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Kr. 191 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Mittwoch,18.August 1937

krscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags keilagen: Die Illustrierte ßießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis:

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Vereinbg.25"/» mehr.

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Der Nordbahnhof Schanghais in Trümmer.

Schanghai, 17. Aug. (DNB.) Die japanische Luftwaffe griff Dienstag nachmittag mit schweren Bombenflugzeugen die chinesischen Stellungen im Raum von Poo tun g an und richtete schweren Schaden an. Chinesische Jagdflugzeuge, die eingrif­fen, gerieten in starkes Abwehrfeuer der japanischen Schiffsgeschütze. Einen weiteren Luftangriff unter­nehmen die Chinesen auf T s ch a p e i und H o n g - kew. Sie griffen die japanische Kaserne an, die entgegen chinesischen Meldungen noch in japanischen fanden ist. Mehrere Bomben wurden abgeworfen. Sie verfehlten jedoch ihr Ziel. Ein chinesisches Flug­zeug wurde abgeschossen. Bei einer Gegenaktion belegten japanische Bombenflugzeuge das Gebiet Mn Tschapei nordwestlich vom Nordbahnhof mit ühlreichen Bomben. Große Schäden wurden beob- chtet. Später wurde der Nordbahnhof selbst von japanischen Flugzeugen durch Bomben in jrümmer gelegt. Ein zweites chinesisches ffugzeug wurde von Flaks der japanischen Kaserne atgeschossen. Der chinesische Flieger, der mit dem Fallschirm absprang, wurde auf der Flucht von den Japanern erschossen.

Die Bombardierung des Nordbahnhofes, der seit Beginn der Kämpfe v o n Truppen der 8 8. chinesischen Division besetzt war, durch jc panische Flieger, vollzog sich nach Berich­tei neutraler Beobachter wie eine Schulübung auf ehern Bombenabwurfgelände für Flugzeuge. An 6tr Aktion nahmen 20 japanische Bomben- und Jigdflugzeuge teil. Die Jagdflugzeuge sicherten in großer Höhe das Vorgehen der Bombenmaschinen, bi? das Bahnhofsgebäude, die Eisenbahnwerkstätten urb die nach Nanking und Hangtschau führenden ; Gleisanlagen systematisch und gründlich zerstörten. 2. r Nordbahnhof wurde vollständig in ^Trümmer gelegt. Die Aktion dauerte über l_> Stunden. Die Gegenwirkung der chinesischen Flakartillerie war gering. Andererseits unternahmen iqsinesische Truppen einen neuen Vorstoß ir d i e internationale Niederlassung, in der sie den japanischen Sportplatz be­fetten. Der Platz befindet sich im Norden der Nie- dittassung und ist etwa 500 Meter vom Medhurst (L liege entfernt. Aus einem Bericht des chinesi- ston Hauptquartiers, der die Besetzung mitteilt, ft nicht zu ersehen, aus welcher Richtung der Ein­bach erfolgt ist.

Das Schicksal der Ausländer.

Ein Deutscher seinen Verletzungen erlegen.

Gedanken an kriegerische Konflikte in Europa von der Art des Weltkrieges formuliert worden sei. Die Regierung würde daher nur äußer st un­gern, wahrscheinlich nur, wenn eine formelle Kriegserklärung vorliegen würde, das Neu­tralitätsgesetz im Zusammenhang mit dem Streit­fall im Fernen Osten in Kraft treten lassen. Inzwi­schen mehrten sich jedoch die Stimmen im Senat, die die Anwendung dieses Gesetzes forderten, da die Möglichkeit einer Blockade chinesischer H ä - s e n bestehe.

Die amerikanische Regierung hat beschlossen, Verstärkungen nach dem Fernen Osten zu ent­senden. 200 amerikanische Marinesoldaten sollen in den nächsten Tagen von Kalifornien nach Schanghai verschifft werden. Staatssekretär Hüll teilte mit, daß es sich bei der Entsendung der Verstärkungen hauptsächlich um eine Vorsichtsmaß­nahme handele, und daß die Truppen möglicher­

weise auch nur für Ablösungszwecke verwendet wer­den können. Nach dem bis zum Wochenende zu er­wartenden Abtransport von 1700 amerikanischen Frauen und Kindern aus Schanghai verbleiben noch etwa 2500 amerikanische Staatsangehörige in der Stadt, bis sich weitere Möglichkeiten zur Räumung ergeben.' Admiral Jarnell vom Asien-Geschwader der Vereinigten Staaten hat die ZerstörerEdsall" undParrott" nach Schanghai beordert. Es wird angenommen, daß die meisten aus Schanghai flie­henden Amerikaner anstatt in die Vereinigten Staa­ten zurückzukehren, auf den Philippinen vorübergehend ihren Wohnsitz nehmen werden, um hier das Ende der Streitigkeiten abzuwarten. Ein von Kommissar McNutt eingesetzter Hilfsausschuß mietete in Manila Hotels für die Flüchtlinge und sorgt auch für die Unterbringung in Privathäusern. Der erwartete Zustrom treibt bereits die Lebensmit­tel- und Wohnungspreise täglich höher.

Wachsende Spannung um Tsingtau.

Chinesische Truppenkonzentrationen in Echaniung.

Tokio, 18. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Nach­richtenagentur Domei meldet ein Zunehmen der Spannung in Tsingtau und der Schangtung-Pro- vinz. Es hat bei den Japanern große Entrüstung ausgelöst, daß die Verhaftung und Bestrafung der chinesischen Attentäter, die die beiden japanischen Matrosen erschossen hatten, bisher ausgeblie- b e n ist. Wie Domei meldet, wird in der Umgebung Tsingtaus eine neugebildete chinesische Division zusammengezogen und weitere drei Divisionen werden aus West-Schantung in das süd­östliche Schantung-Gebiet herangezogen. Südlich der Eisenbahnlinie Peiping-Tientsin hat sich die militärische Aktivität verstärkt. Das Hauptquartier der japanischen Nordchina-Garnison meldet den Vormarsch der Truppen der chinesischen Zen- tral-Regierung westtich der Eisenbahn Hankau. Sie sollen sich schon bis auf 15 Kilometer Peiping genähert haben. Oestlich der Eisen­bahn Tientsin-Pukau haben sich 20 Kilometer süd­lich Tangkus Kämpfe entwickelt. Ein Ver­such der Ueberreste der 29. Armee, die rücfrodrtigen Verbindungen der japanischen Nordchina-Garnison nördlich Tientsins zu stören, konnte von den japa­nischen Truppen in einem mehrstündigen Gefecht vereitelt werden.

tischen Geschäftsleute, die sich für ein Dortbleiben entschieden, könnten versichert sein, daß alles über­haupt Mögliche zu ihrem Schutze getan werde.

Wie die britische Admiralität mitteilt, befinden sich zur Zeit sechs englische Kriegsschiffe in und in der Nähe von Schanghai. In Nan­king liegt der leichte KreuzerCapetown", und in Tsingtau das FlugzeugmutterschiffEagle", die ZerstörerDecoy",Dainty" undDelight". In Chingwangtao befinden sich ferner der Mi­nenkreuzerAdventure" und der ZerstörerDefen- der". Dienstag früh wurden auf dem britischen ZerstörerDuncan" und dem KanonenbootFal- mouth" 2 0 0 0 britische Frauen und 60 Kinder aus Schanghai herausgeschafft, die in Wu- jung auf dieRajputana" umgebootet wurden, und mit der sie nach Hongkong gebracht werden. Der ZerstörerDuncan" und dieFalmouth" sind nach Schanghai zurückgekehrt. Es haben sich noch 3176 britische Frauen und Kinder zur Abbeförde­rung aus Schanghai gemeldet, im ganzen also über die Hälfte aller in Schanghai lebenden bri­tischen Frauen und Kinder.

Ausdehnung

der japanischen Schutzmaßnahmen.

Schanghai, 17. Aug. (DNB.) Im Paulun- Lankenhaus erlag der verwundete deutsche See- mmn Heinrich Kock der schweren Verletzung, iw er während der Kämpfe in der Internationalen Nederlassung erlitten hatte. Kock war von einer Äugel in den Bauch getroffen worden. Der Zustand les ebenfalls verletzten Schriftleiters Ahrens von her deutschen ZeitungOstasiatischer Lloyd" hat sich iagegen so weit gebessert, daß Ahrens aus dem Lwnkenhaus entlassen werden kannte. Der dritte verletzte Deutsche, I a k o b y , befindet sich noch im -rspital. Zur Vorbereitung einer eventuellen R au- mung der deutschen Kolonie in der In­ternationalen Niederlassung wurde am Dienstag en Notstandsausschuß eingesetzt.

Dienstag trafen in der Internationalen Nieder- 1 laijung 9 0 0 Walliser Füsiliere ein. Das tiizlische Bataillon wurde sofort zur Verteidigung te- Niederlassung eingesetzt. Ein Teil übernahm ien Schutz einer Stelle an der Grenze der Nieder­lassung, die bisher von Freiwilligen besetzt gewesen v. r. Der andere Teil wurde zur Verstärkung des fipn bisher von den Engländern übernommenen Sienzstreifens verwendet. Der Aufbau der 6: rafeenbefeftigungen in der Jnternatio- M en Niederlassung macht rasche Fortschritte. Es mrben zahlreiche Anlagen errichtet, um neue Ein- triche chinesischer Truppen zu verhindern. Die Franzosen gingen am Dienstag in ihrer Nie- eilassung zur aktiven Abwehr chinesi- der Flugzeuge über, die das Gebiet der rc-nzösischen Konzession überflogen. Nach Augen- zeigenberichten eröffneten die Franzosen auf ein httesisches Kampfflugzeug, das in geringer Hohe ütsr die Dächer der Niederlassung flog, das Feuer ÜL5 Maschinengewehren. Das Flugzeug drehte dar- Mhin ab und verließ den Raum über der franzö­sischen Niederlassung. Die ausländischen und chme- ischen Banken- haben ihren Geschäftsbetrieb m ie.chränktem Umfange und in Notb^ros oder Pri- lo"wohnungen wieder aufgenommen. Das Abheben Itiänerer Einlagebeträge ist nun wieder möglich. S mtliche ausländischen Vertretungen sind vom und" verzogen. Das deutsche Generalkon- lulafift in der Kaiser-Wilhelm-Schule unterge- irtcf)t worden.

Sas amerikanische AeniralMs- gesetz.

Washington, 18. Aug. (DNB. Funkspruch.) Mfibent Roosevelt lehnte auf Fragen nach der Anwendung des Neutralitätsgefetzes auf lie Lage in China nähere Aeußerungen ab und er- lütte lediglich, daß fein Entschluß von den sich je- tels ergebenden Umständen abhängen werde. Wie ieNeuyork Times" aus gut unterrichteter Quelle p melden weiß, betrachtet die amerikanische Re­ibung die Schwierigkeiten in Ostasien nicht als lerallele zu den seinerzeitigen Ereignissen in Abes- hen. Weiter werde darauf hingewiesen, daß das leatralitätsgefetz vom Kongreß hauptsächlich in

England schützt seine Zntereffen.

Das Ergebnis der Londoner Minister­besprechung.

London, 17. Aug. (DNB.) Reuter meldet, die heutige Ministerbesprechung habe alle möglichen Schritte zu einer friedlichen Beilegung der Lage in Schanghai erörtert. Auch seien alle denk­baren Maßnahmen zum Schutze britischen Lebens und Eigentums getroffen, worden, dadurch werde den Gerüchten, wonach alle briti­schen Staatsangehörigen angewiesen worden seien, Schanghai zu verlassen, entgegengetreten. Die bri=

Tokio, 18. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Spre­cher des Auswärtigen Amtes erklärte, die Zurück­ziehung der internationalen Polizeikräfte aus dem internationalen Gebiet östlich des Hongkiu- Kanals zwängen die japanischen Streitkräfte, den Schutz dieses Bezirkes, in dem noch eine große Zahl japanischer Bewohner lebe, f e I b ft zu übernehmen, da die Chinesen dieses Gebiet allseitig angriffen. Das Hauptquartier der Landungstruppen ergänzte die Mitteilungen des Sprechers dahin, daß hef­tige Angriffe der chinesischen Trup­pen auf japanische Fabrikanlagen im genannten Bezirk erfolgt seien.

England wird Angriffen im Mtelmeer begegnen.

Eine deutliche Erklärung des britischen Kabinetts.

ß o n b o n , 18. Aug. (DNB.) Bei einer Minister­besprechung, bie zur Erörterung ber Lage im Fer­nen Osten am Dienstagnachmittag im Außenamt abgehalten würbe, würbe auch bie Frage der H a n - belsschiffahrtimMittelmeerzur Sprache gebracht unb solgenbe amtliche Verlautbarung ver­öffentlicht:Die Regierung Seiner Majestät ist ernstlich beunruhigt burch bie in letzter Zett ansteigenbe Zahl von Angriffen aus bie Schiffahrt im Mittelmeer unb burch bie Cx- Weiterung bes Gebietes, in bem diese Zwischenfälle jetzt stattfinden. Die Regierung Seiner Majestät hat durch die Admiralität Anweisungen ergehen lassen, daß, falls irgendein britisches Han­delsschiff van einem U-Boot ohne ®a^3c,$e.n an= gegriffen wird, die Schiffe Seiner Majestät er­mächtigt sind, diesen Angriff zu erwi- b e r n."

Times" schreibt bazu, vor kurzer Zeit schon hätten di- britischen Schiss- Anw-i,ung erhalten das Feuer zu eröffnen, wenn fie angegriffen mürben. Im April z. B. habe ber englische ZerstörerG a l - tant" bas Feuer eröffnet, als Flugzeugbomben tn feine Nähe fielen. Die gestern den brttsichen Kriegs­schiffen gegebene Anweisung stelle im Grunbe nichts weiter bar, als eine logische Erweiterung ber früheren Anweisung. Der in der gestrigen amt- licken Mitteilung angemanbte AusbruckAusbeh- nuna bes Gebietes" beziehe sich höchstwahrscheinlich auf den Angriff, ber a u f b e r H o h e b e r Dar­danellen auf einen Oeltanker erfolgt

Dailn Erpreß" begrüßt bie Maßnahmen ber britischen Regierung, bie sich enblich aufgerafft habe, um eine Warnung zu erteilen. DieDaily Mail berichtet aus Paris, bie Unruhe im Mittelmeer fei darauf zurückzuführen, baß S o w j e t r u ß l a n b jetzt den Beschluß gefaßt habe mit neuen ne­igen Kriegsmateriallieferungen an das bolschewistische Spanien enblich eine Ent- scheibung im spanischen Bürgerkrieg herbeizu- jühren. Hunderte von schnellen Bombern, zahllose

Geschütze unb Tanks, riesige Mengen von Brenn­stoff, Munition unb Lebensrnitteln sollten jetzt nach Valencia unb Barcelona kommen. Die Entsenbung von Petroleum sei bereits wesentlich erhöht worben.

Lleberwachung des Schiffsverkehrs in Istanbul?

ßonbon, 17. Aug. (DNB.) In ber ßonboner Morgenpresse finben sich mehrere Berichte über bie Versenkung v o n O e l t a n k e r n imMi11el- meer.Daily Expreß" meint, in Anbetracht dieser Zwischenfälle, bie schwerwiegenb genug seien, um Europa neuerlich in Kriegsgefahr zu bringen, be­fasse sich ber Nichteinmischungsausschuß mit ber Einrichtung eines Kontrollbüros in Istanbul. Dieses solle die Aufgabe erhalten, b e n Schiffsverkehr vom Schwarzen Meer nach Spanien zu überwachen. Eine solche Kon­trolle würbe aber, meint bas Blatt, von zweifel­haftem Wert sein, weil zahlreiche Schiffe die Dar- banellen bei Nacht ohne ßicht und bei Tage unter falscher Flagge passierten, so baß eine wirksame Kontrolle nicht möglich sei.

Kunstschätze von den Bolschewisten in Spanien geraubt in Frankreich gefunden.

Paris, 18. Aug. (DNB. Funkspruch.) In Aix- les-Thermes an ber französisch-spanischen Grenze entbetfte bie Polizei in einer Ziegelei Kunst- gegenstänbe im Werte von 60 Millionen Peseten, bie von ben Bolschewisten in Spanien geraubt unb auf französischem Boben versteckt wor­ben waren. Unter biesen Kunstgegenstänben befan- ben sich 47 Del gemälbe bekannter Ma­ler, silberne unb elfenbeinerne Statuen, alte Schmuckgegenstänbe unb 14 Silberbarren im Ge­wicht van je 30 Kilogramm. Außerbem würbe ein ganzes Arsenal von Munition unb Gift­gasen aufgebeckt.

Ein Dorf klagi an!

Nachbem bereits bie französische Volksfront-Presse versucht hat, bem Dritten Reich bie Schulb für die Verschlechterung ber beutsch-tschechoslowakischen Be­ziehungen zuzuschieben, glaubt nun auch bie ßon­bonerTime s" ber beutschen Presse vorwerfen zu müssen, sie habe burch ihre Angriffe gegen bie Prager Regierung vorsätzlich Unruhe in Europa Hervargerufen. Man will es in ßonbon so bar» stellen, als ob Deutschlanb bas Verbot ber f u- betenbeutschen Kinberverschickung nur zum Anlaß genommen habe, um aus biefer belang» losen Angelegenheit eine Haupt- unb Staatsaktion zu machen. Deutschlanb ist ber Angreifer, Deutsch­lanb stört ben Frieben bas ist bas ßeitmotio aller biefer westlänbischen Kommentare zum beutsch- tschechoslowakischen Verhältnis. Die Argumente, welche bie beutschen Zeitungen in biefer Angelegen­heit vorgebracht haben, werben von biesen Phari­säern ber Publizistik entmeber verschwiegen ober verzerrt bargestellt. Weil man uns nicht glauben will, weil man es nicht wahr haben mochte, baß allein bie Tschechen biefe Auseinanbersetzung provoziert haben, beshalb lassen wir heute einen Zeugen zu Worte kommen, ber einer Sympathie für ben Nationalsozialismus bestimmt nicht verbäch- tigt werben kann.

Zur gleichen Zeit, da bie tschechoslowakische Regie­rung bie Ausreise von 6000 subetenbeutschen Kin- bern zu einem sechswöchigen Erholungsurlaub in bas Deutsche Reich verbot, und biefe unmenschliche Maßnahme einerseits mit ber angeblichen Lebens­mittelknappheit im Deutschen Reiche unb anberer- seits mit ber Behauptung begründet, baß von feiten ber tschechoslowakischen Regierung für bie subetenbeutschen Notstandsgebiete alles Erforder­liche unternommen werde, veröffentlichte ber BrünnerD o l k s w i l l e", bas Organ einer beutschen Prager Regierungspartei unter bem Ti­telEin Dorf in Not" einen Bericht aus bem subetenbeutschen Grenzbezirk Z n a i m, ber in seiner erschütternben Einbringlichkeit am besten bie Be­rechtigung ber Prager Behauptungen beleuchtet. Das genannte Regierungsorgan schreibt u. a.:

Einige Kilometer von Joslowitz, im politischen Bezirk Znaim, liegt hart an ber österreichischen Grenze ber größte sübmährische Ort: er heißt Groß- Tajax unb hat weit über dreitausend Einwohner. Der Ort liegt in einer sehr fruchtbaren Gegend. Trotz dieses Reichtums hungern hier buch­stäblich Hunderte Menschen, essen sich nie satt, wohnen wie bie Menschen in alten Zeiten, unb ihre Kinber siechen langsam bahin. Fast alle Men­schen in diesem großen Dorfe, bie auf ihrer Hände­arbeit angewiesen sind, sind unterernährt unb krank. Sie haben nichts mehr anzuziehen, ihre Kinber laufen ohne Hemb unb ohne bie wich­tigsten Kleibungsstücke von Tür zu Tür berjenigen, die noch zu essen haben und betteln ein Stück Brot für sich und ihre Angehörigen, damit sie nicht Hungers sterben. In Groß-Tajax gibt es an bie dreihunbert Arbeitslose. Dor einigen Wochen wurden allen Arbeitslosen bie Lebensmit­telkarten mit ber Motivierung vom Bezirksarbeits­amt in Znaim gestrichen, baß währenb ber Erntearbeiten ohnebies alle beschäftigt wären.

Später erfuhr man, baß in den nächsten Tagen mit ber Thayaregulierung begonnen wer» ben soll unb baß auch beshalb bie Lebensmittelkar­ten eingestellt würben, weil alle Arbeitslosen bei biesen Arbeiten beschäftigt werben sollen. Seit bie­fer Zeit ist fast ein voller Monat verflossen unb bie Regulierungsarbeiten haben nicht begonnen. Die Arbeitslosen finb weiter arbeitslos, nur mit bem Unterschied, baß sie keine Lebensmittelkarten bekommen. Unsere Vertrauensleute haben an Ort unb Stelle selbst untersucht, wie bie Verhältnisse in Groß-Tajax finb unb haben bei biefer Gelegenheit erschütternbe Tatsachen konstatiert. Aber wir lassen unsere Vertrauensleute sprechen:

Das erste Haus, bas wir besuchten, bot einen wahrhaft erschütternben Anblick. In einem Raum, ber neun Quabratmeter mißt, wohnt eine Familie bestehend aus acht Personen. Im Zimmer, wenn man es so nennen darf, stehen drei Holzaestelle. bie mit Lumven unb Säcken bebeeft finb. Bettwäsche gibt es nicht! Im Raum gibt es keinen Tisch unb nur eine einzige Sitzgelegenheit. Ein Kleiberkasten eriftiert nicht, wäre auch überflüssig, weil bie ganze Familie bas Wenige an Kleidungsstücken auf sich trägt. Als wir die Frau, die übrigens bochschwan- ger ist, fragen, was sie heute gekocht habe, antwor­tet sie traurig und verschämt, daß die ganze Fa­milie noch nichts genossen hätte. Eben band fie einem Mädchen, bas vierzehn Jahre alt ist unb gussieht als wäre es erst acht, ein Tuch um ben Kopf, bamit es um Brot betteln gebe. Im heurigen Jahre hat ber Mann, ber sechs Kinber zu ernähren bat, im ganzen brei Wochen gearbeitet unb insgesamt 100 Kronen (gleich 10 Mark) ver­dient. Auch ihm hat man d i e Lebensmittel­karten entzogen. So wanderten wir von Haus zu Haus. UeberaQ grinste uns bie ungeheure Not aus allen Winkeln entgegen, in allen Gestch- tern lag eine mübe Resignation. Die vielen Kinber, ber einzige Reichtum, den wir überall konstatieren konnten, waren blaß unb unterernährt, bie meisten ohne Hemben unb in sehr bürfttoen Kleibchen. Der Hunger sah allen aus ben schmächtigen Kinderge» fichtern. Fast alle gehen sie betteln, indem sie vor ben Türen ber Reicheren beten. Diele Frauen bit­ten uns, wir möchten boch auch bei Ihnen nach­sehen. sie bitten uns, in ber Zeitung von ihrer gro­ßen Not zu schreiben, bamit man boch einsehe, daß es s o nicht mehr lange weitergehen könne."

Soweit bas genannte tschechoslowakische Regie­rungsorgan, dem stcherlich niemanb eine lieber» 1 treibung in der Schilberung ber furchtbaren Not-