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Nr. 89 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger fGeneral-Anzetger für Oberhesjen)

Samstag, tl.April |937

hat vielmehr versucht, auch für die berufstätigen

Bildung und Soldatentum

Äon Dr. Bruno H. Lahn.

Steuerberater und Buchprüfer, kurz auf alle, die

Diese grundsätzliche Erkenntnis ist es aber md)t durch freie berufliche Arbeit ihren Lebensunterhalt

lichen Beifall.

Hans Thyriot.

k der ie,n zu 'inder-

verdienen. Hier haben die beruflichen Bereinigun­gen schon frühzeitig die Frage nach der Sozialpoli­tik der Selbständigen aufgeworfen. Die Aerzte und Anwälte haben ebenfalls im Wege des Dersiche- rungsgrundfatzes sie zu lösen versucht. So haben wir die Deutsche Aerzteversicherung zu Halle (Saale). Auch der Präsident der Reichs- Rechtsanwaltskammer hat erst im Juni 1936 die Rechtsanwaltskammer erneut aufgefordert, auf die Selbsthilfeeinrichtunp des Berufsstandes nachdrück­lichst hinzuweisen. Die freiwillige Beteiligung der Berufsangehörigen ist hierbei nicht gering. Betrug doch der Kapitalwert der bei der Deutschen Anwalt- und Notaroersicherung zu Halle versicherten Summe Ende 1924 11 Millio­nen, Ende 1925 bereits 30 Millionen, Ende 1927 dann 57 Millionen und Ende 1935 schon 79 Millio­nen.

Die Selbsthilfe der freiberuflichen Bereinigungen hat sich nicht nur auf eine Vorsorge für Alter, In­validität und Hinterbliebenenfürsorge erstreckt. Sie

ein kindisch-verwegenes Nichts unter der Wucht feines Schattens.

Da sah ich einen kleinen dunklen Punkt in dem unendlichen Weiß und lief erstaunt darauf zu. Es war ein Stück verwittertes Holz, eingebacken in Eis und Schnee. Mit größter Mühe löste ich es ein wenig von feiner Umhüllung und sah, daß es ein Kreuz war, das schief aus dem Schnee ragt, mit einer In­schrift darauf, von der ich nur drei Worte freizu» legen vermochte:gefallen am 11." Erwachend sah ich mich um: hier war ja das Gebiet der Kämpfe um den Col di Lana.

Gefallen am 11. Gott weiß, wer es gewesen war, ein Deutscher oder ein Oesterreicher, ein er­grauender Bauer aus den Gebirgstälern oder ein junger Offizier aus den Städten, ein Gelehrter, der beim mitternächtigen Schein feiner Lampe saß in den Tagen des Friedens, oder ein frischer Reiter, dessen Pferd in die feuchte Kühle des Morgens wieherte, ein Froher oder ein Bedrückter ich kann es nicht sagen: gefallen am 11., das ist alles, was ich weiß. Ich suchte auch gar nicht mehr zu erfahren, er war für michdas Heer" schlechthin, die endlose Schlange grauer Männer, die in den Tod ging, weil sie gerufen worden war.

Da stand es, das verschneite Kreuzchen unterm ßatemar; ein Stückchen morschendes Holz in der Einsamkeit. Aber es war zu Hause hier in dieser gewaltigen Welt des Schweigens, und so winzig es auch war, es war nicht kleiner als der Urzeitriese Latemar. Denn so ewig und groß wie die Kraft ist, die Atome häuft zu Gipfeln, so ewig und so groß ist der Tod.

Sie kannten es alle, das kleine Kreuz: der Schnee und der Wind, die einsam schnürenden Bergfüchse in den herben Frühlingsnächten, die Wolken und die donnernden Lawinen. Es war ihnen so verwandt: da war einer heraufgestiegen, ein kleiner Mensch mit dem Gewehr auf dem Rücken, hatte gekämpft und gedarbt, weil es feine Pflicht so wollte, und war den einsamen und harten SoldcUentod gestorben, weil da nichts anderes übrigblieb. Das war eine männliche reine und klare Sache und der männlichen Reinheit und Klarheit der Höhen zutiefst verwandt. Ja, es stand hier geachtet und mit allen Rechten, das morsche Kreuzchen, und der Riese Latemar erdrückte es nicht.

Ob wohl jemand zu ihm heraufsteigt und ihm Blumen und Grüße aus den Tälern des Lebens bringt? Stiege er doch lieber zu uns herab, der gute Geist dieses einsamen Vorpostens der Pflicht und lehrte uns aufs neue fein schlichtes Wissen um die Ehre.

oE ein, die uns die Frage nach der Sozialpolitik der 5-lbftänbigen aufwerfen läßt. Vielmehr ist dieser T il der Sozialpolitik heute zu einem dringenden 6°bot geworden. Die wirtschaftlich Selbständigen hclben vor dem Kriege durch Sparen ihr Alter

zahl der einzelnen Berufsangehörigen Rechnung zu tragen ober aber, wie es beispielsweise bie Kassen­ärztliche Vereinigung tut, zwischen Höchst- unb Minbesteinkommen ausgleichenb zu wirken, soweit kamerabschaftliche Stanbeshilfe ber gerechten Wer­tung ber Leistung ber einzelnen nicht abträglich ist.

Es ist ein weites unb wichtiges Gebiet, bie So­zialpolitik ber Selbständigen. Nur zu oft wird es

über diese Grundlagen der Leistungsfähigkeit vor­urteilslos klargeworden ist, den 'wird heutzutage eine gewisse Ueberbetonung berß e i b e s ü b u n g" manchmal bedenklich stimmen. Es ist selbstverstäno- lich, baß ein Volk körperlich tüchtig erhalten wer­den muß. Aberes ist ber Geist, ber sich ben Körper bauet"! Die Muskeln dürfen nicht auf Kosten des Gehirnes ausgebildet werden. Im Welt­kriege hat die körperliche Leistungsfähigkeit des deutschen Soldaten die aller feiner Feinde und Freunde weit übertroffen, selbst die des Sport- oolkes, der Engländer. Es liegt also für uns gar kein Grund vor, die körperliche Ausbildung jetzt allzusehr in den Vordergrund zu stellen. Das sitt­liche und völkische Wollen des Volkes hat nach vier Jahren schwerster Entbehrungen und schwersten seelischen Druckes nicht mehr standge­halten. Das zu stärken bedarf es aber vor allem einer sorgfältigen und richtigen Volksbildung und einer möglichst breiten, hochgebildeten Füh­rerschaft, deren geistige Ueberlegenheit auch in härtesten Notzeiten das Vertrauen zur Führung nicht wanken läßt.

Für den Aufbau einer Offizierschaft, die allen Anforderungen der Führerschaft gewachsen ist, läßt sich eine gute Schulbildung um so weniger ent­behren, je weniger das Offiziersein Vorrechte einer abgeschlossenen Herrenkaste ist. Gerade der Offizier, der nicht beschränkter militärischer Fachmann sein darf, sondern allzeit die vorurteilslose Aufgeschlossenheit des echten Füh- r e r s haben muß, braucht klares Denken und einen weiten Gesichtskreis und muß un­erschütterlich in seiner sittlichen Haltung sein. Die Erfahrung lehrt, daß die Schulbildung in dieser Hinsicht nur von außergewöhnlichen Begabungen nachgeholt werden kann, und selbst diese werden sehr oft einen Rest Unsicherheit nicht überwinden, gerade wenn sie sitllich feinfühlig sind sind sie selbst es nicht, so sind meist die Untergebenen um jo feinfühliger.

Um der Auswahlmöglichkeit des Offiziernach­wuchses willen wäre es ein großer Schaden, wenn die Zahl der höheren Schulen verwinde»! würde, um so mehr, als die Verminderung zwangs­läufig die ländlichen Gebiete am stärksten treffen müßte, deren Mittelstand bisher einen großen An­teil zum Offiziersnachwuchfe gestellt hat, aber kaum imstande ist, seine ©ohne auf entferntere Schulen oder HeimschÜlen zu schicken. Zwar muß es nach den Erfahrungen des Weltkrieges als Märchen ange­sehen werden, daß die ländliche und kleinstädtische Bevölkerung bessere ober leistungsfähigere Soldaten stelle als die großen Städte und die Gewerbegebiete, aber es wäre aus volkspolitifchen Gründen ein Fehler, wenn der Offiziersnachwuchs überwiegend aus den Städten käme.

Daß den hervorragend Begabten aus dem

groß, daß ein erheblicher Teil des Ensembles be­schäftigt war. Frau Stirl als die Metzgerswitwe ist zu den lebendigsten und leibhaftigsten unter den Handelnden zu zählen, am meisten Komödienfigur von allen, derbsinnlich, strotzend von Temperament, hin- und hergerissen zwischen Begehrlichkeit und Angst, wahrhaftig ein Stück vom bäuerlichen Weibs­teufel. Frl. Krause gab fein und still, ergeben und hingegeben die bucklige Tochter. Die lustigste Person machte Herr v. Gschmeidler, der den sanft vertrottelten und verfressenen Baron Mucki von Weinstabl mit einem graziös wienerischen, ahnungslos sprudelnden Humor ausstattete.

*

Wiener Sommergäste vermietet. Ihren Mann traf der Schlag, als er sie mit dem Gesellen ertappte, den Gesellen hat sie davongejagt um eines jüngeren willen, der eigentlich mit der buckligen Tochter ver­sprochen ist. Aber der mag die Witwe nicht, um die sich wiederum ein biederer Bäckermeister aus der Nachbarschaft bemüht, indessen die Wiener Sommerfrischlerin sich bei einem Schwimmfest eben­falls in den sehr naturhaften jungen Gesellen ver- jchossen hat und ihn nächtlicherweise aufs Schloß bestellt. Ihr vermeintlich nach Wien abgereister Ver­lobter versteckt sich im Wandschrank, um der Geister­beschwörung zuzuschauen. Aber die stillen Gäste regen sich nicht, weil das die wahre Liebe nicht sein kann, und erst als die Metzgerstochter erscheint und mit ihrem vom schnell enttäuschten Stadt­fräulein verlassenen Burschen zunachtmcchlen" be­ginnt, ist die Stunde für die Abgeschiedenen ge­kommen. Indessen das Liebespaar, müde vom un­gewohnten Wein, entschlummert, führen sie in stum­mer Pantomime ihr altes Spiel zu Ende und ver­schwinden für immer. Die Wiener Gäste reifen am andern Morgen (samt ihrer mannstollen Köchin) heim, dieweil die Metzgerswitwe im Schrecken über einen jäh ausbrechenden Brand, in Angst um ihren irdischen Besitz in Schränken und Truhen, verstört und verspätet die ungeduldige Werbung des Meisters aus der Nachbarschaft erhört, bei dem sie für den Rest ihres unruhigen Lebens versorgt sein wird.

Ein wunderliches Ringelspiel in der Tat, mit einer bald geisterhaften, bald weltlich-dörflichen Mu­sik, mit Spuk und Spaß, mit Gelächter, falschen und echten Tränen, mit vielen Figuren, die bald nah und überdeutlich erscheinen, bald schattenhaft vorüberschwinden wie die blassen und ungewissen Bilder eines wirren Traumes. Herr Kühne als Spielleiter war bemüht, die Vielfalt der Elemente zusammenklingen zu lassen, das Strenge mit dem Zarten, das Grobsinnliche mit dem Uebersinnlichen, das Volksstück mit dem Schwank, das Spukbafte mit dem Alltäglichen. Am einheitlichsten gerieten ihm, für unser Empfinden, die stumme, verschleierte, von Spieluhrmusik begleitete Szene der stillen Gäste und jene andere im Zimmer der Metzgerin, an die freilich einheitlicher angelegten Bauernstücke von Schönherr erinnernd. Herrn L ö f f I e r ist die wohl­gelungene Verwirklichung der ländlichen Schau­plätze, des galanten Spukschlößchens vor allem, Herrn Bräuer die Einrichtung der stimmung­gebenden Bühnenmusik zu danken.

Das Aufgebot der lauten und der stillen, der lebendigen und der abgeschiedenen Gestalten ist so

Die Herren Hub und Rosenthal waren zwei Handwerker von nüchterner und gänzlich un- romantischer Gegenwärtigkeit, durchaus den Dingen dieser Welt zugewandt. Frl. Gerhardt spielte, sichtlich beschwingt, die einem schon historischen Dra- menstil zuaehöriae, harmlos verrückte Sommer­frischlerin Mizzi Brezzel, Herr Neuhaus den ge- jährlich verwilderten, entlassenen Gesellen. Frl. Prinz und Frau Schubert-Jüngling be­tonten die diesseitig-schwankhuften Züge des Spiels, die Damen Jachnow und Fornallaz und Herr Greif machten im Bänkelsängerton die volkstümliche Begleit- und Zwischenaktmusik.

*

Das Publikum hielt sich in erster Linie an die unbestritten heiteren Szenen und spendete freund-

Das Ereuz.

Äon Sofie von Llhde.

Ich war aus dem lieben Bozen, in dessen Gärten schon die weißen und blauen Krokus zwischen dem willig schmelzenden, spärlichen Schnee standen, in diese Weltenferne herausgekommen, hatte auf dem Grödener Joch bei einem alten, wortkargen ladi- nischen Hüttenwart einen Holzhackerschmarren und eine harte Matratze zur Nacht erhalten, hatte mit Schnee und Steilhängen um den Blick der Gipfel gekämpft, und hatte mich nun wieder aufgemacht, um aus dieser herben Wahrheit in die Täler zurück­zukehren in den Süden und in den Traum.

Stille ringsum und Einsamkeit. Der gewaltige Latemar stand wie ein Alter aus der Vorzeit der Riesen, die Wolken fegten um feine Wände, die Stürme pfiffen in feinen Kaminen, meine einsame Skispur und mein klopfendes Menschenherz waren

^Steinhäger

Urquell

verkannt, weil die Zahl der Selbständigen schließ» lief) ja nur einen Bruchteil ausmacht von der so hohen Ziffer der beschäftigten Erwerbspersonen. Vergessen wir deshalb nicht, daß bei der Volks­und Berufszählung von 1933 im Deutschen Reich über 5,3 Millionen felbftänbig E r» roerbstätige gezählt wurden. Wenn jeder dieser Selbständigen damals nur einen einzigen Arbeiter oder Angestellten hätte mehr beschäftigen können, dann hätte es die furchtbare Millionen-Arbeitslosig- keit in unserem deutschen Vaterlande überhaupt niemals gegeben.

V sichern versucht. Zu den freiwilligen Mitgliedern > btr Invaliden- oder Angestelltenversicherung ge= hirten nur die Wenigsten. Während aber die N ichsversicherung sich bemühte, für die Jnvaliden- urj) Angestelltenrenten die Folgen der Inflation nmglichst auszugleichen, ist das ersparte Vermögen birr wirtschaftlich Selbständigen zum größten Teil d rloren gegangen. Das gilt für die Alten ur:ter ihnen. Die Jüngeren wurden aber durch diese A rhältnisse vor die Aufgabe gestellt, mit der Vor­st ge für das spätere Alter von vorne zu beginnen. !'« Sozialpolitik der Selbständigen trat plötzlich als Mtelpunkt dieser Bestrebungen in Erscheinung.

3s wäre faljch, etwa annehmen zu wollen, die vl-antwortlichen Stellen unserer Staatsführung würben dem von der Frage der Selbständigen aus-

Berlin, 14. April 1937. I

In diesen Tagen der Schulreform ist auch das Verhältnis zwischen Bildung und Sol­datentum mehrfach eindringlich erörtert wor­den. Das geschieht in besonders wirksamer Weise in dem Buche von Dr. Bruno H. Jahn Die Weisheit des Soldate n", Keil- Verlag, Berlin SW. Der Wert dieses Buches geht schon daraus hervor, daß der Oberbe­fehlshaber des Heeres Generaloberst Frhr. von Fritsch, das Buch in feinem Geleit­wort als einen wertvollen Beitrag zum mi­litärischen Schrifttum der Gegenwart bezeich­net. lieber die Frage Bildung und Soldaten­tum führt der Verfasser u. a. aus:

Ein gesundes Schulwesen ist für die Wehrhaftigkeit eines Volkes entscheidender als die sogenanntevormilitärische" Jugendausbildung, in der die Gefahr eines seelischen Müdemachens und militärischen Verbildens liegt. Kinder müssen un­behindert spielen dürfen; denn das Spiel ist die kindliche Form des Erlebens und Erfahrens. Sie begreifen die Wehrhaftigkeit besser im Spiel Trapper und Indianer" oderRäuber und Gen­darm" als in noch so sorgfältig angelegten Feld­dienstübungen, deren Sinn' ihr Vorstellungsvermö­gen überschreitet. Ein Rekrut mit offenem Kopfe und ernftem sittlichem Wollen, der noch nie ein militärijches Kommando gehört hat, wird schneller und zuverlässiger ein guter Sol­dat werden als der, der als Kind schon ge­drillt wurde und darum den nötigen Eifer nicht mehr aufbringen kann und dem erst die Einbildung genommen werden muß, schon alles zu wissen und zu können mag sich jener im Anfang auchdus­seliger" anstellen als dieser. Gottlob ist die deutsche Jugend im nationalsozialistischen Staate vor der­art mißverstandener .vormilitärischer" Jugendaus­bildung durch die Weijung der Reichsjugendführung geschützt.

Mit der schnelleren Lernfähigkeit des Gebildeten rechtfertigt fich militärisch die kürzere Dienstzeit des Einjährigen" vor dem Kriege wenn nach der Erprobung des Weltkrieges eine solche Recht­fertigung noch nötig ist. Mit dieser Feststellung sollen beileibe nicht die übrigen Vorrechte der frühe­renEinjährigen" verteidigt werden; ihnen wird kein volksbewußter Soldat nad)trauern. Vor allem kann es jedem Gebildeten nur dienlich fein, eine Zeitlang in eng ft er Gemeinschaft mit der Jugend des ganzen Volkes zu leben, und ebenso nützlich wird es dem Angehörigen der übrigen Stände sein, in der soldatischen Kamerad­schaft zu erfahren, daß die Gebildeten nicht aus einer fremden Welt stammen, sondern Kinder seiner eigenen 21 r t sind.

Im allgemeinen haben die Gebildeten im Kriege trotz scheinbar oder angeblich geringerer Körper­kräfte eine Leistungsfähigkeit gezeigt, die der Leistungsfähigkeit der körperlich arbeitenden Stände zum mindesten nicht nachstand. Alle menschlichen Anstrengungen stoßen immer wieder auf sich ständig verstärkende Ermüdungspunkte, die der Wille überwinden muß, und der Wille ist, sobald es nicht um bloße Selbstbehauptung geht, immer ein Ausfluß des Geistes. Wer sich im Weltkrieg

gefüllten Abschnitt der Sozialpolitik weniger Beach­tung schenken. Daß dies nicht zutrifft, zeigt zum Beispiel der bekannte Brief des Staatssekretärs Dr. Krohn im Reichsarbeitsministerium, den er am 5. November v. I. an den Reichsstand des deutschen Handwerks, dasDeutsche Handwerk" in der DAF. und an das Sozialamt der DAF. über die Frage der Altersversorgung der Selbständi­gen des Handwerks richtete. Der Staatssekre­tär schrieb hier davon, daß viele Selbständige, be­sonders in jüngeren Jahren, die Erwartung hegten, im Laufe ihrer Berufstätigkeit den notwendigen Spargroschen zurücklegen zu können.Nur zu ost", fuhr Dr. Krohn dann fort,geht aber diese Hoff­nung nicht in Erfüllung. Infolgedessen muß man­cher Meister, wenn er das Nachlassen feiner Ar­beitskraft spürt, mit Bedauern feststellen, daß er zwar viele Jahre hindurch für feine Gefvlgschafts- mitglie'ber Beiträge entrichtet, für f i ch selber aber nicht gejorgt hat." Der Staatssekretär teilte dann mit, daß er bereit sei, der Reichsregie­rung die Alters- und Jnvaliditätsversorgung der Selbständigen im Wege einer sozialen Pflichtversicherung vorzuschlagen,wenn dies den Wünschen der Beteiligten entspricht".

Der Reichsstand des Handwerks hat den Brief des Staatssekretärs zunächst den Landeshandwerks­meistern zur Kenntnis gebracht, um eine Stellung­nahme aus dem Lande zu erhalten. Jetzt ist vom Reichsstand ein vorläufiger Vorschlag als Antwort auf das Schreiben des Staatssekretärs veröffentlicht worden. Wie gesagt, es handelt sich noch nicht um eine endgültige Stellungnahme, son­dern nur um einen vorläufigen Vorschlag. Nur in einem Punkt ist die Stellungnahme bereits endgül­tig. Er aber betrifft den Wunsch der Selbständigen im Handwerk, bei der Alters- und Invaliditäts- Versorgung nicht den Versicherungsgrund- s a tz zugunsten einer beitragfreien, aus Steuermit­teln gespeisten Staatsbürgeroersorgung aufgeben zu wollen. Die jüngeren Selbständigen sollen also mindestens moralisch verpflichtet werden, durch eigene Beitragsleistung im Weae des Versicherungsgrundsatzes, sei es durch Abschluß einer Lebens- oder einer Rentenversicherung, einen Rechtsanspruch auf spätere Gegenleistung für die Sicherung ihres Alters zu erwerben. Den Aelteren und besonders den alten Meistern kann damit aller­dings nicht mehr geholfen werden. Deshalb spricht sich der vorläufige Vorschlag des Reichsstandes wei­terhin für eine aus Zwangsbeiträgen von allen Selbständigen des Handwerks zu bildende Unter- stützungskasse aus. Aus ihr sollen dann den Altennach Prüfung ihrer Würdigkeit und Bedürf­tigkeit als freiwillige Leistung ohne Rechtsanspruch Unterstützungen" gewährt werden.

Im Handwerk und Handel sind die Mehrheit derjenigen, die von der Sozialpolitik der Selbständigen unmittelbar berührt werden. Aber noch weitere wichtigste Berufsstände sind hier zu nennen. Es genügt, auf die freien Berufe hinzuweifen: die Aerzte, die Rechtsanwälte, die

im Sinne einer aktiven Sozialpoliti Selbständigen zu wirken. So sind Bestrebung, verzeichnen, dem Familienstand und der Ki

z:sammenbrechender Mittelstand zwangsläufig das Slrbeitertum unb die Angestelltenschaft mit sich in he Tiefe reißen.

Sozialpolitik der Selbständigen.

Äon Dr. Erich Schmidt, Äerlm.

Was soll das eigentlich: Sozialpolitik der Selb- Itändigen? Der Begriff der Sozialpolitik wird von h-en meisten anders gedeutet. Sie verbinden mit ihm nur Schutz- ober Fürsorgemaßnahmen für die wirtschaftlich abhängige Arbeit. Selbstverständlich ist hierin das Hauptgebiet der Sozialpolitik zu sehen. Uber sie darf sich damit nicht erschöpfen. Es ist lalsch, nur so die Sozialpolitik deuten zu wollen.

In dem reichen Vorkriegsdeutschland hatten das allerdings die wenigsten erkannt. Man sah die so- iale Frage für jeden gewissermaßen als gelöst an, wenn er d i e wirtschaftliche Selb st an» h i g f e i t, das Arbeiten auf eigene Rechnung, er- ! wicht hatte. Daß es aber eine wirklich erfolgreiche i Sozialpolitik überhaupt nicht geben kann, ohne ge» itibe auch der selbständigen Arbeit das größte Lugenmerk zu schenken, das wurde vor dem Kriege nter den Wirtschaftswissenschaftlern wohl nur von Luhland gesehen, dessen System der politischen Monomie erst das nationalsozialistische Deutsch- Innl) an den verdienten Platz der Beachtung ge­sellt hat.

RuhUand hat einmal angeknüpft an das Wort ivn Geheimrat Kirdorf:Sucht die Ar- leitsgelegenheit möglichst zu vermehren, tann ist die soziale Frage gelöst." Ruhland hat scnzugefügt, daß er diesem Satz folgende Formu- erung geben möchte:Sucht die selbständige Irbeitsgelegenheit tunlichst zu erweitern, und die lohnfrage wird zur Hälfte gelöst sein." Ruhland at das auch begründetNach oben", schrieb er, .wird der Lohn der Hilfsarbeiter (so nennt Ruhland e Arbeiter im engeren Sinne des Wortes, 6. 23.) ^rerizt durch den Arbeitsertrag der selbständigen Irbeit. Daß aber innerhalb dieser Grenze die be= < chtigte Höhe erreicht werde, bleibt wesentlich von er Leichtigkeit des Auf st eigens der ilfsarbeiter in selbständige Stel- ungen und von der Tüchtigkeit der sozialen irZiehung der Heranwachsenden Ar­biter zur Arbeitsamkeit und Spar- i m t e i t abhängig."

5»iestillen Gäste" sind Spukgestalten in einem dschlößchen der Passauer Erzbischöfe, die ruh- lcsim Ueberlebenden und schattenhaften Akteure ein s galanten Abenteuers mit Liebe und Tod aus dr verschollenen Rokoko. Diese stummen Figuren - Graf und Gräfin, der schöne Venezianer Barna­ba, die Zofe Gotelinde, der Schloßkastellan Qi), rian, sie alle geleitet und eingeführt vom Tode im Marrenkleid sollen nicht eher erlöst sein und 3une finden von ihrem späten Geisterdasein, bis Uuii innig Liebende sich im Schlößchen zur ersten Acht ihres Beisammenseins finden.

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'2ber bevor die wahre, schlichte und herzensein- filtige Liebe sich im verwunschenen Gartensaal fin- Kt, schlingt sich ein wilder Reigen der WUllust und ivichen Verliebtheit um den verwaisten Bischofssitz trfc das nahegelegene Dorf. Da ist die hitzige, c.'Kcnbe Metzgerswitwe, die das Schlößchen an

Es ist hier nicht der Raum, diese Gedankengänge rrtzuführen. Sie sind ja auch eindeutig und klar c nug. Sie zeigen vor allem und deshalb haben iir sie herausgestellt, daß die Frage der So- znlpolitik der Selbständigen nichts mit Standes- | dunkel oder Sonderwünschen zu tun hat, sondern

nz im Gegenteil eine der Kernfragen der Sozial- p-litik überhaupt ist. Ruhland hat schon recht; ge= Mde Mittelstandspolitik bringt auch die Frucht o. sunder und aufsteigender Verhältnisse für die n.rtschaftlich abhängige Arbeit. Umgekehrt muß ein

Gießener Giadttheater.

Richard Billinger:Stille Gäste".

Der Oesterreicher Richard Billinger, aus Sankt Marienkirchen gebürtig, in München lebend, begann nit Gedichten, schrieb später RomaneDie Asche e> Fegfeuers",Das Schutzengelhaus",Lehen u- Gottes Hand" und wurde einem größeren iife in Deutschland mit Stücken wieRauhnacht", lie Rosse",Das Perchtenspiel" undDie Hexe oi Passau" als Dramatiker bekannt. Die Mehr- ahl dieser Werke ist der österreichisch getönten, iiierlidien Umwelt Dillingers entwachsen, und es Met sich in den meisten von ihnen auch jene ic=ntümüd)e Mischung sehr verschiedener und ein­iger widerstrebender Elemente, welche die 1933 in iespzig uraufgeführte Komödie von den stillen ßiifiten kennzeichnet.

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5s mischt sich darin auf eine wunderliche Weise rusches und Ueberirdisches, Frommes und sehr sittliches, Romantik und Realistik, Traumspiel und ^c-bheit, handfestes Bauerntum aus dem Jnn- ; iictel und ein Gespensterspuk wie aus dem Ra­nk tenkabinett Wedekinds und der Expressionisten, Ne der echten Komödie und Bestandteile des er- riibten Schwanktheaters. Was Billinger vorge- d)Debt hat bei der Konzeption dieses Stückes, war C^I der Griffins volle Menschenleben", eine r Ringelspiel so sagt man in feiner Heimat hicr Marionettenreigen menschlicher Narrheit und ie: liebtheit.