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Nr. Nb Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Sam$tag,22.mai <937

Jugend und Hochschule.

Zugendgeist im Sochschulleben.

Don Professor Dr. Erich Zaensch, Marburg.

Das deutsche akademische Leben hat, im Gegensatz zu demjenigen anderer Länder, aus richtigem und artgemäßem Instinkt heraus, dem Jugendgeist schon immer einen Platz angewiesen und gleichsam einen besonderen Stand der Jugend anerkannt, nicht nur im Studentenleben, sondern auch im Rahmen der eigentlichen Hochschul arbeit. Wie wäre es mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Arbeit an den Hochschulen bestellt gewesen, wenn die bahnbrechenden Forscher immer hätten darauf warten müssen, daß sich ihre neuen Gedanken erst­mals durchsetzen würden auf Grund der bereitwilli­gen Zustimmung ihrer gleichaltrigen Fachgenossen? Die bahnbrechenden Kulturpioniere sind ja schon in der Grundhaltung, in derGrundeinstellung zur Welt", ihrer Epoche voraus und der kommen­den, also der jungen Generation, verwandter als ihrer eigenen. Gott sei Dank waren sie, soweit es sich um deutsche Hochschullehrer handelte, hierbei auf die Generation ihrer Altersgenossen niemals allein angewiesen. Alle lebenskräftigen Schulen an den Universitäten, die in irgendeinem Gebiet dem Kom­menden die Wege wiesen, fanden begeisterte junge Gefolgsmannen, stießen aber gewöhnlich in ihrem Fachkreis zunächst auf Widerstand; um so mehr, je neuer die Gesichtspunkte waren, die sie hineintru- gen. Bei bem ihnen aufgenötigten Kampfe hatten sie immer den Sturmtrupp einer jungen Mannschaft zur Verfügung, die sich mit jugendlichem Idealis­mus in den Dienst der neuen Gedanken und ihrer weiteren Verarbeitung stellte, und mit der sie dann in ihrem Fache den Krieg führen konnten gegen philisterhafte Erstarrung, gegen Verdunkelung der Wahrheit aus mangelhafter Einsicht, Rückständig­keit oder Bosheit, manchmal auch gegen akade­misches Cliquenwesen und Intrigantentum. Alles das wurde vor allem ermöglicht durch die wunder­bar artgemäße Einrichtung der deutschen Doktor­arbeit, bei der der junge Mensch vorübergehend Mitarbeiter eines gereifteren Forschers wurde und zu ihm in eine Art von freiwilligem und freiem Gefolgschaftsverhältnis trat, und dabei in eine gleich ausgerichtete, für dieselben Ziele und Gedanken kämpfende junge Kameradschaft. (Ich habe gerade dies auch hervorgehoben in der SchriftDie Wissenschaft und die deutsche völkische Bewegung". Marburg 1933.) Hätten wir nicht im­mer diesen Stoßtrupp einer jungen Mannschaft zur. Seite gehabt, der begeistert mit uns arbeitete und in einem scheinbar aussichtslosen Kampfe bei uns ausharrte, dann wäre die Entwicklungslinie, deut­scher Philosophie und Psychologie überhaupt völlig abgebrochen in dem Zeitraum, in dem Hermann Cohen in Marburg dieOberzensurbehörde" der deutschen Hochschulphilosophie war, und in dem es auf einem Psychologenkongreß wie in einer Syna­goge aussah. In diesem engen kameradschaftlichen Zusammenarbeiten des Hochschullehrers mit der jungen Mannschaft, in dieser Kampfgemeinschaft und Kampfkameradschaft, liegt ein ganz eigenartiger Vorzug deutscher Wissenschaft, in Forschung und in Lehre

Manche Hochschullehrer werden hierzu vielleicht selbstsicher und von oben herab den Einwand machen:Run ja, in den Weltanschauungsfächern, Philosophie und Psychiologie, mögen subjektive Einstellungen eine Rolle spielen. Hier kön­nen Zeitströmungen leicht Fuß fassen und darum gelegentlich wohl auch eine Richtung begünstigen, die deutschem Wesen ferner lag." Ein gründ­licher und in seinen Folgen äußerst verhängnis­voller Irrtum! Das Judentum konnte sich in den Weltanschauungsfächern bis zur äußersten Uner­träglichkeit nur deshalb ausbreiten, weil feine Geistesart aufs vollkommenste abgestimmt wär auf die Grundanschauungen und geistigen Grundhal­tungen, die feit dem letzten Drittel des 19. Jahr­hunderts überall herrschend geworden waren. Diese Grundanschauungen und geistigen Grundhal­tungen haben sich aber in allen Hochsckulfächern, in Forschung wie in Lehre, ausgewirkt; nur in den Weltanschauungs fächern naturgemäß mit der größten Deutlichkeit, weil ihre Gegenstände mit diesen Grundanschauungen und Grundhaltungen aufs allerengste Zusammenhängen.'

Werdegang des Forstbeamten.

Don Forsiassessor Karpf, Berlin

Das deutsche Volk ist als waldliebend bekannt. Um so mehr muß es wunder nehmen, daß in wei­ten Volkskreisen so wenig Kenntnis über den Be­ruf derjenigen besteht, die den deutschen Wald, die­ses wertvolle Volksgut, betreuen: die deutschen Forstbeamten und -angestellten. Die folgenden Zei­len sollen in großen Zügen Aufklärung über diesen Beruf geben. So wie in den meisten anderen Ver­waltungen kennen wir auch in der Forstverwal- tung drei Beamtenlaufbahnen: den unteren,, den gehobenen mittleren und den höheren Forstdienst.

Die Anwärter für den unteren Forstdienst werden grundsätzlich aus der Waldarbeiterschaft ausgewählt, und zwar einmal deswegen, weil man bei solchen Anwärtern schon eine starke Waldver- bundenheit und viele praktische Dorkenntnisse für den Beruf voraussetzen darf und zum anderen, weil hiermit einzelnen, besonderes tüchtigen und bewähr­ten Waldarbeitern eine Aufstiegsmöglichkeit gege­ben wird. Die Zulassung zu dieser Forstwartlauf- bahn setzt eine mindestens dreijährige praktische Tätigkeit als Waldarbeiter voraus, bei der der An­wärter sich schon besonders tüchtig und zuverlässig erwiesen haben muß. Er muß weiterhin das 20. Lebensjahr vollendet, darf aber das 35. im allgemeinen noch nicht überschritten haben, lieber Volksschul- und Berufsschulbesuch müssen befriedi­gende Zeugnisse vorliegen. Da der Forstberuf er­hebliche Anforderungen an die körperliche Lei­stungsfähigkeiten stellt, müssen in einem amtsärzt­lichen Zeugnis die volle Militärtauglichkeit und darüber hinaus volle Sehschärfe ohne Brille usw. bescheinigt werden. Auch seiner Arbeits- und Mili­tärdienstpflicht muß der Bewerber jn einwandfreier Weise genügt haben. \

Unter Aufsicht besonders geeigneter Forstbeamter wird dem jungen Anwärter während 2V^'ähriger praktischer Tq^'..,keit tm Walde das für die Aus­übung seines Berufes notwendige praktische Wis­sen vermittelt. Ein dreimonatiger Lehrgang auf einer Forstwartschule, der dem Anwärter das-

Wenn nun ein Forscher und Lehrer in der Wis­senschaft gegen den Geist einer soeben verklingenden Epoche angeht, welche andere Stütze hat er hierbei als die junge Mannschaft, die aus Begeisterung und innerem Instinkt für das Kommende mit ihm kämpft? Unterstützen ihn etwa in diesem Kampfe die abgestempelten Fachautoritäten und die Mehr­heit seiner Fachgenossen, die nur auf das Urteil jenerKoryphäen" hören? Man müßte schon an nicht unerheblichem Gedächtnisschwund leiden, um so etwas zu glauben. Ja allenfalls, wenn man hier positive und negatioe Vorzeichen einführt und das Wortunterstützen" mit negativem Vorzeichen versieht. Der Stempel der abgestempelten Fach­autoritäten ist diesen ja, wofern sie hohe Autori­täten sind, fast immer bereits vor langer Zeit ausgeprägt worden (ihnen selbst oder auch nur der von ihnen vertretenen Richtung, oftmals also ihren Lehrern, die einer noch früheren Zeit angehören). Dieser Stempel der abgestempelten Autoritäten stammt also meist aus der verklingenden Epoche und ist darum auch ausgeführt im Stil dieser Epoche, gegen die das vorwärtsdrängende Geistes­leben nur gerade angehen muß.

Dieses Angehen gegen den Geist einer verklingen­den Epoche und der schließlich erfolgreiche Kampf dagegen war gerade an den deutschen Hochschulen bisher immer durchführbar, weil es bei uns im Grunde schon von jeher einen solchen jungen Stoß­trupp gab. Jeder vom Schicksal mit einer vorwärts­drängenden Sendung Beauftragte fand an ihm eine Stütze. Auf den allerverschiedensten Gebieten haben sich neue Richtungen ganz allein auf diesem Wege durchgesetzt, im Kampfe mit rück­wärtsdrängenden Beharrungsmächten und gelegent­lich auch mit dem Eigennutz vonglücklichen Be­sitzenden". Diese einzigartige Eigentümlichkeit unse­res deutschen Hochschullebens sollte nun weiter aus­gebaut werden, und zwar im Interesse aller Zweige unseres Kulturlebens, um das Kommende und Wer­dende auch in ihnen zu stützen und gegenüber xückwärtsdrängenden Beharrungsmächten von der Hochschule aus zu verteidigen (in Kunst, Wirtschaft, Unterricht und Erziehung,' Hygiene, Krankheitsvor­beugung, Entwicklunqsförderung und, damit zusam­menhängend, körperlich-seelischer Ertüchtigung usw., überhaupt in allen Daseinsgebieten).

3n Werkstatt und Kolonne

Bilder von der Arbeit eines Werkstudenten.

Zehn Minuten vor 7 Uhr. Die Tore der Werk­stätten und Laaerplätze des Elektrizitätswerkes öff­nen sich. Schlosser, Drsher, Monteure eilen an ihre Arbeitsplätze. Werkzeugkarren knarren über den Hof. Lastkraftwagen rollen vor die Rampe der Lager­halle.

7.15 Uhr. Hochbetrieb im Großteillager, lieber holprigen Steinboden poltern Kabeltrommeln. Schwielige Hände heben gußeiserne Verbindungs­muffen. Der Laufkran trägt Trafos und Oelschalter zur Laderampe. Isolatoren, Schrauben und Binde­draht wandern in Körben zu Wagen und Autos.

Eine Stunde Hasten und Drängen, Heben und Schieben, dann ist der Trubel vorüber. Draußen dröhnen Masten auf Langholzwagen, Motoren lau­fen an, Räder rollen, lieber schweißbedeckte Stirnen wischen heiße Hände.

Schwarz und rußig ist die Werkstätte. Motoren brummen durch den staub- und rauchgeschwänger­ten Raum. Gleichmäßig summt die Bohrmaschine. Ein Druck auf den Hebel. Knirschend frißt sich der Bohrer in gelb- und braungefleckten Marmor. Steinmehl wirbelt auf, legt sich auf Gesicht und blauen Arbeitsanzug.

An Werkbänken ergänzen kundige Hände die Schalttafeln. An Meßinstrumenten reihen sich Schal­ter, Trennmesser und Sicherungselemente. In klo­bigen Schraubstöcken schrillen Bolzen und Winkel unter markigem Druck grober Schrubbfeilen. Schmir­gel schlichtet Grate und Kanten rohgedrehter Teile.

Trafostationen, Schaltkasten, Kabelverteiler und -schächte entstehen in diesen lärmerfüllten Räumen, gefügt von fleißigen Händen.

Quer über die Straße zieht sich ein Kabelgraben. Asphaltstücke und Erde begrenzen die metertiefe Furche. Gleich langen, schwarzgrauen Schlangen liegen freigelegte Starkstromkabel auf dem rotbrau­nen Grund des Grabens.

Regen prasselt auf das rohe Leinen des Arbeits­zeltes. Wasser läuft in die lehmige Rinne, staut sich an der tiefsten Stelle unter dem Zelt. Die derben Schuhe quatschen im Schlick. Einen Strang ziehen schrundige Hände aus Wasser und braunem Brei. Feile und Messer bearbeiten die harzigen, klebrigen Enden des geteilten Kabels. Die gußeiserne Muffe nimmt sie auf. Pol wird mit Pol des Abzweig­stranges verschraubt und verlötet.

Die Ausgußmasse schmilzt im Ofen. Regentropfen bruzzeln auf dem siedenden, schwarzen Teer, das nun zischend den Hohlraum der Muffe füllt. Sechs­kantschrauben pressen den Deckel. Die Masse quillt aus den Fugen, erstarrt an der regennassen, lack- schwarzen Oberfläche.

Die Kabeltrommel dreht sich. Der neue talgweiße Strang rutscht Zoll um Zoll in den Abzweiggraben.

Im Neubau der Transformatorenstation gibt es viel Arbeit. Kupferstäbe sind zu biegen, die von Porzellaneinführungen über Trenn- und Oelschal­ter den Trafos Strom zuführen sollen. Aus beto­nierten Schächten ragen Kabel. Die aufgespleißten Enden warten des Anschlüsses an die Klemmen der großen Spannungswandler. Sicherungslampen sind noch zu montieren, Oelschalter aufzufüllen, Türen anzubringen.

Pickel zertrümmern die Erde. Schaufeln knirschen in Kies und Lehm. Zwei Stunden Hacken und Graben, dann ist das Mastloch fertig. Nun gleitet langsam der Fuß des zwölf Meter langen Hochspan­nungsmastes in die frisch ausgeworfene Grube. Zu Schwalben" zusammengebundene Stangen fassen das Ende. Stützen, heben, von keuchenden Menschen geschoben. Erde füllt das Mastloch. Sehnige Arme führen den Stössel feststampfend um den neuen Mast.

Steigeisen krallen sich in splitterndes Holz, auf­wärts Schritt um Schritt. Der Sicherungsgurt hält, gibt die Hände frei zur Arbeit.

Dann ^endlich sitzen die weißen Isolatoren. Ein Flaschenzug holt den blanken Draht, zieht und spannt. Leise schwingt das rote Kupfer, säuselt im Wind von Mast zu Mast, Tausende von Meter über die neue Freileitung.

Eintönig schwingt das Summen der Transforma­toren durch den Saal. Tiefstrahler werfen grelles Licht auf Meßtisch und Instrumente.

Ein Relais zieht schnarrend an. Im benachbarten Raum fällt klacksend ein Schalter, trennt die 10- k V-Leitung C vom Netz der Altstadt. Der Blick hef­tet sich auf das Amperemeter der abgehenden Lei­tung 3. Der Zeiger sinkt langsam Grad für Grad. Die Feder schreibt im Dienstbuch: 8 Uhr 102; 8.05 95; 8.10 80

Plötzlich leuchtet rotgleißend eine Signallampe. Der Alarmwecker schrillt. Ein Schauzeichen fällt. Kabelleitung A, die das Netz der Jndustrievorstadt speist, ist überlastet. Das Voltmeter sinkt. Schnell ein Druck auf den Knops, der den Relaisstromkreis schließt. Schnarren, Knacken, ein Entlastungskabel ist angeschlossen. Die Spannung steigt. Wieder fül­len sich die Spalten im Dienstbuch. Leise vibriert der Zeiger des Spannungsmessers: 7000 8000 9000 10 000 Volt.

Das sind Tage, Monate harter Arbeit. Schrun­dige Hände, stählerne Muskeln zeugen von schwerem Schaffen am Schraubstock, Amboß und Drehbank, im Kabelgraben und auf Freileitungsmasten. Sie zeugen von einer Zeit, die Körper und Geist für den künftigen Beruf schulte in hartem Tagewerk in Werkstatt und Kolonne.

Hermann Huber.

tigfte an theoretischen Kenntnissen vermittelt und die anschließende Forstwartprüfung beschließen die Ausbildung.

Der so ausgebildete Forstwart betreut nunmehr ein Revier bis zur Größe von etwa 300 bis 400 Hektar unter der Oberaufsicht eines höheren oder gegebenenfalls auch mittleren Forstbeamten. Auf Grund eines vorliegenden Wirtschaftsplanes und der ihm erteilten näheren Weisungen -beaufsichtigt er die Waldarbeiter bei Saat und Pflanzung, pflegt die Heranwachsenden Bestände, gibt den Holzhauern genaue, ins einzelne gehende Anweisungen bei der Holzfällung, sortiert den Holzanfall nach den ver­schiedenen Nutzholz- und Brennholzsortimenten, mißt die Holzmassen auf und stellt die Ergebnisse in Listen zusammen. Während sich Pflanzung und Saat vorwiegend auf Frühjahr und Herbst, die Fäl­lung aber auf den Winter beschränkt, ist der Forst­wart während des Sommers mit Wegeneubau, Wegeausbesserung, Reinigung der Gräben und ähnlichen Arbeiten beschäftigt, lieber alle Arbeiten im Walde führt er genaue Listen, auf Grund deren die Entlohnung der Waldarbeiter erfolgt. Neben diesen forstlichen Arbeiten besorgt er auch noch den Jagdschutz und beteiligt sich an der Hege und dem Abschuß des Wildes.

Beim gehobenen mittleren Forst- dienst, der sogenannten Revierförsterlaufbahn, sind die Anforderungen, die an Vor- und Ausbil­dung gestellt werden, schon erheblich höhere. Wer sich dieser Laufbahn zuwenden will, muß zunächst in bezug auf politische Zuverlässigkeit, körperliche Tauglichkeit, arische Abstammung sowie den Ar­beits- und Militärdienst, den gleichen Anforderun­gen genügen wie der Anwärter des unteren Forst­dienstes. Als Vorbildung wird die mittlere Reife (voll ausgebaute Mittelschule oder Obersekundareife) gefordert. Besondere befähigte Volksschüler können zugelassen werden, sofern sie in einer Sonder­prüfung nachweisen, daß sie die für die mittlere Reife erforderlichen Kenntnisse außer den Fremd­sprachen besitzen. Zur Zeit werden die Anwärter im Alter von 17 bis 21 Jahren zugelassen. Sehr erwünscht ist es, wenn der Bewerber sich vor seiner Zulassung schon etwa ein Jahr praktisch als Wald­arbeiter in der Holzhauerei, dem Wegebau oder

bei Saat und Pflanzung im Walde beschäftigt hat. Künftig wird dies überhaupt zur Bedingung ge­macht werden. Die vorläufig zugelassenen Anwärter werden nun zunächst neun Monate lang von einem geeigneten Revierförster und danach drei Monate lang von einem Forstmeister praktisch ausgebildet, d. h. sie müssen sich unter Aufsicht an allen in einer Revierförsterei oder auf dem Geschäftszimmer des Forstamtes vorkommenden Arbeiten beteiligen, so­weit dies für ihren Beruf erforderlich ist. Hat sich der Anwärter nach dem Urteil seiner Ausbilder in diesen zwölf Monaten die notwendigen praktischen Kenntnisse angeeignet, so leistet er zunächst den halbjährigen Arbeitsdienst ab und genügt danach zwei Jahre lang seiner Militärdienstpflicht. Die end­gültige Zulassung zur Revierförsterlaufbahn wird nur dann ausgesprochen, wenn die militärischen Stellen den Anwärter günstig beurteilen. Es folgt nun ein einjähriger Lehrgang an einer Forstschule, der dem Anwärter eine gründliche theoretische Aus­bildung in allen für ihn in Frage kommenden forst­lichen und jagdlichen Gebieten vermittelt. Der Lehr­gang an der Forstschule wird durch die Hilfs- förfterprüfung abgeschlossen. In einem fünf­jährigen, genau gegliederten Ausbildungszeitraum wird der junge Hilfsförster unter Anleitung tüch­tiger Revierförster und Forstmeister weiter praktisch ausgebildet. Diese Ausbildung findet alljährlich ihre Ergänzung in einem achttägigen Sonderlehrgang. Den Abschluß dieses Abschnittes sowie der ganzen eigentlichen Ausbildung bildet die R e v i e r f ö r - sterprüsung. Infolge seiner gründlicheren und besseren Ausbildung, insbesondere soweit sie den theoretischen Teil umfaßt, ist der Revierförster in der Lage, größere und schwierige Reviere zu be­treuen als der Forstwart. Zwar untersteht er eben­so wie jener einem Forstmeister, arbeitet jedoch mit größerer Selbständigkeit. Er kann nun seine prak­tischen Kenntnisse verwerten, sei es im Staats- und Kommunaldienst, als Bezirksförster in der forstlichen Organisation des Reichsnährstandes (Betreuung und Beratung des Privatwaldes) oder auch im Privat­wald. Besonders tüchtige Revierförster können zu Oberförstern befördert werden und vertreten als­dann den Forstmeister in abgelegenen Revieren beim Holzverkauf und zahlreichen anderen beson-

Stunde am Globus.

Gedanken zur Erdkunde.

Wenn es mir allein so ginge, so würde man mit Recht davon sprechen können, daß sich Hänschen nicht genügend angestrengt habe. Jedoch ich konnte dasselbe häufig feststellen: das Zeugnis der Erdkunde sank mit dem zunehmenden Alter des Schülers ab, um endlich ganz zu verschwinden. Während in den unteren Klassen dasGut" auf allen vier Zeugnissen des Jahres prangt, wird un­gefähr in der Quarta, der Klaffe, in der die Wonnen der zweiten Fremdsprache begannen, ein Schwanken in der Zensur bemerkbar, die sich mehr und mehr nach unten senkt, um schließlich bevor der Erd­kunde-Unterricht vom Stundenplan verschwindet auf einemGenügend" sitzen zu bleiben.

Diese Erscheinung ist eine allgemeine, und sie läßt sich nicht anders erklären, als daß die Nebenfächer denn Erdkunde ist ja einNebenfach" nicht die Beachtung erhalten, die ihnen unter allen Um­ständen zukommt. Es erging damit diesem wichtigen Fach so wie den anderen Stiefkindern des Unter­richts. Und doch ist gerade der Erdkunde-Unterricht eine von den Stunden, die einen Stoff vermitteln, den der Mensch im täglichen Leben am allerwenig­sten missen kann.

Dieser Vernachlässigung aber haben wir es zu verdanken, daß nicht nur viele der Gesamtheit deut- scher Erde ohne eigentliches tieferes Verständnis gegenüberstehen und deshalb auch leider für wirt­schaftliche Zusammenhänge und Notwendigkeiten den notwendigen Weitblick vermissen lassen.

Wer sich aber nicht mit den Wirtschaftskörpern der Wett besaßt, dem wird es schwer, wenn nicht sogar ganz unmöglich sein, sich den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen und die Strömungen und Schwankungen der überdimensionalen Waage der Weltwirtschaft zu begreifen. Eine solche Einstellung mochte genügen für ein Volk von Bürgern, das in einer gewissen Sättigung davon sprechen konnte, es brauche sich nicht darum zu kümmern, wenn die Völker fern in der Türkei aufeinander schlügen. Für ein Volk aber, das seinen Anteil am Erd raum fordert und wegen seiner kulturellen Leistungen zu fordern berechtigt ist, kann eine solche Vernachlässi­gung der Stunde am Globus nicht mehr in Betracht kommen. Dabei handelt es sich nicht etwa darum, daß nun die höchsten Berge oder die größten Städte als eiserne Ration des geographischen Wissens anzu­sehen wären, obwohl auch eine solche nichttabella­rische Kenntnis ihre Bedeutung besitzt. Wichtig aber ist es, dem Schüler im Erdkunde-Unterricht eine wirkliche Kunde von der Erde zu ver­mitteln. Für eine solche aber ist heute eines uner« läßlich: die eigentliche Geographie kann dem Inhalt unserer Zeit, wenn sie allein gelehrt wird, kaum mehr entsprechen. Es erscheint vielmehr als unab­dingbare Forderung, die Erdkunde um den Stoss der Geopolitik zu erweitern. Erst dann, wenn die Erde durch die sie bewegenden Gewalten dem Schüler plastisch vermittelt wird, wenn er die Pro­bleme des Raumes in den verschiedenen Zeitaltern der Völkergeschichte erkennen lernt, wenn er in die raumpolitische Bedeutung z. B. der Völkerwande­rung einbringt und nun die Elemente der gegen­wärtigen Verteilung der Wett klar sieht, werden sich ihm, um nur ein Beispiel zu nennen, die Her­ausbildung der Grenzen des Reichs erklären, wird er begreifen, weshalb der Rhein nicht nur ein deut­scher Strom schlechthin, sondern der Schicksalsstrom von Reich und Volk geworden ist.

So läßt sich nicht nur der Ausbau Europas, sondern auch der Ausbau des Reichs von einer gänzlich neuen, noch viel zu unbekannten Fülle von Gesichtspunkten erklären. Das ist nicht allein eine Belebung des erdkundlichen Unterrichts, sondern auch eine vorausschauende Schulung des jungen Menschen in den Fragen, die er wissen muß.

Darum aber gehört die Erdkunde nicht nur in die unteren Klassen der Schule, um dann auszu­fallen undwichtigeren" Gebieten Platz zu machen. Erdkunde und Geopolitik können in fruchtbarer Ge­meinsamkeit zu Erziehungsfaktoren der kommenden Geschlechter werden. Die Stunde am Globus ist kein Nebenfach sie gehört zu den wichtigsten für die Erziehung politischer Menschen.

Joachim Lautenschlager.

bers verantwortungsvollen Aufgaben. Einzelne her- oorrogenb befähigte Oberförster werden zu Amt­männern befördert und verwalten dann selbständig ein kleineres Forstamt mit weniger schwierigen Verhältnissen.

Für die Zulassung der Bewerber des höheren F o r st d i e n st e s (Forstmeisterlaufbahn) gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die Anwärter der Revierförsterlaufbahn, jedoch müssen sie darüber hinaus die Hochschulreife (Abitur) erlangt haben und nach zweijähriger Militärdienstzeit die Quali­fikation als Offziersanwärter erhalten. Nach ein­jähriger praktischer Tätigkeit auf einem Forstamt unter Aufsicht besonders ausaewählter Forstmeister folgt ein achtsemestriges Studium der Forstwissen- fchaft an einer Universität bzw. einer forstlichen Hochschule, das mit der Referendarprüfung abge­schlossen wird. Während der zweijährigen Referen­darzeit wird der Referendar in den verschiedensten forstlichen Dienststellen beschäftigt und erhält so einen praktischen Ueberblick über die Aufgaben, die ihn später als Forstmeister erwarten. In der an­schließenden großen forstlichen Staatsprüfung (Assessorexamen) soll der Referendar nachweisen, daß er zur selbständigen Leitung eines Forstamtes befähigt ist, das im allgemeinen aus 4 bis 8 Revierförstereien bzw. Forstwartbezirken besteht. Während seiner Tätigkeit als Forstassessor erwirbt er sich die hierfür notwendige weitere praktische Er­fahrung und kann nun mit Erfolg einem Forstamt vorstehen, entweder im Staats- und Kommunal­dienst, in der forstlichen Organisation des Reichs- nährstandes mit ihren vielseitigen Aufgaben oder auch im Privatdienst. Die Aufgaben eines Forst­meisters find so vielfältiger Natur, daß sie im Rahmen dieses Aufsatzes nicht aufgeführt werden können. Einzelne, besonders fähige Forstmeister werden zu Oberforstmeistern befördert und sind als­dann als Jnspektionsbeamte und Referenten in den Regierungsforstämtem, in den Forftabteilungen der Landesbauernschaften oder in der Leitung von größeren Privatforstverwaltungen tätig. Dem Re- gierungsforftamt, das in jedem waldreichen Re­gierungsbezirk besteht, steht der Landforstmeister vor, der seinerseits wieder dem Reichsforstmeister und preußischen Landesforstmeister untersteht.