Ausgabe 
23.4.1937
 
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durchweg voll beschäftigt, d. h. die Feierschichten fallen aus. Dagegen war das Auslandsge­schäft nicht voll befriedigend, wenn sich auch mengenmäßig die Steinkohlen- und Koksaussuhr stark verbesserte. Die Sortenschwierigkeiten haben Zugenommen. Das Syndikat muß bestimmte Koh­lensorten für die Hydrierung und Brikettierung und Verkokung bereitstellen, die dafür erforderlichen Sorten sind nicht immer in zureichender Menge zu beschaffen, so daß andere Sorten genommen wer­den müssen oder die Stückkohle und die groben Steinkohlennüsse in Feinkohle bzw. feine' Nüsse umgewandelt werden müssen. Mit Ausnahme von Fett- und Gasflammnüssen hat der Absatz von Bunkerkohle, Anthrazit- und Fndustrienüssen stark zugenommen. Auch auf den Ausfuhrmärkten ist die Stimmung lebhaft, so daß die Weltlage für Kohle als beständig angesehen werden kann, lieber den Bedarf der Rüstungsindustrie Hindus wirkt sich auch die günstige Lage der anderen Industrien auf den Kohlenmarkt aus.

Die neue Verteidigungsabgabe, die der englische Schatzkanzler Chamberlain zur Deckung des Fehlbetrags des Staatshaushalts vorgeschlagen hat, hat keineswegs ein hundertprozentiges be­geistertes Echo i n d e r e n g l i s ch e n Wirtschaft gefunden. Zunächst einmal hat dieser Plan an der Londoner Börse in den ersten Tagen große Ueberraschung ausgelöst und die Geschäftstätigkeit gelähmt. Die Kurse für Industrie- und vor allem für Rüstungspapiere gaben auf Grund der Nach­richt von der Wehrabgabe beträchtlich nach. Es wurden kaum Geschäfte getätigt, und eine allge­meine Nervosität war an den Börsen unverkennbar. Eine Ausnahme bildeten Staatsanleihen, die be­sonders starkem Interesse begegneten. Zunächst herrscht noch allgemein Unklarheit darüber, wie die Wehrabgabe, die im Grunde genommen nichts anderes als. eine Steuer auf die im letzten Jahr erzielten Gewinne ist, sich im einzelnen für die Gesellschaften auswirken wird. Anhand des vom Schatzkanzler für die kommenden Jahre auf 20 bis 25 Millionen Pfund geschätzten Ertrages nimmt man an, daß im Durchschnitt ungefähr 20 v. H. der im Vergleich zu 1933 bis 1935 erzielten Ge­winnsteigerungen vom Staat in Anspruch genom­men werden. Die Staffelung tnefer Verteidigungs- abgnbe, die für die Großunternehmungen eine bittere Ueberraschung bedeutet, ist sehr kompliziert. Völlig freigelassen werden die kleinen Gewinne, so sind beispielsweise Gewinne unter 2000 Pfund (24 500 Mark) von der Wehrabgabe frei; die großen Aktiengesellschaften dagegen, und namentlich die Unternehmungen, die aus der starken Aufrüstung Englands Nutzen gezogen haben und ziehen, müssen mit erheblichen Summen daran glauben. Die V e r- b r a u ch s g ü t e r Industrie dagegen, die in der Krise einen verhältnismäßig geringen Rückgang er­litten hat, dafür auch beim Konjunkturaufschwung der letzten beiden Jahre nur sehr bescheidene Ge­winne erreichte, wird am wenigsten von der Steuer betroffen. Stark dagegen wird die Stahlindustrie steuerlich bluten müssen, die bis vor einigen Jahren unrentabel war, und nun in erster Linie Nutz- nießerin^der großen Rüstungsaufträge des Staates wurde. Schwer betroffen von der neuen Wehr ab - gäbe werden nach Auffassung englischer Kreise auch die B aumw o ll Industrie und der Kohlen­bergbau, weil diese Industriezweige zwar in der nächsten Zeit mit Gewinnen rechnen können, die gegenüber dem Vergleichszeitraum der Steuer von 1933 bis 1935 sehr hoch sind, die aber nicht durch die Rüstungsaufträge des Staates verursacht wur­den. Ebenso dürfte es der Schiffahrt ergehen, die erst verhältnismäßig spät von der allgemeinen Wirtschaftsbelebung des Landes erfaßt wurde, und infolgedessen jetzt genötigt sein wird, ihre Gewinne mit dem Staate zu teilen. Es kann keine Frage sein, daß die betroffenen Großindustrien nach Mög­lichkeit versuchen werden, durch reichliche Abschrei­bungen, wie überhaupt durch Ausnutzung aller er­denklichen Möglichkeiten zur Schaffung offener oder stiller Reserven, ihren Anteil an der Wehrabgabe weitgehend zu vermindern. Eine der vielleicht ge­rade die breiten Massen am stärksten interessieren­den Nebenwirkungen der Wehrabgabe wird die Frage sein, ob die Unternehmer unter diesen Um­ständen den Lohnerhöhungswünschen der Arbeiter­schaft nicht eher ein geneigtes Ohr schenken werden als bisher.

Seit Ende vergangenen Jahres ist Schwedens Hochkonjunktur immer mehr in das Stadium einer ausgesprochenen Rekordkonjunktur hinüberge­glitten. Sie hat die letzte Blütezeit der Wirtschaft des Jahres 1929 erheblich in den Schatten gestellt. Die Hauptträger der günstigen Entwicklung sind die Zellulose- und Papierindustrie, die Stahl- und Eisenindustrie und die M a - schinenindustrie. Ausgelöst wurde die neue schwedische Hochkonjunktur durch das kräftige An­steigen der schwedischen Ausfuhrchancen. Trotz der internationalen Handelsschranken war es für Schwe­den dank der regen Nachfrage des Auslandes nach feinen wichtigsten Rohstoffen, Holz, Eisenerz und Z e l l st o f f möglich, sich als bedeutsamer Fak­tor in den Welthandel einzuschalten. Die Ausfuhr erbrachte 1507,7 Millionen Kronen im vergange­nen Jahr. Der Hauptanteil der schwedischen Aus­fuhr geht von scher nach England. An zweiter Stelle steht Deutschland. Während von der

Berlin, 22. April. (DNB.) Annähernd 600 junge deutsche Volksgenossen aus Südwestafrika, die zur Berufsausbildung in Deutsch­land weilen, haben sich zur Landsmann­schaft Südwestafrika zusammengeschlossen. Die Landsmannschaft hat sich die Aufgabe gestellt, die jungen Südwester in Deutschland zu betreuen und sie zu einer Gemeinschaft zu erziehen, die sich ihrer Aufgaben draußen in der Welt bewußt ist und die auch künftig die Grundlage für die deutsche Volksgemeinschaft in Süd­westafrika bildet. In einem Augenblick, in dem durch die Maßnahmen der Unionsregierung Süd­afrikas hart in das Schicksal dieser jungen Deutschen und ihrer Eltern in Südwestafrika eingegriffen wird, ruft die Landsmannschaft ihre Mitglieder zu einem Reichstreffen vom 15. bis 17. Mai nach Burg Hohnstein im sächsischen Grenzland, um sich zu ihrem Deutschtum in Südwest und zum Führer Adolf Hitler zu bekennen. Die jungen Deutschen aus Südwest erklären:

Wir haben nie versucht, uns in die inne­ren Angelegenheiten der Südafrika­ner einzumischen und werden das auch niemals tun, denn als Nationalsozialist achten wir die völkischen Belange anderer Nationen. Wir erwarten aber auch gerechterweise, daß man u n -

Berlin, 22. April (DNB.) Auf der am 22. und 23. April in Hannover stattfindenden T a - gung der leitenden Gemeindebau­beamten führte der Reichsarbeitsminister Seldte u. a. folgendes aus:

Die gewaltige Wandlung, in der sich unser Vater­land seit der Machtergreifung befindet, hat auch die bauliche Entwicklung der Gemeinden ergrif­fen. Gefördert durch die Verbesserung der Verkehrs­verhältnisse wird jetzt eine weitgehende Auflocke­rung der Städte und Industriegebiete eingeleitet, um möglichst viele Deutsche mit dem Heimatboden wieder in Verbindung zu bringen. Der Bodenspekulation wird ein Riegel vorgeschoben. An die Stelle eines wirren Durcheinanders von gewerblichen Anlagen und Mietskasernen mit engen Höfen tritt heute planvolle Ordnung. Städte und Dörfer werden wieder als ein Teil der Landschaft empfunden. Hieraus ergeben sich äußerst bedeutsame neue Aufgaben für unsere deut­schen Gemeinden! Rechtzeitige Vorsorge für eine städtebauliche einwandfreie Entwicklung, Umgestal­tung verfehlter Stadt- und Siedlungsgebilde und Sanierung ungesunder Wahnquartiere.

Diese weitgespannten Ziele können nur erreicht werden, wenn den Gemeinden ausreichende gesetz­liche Handhaben gegeben werden. Auf dem Gebiet des Bodenrechtes handelt es sich in erster Linie um die Ausschaltung ungerechtfertigter Gewinne und die Erzielung eines tragbaren Preises für den Erwerb von Grund und Boden. Aber auch

schwedischen Ausfuhr 1931 noch 27,2 v. H. auf Eng- lland entfielen, betrug die entsprechende Prozent­zahl 1936 25 v. H. Der deutsche Anteil ist dagegen von 10,2 v. H. im Jahre 1931 auf 15,8 v. H. 1936 gestiegen. Das ist umso beachtlicher, als Schweden und Deutschland Zur Zeit nicht durch einen Han­delsvertrag verbunden sind. Deutscherseits muß es als Mangel empfunden werden, daß, während Deutschland mehr und mehr als Käufer schwedischer Waren auftritt, Schwedens Einfuhr aus Deutschland nicht mit seiner Ausfuhr nach Deutschland Schritt hält. Auch für die nächste Zukunft sind die Aus­sichten der schwedischen Industrie mindestens als günstig zu bezeichnen. Sehr große Aufträge an Holzwaren liegen vor. Ein Teil der englischen Rüstungsaufträge soll ebenfalls nach Schweden ge­legt werden. Die Bautätigkeit ist sehr lebhaft und wird durch die neuerdings von Staats wegen er­teilten öffentlichen Aufträge noch weiter angeregt.

f er e deutschen Belange und unser Volkstum achtet und nicht versucht, es in einem fremden Volke aufgehen zu lassen. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Deut­sche und deutsche Kultur dem Lande ihren Stempel aufgeprägt haben, daß ausschließlich die Arbeit und der Fleiß deutscher Siedler das Land entwickelt haben und heute noch den größten Teil der Wirtschaft Südwests tragen. Auf fast allen Gebieten geht das, was im heutigen Südwest posi­tiv gewertet werden kann, auf deutschen Ursprung zurück. Aus diesem Grunde haben wir auch das Recht, uns nicht aus dem Lande verdrängen zu lassen, und lehnen jegliche Einmischung in unsere völkischen Organisationen ab sowie die Kritik am Charakter und der Art des inneren Auf­baues dieser Organisationen: Denn das. sind unsere eigenen Belange, für die einzig und allein u n - f e r e völkischen Ideale maßgebend sind. Wir geben unsererseits die Versicherung, daß wir in unserer Heimat Südwestasrika gern bereit sind, mit den anderen Bevölkerungsteilen in gutem Einver­nehmen zum Nutzen des Landes zusammenzu­arbeiten, daß wir aber niemals unser Volkstum aufgeben werden, denn in feiner Erhaltung sehen wir Sinn und Aufgabe unseres Lebens.

die einwandfreie Durchführung der städtebaulichen Aufgaben muß gesichert sein. Diese überaus schwie­rige Ausgabe erfordert größte Sachkenntnis und reiche Eefahrung, besonders in kleineren und mitt- leren Ortschaften, wo infolge des Vierjahresplanes neue große Aufgaben entstanden sind, macht sich ein Mangel an geeigneten F« chkräf » t e n bemerkbar. Ich habe bereits auf die Notwen­digkeit hingewiesen, nur sorgfältig auserlesenen, gut vorgebildeten Kräften diese wichtigen Aufgaben an­zuvertrauen. Soweit diese Kräfte noch nicht vorhan­den sind, werde ich veranlassen, daß die Aufsichts­behörden die Gemeinden bei ihren Planungen sach­verständig beraten. Auf lange Sicht gesehen, muß es aber unsere größte Sorge fein, einen Nachwuchs heranzubilden, der allen diesen Aufgaben voll ge­wachsen ist. In den Dienst dieser Erziehungsarbeit müssen sich sowohl die mittleren wie die höheren technischen Schulen stellen. Die Neugestal­tung der bedeutungsvollsten Städte unseres Reiches soll demnächst beginnen. Die große Stunde der all­gemeinen Städtesanieruna ist allerdings noch nicht gekommen, weil unsere Lage uns zum Haushalten mit unseren Rohstoffen und unseren Fachkräften zwingt, wohl aber müssen diese Auf­gaben jetzt schon vorbereitet werden. Da­gegen duldet der Bau von Arbeiterwohnstät­ten keinen Aufschub. Dabei sollte, soweit irgend angängig, die Kleinsiedlung gewählt werden, weil diese unendlich viele Vorzüge besitzt. Selbst­verständlich aber hat daneben auch die M i e t w o h-

n u n g und das Eigenheim seine volle Berechtl, gung, namentlich da, wo die Landbeschaffung füt Kleinsiedlungen zu schwierig ist.

Die Mörder des Pg. siedle verhaftet.

Buenos Aires, 22. April. (DNB.) Nach Mitteilung des Polizeichefs von La Plata an die deutsche Botschaft ist es gelungen, die Mörder des Pg. Joseph Riedle zu verhaften. Die beiden Männer, die die feige, hinterlistige Mordtat begingen, sind zwei übelbeleumdete Individuen. Bei dem einen handelt es sich um den italienischen Staatsangehörigen Felix Martin Bucci, der einen kleinen Gemüsehandel betreibt. Der zweite Mörder ist ein 19jähriger Argentinier, den die Polizei in San Martin, einem Vorort von Buenos Aires, stellen konnte; fein Name ist noch nicht bekanntgegeben. In dem Geständnis, das die beiden Männer dem Untersuchungsrichter abgelegt haben, behaupten sie, sie hätten nicht die Absicht gehabt, Riedle zu töten. Vielmehr hätten sie es lediglich auf das Geld abgesehen gehabt, das Riedle bei sich trug. Bucci behauptet, nur des­halb geschossen zu haben, weil Riedle sich gegen die Räuber z ur Vehr gesetzt habe. Auffallend bleibt es, daß die Mörder ihr Opfer nicht be­raubt haben, sondern alsbald nach Begehung der Tat flüchteten. Anter den in Argentinien ansässigen Italienern befinden sich viele linksradikale Emigranten.

Der erste ReichswerffchalMrer.

Dr. Ley beglückwünscht Gauleiter Sprenger.

NSG. Oberstwerkscharführer Schneider, Ber. lin, überbrachte am Donnerstagrnittaa Gauleiter Sprenger, der am 20. April vom Führer zum Reichswerkscharführer ernannt worden ist, die Glückwünsche des Reichsleiters der DAF., Dr. Ley. Er brachte dabei ganz besonders die Freude des Reichsorganisationsleiters zum Aus- druck, daß gerade Gauleiter Sprenger, der sich um den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront viele Jahre hindurch große Verdienste erworben hat, als er­st e r vom Führer zum Reichswerkscharführer ehren« halber ernannt wurde. Gauleiter Sprenger dankte dem Oberstwerkscharführer herzlich. Er sprach dabei von der Aufbauarbeit in dem Gau Hessen-Nassau, die er schon 1922 und 1923 im Geiste d e s So­zialismus begonnen habe. In der gleichen Haltung sei er alle Jahre weiter marschiert und er werde auch immer Sozialist bleiben. Seine ganze Arbeit gehöre immer der breiten Masse des VolkesDiesen Weg hat der Führer auf­gezeigt und ich werde ihn alle Zeit erfüllen." Der Gauleiter erinnerte daran, wie mancher Betrieb unseres Gaues bei der Machtübernahme aussah und wie sich heute das Leben und die Arbeit in allen Betrieben geändert haben. Er ging dabei auf die besondere Aufgabe, die die Werkscharen zu erfüllen haben, ein und schritt dann die Front einer mit Musik vor dem Gauhaus angetretenen Werkscharehrenformation ab.

Erstes Handwerks-Wandergesellenheim

3n Köln wurde das erste deutsche Heim für Hand­werkswandergesellen seiner Bestimmung übergeben. Reichsabteilungsleiter Petersen erklärte dabei: Von Jahr zu Jahr sei das Gesellenwandern erwei­tert und auch auf einen immer größeren Kreis von Berufen ausgedehnt worden. Trotz frühzeitiger Ein­schaltung der Jugendherbergen habe diese Maß­nahme nicht ausgereicht, und so sei der Entschluß gewachsen, eigene' Gesellen-Wanderheime vom Handwerk und der Deutschen Arbeitsfront gemein­sam zu errichten. Nun stehe in Köln das erste deutsche Wander-Gesellenheim als eine Stätte, in öer die Wandergesellen würdig untergebracht seien und die gleichzeitig der Pflege der Kameradschaft, der Ordnung und Disziplin diene. Weitere Heime wurden noch im Jahre 1937 in München und Düs­seldorf erstehen.

Reiechshandwerksmeister Walter sagte: Die neuen Heime sollten nicht so abgeschlossen vom

Landsmannschaft Südwestasrika "

Oie Bauausgaben der Gemeinden.

Reichsarbeitsminister Seldte spricht zu den leitenden Gemeindebaubeamten.

Gießener GtaSttheater.

Volkstümliches Konzert.

Das volkstümliche Konzert des neuen Städti­schen Orchesters, dessen reichhaltiges Programm unter der UeberschriftSchöne Melodien" zusam­mengestellt war, war als Auftakt und Abschied zu­gleich gedacht: das Orchester erschien zum ersten Male in seiner neuen, bedeutend erweiterten und verstärkten Zusammensetzung vor der Oeffentlich- keit und verabschiedete sich auch damit vom Gieße­ner Publikum, bevor es seine sommerliche Tätig­keit als Kurkapelle von Bad-Nauheim aufnimmt. Kapellmeister Paul Walter hat mit seinen Leu­ten offenbar fleißig gearbeitet und präsentierte einen Klangkörper von erfreulicher Geschlossenheit und diszipliniertem Zusammenhalt; die Fülle und Weichheit der Streicher kam dabei besonders wohl­tuend zur Geltung. Herr Walter dirigierte das umfängliche, im einzelnen geschickt ausgewählte Pro­gramm mit Schwung und übersichtlicher Gliede­rung, die dynamischen Werte und die melodiöse Linie sauber herausarbeitend. Dafür war gleich die einleitende, im besten Sinne volkstümliche Ouver­türe zu denLustigen Weibern" (Nicolai) ein treff- hefjes Beispiel. Was das Orchester, das in allen Teilen mit frischer Musizierfreudigkeit bei der Sache war, zu leisten vermag, wurde vor allem in der Wiedergabe der Slawischen Tänze (Nr. 1 und 3) non Dvorak, der ersten Rhapsodie von Liszt und der Ungarischen Tänze (Nr. 5 und 6) von Brahms überzeugend deutlich: der diesen Werken eigen­tümliche, rassige Nationalcharakter war ausgezeich­net empfunden und unmittelbar mitreißend zum Klingen gebracht; bei Liszt vor allem konnte sich das Orchester in seinem ganzen Glanz und einer strahlenden Stimmfülle entfalten, während in den Ungarischen Tänzen der Tempowechsel in be­stechender Gegensätzlichkeit herausmodelliert wurde. Weicher unir- lyrischer angelegt erschienen die Abendstimmung" und derZug der Zwerge" aus der Griegschen Suite. Nach der anmutig-wienerischen Beschwingtheit desRosenkavalier"-Walzers war der unsterbliche Radetzky-Marsch, dessen feuriger Rhyth­mus den glücklichsten Eingebungen des alten Jo­hann Strauß entsprang, ein prächtiger Abschluß der Vortragsfolge, die übrigens durch einige soli- stische Einlagen auf das angenehmste belebt und be­reichert wurde. Hilde I a ch n o w fang mit war­mer Empfindung und reicher Entfaltung ihrer ge­pflegten Mittel die berühmte ArieKennst du das Land" ausMignon"; Ernst August Waltz brachte die aus dem Repertoire bereits bekannte Blumen­

arie ausCarmen", ferner aus demBettel­studenten"Ich knüpfte manche zarte Bande" und errang mit einer bravourös gelungenen Zugabe, dem Wolgalied aus demZarewitsch", stürmischen Erfolg. Konzertmeister Lassen brachte als Violin- solo die Meditation ausThais" von Mastenet und zeichnete sich durch kultiviertes Spiel, wie reine und weiche Melodieführung aus. Der ungemein starke Beifall einer dankbaren Hörerschaft bekräf­tigte den schönen Erfolg des Orchesters in seiner neuen Form. Hans Thyriot.

Der Dampfwagen fährt durch das Königreich Sachsen.

Von Walter Schwerdtfeger.

Am 24. April 1837 wurde die erste Strecke der Eisenbahn LeipzigDresden dem Ver­kehr übergeben.

Im Herbst des Jahres 1833 sand man in allen Bücherstuben Leipzigs eine Flugschrift:lieber ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines all­gemeinen deutschen Eisenbahnsystems und insbe­sondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden". Verfasser war der Volks­wirt Friedrich List, der, um politischen Verfol­gungen in seiner württembergischen Heimat zu ent­gehen, nach Amerika ausgewandert war. Er hatte in Pennsylvanien eine Eisenbahnlinie zur indu­striellen Erschließung des Landes angelegt und war nun vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Amt eines Konsulsin der Hafenstadt Leipsic" betraut worden. Der Zeitpunkt für die Werbung schien günstig gewählt. Mit dem Jahre 1834 sollten im größeren Teile Deutschlands die Zollschranken fallen. Der Unternehmergeist regte sich. List hatte als erster die Wechselwirkung erkannt, die zwischen den wirtschaftlichen Kräften eines Landes und seinem Beförderungssystem besteht. Am Beispiel Leipzigs machte er das klar. Die Stadt wardie Herzkammer des deutschen Binnenverkehrs, des Buchhandels und der Fabrikindustrie"; dabei waren Lebensrnittel und Heizmaterial bedeutend teurer als an der Küste, obwohl die Stadt in bäuerlichem Flachland lag und Steinkohlenbergwerke acht Meilen vor den Toren hatte. In diesen Verhältnissen lag auch der Grund für Leipzigs geringe Bevölkerungs- zahl von 40 000 Einwohnern.

Ueberall diskutierte man das Eisenbahnprojekt: im Börsensaal, in den Handlungskontoren und im neuen Cass Fran^ais an der Grimmaischen Straße. Ein Eisenbahnjournal wurde herausgegeben. Kauf­

leute mit ehrbaren Backenbärten sahen in List nur einen unruhigen Projektemacher. Zwischen Leipzig und Dresden reiften täglich, Fußgänger, Reiter und Fuhrleute insgesamt, nur dreißig Personen hin und her. Wann sollte sich da ein Kapitalsaufwand von mehreren Millionen Talern für diesePromenaden­bahn" verzinsen?

1835 genehmigte das Ministerium die Gründung einer Aktiengesellschaft. Schon am Morgen des zweiten Zeichnungstages waren alle Aktien unter­gebracht, und wenig später handelte man Eisenbahn­teilscheine mit 10 v. H. Aufgeld. Nachdem die Eisen­bahn NürnbergFürth ein ungewöhnlicher kauf­männischer Erfolg geworden war, setzte eine Speku­lation em, die L i st. durchaus unerwünscht war. Worauf man den unbequemenConcipisten und Jdeenfabrikanten" imActionairs-Jnteresse" bei­seiteschob. Aber es galt, auch technische Schwierig­keiten zu überwinden. Nachdem man sich bereits geeinigt hatte, welche Orte die Bahnlinie berühren sollte und die Erdarbeiten in Teilabschnitten be­gannen, ging der Kampf um die Bauweise. Die amerikanische: Holzschienen, auf denen schmale eiserne aufgeschraubt waren, wurde zugunsten der walzeisernen Vignoles-Schienen verworfen, Die man aus England bezog, ebenso wie die ersten Loko­motiven,Blitz" undKomet". Ungünstige Witte­rung erschwerte die Aufschüttung der Dämme für den Unterbau. In den Zeitungen erhoben sich Stimmen, die vonGeldversplitterung" redeten, denn die schienenlose Dampfkutsche, wie sie T re- vit h i ck und Macerone in London zeigten, würde immer weiter vervollkommnet. Die Backen­bärte zitterten um ihre Dividenden. Da erschien am 19. April 1837 im Leipziger Tageblatt eine An­kündigung des Eisenbahn-Direktoriums:Nächsten Montag sollen die Probefahrten auf der fertigen Strecke der Bahn von hier nach der in der Nähe des Dorfes Althen errichteten Restauration be­ginnen".

Mit einem Schlag war die Eisenbahn wieder das Tagesgespräch der vom Messetrubel erfüllten Stadt. Eine große Menschenmenge säumte die Bahnstrecke am Morgen des Einweihungstages. An Schlag­bäumen und Wachthäuschen stand das Personal, um dem Lokomotivführer das Zeichen zu winken, daß die Strecke frei sei. Grün-weiße Wimpel wehten über der Bahnhofshalle. Die Kommunalgarde war aufgestellt. DerPlitz" stieß DamMwölkchen aus seinen blanken Messingventilen. Wie dasschnau­bende Ausatmen eines riesenhaften antediluviani- schen Stieres" mutete es einen Zeitungsschreiber an. Aus dem heruntergelassenen Fenster seines Wagens grüßte der Bruder des Königs. Bon den

langen Bänken der Wagen III. Klasse, die wie offene Landauer gebaut waren, leuchteten Helle Schuten neben hohen Zylinderhüten. Aus dem verzierten Säulenschlot der Lokomotive fliegen dunkle Rauch­wolken. Ein Glockenzeichen ertönte. Auf der Steuer­plattform legte d^r englische Ingenieur einen Hebel um. Böller schossen Salut in den Frühlingshitnmel. Immer schneller rollte der Zug davon, zwischen Dörfern hindurch, die noch die Spuren der Völker­schlacht trugen.

3n diesem Jahr finden wir List wieder in ber Fremde. Mit einem Zäh umfeilschtenEhrengeschenk" hatte man ihn in Leipzig für seine jahrelangen Muhen abgefunden. Es ist ein Sinnbild seines Wirkens, daß die Straße des Pariser Stadtbezirks, in dem er damals wohnte,Straße der Märtyrer" heißt.

Sochschulnachnchkerr.

.Der Reichs- und Preußische Minister für Wissen- schäft Erziehung und Volksbildung hat die Dozenten Dr. phiL habil. (Ernft Baars und Dr. Hans-Georg ®abamer von der Universität Marburg zu nanntQmteten °"^c,rdentlichen Professoren er- Ferner hat der Minster den Dozenten Dr. phil. habil Theodor Bersin beauftragt, vom Sommer- Semester 1937 ab die physiologische Chemie in Marburg zu vertreten.

Professor Dr. Klapp, der Direktor der Chirur­gischen Klinik an der Universität Marburg, wurde von der Gesellschaft der Aerzte in Wien 3um korrespondierenden Mitglied ernannt.

Professor Dr. Paul Uhlenh uth, der bedeu­tende Hygieniker an der Universität Freiburg i. B., wurde von der Gesellschaft für innere Medizin injöulgarien zum Ehrenmitglied ernannt.

Professor Dr. Theodor Heinermann, Ertra- ordinarius für romanische Philologie an der Uni- Münster, ist zum ordentlichen Professor m Münster ernannt worden.

Professor Dr. C. v. Dietze, Ordinarius für JBirtfcf)afts= und Sozialwifsenschasten an der Uni­versität Berlin, der an die Universität Jena versetzt worden war, hat inzwischen einen Ruf an die Universität Freiburg angenommen.

Im 68. Lebensjahr o e r ft a r b der deutsche ordent­liche Professor an der Belgrader Universität Dr. Arnold Holste. Dr. Holste war gebürtiger Hamburger und bis 1923 Professor der Pharmako­logie an der Universität Jena. 1923 wurde er an die Belgrader Universität berufen, wo er eine sehr fruchtbare Tätigkeit entfaltete.

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