben auf Grund der Nachricht von der Wehrabgabe beträchtlich nach. Es wurden kaum Geschäfte getätigt, und eine allgemeine Nervosität war an den Börsen unverkennbar. Eine Ausnahme bildeten Staatsanleihen, die besonders starkem Interesse begegneten. Zunächst herrscht noch allgemein Unklarheit darüber, wie die Wehrabgabe, die im Grunde genommen nichts anderes als. eine Steuer auf die im letzten Jahr erzielten Gewinne ist, sich im einzelnen für die Gesellschaften auswirken wird. Anhand des vom Schatzkanzler für die kommenden Jahre auf 20 bis 25 Millionen Pfund geschätzten Ertrages nimmt man an, daß im Durchschnitt ungefähr 20 v. H. der im Vergleich zu 1933 bis 1935 erzielten Gewinnsteigerungen vom Staat in Anspruch genommen werden. Die Staffelung tnefer Verteidigungs- abgnbe, die für die Großunternehmungen eine bittere Ueberraschung bedeutet, ist sehr kompliziert. Völlig freigelassen werden die kleinen Gewinne, so sind beispielsweise Gewinne unter 2000 Pfund (24 500 Mark) von der Wehrabgabe frei; die großen Aktiengesellschaften dagegen, und namentlich die Unternehmungen, die aus der starken Aufrüstung Englands Nutzen gezogen haben und ziehen, müssen mit erheblichen Summen daran glauben. Die V e r- b r a u ch s g ü t e r Industrie dagegen, die in der Krise einen verhältnismäßig geringen Rückgang erlitten hat, dafür auch beim Konjunkturaufschwung der letzten beiden Jahre nur sehr bescheidene Gewinne erreichte, wird am wenigsten von der Steuer betroffen. Stark dagegen wird die Stahlindustrie steuerlich bluten müssen, die bis vor einigen Jahren unrentabel war, und nun in erster Linie Nutz- nießerin^der großen Rüstungsaufträge des Staates wurde. Schwer betroffen von der neuen Wehr ab - gäbe werden nach Auffassung englischer Kreise auch die B aumw o ll Industrie und der Kohlenbergbau, weil diese Industriezweige zwar in der nächsten Zeit mit Gewinnen rechnen können, die gegenüber dem Vergleichszeitraum der Steuer von 1933 bis 1935 sehr hoch sind, die aber nicht durch die Rüstungsaufträge des Staates verursacht wurden. Ebenso dürfte es der Schiffahrt ergehen, die erst verhältnismäßig spät von der allgemeinen Wirtschaftsbelebung des Landes erfaßt wurde, und infolgedessen jetzt genötigt sein wird, ihre Gewinne mit dem Staate zu teilen. Es kann keine Frage sein, daß die betroffenen Großindustrien nach Möglichkeit versuchen werden, durch reichliche Abschreibungen, wie überhaupt durch Ausnutzung aller erdenklichen Möglichkeiten zur Schaffung offener oder stiller Reserven, ihren Anteil an der Wehrabgabe weitgehend zu vermindern. Eine der vielleicht gerade die breiten Massen am stärksten interessierenden Nebenwirkungen der Wehrabgabe wird die Frage sein, ob die Unternehmer unter diesen Umständen den Lohnerhöhungswünschen der Arbeiterschaft nicht eher ein geneigtes Ohr schenken werden als bisher.
Seit Ende vergangenen Jahres ist Schwedens Hochkonjunktur immer mehr in das Stadium einer ausgesprochenen Rekordkonjunktur hinübergeglitten. Sie hat die letzte Blütezeit der Wirtschaft des Jahres 1929 erheblich in den Schatten gestellt. Die Hauptträger der günstigen Entwicklung sind die Zellulose- und Papierindustrie, die Stahl- und Eisenindustrie und die M a - schinenindustrie. Ausgelöst wurde die neue schwedische Hochkonjunktur durch das kräftige Ansteigen der schwedischen Ausfuhrchancen. Trotz der internationalen Handelsschranken war es für Schweden dank der regen Nachfrage des Auslandes nach feinen wichtigsten Rohstoffen, Holz, Eisenerz und Z e l l st o f f möglich, sich als bedeutsamer Faktor in den Welthandel einzuschalten. Die Ausfuhr erbrachte 1507,7 Millionen Kronen im vergangenen Jahr. Der Hauptanteil der schwedischen Ausfuhr geht von scher nach England. An zweiter Stelle steht Deutschland. Während von der
Berlin, 22. April. (DNB.) Annähernd 600 junge deutsche Volksgenossen aus Südwestafrika, die zur Berufsausbildung in Deutschland weilen, haben sich zur Landsmannschaft Südwestafrika zusammengeschlossen. Die Landsmannschaft hat sich die Aufgabe gestellt, die jungen Südwester in Deutschland zu betreuen und sie zu einer Gemeinschaft zu erziehen, die sich ihrer Aufgaben draußen in der Welt bewußt ist und die auch künftig die Grundlage für die deutsche Volksgemeinschaft in Südwestafrika bildet. In einem Augenblick, in dem durch die Maßnahmen der Unionsregierung Südafrikas hart in das Schicksal dieser jungen Deutschen und ihrer Eltern in Südwestafrika eingegriffen wird, ruft die Landsmannschaft ihre Mitglieder zu einem Reichstreffen vom 15. bis 17. Mai nach Burg Hohnstein im sächsischen Grenzland, um sich zu ihrem Deutschtum in Südwest und zum Führer Adolf Hitler zu bekennen. Die jungen Deutschen aus Südwest erklären:
Wir haben nie versucht, uns in die inneren Angelegenheiten der Südafrikaner einzumischen und werden das auch niemals tun, denn als Nationalsozialist achten wir die völkischen Belange anderer Nationen. Wir erwarten aber auch gerechterweise, daß man u n -
Berlin, 22. April (DNB.) Auf der am 22. und 23. April in Hannover stattfindenden T a - gung der leitenden Gemeindebaubeamten führte der Reichsarbeitsminister Seldte u. a. folgendes aus:
Die gewaltige Wandlung, in der sich unser Vaterland seit der Machtergreifung befindet, hat auch die bauliche Entwicklung der Gemeinden ergriffen. Gefördert durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wird jetzt eine weitgehende Auflockerung der Städte und Industriegebiete eingeleitet, um möglichst viele Deutsche mit dem Heimatboden wieder in Verbindung zu bringen. Der Bodenspekulation wird ein Riegel vorgeschoben. An die Stelle eines wirren Durcheinanders von gewerblichen Anlagen und Mietskasernen mit engen Höfen tritt heute planvolle Ordnung. Städte und Dörfer werden wieder als ein Teil der Landschaft empfunden. Hieraus ergeben sich äußerst bedeutsame neue Aufgaben für unsere deutschen Gemeinden! Rechtzeitige Vorsorge für eine städtebauliche einwandfreie Entwicklung, Umgestaltung verfehlter Stadt- und Siedlungsgebilde und Sanierung ungesunder Wahnquartiere.
Diese weitgespannten Ziele können nur erreicht werden, wenn den Gemeinden ausreichende gesetzliche Handhaben gegeben werden. Auf dem Gebiet des Bodenrechtes handelt es sich in erster Linie um die Ausschaltung ungerechtfertigter Gewinne und die Erzielung eines tragbaren Preises für den Erwerb von Grund und Boden. Aber auch
schwedischen Ausfuhr 1931 noch 27,2 v. H. auf Eng- lland entfielen, betrug die entsprechende Prozentzahl 1936 25 v. H. Der deutsche Anteil ist dagegen von 10,2 v. H. im Jahre 1931 auf 15,8 v. H. 1936 gestiegen. Das ist umso beachtlicher, als Schweden und Deutschland Zur Zeit nicht durch einen Handelsvertrag verbunden sind. Deutscherseits muß es als Mangel empfunden werden, daß, während Deutschland mehr und mehr als Käufer schwedischer Waren auftritt, Schwedens Einfuhr aus Deutschland nicht mit seiner Ausfuhr nach Deutschland Schritt hält. Auch für die nächste Zukunft sind die Aussichten der schwedischen Industrie mindestens als günstig zu bezeichnen. Sehr große Aufträge an Holzwaren liegen vor. Ein Teil der englischen Rüstungsaufträge soll ebenfalls nach Schweden gelegt werden. Die Bautätigkeit ist sehr lebhaft und wird durch die neuerdings von Staats wegen erteilten öffentlichen Aufträge noch weiter angeregt.
f er e deutschen Belange und unser Volkstum achtet und nicht versucht, es in einem fremden Volke aufgehen zu lassen. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Deutsche und deutsche Kultur dem Lande ihren Stempel aufgeprägt haben, daß ausschließlich die Arbeit und der Fleiß deutscher Siedler das Land entwickelt haben und heute noch den größten Teil der Wirtschaft Südwests tragen. Auf fast allen Gebieten geht das, was im heutigen Südwest positiv gewertet werden kann, auf deutschen Ursprung zurück. Aus diesem Grunde haben wir auch das Recht, uns nicht aus dem Lande verdrängen zu lassen, und lehnen jegliche Einmischung in unsere völkischen Organisationen ab sowie die Kritik am Charakter und der Art des inneren Aufbaues dieser Organisationen: Denn das. sind unsere eigenen Belange, für die einzig und allein u n - f e r e völkischen Ideale maßgebend sind. Wir geben unsererseits die Versicherung, daß wir in unserer Heimat Südwestasrika gern bereit sind, mit den anderen Bevölkerungsteilen in gutem Einvernehmen zum Nutzen des Landes zusammenzuarbeiten, daß wir aber niemals unser Volkstum aufgeben werden, denn in feiner Erhaltung sehen wir Sinn und Aufgabe unseres Lebens.
die einwandfreie Durchführung der städtebaulichen Aufgaben muß gesichert sein. Diese überaus schwierige Ausgabe erfordert größte Sachkenntnis und reiche Eefahrung, besonders in kleineren und mitt- leren Ortschaften, wo infolge des Vierjahresplanes neue große Aufgaben entstanden sind, macht sich ein Mangel an geeigneten F« chkräf » t e n bemerkbar. Ich habe bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen, nur sorgfältig auserlesenen, gut vorgebildeten Kräften diese wichtigen Aufgaben anzuvertrauen. Soweit diese Kräfte noch nicht vorhanden sind, werde ich veranlassen, daß die Aufsichtsbehörden die Gemeinden bei ihren Planungen sachverständig beraten. Auf lange Sicht gesehen, muß es aber unsere größte Sorge fein, einen Nachwuchs heranzubilden, der allen diesen Aufgaben voll gewachsen ist. In den Dienst dieser Erziehungsarbeit müssen sich sowohl die mittleren wie die höheren technischen Schulen stellen. Die Neugestaltung der bedeutungsvollsten Städte unseres Reiches soll demnächst beginnen. Die große Stunde der allgemeinen Städtesanieruna ist allerdings noch nicht gekommen, weil unsere Lage uns zum Haushalten mit unseren Rohstoffen und unseren Fachkräften zwingt, wohl aber müssen diese Aufgaben jetzt schon vorbereitet werden. Dagegen duldet der Bau von Arbeiterwohnstätten keinen Aufschub. Dabei sollte, soweit irgend angängig, die Kleinsiedlung gewählt werden, weil diese unendlich viele Vorzüge besitzt. Selbstverständlich aber hat daneben auch die M i e t w o h-
n u n g und das Eigenheim seine volle Berechtl, gung, namentlich da, wo die Landbeschaffung füt Kleinsiedlungen zu schwierig ist.
Die Mörder des Pg. siedle verhaftet.
Buenos Aires, 22. April. (DNB.) Nach Mitteilung des Polizeichefs von La Plata an die deutsche Botschaft ist es gelungen, die Mörder des Pg. Joseph Riedle zu verhaften. Die beiden Männer, die die feige, hinterlistige Mordtat begingen, sind zwei übelbeleumdete Individuen. Bei dem einen handelt es sich um den italienischen Staatsangehörigen Felix Martin Bucci, der einen kleinen Gemüsehandel betreibt. Der zweite Mörder ist ein 19jähriger Argentinier, den die Polizei in San Martin, einem Vorort von Buenos Aires, stellen konnte; fein Name ist noch nicht bekanntgegeben. In dem Geständnis, das die beiden Männer dem Untersuchungsrichter abgelegt haben, behaupten sie, sie hätten nicht die Absicht gehabt, Riedle zu töten. Vielmehr hätten sie es lediglich auf das Geld abgesehen gehabt, das Riedle bei sich trug. Bucci behauptet, nur deshalb geschossen zu haben, weil Riedle sich gegen die Räuber z ur Vehr gesetzt habe. Auffallend bleibt es, daß die Mörder ihr Opfer nicht beraubt haben, sondern alsbald nach Begehung der Tat flüchteten. Anter den in Argentinien ansässigen Italienern befinden sich viele linksradikale Emigranten.
Der erste ReichswerffchalMrer.
Dr. Ley beglückwünscht Gauleiter Sprenger.
NSG. Oberstwerkscharführer Schneider, Ber. lin, überbrachte am Donnerstagrnittaa Gauleiter Sprenger, der am 20. April vom Führer zum Reichswerkscharführer ernannt worden ist, die Glückwünsche des Reichsleiters der DAF., Dr. Ley. Er brachte dabei ganz besonders die Freude des Reichsorganisationsleiters zum Aus- druck, daß gerade Gauleiter Sprenger, der sich um den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront viele Jahre hindurch große Verdienste erworben hat, als erst e r vom Führer zum Reichswerkscharführer ehren« halber ernannt wurde. Gauleiter Sprenger dankte dem Oberstwerkscharführer herzlich. Er sprach dabei von der Aufbauarbeit in dem Gau Hessen-Nassau, die er schon 1922 und 1923 im Geiste d e s Sozialismus begonnen habe. In der gleichen Haltung sei er alle Jahre weiter marschiert und er werde auch immer Sozialist bleiben. Seine ganze Arbeit gehöre immer der breiten Masse des Volkes „Diesen Weg hat der Führer aufgezeigt und ich werde ihn alle Zeit erfüllen." Der Gauleiter erinnerte daran, wie mancher Betrieb unseres Gaues bei der Machtübernahme aussah und wie sich heute das Leben und die Arbeit in allen Betrieben geändert haben. Er ging dabei auf die besondere Aufgabe, die die Werkscharen zu erfüllen haben, ein und schritt dann die Front einer mit Musik vor dem Gauhaus angetretenen Werkscharehrenformation ab.
Erstes Handwerks-Wandergesellenheim
3n Köln wurde das erste deutsche Heim für Handwerkswandergesellen seiner Bestimmung übergeben. Reichsabteilungsleiter Petersen erklärte dabei: Von Jahr zu Jahr sei das Gesellenwandern erweitert und auch auf einen immer größeren Kreis von Berufen ausgedehnt worden. Trotz frühzeitiger Einschaltung der Jugendherbergen habe diese Maßnahme nicht ausgereicht, und so sei der Entschluß gewachsen, eigene' Gesellen-Wanderheime vom Handwerk und der Deutschen Arbeitsfront gemeinsam zu errichten. Nun stehe in Köln das erste deutsche Wander-Gesellenheim als eine Stätte, in öer die Wandergesellen würdig untergebracht seien und die gleichzeitig der Pflege der Kameradschaft, der Ordnung und Disziplin diene. Weitere Heime wurden noch im Jahre 1937 in München und Düsseldorf erstehen.
Reiechshandwerksmeister Walter sagte: Die neuen Heime sollten nicht so abgeschlossen vom
„Landsmannschaft Südwestasrika "
Oie Bauausgaben der Gemeinden.
Reichsarbeitsminister Seldte spricht zu den leitenden Gemeindebaubeamten.
Gießener GtaSttheater.
Volkstümliches Konzert.
Das volkstümliche Konzert des neuen Städtischen Orchesters, dessen reichhaltiges Programm unter der Ueberschrift „Schöne Melodien" zusammengestellt war, war als Auftakt und Abschied zugleich gedacht: das Orchester erschien zum ersten Male in seiner neuen, bedeutend erweiterten und verstärkten Zusammensetzung vor der Oeffentlich- keit und verabschiedete sich auch damit vom Gießener Publikum, bevor es seine sommerliche Tätigkeit als Kurkapelle von Bad-Nauheim aufnimmt. Kapellmeister Paul Walter hat mit seinen Leuten offenbar fleißig gearbeitet und präsentierte einen Klangkörper von erfreulicher Geschlossenheit und diszipliniertem Zusammenhalt; die Fülle und Weichheit der Streicher kam dabei besonders wohltuend zur Geltung. Herr Walter dirigierte das umfängliche, im einzelnen geschickt ausgewählte Programm mit Schwung und übersichtlicher Gliederung, die dynamischen Werte und die melodiöse Linie sauber herausarbeitend. Dafür war gleich die einleitende, im besten Sinne volkstümliche Ouvertüre zu den „Lustigen Weibern" (Nicolai) ein treff- hefjes Beispiel. Was das Orchester, das in allen Teilen mit frischer Musizierfreudigkeit bei der Sache war, zu leisten vermag, wurde vor allem in der Wiedergabe der Slawischen Tänze (Nr. 1 und 3) non Dvorak, der ersten Rhapsodie von Liszt und der Ungarischen Tänze (Nr. 5 und 6) von Brahms überzeugend deutlich: der diesen Werken eigentümliche, rassige Nationalcharakter war ausgezeichnet empfunden und unmittelbar mitreißend zum Klingen gebracht; bei Liszt vor allem konnte sich das Orchester in seinem ganzen Glanz und einer strahlenden Stimmfülle entfalten, während in den Ungarischen Tänzen der Tempowechsel in bestechender Gegensätzlichkeit herausmodelliert wurde. Weicher unir- lyrischer angelegt erschienen die „Abendstimmung" und der „Zug der Zwerge" aus der Griegschen Suite. Nach der anmutig-wienerischen Beschwingtheit des „Rosenkavalier"-Walzers war der unsterbliche Radetzky-Marsch, dessen feuriger Rhythmus den glücklichsten Eingebungen des alten Johann Strauß entsprang, ein prächtiger Abschluß der Vortragsfolge, die übrigens durch einige soli- stische Einlagen auf das angenehmste belebt und bereichert wurde. Hilde I a ch n o w fang mit warmer Empfindung und reicher Entfaltung ihrer gepflegten Mittel die berühmte Arie „Kennst du das Land" aus „Mignon"; Ernst August Waltz brachte die aus dem Repertoire bereits bekannte Blumen
arie aus „Carmen", ferner aus dem „Bettelstudenten" „Ich knüpfte manche zarte Bande" und errang mit einer bravourös gelungenen Zugabe, dem Wolgalied aus dem „Zarewitsch", stürmischen Erfolg. Konzertmeister Lassen brachte als Violin- solo die Meditation aus „Thais" von Mastenet und zeichnete sich durch kultiviertes Spiel, wie reine und weiche Melodieführung aus. Der ungemein starke Beifall einer dankbaren Hörerschaft bekräftigte den schönen Erfolg des Orchesters in seiner neuen Form. Hans Thyriot.
Der Dampfwagen fährt durch das Königreich Sachsen.
Von Walter Schwerdtfeger.
Am 24. April 1837 wurde die erste Strecke der Eisenbahn Leipzig—Dresden dem Verkehr übergeben.
Im Herbst des Jahres 1833 sand man in allen Bücherstuben Leipzigs eine Flugschrift: „lieber ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems und insbesondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden". Verfasser war der Volkswirt Friedrich List, der, um politischen Verfolgungen in seiner württembergischen Heimat zu entgehen, nach Amerika ausgewandert war. Er hatte in Pennsylvanien eine Eisenbahnlinie zur industriellen Erschließung des Landes angelegt und war nun vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Amt eines Konsuls „in der Hafenstadt Leipsic" betraut worden. Der Zeitpunkt für die Werbung schien günstig gewählt. Mit dem Jahre 1834 sollten im größeren Teile Deutschlands die Zollschranken fallen. Der Unternehmergeist regte sich. List hatte als erster die Wechselwirkung erkannt, die zwischen den wirtschaftlichen Kräften eines Landes und seinem Beförderungssystem besteht. Am Beispiel Leipzigs machte er das klar. Die Stadt war „die Herzkammer des deutschen Binnenverkehrs, des Buchhandels und der Fabrikindustrie"; dabei waren Lebensrnittel und Heizmaterial bedeutend teurer als an der Küste, obwohl die Stadt in bäuerlichem Flachland lag und Steinkohlenbergwerke acht Meilen vor den Toren hatte. In diesen Verhältnissen lag auch der Grund für Leipzigs geringe Bevölkerungs- zahl von 40 000 Einwohnern.
Ueberall diskutierte man das Eisenbahnprojekt: im Börsensaal, in den Handlungskontoren und im neuen Cass Fran^ais an der Grimmaischen Straße. Ein Eisenbahnjournal wurde herausgegeben. Kauf
leute mit ehrbaren Backenbärten sahen in List nur einen unruhigen Projektemacher. Zwischen Leipzig und Dresden reiften täglich, Fußgänger, Reiter und Fuhrleute insgesamt, nur dreißig Personen hin und her. Wann sollte sich da ein Kapitalsaufwand von mehreren Millionen Talern für diese „Promenadenbahn" verzinsen?
1835 genehmigte das Ministerium die Gründung einer Aktiengesellschaft. Schon am Morgen des zweiten Zeichnungstages waren alle Aktien untergebracht, und wenig später handelte man Eisenbahnteilscheine mit 10 v. H. Aufgeld. Nachdem die Eisenbahn Nürnberg—Fürth ein ungewöhnlicher kaufmännischer Erfolg geworden war, setzte eine Spekulation em, die L i st. durchaus unerwünscht war. Worauf man den unbequemen „Concipisten und Jdeenfabrikanten" im „Actionairs-Jnteresse" beiseiteschob. Aber es galt, auch technische Schwierigkeiten zu überwinden. Nachdem man sich bereits geeinigt hatte, welche Orte die Bahnlinie berühren sollte und die Erdarbeiten in Teilabschnitten begannen, ging der Kampf um die Bauweise. Die amerikanische: Holzschienen, auf denen schmale eiserne aufgeschraubt waren, wurde zugunsten der walzeisernen Vignoles-Schienen verworfen, Die man aus England bezog, ebenso wie die ersten Lokomotiven, „Blitz" und „Komet". Ungünstige Witterung erschwerte die Aufschüttung der Dämme für den Unterbau. In den Zeitungen erhoben sich Stimmen, die von „Geldversplitterung" redeten, denn die schienenlose Dampfkutsche, wie sie T re- vit h i ck und Macerone in London zeigten, würde immer weiter vervollkommnet. Die Backenbärte zitterten um ihre Dividenden. Da erschien am 19. April 1837 im Leipziger Tageblatt eine Ankündigung des Eisenbahn-Direktoriums: „Nächsten Montag sollen die Probefahrten auf der fertigen Strecke der Bahn von hier nach der in der Nähe des Dorfes Althen errichteten Restauration beginnen".
Mit einem Schlag war die Eisenbahn wieder das Tagesgespräch der vom Messetrubel erfüllten Stadt. Eine große Menschenmenge säumte die Bahnstrecke am Morgen des Einweihungstages. An Schlagbäumen und Wachthäuschen stand das Personal, um dem Lokomotivführer das Zeichen zu winken, daß die Strecke frei sei. Grün-weiße Wimpel wehten über der Bahnhofshalle. Die Kommunalgarde war aufgestellt. Der „Plitz" stieß DamMwölkchen aus seinen blanken Messingventilen. Wie das „schnaubende Ausatmen eines riesenhaften antediluviani- schen Stieres" mutete es einen Zeitungsschreiber an. Aus dem heruntergelassenen Fenster seines Wagens grüßte der Bruder des Königs. Bon den
langen Bänken der Wagen III. Klasse, die wie offene Landauer gebaut waren, leuchteten Helle Schuten neben hohen Zylinderhüten. Aus dem verzierten Säulenschlot der Lokomotive fliegen dunkle Rauchwolken. Ein Glockenzeichen ertönte. Auf der Steuerplattform legte d^r englische Ingenieur einen Hebel um. Böller schossen Salut in den Frühlingshitnmel. Immer schneller rollte der Zug davon, zwischen Dörfern hindurch, die noch die Spuren der Völkerschlacht trugen.
3n diesem Jahr finden wir List wieder in ber Fremde. Mit einem Zäh umfeilschten „Ehrengeschenk" hatte man ihn in Leipzig für seine jahrelangen Muhen abgefunden. Es ist ein Sinnbild seines Wirkens, daß die Straße des Pariser Stadtbezirks, in dem er damals wohnte, „Straße der Märtyrer" heißt.
Sochschulnachnchkerr.
.Der Reichs- und Preußische Minister für Wissen- schäft Erziehung und Volksbildung hat die Dozenten Dr. phiL habil. (Ernft Baars und Dr. Hans-Georg ®abamer von der Universität Marburg zu nanntQmteten °"^c,rdentlichen Professoren er- Ferner hat der Minster den Dozenten Dr. phil. habil Theodor Bersin beauftragt, vom Sommer- Semester 1937 ab die physiologische Chemie in Marburg zu vertreten.
Professor Dr. Klapp, der Direktor der Chirurgischen Klinik an der Universität Marburg, wurde von der Gesellschaft der Aerzte in Wien 3um korrespondierenden Mitglied ernannt.
Professor Dr. Paul Uhlenh uth, der bedeutende Hygieniker an der Universität Freiburg i. B., wurde von der Gesellschaft für innere Medizin injöulgarien zum Ehrenmitglied ernannt.
Professor Dr. Theodor Heinermann, Ertra- ordinarius für romanische Philologie an der Uni- Münster, ist zum ordentlichen Professor m Münster ernannt worden.
Professor Dr. C. v. Dietze, Ordinarius für JBirtfcf)afts= und Sozialwifsenschasten an der Universität Berlin, der an die Universität Jena versetzt worden war, hat inzwischen einen Ruf an die Universität Freiburg angenommen.
Im 68. Lebensjahr o e r ft a r b der deutsche ordentliche Professor an der Belgrader Universität Dr. Arnold Holste. Dr. Holste war gebürtiger Hamburger und bis 1923 Professor der Pharmakologie an der Universität Jena. 1923 wurde er an die Belgrader Universität berufen, wo er eine sehr fruchtbare Tätigkeit entfaltete.
litt
Berlin, 22- 21 w
Znifaüon /
WD
Ähre 1932. 1933 Kurmsührers nah •sben, dah er M meinen solle.
As hin und dem V kommt alles nc Iennzeichnend p den komm' ist, daß er l tn den Kreis henden Geüan wurde ganz os it, zu Streiks aint hat der rsprochen und Kreise seiner setzung seiner Kommunisten e roten Agen kau geschulte
Eiligsten Zweifel ich! auf theoretisc H sie die noch „st Wen Jugendverhc Minsamen Kams ilgierung. Auf ih 181 dem damalige Mrmscharen, St $er, erklärte sich Wllionärin Karg hi westdeutschen ।
AruWhi!
Reichswnchrr D Berufung de; Mchsintendanien Mndfunkgesellschas H’f ten des Reichs hei er in Köln Di ™ en. Zum Nach hing Rundfunk in Garung und P Meichsrundfunkkar Meichsfenders B r Wr Landesstellenl A°nnt Der Int Malter Beumel
feiner Stellm !' Aen Aufgab -l-etchssenders Berl 2 - ^^nders ^ Zukunft beide § Mt Sa n R ^Wellen. L Le n &e r 5 Rc S Hebbels -en ^"Nierenk
Heine eige,
, 19enen epi K Eigenart' .^Mieden m 9( Mi Mer 8[„. A
!?orbe" fei h S
pjj.,. 3u Der
Wt 1.!
M G$e i


