Aus -er Provinzialhauptstadt
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Sie
Gefolgschaften Mitte und Nord auf
den
H.
— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:
„Es geht um
n". — Oberhessischer Kunstverein, Turm- rinärräte Dr. Keller in Gießen und Dr. Wil- Brand: 11 bis 13 Uhr Ausstellung der I Helm N u n g e s ser in Darmstadt, sowie Schlacht-
mein Leben'
Haus am
bringer mancher Neuigkeit, der Vermittler bei manchem Geschäft, mit einem Wort: er ist zu einem wichtigen Bindeglied in der Dorfgemeinschaft geworden. H.
wird zur Zeit niedergelegt, weil die Gartenstraße durch das Grundstück ihre Fortsetzung erhalten soll. Der neue Straßenteil soll am Fuße des Nahrungsberges entlang mit Richtung nach der oberhessischen Eisenbahn gehen. Nach dem Ausbau des Straßen- teils sollen dort zur Ausführung vorgesehene Einfamilienhäuser errichtet werden, womit ein weiterer
zu den Kundgebungen der Hitler-Jugend am Sonntag? Wenn nicht, haben Sie totsicher etwas versäumt. Die HI. gibt „keine großen Sachen" kund, sondern sie will Sie mit Lied und Scherz, mit Spiel und Rede erfreuen. Gehen Ci: in der Zeit von 16.45 bis 17.30 Uhr zu den
graue Kaare
Oelgemälde, Aquarelle und Zeichnungen von . . Otto Dill. — Reichsfachgruppe Imker e. V., Ortsgruppe Gießen: 14 Uhr Versammlung bei Hopfeld
zelnen Stadtbezirken, bei denen ein gemeinsamer Feierraum, der 600 bis 700 Personen faßt, vorgesehen werden muß.
Auf dem Lande bestehen im Kreise Gießen so gut wie keine Möglichkeiten, aus bereits vorhandenen Hausmöglichkeiten zweckentsprechende Heime zu gestalten. In Gießen selbst wäre vorzuschlagen, aus der jetzigen Dienststelle des Bannes 116, Wartweg 19, würdige und zweckentsprechende Heime zu schaffen und der Bann- und Jungbannführung einmal vor allen Dingen ein ordentliches Haus als Dienststelle zur Verfügung zu stellen.
Frage 6: Würde es nach der Ansicht der Vannführung 116 zweckmäßig sein, in Verbindung mit den eigenen Heimen der HI. Sportplätze, unmittelbar anschließend an das heim oder in dessen Nachbarschaft, zu schaffen?
Antwort: Die Lage des Heimes soll so gewählt werden, daß ein Sportplatz, oder eine U e b u n g s w i e s e zur Verfügung steht, oder aber in einem späteren Bauabschnitt Sportplatz und Turnhalle errichtet werden können. In einem weiteren Bauabschnitt wollen wir möglichst viel Schwimmhallen errichten. Ein solches Jugend- qelände hat den Vorzug der Verbindung der geistigen Erziehung und der weltanschaulichen Schulung mit der körperlichen, denn beides kann in der HI. nicht voneinander getrennt werden.
Wir rufen alle diejenigen auf, die sich mit der Jugend des Führers verbunden fühlen, mitzuhelfen, dieser Jugend die erforderlichen Heime zu schaffen. HJ.-Heime sind Stätten der nationalsozialistischen Erziehung!
LPD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — macht bekannt, daß die Untersuchung von Gegenproben gemäß § 6 Absatz 1, S. 2 des Lebensmittelgesetzes nur durch einen hierfür zugelassenen Sachverständigen erfolgen darf. Als chemischer Sachverständiger ist oer Inhaber des Chemischen Laboratoriums Fresenius, Dr. Remigius Fresenius ins Wiesbaden, zugelassen. Als tierärztliche Sachverständige sind zugelassen die Stadtvete-
Witzlebensche Wohnhaus Am Nahrungsberg 57 Zeit niedergelegt, weil die Gartenstraße Grundstück ihre Fortsetzung erhalten soll.
Oer Lichtermann.
Es sind jetzt 25 Jahre her, das auch in unseren Dörfern das elektrische Licht seinen Einzug hielt. Es war eine denkwürdige Begebenheit damals, als wir zum ersten Male den Schalter berührten und fast wie ein Schöpfer sagen konnten: Es werde Licht! Für die Kinder waren es herrliche Tage. Sie wollten nun auch sehen, wie die Sache in allen Zimmern „funktionierte". Schon wochenlang hatten sie zugeschaut, wie die Drähte gelegt wurden, wie dann der Zahler kam und endlich die lang erwartete Ankündigung: Heute abend können wir zum ersten Male elektrisch beleuchten!
Die alte Petroleumlampe wurde zunächst schief angesehen, aber der sorgsame Hausvater stellte sie doch so auf, daß er sie bei Gelegenheit wieder holen konnte. Und die Gelegenheiten kamen in den ersten Jahren immer wieder einmal. Da war dann die Familie wieder unter dem trauten Schein der alten treuen Petroleumlampe versammelt. Aber nach und nach festigte sich alles. Die heutige Jugend weiß kaum noch etwas von der alten Petroleumlampe.
Mit dem Einzug des elektrischen Lichtes kam auch der „Lichtermann". Zu Anfang jedes Monats erschien er mit seiner Tasche und einer Liste, las sorgfältig den Stand des Zählers ab und legte dann die Abrechnung vor.
Die Kinder schauten zu, aber die Alten hatten immer noch etwas zu fragen. Der Mann kam ja aus einem benachbarten Dorfe. Und da gab es allerlei zu erzählen. Besonders in den Wintertagen, wenn keine Arbeit im Felde drängte, war der „Lichtermann" in vielen Häusern ein gern gesehener Gast. Der Lichtermann — er hatte schon weiße Haare — konnte gut erzählen, war immer freundlich und schlug gelegentlich auch eine Tasse Kaffee nicht aus, denn die Verwandtschaften von Dorf zu Dorf sind ja zahlreich vertreten.
Immer mehr Anschlüsse wurden gelegt, immer mehr Motore hörte man brummen. Da war die Ablesearbeit in den drei Dörfern für den alten Mann zuviel. Er beschränkte sich auf sein Heimatdorf.
Bei uns aber erschien ein „Einheimisches, ein junger Mann, der nun von Haus zu Haus ging und das Geld einsammelte. Auch er war gesprächig und blieb gern einen Augenblick stehen. Im Sommer war die Unterhaltung kurz, denn draußen harrte die Arbeit. Da waren manchmal die Haustüren verschlossen, und spät abends, wenn die anderen schon an die Nachtruhe dachten, ging der „Lichtermann" noch durch die Straßen. In dieser Zeit traf er alle sicher an. Seine eigene Arbeit — er war auch ein Landwirt — mußte freilich öfters liegen bleiben. Das war in regnerischen Sommern recht bitter, aber „Dienst ist Dienst", sagte er, und „Schnaps ist Schnaps!" Und so wanderte er von Haus zu Haus, hörte viele Neuigkeiten und gab sie wieder. So wuchs er langsam zur „Dorfzeitung" heran und zeigte sich vielen durch eine Frage, oder durch eine Empfehlung gefällig.
Man hat sich an den „Lichtermann" gewöhnt und legt das Geld zurecht. Beim Abschied heißt es dann: „Du kannst einmal dem R. sagen, daß ich mir einen neuen Gaul kaufen will", oder eine andere Mitteilung. So trägt der Lichtermann nicht nur seine Zettel von Haus zu Haus und kehrt mit einem vollen Beutel heim, er ist auch der Ueber-
mittelt. Wer ein HJ.-Heim entwirft, muß mit dem örtlichen Formationsführer das Raumprogramm aufstellen, unter Beachtung der Stärke der einzelnen HI.-Formationen, und darüber hinaus ihrer etwaigen späteren Auffüllung. Wir wollen unsere Heime nicht nach einer flüchtigen Skizze bauen, wir wollen saubere Arbeit, bis ins kleinste genau gezeichnet, und durchdachte Einzelausbildungen. Ebenso wie für den Bau eines HJ.-Heimes an sich äußerste Sorgfalt zu gelten hat, muß auch für die Inneneinrichtung besonderes Verständnis gezeigt werden.
Frage 5: Wie beurteilt die Bannführung 116 die Möglichkeit zur raschen Lösung der Heim-Frage in Gießen und in den Landstädten des Kreises, insbesondere im Hinblick auf bereits vorhandene hausmögtichkeiten?
Antwort: In Gemeinden unseres Kreises unter 500 Einwohnern wird zumeist ein Raum ausreichen. In Gemeinden bis zu 1000 Einwohnern benötigen wir 2 Scharräume, einen Fahrradunter- stellraum, 1 kleines Führerzimmer, 1 Kleiderablagerraum. In Gemeinden von etwa 1000 bis 5000 Einwohnern, die etwa einem Gefolgschaftsbereich entsprechen, brauchen wir 5 bis 6 Scharzimmer, 1 Gemeinschaftsraum für den Dienst der ganzen Gefolgschaft, 1 Brausebad, 1 Fahrradunterstellraum, 1 Kleiderablage, 1 Führerzimmer, 1 Führerinnenzimmer. Für Gemeinden von 5000 bis 15 000 Einwohner sind 10 bis 12 Scharräume, 2 Räume für die Unterbringung einer Gefolgschaft und sonst die gleichen Räume wie oben erforderlich. Gemeinden über 15 000 Einwohner haben einen Raumbedarf für einen oder mehrere Unterbanne. Die Aufteilung von Stadtbezirken nach Unterbannen begründet die Errichtung von Unterbannheimen in em-
♦* Sterbefälle in Gießen. Es oerftarben in Gießen: 17. Jan.: Heinz Prediger, Konditorlehrling, 15 Jahre, Plockstraße 9; Luise Schmidt, geb. Schäfer, 79 Jahre, Asterweg 39; Johann Georg Lang, Strafanstaltsoberwachtmeister, 55 Jahre, Gutfleischstraße 4. 19. Jan.: Ludwig Otto Lindenstruth, Lehrer i. R. 64 Jahre, Schiffenbeger Weg 9. 20. Jan.: Frieda Drüge, 52 Jahre, Hensel- straße 2. 21. Jan.: August von Oppeln-Bronikowski, Hauptmann a. D., 67 Jahre, Lichcr Straße 74. 22. Jan.: Wilhelm Mühl, Reichsbahnzugsührer i. R., 69 Jahre, Am Riegelpfad 96.
** D i e Ergebnisse der Bodenschätzung betrifft eine Bekanntmachung des Finanzamtes Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil, auf deren Beachtung die Grundbesitzer zahlreicher Gemeinden des Finanzamtsbezirks dringend hingewiesen seien.
** Holzversteigerungen werden in einer Anzahl Bekanntmachungen in unserem heutigen Blatte angekündigt. Interessenten seien auf diese Bekanntmachungen besonders hingewiesen.
** D i e Ausgabe von Brenn st off-Be- zugsscheinen betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Wohlfahrtsamtes in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten mögen die Ankündigung beachten.
** Gebäude-Abbruch. Das ehemalige von
Hoftierarzt Dr. Reiss, Mainz. Die Zulassung gilt für das Gebiet des Landes Hessen.
Musikalische Abendfeier i der Schulgemeinschast Oberrealschule. ■
Schulgemeinschaftsabende üben schon immer eine besondere Anziehungskraft auf Schüler, Eltern, Lehrer und Freunde der Schule aus, wie dies bei der am gestrigen Freitagabend veranstalteten musikalischen Abendfeier der Oberrealschule in der Turnhalle . erneut festgestellt werden konnte Aber nicht nur die zur Schulgemeinde gehörenden Volksgenossen waren zur Feier erschienen, sondern auch weite Kreise der musikliebenden Bevölkerung hatten der Einladung Folge geleistet.
Einleitend begrüßte Oberstudiendirektor Leonhard die vielen Besucher und dankte ihnen für ihr Erscheinen. Er sprach allen Mitwirkenden Dank dafür aus, daß sie keine Mühe gescheut hatten, ein Musikstück einzuüben, das in Dichtung und Komposition ein Werk deutscher Musiker sei. Er führte u. a. weiter aus, daß es die deutsche Musik sei, die Herz und Gemüt über den Alltag in die Höhe hinauf erhebe. Ehrliches Wollen aller Mitwirken- den, vom kleinsten Sextaner bis zum vollendetsten Künstler, müsse man bei allen feststellen: jeder habe das Bestreben, sein Bestes zu geben, um dazu beizutragen, daß die Schulgemeinschaft nach außen ein geschlossenes Bild zeige. Seine Dankesworte galten auch dem Leiter der Veranstaltung, Oberreallehrer Blaß, dem Musiklehrer der Oberrealschule, der keine Mühen gescheut habe, das Werk einzuüben. Die Ansprache schloß mit dem Dank an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, der es erst ermöglicht habe, daß wir heute wieder deutsche Musik von deutschen Meistern hören könnten. Im Sieg-Heil auf den Führer und dem Gesang der beiden nationalen Lieder erklangen die Worte des Schulleiters aus.
Die Aufführung des Werkes „Das Lied von der Glocke" von Schiller, komponiert von A. Romberg, stellte an die Mitwirkenden große Anforderungen. Den Chor stellten Schüler aus allen Singklaffen, meist Knaben; auch einige Mädchen der oberen Jahrgänge fangen mit. Die jugendlichen Sänger wurden ihrer Aufgabe vollauf gerecht. Namentlich im Chor „Wohltätig ist des Feuers Macht...", der mit feinen Schwierigkeiten große Anforderungen stellt, folgten die Sänger und Sängerinnen sicher und aufmerksam ihrem Chorleiter.
Das Schulorchefter der Oberrealschule hatte durch Hinzuziehung einiger Künstler aus der Einwohnerschaft unserer Stadt eine wesentliche Stärkung erfahren und war allen Anforderungen gewachsen. Einzelne Mitspielende besonders zu erwähnen, hieße andere zurücksetzen.
Die Solostellen des Sopran hatten zwei Schülerinnen der Primen, Frl. Annelene Rauch und Frl. Brunhilde Keil, übernommen. Den Meister sang Studienrat Kraus (Baß), die übrigen Solopartien Musiklehrer Dietrich (Tenor). Auch die Solisten verhalfen mit ihren sehr guten Leistungen der Ge- samtaufführung zu einem vollen Erfolg.
Die vielen Zuhörer dankten mit starkem Beifall. Der Abend kann in der Geschichte der Oberrealschule als eine recht gut» Leistung verbucht werden.
Gießener Wochenmarktpreije.
* Gießen, 23. Jan. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, Vs kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 dis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C 11^, ungezeichnete 10, holländische, Klasse B 1214, belgische, Klasse B 12K, i Wirsing, % kg 10 bis 12, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, ' Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat ; 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 60, Zwiebeln 8 bis 10, : Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartofefln, kg 5 Pf., 5 kg 42 Pf., 50 kg 3,35 bis > 3,55 Mk., Aepfel, H kg 10 bis 20 Pf., Tafeläpfel I 25 bis 35, Birnen 10 bis 25, Nüsse 40 bis 55 Pf., - Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., : Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 5 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pf.
Amtsgericht Gießen.
Der 29jährige P. B„ der keinen festen Wohnsitz hat und sich bettelnb umhertreibt, wurde zu vier Wochen Haft verurteilt. Da der Angeklagte bei der Einlieferung in das Gefängnis sich eines falschen Namens bediente und sich unter diesem falschen Namen in die Bücher eintragen keß, legte ihm das Gericht eine ® e f ä n g ni s ft r a f e d o n einem Monat auf. Der Angeklagte erkannte die Haft- bzw. Gefängnisstrafen an.
Kleine Strafkammer Gießen.
Nornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Der Zarewitsch" (NSG. „Kraft durch Freude"). — Gloria-Palast, Selterswea: „Weiße Sklaven"; 23 Uhr Nachtvorstellung „Kreuzweg einer Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es geht um mein Leben". — DDAC.: 20.30 Uhr Kostüm-Ball in den Räumen des Gesellschaftsvereins. — Vereinigung ehern. Angehöriger des Realgymnasiums: 20 Uyr Familienabend rm Restaurant Hindenburg. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung der Oelgemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Professor Otto Dill.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19 bis 21.45 Uhr „Der Zarewitsch". — Gießener Konzertverein: 17 Uhr Klavier-Abend Professor Edwin Fischer in der Unioersitätsaula. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Weiße Sklaven".
Der 59 Jahre alte K. W. aus Langd war wegen Bettelns zu sechs Wochen Haft verurteilt, außerdem war feine Unterbringung in ein Arbeitshaus ausgesprochen worden. Die von dem Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung rouroe verworfen, es verbleibt somit bei der Strafe. Bei dem Angeklagten handelt es sich, wie die Beweisaufnahme ergeben hat, um einen besonders gefährlichen Burschen. Der Angeklagte, der eine große Anzahl Vorstrafen hat, zog im November vorigen Jahres in Lich herum, betete fromme Spruche vor sich hin, war, je nachdem wie die Situation es er= forderte, einmal katholisch, dann wieder evangelisch und verstand es, die von ihm angebotenen, mit religiösen Sprüchen versehenen Postkarten an den Mann zu bringen. Selbst in der Hauptverhandlung gab er auf Befragen, welcher Konfession er angehöre, an, er sei katholisch und evangelisch.
Während der vorjährigen Herbstmanöver fuhr eine Kraftfahrkolonne unseres Heeres durch Lauterbach. Der unter Anklage gestellte Jude Sally Weinberg rannte, ohne auf die Fahrzeuge zu achten, über die Straße, und nur durch die Geistesgegenwart der Kraftfahrer konnte eine größeres Unglück verhindert werden. Trotz des Motorgeknat- ters will der Jude, wie er angegeben hat, dies nicht gehört haben. Der Verteidiger des Juden, ein Frankfurter Anwalt, versuchte mit echt jüdischen Mitteln die Unfchuld seines Rassegenossen nachzuweisen. Das Gericht verurteilte den Juden, da ihm die Absicht der Verkehrsgefährdung nicht nachae- wiefen werden konnte, wegen Vergehens gegen die Reichsstraßen-Derkehrsordnung zu einer G {träfe von 30 Mark und legte ihm die Kosten
des Verfahrens auf.
Schöffengericht Gießen.
Ein 60 Jahre alter Mann aus Lauterbach hatte im Dezember 1936 in Lauterbach einem Dritten gegenüber in feiner Wohnung leitende Personen von Lauterbach beleidigt und an ihrer Ehre gekränkt. Weaen Beleidigung und übler Nachrede wurde der Angeklagte in eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen genommen, die durch die Schutzhast als verbüßt gilt. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Angeklagten auferlegt. Wegen Vergehens gegen § 134 StGB, erfolgte Freispruch, da das Gericht unterstellte, daß der Angeklagte nicht mit Ueberlegung gehandelt hat und daß die Beleidigungen nicht öffentlich ausgesprochen waren. Strafmildernd wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist, im Weltkriege sich durch tapferes Verhalten besonders ausgezeichnet hat, sowie sein einsatzbereites Verhalten für die NSDAP, vor der Machtübernahme.
Der 31jährige W. D. aus Günzerode, wohnhaft in Berstadt, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, sowie wegen unerlaubten Waffenbesitzes unter Annahme mildernder Umstände zu sechs Wochen Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 150 Mark verurteilt. Der von dem Angeklagten zur Tat benutzte Trommelrevolver nebst Patronen wurde eingezogen. Für je 10 Mark der Geldstrafe hat er im Uneinbringlichkeitsfalle je einen Tag Gefängnis zu verbüßen. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß der Angeklagte, der mit den drei Familienangehörigen der als Zeugen vernommenen Familie Di. feit längerer Zeit auf gespanntem Fuße lebt, und schließlich durch deren herausforderndes Verhalten, besonders aber der Ehefrau Di., derart gereizt worden ist, daß er sich zu der Tat hat hinreißen lassen. Dem Angeklagten, der durch seine Tat dem Zeugen A. D. durch die Schußverletzung ein Drittel der Sehkraft eines Auaes genommen hat, mußte nach den ganzen Umständen durch Verhängung einer Gefängnisstrafe gezeigt werden, daß seine Tat verwerflich war. Wegen des unerlaubten Waffenbesitzes erkannte das Gericht auf die Geldstrafe, die im Nichtbeitreibungsfalle mit 15 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist.
Nunvfunkprogramm.
Sonntag, 24. Januar.
6 Uhr: Hafenkvnzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Orgel- choräle. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Dichter im Dritten Reich. 10: Vom Willen der jungen Gefolgschaft. Glaubt es, daß Leben stärker ist als Tod. 10.30: Chorgesang. 11: Friedrich der Große. Zu seinem 225. Geburtstag. Von General a. D. Dr. Bethcke. 11.30: Bach-Kantate: „Mein liebster Jesus ist verloren". 12: Mittagskonzert. 13: Konzert. 14: Kinderfunk. 14.45: Das Volk erzählt. 15: Unterhaltungskonzert. Einlage: Internationale Wintersport- woche in Garmisch-Partenkirchen 1937, Funkbericht vom Vierländer-Turnier im Eishockey. 16.30: Musik zur Unterhaltung. 18: Kasseler BDM.-Mädel blättern in dem neuen BDM.-Liederduch. 18.30: Sonntagabend — vergnügt und froh, dafür sorgt Fidel & Co. („Fidel & Co." auf dem Maskenball.) 19.50: Sportbericht. 20: Aus dem Großen Saal des Saalbaues: IV. Sonntagskonzert der MufeumsGefellfchaft. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk).
Montag, 25. Januar.
6.00 Uhr: Ach du klarblauer Himmel (Silcher). — Morgenfpruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 9.30: Nur Kassel: Nachrichten. 10.00- Schulfunk. Der Mann am Zopf. Ein Münchhausen-Abenteuer, gestaltet von Wolfgang Jünemann. 11.00: Hausfrau, hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: Sozialdienft. 12.00: Schloßkonzert I. 13.00: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Schloßkonzert II. 14.00: Nachrichten. 14.10: Ihr lieben Hörer, auf, gebt acht, denn dies Programm habt ihr gemacht! 15.00: Volk und Wirtschaft. Das elektrische Automobil. 15.15: Kinderfunk „Jetzt basteln wir wieder". 15.45: Von Kassel: Neue Unterhaltungsmusik. 16.40: Südwestdeutsche Erzähler. 16.55: Musik für zwei Klaviere. 17.30: , „Robert Schumann fährt an den Rhein", Hörfolge ■ von Waltrud Ritzel. 18.00: Unterhaltungskonzert. : 19.00: Chormusik. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.00: Nachrichten. 20.10: Klänge der Heimat. 22.00: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk; Sportbericht.
Schritt zur Erschließung des Nahrungsberges getan wird.
** Sichergestelltes Diebesgut. Bei der hiesigen Kriminalpolizei wurden folgende Sachen sicher-gestellt, die vermutlich aus Diebstählen her- rühren und etwa Mitte vorigen Jahres entwendet wurden: 1 lind farbiges Sommerkleid mit Glasknöpfen, 1 beigefarbiges Sommerkleid aus Rohseide mit rosafarbigem Kragen, 2 weiße Damennachthemden mit Monogramm M L oder L M, 1 beigefarbiger Sofakiffenbezug mit Blumenmuster (Maschinenstickerei), 1 weiße Tischdecke, rot gemustert, mit Fransen. Eigentumsberechtigte wollen sich auf Zimmer 65 der Polizeidirektton, Kriminalpolizei, melden.
in Gießen.
Heinz-Steguweit-Uraufsührung im Gießener Stadttheater.
Die Intendanz des Stadttheaters hat das neue Spiel von Heinz Steguweit „Diogenes" oder „Das Urteil nach dem Augenschein erworben, welches am 7. Februar im Rahmen einer luftigen Morgenveranstaltung zur alleinigen Uraufführung gelangt. Die Spielleitung führt Günter Winkel. Die Rolle des „Diogenes" spielt Victor von Gs ch me id l e r.
Der neue Wochen-Spietplan des Stadttheaters Gießen.
Am Sonntagabend, 24. Januar, findet noch einmal eine Wiederholung des großen Erfolges „Der Zarewitsch", Operette von Franz Lehär, statt. Die musikalische Leitung führt Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Tänze: Irmgard Zenner. Anfang der Vorstellung 19 Uhr, Ende 21.45 Uhr. Außer Miete.
Dienstag, 26. Januar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, „Wasser für Canitoga", Schauspiel von G. Turner. Spielleitung: Anton Neuhaus. Dienstag-Miete. 18. Vorstellung.
Mittwoch, 27. Januar, Anfang 19 Uhr, Ende 22.15 Uhr, „Carmen", Oper von G. Bizet. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Mittwoch-Miete. 17. Vorstellung.
Freitag, 29. Januar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Zum ersten Male „Weiterer Tanzabend". Leitung: Irmgard Zenner. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. — Hierauf: Erstaufführung: „Die schöne Galathee", Operette von Fr. v. Supp6. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul Wrede. Freitag-Miete. 18. Vorstellung.
Sonntag, 31. Januar, Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Zum letzten Mal der große Erfolg „Charleys Tante", Schwank v. Br. Thomas. Spielleitung: Der Intendant. Musikalische Leitung: Paul Walter. Außer Miete.
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Küpreß ausverkaust!
Arn gestrigen Freitag mußte der Vorverkauf zum Fest der Künstler und der Presse eingestellt werden, da das Fest ausverkaust ist. Die Nachfrage nach Karten hat am letzten Tag so stark eingesetzt, daß der kleine Rest von Einlaßkarten schon um die Mittagszeit vergriffen war. Wie der Festausschuß uns mitteilt, ist es leider nicht mehr möglich, Wünsche nach Eintrittskarten zu berücksichttgen, da eine Ueberfüllung der Säle im Interesse der Festbesucher vermieden werden muß. Die Vorverkaufis- st eilen sind daher nicht mehr in der Lage, Karten a b z u g e b e n. In der Annahme, daß das Fest wiederholt wird, wurden bereits eine Reihe von Vorbestellungen — über 150! — gemacht. Die Frage, ob dös Fest wiederholt werden kann, ist noch nicht entschieden. Der Festausschuß wird die Frage heute erneut prüfen und entsprechende Mitteilungen an die Oeffentttchkeit gelangen lassen.
Lebensmitielproben nur durch Sachverständige.


