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Nr. 69 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 23. März (937

Dem Landesverteidigungsminister soll schon im Frieden ein Stab zur Verfügung stehen, der aus den geeignetsten Offizieren der drei Wehrmachtteile zu bestehen hat. Da solche Offiziere einer Sonder- ausbildung bedürfen, empfiehlt Petain hierfür die Schaffung einer Wehrmacht - Akademie (ähnlich wie sie Deutschland gebildet hat). Einen großen Vorteil verspricht sich PÄain davon, daß der neue Landesverteidigungs-Minister kein Poli­tiker im engeren Sinn des Wortes sein soll; er kann daher sein Amt ebenso wie der beigegebene Generalstabschef längere Zeit ausüben, da er nicht bei jedem Kabinettswechsel durch einen neuen Mann ersetzt zu werden braucht.

Bei der Mobilmachung bleiben die Ministerien bestehen; der Generalstabschef des Heeres, der Marine und der Luftstreitkräfte übernimmt den Oberbefehl über ihre Waffen, während der General­stabschef des Landesverteidigungs-Ministeriums zum Leiter der Operationen auf allen Kriegsschauplätzen wird. Ohne sich in die Einzelheiten einzumischen, soll er das Amt des Schiedsrichters übernehmen und für die Zusammenarbeit sorgen.

Gegen den Schluß entschlüpft Petain eine Be­merkung, die so recht charakteristisch für französische Zustände erscheint; er meint, natürlich werde der Einwand gegen seine Lösung kommen, daß es in Frankreich aus verschiedenen Gründen unerwünscht sei, die militärische Persönlichkeit, die über die drei Waffenbefehlshaber gesetzt werden solle, schon im

Frieden zu bestimmen. Der Marschall erklärt zwar diesen Einwand für nicht stichhaltig, sieht sich aber genötigt, vorsichtig beizufügen:Man kann zur Not diese Ernennung auf einen geeigneten Zeit­punkt verschieben", also wohl auf den Kriegsbeginn, der erwählte Führer wird dann wenigstens in dem Stab des Landesverteidigungs-Ministeriums ein eingearbeitetes Organ oorfinden". Es ist nicht ausgeschlossen, daß Petain von vornherein jeden Verdacht, daß er selbst nach der höchsten militäri­schen Würde im Frieden strebe, von sich abwälzen will. Die Sache Hut aber wohl eine tiefere Be­deutung: Abgeschreckt von den Beispielen der beiden Napoleons, aber auch des eitlen Boulanger hat man in Frankreich dauernd Besorgnis, ein allzu mächtiger General könne sich in irgendeiner Form zum Alleinherrscher aufschwingen. Und damit schließt sich gewissermaßen der Ning unserer Betrachtungen und kehrt fast unwillkürlich zum Altertum zurück. Denn dem homerischen Ruf nach dem einheitlichen Oberbefehl stand zu allen Zeiten die Furcht vor dem militärischen Usurpator entgegen; im alten Achen werden fast gewohnheitsmäßig alle erfolgreichen Feldherren in die Verbannung ge­schickt, ehe sie etwa Diktatoren werden konnten. Das angeblich monarchistische Sparta hatte aus der gleichen Besorgnis heraus zwei Könige nebenein- ander, die sich im Schach halten, das republikanische Rom genau so zwei Konsuln, die sogar im Krieg noch täglich den Oberbefehl wechselten.

Die Verwertung des Llnverwertbaren.

Zur Philosophie des Mülleimers.

Wie aus nichts wieder etwas werden, aus Abfall wieder ein Rohstoff entstehen kann und wie sich die heutige vorsorgliche nationale Wirtschaft im Kreislauf der wirtschaftlichen Stoffe dem Kreislauf des Geschehens in der Natur annähert, den der Mensch oft genug störend unterbricht, zeigt diese Betrachtung.

Nützlicher Abfall.

V. A. Ob es so sein muß oder ob es auch anders fein könnte, das entscheidet die Statistik nicht. Sie stellt nur trocken fest, daß auf 100 000 Einwohner etwa 100 Kubikmeter Müll im Jahrkommen". Kleine Städte, das weiß man, können ihren Müll oft landwirtschaftlich verwerten. Seit Jahren macht Berlin mit einem Teil seines Mülls das Luch in der Nähe des Schlachtfeldes von Fehrbellin urbar. In München z. B. wird aus Müll Düngemehl gemacht. Wo man ihn verbrennt, gibt es Schlacken, die für den Wegebau, als Füllstoff für Zwischendecken, als Zuschlag für Mauersteine Verwendung finden. Der Flugsand, der bei der Verbrennung aufkommt, dient als Ersatz für Fango zu Packungen und Schlamm­bädern. Mancher Rheumatiker ist durch Müll schon gesund geworden. Alteisen aus dem Müll findet im Schrotthandel als Schmelzeisen Absatz. Daß aus dem Mülleimer Häuser gebaut werden, da sein Inhalt zu Bauplatte» verwendet wird, die im Baugewerbe stark gefragt sind haben Sie auch noch nicht gewußt. Und daß eine opferwillige Ar­beit unserer Jugend, die sich um die Mülleimer sorglich kümmert, dazu verhilft, daß aus Müll­abfällen Schweine gemästet und so Koteletts aus Müll werden, ist uns als eine gute Tat bekannt und verdient ein besonderes Lob.

Im Jahre 1837 begann der preußische Staat die erste Tiefbohrung nach Salz. Sehr ärgerlich war es verursachte sehr viel Kosten, daß man erst die kalireichen Fremdsalze wegschaffen mußte. Sie versalzten" die Arbeit. Man nannte sieAbraum­salze". Nichts konnte man damit anfangen.

In stiller Forscherarbeit aber kam der Chemiker Justus von Liebig auf die Bedeutung des Kali für die richtige und gesunde Ernährung der Pflanze. So wurde aus dem Abraumsalz, das unnützerweise und unoerwertbar abfiel, ein Edelsalz. Der Berg­bau stellte sich um. Die Kalisalze wurden ein un­entbehrliches Düngemittel zur Belebung und Be­reicherung des deutschen Ackenbodens. 1933 betrug der Absatz an Steinsalz 800 000 Tonnen und der des ehemaligen Abfallproduktes, des Reinkali, 884 000 Tonnen. Bei der Eisen- und Stahlgewin­nung fallen große Mengen von Schlacken an. Seit­dem man bei der Gewinnung von Flußeisen mit der Thomasbirne arbeitet, wird der Phosphor des Roheisens durch Zusatz von Kalk gebunden und so dem Eisen entzogen. Das gibt phosphorsauren Kalk in der Schlacke, der ebenfalls einst Abfall war.

Heute mahlt man die Schlacke und bekommt ganz einfach jenes Thomasmehl, das der Bauer als phosphorhaltiges Düngemittel zu schätzen weiß.

potenzierte Sonnenenergte.

Eiserne Engel" nannte man die ersten Dampf­maschinen. Sie waren fruchtbar und mehrten sich, und mit ihnen trat die Menschheit in das Zeitalter der Kohle. Je rascher die Technik fortschritt, desto mehr wurde die Kohle zum Gradmesser für die wirtschaftliche Einsicht und Tätigkeit der Völker. Ein neues Zeitalter brach an mit dem Bestreben, die in der Kohle verborgene und erhaltene Ur­energie der Sonne zu veredeln, sie zu sammeln und zu vervielfachen, damit möglichst wenig ungenützt bleibe im Dienst am Menschen. Noch 1913 stamm­ten 90 v. H. aller Kräfte dereisernen Engel" aus der Verfeuerung von Kohle. 1934 nur noch 70 o. H. In derselben Spanne von 20 Jahren war der An­teil des Oels von 7 v. H. auf 24 v. H. gestiegen. 1914 waren nur 2,5 v. H. der Weltschiffstonnage auf Oelfeuerung- eingerichtet. 1934 schon 46 v. H. In derselben Zeit wurden aus 2 Millionen Kraft­fahrzeugen 33 Millionen. Das Oel wurde zum Lebensblut der Flotten, der Armeen, der Luft­geschwader, überhaupt des Verkehrs zu Wasser und zu Lande. Aus dem Sohn eines armen Hausierers und Quacksalbers namens Rocke feiler, der sein bißchen Oel als Mittel gegen Krebs und Rheuma anzubringen versuchte, wurde der Herrscher eines der gewaltigsten Wirtschastsunternehmen der Erde, das bestimmend auf die Politik und die Geschäfte vieler Völker einwirkt. Aber dieses Oel war ur­sprünglich verkannt worden. Erst später lernte man aus Erdöl, das anfangs als Leuchtöl gebraucht wurde, Benzin und Treiböl gewinnen. Und es dauerte gar nicht lange, da war der Bedarf un­geheuer groß.

Oelarme Länder wie Deutschland waren daher immer im Nachteil und von den weltbeherrschenden Auslandsgesellschaften des Erdöls abhängig. Aber es gelang schon vor dem Kriege deutscher Gelehrten­arbeit, gleichsam das Letzte an Sonnenenergie aus der Kohle herauszuholen, sie in Benzin oder Dieselöl zu verwandeln. Die Alleinherrschaft der aus­ländischen Weltmacht Oel war gebrochen, und der Kohle als dem wertvollsten Energierohstoff ihre Stellung wieder gegeben. Aus Braunkohle und Steinkohle wird heute im Verflüssigungsverfahren mehr als ein Drittel des gesamten Treibstoffver­brauchs Deutschlandskünstlich" gewonnen und bereits die Hälfte aller Leichttreibstoffe. Es ist nicht mehr lange, bis die 18 Monate vorbei sind. Dann stellen wir unser Benzin und zum Teil auch unser Dieselöl aus unserer Kohle selbst her. Wie im Jahre 1802 der Deutsche Achard unsere Unab­hängigkeit vom Rohrzucker begründete, wie die Er­findung des künstlichen Stickstoffs im Weltkrieg das

Ser einheitliche Oberbefehl im Kriege.

Don Generalleutnant a. D. Karl von Schoch, ii.

Marschall Petain geht in seinen Ausführungen in der Revue des Deux Mondes von den Landes­grenzen aus, die zu sichern sind. Er berechnet dabei die französische Grenze von Nizza bis Dünkirchen auf eine Ausdehnung von 1300 Kilo­meter; hierbei fällt auf, daß zwar die an die neutrale Schweiz grenzende Strecke mitgerechnet ist, nicht aber die Grenze zu Spanien (eine Tatsache, die angesichts der Vorgänge bei Hendaye fast einen tragikomischen Beigeschmack erhält). Die Küsten­strecke Frankreichs wird auf 3000 Kilometer an­gegeben, eine Erschwerung für die einheitliche Füh­rung bildet zweifellos hier die vollkommene Tren­nung des Atlantischen Ozeans vom Mittelmeer; dazu kommt die Sicherung der überseeischen Be­sitzungen, insbesondere des Reiches in Nordafrika, dessen Verbindungen mit dem Mutterland gesichert werden müsse (der Hauptgrund, daß man eben auch in einem kommenden Krieg sich der Marokkaner und Schwarzen bedienen will, wird schamhaft ver­schwiegen). Wenn aber in diesem Zusammenhang Petain behauptet, die Einsetzung eines gemeinsamen Oberbefehls sei für Frankreich wohl noch nötiger als für andere Staaten, so muß dem entschieden widersprochen werden. Gewiß:Frankreichs wich­tigsten wirtschaftlichen und industriellen Hilfsquellen sind im Norden und Nordosten zusammengeballt"; sind unsere Hauptindustriegebiete Rhein- und Ruhrland im Westen, Sachsen und Schlesien im Osten etwa weniger gefährdet?Paris liegt nur 300 Kilometer von der Grenze, Marseille in der Nähe feindlicher (italienischer?) Flughäfen." Nun, Berlin ist nur 200 Kilometer von unserer Ost- und Südgrenze entfernt; München nicht einmal 60, Dresden 35 Kilometer.

Aber weit mehr als all das: Frankreichs Gesamt- bodensläche ist in seiner massig geschlossenen Form für Derteidigungszwecke fast ideal zu nennen, ihm fehlen so weithinausragende, gefährliche Zangen wie Schleswig-Holstein und Schlesien ganz und gar, aanz zu schweigen von dem unselig abgeschnürten Ostpreußen. Schließlich fällt noch sehr ins Gewicht: Deutschland grenzt nur mit 1200 Kilometer an das Meer, dagegen ist seine Grenze zu Land gleich 3650 Kilometer, also genau umgekehrt wie bei Frankreich. Wer aber wollte leugnen, daß im all­gemeinen Küstenstrecken leichter zu verteidigen sind als andere Grenzen? Erinnert man sich schließlich noch daran, daß die französische Ostgrenze in Aus­dehnung von 300 Kilometer durch die uneinnehm­bare Maginotlinie gesichert ist, so kommt man immer wieder zum gleichen Ergebnis: Wenige Länder sind von Natur wie auch durch Kunstbauten so schwer angreifbar wie das Vaterland Petains.

Der Marschall sucht im weiteren Verlauf die Not­wendigkeit des gemeinsamen Oberbefehls für Frank­reich damit zu begründen, daß sich Fragen des Landkrieges gegen einen einzelnen Feind oder gegen einen Feindbund, Fragen des Luft- wie des See­krieges wie auch Kolonialfragen ergeben können, die alle nicht von getrennten Befehlsstellen ab­hängen dürfen. Als besondere Schwierigkeiten für den Einsatz der Luftwaffe zählt er noch auf: Bei Kriegsausbruch sucht unsere Luftarmee zuerst die Bodenorganisation der feindlichen Luftwaffe zu vernichten; wenn nun in diesem Augenblick der Feind eine Menge motorisierter und gepanzerter Divisionen überraschend auf unsere Nordgrenze wirst und unsere Festungen zu überflügeln sucht (deutliche Anspielung auf Deutschland), wer wird dann über den Einsatz unserer Luftstreitkräfte und den Zeitpunkt ihres Eingreifens bestimmen?" Ober aber: Der Befehlshaber der Landmacht ent­schließt sich zu einer Entscheidungsschlacht; wer weist dann der Luftwaffe ihre Rolle in dieser Schlacht zu und bestimmt Ort und Zeit zum Eingreifen?" Die bisherigen Versuche zur Lösung sind nach Petain mißlungen; so sei es ganz falsch, die drei bestehenden militärischen Ministerien zu einem ein­zigen zu verschmelzen, sie hätten sich durchaus be­währt und überdies sei eine solche Zusammenfassung eine Aufgabe, der der Tüchtigste nicht gewachsen sein kann. Die Ministerien seien unentbehrlich. So ergibt sich von selbst die Forderung eines besonderen Staatsministeriums für die Vaterlandsverteidigung, dem die Regierung Vollmacht erteilen soll, alles unter einen Hut zu bringen.

Guifchlafen-garmchlso einfach!

2on Friedrich Freksa.

Ein altes Wort sagt: Gut schlafen ist besser als gut essen und trinken! Und in der Tat ist ein gro­ßer Teil der menschlichen Zivilisation aus dem Be­dürfnis entstanden, für ruhigen und gesicherten Schlaf zu sorgen. Für den Schlaf baute man Hütte, Zelt, Haus und heute noch unterscheiden wir zwi­schen Völkern, die auf einer Bettstatt oder auf dem Boden schlafen.

Wir wissen, daß die Menschen der Vorzeit die Höhlen suchten. Hier waren sie im Trocknen gebor­gen. Ein Feuer schützte die Höhle vor dem Zutritt wilder Tiere und machte sie warm. Dieses Höhlen- feuer nahmen die Menschen mit in die ersten Hüt­ten, die sie bauten. Die Herdstatt war ein heiliger Ort. Hier wurde das Lager aufgeschlagen, wenn es kalt wurde. Das Feuer war Hüterin des Schlafes.

Stämme, die in nördlichen, feuchten Breiten wandern mußten Indianer, Lappen, Finnen zündeten Feuer an, um den Boden zu trocknen. Auf die Asche werden weiche Zweige der Nabelhölzer aeworsen, und auf dem also gewärmten Boden schläft es sich unter Decken warm und gut. Die Chi­nesen haben die Erinnerung an diese warme Lager­statt schweifender Jäger und Hirten bewahrt. Sie heizen eine Art von Lehmkisten, und auf diesen niedrigen Oefen bereiten sie das Lager wie ein warmes Nest. Diese einfachen Lagerstätten finden sich im Reiche der Mitte vor, wie sie im Uranfang waren, aber auch verfeinert, mit höchstem Luxus ausgestattet. Der große Mongolen-Eroberungszug nach Westen brachte dann diese Sitte nach Rußland. Und hier finden wir den gewaltigen Ofen des groß­russischen Bauernhauses, auf dem die ganze Familie in den Winternächten schläft.

Der Mensch gibt dem Menschen Wärme. Das haben die Feldsoldaten wühl gewußt, wenn sie im nassen Graben in den Fuchslöchern schlafen mußten oder in den feuchten Erdhöhlen Einer rückt zum andern. Das ist Urzeiterinnerung.

Solche Urzeit-Erinnerung herrscht heute noch im Spreewald. Wie waren wir jungen Studenten er­

staunt, als mir bei Spreewaldbauern übernachteten, und die ganze Familie beisammenfanden im zwei­stöckigen Bett, in dem man auch uns ein paar leere Plätze anwies. Aber das Staunen darüber vergeht, wenn man bedenkt, daß z. B. der Soldat in der Kaserne erst im 19. Jahrhundert sein eigenes Bett erhalten hat. Es galt in Frankreich als ein unge­heurer Fortschritt, als etwa um 1760 der große Kriegsminister Graf von Segur den Befehl gab, daß künftig nur noch zwei Soldaten in einem Bett liegen sollten, statt drei.

Da, wo die Jäger und Hirten den Boden nicht zu heizen brauchten in wärmeren Ländern also ist die Lagerstatt eine Decke oder ein Teppich, in Japan eine Matte. Die Kultur dieser Lagerstatt gipfelt in der Nackenstütze. Der Kopf muß erhöht liegen. In die Haare soll kein Staub bringen und kein Ungeziefer. Und so wird eine Stütze geschnitzt, nicht sehr breit: es muß ein Halbkreis sein, und zur Zierde wird dagegen ein anderer Halbkreis gesetzt, der die beiden Füße bildet. In die obere Rundung schmiegt sich der Nacken. Für den Völkerkundigen ist es sehr wichtig, zu verfolgen, wo die Nackenstütze angewandt wird. Wir haben sie in den Wüstenlän­dern Afrikas, wir finden sie in der Südsee und in Japan, zumal bei den Frauen, die durch die Nacken­stütze ihre kunstvolle Haarfrisur, an der sie ganze Tage arbeiten müssen, zu erhalten wünschen.

*

In Japan, wo die Schlafkultur besonders durch­gebildet wurde, werden auf dem Boden, auf dem Matten mit Holz befestigt sind, die Schlafmatten und Matratzen ausgebreitet und so das Lager sorgfältig hergerichtet. Am Tage wandert das ganze Lager in einen Wandschrank.

Sehr praktisch sind Schlafraum und Lager skandi­navischer Jäger. Es werden gleichlange Stangen, roh von den Blättern befreite junge Bäume, im Ab­stand von einem knappen Zentimeter nebeneinander­gelegt und an den Spitzen durch Weiden oder Draht- banb miteinander verflochten. Diese Wand wird nun aufgerichtet und zu einer Kreisfläche getragen. Hier, auf dem Kreis, werden die Stangen mit den freien Enden aufgerichtet, so daß sich ein abgeschnit­

tener Kegel mit einer Oeffnung nach oben ergibt. Von unten nach oben werden nun diese Stangen mit Laub verflochten und, wo möglich, mit Stroh bedeckt, so daß ein Wetterschutz entsteht. Den Ein­gang schneidet man sich so, daß man gebückt in das Innere gelangen kann. Dies aber ist das Wesentliche des flüchtigen Baues: Ein eiserner Korb wird unter derDachöffnung" in Dreiviertel-Mannshöhe auf­gehängt, also in der Mitte des Kreises, und in die­sem Korbe wird nicht zu trockenes Holz verbrannt. Der Rauch zieht nach oben ab, und so entsteht im Raum eine außerordentlich angenehme trockene Lust, in der es sich sehr wohl schlafen läßt, zumal, wenn man einen Schlafsack besitzt.

Der Schlafsack aus weichen Fellen, mit der Haar­seite nach innen genäht, ist für den nordischen Jäger oft ein Lebensretter gewesen. In der Arktis schläft man darin auch zu zweit oder zu dritt. Ohne Schlaf­sack hätte Frithjof Nansen niemals Grönland durchquert, hätte er feine berühmte Rückwanderung vom 86. Breitengrad bis Franz-Joseph-Land zusam- me mit Johannsen nicht vollbracht.

Das Bett, die erhöhte Lagerstatt, ist das Zeichen ganz anderer Kulturkreise. Zum Bett gehört das Haus, das in der Vorzeit zumeist um einen Baum als den Träger des Daches errichtet wurde.

Erhöhte Lagerstatt und darauf der Strohsack mit dem Kopfpolster das ist das ursprüngliche ger­manische Bauernbett, bis mit der Verfeinerung des Lebens über dem Strohsack das Federbett und später die Matratze hinzukamen.

Aus den niedrigen, warmen Hütten zogen die Menschen in steinerne Häuser. In den großen Sälen der Burgen war es im Winter kalt, und so wurde die Bettstatt zu einer eigenen Kammer. Die Hinter­wand wurde hochgezogen. Säulen strebten von den Fußenden auf, darüber breitete sich eine Decke und rechts und links hingen schwere Teppiche herab, die das warme Nest gegen die kalte Luft von außen abschlossen. Das Lager selbst ward mit kostbaren Fellen zubereitet. Darin schliefen die Menschen un­bekleidet.

Aus Südeuropa zieht dann die großeBettkultur" nach Norden, die Leinen- oder Seidenüberzüge, die

Salpetermonopol Chiles brach, wie der deutsche Hüttenchemiker Thomas dem Eisen den Phos­phor entziehen lehrte, so, daß wir Jnlanderze ver­wenden und uns frei von Englands Stahlmonopol machen konnten so geht nun durch jahrelange stille Forscherarbeit die drückende Herrschaft der Weltmacht Oel für Deutschland allmählich zu Ende.

Hausfrauen

bauen Musiriewerke.

Heute stehen große Werke, in denen aus Braun­kohle Treibstoffe gemacht werden. Die Finanzierung erfolgte durch die Braunkohlenwirtschaft, sie ist in Wirklichkeit eine völkische Leistung. Man überlege einmal dies: die sichere Errichtung solcher großen Werke auf der Braunkohle ist ja nur deshalb mög­lich, weil die Braunkohlenwirtschaft als Ganzes durch ihren Absatz im Hausbrand gesichert ist. So kann man mit aller Bestimmtheit sagen, daß die deutsche Hausfrau mithilft, durch ihren Brikettver- brauch diese Werke zu errichten. Das freut uns alle, das leuchtet auch ein, daß somit in kleinem Maßstab auf dem Umweg über ihren Haushalt jede Hausfrau daran mitarbeitet, neue Werte zu schaf­fen. All das klingt wie ein Märchen aus unserer Zeit der Wirtschaft.

Und damit in diesemMärchen" auch der Böse­wicht nicht fehle, sei folgendes berichtet. Es gehen in Deutschland redselige Leute um, die falsche Gerüchte über die Treibstoffgewinnung aus Braunkohle aus­streuen. Sie sagen, durch die Benzingewinnung aus der Braunkohle wird der wertvolle Brennstoff, der in voller Güte in die Haushalte gehört, entwertet. Was bliebe denn noch für ein Wärmewert übrig, wenn das Brikett zur Benzingewinnung gedient habe. Es würde ihm ja gleichsam sein Leben ent­zogen. Undüberhaupt" (und das ist so ein be­rüchtigtes Wort der Gerüchtemacher), wie schnell seien die Braunkohlenvorräte zusammengeschmol­zen, wenn aus ihnen in so großem Umfang Ben­zin gemacht wird? Was nun diese Leute da trei­ben, ist unverantwortlich. Und wenn Sie solche dum­men und gefährlichen Redereien hören, dann ant­worten Sie: Die Benzinherstellung ist eine und die Belieferung der deutschen Haushalte mit Briketts eine andere Sache. Die für die Haushalte bestimm­ten Briketts haben mit der synthetischen Benzin- herstellung gar nichts zu tun. Nach dem heutigen Stand der Dinge werden nur etwa 5 o. H. der ge­förderten Braunkohle zu Benzin gemacht. Die än­deren 95 v. H. werden wie bisher brikettiert. Und Braunkohle haben wir an sich genug, selbst wenn sich die Benzingewinnung noch gewaltig ausdehnen sollte, was im Sinne unserer wirtschaftlichen Frei­heit nur zu wünschen wäre. Es wird dann ganz einfach mehr Braunkohle gefördert. Es ist ja genug da, noch für mindestens 400 Jahre. Es ist ferner unwahr, wenn in solchen Zusammenhängen davon geredet wird, daß nun das Brikett teurer würde. Einmal besteht hierzu gar kein Grund. Und zwei­tens kann man ja gerade die Brennstoffkosten für die breitesten Schichten des Volkes nicht beliebig verteuern. Auch über die Preisbildung wacht die Macht des nationalsozialistischen Staates, der mit solchen Gerüchtemachern noch immer sehr gut fer­tig wurde.

Solche Leute sind der einzige wahreAbfall", der im Prozeß der fast völligen Verwertung des Rohstoffes Kohle entsteht. Und damit unsere Be­trachtung zu ihrem Ausgangspunkt zurückkomme solcherAbfall" gehört nun wirklich auf den Müll­haufen der Geschichte, aber so, daß eineVerwer­tung des Unoerwertbaren" ausgeschlossen bleibt.

Voller Erfolg der neuen Veichsanleihe.

Berlin, 19. März. (DNB.) Wie bereits bekannt- gegeben wurde, hatte die am 5. März erfolgte Zeich­nung auf die 4prozentigen auslosbaren Schatzan­weisungen des Deutschen Reiches von 1937, 1. Folge, einen so guten Verlauf genommen, daß sich das Konsortium schon am 5. Zeichnungstage entschlossen hatte, den ursprünglichen zur Zeichnung aufgelegten Betrag von 400 Millionen Mark zur Befriedigung der Nachfrage auf 600 Millionen Mark zu erhöhen. Nach dem am 18. d. M. erfolgten Schluß der Zeichnung hat sich ergeben, daß auch dieser erhöhte Betragvoll unter- gebracht worden ist. Nach den bisher vorliegen­den Meldungen ist die Summe von 600 Millionen Mark um einen geringen Betrag überschritten wor­den. Die gezeichneten Vettäge können in voller Höhe zugeteilt werden.

leichten, doch warmen Decken. Der Norden schafft mächtige kupferne Bettpfannen, die mit Holzkohlen gefüllt werden, und mit denen die Magd im Winter über die Betten streichen muß, damit die Feuchtig­keit des Leinens vergeht. Die Nachthemden werden erfunden. England bleibt es vorbehalten, den ge­schloffenen Nachtanzug zu schaffen, das Pyjama, ge- mäß dem Zivilisationsverlangen: der Mensch soll immer angezogen fein!

Was Tiere leisten.

Die Vorstellung, daß man die Tiere als Hand­werker oder Schauspieler ansieht, ist uns ganz ge­läufig. Mit demselben Recht könnte man aber auch von anderen Berufen sprechen, die sie ausüben. So wenigstens schildert ein amerikanischer Zoologe die mannigfachen Tätigkeiten, die man in der Tier- wett beobachten kann. Die Bienen können danach als Mathematiker gelten, die Honigzellen sind von ihnen so konstruiert, daß sie mit Dem geringsten Material die größten Räume Herstellen und mög­lichst wenig durch Zwischenräume verlieren. Der Maulwurf ist ein Meteorologe, ebenso wie die vie­len andere Tiere, die uns durch ihr verändertes Benehmen einen Wechsel der Witterung anzeigen. Der Nauttlius, dieser merkwürdige Meerbewohner, den man auchPerl- oder Schiffsboot" nennt, ist ein richtiger Seemann, der seine Segel aufzieht und einzieht, Anker lichtet und andere seemännische Ar­beiten vollbringt. Ganze Gattungen von Vögeln sind hervorragende Musiker. Der Biber ist zugleich Architekt, Zimmermeister und Holzschneider. Das Murmeltier ist ein sehr geschickter Ingenieur; es baut nicht nur Häuser, sondern errichtet auch Was- ferleitungen und Aquädukte. Wespen und Hornissen stellen Papier her, und die Erfindung des Papiers soll durch die Beobachtung und Nachahmung dieser Tiere gelungen sein. Der Fabrikatton von Geweben geben sich manche Insekten hin. Die Leistung des Seidenspinners ist ja allgemein bekannt und un­übertroffen. Aber auch bei der Gewinnung von Kunstseide hat man von den Tieren gelernt. Ameisen sind treffliche Baumeister und zugleich militärische Genies.