nr.U2 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Dienstag,18.Mal 1937
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Außenpolitische Wünsche auf der Wischen Reichskonserenz.
Australien schlägt Nichtangriffspakt der pazifischen Mächte und außenpotitlsches Gekretariat des Empire vor.
Warschau, Mai 1937.
Das im letzten Jahre an Sensationen so reiche Geschehen in Sowjetrußland hat der Welt ein neues Rätsel aufgegeben. In diesen Tagen wurde im Kreml eine Sonderberatung einberufen, die sowohl ihrer äußeren Aufmachung nach ungewöhnlich, wie ihren Beschlüssen nach von weittragender Bedeutung ist. Denn zum erstenmal seit undenklichen Zeiten haben nicht mehr die Spezialtruppen der GPU., also die besonderen Leibwächter Stalins die Wache an den Kremltoren gestellt. Seit dem Sturz Jagodas und seiner Einkerkerung haben auch die Kohorten der GPU. die Gnade des Diktators verloren, und die Einwohner Moskaus waren vor einigen Tagen Zeugen des seltsamen Schauspiels, daß eine ganze Division Don-, Terek- und Kubankosaken zum Schutz des Kreml und der Regierungsgebäude durch die rote Hauptstadt zog. Sie wurden — eine besondere Auszeichnung für die rote Armee und gleichzeitig ein Akt besonders offensichtlicher Entziehung des Vertrauens der GPU. — besonders herbeigeholt und haften von jetzt ab mit ihrem Kopf für» die Sicherheit der Spitzen der Partei und der Regierung.
Solchermaßen gesichert, traten die Mitglieder des engeren Gremiums des Politbüros zusammen, um — einen Verwaltungsakt zu beschließen. Denn es handelt sich diesmal nicht etwa um die Aufdeckung einer neuen Verschwörerkamarilla, um die unbedingt notwendige Hebung der Kohlenerzeugung im Dvnezbecken oder um neue Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Intensivierung — nein! Aus der dritten oder vierten Seite berichten die Blätter, daß bei der Roten Armee die Einrichtung der Armee kommissare (bei der Truppe) und der Kriegsräte (bei den Militärbezirken) beschlossen wurde und daß an der Spitze der Militärverwaltung „lediglich" einige Umgruppierungen vorgenommen wurden. Aus! Man wird in der zentralen Moskauer Presse, die sonst ungeheuer schreibbeflissen ist und — wenn es sich etwa um das „faschistische" Ausland handelt — nicht nur aus einer Mücke, sondern aus dem puren Nichts einen Elefanten macht, vergebens nach einem Kommentar für diesen Beschluß suchen. Dennoch dürfen die Sowjets auch das Ausland nicht für so naiv halten, daß es etwa eine Maßregel für einen „Verwaltungsakt" ansieht, durch die die Institution der Politkommissare in der Roten Armee abgeschafft wird, eine Institution, die geradezu zum Inbegriff der Parteiherrschaft in der Armee der Weltrevolution geworden ist, durch die weiterhin eine neue Behörde mit noch nicht genau festaelegten Befugnissen und Einflußbereichen geschaffen und durch die schließlich eine der markantesten Persönlichkeiten des militärischen Bolschewismus, der „rote Napoleon" und Marschall der Sowjetunion Tuchat- s ch e w s k i, in die Wüste geschickt wird. Zwar ist das Gesicht der neuen Einrichtung der „Kriegsräte" sowohl nach der Art wie nach dem Umfang ihrer Tätigkeit noch nicht deutlich erkennbar, und vor allem steht noch nicht fest, ob und inwieweit die bisherige Zusammenballung der Machtvollkommenheit bei den Truppenkommandeuren wieder zugunsten der Beauftragten der Partei abgebaut werden soll; jedoch beweisen die Auseinandersetzungen, die zur Zeit auf den in allen Truppenkörpern ftattfinbenben Parteikonferenzen geführt werden, daß die Maßnahme in der Richtung einer Stärkung der Parteigewalt und damit einer neuerlichen Bolschewisierung auch der militärischen Führung der Armee aufzufassen ist. — Zum Verständnis dessen ist es aber notwendig, auf die Vorgeschichte dieser aufsehenerregenden Maßnahme einzugch n.
In der roten Armee gärt es — und diese Tatsache läßt sich durch keine noch so lauten Ergebenheitstelegramme der Truppenkörper, der Armeekommandanten oder selbst des Kriegskommissars Woroschilow an den allmächtigen Stalin vertuschen. Im ganzen Lande geht die Suche nach ..Staatsfeinden" weiter, die Produktion geht beinahe auf allen Gebieten zum Teil in katastrophaler Weise zurück, das neue Hungergespenst macht sich immer mehr fühlbar, das ganze Land ist i n U n - oewißheit und Unruhe gehüllt — und dieser Zustand der schleichenden Krise muhte auch in der Stimmung der Armee seinen Niederschlag finden. Dazu kommt, daß die letzten Prozesse und Säuberungen auch auf die Armeeangehörigen ausgedehnt wurden. Es braucht nur an die Affäre des Londoner Militärattaches Putna erinnert zu werden, dessen Schicksal noch heute ungeklärt ist. Es wäre gewiß unrichtig, wenn man irgendwelche Gegensätze grundsätzlicher Natur zwischen der Armee und dem Diktator konstruieren wollte. Indessen ist es nach Nachrichten, die nicht nur hier in Polen, sondern auch in Finnland und Rumänien verbreitet wurden, in den letzten Wochen wiederholt zu Unzuträglichkeiten und Zusammenstößen zwischen der durch die Armeepolitik Stalins ungeheuer gestärkten Kommandogewalt auf der einen und den Parteivertretern in den Truppenverbänden auf der anderen Seite gekommen. Die Bewegung gegen die politischen Armeekommissare soll zu gleicher Zeit in der baltischen, der Schwarzmeer und der fernöstlichen Flotte ausgebrochen sein und in einzelnen Fällen sogar zur Entfernung des Politkommissars geführt haben. Wenn man bis heute keine Veranlassung hatte, sich mit diesen Gerüchten zu befassen, so doch heute, denn sie wurden allerdings die sensationelle Maßnahme Stalins erklären. Es hat sich ja nunmehr erwiesen, daß die
London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Auf den Beratungen der Londoner Empire-Konferenz haben sich bisher zwei Hauptvorschläge herausgeschält, die beide von australischer Seite unterbreitet worden sind. Der erste Vorschlag fordert den Abschluß eines Freund- schafts - und Nichtangriffspaktes zwischen den pazifischen Staaten. Der zweite bezweckt die Errichtung eines ständigen Sekretariats für die Außenpolitik des britischen Weltreiches in London. Man hofft in australischen Kreisen, daß die britische Regierung eine Konferenz aller Staaten, die Interessen im Stillen Ozean besitzen, einberufen werde. Australien werde als Zusammenkunftsort vielleicht Tokio vorschlagen. Der australische Generalstaatsanwalt und Jndustrieminister Menzies schlug schon vor einiger Zeit im australischen Parlament einen pazifischen Regionalpakt im Rahmen der Völkerbundssatzung vor, der u. a. eine gegenseitige militärische Unterstützung der betreffenden Staaten und ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit vorsehen würde.
Allerdings meint „Daily Telegraph", daß der australische Vorschlag einer pazifischen Konferenz als verfrüht betrachtet werden müsse, doch werde die Empire-Konferenz wohl die Möglichkeit erörtern, daß einzelne Dominions mit ihren nächstliegenden Nachbarstaaten regionale Sicherheitsvereinbarungen treffen. Im Leitauf- satz desselben Blattes wird jedoch der Vorschlag einer vereinheitlichten Außenpolitik begrüßt. Ein politisches Zentralsekretariat werde die Zusammenarbeit erleichtern und schnelle Entscheidungen in Zeiten der Not ermöglichen. Weder von Großbritannien noch von einem einzelnen Dominion werde erwartet, daß sie ihre Außenpolitik völlig der Kontrolle des Sekretariats unterstellen. Wohl aber sei man sich darüber einig, daß in sämtlichen das Gesamtreich betreffenden außenpolitischen Fragen ein einheitliches Ziel verfolgt werden müsse. Die Aussichten auf Herbeiführung eines pazifischen Paktes werden von dem dem englischen Außenministerium nahestehenden Blatt skeptisch beurteilt, schon weil man in den Vereinigten Staaten eine solche Vereinbarung gegenwärtig nicht für möglich halte. Ohne Washington könne der Pakt aber nicht durchgeführt werden.
Englisch-italienische Fühlungnahme.
Die Behandlung Abessiniens in Genf.
London, 19. Mai. (DNB. Funkspruch.) (Einer Unterredung zwischen dem italienischen Außenminister Grafen C i a n o und dem britischen Botschafter in Rom, Sir Eric Drummond, am Pfingstsonntag, wird von englischen Morgenblättern Bedeutung beigemessen. „Times" meldet, daß u. a. das Verhalten der Presse der beiden Länder erörtert worden sei. Graf Ciano habe wohl der Ansicht Ausdruck gegeben, daß das Foreign Office in der Lage wäre, die Presse zu einer freundschaftlicheren Stellung gegenüber Italien zu veranlassen. Wie „Daily Telegraph" meint, deute die Einstellung der englandfeindlichen Angriffe in der italienischen Presse und die Milderung des Tones auf eine Besserung der englisch-italienischen Beziehungen hin.
Bei der Unterredung zwischen Ciano und Sir
Stärkung der „einheitlichen Kom- mandogewal t", die Stalin mit allen seinen Maßnahmen der letzten Zeit förderte, in der Armee einen Zustand geschaffen hat, bei dem das Fortbestehen der „Politkommissare" von den Vertretern dieser „Kommandogewalt" als eine Art Anachronismus angesehen wurde. „Ich führe das Kommando", sagten die roten Kommandeure und lehnten das Hineinreden der politischen Komissare ab, diese jedoch sahen ihre Stellung bedroht, warfen die Frage der „kommunistischen Erziehung der Truvpe" auf — und der Konflikt war da.
Wer hat gesiegt? — Man wird die Tätigkeit der neuen „K r i e g s r ä t e" abwarten müssen, um dirse Frage eindeutig zu beantworten. Fest steht aber, daß Stalin mit dem Aufgeben der Bezeichnung „Politkommissar" nach nichts gegen diese Einrichtung an sich unternommen hat, daß er im Gegenteil bestrebt ist, die alte Institution unter einem neuen Firmenschild und dazu vertreten durch Personen mit ungewöhnlich erweiterten Machtefugnissen, weiterbestehen zu lassen, ja, daß er bewußt die Anlehnung an die alte Benennung „Kriegsräte" und „militärische Kommissare" aus den Zeiten der Bürgerkriege gewählt hat, um die außerordentliche Bedeutung seiner Maßnahme noch mehr zu unterstreichen. Im Zusammenhang mit den innenpolitischen Vorgängen der letzten Zeit gewinnt dieser Beschluß des Politbüros damit eine Tragweite, die sich heute noch gar nicht übersehen läßt. ..
Daß im Zuge dieser Entwicklung auch einer der Großen aus dem Klüngel derer um Stalin sein Ende gefunden hat, ist nicht verwunderlich. Tu- ch ätsch ews ki, der stellverttetende Knegskom- missar, der als ehemaliger Gardeoffizier des Zaren aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen und als einer der ersten sich Trotzki zur Verfügung gestellt
Eric Drummond sei in der Frage der W e st p a k t- bespruchungen eine Verständigung erzielt worden, so daß Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen bestehe. Weiter seien die Frage der Entfernung Abessiniens aus dem Völkerbund und die Anerkennung des italienischen Kaiserreiches besprochen worden. Wie „News Chronicle" annimmt, wird eine Krise in Genf wegen der abessinischen Frage wahrscheinlich dadurch hinausgeschoben werden, daß die abessinische Abordnung der nächsten Volke r b u n d s v e r s a m m l u n g fern bleiben werde. So würde die Frage nicht akut werden, während die abessinische Abordnung das Recht behielte, weitere Appelle an den Völkerbund zu richten.
Italienische Frontkämpfer in London.
London, 17. Mai. (DNB.) Am Sonntagabend fand in der Queenhall die Eröffnungssitzung der Iahrestagung des englischen Frontkämpferverbandes British Legion
statt. Major Featherstone-Godley betonte, daß die Zusammentreffen mit ausländischen Frontkämpfern von größtem Wert seien. Ueberall habe der Mensch nur einen Wunsch, nämlich in Ruhe und Frieden leben zu können. Der Vorsitzende des italienischen Front» kämpferverbandes D e l c r o i x sprach sein Bedauern aus, daß sich die guten Beziehungen zwi- scheu England und Italien gelockert hätten. Bei Schwierigkeiten hätten die Frontkämpfer die Pflicht, in die erste Linie zu gehen und dort die Stellungen zu verteidigen, die in Gefahr seien. Aus diesem Grunde sei er nach London gekommen und aus dem gleichen Grunde hätten sich vor kurzem englische Frontkämpfer in Rom befunden. Vor dem Londoner Cenotaph, dem englischen nationalen Heldendenkmal, fand ein Vorbeimarsch von 25 000 ehemaligen Frontkämpfern statt. An der Veranstaltung nahmen auch eine italienische Abordnung unter Führung von Delcroix, sowie der deutsche Militärattache General G e y r von Schweppenburg.
Bolschewistisches Geschwader
Hai sich wieder nach Frankreich „verflogen"
Paris, 17. Mai. (DNB.) 17 spanisch-bolschewistische Flugzeuge (12 Jagd maschinell und 5 Aufklärungsflugzeuge), die am Montagmargen von Santander zu einem Beobachtungsflug aufgestiegen waren, haben, angeblich infolge Nebels sich verirrt und mußten auf dem südfranzv - fischen Flugplatz Pau landen. Die Jagdflugzeuge sind amerikanischer Herkunft. Die Aufklärungsflugzeuge stammen aus Spanien. 15 Flugzeuge waren mit je zwei Maschinengewehren bestückt. Oberst Gyllenam von der Internationalen Konttollkommission ist über die Landung sofort in Kenntnis gesetzt worden. Acks Anweisung hes Luftfahrtministeriums sind die Flugzeugführer aufgefordert worden, nach Spanien zur ü ck zu- fl i e g e n. Sie werden von einem französischen Militärflugzeug, sobald die Witterungsverhältnisse es zulassen, an die Grenze zurückbegleitet werden.
Der „Jour" meint, die spanisch-bolschewistischen Flieger schienen es sich neuerdings zur Gewohnheit zu machen, ihre Flugzeuge aus französischem Gebiet in Stand zu setzen, da gute Mechaniker in Spanien eine Seltenheit seien. Der französische Luftfahrtmini st er habe sich z um Mittelsmann für diese Landungen auf französischem Gebiet gemacht. Man müsse sich wundern, daß die Maschinen nicht nach dem Lustrecht b e - schlagnahmt und die Flieger einem gerichtlichen Verhör unterzogen worden seien. Auch das „Echo de Paris" ist der Meinung, daß die spanisch-bolschewistischen Flieger als Kriegführende anzusehen seien. Dann hätten sie verhaftet und die Maschinen beschlagnahmt werden müssen. Die „Action Fran^aise" erklärt, Luftfahrtminister Pierre Cot halte die Franzosen wohl für schwachsinnig; denn schwachsinnig müsse man sein, wenn man glauben wollte, daß die Flugzeuge in der Richtung nach Bilbao aufgestiegen seien und sich in vollkommener Ordnung zu 17 im Nebel verflogen hätten.
Neuer Bolschewistenausschuß in Valencia.
London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie aus Valencia gemeldet wird, hat der Marxist Juan Negrin einen neuen Ausschuß der bolschewistischen Machthaber gebildet, der sich „Regierung" nennen läßt. Diesem Ausschuß gehören der Bolsche» wistenhäuptling Largo Caballero und sein sogenannter „Außenminister" del Vayo nicht mehr an. Auch besteht der neue Ausschuß nur aus 9 und nicht wie bisher aus 15 Mitgliedern. Die Kommunisten behalten aber trotzdem ihre frühere Stärke von zwei Vertretern bei. An die Stelle del Vayos ist der frühere Linksrepublikaner Giral getreten, während die Aufsicht über die bolschewistischen Heerhaufen der Marxist Prieto innehat.
Nationale Fortschritte in Vizcaya.
Salamanca, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht vom Montag meldet nur von der Vizcaya-Front größere Kampfhand- lungen. In dem Bericht heißt es: Unsere Truppen konnten den Ort C h a n o besetzen, ebenso wie die Einsiedelei von San Miguel urtb die Orte Epalsa, Enaca, Arrinda und Zadagoitia. Der Feind wurde zurückgeworfen und verlor viele Tote. Außerdem gerieten 50 Gefangene in unsere Hände, sowie 80 Milizsoldaten, die mit den Waffen freiwillig zu uns überliefen. Schließlich konnten wir eine große Menge Kriegsmaterial erbeuten. Unsere Vorposten befinden sich 400 Meter vor dem Ort Amors- b i e t a. Weiter berichtet der nationale Frontsender, daß Amorebieta in Flammen stehe. Das Feuer sei von den Bolschewisten angelegt worden, die insbesondere das Klosterder Karmeliter in Brand ge st eckt hätten.
hat, wurde auf den militärisch wie machtpolitisch drittrangigen Posten eines Armeekommandanten an der Wolga abgeschoben. An seine Stelle tritt der bisherige Generalstabschef Jegorow, dessen Posten von dem Armeekommandeur von Leningrad, Schaposchnikow, besetzt wird. Nach Leningrad kommt Jakir aus Kiew, und dessen Posten ist noch nicht neu besetzt. — Mit Tuchatschewski ist eine der ehrgeizigsten Persönlichkeiten aus dem heutigen Machtklungel der Bolschewisten gestürzt. Seine militärische Niederlage bei Warschau — das polnische „Wunder an der Weichsel" und den sowjetrussischen Zusammenbruch hat er verschuldet — ist ihm von Lenin verziehen worden; Stalin konnte ihm aber nicht seine Verbindung mit den „Staatsfeinden" verzeihen. Bereits mit General Putna, einem Protektionskind Tuchatschewfkis, begann es. Man erzählte sich damals in Moskau, daß auch Tuchctt- schewfkis Stellung erschüttert sei. „Der rote Napoleon", wie dieser maßlos ehrgeizige „Marschall der Sowjetunion" sich selbst nannte, rettete zwar noch einmal seinen Kopf, aber im nachfolgenden Prozeß wurde er von Radek schwer belastet, so daß mit feinem Sturz sozusagen stündlich gerechnet wurde. Als es bekannt wurde, daß er nicht, wie ursprünglich in Aussicht genommen, nach London zu den Krönungsfeierlichkeiten geht, stand es fest, daß er ein toter Mann ist. — Tuchatschewski ist eine Erscheinung, die jedem aufrecht und ehrlich denkenden Menschen Ekel einflößen muß. Als Adliger und als Gardeoffizier verkaufte er sich den Bolschewisten, als er Gelegenheit witterte, schnell Karriere zu machen. Sie nahmen ihn als „besten militärischen Kopf Sowjetrußlands", obwohl er dies nur durch die Niederlage im polnischen Krieg bewiesen hat. Er ging über Leichen, stolperte aber, als er sich aufs politische Glatteis begab. Nicht einmal die Bolschewisten werden ihm nachtrauern
Die Kriegsräte in der Noten Armee.
Moskau, 17. Mai. (DNB.) Die angekündigten organisatorischen Maßnahmen zur Verstärkung der politischen Kontrolle in der Roten Armee wurden mit einem Dekret über die Einrichtung sogenannter Kriegsräte in allen Militärbezirken der Armee und der Flotte eingeleitet. Jeder dieser Kriegsräte, der die höchste Instanz der Militärgewalt im jeweiligen Militärbezirk darstellt, besteht aus dem Militärbefehlshaber als Vorsitzenden und aus zwei „Ratgebern", die vermutlich parteipolitische Funktionäre für die politische lieber» wachung sein werden. Dem Kriegsrat sind alle Truppen und alle militärischen Einrichtungen des Bezirks unterstellt, der Kriegsrat untersteht seinerseits direkt dem Volkskommissar für Verteidigung. Der Kriegsrat leitet die militärische und politische Ausbildung, hat alle vorbereitenden Maßnahmen für den Mobilmachungsfall zu treffen, überwacht die Auslese der Offiziere und hat die gesamte Armee im Geiste der Ergebenheit gegenüber den Sowjets sowie des Kampfes gegen die „Volksfeinde", Spione, Saboteure, Schädlinge, zu erziehen. Dem Kriegsrat obliegt ferner die materielle Ausrüstung der Truppen, das Sanitätswesen, die Luftabwehr, die Vorbereitungsdienste im vormilitärpflichtigen Alter, Reserveübungen und halbmilitärische Hebungen, die Einberufung der Rekruten, die Leitung des militärisch wichtigen Bauwesens usw.
Türkisch-rumänische Besprechungen.
Bukarest, 17. Mai. (DNB.) Der türkische Außenminister Rüschtü Arras hatte Bespre-


