Hr.89 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Samstag, 17. April <937
Er) Heim tägltd), außei Sonntags und Feiertags Beilagen: Vie JUu|tTterit Gießener Familienblätter Hermat im Bild Die Scholl»
Monals-Vezugspretr: 9Jltt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Hernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtyach« richten: Anzeiger Siesten
Postscheckkonto:
Srantfurt am Main 11688
GietzenerAuzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dru6un6 Verlag: vrühl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die ‘JJhttagsnummer bis 8* /,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm Höhe
für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text« anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach Dort) Vereinbg. 25% mehr.
Ermässigte Grundpreise:
Stellen-., Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf.Familienanzeigen, Bader-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Großartiger Erfolg des Winterhilfswerks.
Reichsminister Dr. Goebbels meldet dem Führer einen Ertrag von mehr als 400 Millionen im Winter 1936/37.
Berlin, 16. April. (DNB.) Am Freitagmittag begab sich Reichsminister Dr. G-o e b b e l s mit dem Reichswalter der NSV. und Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk Hauptamtsleiter Hilgen- feldt, dem Gauamtsleitern der NSV. und gleichzeitig Gaubeauftragten des Winterhilfswerks, den Sachbearbeitern der Reichsführung des WHW., den ältesten Mitgliedern der NSV. und Vertretern der NS.-Frauenschaft in die Reichskanzlei zum Führer, um den Rechenschaftsbericht über das WHW. 1936/37 zu erstatten. Mit noch viel größerem Stolz als in den Jahren vorher konnte Reichsminister Dr. Goebbels dem Führer das Ergebnis des diesjährigen Winterhilfswerkes verkünden. Denn dieses einzigartige große Gemeinschaftswerk des deutschen Volkes hat abermals das Ergebnis des Vorjahres bei weitem übertroffen. In diesem Jahre sind es fast 400 Millionen Mark, die vom deutschen Volk als praktischer Sozialismus der Tat für jenen von Jahr zu Jahr immer kleiner werdenden Volksteil aufgebracht wurden, der noch nicht in dem Maße die Segnungen des Wirtschaftsaufstieges gespürt hat, wie die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes.
Äechsmmifter Dr. Goebbels meldete dem Führer das Ergebnis des diesjährigen Winterhilfswerkes mit folgenden Worten:
Mein Führer!
„Die Leistungen des WhV. 1936/37 haben wiederum die Leistungen des vergangenen WHW. übertroffen. Das vorläufige Ergebnis des WHW. 1936/37 beläuft sich auf rund 398,5 Millionen Mark. Das endgültige Ergebnis wird um einige Millionen die 4 0 0 - M i l - lionengrenze überschreiten. Dies bedeutet eine Steigerung von etwa 50 Millionen Mark gegenüber dem ersten WHW. und von etwa 30 Millionen Mark gegenüber dem vergangenen WHW.
Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands spiegelt sich in den Zahlen wieder. Es wurden durch das WHW. durchschnittlich betreut:
1933/34 16,6 Millionen, 1934/35 13,9 Millionen, 1935/36 12,9 Millionen, 1936/37 10,7 Millionen.
Es ist dabei besonders zu beachten, daß die Betreuung durch das WHW. vollkommen zusätzlich ist. Die Leistungen des WHW. treten also zu den F ü r s o r g e m a ß n a h m e n des Staates undder Gemeinden hinzu. Zum Kreise der betreuten Volksgenossen gehören nicht nur die Erwerbslosen mit ihren Familienangehörigen, sondern auch Kleinrentner, Notstands- a rb eiter und alle sonstigen Volksgenossen, die den nötigen Lebensunterhalt für sich und ihre Familie nicht aus eigenen Kräften und Mitteln beschaffen können. Erbgesunde kinderreiche Familien und Hilfsöedürftige, alte Kämpfer der Bewegung 'werden dabei besonders berücksichtigt. Die steigenden Sammelergebnisse haben bewiesen, daß auch die zweite große Aufgabe des WHW. vollen Erfolg gehabt hat, nämlich die Ausgabe, im deutschen Volke durch den ständigen Appell an die Opferbereitschaft den Aedanken der Volksgemeinschaft zu pflegen, zu vertiefen und zu erhärten.
Es ergaben Sammlungen:
Opfer von Lohn und Gehalt, einmalige und laufende Monatsspenden 1935/36 137,9 Millionen Mark, 1936/37 162 Millionen Mark.
Eintopfsammlungen: 1935/36 32 Millionen Mark, 1936/37 33 Millionen Mark.
Reichsstraßensammlungen: 1935/36 18,4 Millionen Mark, 1936/37 38 Millionen Mark.
Die Zahl der verkauften Abzeichen bei den Reichsstraßensammlungen hat sich ebenfalls belrächllich erhöht. Sie betrug 131,5 Millionen Stück gegen 73,1 Millionen Stück im MhW. 1935/36 und 31,5 Millionen Stück im WHW. 1933/34. Sie ist also gegenüber dem ersten Tvinterhilsswerk um 100 Millionen Stück gestiegen. Für die Herstellung der Abzeichen konnten wiederum notleidende Industrien, insbesondere solche mit vorwiegender heim- und Handarbeit, unterstützt werden. Es waren rund 5 Millionen Arbeitsstunden dafür erforderlich. Die den deutschen Notstandsgebieten durch die Abzeichenausträge zugeführte Summe beläuft sich auf rund 7 Millionen Mark. Am Tag der Nationalen Solidarität wurden über 5,6 Millionen Mark gesammelt, das Ergebnis des Vorjahres also noch um 1,6 Millionen Mark übertroffen. Diese Sammlung ist übrigens wohl der beste Gegenbeweis gegen die ausländische Lügenpropaganda, daß sich die Vertreter des deutschen Volkes nicht ohne Bewachung in der Oeffent- lichkeit bewegen können.
Von den Zuwendungen an die Betreuten im Rahmen der Ernährungs- und Wärmehilfe des WHW. feien besonders hernorzuheben: Kartoffeln 5,2 Millionen dz, Kohlen 22,1 Millionen dz. Bei den großen Ankäufen an Nahrungsmitteln ist das WHW. in noch größerem Maße als in den Vorjahren als volkswirt- ffchaftlicher Ausgleichsfaktor hervorgetreten, das
WHW. wirkt grundsätzlich marktregelnd und marktausgleichend. Es kauft nur solche Nahrungsmittel, die auf dem freien Markt im Ueber-- stuß vorhanden sind. Mit diesem, bereits seit dem ersten WHW. vertretenen Grundsatz wirkt das WHW. als Großverbraucher verbrauchslenkend und unterstützt auf das Nachdrücklichste die ernährungspolitischen Notwendigkeiten, die dem deutschen Volke durch den Vierjahresplan gestellt sind. Von diesen Maßnahmen sind besonders her- vorzuheben: der Kauf von rund 19 Millionen Kilogramm Gemüse, das infolge der ausgezeichneten Ernte nicht auf dem freien Markt abgesetzt werden konnte und dem Verderb ausgesetzt gewesen wäre, der Kauf von einer Million Kilogramm Tilsiter Käse zur Entlastung des ostdeutschen Käsemarktes, der Kauf von 8 Millionen Kilogramm Fischfilet, von rund 4 Millionen Kilogramm Zucker und von 1,3 Millionen Kilogramm Brotaufstrich- mi tte ln aus Obst.
Auf Grund der steigenden Spenbenerträge auf der einen Seite und der sinkenden Betreulen- ziffern auf der anderen Seite ist das Winter- Hilfswerk in der Lage, die sonst in den Sommermonaten üblichen Sammlungen der Verbände der freien Wohlfahrtspflege und des Reichsmütlerdiensies abzulösen. Die Aufgaben dieser Organisationen der deutschen freien Wohlfahrtspflege werden künftig aus den großen Opfern des Winterhilfswerkes finanziert. Das deutsche Volk, das in allen Winterhilfswerken
seinen großen Opfergeist bewiesen Hal, ist so im Sommerhalbjahr entlastet. Auch während der Dauer des WHW. schon erhielten die Einrichtungen und An st alten der Verbände der freien Wohlfahrtspflege (Innere Mission, Earitas-Verband, Rotes Kreuz) als Ausgleich für die früher durchgeführten Lebensmittelsammlungen Sachspenden zugewiesen. Die Zuwendungen beliefen sich auf rund 3 Millionen RM. im WHW. 1936/37.
Die besonders großzügige Einstellung des WHW. geht auch daraus hervor, daß sämtliche im Deutschen Reich lebenden hilfsbedürftigen Ausländer unterstützt wurden, soweit sie sich durch ihre Einstellung und Haltung gegenüber dem Deutschen Reich dieser Unterstützung würdig erwiesen. Die Zahl der unterstützten Ausländer betrug im WHW. 1935/36 88 950. Die Zuwendungen an die unterstützten Ausländer beliefen sich auf rund 2,5 Millionen RM. Für das WHW. 1936/37 liegen die entsprechenden Zahlen noch nicht vor. Sie dürften sich jedoch in ähnlicher Höhe halten.
Die Lösung der gewaltigen Organisationsaufgaben des WHW. war dadurch möglich, daß sich rund 1,3 Millionen ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen in den Dienst dieses Hilfswerkes stellten. In Vertretung jener Armee unbekannter Helfer und Helferinnen sind hier aus allen Gauen des Reiches Frauen und Männer versammelt, um Ihnen, mein Führer, zu danken für diese große sozialistische Tat, an der sie Mitarbeiten durften.
Des Führers Dank an Sammler und Spender.
Der Führer richtete darauf eine herzliche Dankansprache an Reichsminister Dr. Goebbels, Hauptamtsleiter Hilgenfeldt und die anwesenden Mitarbeiter des Winter- hilfswerkes. Er behandelte insbesondere das Winterhilfswerk als ein wesentliches Instrument der Erziehung des deutschen Volkes zu einer sozialistischen Gemeinschaft und damit als eine unerläßliche Mithilfe an der völligen Neugestaltung des deutschen Volkes. Der Führer dankte ganz besonders herzlich den Beauftragten für das Winterhilfswerk und mit ihnen den Millionen, die draußen im Lande wieder einen Winter freiwillig sich in den Dien ft dieser sozialistischen Aufgabe gestellt und erneut eine Leistung vollbracht haben, für die es in der deutschen Geschichte und in der Welt kein Beispiel gibt. Die Beauftragten des Winterhilfswerkes, denen die Stunde zu einem großen Erlebnis geworden war, wurden dann dem Führer einzeln vorgestellt und blieben zum gemeinsamen Mittagessen Gäste des Führers in der Reichskanzlei. Italienische Spende fürs W
Berlin, 16. April. (DNB.) Der Präsident des italienischen Filminstituts „Luce", Marchese Pau - lucci di Calboli, bevollmächtigter königlicher italienischer Minister, hat an den Führer und Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet:
Herr Reichskanzlei
Das deutsch-italienische Konsortium für den Film „Condottieri" hat — auf den Vorschlag des Aufsichtsrates Herrn Comm, Mainz, Direktor der Tobis- Cinema Film — anläßlich feiner Jahrestagung der
Aktionäre beschlossen, mir die Summe von 1 0 0 0 H R M. auszuzahlen, als Entgelt für mein Amt als Präsident des Konsortiums. Gestatten Sie mir, Exzellenz, diese e r ft e deutsch - italienische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Filmes besonders betonen zu dürfen und Ew. Exzellenz, anläßlich des glückverheißenden Tages Ew. Exzellenz Geburtstages^) i e Summe von 5000 R M. überreichen zu dürfen, worüber Em. Exzellenz im Rahmen des WHW. der NSDAP, nach eigenem Ermessen verfügen möge. Gleichzeitig werde ich S. E. Benito Mussolini, Duce des Faschismus, die andere Hälfte der in Frage stehenden Summe übergeben, und zwar zugunsten der Winterhilfswerke der PNF. (Partita Nazionale Fafcifta — nationalen faschistischen Partei). Wollen Sie bitte, Herr Reichskanzler, den Ausdruck meiner tiefsten Ergebenheit entgegennehmen.
Der Führer und Reichskanzler hat dieses Schreiben wie folgt beantwortet: Sehr verehrte Exzellenz! Der Herr königlich-italienische Botschafter hat mir Ihr Schreiben vom 8. d. M. nebst Ihrem Scheck über den Betrag von 5000 RM. übermittelt, den Sie mir für das WHW. des deutschen Volkes zur Verfügung stellen. Ich danke Ihnen herzlichst für diese Spende und die mir damit ausgedrückte freundschaftliche Gesinnung, die ich zu würdigen weiß. Ich habe den Betrag von 5000 RM. wunschgemäß dem WHW. zugeführt mit der Maßgabe, daß aus dieser Summe gegebenenfalls in erster Linie etwaige hilfsbedürftige Mitglieder der italienischen Kolonie in Berlin unterstützt werden sollen. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung (gez.) Adolf Hitler.
Der neue Sieg der Solidarität.
Der Abschlußbericht des Winterhilfswerks 1936/37, der von Reichsminister Dr. Goebbels dem Führer und Reichskanzler oorgelegt werden konnte, ist wieder ein Sieg der Gemeinschaft über d i e Not des einzelnen, eine Tat des Friedens in einer Zeit der Unruhe außerhalb unseres Vaterlandes.
Eine stolze Zahl steht an der Spitze dieses Berichtes, weit sichtbar für jedermann: 398,5 Millionen Reichsmark in Bargeld und Sachwerten standen dem WHW. zur Linderung von Not und Kälte zur Verfügung. Als vor einem Jahr die große Summe von 374 Mill. RM. als das Ergebnis für 1935/36 bekannt wurde, hat mancher geglaubt, daß damit ein Höhepunkt erstiegen sei, der sich kaum wiederholen werde, zumal bei der fortschreitenden Besserung der Wirtschaftslage die Notwendigkeit der Hilfeleistung und damit auch die Neigung zu freiwilligen Beiträgen geringer werden müsse. Die Erfahrung hat nun gezeigt, daß solche Gedankengänge irrig waren, denn das Volk in feiner Gesamtheit ist so stark von dem nationalsozialistischen Grundsatz der Solidarität erfüllt, daß es seine Hilfsbereitschaft nicht nach äußeren Beweggründen, sondern aus innerer Erkenntnis heraus bestätigt. Jeder weiß, daß es in Deutschland nach langen Jahren des wirtschaftlichen Niederbruchs genügend Schäden zu heilen gibt, trotz der Ueberwin'dung der Arbeitslosigkeit, daß die Mittel dafür nicht reichlich genug fliehen können. Es handelt sich ja nicht nur um die Bekämpfung akuter Notstände, sondern auch um die Heilung alter Gebrechen,.es geht nicht um Heizung und Nahrung für Arbeitslose, sondern
auch um das Heer von Alten und Schwachen, die ihre Not in der Stille fragen. Und schließlich war es auch möglich, die Höhe der Einzelunterstützung zu steigern.
Wenn Bruderhilfe Christenpflicht ist, so kann der nationalsozialistische Staat für sich in Anspruch nehmen, mit seinem WHW. eine wahrhaft christliche T a t vollbracht zu haben. Das Volk hat diese Sprache verstanden und sieht im Winterhilfswerk eine starke Waffe im Kampfe gegen die Kräfte der Gottlosenbewegung und gegen den Bolschewismus. In der Ablehnung der christlichen Gemeinschaftsschule durch manche kirchliche Kreise sehen wir den Gedanken der Trennung der Bekenntnisse. Anders das Winterhilfswerk: es stellt in seiner einzigartigen Leistung ein Werk der Einigung und der Gemeinschaft dar. Wir Deutsche wollen anderen Völkern unsere Erkenntnisse nicht aufdrängen. Denen aber im Auslande, die uns gute Lehren geben wollen, haben wir immer gesagt und sagen es wieder: Wir wollen den Frieden in der Welt und mit allen Völkern, wir verteidigen aber auch den sozialen Frieden in der eigenen Nation, der keine Straßenkämpfe, keine Hungersnot, keine Streiks und Aussperrungen, der keine Interessengegensätze kennt. In diesem Gefühl steht das ganze Volk hinter Adolf Hit - l e r und seinen Männern. Diese festgeschlossene Front ist der schönste Dank für alle, die als freudige Spender oder unermüdliche Sammler zum Erfolge des Winterhilfswerks beitragen und die Not aus deutschen Häusern verscheuchen konnten.
praktische Politik.
Die Vorbereitungen für die Ueberwachung der Grenzen Spaniens gegen Freiwilligen- und Waffenschmuggel haben erheblich längere Zeit in Anspruch genommen, als man es sich im Londoner Nichteinmischungsausschuß ursprünglich vorgestellt hatte. Es gab nicht nur Schwierigkeiten bei der Aufstellung des Kontrollplans, auch die Personalfrage bedurfte eines sorgfältigen Abwägens der sehr verschiedenen Ansprüche und Interessen. Im wesentlichen.sind kleinere, an dem Spanienkonflikt uninteressierte Mächte gebeten worden, für die Ueberwachungsstellen Offiziere zur Verfügung zu stellen. So hat man nun also endlich in London sich darauf einigen können, am kommenden Montag den Kontrollplan in Kraft zu setzen. Gleichzeitig hat der Ausschuß, ermutigt durch diesen ersten, wenn auch erst nach vielen vergeblichen Anläufen und manchen bedenklichen Krisen errungenen Erfolg, beschlossen, sich nun auch sofort auf das nächste Problem der Nichteinmischung im Zusammenhang mit dem spanischen Bürgerkrieg zu stürzen: die Frage der Zurückziehung der Freiwilligen, nachdem es inzwischen gelungen ist, die durch das provokatorische Verhalten der Sowjetvertreter heroorgerufene ablehnende Haltung der Italiener in dieser Frage zu revidieren. Es handelt sich um den Abtransport aller derjenigen Personen aus Spanien, die direkt oder indirekt an dem spanischen Konflikt teilnehmen, ohne spanischer Nationalität oder vor dem 18. Juli 1936 naturalisiert zu sein. Letztere Bedingung ist deshalb so außerordentlich wichtig, weil die Valencia - Bolschewisten, sobald sie im Spätherbst des vorigen Jahres ein Eingreifen der Mächte zu Gunsten einer Nichteinmischung in Spanien kommen sahen, auf Anregung von Moskau hin, die ihnen über die französisch-spanische Grenze oder zu Schiff von Frankreich oder Rußland her zugeleiteten „Freiwilligen" in großzügiger Weise mit spanischen Pässen ausgestattet haben, bevor sie sie in die „Internationale Brigade" oder andere bolschewistische Formationen einreihten. Alle diese frischgebackenen „Spanier" würden natürlich genau so unter die Bestimmung des Rücktransportes fallen müssen, wie diejenigen, die bis heute als Staatsangehörige der im Nichteinmischungsausschuß vertretenen Länder einer der kriegführenden Parteien in Spanien sich zur Verfügung gestellt haben.
Ein wesentliches Moment für die tatsächliche Wirksamkeit dieser neuen Maßnahme zur Isolierung des spanischen Bürgerkriegs liegt noch in dem Wörtlein „inöireft". Damit soll einem namentlich von Deutschland und Italien immer wieder energisch vorgebrachten Wunsch Rechnung getragen werden, nicht nur den spanischen Kriegsschauplatz von denjenigen Ausländern zu säubern, die mit der Waffe in der Hand in der Front mitkämpfen, sondern auch von den für die Zuspitzung des Konflikts und feine Verlängerung weit gefährlicheren ausländischen Elementen, die jetzt als „Berater" und Propagandisten in Spanien tätig sind. Es ist bekannt, wie Moskau mit gewohnter Rücksichtslosigkeit das ganze Land, soweit es sich noch im Besitz der Bolschewisten befindet, mit einem Netz ausgesuchter Agenten der Komintern überzogen hat, die überall die örtlichen Machthaber in der Methodik des Bürgerkriegs zu unterweisen haben. Welch gelehrige Schüler sie dabei gefunden haben, mußten wir mit Grausen vernehmen aus den Berichten über den bestialischen Terror, dessen Spuren überall dort zu sehen waren, wo es den Truppen Francos gelungen ist, das Land von der Bolschewistenherrschaft zu befreien. Aber neben diesen Propagandisten der Weltrevolution, diesen Systematikern 'des Bürgerkriegs, hat Moskau auch mit der Entsendung von Generalstäblern und Spezialisten des technischen Kriegs nicht gespart. Sie erst haben es den bolschewistischen Machthabern in Barcelona und Valencia ermöglicht, die Verteidigung von Madrid, wie den Widerstand an der langen Front von Andalusien bis nach Aragon und in den baskischen Provinzen wirkungsvoll zu organisieren.
Wenn also die Nichteinmischung uneingeschränkt Tatsache werden soll und die Spanier bei der Gestaltung ihres nationalen Schicksals wirklich unter sich bleiben sollen, ein Grundsatz selbstverständlicher Achtung nationalen Selbstbestimmungsrechts, zu dem Deutschland und Italien sich schon zu Beginn des Bürgerkriegs in Spanien ohne Einschränkung bekannt haben und den auch Herr Eden in seiner letzten Rede als richtungweisend für die englische Politik bezeichnet hat, so wird der Nichteinmischungsausschuß nicht umhin können, in seinen künftigen Beratungen das Problem des Abtransports der Freiwilligen besonders auch unter diesem Gesichtspunkt zu behandeln, die Spanier vor jeder ausländischen Einflußnahme, in welcher Form sie auch immer auftreten möge, sicherzustellen. Nur dann wird sich mit der wünschenswerten Klarheit Herausstellen, welchem Regime das spanische Volk sich aus innerer Ueberzeugung zuneigt, einem Regime der nationalen Ordnung und des 'sozialen Friedens, für das General Franco und die Seinen kämpfen und dem sie in den von den Roten befreiten Provinzen auch bereits verheißungsvoll die Wege zu ebnen begonnen haben, oder einem Sowjetregime, das als Moskaus Filiale am Mittelmeer mit Mord und Terror das bolschewistische Chaos in Spanien verewigen würde und dank der weltrevolutionären, die Grenzen der Nationen mißachtenden Propaganda des Bolschewismus das Land zu einer ständigen Quelle der Beunruhigung für den europäischen Frieden machen müßte. Wir meinen, die Ent- cheidung zwischen beiden wird man den Spaniern bedenkenlos allein überlassen können. Daß dafür die Voraussetzungen geschaffen werden, dafür hat der Nichteinmischungsarrsschuß mit aller Energie Sorge zu tragen.


