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läge im sudetendeutschen Gebiete nachsagen kann. Wlrd angesichts dieses einwandfreien Kronzeugen die tschechische Presse noch den Mut aufbringen, die grauenhafte Notlage, die in vielen sudetendeutschen Bezirken herrscht in Abrede zu stellen und die groß- zügiae Ferienaktion des Bundes der Deutschen als überflüssig zu bezeichnen? Wird dieTimes" noch einmal behaupten, daß die Enthüllungen der reichs­deutschen Presse unberechtigt und überflüssig ge­wesen seien? B. R.

Der Führer zur (Sammlung der Hmdenburg-Gpende.

Berchtesgaden, 17. August. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat feinem Wunsche zur Beteiligung des ganzen deutschen Volkes an der Hindenburg- Spende mit folgenden Dorten Ausdruck gegeben:

Zu dem bevorstehenden 90. Geburtstag Hinden­burgs ruft die der Unterstützung von Kriegsbeschä­digten und Kriegerhinterbliebenen dienende hin- denburg-Spende zu einer neuen Sammlung auf. Ich hoffe, daß viele Volksgenossen sich an ihr be­teiligen werden.

Berchtesgaden, dem 13. August 1937.

Adolf Hitler.-

Die Gefchäftsstelle der Hindenburg-Spende macht darauf aufmerksam, daß Beiträge von sämtlichen Banken, Vostanstalten und Sparkassen und auf das Postscheckkonto der Hindenburg - Spende Berlin jlr. 73 800 angenommen werden.

Reue Anleihe des Reiches.

Weitere 700 Millionen. Zeichnungsfrist vom 25. August bis 9. September.

Berlin, 17. Aug. (DNB.) Zur Fortführung der von der Reichsregierung übernommenen Aufgaben begibt das Deutsche Reich zu den gleichen Bedin­gungen wie im Mai d. I. 7 00 Millionen Reichsmark 4^ proz. auslosbareReichs- schatzanweifungen von 1937, dritte Folge. Die Schatzanweisungen werden spätestens in 15 Jahren fällig. Vom 1. August der Jahre 1947 bis 1952 wird je ein Sechstel des gesamten Betrages der Schatzanweisungen nach vorangegangener Ver­losung zum Nennwert zurückgezahlt wer- den, so daß die durchschnittliche Laufzeit sich auf 12 Jahre errechnet. Das Reich behält sich jedoch die Kündigung aller Schatzanweisungen dieser Folge oder von Teilen der Schatzanweisungen dieser Folge nach Ablauf von fünf Jahren vor. Der Zinslauf beginnt am 1. August des Jahres.

Von dem Gesamtbetrag dieser Emission find be­reits 10 0 Millionen Mark fe st cfezeich- n e t worden. Die verbleibenden 600 Millionen Mark werden durch das unter Führung der Reichs­bank stehende Anleihekonsortium übernommen und zum Kurse von 983/< v. H. z ur öffentlichen Zeichnung in der Zeit vom 25. August bis 9. September aufgelegt. Die Einzahlungen durch die Zeichner auf die zugeteilten Schatzanwei­sungen verteilen sich auf die Zett vom 21. Sep­tember bis zum 5. November des Jahres, und zwar find 20 v. j). am 21. September, 40 v. H. am 5. Ok­tober und je 20 v. H. am 27. Oktober und 5. No­vember zu entrichten. Frühere Zahlungen find zu- lässig; die neuen Reichsschatzanwelsungen sind mün­de l s i ch e r; ihre Stücke sind bei der Reichsbank auf Antrag in das Reichsschuldbuch e i n g e t r a ?! e n werden; ein dahingehender Antrag kann fo« ort bei der Zeichnung gestellt werden.

Französische Jugend beim Führer.

Bad Reichenhall, 17. Aug. (DNB.) Während des Aufenthalts des Deutsch-französischen Jugend­lagers in B a d Re i ch e n h a l l in der ersten August­hälfte statteten die Teilnehmer bei einer Wanderung nach dem Obersalzbera dem Führer einen Besuch ab. Der Führer, der sich über den Besuch der Teil- nehmer des ersten Deutsch-französischen Jugendlagers herzlich freute, nahm vor dem Berghof die Meldung des deutschen und französischen Lagerleiters ent­gegen. Dann marschierten die braungebrannten Jun­gen an ihm vorüber. Zu Ehren des Führers blies der französische Clairon-Bläser das Signal der Staatsoberhäupter. Der Führer äußerte sich aner­kennend über den Versuch der Jugend, zur Ver­ständigung der beiden Nationen beizutragen. An­schließend trug sich der Führer in das Lagerbuch ein.

Kabinettswechsel im Irak.

London, 16. Aug. (DNB.) Der irakische Mi­nisterpräsident Hikmat Suleiman und sein Kabinett sind am Montag zurückgetreten. Mit der Neubildung des irakischen Kabinetts ist der im vergangenen Jahre durch einen Staats­streich gestürzte frühere Ministerpräsident I a m m i l Matsai beauftragt worden, der in seinem neuen Kabinett wieder den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen will. Als A u ß e n m i n i st e r ist Nuri Pascha Essaid vorgesehen. Innen­minister oleibt wahrscheinlich Mustafa Omari. Saleh Jabor, der im Laufe der Kabinettskrise im Juni aurücftreten mußte, dürfte wieder das Justizministerium übernehmen. Der bisherige Kriegsminister Abdul Latif Nuri, der nach der Ermordung Bekir Sidkys kommissarischer Ge­neralstabschef geworden war, ist endgültig bestätigt worden. Im neuen irakischen Kabinett werden dem­nach nur Männer vertreten sein, die schon früher dem Kabinett Matfai oder dem Hashimi-Kabinett, das von Bekir Sidky gestürzt worden war, ange­hört haben. Der in Aussicht genommene Minister- präfibent Matfai äußerte sich optirnisch hinsichtlich des Erfolges der von ihm durchgeführten Versuche zur Regierungsbildung. *

Mit der Neubildung des irakischen Kabinetts in Bagdad ist gewissermaßen formell der von dem so­eben in Mossul ermordeten Generalstabschef B e - fir Sidky im Oktober vorigen Jahres durchge­führten Staatsstreich rückgängig gemacht worden. In dem damals von Militärkreisen gestürzten Ka­binett Hashimi war der Außenminister Nury Pascha Essaid die markanteste Persönlichkeit. Das Kabinett fand indessen das Mißtrauen der Sitton, die ihm vorwarf, keine klare außen-

che Richtung zu haben unb.mit feinen Sym-

Eine Denkschrift.

Berlin, 14. Aug. (DNB.) Der vom Präsi- benten ber Akabemie für Deutsches Recht eingesetzte Ausschuß für Strafprozeßrecht hat in einer Reihe von Arbeitstagungen die Grundlagen unb Grundzüge eines neuen Verfahrens­rechts ausgearbeitet. In einer Denkschrift, vom Ausschußvorsitzenden, Professor Schoetensack (Würzburg) und Landgerichtsdirektor T ö w e (Bre­men) bearbeitet, sind die Ergebnisse der Beratungen der Oesfentlichkeit übergeben worden.

Der Denkschrift kommt insofern Bedeutung zu, als ein neues Strafgesetz in feiner Auswirkung mit bedingt wird durch eine Neuordnung des Straf­verfahrenrechts. Strafrecht und Strafprozeßrecht müssen eine untrennbare Einheit bilden und aus einem Geist geboren fein. Das große Ziel eines neuen Strafoerfahrensrechts muß fein, eine artgemäße unb volkstümliche Recht­sprechung sicherzustellen.

Die Unabhängigkeit d Richters ist Voraussetzung für alle Rechtsfinbung unb muß Fundament aller Rechtsprechung bleiben. Das na­tionalsozialistische Reich ist so stark, baß es bas Amt des Richtens unabhängigen Männern anvertrauen kann. Bei dem Gedanken, das sogenannte Führer­prinzip auf die Rechtsprechung zu übertragen, will man nicht etwa das Kollegium ausschalten und an seiner Stelle die Entscheidung des Einzel­richters fetzen. Die Beratung der beifitzenden Richter soll chre volle Bedeutung behalten, lediglich die letzte Entscheidung einer einzigen Persön­lichkeit übertragen werden, die damit auch nach außen hin die volle Verantwortung über­nimmt. Der Richter selbst aber ist nur denkbar als der in Volk und Reich verwurzelte, vom national­sozialistischen Gedankengut ganz erfüllte Kämpfer für das Recht.

Die Mitwirkung von Laien erscheint vom Standpunkt volksoerbundener Strafrechtspflege als eine Selbstverständlichkeit. Nicht Kontrolle des Berufsrichters, sondern Zusammenarbeit mit ihm auf dem gemeinsamen Boden volkstümlichen Denkens ist Sinn des Schöffentums. Der beste Schöffe ist der Mann aus dem Volke, der weiter nichts mitbringt als sich selbst. Dem Staats­anwalt sind über das geltende Recht hinaus die Machtmittel in die Hand zu geben, deren er bedarf, um die Aufgabe der restlosen Aufklärung eines

pathien zu sehr zu England zu neigen. Dem Mini­sterpräsidenten warf man Cliquenwirtschaft vor, ge­waltsame Unterdrückung der Opposition, des Par­laments und der Presse. Bekir Sidky, der durch die Niederwerfung der assyrischen Aufstände im Jahre 1933 ungewöhnliche Leistungen vollbracht hatte, war mit der Stellung eines Divisionskommandan­ten in Kirkuw ab gesund en worden, während der Ministerpräsident seinen eigenen Bruder zum Ge­neralstabschef gemacht hatte. Daraufhin unternahm Bekir Sidky im Oktober 1936 den Versuch, die Re­gierung zu stürzen. Der Staatsstreich gelang, aller­dings erst nach dem Einsatz der Luftwaffe, wobei ber jetzt mit Bekir Sidky ermordete Chef der Luft­waffe Bomben auf einige Regierungsgebäude in Bagdad abwarf und damit den sofortigen Rücktritt des Kabinetts Hashimi erzwang.

Die nun folgende Regierung Hikmat Sulei­man machte Bekir Sidky zum Generalstabschef, der sich aber bald durch überscharfe Maßnahmen zahlreiche Feinde schuf. Die Männer des früheren Kabinetts flüchteten ins Ausland. Erst die Ermor­dung des Generalstabschefs und des Chefs der Luftwaffe in Mossul hat ihnen nun anscheinend wieder das Heft in die Hand gegeben. Die Seele des neuen Kabinetts wird vermutlich der Außen­minister Nuri Pascha Essaid fein, der nach Kairo geflohen war. Der Kabinettswechsel wird vermutlich auch wichtige außenpolitische Folgen haben, da die gestürzten Männer sich lebhaft gegen den eben diskutierten Teilungsplan für Palä­stina gewandt hatten und eine Aktion des Irak beim Völkerbund in Gens beabsichtigt hatten, wäh­rend Nuri Pascha und die jetzt wieder zur Regie­rung gelangenden Minister als Gegner einer sol­chen panarabischen Politik gelten.

Tatbestandes zu erfüllen. Der Verteidiger ist wie der Staatsanwalt ein wichtiges Organ der Wahrheitserforschung. Sein Beruf hat Dienst am Recht zu sein, und in diesem Sinne ist er Bera­ter unb Fürsprecher des Beschuldigten. Die Denk­schrift lehnt die Schaffung eines Elnheitsrechtsmit- tels ab. Die bisherige Revision soll aber erheb­lich freier gestaltet werden. Ebenfalls soll die Wiederaufnahme des Verfahrens von ihrem bisherigen starren Formalismus befreit werden.

Die Denkschrift bezeichnet es als das wichttgste, einen Gerichtsaufbau zu schaffen, ber eine unserem Staate gemäße Rechtsprechung sicherstellt.

Aus biefem Grunbe soll an bem Amtsgericht nichts geänbert werben, es muß auch in Zukunst das volksnahe Grundgericht für unsere Rechtspflege bleiben. Wenn die Einrichtung des Einzelrich­te r s für Strafsachen bestehen bleiben soll, so scheint es fraglich, ob die Grenze einer Höchststrafe von sechs Monaten für die Zuständigkeit des Ein- zelrichters beibehalten werden muß. Den S ch ö f - fengerichten wird man nur eine Zuständigkeit in einen begrenzten, ihrer Eigenart entsprechenden Umfang übertragen. Der Gedanke, ihnen die ge­tarnte Kriminalität mit Ausnahme der dem Schwurgericht und früher dem Reichsgericht vor« behaltenen Sachen zuzuweisen, war verkehrt. Aus ihm heraus entstand das erweiterte Schöf­fengericht, zu dem ein zweiter Amtsrichter hin­zuzuziehen war. Der Gedanke, daß eine Beru­fung in größeren Sachen nicht versagt werden dürfe, wenn man sie in kleinen Prozessen zulasse, wird von der Denkschrift als falsch bezeichnet. Es komme lediglich darauf an, auf welche Weise die Wahrheit am besten ermittelt wird. Die Jahre nach der Emminger-Reform haben gezeigt, daß in den Berufungsverhandlungen die Wahrheit schwerer festzustellen war, weil die Zeugenaussagen inzwi­schen verblaßt waren.

Die Verordnung vom 14. Ium 1932 schuf wieder eine Strafkammer als erste Instanz und darin erblickt die Denkschrift eines ihrer Haupt­verdienste. Diese erstinstanzliche Strafkammer, die Schöffenkammer beim Landgericht, läßt keine Be­rufung zu, und darin sei einer ihrer Hauptvorzüge zu sehen. Die jetzige Zuständigkeitsregelung habe sich bewährt. Man werde auch in Zukunft bei be­stimmten Verbrechen die Umstände bezeichnen kön- nen, die wegen ihres Umfangs, ihrer Bebeutung

oder wegen der Schwierigkeit der Feststellungen sich für eine Verhandlung vor einer Strafkammer eignen, bei der sich auch für derartige Sachen eine größere Erfahrung bilden kann. Außerdem ist die Strafkammer das gegebene Gericht für die Be­rufung gegen Urteile des Amtsge­richts. An ihre Stelle das Oberlandesgericht zu fetzen, würde sich nicht empfehlen. Die Strafkam- mer wird einheitlich mit drei Richtern und Schöf­fen zu besetzen fein. Die sog. Kleine Straf, kam mer, bestehend aus einem Richter und zwei Schöffen, war nach Ansicht der Verfasser eine Miß- bildung.

Bei den Landgerichten ist nach den Vor­schlägen der Denkschrift auch in Zukunft dar Schwurgericht zu bilden. Gegen eine 23er» legung des Schwurgerichts zum Oberlandesgericht spricht u. a. der Grund, daß solche Dinge, die den Volksgenossen besonders erregt haben, zu fern vom Tatort ihre Aburteilung finden würden. Eine Rück­kehr zum alten Schwurgerichtssystem wird nicht gefordert. Die Laienrichter, die sonst Schöffen heißen, sollen beim Schwurgericht nach wie vor als Geschworene bezeichnet werden. Der Name Schwurgericht ist in seiner ganzen drohenden Be­deutung für unsere Rechtssprache unentbehrlich. Für die Vorzüge besonders feierlicher Formen, die das alte Schwurgericht hatte, werde nach Möglich­keit ein Ersatz zu schaffen fein. Das bedeutet auch, daß die Zahl der Geschworenen nicht unter sechs heruntergesetzt werden soll. Die Zu­ständigkeit dieses Gerichts wird die schwerste Kri­minalität zu umfassen haben, dabei ist es wichtig, daß auch die Aburteilung der Meineide bem Schwurgericht verbleibt.

Das Oberlandesgericht soll wie bisher Revisionsgericht für die wahlweise zu­zulassende Revision gegen Urteile des Einzel- richters und des Schöffengerichts fein. Es wird ferner in Zukunft als Gericht erster Instanz an die Stelle der Sondergerichte treten müssen, die von vornherein wohl nur als Gerichte einer Übergangszeit gedacht war. Als Strafgericht der ersten Instanz würde das Oberlandesgericht m der Besetzung von drei Richtern und zwei Volks­richtern zu verhandeln haben. Nach demselben Ver­hältnis sollte in Zukunft auch Der Volksge­richtshof besetzt werden. Das Reichsgericht bleibt nach den Vorschlägen des Ausschusses Reoi- sionsgericht gegen die Urteile von Strafkammern und Schwurgerichten, sowie dasjenige Gericht, das die Rechtseinheit garantiert.

Julius Streicher spricht zu den Kreis­obmännern der OAF.

Ordensburg Vogelsang, 17.Aug. (DNB.) Der zweite Tag der Tagung der Kreisobmänner der DAF. auf der Ordensburg Vogelfang stand im Zeichen der Rede des Frankenführers Gauleiter Streicher. Die Worte des Gauleiters waren ein Appell an das gesunde Lebensgefühl des deutschen Volkes. Besonders auf den Bekennermut des ein­fachen deutschen Menschen, der immer hinter der na­tionalsozialistischen Bewegung gestanden hat, wies er hin. Gerade der deutsche Arbeiter müsse die jüdische Weltgefahr erkennen; denn unser Le­ben stehe im Zeichen einer gewaltigen Umwälzung. Nach den ewigen Gesetzen der Natur hätten sich Geschehnisse geformt, die unser Leben und das un« seres Volkes bestimmen. 1933 habe sich die größte Kriegserklärung aller Zeiten vollzogen; denn dis Juden hätten gewußt, daß mit dem Siege des Na­tionalsozialismus der deutsche Frühling beginnt.

250 Jahre deutsche Koloniiaüon in der Batschka.

Belgrad, 17, Aug, <DNB,) 3m Doti« Ja. r e Mn ber Batschka wurde die 250. Jahrfeier ber Ansiedlung deutscher Siedler beendet. Es versam­melten sich etwa 6000 Vertreter aller deutschen Siedlungen in Jugoslawien. In einer Ausstellung mit historischen Erinnerungen war ein Bauernhaus ausgestellt, wie sie die einstigen deutschen Siedler errichtet haben, mit völliger Inneneinrichtung, allen Urkunden und Gemeindesiegeln. Ein Denkmal der Ahnen aus Deutschland wurde enthüllt in Anwesen­heit von Abordnungen des Stammlandes Württemberg, die Erde aus der alten Heimat niederlegten. Zu Ehren des Vertreters des jugo­slawischen Königs, des Obersten Petrowic, und der Gäste wurde ein Festessen veranstaltet, bei dem der Vertreter des Königs die jugoslawischen Deutschen beglückwünschte. Im Rahmen einer historischen Schau wurden die bunten, schönen Trachten der deutschen Siedler gezeigt. Ein Sängerfest und ein Konzert vereinten über 2000 Personen.

Grundlagen eines neuen Slrasprvzrßrechls.

Abendliches Idyll.

Von Eli Wendt.

Der Bootssteg ragt weit in den See hinaus. An seinem Ende ist eine Bank angebracht. Darauf sitzen wir, eine Familie, die auf das Motorboot wartet, und ich. Ich warte nicht auf das Motor­boot; ich sitze nur so da, weil es schön ist, nur so dazusitzen in der Sommerfrische, wo Müßiggang nicht aller Laster Anfang ist, sondern oberstes Ge­bot. Das Wasser gluckert in kleinen Wellen g»gen die bemoosten Pfähle, auf denen der Steg ruht. Das Ufer ist an dieser Stelle moorig und sehr ein- fam; Luftkurorte mit Hotels und Strandpromena­den befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite, die mehr von ber Sonne begünstigt ist. Zur Lin­ken, wo das Schilf aufhört, steht ein Mann mit hohen Wasserstiefeln im See und angelt. Der See ist graublau mit einem Hauch von Silber.

So ein Kleid möchte ich haben", sagt bas Fräu­lein neben mir unb starrt verloren ins Wasser. Sie hat aschblondes Haar und ein blasses Gesicht; ein Kleid von der Farbe des Sees würde ihr sicherlich gut stehen.Weiber denken immer nur an Klei­der", sagt der 15jährige Bub in der Lederhose aus braunem Velvet und spuckt verächtlich ins Wasser. Was weißt denn du davon", seufzt elegisch das aschblonde Fräulein.Um Gottes willen, Kinder, streitet nicht", fleht die Mama, eine ältere und rundliche Ausgabe der blassen Tochter.Wer wird mit einem solchen Kindskopf streiten!" sagt das Mädchen mit dem elegischen Blick.Kindskopf?" Der Bub in der Delvethose nähert sich drohend. Du dumme Gans -" Hier greift der Vater ein. Ruhe , donnert er und zieht seine weiße Schirm- mutze mit einem ärgerlichen Ruck tiefer in die Stirne,kann man denn nicht einmal die Natur genießen, ohne euer ewiges Gezänk? Macht doch ge­fälligst die Augen auf! Wenn man euch schon so etwas bietet, wie dieses herrliche Panorama" Mit einer ausladenden Handbewegung umfaßt er Berge, Himmel und See, als sei er Der Schöpfer der ganzen Herrlichkeit.

Es herrscht nun Ruhe auf dem Steg. Mutter und Tochter hocken aneinandergekauert wie Hühner auf der Stange; in zwanzig Jahren wird das ajch.

blonde Mädchen genau fo aussehen wie die Mama. Der Bub lehnt am Geländer und vollbringt Spit­zenleistungen im Weitspucken. Diesmal ist es der Vater, der das Schweigen bricht. Den nägelbeschla­genen Stock zwischen den Knien, stellt er fest, daß das Boot Verspätung hat. 19.10 Uhr soll es ab- gehen; es ist schon 19.13 Uhr.Wir müssen uns noch zum Abendessen umziehen", sagt erschreckt die Mama.Warum?" brummt der Vater,es schaut euch ja doch kein Mensch an."Erlaube mal", ruft die Tochter empört. Erft gestern hatte Frau Mini­sterialrat Schnauzer sie gefragt, ob ihr Kleid ein französisches Modell sei. Der Vater schnaubt ver­ächtlich durch die Nase.Don mir aus könnt ihr euch eure Ministerialrätin sauer kochen lassen", brummt er aus einer dunklen Feindseligkeit heraus. Die Mama ergreift die Partei der Frau Ministerial­rat. Ihr zufolge ist sie nicht nur eine feingebildete Dame, sondern auch eine Hausfrau von Format, die sich im Besitz eines ausgezeichneten Rezeptes Zur Herstellung von Efsigpflaumen befindet. Dis Mama hat es sich aufgeschrieben; im Winter stel­len Essigpflaumen eine erfrischende Beigabe zu ge­kochtem Ochsenfleisch bar.Hm", brummt ber Dcuer mit der weißen Schirmmütze. Sein Bedarf an Na­turschönheit scheint gedeckt, er schaut unruhig auf die Uhr.

3n diesem Augenblick biegt das Motorboot um die Spitze der Landzunge unb hält Kurs auf den Steg. Es ist ein sehr altes Boot, schokoladebraun, mit einem weißen Gitterchen auf bem Dach, unb mit Vorhängen aus gestreiftem Segeltuch, die an schmalen, gedrechselten Säulen befestigt sind. Am Bug prangt, von zwei vollbusigen Nixen bewacht, in güldenen Buchstaben ber NameGabriele". Das BootGabriele" legt mit einem knirschenden Ge­räusch am Steg an. Am Steuer steht der Kapitän; er trägt eine goldbetreßte Mütze und sieht aus wie Sigismund Rüstig, der wackere Seemann im Bil­derbuch meiner Kindheit. Ein zweiter Mann, des- sen Amtes es ist, die Fahrkarten zu verkaufen, wirft ein Seil herüber und springt heraus, es kunstge­recht am Pfahl zu befestigen.Seeried Fisch­haufen Enterbach" ruft Sigismund Rüstig mit rauhem Baß.

Die Familie klettert ins Boot. Der Bub in ber Lederhose aus Velvet läßt es sich nicht nehmen, unter Nichtachtung der Stufen hinein zu springen,

wodurchGabriele" in fünftes Schaukeln gerät. Um Gottes willen, Erich", kreischt die Mama,du wirst das Boot zum Kentern bringen!" Der Knabe, namens Erich, grinst über bas ganze Gesicht, wäh­rend der Mann mit den Fahrkarten das Seil löst und zum Ueberfluß das Abfahrtsignal mittels einer scheppernden Glocke erteilt.

Das BootGabriele" sticht wieder in See. Auf- gewühlt, schäumt bas Wasser um die Pfähle und läuft in kleinen, hurtigen Wellen den Strand hin­auf. Dann wird es ganz still. Der See ist jetzt perlmutterfarben, die Berge umstehen ihn wie riesenhafte, schwarze Wächter. Es riecht nach feuch- tem Holz unb Fischen; bie Dämmerung bricht schnell herein. Drüben, wo bas Schilf aufhort, steht noch immer ber Mann mit ben hohen W aller stiefeln unb angelt.

»Schimmel", der beste Suchhund der Wett.

Welcher Leistungen ein Such, oder Fährtenhund im Dienst der Kriminalpolizei fähig ist, dafür erzählt der Berliner Kriminalbeamte Paul Döttger, der lange Jahre die Diensthundeabteilung im Polizei- Präsidium geleitet hat, ein bezeichnendes Beispiel inReclamS Untoerfum.3ur Zeit führe ich," so schreibt er,ben besten Suchhund der Welt, den deutschen SchäferhundSchimmel". Es ist ja nicht sein*2lame, sondern seinevon allen meinen Kameraden, ja sogar weit über die Grenzen gekannte Bezeichnung, die auf sein weißes Fell geht.Schimmel" wurde am 16. November 1926 in der Anstalt Grünheide geworfen und dort bis zum 4. Februar 1928 auf­gezogen und zum Teil geführt. Dom 5. Februar 1928 bis zum 4. August 1929 wurdeSchimmel" von dem Kriminalassistenten Dry gas aus meiner Dienststelle geführt, mußte jedoch durch eine Blut­krankheit, die sich durch einen Ausschlag zeigte, im selben Monat nach Grünheide zurückgegeben werden und ist dort bis zum 12. Mai 1930 behandelt worden. Dom 13. Mai bis zum 30. Oktober 1930 versah er wieder Dienst, doch trat das alte Leiden und dazu noch eine überaus starke Nervosität auf, weshalb er wieder nach Grünheide zurück muhte, und bis zum 4. Juli 1932 dort verblieb. Am 5. Juli 1932 übernahm ich selbst den Hund, nachdem sich sein

Leiden wesentlich gebessert hatte, und schulte ihn nach dem Most-Böttgerschen Abrichteverfahren ausschließlich auf Fährtenarbeit. Am 9. Januar 1934, allo nach achtzehn Monaten der intensivsten Arbeit, warSchimmel" nun so weit in seinen besten Leistungen, daß er in Spezialversuchen Ver­wendung fand und zu allgemeiner Tleberraschung so exakt und sicher arbeitete, daß ein Fehlgehen ausgeschlossen war. Immer neue und verzwicktere Fährten wurden gelegt, ja der Rücklauf einer Fährte bis auf anderthalb Nieter an die andere herangelegt, ohne daß der Hund auch nur einmal überwechselte, sich verirrte ober gar sprang. Nach diesen so nur Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufenen Experi­menten fand der Hund erstmalig Verwendung im praktischen Dienst. Hier hat er sich im Mordprozeß Seefeld, dessen Grauen wir noch kaum überwunden haben, ausgezeichnet. Nachdem in einem neunzig Quadratkilometer großen abgegrenzten Waldgebiet zwischen Schwerin und Ludwigslust die zuständigen Beamten monatelang nach bem am 16. Februar 1935 verschwundenen Schülern Heinz Neumann und Hans Zimmermann vergeblich gesucht und keine Anhaltspunkte gefunden hatten, wurde von der Staatsanwaltschaft Schwerin am 31. Mai 1935 die Berliner Kriminalpolizei mit ihren Suchhunden angefordert und eingesetzt. Schon am ersten Tage wurde von den Hunden, in erster Linie von Schimmel", die Stelle angezeigt, an der man nach vorsichtigem Graben die Leiche des Schülers Hans Zimmermann in dreißig Zentimetern Tiefe freilegte. Die Fundstelle war bezeichnend für die Raffiniertheit des Täters, denn sie bot dem menschlichen Auge keinerlei Anha tspunkte, daß sich hier ein grausiges Dersteck befinde. Danach wurden bis zum 19. Juni die Waldungen ohne weiteren Erfolg abgesucht, entweder weil der Waldboden im Laufe der Such­aktion zertreten wurde, oder weil die Hunde an zu viel Stellen angesetzt wurden. Infolge eines überaus starken Regens vom 18. zum 19. Juni traten wesentlich günstigere Spürmöglichkeiten ein, und so wurde am 20. Juni wiederum vonSchimmel" die zweite Stelle angezeigt, wo man den am 16. Februar 1935 verschwundenen Schüler Heinz Neumann ermordet auffand. Auch dieses Versteck war so geschickt angelegt, daß niemals ein Mensch darauf gekommen wäre, an dieser Stelle nach der Leiche deL Jungen zu suchen.-