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Nr. 270 Erstes Matt

187. Jahrgang

Aeitag, 19. November (957

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Die Großherzogliche Familie nach Darmstadt übergesührl.

Brüssel, 18. November. Wie schon kurz ge­meldet, trafen Prinz und Prinzessin Lud­wig von Hessen am Mittwochabend in O st - «ende ein und begaben sich sofort in Begleitung des deutschen Gesandten, Freiherrn von R i ch t h o f e n , des Gouverneurs der Provinz Westflandern und des Markgrafen von Ba­den, eines Schwagers- der verstorbenen Erbgroß- herzogin, zum Stadtkrankenhaus. Hier war ein Krankensaal mit schwarzen Drapierungen in eine würdige Trauerkapelle umgewandelt worden, deren Hintere Wand mit den deutschen unb belgischen

Prinzessin Johanna, die einzige Ueberlebende der erbgroßherzoglichen Familie.

(Aufnahme: Brockmeyer, Darmstadt.)

?-ahnen geschmückt war. In der Mitte standen die L«ärge der Großherzoglichen Familie, zur Rechten Hutten die Särge des Freiherrn Riedesel zu Eisen- b>ch, des Fräulein Hahn und des Segelfliegers Martens ihren Platz gefunden, zur Linken die Särge d r Mannschaft des belgischen Flugzeugs. Die bel- zlcbe Regierung, die belgische Luftfahrtgesellschaft (nibena, der das Flugzeug gehörte, und die Stadt listende haben Kränze niederlegen lassen. Ebenso Iiig auf jedem Sarg ein Kranz der deutschen Ge- sieidtschaft, auch die deutsche Kolonie von Ostende hctte einen Kranz niederlegen lassen. Die ganze Aadt hatte halbmast geflaggt. Die Bevölkerung bldete auf den Straßen zum Bahnhof Spalier, als vis Särge am Donnerstagnachmittag übergeführt nurben, um mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug ii*er Brüssel und Köln nach Darmstadt gebracht zu werben.

3n Brüssel hatten sich auf bem Nordbahnhof Perkehrsminister Iaspar, der Hofmarschall der Königin Elisabeth, Graf d e Grunne, der deut- itiie Gesandte Freiherr von Richthofen und bir griechische Geschäftsträger in Brüs- eingefunden, um dem Prinzen Ludwig noch ein- irul ihr Beileid auszudrücken Der Wagen mit den cargen war in eine mit schwarzem Tuch ausge- stlagene Trauerkapelle umgewandelt worden. Un- ler: den vielen Kränzen bemerkte man auch zwei Kiränze der beiden Kinder des Königs 1DD n Belgien mit den InschriftenBaudouin" Im.bJosephine Charlotte". Der König der Belgier M.d das englische Königspaar hatten schon am

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Prinz und Prinzessin Ludwig von Hessen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Dienstagabend dem Prinzen Ludwig telegraphisch ihre Teilnahme bezeugt. Die Mutter des Königs der Belgier, Königin Elisabeth, hat ihre Anteilnahme in besonders Herzlicher Weise zum Aus­druck gebracht. Nachdem bereits unmittelbar nach der Katastrophe ein Vertreter der Königin in der deutschen Gesandtschaft in Brüssel Vorgesprächen hatte, um das Beileid Ihrer Majestät der Gattin des deutschen Gesandten, der selbst an der Unglücks­stelle weilte, auszusprechen, erschien am Donners­tagvormittag in der Trauerkapelle im Krankenhaus von Ostende ein Ordonnanzoffizier der Königin und überbrachte einen Kranz, der in der Kapelle vor den Särgen niedergelegt wurde. Am Nordbahnhof in Brüssel überbrachte bann ber Hofmarschall Graf de Grunne dem Prinzen Ludwig eine persön­liche Botschaft der Königin. Legations­sekretär Freiherr von Neurath .gab im Auf­trag des deutschen Gesandten dem Zug bis zur deutschen Grenze das Geleit.

Die Ankunft in Darmstadt.

Erste Aufbahrung

im Fürstensaal des Bahnhofs.

Darmstadt, 19. Nov. (DNB.) Die ackst Opfer des Flugzeugunglückes in Ostende wurden in der vergangenen Nacht von Belgien aus nach Darm­stadt übergeführt. Auf dem Bahnsteig vor dem Fürstensaal hatten sich zum Empfang der auf so erschütternde Weise ums Leben gekommenen groß- herzoglichen Familie die nächsten Angehöri­gen und Freunde, sowie die Leidtragenden der Familien von Riedesel, Martens und Hahn ein- gefunden. U. a. waren erschienen die Schwester der verstorbenen Großherzogin Fürstin Dohna, die Mutter der Erbgroßherzogin Prinzessin Alexan­dra von Griechenland mit ihren drei Töch­tern, Erbprinz Hohenlohe mit Gemahlin, Prinz untf Prinzessin Christofs von Hessen, Grä­fin Solms-Laubach und Prinzessin Elisa­beth von Solms-Li ch. Auf dem Bahnsteig war auch der Darmstädter Flieger st urm 1/7 7, bem ber Erbgroßherzog angehört hatte, als Ehren­formation angetreten.

Nach bem Eintreffen bes fahrplanmäßigen Zu­ges würben bie Särge von ben Mitgliebern bes Fliegersturmes in ben auf bas stimmungsvollste ausgeschmückten Fürstensaal getragen unb bort aufgebahrt. Inzwischen war Prinz Ludwig von

Hessen mit seiner jungen Gemahlin in Begleitung des Markgrafen von Baden erschienen und wurde auf dem Bahnsteig von dem Grafen Har­denberg begrüßt Als der erste Sarg aus dem Wagen getragen wurde, senkten sich die Fahnen, der Sturmführer des Fliegersturmes legte einen Kranz am Sarg des Erbgroßherzogs nieder. Pfarrer M o n n a r d (Egelsbach) hielt im engsten Kreis eine kurze Andacht und segnete die Toten ein. Zahl­reiche Kränze waren als letztes Zeichen der Ehrung im Fürstensaal niedergelegt worden.

Heute um 15 Uhr erfolgt die feierliche Ueberführung der Leichen durch Abordnungen der NSDAP., deren Mitglieder der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin waren, ber Wehrmacht unb verschobener Organisationen nach ber R o - s e n h ö h e, wo bie sterblichen Ueberreste in ber Kapelle bes alten Mausoleums aufgebahrt werben bis zur enbgültigen Beisetzung, bie wahrscheinlich am Dienstagnachmittag unter Teilnahme ber Aborbnungen ber Partei unb ber Wehrmacht unb anberer Organisationen ftattfinbet.

Die anderen Opfer der Katastrophe.

Mit ben Angehörigen ber großherzoglichen Familie ist, wie schon kurz gemelbet, auch bie feit ber Ge­burt bes ersten Prinzen bem erbgroßherzoglichen Haushalt angehörenbe Kinberschwester Lina Hahn bem Unglück zum Opfer gefallen. Ferner Joachim Riebesel Freiherr zu Eisenbach aus Sickenborf bei Lauterbach, ein Freunb bes Erb­großherzogs, ber bie Familie auf bem Flug nach Bonbon begleitete, um bort Trauzeuge bes Prinzen Lubwig zu fein. Ferner kam noch ums Leben ber Diplom-Ingenieur Arthur Martens, Prokurist unb Leiter ber Luftfahrt-Abteilung bei ben Ber­einigten beutschen Metallwerken in Frankfurt a. M. Er hat sich in ben Jahren 1921 bis 1925 als einer ber erfolgreichsten Segelflieger hervorgetan unb nicht weniger als acht Weltrekorbe im Segelflug aufgestellt. 1924 grünbete er, ber bereits im Weltkrieg geflogen war, bie Martens- Flugschule auf ber Wasserkuppe, bie später von ber Rhön - Rossitten - Gesellschaft übernommen wurde. 1928 unternahm er vom Berliner Flughafen aus einen erfolgreichen Propagandaflug mit einem Leichtflugzeug von nur 35 PS.

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Unsere Bilder zeigen die Stätten des schweren Flugzeugunglücks bei Ostende. Das Bild links zeigt den beschädigten Fabrikschornstein, ben bas Flugzeug bei der Landung streifte, wodurch die Katastrophe herbeigeführt wurde. Man erkennt auf dem Dach noch die Spitze eines Flügels. Daneben die Trümmer der zerstörten Maschine. (Scherl-BUderdienst-M.)

Wie stehtes in der Wirtschaft aus?

Die Statistik über die Bauleistung in den Groß- und Mittelstädten eilt derjenigen über das Ergebnis in sämtlichen Gemeinden Deutschlands immer um einige Monate voraus. Der inWirt­schaft und Statistik" veröffentlichte Ueberblick über die ersten neun Monate des Jahres 1937 zeigt, daß in den Groß- und Mittelstädten 103 545 Wohnun­gen durch Neu- und Umbau fertiggestellt sind, also ein Zehntel mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Dagegen lagen hier hat sich der teilweise noch zu überwindende Engpaß in der Materialversorgung und dem Arbeitseinsatz aus­gewirkt die Bauanträge um 17,7 v H., die Bau- erlaubnisse um 12,9 v. H. und die Baubeginns um 7,6 v. H. unter ben Dorjahresergebnissen. Im Unterschied dazu zeigt die Vergleichskurve beim Bau von Nichtwohnungsgebäuden in allen Stadien der Bautätigkeit weiter aufwärts. In dieser Bau­sparte erhöhten sich die Bauvollendungen um 13,5 v. H., bie Bauerlaubnisse um 18,7 unb bie Baube­ginne um 53,3 o. H. Erfreulicherweise bestätigt bas Wohnungsbauergebnis in ben Groß- unb Mittel- ftäbten bie Hinwenbung zum Kleinwohnungsbau. Fast bie Hälfte aller errichteten Wohnungen waren Kleinwohnungen mit ein bis brei Wohnräumen (einschließlich Küche). Gegenüber bem Vorjahre ist bas eine Verbesserung um fünf Punkte.

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Die feit einigen Monaten zu melbenbe günstige Einlagenbewegung bei ben Sparkassen hat sich auch im Oktober fortgesetzt. Nach ben soeben ver­öffentlichten Monatsausweisen ber Sparkassen er­höhten sich bie Spareinlagen um 128,4 Mill RM. Der Einzahlungsüberschuß allem betrug 117,1 Mill. RM. Es würben 70,7 Mill. RM. ober fast 16 v. H. mehr eingezahlt als im Oktober bes Vorjahres. Aber auch bie Entwicklung ber Aus­zahlungen hat zu bem erhöhten Sparergebnis bei­getragen Sie blieben hinter denen des Vorjahres um 33,9 Mill. RM zurück. Die Ursache für diese günstige Spareinlagenentwicklung wird man in erster Linie in der anhaltend günstigen Beschäfti­gungslage und dem damit steigenden Einkommen zu suchen haben.

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In Verfolg des Vierjahresplanes, der (wie man immer bedenken muß) erst ein gutes Jahr am Laufen ist. werden immer neue Maßnahmen ergriffen, die, so unscheinbar sie aussehen, ein wichtiger Stein zum Aufbau der deutschen Rvhstoffreiheit sind. Hierzu gehört die soeben von der Ueberwachungsstelle für Mineralöl mit Zustimmung des Reichswirtschafts­ministers veröffentlichte Anordnung über bie Ver- roenbung gebrauchter Schmieröle aus Verbrennungskraftmaschinen. Schon seit langem stellt man Versuche an, bie hochwertigen Autoöle zum Beispiel, bie hauptsächlich aus aus­ländischen Rohölen hergestellt werben und bie sich im Kraftwagen ja nicht aufbrauchen, zu regene­rieren. Mit Wirkung vom 1 Dezember ab müssen nun bie{e als Ablauföle gekennzeichneten Schmier­öle von sämtlichen (Eigentümern, bie mehr als 50 Kilogramm Schmieröl monatlich verbrauchen ober bei benen monatlich mehr als 50 Kilogramm Ablauföle anfallen, gesammelt werben. Die ge­sammelten Ablauföle müssen später an bestimmte Schmierölhänbler unb Aufarbeitunasanftalten ab­geliefert werben. Hier werben bie Ablauföle ihrem ursprünglichen Verwendungszweck, b. h. ber Schmie­rung von Verbrennungskraftmaschinen, roieber zu- geführt werben.

Heber bendeutfch en Holzbebarf und seine Befriedigung", der zur Zeit zu den wichtig- ften Problemen der deutschen Wirtschaft gehört, machte Professor Dr. Heske vor der Volkswirt­schaftlichen Vereinigung im rheinisch-westfälifchen Industriegebiet in diesen Tagen aufschlußreiche Mit­teilung. Es verdient vor allem festgehalten zu wer­den, daß Deutschland an bem Walbbesitz ber Welt nur in einem völlig unzureichenden Ausmaße be­teiligt ist. Die Waldflächen ber Erbe machen drei Milliarden Hektar aus. Das sind 22 v. H. bes aan- zen außerpolaren Festlanbes ober, um es deutlicher zu sagen, 64mal soviel wie die gesamte deutsche Bo- denfläche. England, Frankreich' Belaien unb Hol- lanb haben in ihrer Heimat einen Walbbesitz, der kaum V2 v. H. ber gesamten Walbfläche ausmacht. Sie kontrollieren aber durch ihren kolonialen Walbbesitz etwa 31 v. H. ber Walbfläche ber (Erbe. Trotz aller Bemühungen, bie Lücke in der deutschen Holzdecke auszufüllen, wird für Deutschland bie Notwenbigkeit bestehen bleiben mehrere Millionen fteftmeter aus außerbeutfchen Wölbern zu beziehen. Daher ist ein aeficherter Bezug bes Fehlbetrages ber beutschen Holzbecke aus bem Auslanbe notwendig, wenn nicht ber deutsche Wald immer wieder her« halten muß, um durch Uebernutzung den erforder­lichen Ausgleich zu schaffen. Ganz von selbst leitet sich aus dieser Feststelluna die Notwendigkeit zum Wiedererwerb waldreicher Kolonien her. Allein Kamerun hat eine Walbfläche, bie grö- jer als bie beutsche ist.

Die deutsche K o h l e n w i r t s ch a f t war in ber ^lsenzeit auch einer ber Wirtschaftszweige, bie Hon ihrer Natur nach am meisten unter bem all­gemeinen Niebergang zu leiben hatte. Die verfah­renen Feierschichten belasteten bie Zechen außer- orbentlich. Im taufenben Jahre scheint nun dieser Zustand nach dem Bericht bes Instituts für Kon- iunkturforfchung.weitgehenb überronnben zu sein. Die Saisonabschwächnng ber Förbertätiakeit, bie früher während des Sommers zu beobachten war, ist diesmal fast ausgeblieben. Während in den frü­heren Jahren die arbeitstäaliche Steinkohlen- förberung während dieser Zeit um 6 v H. durchschnittlich sank, hat sie in diesem Jahre mir