Nr. 217 Erstes Matt
187. Jahrgang
Zreitag, 17. September 1937
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Ltnter dem blau weißen Wimpel
Jum Tag des deutschen Volkstums.
Immer wieder vergessen wir, daß jeder dritte Deutsche außerhalb der Reichsgrenzen lebt, daß wir ein Hundertmillionenvolk sind. Diese Tatsache immer wieder den Bewohnern des deutschen Kern- landes ins Bewußtsein zu hämmern und ihnen den Sinn einer erdumspannenden Volkstumsarbeit vor Augen zu führen, dazu dient der alljährlich im Herbst stattfindende „Tag des deutschen Volkstum s", der diesmal auf den 18. und 19. September gelegt wurde. In allen Gauen des Reiches tragen die Jungen und Mädel an diesem Tage die blau-weißen Fahnen und Wimpel des VDA., des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, und werben für die Idee der Schicksalsgemeinschaft aller Deutschen. Daß gerade die Jugend an diesem Bekenntnis volksdeutscher Einheit so stark beteiligt ist, hat tiefe geschichtliche Gründe. Denn es war immer d i e deutsche Schule, die in abgetrennten Siedlungsgebieten und überseeischen Auswanderungs- kolonien das stärkste Bollwerk der deutschen Kultur, Sprache und Gesittung bildete. Sie führte den jungen Menschen, der sonst vielleicht in einer fremden Nationalität untergegangen wäre, zuerst in die Geschichte und Idee des Deutschtums ein und prägte das Erlebnis der Volksverbundenheit unauslöschlich in sein Herz.
Lesen wir doch nach, wie Adolf Hitler selber seine Erfahrungen als Schuljunge wiedergibt, wie sein kindliches Gemüt von dem Dolkstums- kampf zwischen Deutschen und Tschechen erregt und beeinflußt wurde: „Von dem ewig unerbittlichen Kampf um die deutsche Sprache, die'deutsche Schule und deutsches Wesen hatten damals nur ganz wenige Deutsche aus dem Reich eine Ahnung. Erst jetzt, da die traurige Not vieler Millionen unseres Volkes aus dem Reiche selber aufgezwungen ist, die unter fremder Herrschaft vom gemeinsamen geistigen Vaterland träumen und sich das heiligste Anspruchsrecht der Muttersprache zu erhalten suchen, versteht man in größerem Kreise, was es heißt, für sein Volkstum kämpfen zu müssen." So wurde die Jugend ganz natürlich zum Träger der alljährlichen Volkstumsfeier, sie schuf sich das „Fe st der deutschen Schul e", aus dem sich dann der „Tag des Volkstums" entwickelte.
Im Ausland hat man diese volksdeutsche Betätigung immer wieder als Pangermanismus oder neudeutschen Imperialismus anzuprangern versucht. Und doch hat die im Reiche betriebene Volkstumsarbeit niemals einen Anlaß zu solcher Unterstellung gegeben. Im Gegenteil: der Führer des neuen Deutschlands hat aus seinen eigenen bitteren Erfahrungen heraus seine praktische Politik immer von neuem darauf gerichtet, daß unsere Volksgruppen im Ausland nicht zum Zankapfel, sondern zum Bindeglied zwischen den Nationen werden. Das vergangene Jahr hat gerade in zwei wichtigen Ländern des Südostens, in Jugoslawien und in Ungarn, ein besseres Verständnis für die deutsche Volkstumspolitik und für das Lebensrecht der dort lebenden Volksgruppen erbracht. Gleich günstiges läßt sich leider von dem Herbergsstaat der größten auslandsdeutschen Volksgruppe, nämlich von der Tschechoslowakei nicht sagen. Die 31/» Millionen Sudetendeutschen leben noch immer in einem Zustand politischer und wirtschaftlicher Entrechtung, der im schärfsten Widerspruch zu den Autonomie-Versprechungen der einstigen tschechischen Staatsgründer steht. Aber auch in anderen Staaten fordert deutscher Lebenskampf noch immer die härtesten Opfer und grausamsten Entbehrungen. Niemals jedoch dürfen mir Reichsdeutschen die blutsmäßigen und kulturellen Bindungen verleugnen, die uns mit unseren Brüdern im Ausland an eine einzige Schicksalskette schmieden.
Heinrich Fvers ♦
NSG Wie im gesamten Reich so wird auch im Gau Hessen - Nassau der „Tag des deutschen Volkstums" festlich beaangen. Der B e - zirksverband Rhein - Main des VDA hat umfangreiche Vorbereitungen für dieses Fest getroffen. In ieder Schule findet eine Feierstunde statt. Im Mittelpunkt dieser Schulfeiern stehen Vorträge, die den Jungen und Mädel die Not des Sudetendeutschtums schildern In Frankfurt am Mai, dem Sitz des Bezirksvcrbandes, wird außerdem im VDA.-Haus ein Volksdeutscher Appell abgehalten, bei dem alle Schulen der Gauhauptstadt mit fünf Schülern vertreten fein werden. Am Abend führen dann alle VDA- Gruppen Feiern durch. In größeren Städten und Ortsgruppen finden Kundgebungen statt. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bildet die Volksdeutsche Feier des Bezirksverbandes im VDA - fiaus in Frankfurt a. M, an der Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Behörden und der Wehrmacht teilnehmen werden. Zugleich mit dem „Tag des deutschen Volkstums" wird in der Zeit vom 16. bis 27. September d i e 23 D 21. = Sammlung durchqeführt. Schulkinder werden an diesen Tagen an die Volksgenossen herantreten und sie um ein kleines Opfer für die volksdeutsche Arbeit bitten Neben diesen Jungen und Mädel beteiligt sich die Hitler-Jugend, soweit deren Angehörige nicht mehr von der Schule erfaßt werden, an der Sammlung. Außerdem werden zum ersten Male hie Erwachsenen zur Sammlung herangezogen Es werden also alle Kräfte aufgeboten, um der Sammlung einen Erfolg zu sichern und dem VDA die Mittel zuzuführen, die er braucht, um als Mittler und Treuhänder der Grenzlanddeutschen und vor allem der deutschen Volksgruppen im Ausland seine Ausga-
Der SoivjeljuWommissar Krylenko beseitigt.
Moskau, 16. Sept. (DRB.) Die amtlich mitgeteilt wird, hat der Zentralvollzugsausschuh der großrussischen Bundesrepublik den bisherigen Volksjustizkommissar krylenko seines Postens enthoben und an seiner Stelle Antonow 0rofeie n f o zum Justizkommissar im RSFSR, ernannt.
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„Er hat ein geradezu kindliches Vergnügen an der Gerichtsatmosphäre", hat einmal Tro'tzki-Braun- stein von dem Genossen Nikolai Wassilljewitsch Kry len ko gesagt, dem früheren Generalstaats- anwalt und bisherigen Volkskommissar für das Justizwesen, der jetzt mit der üblichen Plötzlichkeit
(Scherl-Bilderdienst-M.)
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abgehalftert wurde und nach bolschewistischem Brauch vielleicht nicht mehr am Leben sein mag. Aber mit jenem Wort Trotzkis ist das eigentliche Wesen Krylenkos nicht annähernd erfaßt. Dieser ehemalige Student der Rechtswissenschaft, ein kleiner gedrungener Mensch, mit brutalem Ausdruck im Gesicht, in dem unter einer kahlen Stirn gierig zu- packende und dabei eiskalte Augen liegen, während ein mächtiger Unterkiefer das Kinn weit hervor- treten läßt, hat in die -Gerichtsbarkeit der Sowjets eine der furchtbarsten Foltermethoden eingeführt. Es kam ihm bei den großen Schau- oder Schwindelprozessen, die er im Auftrag Stalins zu leiten hatte, überhaupt nicht darauf an, festzustellen, ob die Angeklagten schuldig waren oder nicht. Sein einziges Ziel war immer nur das „G eständ - nis . Und das wurde mit jenen unaufhörlichen Foltermethoden erpreßt, die wir hier wiederholt geschildert haben und die bei den Prozessen im Frühjahr gegen eine Anzahl höherer Sowjetfunktionäre bis zur halben Sinnlosmachung der Opfer durch gewisse Drogen und Chemikalien getrieben wurden. Es paßt durchaus zu seinem Wesen, wenn er einmal als „Generalstaatsanwalt" das Wort sprach: „Gerechtigkeit — das ist nichts anderes als eine bloße Einbildung der Bourgeoisie". Selbst die alten Bolschewikenkreise gaben ihm den Beinamen „hetzerischer Bluthund". Das will in der Verbrecheratmosphäre Sowjetrußlands immerhin etwas heißen!
Krylenko, der während des Weltkrieges kurze Zeit Fähnrich gewesen war, wurde schon in der Februar-Revolution von 1917 Vorsitzender des Armeekomitees der 12. Armee. Kurze Zeit war er sogar einmal Oberster Befehlshaber der Roten Armee als unmittelbarer Vorgänger von Trotzki-Braunstein. Er trat zum erstenmal als staatlicher Ankläger vor eine breitere Öffentlichkeit in den langen Prozessen von 1922 gegen die Sozialrevolutionäre, spielte eine Hauptrolle in dem berüchtigten Schachty-Pro- zeß, in dem auch deutsche Ingenieure und Werkmeister das Opfer bolschewistischer „Rechtsprechung" wurden, und erhielt schließlich gar die höchste Auszeichnung, den Lenin-Orden. 1931 wurde er dann Volkskommissar für Justiz, hat aber auch in dieser
Stellung den entscheidenden Einfluß auf die Schauprozesse gegen die große Zahl der hohen Sowjetfunktionäre genommen, die seit dem offenen Ausbruch des Stalinschen Verfolgungswahnes zu Hunderten dem Henker überliefert wurden. Sein Nachfolger ist insofern auch kein unbeschriebenes Blatt mehr, als er unter einem falschen Namen von Barcelona aus lange Zeit den Sow- jetaufruhr in Spanien geleitet und auch die sowjetrussischen militärischen Operationen in Spanien beaufsichtigt hat. An sich ist Antonow Owsejenko „Diplomat". Er war zeitweise Botschafter in Rom, später in Prag, bevor er sich als Führer der roten Mordkommune in Barcelona traurigen Ruhm erwarb. Was können die Russen von einem Mann erwarten, der sich bereits in seiner diplomatischen Eigenschaft als ein Meister des Terrors erwiesen hat? B. R.
Stalins Sohn entführt?
Die Amtsentsetzung des berüchtigten Justizkommissars der Sowjetunion Krylenko yat kaum Weltsensation gemacht, als aus Warschau berichtet wird, daß der 12jährige Sohn Stalins mit dem Vornamen Wasil entführt worden ist. Der Knabe soll entführt worden sein, als er aus der Schule ii den Kreml zurückkehrte. Selbstverständlich ist die ganze moskowitische Polizei alarmiert. Im Gegensatz zu Stalin selbst, der seit Jahren die erdenklichsten Vorsichtsmaßnahmen zum Schutze seines Lebens anwendet, hat sich der junge Wasil einiger Freiheit erfreut. Es ist eine wahrhaft dramatische Ironie der Geschichte, daß Wasil Stalin jetzt zum Objekt einer echten Gangster-Entführung geworden ist. Stalin-Vater soll durch das Ereignis auf das schwerste betroffen und erschüttert sein. Sein Sohn Wasil ist ein Kind aus zweiter Ehe mit Nadja Allilujewa, die 1932 plötzlich verstarb — angeblich an einer Blinddarmentzündung, nach anderen Nachrichten aber durch Vergiftung. Stalin heiratete 1934 zum drittenmal, und zwar seine langjährige Geliebte, eine Tochter des sowjetjüdischen Kommissars für Schwerindustrie, Kaganowitsch.
„Ein System ständigen Massenmordes." Das Moskauer Terror-Regiment im englischen Licht.
London, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die „Daily Mail" schreibt zu der Nachricht aus Moskau, daß der Justizkommissar Krylenko seines Postens enthoben worden ist, es sei anzunehmen, daß dieser blutdürstige „Richter" die gleiche Strafe erhalten werde, wie er sie so oft für andere forderte. Woche um Woche schreite Stalins Blutrausch nun schon über Sowjetrußland und tagtäglich träfen neue Meldungen aus allen Teilen des Landes ein, daß wieder „Saboteure" und „Verräter" erschossen wurden. Die Anklagen gegen die Opfer seien ebenso fadenscheinig wie rätselhaft. Man wisse immerhin, daß es heutzutage in Sowjetrußland genüge, Kindern eine Geistergeschichte zu erzählen, um dafür eine Kugel ins Genick zu bekommen. In der ganzen Geschichte habe man zuvor, kaum ein System gekannt, daß sich, wie dieses, nur durch ftänbiges Massenmorden behauptete. Man habe den Eindruck, als ob Moskau vor lauter Angst blindlings um sich schieße. Nach zwei Jahrzehnten schweren Leidens für eine riesengroße Bevölkerung habe das kommunistische Experiment in Sowjetrußland nur einen „Fortschritt" gezeitigt: Die größere Aussicht auf den raschen Tod. Im Innern kenne das Moskauer Regiment nur Terror und Chaos, in den internationalen Angelegenheiten aber fabriziere es Bürgerkrieg und Revolten
ben erfüllen zu können. Wie den Pfennig für das Jugendherbergswerk so wird jeder Junge und jedes Mädel künftighin auch monatlich fein volks- deutfches Opfer bringen. Der „Tag des deutschen Volkstums" am 18 und 19. September wird der Tag der Gründung dieser Opfergemeinschaften werden.
Reichsminister Dr. Frick zum Tag des deutschen Volkstums Der Reichsminister des Innern Dr. Frick hat den „Tag des deutschen Volkstums" mit folgendem Grußwort gefördert:
Der „Tag des deutschen Volkstums" ist eine TNahnung an alle Deutschen, die unlösliche Blut- und Schicksalsgemeinschaft, die die Deutschen auf der ganzen IDelt verbindet, nie zu vergessen und durch Dort und Tat zu stärken. Der Führer hat durch die Ausrichtung des nationalsozialistischen Staates, der niemand anderem als dem deutschen Volke dient, dem im Reich geeinten Volk einen sicheren hort geschaffen. Die jenseits der Reichsgrenzen leben- den Deutschen können wieder stolz auf das Reich, seine Dacht und Stellung in der Welt sein. Die Pflege der kulturellen Zusammenhänge der Deutschen im Reich und der jenseits der Grenzen ist die Hauptaufgabe des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland. Seine Bestrebungen zu fördern, ist Pflicht aller
aufrechlen Deutschen. Ich begrüße es deshalb, daß der VDA. zum „Tag des deutschen Volkstums" aufruft und jung und alt im Glauben an die Zukunft der Ration und i n der Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe einigt.
Minderhettendruck in Rumänien.
Bukarest, 16. Sept. (DNB.) Der Minister für Handel und Industrie, Baler Pop, hat alle Industrie- und Handelsgesellschaften aufgefordert, innerhalb von drei Monaten die Zahl der rein rumänischen Ange st eilten auf 5 0 b 3 ro. 7 5 v. H. z u steigern. Das Rundschreiben ist bisher 72 Firmen, durchweg Jndustrie- gesellschaften Siebenbürgens, des Banats und der Bukowina zugegangen, die zum größten Teil von nichtrumänischen Minderheiten bewohnt sind. In dem Rundschreiben heißt es u. a. wörtlich: Wir sind der Ansicht, daß es Ihre (der Unternehmer) Pflicht ist, auch unter materiellen Opfern, in den Unternehmungen, die Sie leiten, die Angestellten völkisch-rumänischen Ursprungs zu fördern. Wir fordern Sie also aus, bis zum Ende dieses Jahres den Prozentsatz der Beschäftigten auf mindestens 50 v. H für alle Angestellten und qualifizierten Arbeiter und auf 75 v. H. für die nicht qualifizierten Arbeiter zu steigern." Die Unternehmer werden aufgefordert, bis' zum 1. Oktober sich zu äußern, ob sie der Aufforderung des Ministers Folge leisten. Keine Antwort wird als Ablehnung angesehen.
Wie sieht es in der Wirtschaft aus.
Täglich mehren sich in Frankreich die Stimmen gegen d i e Vierzigstundenwoche, und insbesondere die großen Blätter wie „Temps" und „Mattn" bringen fortlaufende schlagwortartige Notizen, die die Schädlichkeit dieses Experiments der Volksfront-Regierung in immer neues Licht stellen. So veröffentlicht der „Matin" ein Schreiben, das der Direktor eines großen Warenhauses an die Redaktion gerichtet hat. Dieser weist darauf hin, daß im Jahre 1937 fein täglicher Umsatz gegenüber dem vorigen Jahre um mehr als 20 v. H. gefun- k e n sei, und zwar trotz der Weltausstellung. Eine langsame Abdrosselung des ganzen Geschäftslebens mache sich von Tag zu Tag deutlicher bemerkbar und sei lediglich auf die Kürzung der Arbeitsstunden zurückzuführen. Im Handel sei, so wird in diesem interessanten Brief hervorgehoben, nicht jede Stunde eine Stunde des Verkaufs in dem Sinne, wie in der Industrie jede Stunde eine bestimmte Produktion heroorbringe, im Gegenteil gebe es im Handel sehr viele tote Stunden, und demgegenüber wirke sich die Vierzigstundenwoche doppelt verhängnisvoll aus. In einer anderen Zuschrift an den „Matin" wird darauf hingewiesen, daß die ländliche Bevölkerung feit Einführung der Vierzigstundenwoche weit weniger kaufe als zuvor. Auch in England macht man sich über die französische Vierzigstundenwoche Gedanken. Die „Times" berichten über einen in Norwich abgehaltenen Ge- werkschaftskongreß, auf dem sämtliche Sprecher vor einer Übertragung dieses unglücklichen französischen Experiments nach England gewarnt haben. In Belgien steht die Regierung der Vierzigstundenwoche grundsätzlich nicht feindlich gegenüber. Aber sie wird von verschiedenen Stellen davor gewarnt, übereilte Beschlüsse zu fassen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Wochenlohn habe unweigerlich eine Verteuerungder Lebens- haltungskosten zur Folge, wie das das französische Beispiel besonders eindringlich gezeigt hat. Dieses Moment muß doppelt in die Waagschale falen in einem Augenblick, in dem d i e Preise in Belgien in einem bedenklichen Umfang anziehen. So ist überall im Westen die Frage der Vierzigstundenwoche in den Vordergrund gerückt und damit wird, wenn die augenblickliche Preissteigerung in Westeuropa so weiter geht, auch die Frage der Löhne erneut aufgeworfen werden. Ueberall im Westen Europas, England, Frankreich, Belgien machen sich Streiks kleineren und größeren Üm- fangs bemerkbar, von denen kein einzelner eine ausschlaggebende Bedeutung hat, die aber alle zusammen doch einen Unruheherd darstellen.
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Im Gegensatz zu der angelsächsischen Auffassung, die trotz aller Schwankungen die Lage des Pfundes sehr ruhig betrachtet, ist der Franzose gewohnt, für seinen Frank einen Anhaltspunkt anzunehmen. Früher war es der Goldfrank, jetzt ist es bas Verhältnis des französischen Frank zum englischen Pfund, und dieses Verhältnis hat sich in der letzten Woche geradezu fata- strophal verschlechtert. Gegenüber einem ursprünglichen Stand des Bonnet-Frank von etwa 136 sank der Frank bereits in der Vorwoche, ohne daß der französischeWährungsausgleichsfond einschritt. Am Dienstag notierte er mit 138, am Mittwoch wurde die Grenze von 140 bereits überschritten, und schließlich erreichte der Pfundkurs den hohen Sah von 146. Der Frank hatte also in 24 Stunden gegenüber dem Pfundkurs sich um 7 Punkte verschlechtert. Man nimmt in Londoner Citrstreiien an, daß die auffällige Untätigkeit des französischen Währungsausgleichsfonds auf eine neue Frank- Abroertung hindeutet und glaubt, daß der Bonnet-Frank in Kürze sich auf einem Pfundkurs von 150 „ausbalancieren" werde. Der neue Sturz des Franken hat in Paris lebhafte Beunrubiaung erregt. Man weist darauf hin, daß die schlechte Lage des französischen Außenhandels — in den ersten sieben Monaten 1937 ist ein Einfuhrüberschuß von 11 Milliarden Franks zu verzeichnen — nicht ohne Einfluß auf den Frank- Sturz geblieben sei. In London liegt ein erhebliches Angebot von französischen Fluchtkapitalien vor, die jedoch meistens in Dollar Anlage suchen Die dadurch bewirkte .fiöherberoertung des Dollars sucht die englische Währungskontrolle zu verhindern, und so treibt gewissermaßen ein Keil den andern. Aber auch die Steigerung der Lebenshaltungskosten in Frankreich infolge des Experiments der Volksfrontvolitik dürfte ein wesentlicher Grund für das Mißtrauen fein, das der Franzose seiner eigenen Währung ent- gegenbringt. Seit Juli sind die Tarife und die Preise für die notwendigsten Lebensrnittel durchweg um 2 bis 7 v. H. gestiegen, die Einkommen sind dagegen stabil geblieben. Weitere Preiserhöhungen sind zu erwarten, da sich die Erhöhung der Weizenvreise, die im Vergleich mit 1936 um 30 v. H. höher liegen, noch nicht ausgeroirft hat. Mitt- lerweile werden in der französischen Fachpresse, so in der „Revue d'Eronomie Politigue" Betrachtungen darüber angestellt, wie es zu dieser Lage überhaupt kommen konnte. Charles R i ft. der frühere Gouverneur der Bank von Frankreich hat jetzt entdeckt, was außerhalb Frankreichs jedermann wußte, daß, als die Abwertung unvermeidlich war, die neuen sozialen Belastungen bereits den aus der Abwertung erwarteten Gewinn verschlungen hatten. Dug6 de Bermonville vergleicht die Verschiebung in den verschiedenen Einkommensklassen und stellt fest, daß das Einkommen aus Kapital jetzt die Höhe von 1913 erreichte, die Pensionen aber oon 1,4 auf 7,9 v. H. des Gefamtein- kommens stiegen und die sogenannten gemischten Einkommen, also die Gewinne der Industrie, des Gewerbes der Landwirtschaft usw. heute nur einen Anteil oon 22,1 gegen 35,7 v. H. am Gefamtein-


