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Nr. ?6<) Zweites Blatt
Kleßener Anzeiger (Aeneral-Anzeiger für Oberhejjen)
Donnerstag, 18. November |937
Gediente Soldaten und junge Rekruten
Don Walter Stedinn.
Es war vor einem Jahre in Öen Manövern am Eüdharz Bevor die Artilleristen ihre Geichütze bespannten, strichen sie einen Tag auf ihrem Kalender cus. der bis zu ihrer Entlassung nur noch wenige Lage zählte Dann konnten sie den Wasfenrock in Irr Kammer abgeben und den Bürgerrock wieder cnziehen. Es kam aber anders Die damalige ernste politische Lage hatte den Führer und Reichskanzler fii dem Entschluß gezwungen, die zweijährige Si e n st z e i t einzuführen. Das hatte der Führer gewiß nicht leichten Herzens getan aber die Staats- wtwendigkeit war zwingend Bevor sich nun unsere Kanoniere auf den Marsch begaben, trat der Haupt- nann zu ihnen und erklärte ihnen, was geschehen var und was geschehen mußte
Selbstverständlich war das für den ersten Augen- tlick eine große Enttäuschung, viele hatten sich schon Mch einer Stellung umgesehen, andere hatten ent- hrechende geschäftliche Dispositionen getroffen, jäher aber als das Wohl des Einzelnen stand das Wohl der Gesamtheit, und es ist ein Zeichen für die ^gezeichnete politische Schulung, daß nach der rften persönlichen Enttäuschung wohl von jedem koldaten die Notwendigkeit der zweijährigen Dienst- z-it eingesehen wurde Gewiß, es war ein Opfer, teer gerade in der Tatsache, wie dieses Opfer gemacht wurde, offenbarte sich am besten der Geist :r neuen Wehrmacht. Was damals am Südharz -schal), war in Deutschland überall geschehen, in ! stpreußen, in Bayern und überall, wo Truppen Af dem Marsch oder in den Garnisonen waren
Nun ist auch dieses zweite Jahr vor« k s i. Aus den Straßen sahen wir wieder die ge» drnten Soldaten, die ihre Reservistenlieder sangen, uö niemand hat ihnen ihre Freude am Tag der (itlaffung mißgönnt In den zwei Jahren ihrer ! ienstzeit ist mancher Schweißtropfen geflossen, er er ist nicht unnütz geflossen denn aus diesen ngen Männern sind tüchtige Soldaten geworden, :s haben die Mnöver in allen Gebieten Deutsch- mds gezeigt: das bewiesen aber vor allem die lehrmacht-Manöoer, die in Mecklenburg und Pom- ’rn unter den Augen des Führers und Reichs- mzlers stattgefunden haben. Die Marschleistungen, >' hier erzielt wurden, sind geradezu erstaunlich, 'd es ist ein wertvolles Zeichen auch für die kärgliche Kräftigung dieser Soldaten, daß der Aus- ti an Kranken ungewöhnlich gering war.
Auch die militärischen Bilder, die wir in diesem Dcinöver gesehen haben, waren vollgültiger Beweis Nur, daß die zweijährige Dienstzeit gute Früchte gc ragen hat Ein entscheidender Grundsatz war ja auch mit die Tatsache, daß bei einer modernen D-Hrmacht ein Jahr eben nicht genügen kann, um einem jungen Menschen einen vollgültigen Sollen zu machen. Was heute körperlich und geistig Zeernt werden muß, das kann in zwölf Monaten ri'ht erworben werden dazu braucht es eben die zireijährige Dienstzeit Nun aber wird ein großer Tal der jetzt zur Entlassung kommenden Soldaten flrf) fähig und in der Lage fein, bei kommenden Hebungen als Unterführer Dienst zu tun. und wer fid voll bewährt hat, der wird auch später als Offizier des Beurlaubtenstandes feinem Vaterland in Liren dienen können
3n den Schreibstuben der Kafernen herrschte kein Mingel an Arbeit Die Entlassungspapiere und was dazu gehört, mußten vorbereitet werden A.fzerdem ist in den letzten Wochen Sorge getragen Mrden, daß auch jeder Soldat der jetzt zur Ent- (trung kommt, einen Arbeitsplatz erhält. Beton monatelang vorher hat das Reichsknegs- mnifterium die entsprechenden Anordnungen getreten, und in Verbindung mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ift alles getan, was getan werden konnte Die zur Gntlaffung kommenden Soldaten werden ihre Dienst- Zeil sicherlich in schönster Erinnerung behalten und du Geist der Kameradschaft, den sie jetzt Fennen« gebrnt haben, auch im Soldatenbund weiter pflegen in dem sie stets echte Kameraden antreffen werden.
$.n den ersten Novembertagen werden alsdann lie jungen Rekruten in die Kasernen ein« gieren. Der Tag der Einberufung ist diesmal so fjöt gelegt, damit alle Kräfte zur Ernte bereitstehen.
kommende Jahrgang wird deshalb nur 23 Mcmate zu dienen haben Auch der neue Jahrgang gehört zu den geburtenschwachen Jahrgängen, mit bwen wir bis 1940 zu rechnen haben Die Tat- secke, daß der neue Jahrgang nicht einmal die Hälfte eines Dorkriegsjahrganges beträgt, muß auch in Gr« m,ung gezogen werden im Hinblick auf die Einfügung der zweijährigen Dienstzeit Von diesem Mrgang ist zudem ja nur ein Teil, wie wir frei» lid) hoffen dürfen ein recht großer Teil, als militär- ^rfttauglid) ernannt worden
Wenn nun in den nächsten Wochen diese jungen Danner ihren Soldateneid schwören, so geschieht Itos in Anwesenheit der den Truppenteilen vom Füirer verliehenen neuen Regimentsfah- nta. die die Tradition der ruhmreichen Fahnen btr alten Armee fortfetzen Die jungen Rekruten MiLen dann auch wissen daß der Soldateneid den fi eilten, nicht mehr einem Dokument gilt, sondern einer neuen Jdeenform, die die persönliche Bindung an den höchsten Befehlshaber vollzog, bi? von den Zeiten des Großen Kurfürsten bis zum Submmenbrud) am Ende des Weltkrieges bestanden Nl3 und die jetzt wieder hergestellt ist Der Deut«
Wehr und Waffen.
sche braucht eine Verkörperung der Idee der er seine Dienste weihen soll, und der auf die Perfon geleistete Eid bindet fester als der Eid auf einen bloßen Begriff Mit diesem Eid, der jedem Vorbehalt ausschließt, verschreibt sich der Soldat mit Leib und Leben dem Führer und gibt das feierliche Versprechen, die soldatischen Pflichten in unbedingtem Gehorsam zu erfüllen. Die Kraft des persönlichen Eides liegt ferner in der Betonung der Volkstreue, die bei der deutschen Natur stets eine hervorragende Rolle in der Soldatenmoral gespielt hat und auch weiterhin spielen wird.
Deutschlands junge Rekruten dürfen davon überzeugt sein, daß sie in den Kasernen gute Kameraden finden werden Die Unteroffiziere und Offiziere werden ihnen Führer, aber sie werden ihnen ebenfalls gute Kameraden sein Neben dem Gedanken der Kameradschaft wird in unserer jungen Wehrmacht, und zwar in allen ihren Teilen, auch der soziale Gedanke in idealer Form verkörpert Wer Hilfe braucht, dem wird Hilfe zuteil, jetzt und in
Zukunft. Junge Soldaten dürfen und sollen mit ihren Sorgen zu ihrem Korporalschaftsführer, ihrem Oberfeldwebel und ihrem Kompanieführer kommen Sie werden jederzeit ein offenes Ohr finden, und sie dürfen überzeugt sein, daß in den zwei Jahren in bester Weise für sie gesorgt wird, und daß auch am Tage ihrer Entlassung wieder für ihr Fortkommen Sorge getragen wird.
Die zwei Jahre, die die gedienten Soldaten hinter sich haben, und die die jungen Rekruten jetzt ab- bienen müssen, sind keine verlorene Zeit: sie sind für das Leben des einzelnen ebenso wichtig, wie sie für das Vaterland im ganzen wichtig sind. Wir alle sind stolz auf unsere gedienten Soldaten, die jetzt entlassen wurden, und wir wissen auch, daß wir stolz sein dürfen auf unsere jungen Rekruten, die jetzt zur Fahne kommen Wir denken dabei an das, was die Väter dieser Soldaten im Frieden und im Kriege geleistet haben und mir wissen, daß die Söhne ihnen getreu in der Erfüllung ihrer soldatischen Pflicht nacheifern werden
Aus der Geschichte des alten Regiments 116.
Das Gefecht bei Bevern am 13.3uni 1794. Don Generalmaj or a.D. RudolsMohr, Gießen
Bevern? Wo liegt das und was war da los?! Es wird nur sehr nienig Kundige, selbst aus den Reihen des alten Regiments geben, die diese Fragen ohne weiteres beantworten können. Deshalb sei es gleich vornweg gesagt- Bevern liegt nordöstlich Ypern, in Flanderns Sumps und Blut, in dem unser altes Regiment im Weltkrieg vom 21. September bis 12. Oktober 1917, vom 7. November bis 3. Dezember 1917 und vom 4. Dezember 1917 bis 12. Februar 1918 kämpfte, litt und blutete. Die Namen Gheluvelt, Zandvoorde, Paschendaele, Becelaere, sie haben alle schon einmal in der Geschichte unseres Regiments eine Rolle gespielt, wenn auch in kleinem Maßstabe und unter Verhältnissen, die im Vergleich zum Weltkrieg und seinem furchtbaren Ringen gerade in Flandern heute fast wie
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ein militärischer Spaziergang anmuten. Ader auch damals, vor 143 Jahren, kämpften dort Hessensöhne und fielen ihrem Eide getreu.
Ader wie und aus welchem Grunde kamen sie dahin? Das wird die nächste Frage sein Die Beantwortung liegt zum Teil schon in der Jahreszahl 1794. Es war die Zeit der Französischen Revolution, die durch ihren furchtbaren Verlaus alle Nachbarstaaten bedrohte und sie zum Zusammenschluß gegen die von Frankreich immer lauter verkündigten Grundsätze des Umsturzes zwang Auch Landgraf Ludewig X von Hessen-Darmstadt (er schrieb sich selbst „Ludewig") wurde durch die feinem Lande drohende Gefahr bewogen, der preußisch - österreichischen Koalition beizutreten, die schließlich das ganze damalige Deutsche Reich umfaßte 1792 rückte ein preußisches Heer unter dem Herzog von Braunschweig in Frankreich ein und mußte nach der erfolglosen Kanonade von Val my infolge großer Verpflegungsschwierigkeiten und Krankheiten nach dem Rhein zurück. Nicht besser erging es einem österreichischen Korps in Belgien, das bei I e - mappes geschlagen, gleichfalls zurückflutete. Die Franzosen drängten nach und nahmen im raschen Anlauf Speyer, Worms, Mainz Frankfurt und Koblenz. Das heffen-darmstädtifche Truppenkorps, bei dem sich auch das „leichte Infanterie- Bataillon" das am 15. September 1790 in Gießen aus dem „Kreis-Regiment" gebildet worden war (späteres 1/116), bestand, zog sich vor den vorrückenden Franzosen auf die Festung Gießen zurück und vereinigte sich (3500 Mann und 12 Geschütze stark) am 29. November 1792 mit der preußischen Armee bei Bad Homburg v d. H. Am 2. Dezember erstürmten preußische und hessen- kasselsche Regimenter Frankfurt und zwangen die Franzosen zum Rückzug auf Mainz
Gs kam zur Belagerung von Mainz vom 5 Mai bis 22. Juli 1793, an der auch das leichte Infanterie-Bataillon lebhaften Anteil nahm. Die sehr interessante Zeit der Ginschließung der Festung zu schildern, würde heute zu weit führen sie soll einem späteren Aufsatz Vorbehalten bleiben Mainz
kapitulierte am 22. Juli 1793 unter ehrenvollen Bedingungen. Die französische Besatzung, noch 12 000 bis 14 000 Mann stark, durfte frei nach Frankreich abziehen. Nach dem Fall von Mainz zog Landgraf Ludewig seine Truppen von der Koalitions-Armee zurück und legte sie, 5660 Mann stark, in Darmstadt und Umgegend ins Quartier. Gs geschah dies hauptsächlich der hohen Kriegskosten halber, die das kleine Land auf die Dauer ungeheuer belasteten. Dieses Hindernis wurde aber bald darauf dadurch beseitigt, daß der Kaiser Franz II. einen Teil der hessischen Truppen für den Krieg im Glsaß und den anderen Teil der König von Gnglanö für den Krieg in den Niederlanden „in Subsidien" übernahm, d. h. beide verpflichteten sich, die Unterhaltungskosten zum größten Teil zu tragen. Zu der „niederländischen Brigad e", die aus dem I. Leib-Grenadier- Bataillon, dem I. Bataillon Landgraf, dem Jägerkorps, dem Eheoaulegers-Regiment und 8 Geschützen (die Infanterie führte außerdem noch ihre Bataillons-Geschütze mit sich) bestand, gehörte auch das leichte Infanterie-Bataillon (1/116). Die etwa 3200 Mann starke Brigade stand unter dem Befehl des Generalmajors von Düring, unser leichtes Infanterie-Bataillon zählte 20 Offiziere, 40 Unteroffiziere, 40 Schützen (Gefreite), 12 Spielleute und 551 Gemeine. Oberbefehlshaber der Armee in Flandern war der Herzog von York.
Am 24. Oktober 1793 erfolgte der Abmarsch von Darmstadt, am 21. November wurde über Aachen, Lüttich, Löwen, Brüssel die Gegend von Tour- nag erreicht, wo sich das englische Hauptquartier befand. (Wird man auch hier nicht direkt an den Vormarsch von 1914 erinnert?) Gs stand nun fast das ganze westliche Guropa in Waffen gegen die Franzosen, denn neben Gnglanö war auch Holland ö<?r Koalition beigetreten. Aber wie es so oft in der Kriegsgeschichte gegangen ist, viele Kopfe, viele Sinne, so war es auch hier. Gs fehlte ein Führer! Anstatt von der gewaltigen Ueberlegenheit Gebrauch zu machen (die Armee des Herzogs von Port war allein 63 Bataillone, 85 Gskadrons stark und hatte links von sich noch die österreichische Hauptarmee unter dem Herzog von Koburg stehen), gingen die Verbündeten trotz der siegreichen Schlacht bei Neerwinden hinter die belgische Grenze zurück in Winterquartier. Die Uneinigkeit zwischen den österreichischen, englischen und holländischen Führern verhinderte die Ausbeutung aller errungenen Grfolge. Der Weg nach Paris stand offen, aber er wurde nicht betreten. Die Franzosen erhielten Zeit, sich dicht vor den Verbündeten festzusetzen und sich in zwei größeren Gruppen bei Lille und zwischen Arras und Donay zu vereinigen
Gs ist nun nicht meine Absicht, den ganzen Feldzug 1793/94 zu schildern, ich kann nur einzelne Gpisoden kurz erwähnen, die bis zu dem Gefecht bei Bevern am 13. Juni 1794 führen. Voraus- schicken möchte ich aber, daß er höchst unglücklich für die Verbündeten verlief, und daß das „leichte Infanterie-Bataillon" sehr empfindliche Verluste hatte, die es fast zur völligen Auflösung brachten. Schlechte Führung, schlechte Verpflegung und schlechte Ausrüstung, es war alles schlecht in diesem Kriege. Bereits am 28. November 1793 kam es zu einem Gefecht bei Nechin, dem eine Rückwärtsbewegung nach Gheluvelde und Zandvoorde folgte. Dann kam es im Frühjahr nacheinander zu dem Gefecht bei Harlebecke am 5 Mai 1794, zu der Schlacht bei Gourtray am 10., 11. und 12. Mai 1794, zum Gefecht bei Lincelle und Bonsbeck am 14. Mai und zum Vorpostengefecht bei Roo s- b e cf e am 9. Juni 1794. Also eigentlich Schlag auf Schlag und trotz aller Tapferkeit immer unglücklich für die Verbündeten. Seit dem 23 April 1794 befand sich die hessische Brigade bei dem Truppenkorps des österreichischen Felözeugmeisters Eler- f a i t, das zum Schutze Flanderns bestimmt war, leider aber nur einen Mißerfolg nach dem andern erlitt Die Ursachen lagen nicht in der mangelnden Zuverlässigkeit und Tapferkeit der Truppe, sondern hauptsächlich in der damals üblichen Künstelei der Kriegsführung, niemals geschlossen und mit lieber« macht an einem Punkte sondern stets in mehreren weit von einander getrennten Kolonnen ohne Zusammenhang anzuqreifen. Wir werden ein Muster
beispiel davon beim Vormarsch, der zu dem Gefecht bei Bevern führte, geben. Die hessische Brigade jedenfalls verdient volle Anerkennung für ihre vortreffliche Haltung in diesen fortgesetzten Harmonika- zügen, bei denen es wie bei einer Sprmgprozession drei Schritt vorwärts und zwei zurück ging. Von dem guten Geist, der das leichte Infanterie-Bataillon beseelte, gibt die Regimentsgeschlchte zwei Bei» spiele. Der Feldzeugmeister Glerfait fragte am Tag« nach der dreitägigen Schlacht bei Gourtray den Schützen Ortwein aus Gießen von Kapitän Klipsteins Kompanie: „Wie geht's, Kamerad?" — „Schlecht!" war die Antwort. „Warum?" „Gs geht schon wieder zurück, und das gefällt mir nicht. — Der Soldat Becker aus Mainzlar war in einem Haufe in Jngelmünster bei dessen vorübergehender Räumung allein zurückgeblieben und verteidigte sich trotz einer schweren Verwundung so tapfer, daß er mehrere Franzosen, die die Treppe heraufstürmten, niederschoß oder niederschlug und dann unangefochten blieb, bis das Bataillon Jngelmünster erneut besetzte.
Am 21. Mai ging Glerfait bis Thielt zurück, wo am 30. Mai große Revue vor Kaiser Franz von Oesterreich und Landgraf Ludewig X. stattfand. Beide sprachen sich sehr anerkennend über die Haltung der hessischen Brigade aus, deren Mannschaften eine außerordentliche fünftägige Löhnung erhielten. Die Franzosen waren inzwischen zur Belagerung der Festung Ypern, die von dem Hessen-Kasseler Kontingent besetzt war (also gerade umgekehrt wie im Weltkrieg), geschritten und hatten am 1. Juni bereits die Festung völlig eingeschlossen. Der erste Gntsetzungsversuch, den Glerfait unternahm, scheiterte schon in seinen Anfängen. Di« Franzosen kamen dem Angriff zuvor und drängten in heftigen Gefechten, bei denen die hessische Brigade bei Roosbecke und Rousselaire den ersten Ansturm auszuhalten hatte, die Verbündeten bis in die Linie Thouront — Lichtervelde — Thielt zurück. Zur Deckung der Belagerung von Ypern nahm ein französisches Korps unter General Souham bei Paschendaele und ein zweites unter General Bonneau gegen das Hauptkorps der Verbündeten bei Gourtray Stellung. Am 13. Juni wurde der Versuch, Ypern zu entsetzen, wiederholt. Abermals ging der Marsch auf Ypern in vier weit auseinanderliegenden Kolonnen vor sich (siehe Skizze). Die gesamte Stärke betrug etwa 20 000 Mann (40 Bataillone, 41 Schwadronen). Bei der dritten Kolonne von rechts, welche unter General Starray über Bevern auf Hoglede oor- ging, befand sich die hessische Brigade und bildete unter General von Düring deren Avantgarde. 3 Uhr morgens wurde aufgebrochen und gegen 6 Uhr das von den Franzosen stark besetzte Bevern erreicht. Gin vor dem Dorf errichteter Baumverhau wurde sofort angegriffen und genommen. Im Dorfe selbst kam es zu einem langen hartnäckigen Häuser- und Straßengefecht, in dem die Hessen siegreich blieben und die Franzosen aus dem Ort hinauswarfen. Hinter diesem standen aber starke französische Reserven, und auch von H o g 1 e d« rückte eine Kolonne zu ihrer Unterstützung heran. Trotzdem ließ General von Düring, ohne sich zu besinnen, den überlegenen Feind angreifen. Gs entspann sich ein lebhaftes Feuergefecht, und dann gingen zwei österreichische Bataillone und unser leichtes Infanterie-Bataillon unter Oberstleutnant von Stosch dem Feinde mit dem Bajonett auf den Leib und warfen ihn zurück Das leichte Infanterie-Bataillon eroberte dabei zwei Kanonen nebst Pulverkarren. (Dieser Moment ist durch den Militär, maler G. Henckel (Dresden) auf dem Militär- Gedenkblatt Nr. 52 in einem Gemälde dargestellt.)
Ueberall wichen jetzt die Franzosen, verfolgt von den nachhauenden hessischen Ghevaulegers. General von Düring drängte ebenfalls auf Hoglede nach, alles steht gut, das Gros der Kolonne Starray ist auch inzwischen herangekommen, da wird General von Düring von einer Kanonenkugel an Hals und Schulter getroffen und muß schwer verwundet zurückgeschafft werden. Gleichzeittg kam die Nachricht, daß die übrigen Kolonnen des Glerfaitschen Korps zurückgedrängt worden seien. General Starray gab daher ebenfalls den so glücklich begonnenen Angriff auf und führte feine Abteilungen nach Thielt zurück, wohin sich auch der Rückzug der übrigen Truppen ^gerichtet hatte. Hier wurde das frühere Lager wieder bezogen. Der Gntsatz Yperns war also abermals mißlungen. Die Festung kapitulierte wenige Tage darauf, ihre Besatzung kam in Kriegsgefangenschaft. Unser leichtes Infanterie-Bataillon hatte in diesen Kämpfen 5 Offiziere (darunter die Kapitäns Pistor und von Gall verwundet), 3 Unteroffiziere, 1 Hornist und 39 Gemeine (darunter 2 tot) verloren. Gewiß, im Verhältnis zu den Verlusten, die unser altes Regiment 116 im Weltkrieg im gleichen Gelände erlitt (15 Offiziere, davon 5 tot, 616 Mann, davon 143 tot), keine überwältigende Zahl, aber wenn man die geringe Stärke des einen Bataillons und die damalige Waffenwirkung bedenkt, so geht klar hervor, daß die Truppe ihre Pflicht im höchsten Maße getan haben muß. Das blieb auch so in dem weiteren höchst unglücklichen Verlauf des ganzen Feldzuges bis zu feinem Gnde. Die Führung hatte kläglich versagt, aber Offiziere und Mannschaften der hessischen' Brigade kehrten trotz aller Niederlagen und Beschwerden am 15. Januar 1796 nach Darmstadt, wohin auch der Rest des leichten Infanterie-Bataillons in Garnison kam, mit dem Bewußtsein zurück, stets unter den schwierigsten Verhältnissen ihre volle Schuldigkeit getan und vor allem die Haupttugenden des Soldaten, Manneszucht und Tapferkeit, bewahrt zu haben.
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