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Dienstag, 23. März 1932

187. Jahrgang

Nr. 99 Erstes Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Das Deutschtum in Ostoberschtefien.

INinderhettenrecht.

In letzter Zeit ist in verschiedenen Auslassungen auf die Tatsache Bezug genommen worden, daß am 15. Mai d. I. einige Teile des Genfer Abkom­mens über Oberschlesien zu Ende gehen. Mit diesem Abkommen hat es folgende Bewandt­nis: als 1922 der Schiedsspruch erging, wonach trotz der deutschen Stimmenmehrheit der Regierungsbe­zirk Oppeln zwischen Deutschland und Polen geteilt wurde, mußte auch die Kommission des Völkerbun­des einsehen, daß damit ein organisch zusammenge-. höriges Industriegebiet gewaltsam zerrissen wurde. Um die Nachteile solcher Willkür zu mildern, wurde eine Uebergangszeit von 15 Jahren ge­schaffen, wodurch zunächst einmal der Verkehr, dann der Austausch der wirtschaftlichen Erzeugnisse, Roh­stoffe und Halbfabrikate innerhalb des alten Wirt­schaftsgebietes sichergestellt werden sollte. Darüber hinaus enthielt dieses Genfer Abkommen vom 15. Mai 1922 wichtige Bestimmungen über die Staatsangehörigkeit der Bewohner im Abstim­mungsgebiet, über das Options- und Minderheiten­recht. Zur Durchführung dieses Abkommens wurde ein besonderer Ausschuß mit einem neutralen Vor­sitzenden, dem Schweizer Calo nd er, eingesetzt.

In Polen scheint man der Auffassung zu sein, daß die wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Ab­kommens nicht mehr bestehen, da sich die Wirtschaft beiderseits der Grenze auf die neuen Verhältnisse eingerichtet hat, daß also insofern der Zweck einer Uebergangszeit erfüllt sei. Die Minderheitenfrage will man in Polen aus eigenem Recht heraus be­handeln, nicht aber den Genfer Institutionen über­lassen. Von deutscher Seite hat niemals ein Zweifel darüber bestanden, daß die Rechte des angestammten Volkstums zu achten sind, gleichviel, ob darüber eine internationale Vereinbarung besteht oder nicht. Wir brauchen nur an das Interview zu erinnern, das der Führer und Reichskanzler am 25. Januar 1935 einem Vertreter derGazeta Polska" gab. Er gebrauchte darin ausdrücklich die Formulierung ... Respektierung der an unseren Grenzen leben­den fremden Völker ..." In dieser Fassung ist der Grundsatz von der Achtung auch der Minderheiten dieser Nachbarvölker sinngemäß enthalten. Adolf Hitler fügte aber auch völlig eindeutig jenem Begriff noch den Satz hinzu:Ich sehe daher einen gegen­seitigen Nationalitätenschutz als eins der er­strebenswertesten Ziele einer überlegenen Stactts- führung an ..."

Ferner hat kürzlich der schlesische Oberpräsident Wagner im Provinzialrat von Nieder- und Ober­schlesien mit allem Nachdruck betont, daß die p o l - nische Minderheit im deutschen Reichsgebiet kei­nen Grund zu irgendeiner Klage hat, daß der Staat ihre Besonderheiten achtet, auch wenn sie davon einen manchmal recht weitgehenden Gebrauch ge­macht hat. Andererseits aber muß das deutsche Volk erwarten, daß die deutsche Volksgruppe im pol­nischen Anteil Oberschlesiens in ihren kulturellen Einrichtungen, ihrer wirtschaftlichen Betätigung und in ihrer Lebensmöglichkeit keine neue Beschränkung erfährt.

Leider hat sich gerade in Ost-Oberschlesien oft­mals erwiesen, daß der Wille der Warschauer Re­gierung, diese strittigen Fragen loyal zu behandeln, nicht immer beachtet worden ist. Das Deutschtum, dessen Verdienste um das Land niemand bestreiten kann, ist gerade in diesem Gebiete stark in den Hintergrund gedrängt und sozial stiefmütterlich be­handelt worden. Dazu sagt die Deutsche diplo­matisch-politische Korrespondenz u. a.: Es besagt gewiß nichts Neues, wenn festgestellt wird, daß Deutschland sich durch das Schicksal seiner in Fremdstaaten lebenden Brüder und Schwestern in dem gleichen Maße berührt fühlt, in dem sich auch Polen für sein draußen lebendes Volkstum interessiert. Solche Anteilnahme ist natürlich und kann jeder Nation nur zur Ehre gereichen. Was Deutschland und Polen betrifft, so hat das Schick­sal es so gefügt, daß sich V o l k s g r e n z e n und Staatsgrenzen nicht decken und daß die Grenzen volkstumsmäßig übereinandergreifen. Dies ist ein Tatbestand, der nun einmal besteht und daher auch als Realität hingenommen werden muß. Ebenso selbstverständlich erscheint es, daß einer solchen Situation im beiderseitigen Inter­esse am besten durch gegenseitige Rück­sichtnahme auf das innerhalb der eigenen Staatsgrenzen lebende fremde Volkstum Rechnung getragen wird. Daß Opfer dieser Art im Hinblick auf die übergeordneten Interessen der beiden Vol­ker gebracht werden müssen, ist bereits klar in dem Abschluß des deutsch-polnischen Abkommens zum Ausdruck gekommen. Es war auf beiden Seiten von der staatsmännischen Erkenntnis begleitet, daß chau­vinistische Tendenzen in den Grenzgebieten gegen­über Sem Wunich und der überragenden Notwen­digkeit freundnachbarlichen Zusammenlebens der beiden großen Staaten zurückzutreten hätten.

Das nationalsozialistische Deutschland hat wieder­holt zum Ausdruck gebracht, daß die Meisterung der Minderheitenprobleme weniger eine Sache der formaljuristischen Verpflichtung als vielmehr der inneren Einstellung und Haltung ist, und daß in diesem schwierigen Bezirk des zwischenstaat­lichen Zusammenlebens die politische Vernunft und das Ethos der Staatsführuntz die entscheidende Rolle spielen. Daß Polen seinerseits die vor einigen Jahren erfolgte Aufkündigung seiner internationa­len Minderheitenoerpflichtungen in Genf nicht als einen Freibrief auffaßte, sondern damals ausdrück­lich den Grundsatz vernünftiger Minderheltenpolttik aus eigenem freien Willen proklamierte, entsprach sicherlich einer solchen Einsicht und Haltung. Wenn

die durch Verzahnung des beiderseitigen Volkstums nun einmal vorhandenen Probleme beiderseits von dieser hohen Warte aus gesehen und entsprechend behandelt werden, dann lassen sich auch auf diesem Gebiete Reibungen und Störungen, die dem gro­ßen Ziel einer gesamteuropäischen Zusammenarbeit gewiß nur abträglich wären, im Sinne der höheren gemeinsamen Interessen sicherlich vermeiden.

Gegen die ungesetzliche Boykotthetze des polnischen Westverbandes.

Warschau, 22. März. (DNB.) Im polnischen Senat wies der deutsche Senator Wiesner auf die gegen das Deutschtum gerichteten Entschließun­gen des polnischen WestVerbundes hin. Der ostoberschlesische Wojewode Dr. Grazynski habe bereits am 13. Dezember 1936 auf einer Tagung des Westverbandes in Kattowitz auf die

Kattowitz, im März.

Vor einigen Monaten stellte der Schlesische Woje­wode Dr. Grazynski auf einer Versammlung des Polnischen Westoerbandes fest, daß man nun die ostoberschlesische Industrie als poloni- fiert betrachten könne, und daß es die Aufgabe der nächsten Zeit sein müsse, den polnischen Mit­te l st a n d in Ostoberschlesien zu stärken. Der Ge­schäftsführer des Deutschen Volksbundes, Dr. h. c Otto Ulitz, nahm diese Rede zum Anlaß, um von Dr. Grazynski eine Erklärung darüber zu erlan­gen, wie weit das Deutschtum Ostoberschle­siens von den Forderungen des Wojewoden be­rührt werde. Dr. Grazynski erklärte damals, daß feine Ausführungen sich in keiner Weise gegen die deutsche Volksgruppe gerichtet hätten, und daß er nur das Polentum auf seine Pflicht, den polnischen Mittelstand zu stärken, aufmerksam gemacht habe.

Die für Maßnahmen gegen das Deutschtum zu­ständige nichtoffizielle Organisation, der pol­nische West verband, hat jetzt aber eine Aktion aufgezogen, die sich prakttsch gegen die wirt- schafttiche Existenz des deutschen Mittelstandes rich­tet. In monatelanger Vorbereitungsarbeit wurden in den größeren Städten Ostoberschlesiens Verzeich­nisse der polnischen Kaufleute und Handwerker an­gefordert, und in 54 anderen Ortschaften der Woje­wodschaft wurden Komitees gegründet, die sich mit der Durchführung der Maßnahmen zurAus­schaltung nichtpolnischer Einflüsse in Gewerbe und Handwerk" zu befassen ha­ben. Weiter wurden Kalender für die Hausfrauen angefertigt, in denenzur Orientierung" die pol­nischen Kaufleute und Handwerker angeführt sind. Nach diesen Vorarbeiten und einer Probeaktion, die kurz vor Weihnachten unternommen wurde, hat jetzt, vor Ostern, der polnische Westverband zu Zehn Propagandatagen für die polnischen Kaufleute und Handwerker in Schlesien" ausgeru­fen. Einige Sätze aus dem Aufruf sind so deutlich, daß sie keinen Zweifel über den Zweck der zehn Propagandatage offenlassen. So stellt der Aufruf u. a. fest, daßauf unserem Gebiet zahl­reiche Vorposten einer fremden W i r t -> schafts front existteren, die aus der polnischen Erde die Kräfte ziehen, mit denen sie einen frem-

London, 23. März. (DNB. Funkspruch.) An dem politischen Abendessen, das am Montag­abend von König Leopold von Belgien in der Londoner belgischen Botschaft veranstaltet wurde, beteiligten sich neben dem Ministerpräsidenten Baldwin und dem Außenminister Eden, Lord­siegelbewahrer Lord Halifax, Innenminister Sir John Simon, Kolonialminister Ormsby - Gore, Unterstaatssekretär im Außenministerium Lord Granborne, der erste Wirtschaftsberater der Regierung Sir Frederic Leith-Roß, der Führer der Oppositton Attlee, Churchill.

In der Presse wird erklärt, daß England den belgischen Sicherheits- und Unabhängigkeitswün­schen nicht ungünstig gegenüberstehe, daß es aber von Belgien gewisse Gegenleistungen für eine Garantierung der belgischen Unabhängigkeit durch England erwarte. Die belgischen Wünsche werden in derMorning Post" wie folgt dargestellt: 1. Beseitigung der Abmachungen vom März 1936, aus Grund deren Belgien zur gegensei­tigen Unterstützung gegenüber Frankreich und England verpflichtet wurde; 2. Die Beendi­gung der General st absbesprechungen, die sich aus den März-Vereinbarungen ergeben. 3. ©arantien für d i e belgische Unab­hängigkeit und gebietsmäßige Unver­sehrtheit durch England, Frankreich, Deutsch­land und Italien. Belgien verlange ferner freie Hand in der Auslegung des Sank- tionsartikels 16 der Völkerbundssatzung, der unter anderem vorsieht, daß Mitglieder des Völker­bundesetwaigen zum Schutz der Satzung zusam- menarbeitenden Streitkräften" das D u r ch m a r s ch- r e cf) t durch ihr Gebiet gewähren sollen. Belgien wolle sich das Recht Vorbehalten, den Durchmarsch

Notwendigkeit der Polonisierung von Han­del und Handwerk sowie auf die Besitzrechte der Polen auf den Boden in den Westgebieten hin­ge wies en. Die Aktton des Westverbandes richte sich vor allem gegen das Deutschtum, das auf das schwerste beunruhigt sei. Die polnischen Gesetze verböten ausdrücklich Boykotfbesfre- düngen gegen andersnationale Bürger. Um so verwunderlicher und bedauerlicher sei es, daß in diesem Fall vor den Augen der Behörden eine Boykottaktion durchgeführt werde, die geeignet sei, einen Teil der Bürger des polnischen Staates auf das schwerste in ihrer Existenz zu gefährden und den wirtschaftlichen Frieden zu untergraben. Diese Aktion müsse dazu führen, daß auf wirtschaftlichem Gebiet ein Kampf aller gegen alle aus- breche. Diese Boykottbestrebungen stünden auch im Widerspruch zu der Konsolidierungsaktton und dem Aufruf des Obersten Koc, der sich an alle Bür­ger des Staates gerichtet habe.

den nationalen Organismus stärken". Nicht minder deutlich ist die Aufforderung an die Bevölkerung, nur beim Polen zu kaufen, wenn sie wolle, daß der schlesische Kaufmanns- und Handwerkerstand polnisch wird.

Wenn der Wojewode Dr. Grazynski auch erklärt hat, daß sich sein damaliger Appell an die polnische Öffentlichkeit nicht gegen die deutsche Minderheit richtete, so zeigt doch die Tatsache, daß der polnische Westoerband, in dem Dr. Grazynski seinerzeit seine Rede gehalten hat, feine Worte in einer Weise aus­legt, die mit der Erklärung des Wojewoden nicht übereinsttmmt. Wenn außerdem die Kaufleute und Handwerker aufgefordert werden, ihre Kunden nicht in deutscher Sprache zu bedienen, so beweist das deutlich genug, daß die Aktion allein gegen das Deutschtum gerichtet ist. Nach­dem die Schwerindustrie polemisiert worden ist, nachdem die Mehrzahl deutscher Arbeiter und An­gestellter brotlos ist, will man jetzt dem Deutschtum Ostoberschlesiens seine Grundlagen im Handel und Handwerk entziehen. Die Deutschen Ostoberschlesiens haben die Gefahr, die ihnen droht, erkannt, und der Deutsche Volksbund hat das Deutsch­tum zu gemeinsamer Abwehr aufgerufen. In dem Aufruf heißt es u. a.:Die Regierung fordert zur Sammlung der staatsbejahenden Kräfte auf. Zur gleichen Zeit aber versucht der Westverband, die Träger der deutschen Wirtschaft vor aller Oeffent­lichkeit als staatsbürgerlich unzuverlässig hinzu- stellen, um den polnischen Mittelstand zu stärken. Ob diese Verdächtigung sich mit dem Brauch ehr­barer polnischer Handwerker und Kaufleute ver- trägt, mögen diese entscheiden. Ob diese Verdächti­gung gegen die Bestimmungen des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb verstößt, möge der Staatsanwalt prüfen. Das Deutschtum selbst aber hat das Recht, die Pflicht und die Möglichkeit, au diese Verdächtigungen zu antworten: Dem Ver­nichtungswillen setzen wir unseren Lebens­willen entgegen! Dem Aufruf des Polnischen Westverbandes antworten wir mit dem Aufruf an das Deutschtum: Deutscher, hilf dem bedroh­ten deutschen Bruder in Handel, Handwerk und Gewerbe. Du hilflt dir selbst, wenn du deinem Bruder hilflt!"

ausländischer Truppen nach eigenem Ermes- s e n abzulehnen oder zuzulassen.

Die englische Regierung habe sich nicht auf eine grundsätzliche Ablehnung der belgischen Forderungen festgelegt. Das Blatt weist auf die Verschlechterung der französisch-belgischen Beziehungen infolge der unfreundlichen Stellungnahme der flämischen und rexistischen Gruppen in Belgien gegenüber Frank­reich sowie infolge der Abneigung der belgischen Konservativen gegen den Franco-Sowjetpakt und die französische Volksfront-Politik hin. Alle belgi­schen Parteien seien sich darüber einig, daß Belgien die Gefahr vermeiden sollte, infolge seiner Sonder- verpflichtungen gegenüber Frankreich in irgend­einen Konflikt in O st - oder Mittel­europa hineingezogen zu werden.

Eine französische Denkschrift.

Paris, 23. März. (DNB. Funkspruch.) Das Oeuvre" berichtet, der Quai d'Orsay habe dem Foreign Office eine Denkschrift zugehen lassen, die den französischen Standpunkt in der belgischen Neutralitätsfrage zum Ausdruck bringe und den Wunsch äußere, die Angelegenheit nur in diplo­matischen Verhandlungen zu erörtern, aber keine Konferenz abzuhalten. Auch sollten die Ver­handlungen über die Fragen, die sich nach dem nach der Kündigung des Locarno-Vertrages abgeschlosse­nen vorläufigen Abkommen zwischen Frankreich. England und Belgien ergehn, auf diese drei Länder begrenzt bleiben. Hinsichtlich des Völ­kerbundsartikels 16 sollen Frankreich und England Belgien raten, es möge mit dem Völkerbund selbst über eine Aufhebung der von Belgien durch Ar­tikel 16 übernommenen Verpflichtung verhandeln.

Die Zukunft der Philippinen.

Bon unserem EM.-Äerichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Manila, Anfang 1937.

Menado ist gewissermaßen die Grenzstadt des holländischen Kolonialbesitzes auf unserer Fahrt nach Norden, nach China. Wäre nicht die Aussicht, neue Länder zu sehen, so hätte uns sicher bei der Ausreise eine maßlose Einsamkeit überfallen, denn hier in Nordcelebes hat die Natur noch ein­mal alles an Charakteristischem zusammengelragen, was uns im letzten halben Jahr begleitete. Als allerletztes Wahrzeichen steht schließlich noch ein ge­waltiger Vulkan am Horizont der Celebessee, in die wir nun einbiegen, und die uns unvergeßliche Sonnenauf- und -Untergänge schenkt. Zwei Tage päter tauchen des Morgens Hunderte von kleinen Inseln und endlich Mindanao, die erste große der Philippinen vor uns auf. Bei Zamdoango nähern wir uns dem Lande so dicht, daß wir auch ohne Glas vor der Faktorei einer Kokosplantage die beiden Fahnen erkennen:stripes and stars und eine rot-blaue mit dem weißen Dreieck.

Wir sind im jüngsten Staatswesen der Welt angekommen, das in weniger als einem Jahrzehnt vollständig auf eigenen Füßen stehen soll. Weitere zwei Tage später erreichen wir dessen Hauptstadt Manila. Es dauert viele Stun­den, ehe man die weite Bai, an der schwerbefestig- ten Insel Corregidor vorbei, durchquert hat. Dor den Hafenmauern liegen ein halbes Dutzend Zer­störer und ebensoviel U-Boote. Drinnen selbst wirft bei unserer Ankunft gerade der große englische KreuzerBerwick" neben einem japanischen Marine­tanker Anker. Der Japaner zieht in diesem Augen­blick unter Trompetensignal seine Flagge auf, und in diesen feierlichen Akt hinein bläst der Engländer seine lustigen Morgenweisen, gänzlich als wäre er allein auf weiter Flur. Der Hauptteil der amerika­nischen Flotte ist gerade auf Besuch in Singapore und Niederländisch-Jndien. Ist darum der Eng­länder mit seinen sechs U-Booten in Manila?

Von unserem Schiff verschwinden die Amerika­ner, die hier beheimatet sind. Sie kamen van einem Trip aus Balei, sprich: Bali. Besonders in den letzten Tagen hatten sie gründlich gefeiert. Sie fingen stets am frühen Morgen mit Bier an und waren am Mittag bereitsvollgelaufen", was sie aber keineswegs hinderte, das Trinken dis in die Nacht hinein fortzusetzen. Am letzten Abend be­endeten sie ihre Biergesänge mit dem Vorschlag: Now, lets sing a dutch song! und dann ver­nahmen unsere erstaunten Ohren:Oh, du lieber Augustin!" Zum Kuriosum dieser Gesellschaft ge­hörte ein alter englischer Colonel, der erstaunt auf­sah, als ein holländisches Ehepaar, vor dessen Ka­bine dieFeiern" stattfanden, sich beim Frühstück erhob, als er erschien.

Und dann begann auch für uns Manila. Wir stiegen am One-Million-Dollar-Quai in ein Two- Peso-for-one-hour-Taxi und fuhren los. Imposant sind für jeden Neuling unbedingt die breiten Park­anlagen, das Manila-, das Bay-View-Hotel, der American, der Navy-and-Army-Club, der Dewey- Boulevard, das Parlamentsgebäude und die Haupt­post. Aber dann begann die Kette der Enttäuschun­gen. Jenseits der Brücke, in der eigentlichen Ge - schäftsstadt, glaubt man sich plötzlich in eilt Clendsquartier versetzt, das alle unsere Erfahrungen weit übertraf. Steinhäuser wechselten mit Holz­häusern, bei fast allen die Fassade zerfallen. Die schmalen Seitenstraßen öffneten den Blick auf Be­hausungen aus Kistenbrettern. Die Betondecke der Straßen war eingebrochen. Von systematischer Ko­lonisation war nicht die Rede. Es hatte gerade ge­regnet und das Wasser stand in tiefen Pfützen, die Kanäle und Bäche waren voller tiefschwarzem Schmutz. Der Chauffeur mochte aus unserem Schwei­gen die Enttäuschung bemerkt haben, denn er brach die Rundfahrt durch die Stadt plötzlich ab und fuhr in die Vorstädte, ins glatte Land hinaus. Aber dort wurde es eher noch schlimmer. Auch hier nichts von Wasserregulierungen, stattdessen überschwemmte Straßen, zerfallene Eingeborenen-Häuser und ver­rottete Kirchen, nicht der leiseste Versuch, große Ar­mut wenigstens freundlich nach außen zu zeigen.

Auf der Rückreise kamen wir nach der erträglich modernen Taft - Avenue in die große und saubere Universitätsstadt. Aber das war auch alles. Hatte ich nach alten Vorstellungen eine amerikanische Stadt mit allen Schikanen der Bau­kunst, der Hygiene, des Wohnungskomforts, Ge­schäftshäuser mit Lifts, kurz so erwartet, wie uns Amerika aus jedem Bild entgegenspringt, so mußte ich nun meine Meinung gründlich ändern. Man begreift nicht mehr, warum die Amerikaner die Inselgruppe den Spaniern einmal wegnahmen, be­greift es noch weniger, wenn man sieht, daß gerade die Altstadt mit ihrer Kathedrale, der Saft Do­mingo und den vielen anderen Kirchen, dem Kardinalspalast und den schonen übrigen Gebäuden nicht nur der interessanteste sondern auch s a u b e r st e Teil Manilas ist.

Möglich, wahrscheinlich sogar, daß es die fort­gesetzte Opposition der Filipinos war, öie die Amerikaner abgehalten hat, die Stadt wirklich großzügig aufzubauen, mehr zu tun, als ein vor­übergehender Aufenthalt fordert. Den neuen Staat haben spanisierte Bewohner der Hauptstadt ge­schaffen. Es darf bezweifelt werden, daß die Millio­nen auf den mehr als 7000 Inseln überhaupt etwas von diesem Staat und vor allem seiner Zukunst wissen. Man muß das Schlimmst" befürchten, wenn einmal die amerikanische Flotte Manila verläßt. Es wird soviel von einer Gefahr, die von außen kommt, geredet, aber in Wirklichkeit kann sie ebenso von innen kommen. Es fehlt nämlich so ziemlich alle^

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Bon unserem a h.-Korrespondenten.

König Leopold in London.

Um Belgiens Neutralität.England erwartet Gegenleistungen.