Hr.65 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Donnerstag, (8. März X93T
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Das Eisenbahnunglück in Frankreich
Im Zusammenhang mit den Erneuerungsbestrebungen, die nach einer Zeit des Experimentierens jetzt wieder der jüngsten und eigentlich funkischen Kunstform des Hörspiels zugewandt werden und an der auch der Hitler-Jugend-Funk regen Anteil nimmt, verdient die nachstehende Betrachtung Interesse.
glückliche, an Wohlhabende und in Armut Versinkende, er wendet sich an Wissenschaftler, Handarbeiter, Kaufleute, Soldaten, Bauern, Künstler. Er wendet sich an das Volk. Und nur der hat Berechtigung, zum Volk zu sprechen, der den heißen Hauch der aufbrechenden Zeit in sich ausgenommen hat, der von ihm eingefangen ist, der sich ihm verpflichtet hat, der bedingungslos lebt und Kraft genug in sich trägt, denen, vor die er tritt, Kamerad und Deuter zu sein. Die Zeit der halben Töne ist vorbei. Ja sei Ja, und Nein sei Nein! Weil das Wort von der „stählernen Romantik" Wirklichkeit werden soll in jedem Werk."
Dr. H. Leisegang.
Eine Erpresiungsgeschichte im Hinterland.
Dieses größte Ziel aber fordert einen Dichter, der selbst gläubig in unserer Weltanschauung lebt, der durch den Schmelzofen des Zweifels hindurchgegangen ist und nun, befreit und geläutert von allen Schlacken, als Künder vor Volk und Nation hinzutreten berufen ist, es verlangt den Dichter, wie ihn einer unserer Jungen, Hans-Jürgen Nierentz fordert: „Wer im Funk spricht, spricht zur Nation..——^, —■ . -
Er steht abseits aller Kreise und Richtungen und Hilfe, der Schwarz zur Zahlung von etwa werteren Gemeinden. Er wendet sich an Glückliche und Un--11000 Mark veranlassen konnte.
In der Nähe von Bourges, südlich von Paris, ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück, durch das 13 Menschen ums Leben kamen. Die Ursache bildete eine vom Man itmoeftürate Ulme, die über das Gleis fiel, und durch die der Zug zum Entgleisen u m g U u 3 gebracht wurde. - (Associated-Preß-M.)_________________________
Dichter über das Wesen des Hörspiels
„Wer im Funk spricht, spricht zur Nation/'
aus anderen Künsten entlehnt habe. Vom Theater, dem das dichterische Wort auf begrenzter Raumbühne gegeben ist, habe es die Substanz der Sprache übernommen; vom Film, dessen Wirkung auf Konversation (undichterischer Sprache) und unbegrenzter Bühne beruht, habe es räumlich die Extension, den Reichtum und die Fülle dieser Welt geerbt. Diese Anschauung vergißt, daß aus der Vereinigung zweier Kräfte immer ein Neues erwächst, ein Neues von eigenem Klang und mit eigenen Gesetzen. Gerade die Funkdichtung hat gezeigt, daß sie immer dann zu ihrer größten Wirkung und Kraft kam, wenn sie aus dem Boden der Volksgemeinschaft geboren wurde.
Damit kommen wir zu ihrem tiefen und entscheidenden Sinn, so wie ihn Hans Hermann W i l- h e l m ausspricht: „Unser Jahrhundert hat uns Deutschen vornehmlich vor so ungeheure Aufgaben gestellt, wie, ohne Uebertreibung, kein Jahrhundert vor uns. Es gibt wohl kein menschliches und völkisches Problem, das nicht von uns neu angepackt und gelöst werden müßte. Und der Rundfunk sollte von alledem schweigen? Er sollte nicht auch dazu da sein, den Dichter um diese Probleme vor seiner zu Anfang noch kleinen aber immer größeren Zuhörerschaft ringen zu lassen — mit dem Ziel, die uns heilige Weltanschauung immer klarer und tiefer in der künstlerischen Gestaltung herauszuarbeiten?"
Lpd. Marburg, 17. März. Die Strafkammer beschäftigte sich mit einer umfangreichen Strafsache, die teilweise bereits etwa zehn Jahre zurückliegt und in Verbindung mit einer Erpressungsgeschichte erst neuerdings zur Aufdeckung gelangte. Bekanntlich kamen im Jahre 1931 am Landratsamt Biedenkopf Veruntreuungen ans Tageslicht. Ein gewisser Prentzel entzog sich damals der Verantwortung durch Selbstmord, wahrend der jetzt 51jährige Friedrich L ö w e r aus Biedenkopf wegen Amtsunterschlagung zu IV2 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Als Löwer bei Aufdeckung seiner Verfehlung infolge Dienstentlassung in wirtschaftliche Bedrängnis geriet, wandte er sich an den mit ihm verschwägerten Ludwig Schwarz mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Er drohte Schwarz bei Nichterfüllung seines Wunsches mit Anzeige, und Schwarz, der ein Hineinziehen in die damalige Strafsache befürchtete, zahlte an Löwer bis zu dessen Strafantritt rund 1000 Mark. Nach der Entlassung Löwers aus dem Zuchthaus im Januar 1935 setzte dieser seine Erpressungen fort. Im Juni 1936 nahm er noch den in Bre- | denkopf ansässigen 39jährigen Dr. Alfred R 0 ck zu
Gerd Fricke, der verdienstvolle und rührige - Oberspielleiter des Deutschlandsenders, dessen Um- < frage nach den besten Hörspielen des vergangenen Jahres einen über Erwarten großen Widerhall rn der Hörerschaft fand, hat jetzt eine zweite Umfrage, diesmal an die berufensten Vertreter dieser Kunst- gattung, an die Dichter selbst erlassen. Das einge- aangene Material ist in der Vielseitigkeit seiner Erkenntnisse aller Beachtung wert, es zeigt vor allem, I mit welcher Intensität um die jüngste unserer künst- I lerischen Ausdrucksformen gerungen wird.
Es gab eine Zeit, da die Technik mit ihrer ■ äußerlichen Geräuschkulisse den größten Anteil am Hörspiel hatte. Heute ist der Rundfunk selbst als dienendes Instrument in den Hintergrund getreten. Die wichtigsten Standpfeiler des Hörspiels sind auf der einen Seite der Dichter als Künder seines Volkes und auf der anderen die Hörerschaft, das Volk. Ludwig T ü g e l, dessen Dramatisierung der Novelle „Die Treue" in ihrer visionären Unyeim- lichkeit manchen noch in eindrucksstarker Erinnerung ist, macht sich zum Anwalt des Dichters, wenn er sagt: „Am Rundfunk kann nur bestehen, wer von innen her etwas zu sagen hat, und wer es fertig bringt, seine Gestalten auf diese innere Ebene zu stellen, auf der das leise gesprochene Wort die ungeheuerlichste Klangwirkung haben kann."
Aber das Hörspiel ist nicht nur eine Sache des gebenden Dichters, seine seelische Tiefenwirkung erschließt sich erst durch die Bereitschaft des anderen, des aufnehmenden Teils. Vielleicht ist das Wort „aufnehmend" hier nicht einmal richtig; denn mit dem passiven Zuhören ist an sich noch nicht viel erreicht. Das Hörspiel setzt bei der Hörerschaft eine Aktivität voraus, die tatsächlich größer ist als im Theater oder im Film, es verlangt außerdem die Gabe der stärkeren Phantasie und den Willen zum Erlebnis. Ohne diesen Willen, der sich im Theater durch die Zuschauergemeinschaft von selbst formt, werden wir im Funk wohl niemals auskommen. Darum ist nichts so schädlich und auf die Dauer abstumpfend, wie das Ablaufenlassen Fines Hörspiels, ohne die gleichzeitige Bereitschaft zur seelischen Konzentration Carl Borro Schwerin drückt es so aus: „Nur wer bereit ist, sich dem Hör-- spiel ganz hinzugeben, dem schenkt sich auch das Hörspiel ganz Wer sich mit einem Butterbrot neben den Lautsprecher setzt, darf nicht böfe sein, wenn ihm das Hörspiel nicht gab, was er sich wünschte. Daa Hörspiel ist keine Wetternachricht, die sich auch so nebenbei verdauen läßt, es verlangt vielmehr Au'm schlossensein und Andacht. Ein Zimmer mit gedämpftem Licht, mit verriegelten Türen und abgestelltem Fernsvrecher, das ist der Tempel, in dem aus einer Nummer im Funkprogramm ein wirkliches Hörspiel werden kann "
Es ist ein sehr künstlerischer Zug am Hörspiel, daß es auf die P h a n t a s i e w i r k u n g des Hörers angewiesen ist. Welche Anregungskraft für das innere Bild wird dadurch frei. Einige sehr beherzigenswerte Worte schreibt Martin R a s ch k e darüber: „Die Funkdichtung kann nur dann bestehen, wenn wir die Sprache als ein Beschwören ausfas- sen Wer nicht beim Hören des Wortes „Baum" das Rauschen von Laub empfindet, ja wer den Baum nicht zwingend vor seinem Auge aufsteigen sieht, wer nicht beim Hören des Wortes „Eis" wie geblendet ist, der ist, nehmen wir es nur streng genug, zumindest nicht in vollem Ausmaße fähig, eine Funkdichtung von Rang zu hören."
Die Gegner der Funkdichtung haben öfter darauf hingewiesen, daß das Hörspiel nicht organisch gewachsen sei, da es seine wesentlichen Bestandteile
Im Herbst v. I. kam die Angelegenheit ans Tageslicht. Schwarz bestritt zunächst wohl aus Angst, erpreßt worden zu sein, gab aber dann zu, an Löwer rund 2000 Mark bezahlt zu haben. Als die Staatsanwaltschaft merkte, daß irgendetwas nicht in Ordnung war, prüfte sie die Akten aus früheren Jahren nach und stellte fest, daß Schwarz tm Jahre 1928 in drei Fällen gefälschte Kassenanweisungen unterschrieben haben mußte.
Löwer und Rock hatten sich nunmehr wegen gemeinschaftlicher fortgesetzt erE r • pressung, Schwarz wegen Urkundenfälschung und Begünstigung vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Das Urteil lautet für Löwer und Dr. Rock wegen gemeinschaftlicher fortgesetzter Er- Pressung auf j e ein Jahr sechs M 0 n a t e Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Rock wurde wegen Fluchtverdachtes und Verdunkelungsgefahr sofort verhaftet. Löwer blieb in der Haft, in der er sich bereits seit drei Monaten befindet. Die Un- t-rsuchungshaft wurde ihm nicht angerechnet. Das Verfahren gegen Schwarz wurde, soweit es die Urkundenfälschung anbelangt (die strafrechtliche Verfolgung war verjährt) eingestellt, von der Anklage wegen Begü nstigung wurde er aus strafrechtlichen Gründen freigesprochen.
3u Tode gestürzt.
Lpd. Marburg, 17. März. Auf der Straße von Niederweimar nach Oberweimar ereignete sich ein schwerer Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Eine Zugmaschine mit beladenem Anhänger war auf der Fahrt nach Oberweimar. Zwischen beiden Fahrzeugen saß aus einem Notsitz ein Einwohner aus Lohra Ohne daß es der Fahrer des ersten Wagens bemerkte, fiel dieser von seinem Sitz herunter und blieb mit schweren Verletzungen tot auf der Straße liegen. Wie sich der Unfall zugetragen hat, konnte noch nicht festgestellt werden.
Der Reichsarbeitsdienst Aisfeld im Dienst des Winterhilfswerks.
< Alsfeld, 17. März. Eine mustergültige Aktion veranstaltete am vergangenen Samstag und Sonntag die in Alsfeld stationierte Gruppe 223 des Reichsarbeitsdienstes zugunsten des Winterhilfswerkes. An der Veranstaltung nahmen Abordnungen der zur Zeit noch aus 11 Arbeitsdienstabteilungen bestehenden Gruppe 223 teil. Als Auftakt sand am Samstagabend auf dem Marktplatz ein großer Laaerzapfenstreich unter Mitwirkung des Musikzugs der Gruppe und deren Spielmannszug statt. Das festlich geschmückte Rathaus erstrahlte in bengalischem Lichte und bot einen prächtigen Anblick. An der Feier nahm auch Gauarbeitsführer Neuerburg vom Arbeitsgau 22 Kassel, sowie mehrere Gäste teil. Anschließend fand im kleinen Saal des „Deutschen Hauses" ein Kameradschaftsabend der Führer und der drei aus der Gruppe ausscheidenden Abteilungen statt. Gauarbeitsführer Neuerburg richtete an die aus der Gruppe ausscheidenden Abteilungen herzliche Abschiedsworte. Der Sonntag brachte eine ßp örtliche Veran- st a l t u n g unter Beteiligung der einzelnen Arbeitsdienstabteilungen der Gruppe, bestehend aus einem 10 000-Meter-Gelände-Hindernis-Lauf. Alle Teilnehmer gingen mit guter Zeit durch das Ziel. Anschließend fand das zugunsten des Winterhilfswerks veranstaltete Eintopfessen im großen Saal des „Deutschen Hauses" statt, zu dem die Gruppe 1500 Liter Essen gestiftet hatte. Der Andrang war gewaltig und auch die zwei Gulaschkanonen des Reichsarbeitsdienstes, welche um die Mittagsstunde durch die Stadt fuhren, fanden reißenden Absatz. Die Veranstaltung wurde am Sonntagabend mit einem „Fröhlichen Feierabend", den die Gruppenführung veranstaltete, beschlossen. Ein reichhaltiges Programm, das in abwechslungsreicher Folge ausschließlich von den Arbeitsmännern bestritten rotirbe, brachte die richtige Stimmung des Abends. Gruppenführer Z i m p e l (Alsfeld) wies in feiner Ansprache auf die Leistungen des Reichsarbeitsdienstes in den letzten vier Jahren hin
Hinterglasmalerei.
Ein altes Hausgewerbe
Abseits von den breiten Straßen, geborgen im Schutze enger Täler oder meilenweiter Walder, trifft man noch oft in Schlesien auf eines öer alten malerischen Bauernhäuser, das seine altüberlieferte Kunst bis zur Neuzeit erhalten hat. Erne schlesische Eigentümlichkeit, die noch tn manchem der alten „Herrgottswinkel" anzutreffen ist, sind jene grellbunt bemalten Bilder die vor allem m den Gebirqskreisen zu Hause sind. Nur wenige noch haben sich' über die Schwelle unseres Jahrhunderts gerettet; Oeldrucke, Reklamebilder und Photos haben die alte Heimatkunst verdrängt. Manches wertvollere Stück ist zum Trödler gewandert, andere Bilder fanden im Heimatmuseum eine liebevolle Aufnahme, aber der größte Teil dieser eigenartigen Werke ist verloren gegangen
Etwa hundert Jahre lang, von 1750 bis 1850, stand die Hinterglasmalerei in hoher Blüte. Einzelne begabte Barockmaler wiesen die Wege und gaben die Motive an. Bald aber entwickelte sich daraus eine rechte Volks- und Heimatkunst, die sogar in den Gebirgstälern zu einem Hausgewerbe wurde. Die Herstellungswelse war recht einfach: in den langen Winterabenden wurden hunderte solcher Bilder hergestellt und durch wandernde Händler vertrieben. Die Kraxenträger waren mit ihrer begehrten Ware für viele Monate unterwegs und versorgten ganz Schlesien, Böhmen und die ehemaligen Kronländer der Donaumonarchie.
Die Glasscheiben wurden fast alle in gleicher Größe geschnitten, so daß schon im Format eine serienmäßige Herstellung zu erkennen war. Als Vorlage diente ein Kunstblatt, meist ein Kupferstich, dessen' Umrisse mit einem feinen Haarpinsel auf die Glasplatte aufgetragen wurden. Dann mischte der Maler die „Leibfarbe", mit der die Umrisse für Gesicht, Hände und Füße ausgefüllt wurden. Dann kam die Bekleidung, meist rot ober blau, an die Reihe, und zum Schluß wurden Ornamente und Beiwerk aufgemalt. Zur Verwendung gelangten fast ausschließlich Wasserfarben (Kremserweiß, Zinnoberrot, Pariserblau, Gelb und Venezianischer Kugellack), die mit Gummiarabikum ihre Festigkeit erhielten. Nach dem Trocknen wurde die Rückseite mit einer braunen Oelfarbe abgedeckt. Manche Bilder entstanden aus Oelfarbe, damit sie eine größere Haltbarkeit aufzuweifen hatten. Auch die Rahmen stellte man in den gleichen Orten als Hausgewerbe
her. Schmale Leisten, meist aus Weichholz, wurden mit schrägem Profil und einem Falz versehen und zur Aufnahme der Glasplatte bestimmt Die als Schutz eine spandünne Holzruckwand erhielt. Der Rahmen wurde mit grauer oder dunkelgrauer Oelfarbe gestrichen. Dann konnte das Bild feine Wanderfahrt antreten
Die Hinterglasmalerei wurde in den berühmten Malerschulen des 17. Jahrhunderts bereits gepflegt. Aber sie blieb auf Einzelstücke beschrankt, die dann allerdings von großem Werte waren. Noch die ersten Bilder qus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen die persönliche Meisterschaft einzelner Schulen und entbehrten darum nicht einer besonderen Note. Im gleichen Maße aber, wie diese j)mterg a5male= rei zum Hausgewerbe wurde sank ihr künstlerischer Wert hinab.
Man darf solche Aeußerungen einer Handwerk- lichen Betätigung im Sinne der Volkskunst nicht überschätzen. Man soll sie aber auch nicht — das ist das große Unrecht der zweiten Hallte des IST Jahrhunderts — zu gering achten Ihr Wert steckt in der farbenfrohen vielseitigen Behandlung, die mir im gleich starken Maße bei allen Aeußerungen der Volkskunst spüren. Diese nawe Freude am Schmücken, dieser Reichtum an schwunghaften Er- finbungen ist ein getreues Spiegelbild der schlesischen 'Seele. Schlicht und ungekünstelt wie die bildliche Darstellung ist auch die bäuerliche Lebens- weise.
Bet der Beurteilung solcher Hinterglasbilder darf man nicht den Maßstab des Künstlerischen anlegen, sondern nur den weitgespannten Rahmen der Volkskunst und des Volkstums Dann erst bekommen die Darstellungen ihren wahren ihren inneren Wert Wer mit aufmerksamen Blicken das Beiwerk studiert, der wird manche Anregung finden, die auf ein hohes Alter zählen darf. Genau wie bei der bäuerlichen Bemalung finden wir auch bei den Hinterglasbildern meist die dreigeteilte Blumenranke ober einen sechsgeteilten Blutenstand, tue beide aus dem Lebensbaum entwickelt worden sind. Auch das Vogelornament, seit der Vorzeit bekannt, darf beim künstlerischen Schmuck nicht fehlen. Auch geometrische Muster, die aus dem Sonnenrad und dem Hakenkreuz entwickelt worden sind, finden sich vereinzelt auf den Glasbildern. In der Weiterführung dieser altbäuerlichen Ueberlieferungen steckt der besondere Wert dieser Bilder. Dadurch werden sie zu wichtigen Aeußerungen der Volkskunst und Trägern bäuerlicher Lebenskraft. F. W.
Lichtspielhaus: „Lumpacivagabundus".
Das hätte sich der selige N e st r 0 y in all seiner Phantasie gewiß nicht träumen lassen, daß seine Feen- und Zauberposse, die in manchen Zügen wie eine österreichisch-spielerische Abwandlung der alten Faust-Fabel anmutet, nach mehr als hundert Jahren — „Der böse Geist Lumpacivagabundus" erschien 1833 — von den Künsten der „Traumfabrik" unserer Tage verwandelt, aber im Grundmotiv unverändert, zu neuem romantischem Leben auf der Leinwand erwachen würde. Mit der Pakt-Szene über den Wolken wird das Schicksal der drei armen, wandernden Handwerksburschen vorausgedeutet; die Verschmelzung von Wirklichkeit und Märchenhaftigkeit im irdischen Wandel dieser drei, die im Traum das große Los gewinnen und es alsbald mit wachen Sinnen fröhlich verjubeln, bot auch im Film eine Anzahl brauchbarer und dankbarer Motive. Der Regisseur Geza v. Bolvary hat sich ein Vergnügen daraus gemacht, dies mit biedermeierlicher Behäbigkeit und wienerisch-melancholischem Humor auszumalen. Hübsch abgestuft in Temperament und Charakterumriß erscheint das leichtsinnige Kleeblatt: Heinz R ü h m a n n (Zwirn), Hans Holt (Leim) und Paul Hörbiger, der in einer Doppelrolle den unverbesserlich versoffenen Knieriem und den mephistophelischen Versucher Lumpaci gibt Von den Frauengestalten sind diePepi der Hilde K r a h l, die Paula der Edith Wolff und die Palpiti von Alice Brandt zu nennen. Dr. Max Wallner schrieb das Drehbuch, Hans Lang die Musik mit dem lustigen Wanderlied, das wir von der Bühne her in Erinnerung haben. — (Bavaria.)
ein Anfang. Oder möchte jemand behaupten, daß dem Uranfang erst der eigentliche Anfang folgte?.
Letzten Endes wäre das einzigste, worauf sich eine solche Behauptung stützen könnte, doch eine gewisse Gedankenlosigkeit. Das Einzigste? Nein, das einzige. Denn wie es vor dem Anfang nichts gibt, so gibt es ganz sicher keine Steigerung von einzig. Das einzige Kind wird nicht einziger, wenn man es das einzigste nennt, sondern bleibt immer das einzige. Das einzigste, was übrigbleibt, wenn alles vernichtet wird, ist immer nur ein einziges.
Letzten Endes aber, um noch einmal den ersten Anfang aufzunehmen, letzten Endes kommt man auf so abwegige Gedanken, weil man sich des letzten Endes schämt. Wie viel Enden zählt man denn überhaupt? Etwa ein erstes, zweites, drittes, dem dann nach beliebig vielen weiteren. Enden das letzte folgte? Oder gibt es nur ein Ende, entsprechend dem einen und einzigen Anfang? Wenn ein Buch zu Ende ist, bann ist es doch wohl zu Ende. Oder kommt dann noch ein letztes Ende? Wenn eine Reise zu Ende, wenn der Sommer zu Ende ist, kann man dann noch von einem letzten, oder gar allerletzten Ende sprechen? Eine Schnur kann zwei Enden haben, aber doch nur, wenn man sich nicht entschließen kann, das eine Ende den Anfang zu nennen. Eine Strecke hat zwei Enden und zwei Anfänge, je nachdem von welchem Ort aus sie begangen wird. Aber ein letztes Ende findet sich nirgends. Was soll man sich letzten Endes darunter vorstellen? Nichts. Gar nichts Jeder kann selbst erproben, datz es völlig überflüssig ist.
Oskar Jancke.
Sochsckmlnachrichten
Im Beiprogramm läuft außer der Wochenschau ein reizender Tierfilm: Szenen aus dem Leben der Schimpansin Susi von Berliner Zoo.
Hans Thyriot.
der erste Anfang
Letzten Endes muß einer den ersten Anfang machen. Für den zweiten, dritten und alle folgenden Anfänge können dann andere einstehen. Nur ist zu fragen, was der erste Anfang eigentlich bedeutet. Gibt es wirklich mehrere Anfänge? Man müßte sich einmal bei Anfängern erkundigen. Jedenfalls steht außer Zweifel, daß der erste Anfang nur ein Anfang ist oder, wenn man so will, daß jeder Anfang ein erster ist Mag der Uranfang in unvordenklichen Zeiten liegen, so war er doch nur
Am 19. dieses Monats begeht der ordentliche Professor der pharmazeutischen Chemie und Direktor des Pharmazeutisch-Chemischen Instituts der Universität Marburg, Dr. phil. Kurt Brand, seinen 6 0. Geburtstag. Brand wurde 1877 in Lützen bei Merseburg geboren, promovierte 1902 in Gießen, wo er sich 1903 habilitierte und 1905 seine Ernennung zum außerordentlichen Professor erhielt. 1928 wurde er Ordinarius in Marburg. Brands Arbeitsgebiete sind: angewandte Chemie, pharmazeutische ' Chemie, Nahrungsmittelchemie, chemische Technologie. Prof. Brand' wurde 1931 mit der goldenen Liebig-Medaille ausgezeichnet.
Dem außerordentlichen Professor Dr. Gottfried Langer in Leipzig ist unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuyl für öffentliches Recht an .der Universität Halle übertragen worden.


