vearbeiters der „Alten Garde" (Nr. 1 bis 100 000) organisatorisch dem Personalamt angeschlossen.
Selbstverständlich gehören zum Personalamt noch die Stellen, welche die, aus der Natur des Amtes erklärliche, sehr starke Aktenregistratur, Namenskartei und gebietlich gegliederte Stellenbesetzungskartei, sowie den gesamten Schriftverkehr bearbeiten. So sehr wie die Partei als eine kämpfende Bewegung sich hüten muß, ein bürokratischer „Apparat" zu werden, hinter deren Schaltern die eisige „Amtsmiene" droht, so verständlich ist aber auch, daß die nun einmal notwendige Sorgfalt in der Geschäftsführung gewährleistet ist.
Ideal soll uns immer sein in der Verwaltungsarbeit eines Parteiamtes die glückliche Verbindung kämpferischer soldatischer Haltung mit den besten Eigenschaften und Erfahrungen preußisch-deutschen Beamtentums. Die dauernde lebendige Ver-
Kaiserreich
Eine Buchbesprechung.
— Ruppert Recking : E i n Kaiserreich auf Aktien. (Ein Journalist erzählt, Band II.) Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Preis 7,50 Mk. — (540) — Recking, damals ein junger deutscher Journalist Mitte der Zwanzig, setzt die Schilderung der Erlebnisse auf seiner Reise fort, die ihn im Auftrage des berühmten amerikanischen Zeitungskönigs Gordon Bennett, Verlegers des „New York Herald", 1898 an die Seite Slatin Paschas in der Schlacht bei Omdurman gegen die Mahdisten .geführt hatte und ihn dann wenig später Zeuge 'werden ließ des „Zwischenfalls" von Faschoda am oberen Nil, wo der französische Major Marchand vor dem Machtspruch Kitcheners zurückweichen mußte und den Rückzug durch Abessinien an die Küste antrat. Recking zieht unerschrocken und unternehmungslustig auf eigene Faust durch den Bahr el Ghasal nach Südosten. Es ist die Zeit der Aufteilung Afrikas unter die Mächte. Vertreter aller Nationen, Franzosen, Engländer, Belgier, Deutsche, Italiener, aber auch Schweizer und sogar Russen streiten um diesen letzten Teil Jnnerafrikas, der zwischen dem Kongostaat und Abessinien, zwischen Französisch-Aequatorial-Afrika, dem Sudan und Britisch-Ostafrika noch der Unterwerfung unter einen europäischen Herrn wartet, eifersüchtig beobachtet von den Kolonialpolitikern aller Länder, aber bis dahin noch so recht das Gebiet für kühne und rücksichtslose Abenteurer, für Geschäftsleute großen Stils, denen die Eifersucht der Kolonialmächte erlaubt, ihre eigene Politik zu treiben. So einen trifft Recking denn auch in dem arabischen Elfenbein- Händler Z o b e r B e y , der sich allerdings bei näherer Bekanntschaft als deutscher Landsmann aus der Oberpfalz entpuppt, der als Heidelberger Student nach Jnnerafrika ausgerückt ist und sich hier durch eigene Tatkraft und Kühnheit ein Reich von der Größe Deutschlands, von kaum vorstellbarer Ueppig- keit an Naturfrüchten, Bodenschätzen und Wildreichtum aufgebaut hat, das er an der Spitze einer Truppe ausgesuchter Soldaten und Jäger als unabhängiger Herr durchstreift, umworben und geachtet von den angrenzenden Kolonialmächten, die seine Bundesgenossenschaft suchen. Es ist ein geradezu phantastisches Märchenbild aus unseren Knabentagen, was sich den Augen Reckings hier mitten im afrikanischen Urwald zwischen Nil und Rudolfsee bietet, aber es wird hochpolitische Wirklichkeit, als dieser Zober Bey ihn in seine geheimsten Pläne einweiht, die auf eine Beteiligung an der Erschließung des soeben von einem abessinischen Großen, dem Ras Walde Giorgis, eroberten Kaiserreiches Kaffa abzielen, des gerade jetzt von italienischen Truppen besetzten West-Abessinien. Recking schlägt sich in einem abenteuerlichen Marsch zum Rudolfsee durch und nimmt in Anderatscha Fühlung mit dem Ras, den ein Gewimmel von Franzosen, Griechen und Russen, Soldaten, Jnge-
bindung mit Partei und Volk draußen im Gau erhält uns beweglich und immun gegen die Gefahr einer Verbürokratisierung oder einer Verkapselung in einer „höheren" Atmosphäre. Hierin ist uns unser Gauleiter selbst Vorbild im Alltag des Dienstes! —
So soll das, was im Rahmen des zur Verfügung stehenden Raumes über die Arbeit und Bedeutung des Personalamtes gesagt werden konnte, einen kleinen Ausschnitt geben aus dem Frontabschnitt Hessen-Nassau der NSDAP., der seit seinem Bestehen immer stolz war, seinen Teil im Aufbau und in der Fortentwicklung der Partei geleistet zu haben. Die Partei wird im Rhein-Main-Gebiet, gerade auch im kommenden Zeitabschnitt des zweiten Vierjahresplanes, ihr berechtigstes Primat im Leben des Volkes beweisen und den Motor, unserer Kräfteentwicklung darstellen! — —
auf Aktien.
nieuren, Kaufleuten umgibt, von denen ein jeder seine persönlichen Pläne verfolgt. Eine besonders interessante Figur ist der russische Abenteurer L e o n - tieff, Graf von eigenen Gnaden, der mit seiner Phantasie sogar den Petersburger Hof in Bewegung gesetzt hat und nun hier in Abessinien eine undurchsichtige Rolle spielt. Die Verhandlungen mit Walde Giorgis lassen sich nach vielen Intrigen und Querschüssen Leontieffs gut an und Recking zieht im Gefolge des Ras nach Addis Abeba, um dort Marchands Empfang am Hofe des großen Kaisers Menelik beizuwohnen. In Massaua trifft er dann wieder an Bord der Luxusjacht seines Chefs mit durchaus gemischten Gefühlen auf die überfeinerte Zivilisation des Abendlandes. Die politischen und wirtschaftlichen Projekte, um die es sich damals, also gut ein Menschenalter vor der italienischen Eroberung und dem neuen Versuch einer Erschließung des Landes, gehandelt hat, waren das Interesse wert, das sie vor allem bei dem stets unternehmungslustigen Belgierkönig Leopold, aber auch bei den Franzosen und Russen gefunden haben. Kaffa, das Reich des märchenhaften Kaiser-Gottes von Kusch, die Heimat des Kaffees, der erst von hier nach Arabien gekommen ist, im Gegensatz zum eigentlichen Abessinien ein ausgesprochenes Bauernland, mußte nach den fast überschwenglichen Schilderungen Reckings die Einführung moderner landwirtschaftlicher Betriebsmethoden nicht minder lohnen, wie die Erschließung seiner reichen Bodenschätze aller Arten. Aber der Machtspruch Englands verhinderte das Zustandekommen des' Projektes, weil es als Verbindungsbrücke zwischen Sudan und Britisch-Ostafrika (Kenya) das Land zwischen Nil und Rudolfsee für sich beanspruchte und nicht von Belgiern und Franzosen in die Zange genommen werden wollte. Erst in unseren Tagen soll Kaffa nun im Zeichen der italienischen Eroberung auch wirtschaftlich wieder an Bedeutung gewinnen. Vieles was Recking über die Natur Abessiniens und den Charakter seiner amharischen Herrenschicht sagt, hat sich bei dem Feldzug der Italiener bestätigt, aber man darf nicht vergessen, daß Reckings Schilderungen auf eine Epoche zurückqehen, die als Blütezeit des äthiopischen Kaiserreichs unter dem großen Menelik angesprochen werden muß. Nach dessen Täde muß das zukunftsreiche Land nach dem Zeugnis Zechlins, der zehn Jahre nach Reckings Besuch deutscher Geschäftsträger in Addis Abeba gewesen ist, wieder schnell in seine alten Stammesfehden und seinen wirtschaftlichen Schlendrian zurückgefallen sein. So ist die ungemein fesselnde Schilderung Reckings auch höchst aufschlußreich im Hinblick auf die eben beschlossene deutsch-italienische Gemeinschaftsarbeit zur Erschließung Aethiopiens, war doch das „Kaiserreich auf Aktien" gleichsam ein früher Vorläufer der kolonialwirtschaftlichen Pläne des jetzigen Besitzers.
Friedrich W. Lange.
Als „Bleibende" in Insulinde
Von unserem E.M.-Korrespondenten.
Soerabaja (Insel Java), Dezember 1936.
Es wurde schon verdächtig kühl, als wir uns endlich entschlossen, den kühlen Poedjon-Paß zu verlassen, um wieder in die heiße Ebene um Soerabaja hinabzusteigen. Bereits vierhundert Meter weiter unten blitzten die Scheinwerfer unseres Autos auf. Tiefe Tropennacht umfing uns. Der Mond stand in seiner waagerechten Lage „gleich einer Älberbarke" am Himmel, wie es im chinesischen Urtext einer bekannten Sinfonie heißt. Von den am Wege liegenden „Desas", Dörfern, stieg der wohlriechende Rauch tropischer Hölzer zu uns herüber. Für alle war es wieder einer der so vielen Augenblicke, in denen der unbändige Wunsch auf- stieg in diesem Märchenland, in Jnsulinde — ein zärtliches Wort, das wie süße Hoffnung- klingt — zu bleiben. Rings herum, an den Vulkanen Goenoeng Kawi, Ardjoeno, Andjasmara, Penang- goenang und später des fernen Tenggergebirges, schienen die Abhänge mit Perlenketten von Lichtern übersät zu sein. Dort liegen die Orte Batoe, Selekta, Prigen und Tretts.
Ohne eine Frage zu stellen, zeigte ich auf die tiefschwarzen Kegelspitzen der Berge. „Blijvers" tönte es mir wortkarg entgegen. „Bleibend e" übersetzte ich das Wort in Gedanken und rüttelte damit an einem akuten, tiefen Problem. Ich wußte, daß alle jene Lichter aus Häusern stammten, deren Besitzer ihr Leben in den Tropen beschließen, nicht ^urückgingen in ein Land, das sie einstmals hinausschickte. In dieser Tropennacht wirkten die Lichter wie Totenkerzen.
Warum? Nun, man kann so ohne weiteres keine allgemeine Erklärung dafür abgeben. Allenfalls darf man sagen, daß die Zeit, in der Java nur einen Lebensabschnitt bedeutete, der zwischen fertiger Berufsausbildung und dem Alter lag, vorbei ist. Heute gibt es nur noch wenige Menschen, von denen Reiseschriftsteller früher gerne sprachen, die in ein bis zwei Jahrzehnten Geld genug rafften, um in Europa ein langes Rentnerleben zu führen. Die meisten Europäer haben nun auch hier bis an die Grenze ihres Alters hart zu arbeiten, ehe sie sich über ihre letzten Lebensjahre klar werden können. Gerade bei diesen taucht heute häufig die Ueber- legung auf, ob es nicht besser ist, die bescheidene Rente in Java selbst zu verzehren. Sie folgen damit unbewußt jenen Soldaten, die mit ihren siebzig Gulden Pension schon seit Jahrzehnten auf Europa verzichtet haben. Hinzu kommt noch, daß diese Europäer sogar von aus Holland zurück- kehrenden Rentnern hören. So bauen sich dann viele dort oben im Gebirge ihr Häuschen, nennen es „meine Liebste", „Paradies" und was sie sonst noch an Namen erdacht haben. Der umliegende
Garten gleicht einem Blumenmeer und das Leben ist billig. Für das Huhn zahlt man fünfundreißig Pfennig. Das Ein kostet dreieinhalb, Reis fünf, Kaffee dreißig, für eine Woche Gemüse stellenweise zwanzig Pfennig. Leinenanzüge find billig, Seide noch billiger, für Winterheizung braucht niemand zu sorgen und die besten Schulen gibt es an jedem größeren Platz.
Ja, aber das geistige Leben, höre ich immer wieder einwenden. Nun, damit wird in Europa gerne posiert. Gewiß hat man dort diese Dinge unmittelbar vor der Tür, aber, Hand aufs Herz, wieviele machen davon Gebrauch? Die, denen es damit Ernst ist, haben auch hier alles nach ihrer Einstellung. In den größeren Plätzen auf Java, und die sind meist in höchstens einer Stunde zu erreichen, gibt es fast monatlich große Konzerte berühmter europäischer Künstler; Filme erscheinen hier früher als in vielen mittleren deutschen Städten, zweimal im Jahr gibt es Pferderennen, hervorragende Tanzkapellen sorgen für leichte Unterhaltung, Radio findet man überall, Grammophon auch, die Buchgeschäfte find mindestens ebenso mit der Auswahl an Weltliteratur versorgt wie die besten bei uns, die Schwimmbäder prachtvoller als in den elegantesten Bädern Europas, und wo gäbe es eine schönere Natur als hier?!
„Nur manchmal träume ich davon, daß in meinem Hause ein Kaminfeuer brennt, eiskalter Wind und Schneeböen um meine Fenster wehen", gestand mir der bekannteste, seit zweiundvierzig Jahren in Indien lebende Journalist Javas. „Aber", so fügte er gleich hinzu, „wo habe ich dagegen in Europa ein solches Haus, wo ein solch liebenswertes und heiteres Volk?!"
Ja, und derjenige, der auch noch mit sechzig Jahren eigene Werte schaffen will, hat Zeit und Gelegenheit genug, eine Kultur zu ergründen oder vielen Berufenen dabei zu helfen; eine Kultur, die seltsam abgeklärte Werte hinterlassen hat, und die man in Europa, selbst in vielen Gelehrtenkreisen, noch immer achselzuckend mit Hinduismus abtut, ohne sich die Mühe zu geben, eine abgeleierte Theorie ernstlich zu verbessern.
Ist es denn nicht entsetzlich auf die Familie in der Heimat zu verzichten, auf seine Freunde? Ich will den Menschen, die dieses einwenden, nicht die zahlreichen Europäer entgegenhalten, die enttäuscht zurückkamen, weil schließlich ein Menschenleben die Jugendverbindungen vergessen macht. Ich will ihnen nur sagen, daß es hier schon Unzählige gibt, die in Indien geboren und in Holland fremd wie in jedem anderen Lande find, echte Kreolen, wenn man das Wort gebrauchen darf, das häufig auch Gebildete in Europa falsch verstehen, und das
nur die Bezeichnung für reinrassige Weiße ist, die in tropischen Ländern geboren sind.
Dann bedeutet also Heimat nichts? Oh doch, denn Java ist für sie die Heimat, die sie leidenschaftlich lieben und ebenso fanatisch verteidigen werden. Und was das Nationalbewußtsein anbelangt, so habe ich in Holland niemals so patriotisches Denken bei allen gesunden wie hier. Das große Band für den weißen Javaner ist das Königshaus. Man muß die Begeisterung der Menschen hier am Geburtstag der Königin und vor allem am Tage der Verlobung der Kronprinzessin mit erlebt haben, um das zu begreifen. Dieses Nationalbewußtsein war vorbildlich.
Die Blijvers wissen heute vielleicht selbst noch nicht, was sie für das kommende Java einmal gewesen sein werden. Je mehr ich diesmal von dem L'noe 'ehe, desto mehr glaube ich, daß sie später als Vorkämpfer eines holländischen D o m i n i u m s vezeichnet werden. Mit ihnen wächst eine bodenverwurzelte weiße Bevölkerung heran, die sich zwangsläufig mit dem Stammes- land auseinandersetzen muß, wo viele Menschen heute noch mit gerümpfter Nase von Kolonie jprechen. Ob er unvermeidlich wird, hängt vom
Mutterland selbst ab. Zwar ist die Verwaltung schon stark autonom, aber die Wirtschaftsstruktur drängt auf eine radikale Umänderung. Solange noch alle Beamten von Europa kommen und dorthin mit Pension wieder zurückgehen, solange es kein javanisches Kapital gibt, die Renten nach Holland gehen, das Kapital jederzeit abgezogen werden kann, der Handel von Amsterdam oder Rotterdam diktiert ist und Java nun fast mit eigenem Gelde seine Verteidigung bezahlen muß, gibt es Differenzen genug.
Es sind gerade die Blijvers, die in der letzten Zeit offene Wünsche nach Holland senden. Dort nimmt man das noch nicht ernst genug. Man glaubt mit fünfundzwanzig Millionen Gulden Unterstützung seine Verbundenheit zu bezeugen, und oer- aißt, daß es um mehr geht. Die Nachkommenschaft jener Menschen in den Bergen wird einmal ihr Schicksal selbst bestimmen wollen und nicht zulassen, daß Karrieren nur von Zugewanderten, und sei es auch aus Holland, gemacht werden können. „Vielleicht find jene da oben trotzdem bessere Bürgen für Hollands Zukunft als wir", schloß ein alter Tropenmann, der demnächst zurückgeht, meine Gedanken ab.
Hat Amerika wieder Hoffnung?
Von Dr. Friedrich Sohn.
X.
König Baumwolle.
Ein bekannter amerikanischer Wirtschaftsgeograph, I. Russell Smith, erzählt in einem seiner Bücher eine lustige Geschichte: Ein Züchter aus dem Norden hatte auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung im Süden Schweine seiner hochentwickelten Zucht ausgestellt. Zu seiner Überraschung wurden aber nicht seine Tiere, sondern primitive Landschweine, die sogenannten „Razor backs“, prämiiert, die im Typ dem Wildschwein recht nahestehen. Als sich der verwunderte Aussteller nach den Grundlagen der Beurteilung erkundigte, sagte man ihm, daß seine Schweine für den Norden wohl geeignet sein möchten, nicht aber für den Süden. „Bei uns müssen die Schweine schneller laufen können als die Neger, weil die Tiere sonst bald nicht mehr da sind", bemerkte schmunzelnd ein erfahrener Landwirt aus der Gegend. Diese kleine Begebenheit zeigt deutlicher als alle langen Erörterungen, daß der Süden wegen der st arten Negerbevölkerung seine ganz besonderen Probleme hat und daß man daher hier nicht die Maßstäbe anlegen darf, die für den Norden Gültigkeit haben.
Im amerikanischen Süden beherrscht in der Landwirtschaft, die trotz der starken Industrialisierung den Vorrang behalten hat und wohl auch behalten wird, die Baumwolle das Feld. Alle anderen Erzeugnisse treten gegenüber dem „weißen Gold" an Bedeutung zurück. Nicht mit Unrecht hat man von einer „Baurnwollzioilisation" oder auch einem „Baumwollkomplex" gesprochen, weil in der Tat das Leben der Menschen weitgehend von der Baumwolle abhängig ist.
In den letzten Jahrzehnten nun ist der Südosten Amerikas trotz der vorübergehenden „Konjunkturen" so recht nicht aus der Sorge herausgekommen. Zwei große Gefahren bedrohen die Landschaft: ein gefährliches Insekt, der von Mexiko herübergekommene Baumwollkapselkäfer und der stärker werdende Wettbewerb der westlich des Mississippi gelegenen Staaten. Dort, wo der Baumwollkapselkäfer auf besonders günstige Lebensbedingungen stieß — das sind vor allem die feuchten und auch im Winter warmen Gebiete des Süd- ostens und des Mississippitals — wurde der Baumwollbau ganz wesentlich erschwert. Dieser Schädling hatte eine Wanderung der Baumwollkulturen an die nördliche Grenze der Anbauzone und aus den tiefgelegenen Gebieten des Ostens in das Hügelland zur Folge. Ganz allgemein wurden durch das Auftreten des Infekts die Erzeugungskosten erhöht. Einige tausend Kilometer weiter westlich aber in den Hochebenen von Westkansas und Oklahoma, wo neue Baumwollgebiete im Entstehen begriffen sind, findet der, Baumwollkapselkäfer wegen der kälteren Winter viel ungünffigere Lebensbedingungen. Infolgedessen hat sich die Wettbewerbsfähigkeit dieser neuen Baumwollzone gegenüber dem „Alten Süden" ganz wesentlich gebessert.
In gleicher Richtung wirken auch die Veränderungen der Agrartechnik, die ausschließlich dem Westen zugute kamen. Das Baumwoll-Land des Ostens ist zum großen Teil nur für die Bewirtschaftung im Kleinbetrieb und mit den Instrumenten des Kleinbetriebs geeignet. Die Unregelmäßigkeit der Bodengestaltung und öte vielfach notwendigen Terrassen erschweren die Anwendung von Landmaschinen. Dort, wo von Natur aus solche Hemmungen nicht bestehen, erschwert die mangelhafte Bildungsfähigkeit der Neger die Anwendung moderner Arbeitsmethoden, die eine Verbilligung der Erzeugung ermöglichen. Die Neger, die' feit ihrer Einführung als Sklaven an den Baumwollbau gewöhnt find, lassen sich auch nur schwer auf andere Erzeugnisse umstellen, besonders wenn dabei, wie in der Viehwirtschaft, sorgfältige Pflege und Verantwortungsbewußtsein notwendig sind. Im Westen, wo weite, für den Baumwollbau geeignete Ländereien zur Verfügung stehen und die Neger eine viel geringere Rolle spielen, sind dagegen die Vorbedingungen für eine Anwendung der modernen Landmaschinentechnik außerordentlich günstig. Das Land ist eben, wegen der spärlichen Niederschläge ist der Unkrautwuchs gering, so daß sich die Pflegearbeiten viel leichter mit Maschinen durchführen lassen. In der Zeit von 1920 bis 1930 ist infolge dieser Vorteile in 40 Verwaltungsbezirken von West-Texas die Baumwollfläche von 1,3 Mill. Acres auf 3,5 Mill. Acres angeftiegen, in acht Verwaltungsbezirken Oklahomas von 456 000 Acres auf 1,35 Mill. Acres.
Im Osten trat zur gleichen Zeit ein Rückgang der Baumwollfläche ein. Wenn trotz dieser Entwicklungen die Erzeugungsmöglichkeiten für Baumwolle im Westen vorläufig noch nicht voll ausgenutzt werden, so ist das darauf zurückzuführen, daß das Pflücken in der Hauptsache noch mit der Hand durchgeführt wird und der Heranziehung von Saisonarbeitern Grenzen gesetzt sind. Während man für die Feldbearbeitung den Traktor mit den dazugehörigen Geräten heranziehen konnte, stieß das Ernten mit Maschinen bisher auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Seit Jahrzehnten aber arbeitet die Landmaschinenindustrie daran, eine brauchbare Erntemaschine zu entwickeln. Man hat das Problem auf drei Wegen zu lösen versucht: durch die sogenannten „Schlitten", mit deren Hilfe die Baumwollkapsel von der Pflanze a b g e ft r e i f t wird, dann durch Einrichtungen, die durch Saug- Wirkung die Kapseln entleeren, und schließlich mit Maschinen, bei denen die Bamwollfaser durch
rotierende Spindeln erfaßt und von der Pflanze entfernt wird. Alle diese Methoden waren mit großen Nachteilen verbunden. Wenn man Zeitungsmeldungen glauben darf — ein gewisses Miß-1 trauen dürfte in diesem Fall ganz besonders am Platz sein —, so hat man neuerdings bei der Lösung dieses schwierigen technischen Problems | große Fortschritte gemacht. Die Baumwollerntemaschine scheint jedenfalls im Kommen zu sein.
Eine brauchbare Erntemaschine wird aber nur für die westlichen Anbaugebiete von Nutzen sein. Im Osten wird ihre Anwendung auf große Schwierigkeiten stoßen, nicht nur, weil die Menschen sich nicht für die Handhabung komplizierter Maschinen eignen und das Kapital fehlt, sondern auch weil die Bodengestaltung und das Klima einer solchen Mechanisierung entgegenwirken. Nur im Westen gestattet es das trockene Klima, die Baumwolle so lange an der Pflanze zu lassen, bis sämtliche Kapseln reif sind, um dann die Ernte in einem Arbeitsgang zu beenden. In den halbtrockenen Räumen entwickelt die Baumwollpflanze nur verhältnismäßig wenig Laub. Eine Erfassung durch Erntemaschinen wird aber dadurch erleichtert. Bereits seit Jahren bemüht man sich auch, die Baumwolle pflanze durch Zucht für das maschinelle Einernten geeigneter zu machen. Auch diese Bemühungen haben nur für den trockenen Westen Aussicht auf Erfolg, nicht aber für den feuchten Osten mit seinem üppigen Wachstum.
So spielt sich denn in der Baumwollzone ein regionaler Konkurrenzkampf ab, der voller dramatischer Momente ist und in dem sich der Osten im Nachteil befindet. Im Südosten aber fiht die Masse der Neger, die unter recht kümmerlichen Umständen lebt. Die weitere Entwicklung der Agrartechnik kann den Wettbewerb der Landschaften in jedem Augenblick weiter verfchärsen. Man wird gekannt fr-n dürfen, ob sich in den nächsten Jahrzehnten eine Lösung dieses schwierigen Problems finhen läßt oder die Gegend mit der niedrigsten Lebenshaltung noch weitere Einschränkungen hinnehmen muß.
WarumFettbezug«-Uege!unfl?
Der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes veröffentlicht folgende Aufklärung.
ZdN. In letzter Zeit hört man oft vonseiten bet Verbraucherschaft, daß es doch unnötig gewesen sei, ab 1. Januar 1937 beim Buttereinzelhandel und Fleischerhandwerk Kundenliften für Fett einzufüh- ren und darüber hinaus die Verbilligungsaktion für Margarine zu erweitern. Fett aller Art sei doch nach wie vor in allen Geschäften in dem gewünschten Umfang zu haben. Diese Feststellung ist zwar richtig, sie geht aber nur von dem augenblicklichen Zustand aus. Tatsache ist, daß die Fettversorgung zur Zeit aus mehreren Gründen wesentlich erleichtert wird. Die Buttererzeugung ist dank der Erzeugungsschlacht weiter gestiegen und liegt heute nicht unerheblich höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Hinzu kommt, daß wir in diesem Jahr viel mehr Schweine und damit mehr Speck und Schmalz zur Verfügung haben, als im vergangenen Jahr. Schließlich ist im Januar erfahrungsgemäß die Kaufkraft der Verbraucher durch das Weihnachtsfeft geschwächt und infolgedessen der Fettbedarf geringer als im Dezember. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß diese günstige Lage sich nur dann voll aufrechterhalten läßt, fbenn das deutsche Volk in wachsendem Maße zu einer Ernährungsweise übergeht, die Fett spart.
Die Möglichkeiten hierzu dürfen in keiner Weise unterschätzt werden. In Süddeutschland ist der Fettverbrauch teilweise nur halb so groß, als in Nord- deutschland. Insbesondere wird es möglich sein, den Fettverbrauch durch Uebergang zum warmen Abendbrot und auch zum warmen Mittagessen (Ausbau der Kantinen in den Betrieben) an Stelle des Verzehrs von Butter- und Fettbroten einzuschränken und dadurch Fett zu sparen. Die weitgehende Einführung der durchgehenden Arbeitszeit nach dem Krieg ist eine der Hauptursachen für die Steigerung des Fettverbrauchs in der Nachkriegszeit. Im Jahre 1913 wurden je Kopf der Bevölkerung 18,4 Kilogramm Fett, 1935 22,9 Kilogramm verzehrt. Die Steigerung entfällt fast ausschließlich auf Margarine und Kunstspeisefett, deren Verbrauch im Jahre 1935 um vier Kilogramm je Kopf höher war, als im Jahre 1913. Gerade die Margarine ist aber in unserer jetzigen Deviserckage sehr schwer zu beschaffen, denn sie wird fast ausschließlich aus ausländischen Rohstoffen, die sogar meist mit Bardevi- < sen bezahlt werden müssen, hergestellt. Da wir aber anderseits vordringlich Devisen zur Beschaffung von Rohstoffen für den nationalen Aufbau benötigen, ist es vom deutschen Volk nicht zu viel verlangt, wenn es aufgefordert wird, feinen Fettoerbrauch wieder auf den niedrigeren Vorkriegsstand zu bringen. Wenn jeder feinen Fettverbrauch freiwillig um etwa 25 o. H. einschränkt, ist die Versorgung gesichert und können Störungen nicht eintreten.
Im übrigen bietet die durchgeführte Fettbezugsregelung die Gewähr, daß auch dann eine g e - rechte Fettverteilung erfolgt, wenn einmal die Versorgung weniger reichlich im Verhältnis zur Nachfrage ist als jetzt. Insbesondere war die neue Regelung notwendig, um zu verhindern, daß i» knapperen Zeiten die sozial bessergestellten Schichten beliebig viel Fettmengen kaufen können, und die minderbemittelte, meist schwer arbeitende Bevölkerung dadurch nicht mehr in der Lage ist, ihren notwendigen Bedarf zu decken.


