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Hr.115 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheßen)

5reitag,2l.Mai (957

Aus der Stadt Gießen

t

und Finken.

N ^-öemeiyschßKMaft dmck freübe'

im Auftrag Rhein-Main

binden.

Das Rhein-Main-Gebiet nimmt bei die­ser Fremdenoerkehrsausstellung eine hervorragende Stellung ein. Der Landesfremdenverkehrsverband Rhein-Main hat für unser Gebiet ein ganzes Schau­fenster des Rundbaues sichern können, in dem er eine eindrucksvolle Schau der rhein-mainifchen Landschaft und ihrer Erzeugnisse aufgebaut hat. Schon von weitem zieht dieses Fenster den Blick auf sich durch die große gemalte Karte des Rhein- Main-Gebietes, die ein übersichtliches Bild von der

Gold- lind Silberschmiedehondwerks. Das Kanne- oäckerland ist mit einem kunstvoll gearbeiteten Krug vertreten, eine wundervoll geschnitzte Elfenbeinfigur von Altmeister G l e n z - Erbach i. D. legt Zeugnis nb von dem hohen handwerklichen Können der Odenwälder Elfenbeinschnitzer. Die Kunstgewerbe- chule in Offenbach hat hervorragende Arbeiten der Offenbacher Lederwaren-Jndustrie für die Rhein- Mainische Schau bL»'eitgestellt. Zwei Taschen, em Jürtel und die hervorragend gearbeitete Hülle eines Shrenbürgerbriefes zeugen von der Leistungsfähig­

keit unserer Lederwarenindustrie. Eine interessante Auswahl alter Sektpokale und alter Weingläser sind Zeugnis dafür, daß das Rhein-Main-Gebiet die Heimat des deutschen Schaumweines und Land des deutschen Weines ist.

Wer, angeregt durch diese Rhein-Mainische Aus­stellung, noch mehr von diesem herrlichen Land um Rhein und Main wissen möchte, dem ist Gelegenheit geboten, durch das lebende Bild das Land der Bäder und des Weines kennenzulernen.

dend, führt er durch das Rhein-Main-Gebiet, wir­kungsvoll umrahmt von einer eigens für diesen Film zusammengestellten Musik. Die ausgezeichne­ten Aufnahmen geben so recht das Charakteristische der Landschaft und ihrer Bewohner wieder. Einer­lei, ob der Film an die blühende Bergstraße führt oder in die fruchtbare W e t t e r a u, oder ob er die landschaftlichen Schönheiten des Westerwaldes vor Augen führt. Das Lahntal findet eine ebenso getreue Wiedergabe wie die Wälder und die Dör­fer des Taunus. Ein Streifzug durch die Bäder wechselt ab mit einer Fahrt durch die reizvollen Städte mit ihren Domen und Türmen. Den Höhe­punkt aber bildet das Verweilen in der weingeseg­neten burgenreichen Landschaft des Rheingaues, wenn an den Hängen der Wein reift und die Win­zer und Winzerinnen zur Weinlese hinausziehen. Gar zu schnell scheinen die Bilder vorbeizufliegen, und wer möchte wohl nicht weiter blättern in die­sem Bilderbuch einer gesegneten deutschen Land­schaft.

flcmbmibuhc, Spiegel und Nivea?

Eine seltsame Ausrüstung, die Lott eben da ins Strandbad mitnimmt!

Sie hat sich vorgenommen, sehr schnell braun zu werden. Uhr und Spiegel sollen bestä­tigen, was Sonne und Nivea

in kurzer Zeit schaffen können!

Es sah auch bei diesen nicht immer so paradie­sisch aus, und die Fenster mit den schmucken Gar­dinen blinkten nicht von Anfang an so hell und zukunftsfroh in die Sonne. Ich habe die ersten Fun­damente wachsen gesehen und bin zwischen aufge­schütteten Erdhaufen, herumliegendem Bauholz und Steinen herumgestolpert. Da gab es noch keinen

Ich kann soweit nicht klagen. Daß du mich gleich erkannt hast?"

Sie lachte.Das macht mein Gedächtnis. Du haft dich aber auch gar nicht verändert, kein bißchen. Willst du mir nicht dein Rezept verraten? Hast du eine Zigarette für mich? Huch, und dieser feine Stoff!" Sie streichelte den Aermel seines hellgrauen Anzugs.Wie bist du durch den Krieg gekommen?"

Soso, lala. Ein paar Streifschüsse, ein paar Granatsplitter, einmal verschüttet, einmal Gas; der Rest sitzt neben dir."

Und wie kommst du hierher? Wohnst du in Hamburg?"

Rur vorübergehend. Ich wollte hier den Regen abwarten."

Also Zufall." Die Zigarette reizte sie zum Husten. Auf ihren Backen erschienen kleine rote Flecken, und das Taschentuch zeigte eine zarte Spur von Blut. Obgleich sie dies vor Fogg zu verbergen trachtete, hatten seine wachen Augen es erspäht.

Du mußt mir alles erzählen, ja", bettelte sie munter und zog vor ihrem Taschenspiegelchen das Lippenrot nach. Dann rückte sie näher und sah zu­traulich zu Fogg empor, der berichtete:

Wie der Krieg aus war, habe ich Medizin studiert. Rach dem Examen bin ich ins Ausland. Es hat da mit meinem Vater so Geschichten ge­geben; na ja, du weißt ja, wie es ist, wenn eine junge Stiefmutter ins Haus kommt. Erst war ich Schiffsarzt »auf einem Dampfer der Ostindischen Kompanie, später am Tropeninstitut in Colombo. Dann habe ich erfahren, daß ein Trupp Landsleute aus meinem Dorf nach Peru auswandern wollte, und habe mich ihm angeschlossen. Wir haben zu­sammen eine kleine deutsche Siedlung am Ucayali gegründet: das ist ein Nebenfluß des Amazonen- sttomes. Santa Agatha heißt sie. Das war vor neun Jahren. Und seither nichts als Indianer, Urwald, Moskitos und Arbeit. Kannst du dir das vorstellen? Für den Arzt gab es drüben zwar nur mäßig zu tun, aber desto mehr für den Jäger' und Landwirt. Na, und dann kam vor einem halben Jahr dieser Brief aus Schellenberg. Der Bürgermeister er heißt Gsodmair, und du kennst ihn auch schrieb, mein Vater sei gestorben, und ich sollte wegen der Erbschaft herüber. Wenn möglich, sollte ich gleich dableiben; denn die Gemeinde brauchte dringend einen Arzt, und meine Vorgänger seien nach einigen

Heimatvereinigung Staufenberg.

Am morgigen Samstagabend findet auf der Burg

Sonderzug nach Frankfurt a. 217. zumTag des Deutschen Handwerks".

Am Sonntag, 30. Mai, fahren wir einen Sonder­zug zum Tag des Deutschen Handwerks nach Frank­furt a. M. Abfahrt gegen 8 Uhr in Gießen. Teil- nehmerpreis 1,55 RM.35480

NSG. In Düsseldorf hat die große Schau deutscher Leistung,Schaffendes Volk" ihre Tore geöffnet. Bei der Fremdenver­kehrsausstellung ist das RheirnMain-Gebiet mit heimischen Bildern und Erzeugnissen hervorragend vertreten.

Das Rhein-Main-Gebiet auf der AusstellungSchaffendes Volk".

landschaftlichen Vielgestaltigkeit, den kulturellen Werken und dem Schaffen des Landes um Rhein und Main gibt. Zu beiden Seiten der Karte haben sechs große Photos Platz gefunden, die charakteri­stische'Aufnahmen der drei Großstädte Frank­furt a. M., Darmstadt, Mainz und der drei großen Bäder Wiesbaden, Bad-Nauheim, Bad Ems zeigen. Auf dem Sockel haben Aqua­relle von weiteren vierzehn Städten des Rhein- Main-Gebietes Aufstellung gefunden, die von den Frankfurter Malern Luckhardt und Faul­draht gemalt, markante Landschafts- und Städte­motive von Bad Homburg, Bad Schmalbach, Schlangenbad, Bad Soden, Felkebad Diez (a. d. Lahn), Bad Wimpfen am Neckar, Bad Salz- Ha u f e n in Oberhessen, Stahlbad König im Oden­wald, Gießen, Rüdesheim, St. Goarshausen, Königstein i. Ts., Eltville und Limburg festhalten.

Die Aquarelle geben zusammen mit den großen Photos und der Karte einen Querschnitt der Schön­heiten des Landes der Bäder und des Weines. Wer bei der Betrachtung dieser bildlichen Darstellung ?ines der schönsten Gebiete unseres deutschen Vater- I iondes Lust verspürt, dieses Land kennenzulernen, ivird im Innern des Rundbaues Gelegenheit fin­den, sich für eine solche Reise beraten zu lassen.

Aber nicht nur das Landschaftsbild des Rhein- Main-Gebietes hat in diesem großen Rahmen der deutschen Fremdenverkehrswerbung eine repräsen- tatioe Wi Vergabe gefunden. Auch den Erzeug­nissen des Rhein-Main-Gebietes ist ii durch die Aufstellung charakteristischer Ststcke ein weiter Raum gegeben. Im Schaufenster des Rhein- Main-Gebietes haben Stücke h e i m i f ch e r H a n d-

Während der gesamten Dauer der Ausstellung wird in der Kunstakademie der TonfilmRhein-Main, schönes gastliches Land" laufen, der von der Ufa ' des Landesfremdenverkehrsverbandes hergestellt worden ist. Niemals errnü-

Monaten immer wieder ausgerückt. Kann mich übrigens ausgezeichnet hineindenken. Weißt du, Schellenberg liegt ganz dahinten im Bayerischen Wald, an der böhmischen Grenze, kleines Kaff, keine Bahn, nicht einmal Postauto. Malefizwege für einen armen Doktor und kein Kino und kein Kaffeekränzchen für die Frau, kurz eine Gegend, wo sich Hasen und Füchse gute Nacht sagen. Für so eine Praxis gehört schon ein besonderer Magen her oder eine besondere Liebe. Gott, mir macht das weniger aus; ich habe die Welt vorn und hinten gesehen, mag den Wald gern, und schließlich ist es meine Heimat. Ich habe also zugesagt, habe mein Haus bestellt, wie es in der Bibel so schön heißt, Koffer gepackt und nichts wie 'rüber. So ein Stück Heimweh hat man ja immer, auch wenn man ein alter Globustreter ist wie ich. Na, und jetzt bin ich halt wieder in dem guten alten Deutschland, und, wenn ich in Hamburg ein paar Tage verschnauft habe, geht's heim. So, nun weißt du Bescheid!" sagte Fogg und drückte die Zigarette im Aschen­becher aus.

Weiß ich Bescheid? Wirklich?" fragte sie spitz­bübisch und sah ihn mit ihren dunklen, brennenden Augen von der Seite an.Du hast mir doch gar nicht gesagt, ob du verheiratet bist, Fogg?"

Ach so!" Er schüttelte energisch den Kopf.Hat nie recht gelangt. Ich meine bei mir, mit der Liebe. Und dann, mein Leben bisher war so gar nicht auf Ehefrau abgestimmt. Dieses Herumzigeunern, diese Koloniegeschichte wären nichts für eine Frau von Kultur gewesen. Aber was nicht ist, kann noch werden. Gelübde habe ich jedenfalls keines abgelegt", lachte er jungenhaft.

Wie alt bist du eigentlich?"

Muß ich das sagen, du Naseweis? Ist dir mit achtunddreißig gedient?"

Du kannst dich getrost für dreißig ausgeben. Wenn ich ein junges Mädel wäre, würde ich mich auf der Stelle in dich verlieben. Entsinnst du dich noch, Fogg, wie du mich damals in der Nacht mit deinem Mantel zugedeckt hast? Es war so fürchter­lich kalt in eurem Graben, und bann diese Nebel von der Pina her... Du warst schon immer ein guter Mensch", sagt sie leise und strich mit den Fingern über seine große harte Hand.Es müßte mehr solche wie dich geben, dann wäre es leichter auf der Welt."

Fortsetzung' folgt.

Unser neuer Vornan.

Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans Skandal um Dr. Dandergruen" von Hans Hirt- hammer beendet haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Nummer unseres Blattes mit der Veröffentlichung eines neuen großen Roman­werkes, von dem mir uns einen außergewöhnlichen Erfolg in allen Kreisen unserer Leserschaft ver­sprechen dürfen. Wir bringen diesmal das Werk eines Autors, der bisher in unseren Spalten noch nicht zu Worte gekommen ist, dessen bisherige Ver­öffentlichungen aber allenthalben den größten Bei­fall gefunden und dem Verfasser schnell einen stattlichen Kreis begeisterter und anhänglicher Leser geschaffen haben. Unser neuer Roman heißt:

Jogg bringt ein Mädchen mit" von Walther Moepffer.

Dies ist ein Poman aus unserer Zeit, frisch und unterhaltsam, überaus spannend, mit echtem Ge­fühl und nicht ohne Humor geschrieben; wenn man ihn seiner Gattung nach bezeichnen oder einordnen wollte, würde man in Verlegenheit geraten, denn er ist ebensogut eine Liebesgeschichte wie ein Kri­minal- und Äbenteuer-Roman; hier haben wir die Geschichte eines Mannes und eines jungen Mäd­chens, die Geschichte einer großen Entdeckung und der im Kriege geborenen, unverbrüchlichen Kame­radschaft, die noch viele Jahre später die schönsten Früchte trägt. Vor allem aber ist dies ein Roman, der ungemein reich ist an Handlung und an dra­matischen Konflikten, und wenn man erst einmal zu lesen angefangen hat, kann man nicht eher auf« hören, bis im letzten Kapitel alles glücklich ins Reine gebracht ist. So dürfen wir gewiß sein, mit dem neuen Roman allen Leserinnen und Lesern in Stadt und Land eine besondere genußreiche, von Tag zu Tag erwartungsvoll begrüßte Lektüre zu bieten.

Von der Universität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der Präsident des Deutschen Auslandsinstituts und Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart hat den ordentlichen Professor für Psychologie und Päda­gogik Dr. Gerhard Pfähler in den Wissenschaft­lichen Rat des Deutschen Auslandsinstituts beru­fen.

Der Reichserziehungsminister hat mit Wirkung vom 1. April 1937 ab den Uebertritt des Dozenten Dr. Willy Zschietzfchmann von der Universi­tät Berlin zur Philosophischen Fakultät der Uni­versität Gießen angeordnet und dem Genannten vom gleichen Tage ab einen hauptamtlichen Lehr­auftrag für Klassische Archäologie in dieser Fakultät erteilt.'

Dr. phil. habil. Siegfried Koller in Bad-Nau­heim wurde durch Erlaß des Reichserziehungsmini­sters beauftragt, in der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen die Medizinische Statistik in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.

Die geschlossene Vorstellung für HI.,Der Etap­penhase", beginnt am 21. Mai um 20 Uhr. Wir besuchen die Vorstellung in Uniform.

Es ist selbstverständlich, daß im Rahmen einer solch eindrucksvollen Schau der Fremdenver­kehr nicht fehlen darf. Sv hat sich der Reichsfrem- denoerkehrsverband die Aufgabe gestellt, in einem eigenen Haus den Besuchern der Düsseldorfer Ans­tellung die Vielgestaltigkeit der deutschen Land- chaft eindringlich vor Äugen zu führen. Zwischen >er Kunstakademie und dem Hauptfestplatz erhebt ich vor dem Kongreß-Haus der Rundbau des deut- chen Fremdenverkehrs. Seine acht großen Schau- enster bilden für die Besucher einen nicht zu über« ehenden Anziehungspunkt. Hier ist Gelegenheit

Um Dolores zu vergessen, Hollahe, hollahv,

Die fein Sweetheart war gewesen, Hollahe, hollaho"

Die Gäste grölten diesen Song, der sich als un­gemein strophenreich entpuppte, begeistert mit und verlangten eine Dreingabe. Danach ging ^o^Hosen- mädchen sammeln. Als es an Foggs Tisch kam, beugte er sich aus dem Schatten vor, um ferne Münze zu den anderen auf den Teller zu legen. Da begab sich etwas Seltsames. Die Sängerin schrie halblaut auf, starrte Fogg an, und der Teller in ihrer Hand begann zu zit-ern.

Fogg?!"

Wie? Sie kennen mich?" fragte er verwundert in das bestürzt aufgerissene Gesicht hinein Er grub in seinem Gedächtnis, aber es kam nichts zutage. Nun, da die Unbekannte dicht vor ihm stand, nahm er wahr, daß er kein junges Mädchen vor !'ch hatte, sondern ein Frau mit Sorgenfalten um Öenuiunö, in denen billiger Puder nistete. Sie war mittelgroß, eher klein, und ihre rötlichbraunen kurzen Haare waren glatt an den Kopf gebürstet, was ihr im Bund mit dem koketten Mattosenmutzchen em buben­haftes Aussehen gab.

Ja, ich kenne dich! Rate einmal! Denke an den Krieg, an Pinsk! Nun?" sagte sie lächelnd.

Donka! Daß ich nicht früher darauf gekommen bin! Na, so eine Uebei^aschung!" rief er aufgeregt Un,%in°^Wnes Wunder, nicht wahr?" Ich freue mich sehr, Fogg. Darf ich mich em bißchen zu dir setzen

Aber natürlich. Donka. Willst du einen Stuhl, oder ist dir das Sofa lieber?" Er war voller Ester und Betriebsamkeit, fegte Brösel vorn Ti Ich, nahm ihr den Teller ab und vergaß völlig, daß all dies für eine arme, verblühte Kneipensängerm geschah, die in einer üblen Spelunke eindeutige Lieder zum besten gab. . , ., .. ,

Sitzt du ordentlich? Ja? Was darf ich dir be­stellen'?" r . _

Danke! Nichts. Wie famos du aussiehst! So braungebrannt, so gesund. Es geht dir gut, ja?" Sie betrachtete angestrengt sein kantige^ wie aus Wurzelholz geschnittenes Gesicht. Die Wildschutzen und Holzfäller in den Wäldern ihrer Heimat hatten manchmal solche Gesichter gehabt.

iooiwowiiiin

Vornan von Walther Kloepffer

Topyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

Nachdruck verboten.

1.

Fogg, die Hand unschlüssig auf dem Türgriff, be­frachtete ärgerlich den Himmel. Eine schiefergraue 2lprilwolke hing dick und tief über dem nächtlichen St. Pauli und jagte nasse Menschen in Hausflure lunb Lokale. Das sah nicht aus, als ob es bald aup Jören wollte. n

Als Fogg zaudernd und unbehaglich die BarZu foen sieben Todsünden" betrat, empfingen ihn hitzig rufflatternde Stteitworte und das Quieken einer Ziehharmonika. .. ...

Was soll's denn fein?" fragte em mürrischer Tellner.

Etwas Heißes soll es sein, wenn Sie nichts da­gegen haben. Sagen wir Grog. Dorthin m Die Etfe", befahl Fogg, dem unhöfliche Kellner em Greuel waren. Während er feinen tropfenden lleberzieher auszog, dachte er: Na, den hat es ja ti)ön erwischt! So geht es, wenn ein, leichtsinniger 31ann sein Hotel ohne Schirm verläßt und bum- neln geht. Dann ließ er sich auf das schmierige Landsofa fallen, knipste eine Zigarette an und nusterte den Raum.

Wilde Gestalten bevölkerten dieses Nebelheim. Angetrunkene Matrosen, verdächttge Burschen, farbige und Damen leichtester Sorte. Hinter der Theke lümmelte ein fetter Mann und bearbeitete Mn Ohr mit einem Zahnstocher. Fogg kam sich m Hnem gutsitzenden Anzug wie ein verschleppter Krinz in einer Räuberhöhle vor. Auch eine Stim- niungssänqerm war da. Sie stak m dunkelblauen Äemannshosen und hatte ein flottes Lächeln um ite grellgeschminkten Lippen. Ar schiefes Teller- mützchen trug die Aufschrift "S-M-S Sie sand keß und breitbeinig zwischen den Tischen, stielte Bandoneon und sang mit schraggerollten Tugen: tyv.

In der Hafenbar von Rio, Hollahe, hollaho, Soff ein Maat bis fünfe früh, oh, Hollahe, hollaho.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Ortsgruppe Gießen-Mitte der NSDAP.: 20.30 Uhr Ortsgruppenversammlung im Cafe Leib. Stadttheater: 20 UhrDer Etappenhase" (geschlos­sene Vorstellung der HI.). Gloria-Palast, Sel­tersweg:So weit geht die Liebe nicht." Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Man spricht über Jac­queline."

Abschiedsvorstellung für Paul Nieren und Heinz Rosenthal.

Morgen, Samstag abend, findet eine Abschieds­vorstellung für Paul Nieren und Heinz Rosen­thal statt. Es geht zum letztenmal der große Er­folgDer Etappenhase", Lustspiel aus der Kriegs­zeit, von Karl Bunje, in Szene. Dieses Lustspiel er­lebte an vielen Bühnen Serienerfolge. Spielleitung: Heinrich Hub. Paul Nieren spielt die Rolle des Gerd Feldmann, Heinz Rosenthal die Rolle des Dierk Hansen. Hansi Prinz, die die Rolle der Marie spielt, tritt in dieser Vorstellung zum letzten­mal auf. Diese Vorstellung findet als 16. Vorstel­lung für öen The ater ring der NS.-Kulturgemeinde statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.

Deutsche Glaubensbewegung.

Morgen, Samstag, im Studentenheim Vortrags­abend mit Professor Otto Speer, Baden-Baden, als Redner.

wir soweit", sagte mir stolz lächelnd einer der Sied­ler,nun brauchen wir die Stadt nicht mehr oder kaum noch. Nun sind wir ein Dorf geworden und sind glücklich." Er zeigte mir die Feldpfade durch die Landschaft, in der die ersten Lerchen zwitschernd aufstiegen und die nun seine Sonntagsspaziergänge geworden sind. Aus all seinen Worten klang die Freude an der fortschreitenden Verwurzelung mit der ländlichen Erde wider. Er spürte ihre Kraft in seinen Adern und hatte Aug und Ohr offen für ihre herbe Schönheit und ihre urtümliche Sprache.

Wir waren die einzigen Menschen, unter dem weiten Bogen des Himmels, aufragend wie die vereinzelt stehenden Bäume, und ergriffen von dem Erlebnis der Weite und Einsamkeit in der Felder­ebene. Auf der fernen Straße rollten in fliegender Hast die Autos, wir verweilten wie die Bäume und atmeten uns stark. Das Gegacker der Hühner von der Siedlung her tönte lieblich gedämpft her­über und störte die Stille nicht, als ob es immer schon zu dieser Landschaft gehört hätte, wie die holden Lock- und Liebesweisen der Lerchen, Ammern

sunder Optimismus hinweghalf. Bis die Gemein­schaft wuchs, die Bedürfnisse sich steigerten und es schließlich der Kolonialwarenhändler, der Metzger, der Bäcker, der Wirt wagen konnten, auf diesen Voraussetzungen ihre eigenen beruflichen Existenzen in der Mitte der Siedler aufzubauen.Nun sind

gegeben, durch die mit Sorgfalt zusammengestell­ten Gebietsausstellungen das Wesen der verschiede­nen deutschen Landschaften kennenzulernen. Im Innern des Rundbaues findet jeder Gelegenheit, sich bei der Auskunftsstelle weiter zu unterrichten, um gegebenenfalls die Reife nach Düsseldorf mit einer Fahrt durch das schöne deutsche Land zu ver-

w-'rkIUnst Ausstellung gesunden. Du sicht mun sesten Weg vor dem Hau- keinen Gurten nur eine grotz-, hundgetrieben- Silber,chule des hunuuer br°un- Ackererde um stdes M.g° un un-rstge

Die Siedlung.

Hinter der Stadt läuft die Straße breit in die Landschaft hinaus, und man freut sich, dort der Enge und dem Getümmel entkommen zu sein und in der freien Weite der Fluren mit tiefen Atem­zügen reinere Luft zu trinken. Blühende Obst­bäume in Weiß und Rosa grüßen über zartgrünen Feldern, und man geht beglückt von soviel pran­gender Schönheit wie ein anderer Mensch durch Gottes herrliche Frühlingswelt, die ein duftender Garten ohne Ende ist.

Mitten in ihn hinein, abseits der Straße, haben die Siedler ihre Häuschen gebaut, eines wie das andere, eine stattliche Herde. Reizvolle Unterschiede machen sich erst in nächster Nähe bemerkbar. Manche Vorgärtchen sind entzückende Augenweiden an vielfältiger Blumenpracht und Farbenbuntheit. Sie atmen'den köstlichen Duft üppiger Bauern­gärten, in denen alles Raum hat, was schön ist und verschwenderisch, mit süßem ober herbem Ruch die Lust würzt. Da stehen Goldlackbüsche in Feuer- gelb, Samtbraun und Weinrot, Primeln und ihre dunkeläugigen Schwestern, die Aurikeln, leuchten m allen Farben, Stiefmütterchen säumen die Rabat­ten, oft bunt beieinander von Weiß bis ins Nacht- schwarze in phantastischsten Tönen und Schattie­rungen, dicke Vergißmeinnichtkissen liegen wie ein Stückchen Himmelblau an den Wegen und gefüllte Gänseblümchen, Tausendschönchen, glühen bald zart, bald dunkler errötet. Es gibt aber auch Gärtchen, in denen das Städtische mit dem Ländlichen noch auf Kriegsfuß steht. Da liegen, anstatt Schlackeneinschlag oder grobkörniger Kies, Stein­platten in den Wegen, als gelte es einen Hausflur zu plätten. Da sind tellerförmige Beete wie mit dem Zirkel abgestochen, von Tulpen besetzt und mit einer gipsernen Figur gekrönt. Vielleicht werden sie immer so bleiben, vielleicht aber auch wie viele andere, die noch die Liebe und Hingabe vermissen lassen, sich mit der Zeit ihren wundervollen Vorbil­dern anpassen.

Haus herum, Ackererde an den Schuhen und in den Stuben. Es wollte nicht sauber werden, soviel auch geputzt wurde, und nur langsam begann sich das Erdreich Stück um Stück zu fügen und die ge­wünschten Formen anzunehmen. Die Stadt war so entfernt, und nur von dort war alles Notwendige zu beschaffen. Wieviel Wege zu Fuß und zu Rad mußten gemacht werden und wie oft war man zu (Saufe und hatte doch wieder etwas vergessen. Man, -tun niui-yiyc.i -----J

half sich zwar bereitwillig gegenseitig aus, aber Staufenberg die diesjährige ordentliche Mitglieder- es gab doch manchen Verdruß, über den nur ge-l Versammlung statt.